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Forschungsfinanzierung, Forschungsförderung und Forschungsmanagement in:

Anke Hanft

Bildungs- und Wissenschaftsmanagement, page 211 - 228

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8006-3468-2, ISBN online: 978-3-8006-4405-6, https://doi.org/10.15358/9783800644056_211

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
198 3. Management organisatorischer Kernprozesse 2001, S. 39). Das Lernen in neuen Studienstrukturen ist dem gemäß in den Zusammenhang von Wissensmanagement und Selbstorganisation zu stellen (Wildt 2001, S. 40). 3.3. Forschungsfinanzierung, Forschungsförderung und Forschungsmanagement Forschungsmanagement ist ein vielschichtiger Begriff, der sich beziehen kann auf erstens die Durchführung und Steuerung einzelner Forschungsprojekte, zweitens die Leitung von Forschungsgruppen in den unterschiedlichsten institutionellen Kontexten, drittens die strategische Ausrichtung und Positionierung von Forschungsinstituten und Forschungsgruppen mittels der Wahl bestimmter Forschungsthematiken und viertens die Organisation und Leitung von Forschungsinstituten (Mayntz 1985). Nachfolgend stehen die Rahmenbedingungen der Forschung in Deutschland und strategische Aspekte des Forschungsmanagements im Mittelpunkt, die sich in der Auswahl von Forschungsthemen und der damit verbundenen Positionierung von Forschungsgruppen oder Forschungseinrichtungen ausdrücken. In diesem Kontext werden potenzielle Geldgeber vorgestellt und die jeweils zu beachtenden Besonderheiten bei der Antragstellung skizziert. Das Management von Forschungsprojekten wird in Kapitel 5.3. aufgegriffen. 3.3.1. Rahmenbedingungen In der Literatur herrscht Einigkeit darüber, dass die Rahmenbedingungen für Forschung nicht nur in Deutschland durch eine Verknappung der öffentlichen Ressourcen gekennzeichnet sind (OECD 2003, S. 63; Krücken 2001, S. 328 f. und die dort angegebenen Quellen). Dies führt auf der politischen Seite zu einer verstärkten Setzung von Prioritäten. Solche Prioritäten werden aber zum Teil auch dann gesetzt, wenn Budgetrestriktionen auf staatlicher Ebene nicht das Hauptproblem darstellen. Hier greifen dann politische Überzeugungen bezüglich der erfolgversprechenden künftigen internationalen Positionierung des Landes. Diese führten beispielsweise in Finnland zur Konzentration der Forschungsausgaben in den Bereichen, die dem politischen Ziel, eine führende wissensbasierte Gesellschaft zu werden, dienlich erschienen (OECD 2003, S. 63). Inhaltlich bewegen sich diese politisch gesetzten Prioritäten im Einklang mit der im Bildungsbereich durch den Bologna-Prozess vorgegebenen Tendenz: hin zu einer stärkeren Betonung des Anwendungs- und (wirtschaftlichen) Verwertungsbezugs. Eine aktuelle Studie der OECD über die Steuerung und Verwaltung öffentlicher Forschung fasst die von den befragten Politikern genannten Gründe hierfür zusammen (ebd., S. 63): „In general, policy makers in 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 199 member countries have a strong feeling of public pressure to respond to social needs, maximise returns on public investment and enhance accountability“. Praktischen Niederschlag finden derartige Prioritäten in den staatlichen Förderprogrammen und den Auswahlkriterien für Förderanträge, so etwa in dem expliziten Praxis- und Transferbezug des jüngsten Forschungsrahmenprogramms der EU (BMBF 2007b). Dies führt zu einer schwindenden Relevanz der Grundlagenforschung für weite Teile der Forschungs- und Förderlandschaft. Die Produktion von wissenschaftlicher Erkenntnis geschieht zunehmend unter dem „Imperativ der Nützlichkeit“ (Krücken 2001, S. 330), wobei die Kriterien der Nützlichkeit zwischen wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Akteuren ausgehandelt werden. Bestärkt werden solche Tendenzen durch Empfehlungen wie die der internationalen Kommission zur Systemevaluation