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5.3.4 Vergleich in Abhängigkeit von der Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 431 - 433

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_431

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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5.3 Finanzierung der Auslandsinvestition mit Fremdkapital 403 Verwendet die Mutterkapitalgesellschaft das Fremdkapital dazu, die ausländische Tochterkapitalgesellschaft mit Eigenkapital auszustatten und schüttet diese ihre Gewinne aus, ist die Summe der zu zahlenden Steuern mit –0,21 nahe am dem gewünschten Ergebnis von Null: Der Belastung der ausländischen Grundeinheit mit Körperschaftsteuer stehen im Inland die Entlastungen aus dem Abzug der Fremdkapitalzinsen gegenüber. Das im Beispiel niedrigere Ertragsteuerniveau müsste zu einer Entlastung führen. Diese tritt allerdings nicht ein, weil zum einen 5 % der Dividenden als nicht abziehbare Betriebsausgaben gelten und zum anderen die Schuldzinsen bei der Gewerbesteuer nur zu 75 % abziehbar sind. Dass sich die gegenläufigen Effekte weitgehend ausgleichen, ist auf die in der Fallstudie zugrunde liegende Datenkonstellation zurückzuführen: (1) Wäre das ausländische Steuerniveau niedriger als in der Fallstudie angenommen, könnte es bei dieser Finanzierungsalternative zu einer deutlichen Entlastung kommen. (2) Würde im Ausland auf Dividenden im Ausland Kapitalertragsteuer erhoben (nach dem Vorschlag des Art. 10 Abs. 2 OECD-MA 5 %), könnte diese im Inland aufgrund der Nichtbesteuerung der Dividenden im Inland nicht angerechnet werden. Die Steuerbelastung würde sich um diese Kapitalertragsteuer erhöhen und insgesamt positiv werden. Behält die Tochterkapitalgesellschaft die von ihr erzielten Gewinne ein, reduziert sich die Gesamtsteuerbelastung dadurch, dass die fünfprozentige Umqualifizierung der Dividenden in nicht abziehbare Betriebsausgaben entfällt. 5.3.4 Vergleich in Abhängigkeit von der Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit Bei einer Fremdfinanzierung der Auslandsinvestition ist der Einfluss der Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit unbestimmt. Es können sowohl Mutterpersonenunternehmen als auch Mutterkapitalgesellschaften vorteilhaft sein. Es ist auch möglich, dass die Gesamtsteuerbelastung unabhängig von der Rechtsform der Spitzeneinheit ist (Tab. 5.41). (1) Mutterpersonenunternehmen und Mutterkapitalgesellschaften sind gleichwertig. Da bei einer Betriebsstätte das Fremdkapital unabhängig davon der ausländischen Grundeinheit zugerechnet wird, ob das Fremdkapital im Ausland oder im Inland aufgenommen wird, wirkt sich die Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit auf die Gesamtsteuerbelastung nicht aus. Sowohl bei Mutterpersonenunternehmen als auch bei Mutterkapitalgesellschaften fallen keine Ertragsteuern an. (2) Mutterkapitalgesellschaften sind vorteilhaft. Mutterkapitalgesellschaften sind dann deutlich vorteilhaft, wenn das im Inland von der Spitzeneinheit aufgenommene Fremdkapital als Eigenkapital an eine ausländische Tochterkapitalgesellschaft weitergeleitet wird und das Tochterunternehmen seine Gewinne ausschüttet. Für dieses Ergebnis Tochterkapitalgesellschaft (Eigenfinanzierung, Thesaurierung im Ausland) − 1,33 kstA − ge × 0,75 − kstI × (1 + solz) Tochterkapitalgesellschaft (Eigenfinanzierung, Ausschüttung an die inländische Spitzeneinheit) − 0,21 kstA + [ge + kstI × (1 + solz)] × 0,05 × (1 − kstA) − ge × 