Content

5.5.4 Konsolidierung von positiven und negativen Ergebnissen im Ausland (Landesholding) in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 443 - 445

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_443

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
5.5 Steuerplanung durch Errichtung einer Holding im Ausland 415 5.5.4 Konsolidierung von positiven und negativen Ergebnissen im Ausland (Landesholding) Kapitalgesellschaften sind selbständig steuerpflichtig. Hieraus ergeben sich dann wirtschaftliche Nachteile, wenn einzelne Tochterkapitalgesellschaften Gewinne erwirtschaften, während bei anderen Tochterunternehmen Verluste entstehen. Nach dem Trennungsprinzip scheidet bei Kapitalgesellschaften ein unternehmensübergreifender Verlustausgleich aus. Dieser nachteilige Effekt wird in zahlreichen Staaten durch die Möglichkeiten einer Gruppenbesteuerung48 zumindest abgeschwächt. Sofern die Voraussetzungen für eine Gruppenbesteuerung erfüllt sind, werden die Erfolge der einzelnen Tochterkapitalgesellschaften zusammengerechnet, sodass es insoweit konzernintern zu einer Verrechnung von Gewinnen und Verlusten kommt49. Die Gruppenbesteuerung kann insbesondere dann als steuerplanerisches Instrument eingesetzt werden, wenn bei einer Tochterkapitalgesellschaft Verluste entstehen, während bei einer anderen Tochterkapitalgesellschaft, die ihren Sitz im gleichen Staat hat, Gewinne entstehen. Werden diese Gesellschaften über eine Holdinggesellschaft mit Sitz im gleichen Staat zusammengefasst (Landesholding), ist innerhalb dieses Staates ein konzerninterner Verlustausgleich möglich. Die Gründung einer Landesholding ist deshalb notwendig, weil die meisten nationalstaatlichen Regelungen zur Gruppenbe- 48 In Deutschland wird die Gruppenbesteuerung durch die (körperschaft- und gewerbesteuerliche) Organschaft umgesetzt. 49 Die Voraussetzungen für die Gruppenbesteuerung und damit für den konzerninternen Verlustausgleich sind in den einzelnen Staaten unterschiedlich umgesetzt. Zum Teil sind die Voraussetzungen enger als für eine Organschaft nach deutschem Steuerrecht, zum Teil gehen die Anforderungen weniger weit. Zu einer Zusammenstellung der Anwendungsvoraussetzungen und Rechtsfolgen im internationalen Vergleich siehe z.B. Endres, D., Konzernbesteuerung, 2003, S. 461–482; Jacobs, O.H., International, 2007, S. 974–979; Oestreicher, A./Scheffler, W./Spengel, C. u.a., Konzernbesteuerung, 2008, S. 72–103; Schmidt, L./Heinz, C., Stbg 2006, S. 141–143. Mutterunternehmen Deutschland Mutterunternehmen Deutschland Holdinggesellschaft als Landesholding Tochter 2 Staat A Tochter 1 Staat A Tochter 2 Staat A Tochter 1 Staat A Gewinn 100 KSt 25 Verlust 100 Gewinn 100Verlust 100 KSt -,- Zusammenfassung der Ergebnisse Abb. 5.6: Konsolidierung von positiven und negativen Ergebnissen durch Einsatz einer Holdinggesellschaft 416 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition steuerung den Einbezug von Tochterkapitalgesellschaften mit Sitz in einem anderen Staat ausschließen. Beispiel: Ein deutsches Mutterunternehmen ist in einem Staat an zwei Tochterkapitalgesellschaften beteiligt. Die Tochterkapitalgesellschaft 1 erwirtschaftet Gewinne in Höhe von 100, während bei der Tochterkapitalgesellschaft 2 Verluste von 100 entstehen. Hält die deutsche Mutterkapitalgesellschaft die beiden ausländischen Tochterkapitalgesellschaften direkt, scheidet aufgrund des Trennungsprinzips ein Verlustausgleich zwischen den beiden Grundeinheiten aus. Die Tochtergesellschaft 1 schuldet auf ihren Gewinn eine ausländische Körperschaftsteuer von 25, während bei der Tochterkapitalgesellschaft 2 die Verluste nicht verrechenbar sind. Die Steuerbelastung im Quellenstaat beläuft sich auf 25, obwohl in der Summe im Ausland keine Gewinne erzielt werden. Werden die beiden Tochterkapitalgesellschaften durch eine Landesholding zusammengefasst und sind die Voraussetzung für die in diesem Staat bestehende Gruppenbesteuerung erfüllt, werden die Ergebnisse der beiden Tochterunternehmen auf Ebene der Landesholding addiert. Die Bemessungsgrundlage und damit die ausländische Körperschaftsteuer belaufen sich auf Null, da es auf Ebene der Landesholding zu einem (konzerninternen) Verlustausgleich kommt. 