der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft (Kom. 1999), die als einige der zentralen Herausforderungen an die Forschung, die durch die Wissensgesellschaft gestellt werden, nennt (ebd., S. 5): eine „zunehmende Verschränkung von grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung in zukunftsträchtigen Forschungsfeldern“ und die „steigende Bedeutung außerwissenschaftlicher Verwendungszusammenhänge und sozioökonomischer Prioritäten in der öffentlichen Förderung der Forschung und der Bearbeitung strategisch wichtiger Forschungsfelder“. Im Verbund mit der Ausrichtung der Förderlandschaft in Deutschland, in der die vermehrte anwendungsorientierte Forschungsförderung durch den Bund und die EU der traditionell stark an der Grundlagenforschung ausgerichteten Förderpolitik der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegenübersteht (vgl. Abs. 3.3.2), hat sich auch bei den Forschungseinrichtungen eine Art Arbeitsteilung herausgebildet: Die Fächer an Universitäten, die primär Empfänger von DFG-Mitteln sind, engagieren sich tendenziell stärker in grundlagenorientierten Forschungsprojekten, während die anderen Fächer sowie andere eher wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen in der Forschung stärker den Verwendungsaspekt betonen und durch Bund, die EU und die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen gefördert werden (DFG 2006c, S. 37). Einen weiteren wichtigen Aspekt der Rahmenbedingungen stellen die knappen Budgets dar, die zur Forschungsförderung zur Verfügung stehen. Diese führen seit Jahren zu finanziell bedingten steigenden Ablehnungsquoten bei Förderanträgen. So sanken bei der DFG die Bewilligungsquoten – also das Verhältnis des bewilligten Mittelvolumens zu dem beantragten Mittelvolumen im Rahmen der Normalförderung von einzelnen Forschungsprojekten von 64 Prozent im Jahr 1980 über 57,9 Prozent (1990) und 46,6 Prozent (1991) auf unter 38 Prozent in den Jahren 2003 bis 2006 (DFG 1992, S. 72; DFG 2007, S. 136). 200 3. Management organisatorischer Kernprozesse 3.3.2. Institutionelle Kontexte Forschung und damit auch Forschungsmanagement findet in unterschiedlichen institutionellen Kontexten statt (Mayntz 1985, S. 9; Waugaman et al. 2004, S. 78 ff.), wie • Hochschulen, • öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen, wie den Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft (Brade 2005) oder den Forschungsinstituten der Fraunhofer-Gesellschaft, • Landes- und Bundeseinrichtungen, wie dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Bundesamt für Materialforschung oder dem Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen (Waugaman et al. 2004, S. 88), • den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen der privaten Wirtschaft (Domsch/Fischer 1990) und im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung, • nicht-kommerziellen und nicht institutionell geförderten Einrichtungen, die häufig die Form eines gemeinnützigen Vereins haben und • kommerziellen Forschungsinstituten. Schließlich betreiben auch Regierungen und andere staatliche Einrichtungen eine Art Forschungsmanagement, wenn sie, beispielsweise im Rahmen einer auf nationale Wettbewerbsvorteile abzielenden Forschungsförderung (Porter 1990) Forschungsförderprogramme zu bestimmten Themen auflegen oder einzelne Einrichtungen im Zuge einer solchen Politik gezielt unterstützen (Braun 1997; OECD 2003, S. 61 ff.). Im Bereich der Finanzierung kann unterschieden werden zwischen Forschung, die ohne die gezielte Förderung durch andere Akteure quasi aus den ,Bordmitteln‘ der forschenden Einrichtung geschieht und Forschungsaktivitäten, die auf der Basis von Drittmitteln stattfinden. Zur Gruppe der durch Drittmittel finanzierten Forschung gehören neben den durch die ,klassischen‘ Fördereinrichtungen wie staatliche Stellen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und Stiftungen geförderten Projekten auch Auftragsforschungen und Forschungskooperationen mit der Industrie oder Wirtschaftsverbänden. 