0,75 − kstI × (1 + solz) Betriebsstätte 0,00 0 × kstA Tochterkapitalgesellschaft (Gesellschafterdarlehen) + 3,50 ge × 0,25 Tab. 5.40: Fremdfinanzierung einer Auslandsinvestition (Spitzeneinheit Kapitalgesellschaft) 404 5. Rechtsformwahl und Finanzierung einer Auslandsinvestition sind zwei Haupteinflussfaktoren verantwortlich. Zum einen wird auf Dividenden, die an ein Mutterpersonenunternehmen gezahlt werden, im Ausland eine höhere Kapitalertragsteuer erhoben als an Mutterkapitalgesellschaften. In der Fallstudie fällt dieser Effekt besonders hoch aus, weil auf die Gewinnausschüttungen an Spitzeneinheiten in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft überhaupt keine Kapitalertragsteuer erhoben wird. Zum anderen sind bei Mutterpersonenunternehmen die Schuldzinsen nur zu 60 % abziehbar, während bei Mutterkapitalgesellschaften grundsätzlich kein Abzugsverbot besteht. Die Vorteile von Mutterkapitalgesellschaften werden einerseits durch die Einordnung von fünf Prozent der Dividenden in nicht abziehbaren Betriebsausgaben und andererseits durch die fehlende Kompensation der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung der Schuldzinsen über die Steuerermäßigung nach § 35 EStG eingeschränkt, aber nicht aufgehoben. Würde im Ausland auch für Dividenden an Spitzeneinheiten in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft Kapitalertragsteuer erhoben, würde der Vorteil von Mutterkapitalgesellschaften entsprechend zurückgehen. Umgekehrt gilt, dass bei einer Senkung der Kapitalertragsteuer auf Gewinnausschüttungen an Mutterpersonenunternehmen sich deren Nachteile verringern. Personenunternehmen (1) Kapitalgesellschaft (2) Vergleich (3) = (1) –(2) Tochterkapitalgesellschaft: Ausschüttung + 29,13 = kstA + KapEStDiv15 × (1 – kstA) + [– ge × 0,75 – (estI – estP35 × 0,75) × (1 + solz)] × 0,6 × kstA –0,21 = kstA + [ge + kstI × (1 + solz)] × 0,05 × (1 – kstA) – ge × 0,75 – kstI × (1 + solz) + 29,34 + KapEStDiv15 × (1 – kstA) + kstI × (1 + solz) – estI × (1 + solz) × 0,6 × kstA + ge × 0,75 – [ge – estP35 × (1 + solz)] × 0,75 × 0,6 × kstA – [ge + kstI × (1 + solz)] × 0,05 × (1 – kstA) Tochterkapitalgesellschaft: Gesellschafterdarlehen + 9,99 = KapESt Zins10 + [ge − estP35 × (1 + solz)] × 0,25 + 3,50 = ge × 0,25 + 6,49 + KapEStZins10 – estP35 × (1 + solz) × 0,25 Betriebsstätte ± 0,00 = 0 × estA ± 0,00 = 0 × kstA ± 0,00 – . – Tochterkapitalgesellschaft: Thesaurierung – 3,47 = kstA – ge × 0,6 × 0,75 – [estI – 0,75 × estP35] × 0,6 × (1 + solz) – 1,33 = kstA – ge × 0,75 – kstI × (1 + solz) – 2,14 + kstI × (1 + solz) – estI × 0,6 × (1 + solz) + ge × 0,75 – [ge – estP35 × (1 + solz)] × 0,75 × 0,6 zu Spalte 3: + Vorteil für Kapitalgesellschaften = Nachteil für Personenunternehmen – Nachteil für Kapitalgesellschaften = Vorteil für Personenunternehmen ± kein Unterschied zwischen Kapitalgesellschaften und Personenunternehmen Tab. 5.41: Einfluss der Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit (Fremdfinanzierung) 5.3 Finanzierung der Auslandsinvestition mit Fremdkapital 405 (3) Die Reihenfolge ist unbestimmt. Bei der Weitergabe der aufgenommenen finanziellen Mittel an eine Tochterkapitalgesellschaft als Gesellschafterdarlehen, sind im Beispiel Mutterkapitalgesellschaften von Vorteil, weil die Belastung niedriger ausfällt als bei Spitzeneinheiten in der Rechtsform eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft. Zugunsten von Mutterpersonenunternehmen spricht, dass die durch die 25 %igen Hinzurechnung von Schuldzinsen