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5.4.3 Ausländische Tochterkapitalgesellschaft in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 437 - 438

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_437

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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5.4 Im Ausland Verluste 409 negativen Progressionsvorbehalt bei der Einkommensteuer des Inhabers bzw. Gesellschafters eines Mutterpersonenunternehmens) im Inland nicht berücksichtigt werden. Die Entlastung errechnet sich in Abhängigkeit von der Rechtsform des inländischen Stammhauses aus dem im Gewinnjahr im Ausland geltenden Einkommensteuer- bzw. Körperschaftsteuersatz. 5.4.3 Ausländische Tochterkapitalgesellschaft Die Verrechnung von Verlusten einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft stimmt in weiten Bereichen mit der Berücksichtigung von Verlusten einer Betriebsstätte überein. Konzeptionell bestehen aber erhebliche Abweichungen, da die grundsätzliche Nichtberücksichtigung der Verluste einer ausländischen Grundeinheit bei einer Tochterkapitalgesellschaft auf dem Trennungsprinzip beruht, während sie sich bei Betriebsstätten aus der in den DBA üblicherweise vereinbarten Freistellungsmethode ergibt. Eine direkte Verlustverrechnung scheidet zum einen aufgrund der selbständigen Steuerpflicht der Tochterkapitalgesellschaft und zum anderen deshalb aus, weil nach deutschem Steuerrecht eine ertragsteuerliche Organschaft mit einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft nicht möglich ist45. Die rechtlichen Unterschiede zwischen Tochterkapitalgesellschaft und Betriebsstätte führen dann zu abweichenden Steuerfolgen, wenn die Verluste im Ausland verrechnet werden können und es sich bei der inländischen Spitzeneinheit um ein Personenunternehmen handelt. In dieser Situation kommt im Rahmen der Verlustverrechnung im Quellenstaat bei Tochterkapitalgesellschaften der ausländische Körperschaftsteuersatz zur Anwendung (unbeschränkte Steuerpflicht der Tochterkapitalgesellschaft), während bei Betriebsstätten der ausländische Einkommensteuersatz herangezogen wird (beschränkte Steuerpflicht des Inhabers des inländischen Stammhauses). Bei Mutterpersonenunternehmen können sich darüber hinaus die Verluste einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft auch nicht im Rahmen der inländischen Veranlagung über einen negativen Progressionsvorbehalt auswirken. Im Einzelnen gelten folgende Aussagen (Tab. 5.44): • Ist im Ausland ein Verlustrücktrag möglich, erfolgt die Verlustverrechnung auf Ebene der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft. Die Entlastung errechnet sich aus dem ausländischen Körperschaftsteuersatz. Aufgrund des Trennungsprinzips gilt dies unabhängig davon, in welcher Rechtsform die inländische Spitzeneinheit geführt wird. Bei der Gewerbesteuer verhindert der Inlandscharakter eine Erfassung von ausländischen Einkunftsteilen. • Ist im Ausland keine Verlustverrechnung möglich, ist bei Tochterkapitalgesellschaften, die in einem anderen EU-Staat ansässig sind, der Ansässigkeitsstaat des Gesellschafters zur Berücksichtigung der Verluste verpflichtet. Wie bei Betriebsstätten errechnet sich die Entlastung aus dem inländischen Einkommensteuersatz (Spitzeneinheit: Personenunternehmen) oder aus dem inländischen Körperschaftsteuersatz (Spitzeneinheit: Kapitalgesellschaft). Bei Tochterkapitalgesellschaften mit Sitz in einem Drittstaat bleiben die Verluste sowohl im Ausland (kein Verlustabzug) als auch im Inland (Trennungsprinzip, Nichtgeltung der europäischen Grundfreiheiten) unberücksichtigt. • Werden die Verluste im Ausland über einen Verlustvortrag verrechnet, wirkt sich dieser im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft aus. In dem zukünftigen Jahr, in dem das Tochterunternehmen wieder Gewinne erzielt, kommt es zu einer Entlastung in Höhe des ausländischen Körperschaftsteuersatzes. Im Inland bleiben die Verluste unberücksichtigt. 45 Nach § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG muss die Organgesellschaft sowohl ihren Sitz als auch ihren Ort der Geschäftsleitung im Inland haben. 410 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition Bei Mutterpersonenunternehmen ist eine mittelbare Verlustberücksichtigung möglich, sofern der Teilwert der Anteile an der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft auf Dauer unter den Anschaffungskosten liegt (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Allerdings wirkt sich die Teilwertabschreibung nur zu 60 % auf die einkommensteuerliche Bemessungsgrundlage aus (§ 3c Abs. 2 EStG). Aufgrund der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung nach § 8 Nr. 10 Buchst. a GewStG hat die Teilwertabschreibung keine Auswirkung auf den Gewerbeertrag des Mutterpersonenunternehmens. Bei Mutterkapitalgesellschaften kann die Teilwertabschreibung weder bei der Körperschaftsteuer noch bei der Gewerbesteuer gewinnmindernd verrechnet werden (§ 8b Abs. 3 Satz 3 KStG, § 7 GewStG). 5.5 Steuerplanung einer Mutterkapitalgesellschaft durch Errichtung einer Holdinggesellschaft mit Sitz im Ausland Für die Zwischenschaltung einer Kapitalgesellschaft mit Sitz im Ausland (ausländische Holdinggesellschaft) bestehen zahlreiche betriebswirtschaftliche und steuerliche Motive. In diesem Abschnitt werden beispielhaft vier grundlegende Ansätze vorgestellt, wie durch die Errichtung einer zusätzlichen Kapitalgesellschaft im Ausland eine Minderung der zu zahlenden Ertragsteuern erreicht werden kann46: • Reduzierung von ausländischen Quellensteuern • Schaffung der Möglichkeit zur Verrechnung von Verlusten bei der Veräußerung einer Tochterkapitalgesellschaft • Minderung der Ertragsteuern durch Veränderung der Einkunftsart • Konsolidierung von positiven und negativen Ergebnissen im Ausland (Landesholding). 46 Siehe hierzu und zu weiteren Einsatzbereichen von Holdinggesellschaften mit Sitz im Ausland ausführlich Bader, A., Holding, 2007, S. 95–218; Djanani, C./Brähler, G., Steuerrecht, 2008, S. 308–335, S. 273–320; Jacobs, O.H., International, 2007, S. 969–989; Kessler, W., Holding, 1996, S. 17–100; Schaumburg, H., Holdinggesellschaften, 2002, S. 51–65. Zu einem Überblick ausgewählter Holdingstandorte siehe Bader, A., Holding, 2007, S. 219–327; Endres, D./Dorfmüller, P./ Gibbs, S. u.a., Status Recht 2008, S. 255–264. Verlustverrechnung im Ausland Personenunternehmen Kapitalgesellschaft Verlustrücktrag – kstA – 25,00 – kstA – 25,00 dauerhafte Verluste, kein Verlustabzug EU-Staat – estI × (1 + solz) – 47,48 – kstI × (1 + solz) – 15,83 Drittstaat – . – – . – – . – – . – Verlustvortrag EU-Staat (nach EuGH) sowie Drittstaat: Verlustjahr – . – – . – – . – – . – nachfolgendes Gewinnjahr – kstA – 25,00 – kstA – 25,00 Tab. 5.44: Verrechnung von Verlusten einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft

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Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.