3.3.3. Schwerpunktsetzung als Kernaufgabe des Forschungsmanagements Angesichts der skizzierten Rahmenbedingungen der Forschungsförderung liegt es nahe, die Ausführungen zum strategischen Management von Bildungs- und Forschungseinrichtungen auf das Forschungsmanagement zu übertragen: Wenn die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln als das prinzipielle Ziel des Managements der Forschungsaktivitäten betrachtet wird, liegt der Weg zu diesem Ziel in der Schaffung und Erhaltung von Wettbewerbsvorteilen auf dem Markt 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 201 für Forschungsförderungsmittel. Derartige Wettbewerbsvorteile können nur auf entsprechenden Fach-Kompetenzen und Erfahrungen in den jeweiligen Themengebieten basieren. Eine solche Sicht scheint – ggf. wenig überraschend – auch in der Praxis vorzuherrschen, wie eine Studie von Hazelkorn (2005) über das Forschungsmanagement an Universitäten zeigt. Im Auftrag der OECD wurden Vertreter von 17 Hochschulen unter anderem danach gefragt, nach welchen Kriterien sie die Prioritäten in der Forschung setzen. Die am häufigsten (jeweils von nahezu 80 Prozent der Befragten) als wichtigste Faktoren genannten waren die Existenz einer Wettbewerbsnische und das Vorhandensein der notwendigen Kompetenzen (ebd., S. 72). Als nächstwichtiger Einflussfaktor wurde die Existenz von Fördermöglichkeiten in den jeweiligen Gebiet genannt. Hier bieten die Struktur und die inhaltliche Ausrichtung der großen Fördereinrichtungen in Deutschland vielfältige Chancen für unterschiedliche Prioritätensetzungen, da sie einer zu starken Homogenisierung – insbesondere in Richtung einer reinen Anwendungsorientierung – entgegenwirken (Krücken 2001, S. 335 f.). Sowohl für grundlagenorientierte, als auch für anwendungsorientierte Forschungsvorhaben lassen sich Förderer finden. Wichtig ist aber in allen Fällen die Exzellenz der Vorhaben und die einschlägige Ausgewiesenheit der Antragsteller, die im Antragsverfahren durch Publikationen und andere Forschungsarbeiten in dem Themenfeld belegt werden müssen. Hier handelt es sich um ,klassische‘ strategische Ressourcen im Sinne des Resource-based view (vgl. Abs. 2.2.5.1.), die allmählich aufgebaut und entwickelt werden müssen. Zwar können bekannte Wissenschaftler (zusammen mit ihren Forschungsprojekten) von anderen Einrichtungen abgeworben werden, doch reicht die bloße Residenz eines Forschers an einer Einrichtung nicht unbedingt aus, ihr das Profil eines Kompetenzzentrums in dem jeweiligen Fachgebiet zu geben und damit die Erlangung weiterer Forschungsgelder zu erleichtern. Hier spielen Faktoren wie die Reputation der Einrichtung (vgl. Abs. 1.2.3.), ihre Infrastruktur und Ausstattung sowie das institutionelle und personelle Umfeld, das die Einrichtung bietet, ebenfalls eine gewichtige Rolle. So erwartet beispielsweise die DFG, dass Antragsteller dieses Umfeld im Antrag darstellen und macht es zu einem Teil der Auswahlkriterien (vgl. Abs. 3.3.4.2.; Abs. 3.3.5.2.). Dies bedingt Pfadabhängigkeiten in der Gewährung von Forschungsmitteln, die tendenziell zu einer Vergabe nach dem Matthäus-Prinzip führen können: Wer bereits viel Forschungserfahrung hat, dem werden auch eher weitere Mittel gewährt. Wenn ein solches Vorgehen auch aus der Perspektive der Mittelgeber rational erscheinen mag – ist doch auch in der Forschung die vorhandene Reputation des Antragstellers ein Weg, die zwangsläufig vorhandene Qualitätsunsicherheit bei der Mittelvergabe zu verringern – führt es bei jungen Einrichtungen/Fakultäten und Forschern oder solchen, die erst beginnen, sich auf (neuen) Forschungsfeldern zu etablieren, zu Schwierigkeiten. Sie stehen vor strategischen Wahlentscheidungen (vgl. auch Hazelkorn 2005, S. 115 ff.) über die The- 202 3. Management organisatorischer Kernprozesse mengebiete, in denen sie sich etablieren