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4.4.4 Behandlung von Verlusten in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 349 - 353

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_349

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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4.4 Besteuerung von Tochterkapitalgesellschaften 321 beteiligt oder ist eine der weiteren Voraussetzungen des gewerbesteuerlichen Schachtelprivilegs nach § 9 Nr. 7 GewStG nicht erfüllt, gehen die Dividenden in vollem Umfang in den inländischen Gewerbeertrag ein. Die Hinzurechnung nach § 8 Nr. 5 GewStG kommt allerdings nur insoweit zur Anwendung, als den Gewinnausschüttungen der Tochterkapitalgesellschaft auf Ebene des Gesellschafters keine eigenen Betriebsausgaben gegenüberstehen. Ingesamt betrachtet erhöhen die Nettoerträge (Dividenden abzüglich Betriebsausgaben im Zusammenhang mit der Beteiligung) den inländischen Gewerbeertrag. Die bislang beschriebenen Auswirkungen decken sich mit der Rechtslage im Nicht- DBA-Fall. Bei Bestehen eines Abkommens wird die Nichterfassung der Dividenden im Gewerbeertrag einer im Inland ansässigen Mutterkapitalgesellschaft auf folgende Fälle ausgedehnt: (1) Sieht das Abkommen vor, dass die Freistellung nach dem DBA- Schachtelprivileg ohne das Vorliegen einer Mindestbesitzzeit oder auch bei passiver Geschäftstätigkeit der Tochterkapitalgesellschaft gewährt wird, muss insoweit eine Hinzurechnung nach § 8 Nr. 5 GewStG unterbleiben. Das Abkommen führt zur Einschränkung des nach nationalem Recht bestehenden Besteuerungsanspruchs. (2) Ist in dem DBA vereinbart, dass das DBA-Schachtelprivileg bereits ab einer Mindestbeteiligungsquote zur Anwendung kommt, die unter 15 % liegt (beispielsweise 10 %), ist die im DBA vorgesehene niedrigere Mindestbeteiligung maßgebend (§ 9 Nr. 8 GewStG). Wie im Nicht-DBA-Fall sind Gewinne aus der Veräußerung der Anteile (abgesehen von der 5 %igen Umqualifizierung) nicht gewerbesteuerpflichtig und mindern Veräußerungsverluste bzw. Teilwertabschreibungen den Gewerbeertrag des körperschaftsteuerpflichtigen Anteilseigners nicht (§ 7 GewStG i.V.m. § 8b Abs. 2, 3 KStG). 4.4.4 Behandlung von Verlusten 4.4.4.1 Nationales Recht (Nicht-DBA-Fall) 4.4.4.1.1 Besteuerung im Ausland Entstehen auf Ebene der Tochterkapitalgesellschaft negative Einkünfte, hängt ihre Berücksichtigung von den im Ausland für unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtige Steuersubjekte vorgesehenen Regelungen hinsichtlich des Verlustausgleichs und -abzugs ab129. Eine unmittelbare Verlustverrechnung auf Ebene des Anteilseigners ist nicht möglich, weil das Trennungsprinzip bewirkt, dass die Verluste dem Anteilseigner nicht zugerechnet werden können130. Bei der Beteiligung an einer Tochterkapitalgesellschaft wird die beschränkte Steuerpflicht durch den Kapitalertragsteuerabzug abgegolten. Da das Abzugsverfahren auf Bruttobasis durchgeführt wird, bleiben die mit den Einnahmen zusammenhängenden Aufwendungen unberücksichtigt. Damit scheidet im Rahmen der Quellenbesteuerung auch eine mittelbare Verlustverrechnung über eine außerplanmäßige Abschreibung (nach deutschem Sprachgebrauch Teilwertabschreibungen) aus. 4.4.4.1.2 Besteuerung im Inland Die selbständige Steuerpflicht der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft bedingt, dass die Verluste des ausländischen Tochterunternehmens im Rahmen der inländi- 129 Zum Überblick siehe PwC/BDI (Hrsg.), Verlustberücksichtigung, 2006, S. 37–96. 