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5.5.2 Schaffung der Möglichkeit zur Verrechnung von Verlusten bei der Veräußerung einer Tochterkapitalgesellschaft in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 440 - 441

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_440

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
412 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition schen Mutterkapitalgesellschaft in vollem Umfang zugute, da die Dividenden im Inland steuerfrei sind (§ 8b Abs. 1 KStG) und deshalb die im Ausland anfallende Kapitalertragsteuer im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht der Mutterkapitalgesellschaft nicht anrechenbar ist. 5.5.2 Schaffung der Möglichkeit zur Verrechnung von Verlusten bei der Veräußerung einer Tochterkapitalgesellschaft Die Verluste, die einer inländischen Kapitalgesellschaft (Mutterunternehmen) bei der Veräußerung der Anteile an einer Kapitalgesellschaft (Tochterunternehmen) entstehen, sind ertragsteuerlich nicht verrechenbar (§ 8b Abs. 3 Satz 3 KStG). Diese Einschränkungen bei der Verrechnung von Verlusten im Zusammenhang mit der Beteiligung an einer Tochterkapitalgesellschaft gelten auch für Teilwertabschreibungen aufgrund von Wertminderungen während des Bestehens des Beteiligungsverhältnisses sowie für Verluste, die im Zusammenhang mit der Liquidation einer Tochterkapitalgesellschaft anfallen. Wird die Beteiligung an der Tochterkapitalgesellschaft auf eine Konzerngesellschaft übertragen, die in einem Staat ansässig ist, bei dem Veräußerungsverluste, außerplanmäßige Abschreibungen auf Beteiligungen sowie Liquidationsverluste berücksichtigt werden können, kann eine in Deutschland ansässige Mutterkapitalgesellschaft mittelbar von der Minderung der Steuerbelastung auf Ebene der (zwischengeschalteten) Holdinggesellschaft profitieren. Bei der im Ausland ansässigen Holdinggesellschaft fallen insoweit auf die von ihr anderweitig erzielten Gewinne keine Ertragsteuern an, soweit sie mit den Minderungen saldiert werden, die im Zusammenhang mit der Beteiligung an einer Tochterkapitalgesellschaft entstehen. Dadurch erhöht sich die von der Holdinggesellschaft an die Mutterkapitalgesellschaft gezahlte Dividende um diese Ertragsteuerersparnisse. Diese Minderung kommt der Mutterkapitalgesellschaft aufgrund der Dividendenfreistellung – abgesehen von der 5 %igen Umqualifizierung in nicht abziehbare Betriebsausgaben – in vollem Umfang zu gute. Beispiel: Eine deutsches Kapitalgesellschaft möchte eine im Staat A ansässige Tochterkapitalgesellschaft erwerben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es bei einem Weiterverkauf der Beteiligung zu einem Verlust kommt. Das deutsche Mutterunternehmen hat zusätzlich eine Tochterkapitalge- Kapitalgesellschaft Deutschland Kapitalgesellschaft Deutschland Tochterkapitalgesellschaft Staat A Tochterkapitalgesellschaft Staat A Holdinggesellschaft Staat B Dividende KapESt: 0% Dividende KapESt: 5% Dividende KapESt : 10% Abb. 5.3: Reduzierung von ausländischer Quellensteuer durch Einsatz einer Holdinggesellschaft 5.5 Steuerplanung durch Errichtung einer Holding im Ausland 413 sellschaft 2. Diese ist im Staat B ansässig, nach dessen Steuerrecht Verluste aus dem Verkauf von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft gewinnmindernd verrechnet werden können. Hält die Mutterkapitalgesellschaft die Anteile an der Tochterkapitalgesellschaft 1 selbst, kann sie den dabei entstehenden Verlust nicht geltend machen. Nach dem Leitbild des Art. 13 OECD-MA sind die Veräußerungserfolge im Ansässigkeitsstaat des Veräußerers zu erfassen. Nach deutschem Steuerrecht können die Verluste allerdings nicht als Betriebsausgabe angesetzt werden (§ 8b Abs. 3 Satz 3 KStG). Wird die Beteiligung an der Tochterkapitalgesellschaft 1 von der Tochterkapitalgesellschaft 2 erworben, kann diese den beim Verkauf der Anteile entstehenden Verlust mit den vor ihr aus anderen Aktivitäten erzielten Gewinnen verrechnen. Über die dadurch eintretende Minderung der von der Tochterkapitalgesellschaft 2 zu zahlenden Körperschaftsteuer kommt es zu einer Erhöhung der Gewinnausschüttungen, sodass das inländische Mutterunternehmen mittelbar (über die höhere Dividendenausschüttung der als Holding fungierenden Tochterkapitalgesellschaft 2) von der Verrechnung des Veräußerungsverlusts profitiert. 5.5.3 Minderung der Ertragsteuern durch Veränderung der Einkunftsart Durch Einschaltung einer Holdinggesellschaft kann erreicht werden, dass die auf Ebene des inländischen Mutterunternehmens anfallenden Einnahmen einen anderen Charakter aufweisen. Beispielsweise kann durch die Zwischenschaltung einer Kapitalgesellschaft im Ausland erreicht werden, dass Zinsen aus einem Gesellschafterdarlehen in Dividenden transformiert werden. Die Zinsen aus einem der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft gewährten Darlehen unterliegen nach den in Deutschland geltenden Verhältnissen der Besteuerung. Wird das Darlehen von einer Holdinggesellschaft gewährt, die ihren Sitz in einem Staat hat, der eine niedrigere Ertragsteuerbelastung kennt als Deutschland, und wird die Auslandsholding von der inländischen Mutterkapitalgesellschaft mit Eigenkapital finanziert, reduziert sich die Steuerbelastung um die Differenz zwischen dem in- und ausländischen Steuerniveau. Eine wichtige Voraussetzung für diese Gestaltung ist, dass die Weiterleitung der Dividenden an die inländische Mutterkapitalgesellschaft steuerfrei möglich ist. Dies ist aufgrund der Dividendenfreistellung nach § 8b Abs. 1 KStG regelmäßig gewährleistet. Eine weitere Erhöhung der Dividenden durch die Ertragsteuerersparnisse der Holdinggesellschaft Verlust aus der Veräußerung der Beteiligung mit den weiteren Einkünften der Holdinggesellschaft verrechenbar Kapitalgesellschaft Deutschland Kapitalgesellschaft Deutschland Holdinggesellschaft Staat B Tochterkapitalgesellschaft Staat A Tochterkapitalgesellschaft Staat A Verlust aus Veräußerung der Beteiligung nicht verrechenbar Abb. 5.4: Verrechnung von Veräußerungsverlusten durch Einsatz einer Holdinggesellschaft

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Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.