wollen, und der Frage, ob sie sich eher auf Grundlagenforschung oder anwendungsorientierte Projekte kaprizieren wollen. Über all dem steht die Frage, wo die Nischen sind, in denen eine Etablierung möglich ist, oder ob es potenzielle Kooperationspartner gibt, die ,genutzt‘ werden können, um sich – zunächst – in gemeinsamen Projekten in einem Forschungsfeld zu etablieren. Wie immer diese Fragen beantwortet werden, die Etablierung in einem Forschungsfeld verursacht Aufwand: Kontakte müssen – etwa auf Kongressen – geknüpft und gepflegt werden, zum Beispiel durch die Veranstaltung von Kolloquien. Weiterbildungsmaßnahmen für junge Forscher können notwendig werden und Pilot- und/oder Literaturstudien können sich als sinnvolle Investition erweisen. Und, zu all diesen Aktivitäten müssen die Forscher motiviert sein, eine Vorbedingung, zu der das Einrichtungs- und insbesondere das Forschungsmanagement einen gewichtigen Beitrag leisten kann (Hazelkorn 2005, S. 100 ff.). Damit spielen aus der Perspektive des institutionellen Forschungsmanagements auch Fragen der einrichtungsinternen Mittelverteilung eine Rolle (Abs. 2.2.2.2.; Hazelkorn 2005, S. 123 f.). Sind für die interne Mittelverteilung auch Kriterien wie die Einwerbung von Drittmitteln relevant, werden häufig die Forscher und Fachbereiche bevorzugt, die bereits auf dem Markt für Forschungsförderung etabliert sind. Diese Bevorzugung der „Etablierten“ geht in der Regel einher mit einer Vernachlässigung der „Newcomer“. Fördert sie dagegen auch die Newcomer, so steigert sie die Chancen, dass sie die Grundlagen ihrer Forschungsreputation diversifizieren kann und nicht so stark von einzelnen Leistungsträgern abhängig ist. Allerdings kann sie angesichts der im Wissenschafts- und Bildungsbereich generellen Tendenz hin zur leistungsorientierten Mittelvergabe bei einem solchen Vorgehen auf Legitimationsprobleme sowohl einrichtungsintern – bei den „Etablierten“ – als auch in den Außenbeziehungen zu den externen Stakeholdern stoßen. Umgangen werden können letztere Probleme dadurch, dass die interne Förderung zunächst nur zeitlich befristet – etwa im Rahmen einer Zielvereinbarung – gewährt wird und nur dann auf Dauer gestellt wird, wenn sich innerhalb der gesetzten Frist auch Erfolge zeigen (ebd., S. 124). 3.3.4. Fördereinrichtungen In Deutschland hat sich historisch bedingt eine Struktur der Forschungsförderungseinrichtungen etabliert, die zum einen entlang der föderalistischen Struktur des Staates gegliedert ist (Krücken 2001, S. 335) und zum anderen über eine gewisse thematische Aufgabenteilung verfügt (Braun 1997, S. 209 ff.). Auf der staatlichen Seite fördern die Bundesregierung bzw. die einzelnen Bundesministerien (insbesondere das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesministerium für Wirtschaft), ferner die Landesregierungen und Lan- 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 203 desministerien sowie in einem geringeren Maße auch die Gemeinden. Die Förderung dieser Stellen bezieht sich in der Regel eher auf die anwendungsorientierte Forschung. (Braun 1997, S. 230 f.). Traditionell eher an der Grundlagenforschung ausgerichtet sind die Förderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die neben dem Staat der größte nicht-kommerzielle Förderer wissenschaftlicher Forschung ist (vgl. Abs. 3.3.1). Ferner gibt es eine Anzahl von – zum Teil wirtschaftsnahen – Stiftungen, die als Drittmittelgeber auftreten. Zunehmende Bedeutung hat in den letzten Jahren die Forschungsförderung durch die Europäische Union erlangt, die in der Form so genannter Forschungsrahmenprogramme (siehe unten) stattfindet. Schließlich wird ein bedeutender Anteil der Drittmitteleinnahmen von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen durch Unternehmen der öffentlichen und privaten Wirtschaft gedeckt. 