130 Beschränkt sich die wirtschaftliche Aktivität des Gesellschafters im Quellenstaat auf das Halten der Beteiligung an der Tochterkapitalgesellschaft, liegen regelmäßig die Voraussetzungen einer Gruppenbesteuerung (Organschaft oder damit vergleichbare Formen) nicht vor. 322 4. Besteuerung der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit schen Besteuerung des Anteilseigners unberücksichtigt bleiben. Das Trennungsprinzip verhindert generell eine Zurechnung der Verluste einer Kapitalgesellschaft auf den Gesellschafter. Insoweit unterscheidet sich der internationale Sachverhalt nicht von dem eines nationalen Konzerns. Dieser Grundsatz wird zwar bei Bestehen einer körperschaftsteuerlichen Organschaft durchbrochen. Zwischen einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft und ihrem inländischen Mutterunternehmen kann aber keine körperschaftsteuerliche Organschaft begründet werden, da hierfür Voraussetzung ist, dass sich sowohl der Sitz als auch die Geschäftsleitung des Tochterunternehmens (Organgesellschaft) im Inland befinden (§ 14 Abs. 1 Satz 1 KStG). Im Ansässigkeitsstaat ist lediglich eine indirekte Verlustverrechnung möglich. Der Umfang einer aufwandswirksamen Verrechnung einer Teilwertabschreibung131 ist allerdings stark eingegrenzt. Ist der Anteilseigner eine natürliche Person, kann sie sich nur zu 60 % auswirken (§ 3c Abs. 2 EStG). Werden die Anteile an der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft von einer inländischen Kapitalgesellschaft gehalten, können Teilwertabschreibungen generell nicht mit gewinnmindernder Wirkung verrechnet werden (§ 8b Abs. 3 Satz 3 KStG). Eine weitere Einschränkung ergibt sich daraus, dass natürliche Personen Teilwertabschreibungen nur bei Vorliegen von mehreren Voraussetzungen verrechnen können: • Die Verluste der ausländischen Grundeinheit müssen dazu führen, dass der Teilwert der Anteile unter die Anschaffungskosten sinkt. Eine Teilwertabschreibung scheidet aus, wenn durch die Verluste lediglich in der Vergangenheit entstandene Wertsteigerungen (stille Reserven) kompensiert werden. • Eine Teilwertabschreibung ist nur bei nachhaltigen Verlusten zulässig, d.h. wenn die ausländische Tochterkapitalgesellschaft nach betriebswirtschaftlicher Beurteilung in naher Zukunft nicht mit Gewinn arbeiten wird, es muss also eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliegen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Einzelne Verlustjahre (vorübergehende Verluste) und Anlaufverluste reichen als Begründung für eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert nicht aus. • Bei einer Drittstaats-Kapitalgesellschaft wirkt sich eine Teilwertabschreibung nur dann aufwandswirksam aus, wenn die ausländische Tochterkapitalgesellschaft aktiv tätig ist. Bei passiven Tochterunternehmen mindert sie die inländische Bemessungsgrundlage nicht. Sie können nur mit positiven Einkünften derselben Art aus demselben Staat verrechnet werden (§ 2a Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a, Abs. 2 Satz 2 EStG)132. • Der Höhe nach ist die Teilwertabschreibung auf die Anschaffungskosten der Anteile beschränkt. Darüber hinausgehende Aufwandsverrechnungen sind ausgeschlossen, da bei aktiven Wirtschaftsgütern in der Steuerbilanz keine negativen Werte ausgewiesen werden können. Wird bei Anteilen, die einer natürlichen Person gehören, eine Teilwertabschreibung anerkannt, mindert diese zu 60 % sowohl den einkommensteuerpflichtigen Gewinn 131 In diesem Abschnitt werden nur Teilwertabschreibungen betrachtet. Zur Verrechnung von Veräußerungsverlusten siehe Abschnitt 4.4.3.1.2. Die Ausführungen in diesem Abschnitt 4. gehen immer davon aus, dass sich die Anteile im Betriebsvermögen eines im Inland tätigen Gewerbetreibenden befinden. 132 Drittstaats-Kapitalgesellschaften sind solche, die weder ihre Geschäftsleitung noch ihren Sitz in einem Mitgliedstaat der EU oder des EWR haben. Bei EWR-Staaten erfolgt die Gleichstellung mit einem Mitgliedstaat der EU nur, wenn der EWR-Staat mit Deutschland ein Abkommen zur gegenseitigen Amtshilfe abgeschlossen hat. Diese Einschränkung führt dazu, dass Liechtenstein als Drittstaat gilt, während Island und Norwegen den Mitgliedstaaten der EU gleichgestellt werden (§ 2a Abs. 2a EStG). Zu den Einschränkungen der Verrechnung von negativen Einkünften mit Bezug zu Drittstaat siehe Abschnitt 3.3.1.1.1, Unterabschnitt (3). 