6. Zwischenstaatliche Erfolgszuordnung im international tätigen Unternehmen Für jede ausländische Grundeinheit, sei es eine Zweigniederlassung (Betriebsstätte) oder ein Tochterunternehmen, ist festzulegen, welche Funktionen diese übernimmt und welche Risiken sie trägt bzw. über welche Gewinnchancen sie verfügt. Diese unternehmenspolitische Entscheidung beeinflusst die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung in erheblichem Maße. Je mehr Funktionen die ausländische Grundeinheit ausübt bzw. je mehr Risiken sie zu tragen hat, umso höher ist der Teil des Gesamtgewinns des Unternehmens, der als ausländische Einkünfte gilt. Umgekehrt lässt sich formulieren: Je weniger Funktionen und Risiken der Auslandseinheit zugeordnet werden, umso geringer sind die auf sie entfallenden Gewinne. Die mit der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung verbundene Verrechnungspreisproblematik ist von höchster praktischer Relevanz, da damit über die Abgrenzung der Besteuerung zwischen den beteiligten Staaten entschieden wird. Die Bedeutung wird daran erkennbar, dass nach Schätzungen bereits in den neunziger Jahren zwischen 50 % und 60 % des Welthandels und des Handels innerhalb der EU auf unternehmensinterne (konzerninterne) Leistungsbeziehungen zurückzuführen war1. Im Abschnitt 2.2 wurden bereits die Grundfragen der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung erläutert. In diesem Zusammenhang wurde auf die Bedeutung der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung für die Unternehmen und die beteiligten Staaten sowie auf das Veranlassungsprinzip als Ausgangspunkt für die Aufteilung des Erfolgs auf das In- und Ausland eingegangen. Zusätzlich wurden die Konzeption sowie Stärken und Schwächen der indirekten Methode (Schlüsselung des Gesamtgewinns) und der direkten Methode (Aufteilung mit Hilfe von Verrechnungspreisen) vorgestellt. In diesem Abschnitt geht es um die Umsetzung dieser Leitlinien. Im Abschnitt 6.1 wird vorab begründet, weshalb – entgegen der üblicherweise vorzufindenden Darstellung – die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung zwischen einer ausländischen Betriebsstätte und dem inländischen Stammhaus einerseits sowie die zwischen einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft und ihrem inländischen Mutterunternehmen andererseits gemeinsam betrachtet werden. In den Abschnitten 6.2 bis 6.5 werden die Rechtsgrundlagen für eine Prüfung der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung und einer eventuellen Korrektur durch die Finanzbehörden, die Merkmale des Fremdvergleichs und die Verrechnungspreismethoden sowie die Grundsätze der Währungsumrechnung behandelt. Diese Beschreibung bildet die Basis, um im Abschnitt 6.6 die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung bei konkreten betrieblichen Anwendungsfällen vornehmen zu können. Die betriebswirtschaftlichen Analysen werden dadurch fortgesetzt, dass im Abschnitt 6.7 anhand des Auslandsvertriebs, der Auslandsproduktion, der Auslandsforschung und einer Funktionsverlagerung beispielhaft demonstriert wird, wie das Zusammenwirken von Steuersatzsatzeffekt sowie Bemessungsgrundlagen- und Zeiteffekt bei der Auslagerung von betrieblichen Funktionen auf eine ausländische Grundeinheit für steuerplanerische Zwecke genutzt werden kann. Bei dieser Fragestellung werden die Kenntnisse aus dem Einfluss der Steuersatzeffekte auf die Entscheidung über die Rechtsform und Finanzierung der ausländischen Grundeinheit (Abschnitt 5.) und über die in diesem Abschnitt im Zusammenhang mit der Festlegung der Verrechnungspreise 1 Vgl. OECD, Globalisation, 1996, S. 30.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.