3.3.4.1. Die relative Bedeutung der unterschiedlichen Fördereinrichtungen Die relative Bedeutung dieser unterschiedlichen Fördereinrichtungen kann unter anderem an ihrem Anteil an den Drittmitteleinnahmen der Einrichtungen abgelesen werden. Bund, Länder und Gemeinden trugen 2004 zu 24,3 Prozent der Drittmitteleinnahmen der Hochschulen bei (Stat. Bundesamt 2006, S. 105). Die DFG finanzierte über 30 Prozent. Der drittgrößte Finanzier war die private Wirtschaft mit 27 Prozent, während die Finanzierung durch internationale Organisationen (darunter besonders die Europäische Union) mit 8,3 Prozent und durch Stiftungen mit 7,5 Prozent des gesamten Drittmittelaufkommens ungefähr gleichgewichtig waren (ebd.). Für die wissenschaftlichen Einrichtungen des öffentlichen Sektors fällt eine derartige Differenzierung nach den unterschiedlichen Drittmittelgebern schwerer. Die amtliche Statistik (Stat. Bundesamt 2007, S. 42 f.) differenziert hier nur nach den Mittelgebern und nicht danach, ob es sich um institutionelle Grundförderung oder projektbezogene Drittmittel handelt. Dies kann zu einer verzerrten Beurteilung der Relevanz nicht-staatlicher Fördereinrichtungen führen, da ein Großteil der betroffenen Einrichtungen und Institute gemäß der Rahmenvereinbarung zwischen Bund und Ländern über die gemeinsame Förderung der Forschung9 von 1975 (RV-Fo 2001; vgl. auch Braun 1997, S. 220) mit Schlüs- 9 Der Abschluss dieses Rahmenabkommens, das auf dem Artikel 91b des Grundgesetzes beruht, der 1969 dort aufgenommen wurde und die Forschungsförderung und Bildungsplanung als Gemeinschaftsaufgabe der Länder definiert, war eine Grundlage der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung BLK (http://www.blk-info.de/). Nach den im Zuge der Föderalismusreform vorgenommenen Änderungen im Artikel 91b GG, die insbesondere zum Entfall der Bildungsplanung als Gemeinschaftsaufgabe geführt haben, wurde die BLK ab Anfang 2008 durch eine Gemeinsame Wissenschaftskonferenz abgelöst, deren Aufgabe dann in der Förderung wissenschaftlicher Forschung besteht. 204 3. Management organisatorischer Kernprozesse seln zwischen 90:10 und 50:50 gemeinsam vom Bund und den Ländern finanziert werden und gleichzeitig der Bund und die Länder auch relevante Drittmittelgeber für diese Einrichtungen sind. Betrachtet man nur die wissenschaftlichen Einrichtungen im engeren Sinne, d.h. ohne Museen und Bibliotheken, so zeigt sich, dass diese ca. 12 Prozent ihrer Einnahmen außerhalb der institutionellen oder projektbezogenen Finanzierung durch Bund und Länder erzielen. Innerhalb dieser 12 Prozent stellen Mittel der europäischen Union mit über 29 Prozent und Mittel von Unternehmen mit 27 Prozent den größten Anteil, gefolgt von DFG-Mitteln (14 Prozent) (Stat. Bundesamt 2007, S. 42 f., eigene Berechnungen). Der Anteil der Drittmittel unterscheidet sich dabei von Einrichtung zu Einrichtung relativ stark. So erwirtschafteten die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft (http://www.fraunhofer.de) circa 2 Drittel ihrer Erträge aus Drittmitteln, wobei Kunden aus der Wirtschaft für nahezu ein Viertel der gesamten Einnahmen sorgten (Fraunhofer 2007, S. 95). Die Helmholtz-Zentren werben in der Regel ca. 30 Prozent des Gesamt- Budgets über Drittmittel ein.10 Bei den Instituten der Leibniz-Gemeinschaft11 betrug der Anteil der Drittmittel 2006 circa ein Fünftel des Gesamtbudgets.12 Ähnlich gelagert ist die Situation bei der Max-Planck-Gesellschaft, die für 2006 erwartete, zirka ein Sechstel ihres Etats über Projektförderung zu finanzieren (MPG 2006, S. 66.). 3.3.4.2. Forschungsfördernde Institutionen und Einrichtungen Aktuelle Informationen über Ausschreibungen und Forschungsförderprogramme werden von Forschungs- und Wissenschaftsministerien des Bundes und der Länder auf ihren Internetpräsenzen regelmäßig veröffentlicht. Darüber hinaus stellen verschiedene Institutionen Informationen über Fördermaßnahmen und -modalitäten zur Verfügung (siehe Kasten). Angesichts der Vielfalt der existierenden Programme und der forschungsfördernden Einrichtungen wird im Folgenden nur ein Überblick über die unterschiedlichen Typen von Förderungseinrichtungen gegeben. 