4.4 Besteuerung von Tochterkapitalgesellschaften 323 des Anteilseigners als auch seinen Gewerbeertrag. Die Einschränkungen aus § 8 Nr. 10 GewStG entfalten im Verlustfall keine Wirkungen, da diese Hinzurechnungsvorschrift lediglich „ausschüttungsbedingte Teilwertabschreibungen“ erfasst, jedoch nicht „verlustbedingte Teilwertabschreibungen“. 4.4.4.2 Abkommensrecht (DBA-Fall) (1) Grundsätzliche Besteuerungsfolgen. Hinsichtlich der steuerlichen Erfassung von Verlusten einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft mit Sitz in einem DBA-Staat gelten grundsätzlich die gleichen Steuerfolgen wie im Nicht-DBA-Fall. Die negativen Einkünfte können lediglich auf Ebene des Tochterunternehmens verrechnet werden. Ein unmittelbarer Ausgleich mit positiven Einkünften des Anteilseigners ist weder im Inland noch im Ausland möglich. Die Ursache hierfür liegt im Trennungsprinzip, der Abschluss eines DBA hat darauf keinen Einfluss. Da für Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft das Besteuerungsrecht dem Ansässigkeitsstaat zugewiesen wird (Art. 13 Abs. 5 OECD- MA), gelten auch für Teilwertabschreibungen die gleichen Aussagen wie im Nicht- DBA-Fall. Gehören die Anteile einer natürlichen Person, können sie unter restriktiven Voraussetzungen zu 60 % sowohl von den Einkünften aus Gewerbebetrieb als auch vom Gewerbeertrag abgezogen werden (§ 3c Abs. 2 EStG). Ist der Anteilseigner eine Kapitalgesellschaft, bleiben Abschreibungen auf den niedrigeren Teilwert der Anteile ertragsteuerlich generell unberücksichtigt (§ 8b Abs. 3 Satz 3 KStG). (2) Besonderheit bei Tochterkapitalgesellschaften in einem anderen EU-Staat. Bei einer Tochterkapitalgesellschaft, die in einem anderen Mitgliedstaat der EU ansässig ist, stehen den Einschränkungen bei einer grenzüberschreitenden Verlustverrechnung allerdings unter bestimmten Voraussetzungen die Grundfreiheiten des Europäischen Binnenmarkts (hier Niederlassungsfreiheit) entgegen. Nach der Rechtsprechung des EuGH zur grenz- überschreitenden Verlustverrechnung ist in erster Linie der Ansässigkeitsstaat der Tochterkapitalgesellschaft zur Verrechnung der Verluste verpflichtet133. Begründet wird dies damit, dass der Ansässigkeitsstaat der Tochterkapitalgesellschaft berechtigt ist, die von ihr erzielten Gewinne nach den für die unbeschränkte Steuerpflicht geltenden Regeln zu besteuern. Zu beachten ist allerdings, dass zahlreiche Staaten eine Zusammenfassung der Erfolge einer Tochterkapitalgesellschaft mit den Einkünften des Gesellschafters vorsehen. Für ausschließlich in Deutschland tätige Konzerne wird die Verrechnung von Verlusten einer inländischen Tochterkapitalgesellschaft mit den Gewinnen des inländischen Mutterunternehmens durch die Organschaft erreicht. Auch im Steuerrecht von vielen anderen Staaten ist ein konzerninterner Verlustausgleich möglich. International hat sich hierfür der Begriff Gruppenbesteuerung durchgesetzt134. Aus der Niederlassungsfreiheit leitet der EuGH ab, dass Staaten, die für in ihrem Hoheitsgebiet tätige Konzerne eine konzerninterne Verlustverrechnung gestatten, auch Verluste einer in einem anderen EU-Staat ansässigen Tochterkapitalgesellschaft auf Ebene des Anteilseigners verrechnen müssen. Mutterunternehmen mit einer ausländischen Tochtergesellschaft dürfen nicht schlechter gestellt werden als Mutterunternehmen mit einer inländischen Tochtergesellschaft. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit vor. 133 Zur grenzüberschreitenden Verlustverrechnung innerhalb der EU siehe grundlegend EuGH vom 13.12.2005, Rs. C-446/03 (Marks & Spencer), EuGHE 2005 I, S. 10837. Zu den Auswirkungen auf in einem EU-Staat belegene Betriebsstätten siehe Abschnitt 4.3.4.2. 134 Zu einer Zusammenstellung der Anwendungsvoraussetzungen und Rechtsfolgen einer Gruppenbesteuerung im internationalen Vergleich siehe z.B. Endres, D., Konzernbesteuerung, 2003, S. 461–482; Jacobs, O.H., International, 2007, S. 974–979; Oestreicher, A./Scheffler, W./Spengel, C. u.a., Konzernbesteuerung, 2008, S. 72–103; Schmidt, L./Heinz, C., Stbg 2006, S. 141–143. 