ausgelöste Gewerbesteuer durch die Steuerermäßigung nach § 35 EStG weitgehend neutralisiert wird, während bei Kapitalgesellschaften eine derartige Kompensation nicht vorgenommen wird. In der Fallstudie stellen sich dennoch Mutterkapitalgesellschaften günstiger, weil auf die Zinsen aus dem Gesellschafterdarlehen im Ausland keine Kapitalertragsteuer erhoben wird. Demgegenüber werden Mutterpersonenunternehmen mit den Zinsen beschränkt steuerpflichtig. Die im Ausland anfallende Kapitalertragsteuer kann im Inland nicht angerechnet werden, da sich durch die Gegenrechnung der Refinanzierungsaufwendungen ausländische Einkünfte von Null ergeben. Bei einer Abweichung der steuerlichen Verhältnisse von der Datenkonstellation der Fallstudie gilt Folgendes: • Fällt im Ausland die Kapitalertragsteuer auf die Mutterpersonenunternehmen gezahlten Zinsen aus dem Gesellschafterdarlehen niedriger aus oder wird keine Kapitalertragsteuer erhoben, sind Mutterpersonenunternehmen eindeutig von Vorteil (Minderung der Steuerbelastung für Mutterpersonenunternehmen). • Mutterpersonenunternehmen stellen sich bei einem Gesellschafterdarlehen auch dann besser, wenn für die von der Tochterkapitalgesellschaft an eine Mutterkapitalgesellschaft gezahlten Zinsen im Ausland Kapitalertragsteuer erhoben wird (Mehrbelastung für Mutterkapitalgesellschaften). Thesauriert eine Tochterkapitalgesellschaft, die von ihrem inländischen Gesellschafter mit Eigenkapital finanziert wird, ihre Gewinne, weisen Mutterkapitalgesellschaften den Vorteil auf, dass die Refinanzierungszinsen bei ihr in vollem Umfang als Betriebsausgaben abgezogen werden können, während bei Mutterpersonenunternehmen der Abzug nur zu 60 % zulässig ist. Zugunsten von Mutterpersonenunternehmen spricht, dass einerseits der Einkommensteuersatz regelmäßig über dem Steuersatz der Körperschaftsteuer liegt und dass andererseits die Gewerbesteuerzahlung zwar höher ausfällt als bei Mutterkapitalgesellschaften, aber diese Gewerbesteuer durch die Steuerermäßigung nach § 35 EStG weitgehend neutralisiert wird. Damit entfaltet bei Mutterpersonenunternehmen das 40 %ige Abzugsverbot und die 25 %ige Hinzurechnung für die verbleibenden 60 % der Refinanzierungszinsen im Zusammenhang mit der Gewerbesteuer de facto keine Belastung. Demgegenüber führt bei Mutterkapitalgesellschaften die 25 %ige Hinzurechnung zu einer gewerbesteuerlichen Mehrbelastung. Dies bedeutet, dass Mutterpersonenunternehmen umso eher vorteilhaft sind, je höher der Einkommensteuersatz und je höher der Gewerbesteuerhebesatz ist. In der Fallstudie überwiegen die zugunsten von Mutterpersonenunternehmen wirkenden Effekte. 5.3.5 Einschaltung einer inländischen Auslandsholding durch ein Mutterpersonenunternehmen Während sich bei ausländischen Betriebsstätten die Rechtsform der inländischen Spitzeneinheit bei einer Fremdfinanzierung des Auslandsengagements nicht auf die Gesamtsteuerbelastung auswirkt, können bei der Gründung einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft von der Rechtsform, in der das inländische Mutterunternehmen geführt wird, erhebliche Auswirkungen auf die Steuerbelastung ausgehen. Mutterkapitalgesellschaften sind dabei insbesondere dann gegenüber Mutterpersonenunternehmen von Vorteil, wenn im Ausland auf die Dividenden (Finanzierung der Tochterkapitalgesellschaft mit Eigenkapital) und Zinsen (Finanzierung der Tochterka-

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Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.