10 Angaben der Helmholtz-Gemeinschaft auf ihrer Homepage: vgl. http://www.helmholtz.de/de/Wir_ueber_uns/Profil/Facts_and_Figures.html, Download: 18.8. 2007. 11 Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz ist der Nachfolger“ der Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste“, die nach der Grundgesetzänderung 1969 (Aufnahme der Förderung der Wissenschaft als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern (Art 91b, GG) 1977 zunächst als Auflistung der gemeinsam zu fördernden wissenschaftlichen Einrichtungen entstanden war. Im Zuge der Wiedervereinigung, bei der ein größerer Teil der wissenschaftlichen Institute der ehemaligen DDR in die „blaue Liste“ aufgenommen wurden, gründeten die 81 zusammengeschlossenen Institute die „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“, die sich 1997 in Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz umbenannte (vgl. http://www.wgl.de). 12 Angaben der Leibniz-Gemeinschaft auf ihrer Homepage: vgl. http://www.wgl.de/extern/organisation/zahlen2006.htm, Download: 18.8. 2007. 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 205 Staatliche Fördereinrichtungen auf nationaler und Landesebene Auf der Ebene des Bundes sind neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung das Wirtschaftsministerium, das Umweltministerium, das Verkehrsministerium und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der Forschungsförderung tätig. Eine Sonderrolle nimmt das Verteidigungsministerium ein. Dieses kooperiert zwar in Fragen von Forschung und Technologie mit einigen Fraunhofer-Instituten und anderen Forschungseinrichtungen (BMV 2006, S. 63), schreibt diese Forschungsaufträge jedoch nicht aus. Gefördert werden in der Regel anwendungsorientierte Programme, wobei auf eine Verzahnung zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen Wert gelegt wird, die sich in Forschungsverbünden ausdrücken kann. Die offizielle Bekanntmachung der aktuellen Förderprogramme und -schwerpunkte Förderinformationen im Internet • Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie betreibt eine Förderdatenbank im Internet, die erlaubt, nach Förderprogrammen des Bundes, der Länder und der EU zu recherchieren (http://www.foerderdatenbank.de/). Ferner finden sich dort Verweise zu den Projektträgern, die von den fördernden Institutionen mit der Durchführung der Förderung beauftragt wurden. Dort finden sich dann weitere Angaben über die Förderprogramme, die Regularien der Förderung und die Formalitäten der. • In der Förderberatung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (http://www.foerderinfo.bmbf.de/) finden sich Informationen über die Forschungsförderung des Bundes, der Länder und der EU sowie weitere internationale Programme. Ferner wird dort auf weitere forschungsfördernde Einrichtungen verwiesen. • Mit dem forschungsportal.net (http://www.forschungsportal.net/) existiert eine Internet-Suchmaschine, die es erlaubt, gezielt die Internet-Angebote auf Servern öffentlich finanzierter deutscher Forschungseinrichtungen nach bestimmten Themen und Stichworten zu durchsuchen. • Der Förderkatalog (http://oas2.ip.kp.dlr.de/foekat/foekat/foekat), der gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie betrieben wird, berücksichtigt Fördermaßnahmen und Forschungs- und Entwicklungsaufträge, die vom Forschungsministerium, dem Wirtschaftsministerium oder dem Ministerium für Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wurden und werden. Die meisten Hochschulen bieten im Internet mehr oder weniger detaillierte Link- Sammlungen mit Verweisen zu Forschungsförderern auf nationaler und internationaler Ebene und zu weiteren Informationsquellen, so zum Beispiel die TU Berlin (http://www2.tu-berlin.de/zuv/IIIC/foerder/links.htm) oder die TU Clausthal (http:/ /www.tt.tu-clausthal.de/forschungsfoerderung/). Schließlich kann man sich auch direkt bei den einzelnen Forschungsförderern über die aktuellen Programme und Fördermöglichkeiten informieren. 