324 4. Besteuerung der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit Eine Einschränkung der Niederlassungsfreiheit ist aber dann gerechtfertigt, wenn der Verlust auf Ebene des ausländischen Tochterunternehmens verrechenbar ist. Damit ist primär der Ansässigkeitsstaat der Tochterkapitalgesellschaft verpflichtet, die Verluste zum Abzug zuzulassen. Die Ausgewogenheit der Besteuerungsrechte ist dann gewahrt, wenn der Staat, der die Gewinne besteuert, auch die Verluste zum Abzug zulässt. Allerdings darf es nicht dazu kommen, dass der Verlust weder auf Ebene der (ausländischen) Tochterkapitalgesellschaft noch auf Ebene ihres (im Inland ansässigen) Gesellschafters berücksichtigt wird. Kann der Verlust auf Ebene der ausländischen Tochterkapitalgesellschaft definitiv nicht verrechnet werden, ist subsidiär der Ansässigkeitsstaat des Gesellschafters verpflichtet, den Verlust der ausländischen Tochtergesellschaft zum Abzug zuzulassen. Kann eine Tochterkapitalgesellschaft in ihrem Sitzstaat den Verlust weder über einen Verlustausgleich noch über einen Verlustabzug verrechnen, folgt aus den Grundfreiheiten des Europäischen Binnenmarkts (Niederlassungsfreiheit), dass der Ansässigkeitsstaat des Gesellschafters zur Berücksichtigung dieser Verluste verpflichtet ist, wenn er bei inländischen Tochterkapitalgesellschaften einen konzerninternen Verlustausgleich vornimmt. Eine zweifache Nichtberücksichtigung des Verlusts würde zu einem Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit führen, für den keine Rechtfertigungsgründe bestehen. Aus deutscher Sicht besteht die Besonderheit, dass die Begründung einer ertragsteuerlichen Organschaft zusätzlich den Abschluss eines Gewinnabführungsvertrags erfordert. Der Abschluss eines Gewinnabführungsvertrags ist aber in den meisten Staaten gesellschaftsrechtlich unzulässig. Damit könnte man die Auffassung vertreten, dass insoweit die Voraussetzungen für eine Organschaft nicht erfüllt werden können, sodass Deutschland nicht verpflichtet sei, die Verluste einer in einem anderen Mitgliedstaat der EU ansässigen Tochterkapitalgesellschaft auf Ebene des inländischen Gesellschafters zu verrechnen. Vermutlich ist diese Argumentation aber nicht haltbar. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Forderung nach Abschluss eines Gewinnabführungsvertrags ihrerseits einen Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit darstellt, da insoweit Tochterkapitalgesellschaften, die in einem anderen EU-Staat ansässig sind, gegenüber inländischen Tochterunternehmen benachteiligt sind. Mit einer deutschen Tochterkapitalgesellschaft kann eine Organschaft begründet werden, mit einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft nicht. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Deutschland aus europarechtlichen Gründen verpflichtet ist, die Verluste einer in einem anderen Mitgliedstaat der EU ansässigen Tochterkapitalgesellschaft zu verrechnen, sofern in dem anderen EU-Staat auf Ebene des Tochterunternehmens eine Verrechnung dieser Verluste endgültig ausscheidet135. Die unter bestimmten Voraussetzungen (voraussichtlich) vorzunehmende Berücksichtigung von Verlusten einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft auf Ebene des inländischen Gesellschafters erfolgt allerdings nur bei den nach dem Welteinkommensprinzip konzipierten Ertragsteuern, d.h. bei der Einkommensteuer sowie der Körperschaftsteuer. Demgegenüber beruht die Gewerbesteuer auf dem Inlandsprinzip. Aufgrund ihres Objektcharakters ist der Steuergegenstand auf das Inland beschränkt. Damit bleiben nicht nur die Gewinne, sondern auch die Verluste einer in einem anderen 135 Will man bei einem Wegfall der Voraussetzung „Gewinnabführungsvertrag“ verhindern, dass der inländische Gesellschafter mehr Verluste verrechnen kann, als er wirtschaftlich zu tragen hat, könnte eine Verlustverrechnung auf die beim Erwerb der Beteiligung eingesetzten finanziellen Mittel (=Anschaffungskosten der Anteile) vorgenommen werden. Vorbild für diese Übereinstimmung zwischen Verlustverrechnung und Verlusttragung könnte die für Personengesellschaften geltende Regelung des § 15a EStG sein. Zur europarechtlichen Beurteilung zum Gewinnabführungsvertrag als Voraussetzung für die ertragsteuerliche Organschaft siehe ausführlich Weber, J.-D., Verlustverrechnung, 2008, S. 235–268. 4.4 Besteuerung von Tochterkapitalgesellschaften 325 Staat ansässigen Tochterkapitalgesellschaft bei Ermittlung des inländischen Gewerbeertrags außer Ansatz. Insoweit besteht Übereinstimmung mit Verlusten, die bei einer ausländischen Betriebsstätte entstehen. 4.4.5 Besteuerung von schuldrechtlichen Lieferungs- und Leistungsbeziehungen zwischen der Tochterkapitalgesellschaft und dem Mutterunternehmen 4.4.5.1 Grundsätzliche Einordnung Innerhalb eines internationalen Konzerns ist zwischen der Beteiligungssphäre (gesellschaftsrechtlicher Bereich) und dem Leistungsaustausch auf Grundlage von schuldrechtlichen Verträgen zu differenzieren. Der schuldrechtliche Leistungsaustausch zwischen einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft und ihrem inländischen Mutterunternehmen wird aufgrund des Trennungsprinzips dem Grunde nach grundsätzlich anerkannt. Es wird allerdings geprüft, ob die Leistungsbeziehungen wie zwischen fremden Dritten abgewickelt werden. Die damit angesprochene Verrechnungspreisfrage (Anerkennung der Höhe nach) steht im Mittelpunkt der Erläuterungen der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung im Abschnitt 6. Die folgenden Ausführungen dienen dazu, die ertragsteuerlichen Auswirkungen des konzerninternen Leistungsaustausches vorzustellen. Bei der Darstellung der Erfassung im Rahmen der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer wird davon ausgegangen, dass das zwischen dem Tochterunternehmen und dem inländischen Anteilseigner vereinbarte Entgelt mit den Grundsätzen des Drittvergleichs vereinbar ist. Aus Vereinfachungsgründen erfolgt eine Beschränkung auf Warenlieferungen vom inländischen Anteilseigner an das ausländische Tochterunternehmen, Darlehen des inländischen Mutterunternehmens an die ausländische Tochterkapitalgesellschaft (Gesellschafterdarlehen), Nutzungsüberlassungen der Spitzeneinheit an das ausländische Tochterunternehmen in Form eines Miet- oder Pachtvertrags (bewegliche Wirtschaftsgüter) sowie in Form eines Lizenzvertrags (immaterielle Wirtschaftsgüter). Da der auf schuldrechtlicher Grundlage durchgeführte konzerninterne Leistungsaustausch dem Grunde nach anerkannt wird, werden die Gesellschaft-Gesellschafter- Verträge prinzipiell wie Direktgeschäfte besteuert, d.h. wie Leistungsbeziehungen des inländischen Mutterunternehmens mit einem (außenstehenden) ausländischen Abnehmer. Damit ist es ausreichend, wenn in diesem Abschnitt die Besteuerungsfolgen kurz erläutert werden. Hinsichtlich der Einzelheiten kann auf Abschnitt 4.2 verwiesen werden. Besonderheiten können sich aus der Zins-Lizenz-Richtlinie ergeben, da diese nur für Zinsen und Lizenzen anzuwenden ist, die von einer EU-Tochterkapitalgesellschaft an ihre in einem anderen EU-Staat ansässige Mutterkapitalgesellschaft gezahlt werden. Die kapitalexportneutrale Besteuerung von schuldrechtlichen Lieferungs- und Leistungsbeziehungen zwischen einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft und ihrem inländischen Mutterunternehmen bietet zahlreiche Ansatzpunkte zur Steuerplanung. Aufgrund der grundsätzlich kapitalimportneutralen Besteuerung der Beteiligungssphäre kann durch die alternative Überlassung von Geld- oder Sachkapital in Form eines schuldrechtlichen Vertrags (z.B. Darlehen, Miete, Lizenz) über die Besteuerung entsprechend dem in- oder ausländischen Steuerniveau entschieden werden. Die Eigenfinanzierung führt dazu, dass die Erfolge grundsätzlich in Höhe des ausländischen Steuerniveaus besteuert werden (Trennungsprinzip, Dividendenfreistellung), während die über schuldrechtliche Verträge vereinnahmten Vergütungen prinzipiell in gleicher Höhe belastet werden wie im Inland erwirtschaftete Einkünfte. Die Ausgestaltung der

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References

Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.