206 3. Management organisatorischer Kernprozesse geschieht im Bundesanzeiger und über die Internetseiten der Förderinstitutionen. Mit der fachlichen und administrativen Betreuung der Projekte werden Projektträger beauftragt.13 Diese Projektträger beraten den Antragsteller, nehmen die Anträge entgegen und sind während des gesamten Projektverlaufs Ansprechpartner für die forschende Einrichtung. Nach dem Abschluss des Projektes ist ein wissenschaftlicher Abschlussbericht vorzulegen, der die Ergebnisse der Forschung und ihre Verwertung verdeutlicht. Die genauen Anforderungen an diesen Abschlussbericht werden in der Regel in dem Förderprogramm oder in Absprache mit dem Projektträger spezifiziert. Außerdem muss ein Verwendungsnachweis über die erhaltenen Forschungsmittel eingereicht werden. Die Belegexemplare der Forschungsberichte werden in der Bibliothek der Technischen Universität Hannover nachgewiesen. In den Ländern ist die Forschungsförderung durch die Landesministerien in der Regel ähnlich wie auf Bundesebene geregelt. Tendenziell sind Forschungsprogramme auf Landesebene noch stärker als auf der Bundesebene anwendungsbezogen und zielen auf eine Förderung der regionalen Wirtschaft (insbesondere von Klein- und mittelständischen Unternehmen). Generell gefördert werden Innovationsprojekte und häufig auch Existenzgründungen aus der Hochschule heraus. Angesichts der Zielsetzung der Landesprogramme bieten sich hier häufig Möglichkeiten für eine Begleitforschung in Kooperation mit örtlichen Unternehmen oder für Kooperationsprojekte im Bereich der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung. Bei den Fördereinrichtungen spielen auf Landesebene oft zusätzlich zu den Ministerien landeseigene Banken als Mittelgeber eine größere Rolle. Forschungsförderung durch die EU Die Forschungsförderung der Europäischen Union findet vornehmlich im Rahmen so genannter Forschungsrahmenprogramme statt. Diese haben im Gegensatz zu vielen nationalen Förderprogrammen genau definierte zeitliche Vorgaben. Daneben gibt es noch im Rahmen der europäischen Strukturfonds und der 13 Diese sind unter anderem (eine vollständige Auflistung findet sich in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie): • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (http://www.dlr.de/). Projektträger in den Bereichen: Gesundheitsforschung, Informationstechnik, Luftfahrt, Multimedia und Neue Medien in der Bildung • Das Forschungszentrum Jülich (http://www.fz-juelich.de/). Projektträger der Förderprogramme mehrerer Bundes- und Landesministerien sowie Auskunftsstelle zu Fördermaßnahmen durch das Bildungsministerium • Das Forschungszentrum Karlsruhe (http://www.fzk.de/). Projektträger in den Bereichen Produktions- und Fertigungstechnologien sowie Wassertechnologie und Entsorgung. 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 207 Gemeinschaftsinitiativen Förderungsmöglichkeiten, die in der Regel aber über die Bundesländer abgewickelt und dort in spezifische Landesprogramme eingebunden werden. Das aktuell (im Jahr 2007) beginnende 7. Forschungsrahmenprogramm ist mit einem Gesamtbudget von 53 Mrd. Euro das weltweit größte Forschungsförderungsprogramm (BMBF 2007b, S. 6). Die generelle Zielsetzung der Rahmenprogramme ist die Förderung und Unterstützung des europäischen Wirtschaftsraums (EU 2005, S. 3), ferner die Schaffung eines europäischen Forschungsraums (BMBF 2007b, S. 5). In diesem Sinne verfolgen die Rahmenprogramme generell folgende Ziele (ebd.): • Integration der Forschungsinfrastruktur und Exzellenzzentren auf europäischer Ebene • Verbesserung der Koordination der Forschungsprogramme und -politiken zwischen den EU-Staaten und mit der Europäischen Kommission • Förderung privater Investitionen • Schaffung eines gemeinsamen wissenschaftlich-technischen Referenzsystems für die Umsetzung der Politik • Stärkung der Humanressourcen und der Mobilität • Steigerung der Attraktivität des Forschungsstandortes Europa • Definition gemeinsamer ethischer Kriterien. Inhaltlich fassen die Forschungsrahmenprogramme die geförderten inhaltlichen Schwerpunkte in so genannten „Spezifischen Programmen“ zusammen, in denen bestimmte Budgets für die einzelnen Themenfelder vorgesehen sind. Laut EU geschieht die Auswahl und Gewichtung der geförderten Themenfelder unter den Gesichtspunkten (BMBF 2007b, S. 7): • Konzentration auf vorrangige Forschungsbereiche mit ausgeprägt europäischem Mehrwert • Entfaltung einer stärker strukturierenden Wirkung auf Forschung und Entwicklung in Europa • Leistung eines bedeutenden Beitrags zur Entwicklung wissenschaftlicher und technischer Exzellenz und zur Koordinierung der Forschung in Europa. Ferner sollen im Rahmen des 7. Rahmenprogramms die Durchführungsbestimmungen vereinfacht und gestrafft werden. Gefördert werden können im Rahmen des ersten (und größten: Fördervolumen 32 Mrd €) spezifischen Programms Projekte unter anderem in den Bereichen: Gesundheit, Ernährung und Bio-Technologie, Informations- und Kommunikationstechnologien, Nanotechnologien, Energie, Umwelt und Klima, Verkehr, Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften sowie Weltraum und Sicherheit. Dabei gibt es für jeden Themenbereich spezifische inhaltliche Vorgaben, die die Projekte erfüllen müssen (vgl. BMBF 2007b, S. 10 ff.). Ähnliches gilt für die anderen spezifischen Programme, die sich mit Fragen der Ausbildung und Mobilität von Akademikern, mit der Stärkung von Forschungsinfrastruktu- 208 3. Management organisatorischer Kernprozesse ren und der Einbindung von Forschung und Wissenschaft in Wirtschaft und Gesellschaft sowie der Atomenergie beschäftigen. Das Förderinstrumentarium, das im Rahmen des Rahmenprogramms zur Verfügung steht, reicht von der ,klassischen‘ Förderung von einzelnen Forschungsprojekten, über die Förderung von Exzellenznetzwerken bis hin zur Unterstützung von Maßnahmen nach Artikel 169 EG-Vertrag, in denen mehrere Mitgliedsstaaten sich längerfristig in einem gemeinsamen Förderprogramm engagieren. Ferner können nationale Forschungsförderorganisationen in Aktivitäten zur Koordination und Öffnung nationaler bzw. regionaler Förderprogramme unterstützt werden (ebd., S. 104 ff.). Antragsberechtigt sind alle Rechtspersonen aus den Mitgliedsstaaten der EU sowie zahlreichen weiteren Staaten (ebd., S. 108). Für die meisten spezifischen Programme müssen die Anträge in einem Verbundprojekt gestellt werden, zu dem mindestens drei, aus unterschiedlichen Mitgliedsländern (und assoziierten Staaten) stammende, rechtlich von einander unabhängige Einrichtungen gehören. Ausnahmen von dieser Regel gibt es für bestimmte spezifische Programme. Zur Unterstützung der Suche nach potenziellen Partnern stellt der Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft (Cordis) eine internetgestützte Projektpartnersuche zur Verfügung (http://cordis.europa.eu/ fp7/partners_de.html). Jeder Antrag durchläuft ein zweifaches Evaluierungsverfahren: Zunächst wird formal überprüft, ob der Antrag den Anforderungen entspricht und dann wird der Antrag unter wissenschaftlichen Kriterien begutachtet. Im Falle eines Zuschlags richten sich die Erstattungsquoten, die der forschenden Einrichtung bzw. dem Forschungskonsortium gewährt werden, nach dem Förderinstrument und der Art der Einrichtung (BMBF 2007b, S. 115 f.). Sie betragen zwischen 50 und 100 Prozent der nachgewiesenen Kosten. Ein gefördertes Forschungskonsortium hat regelmäßig (in der Regel jährlich) Zwischenberichte vorzulegen, die Arbeitsberichte und Nachweise über die Verwendung der Fördermittel enthalten müssen (ebd., S. 118): Nach dem Abschluss des Projektes ist ein Abschlussbericht vorzulegen. Dieser umfasst: • Einen publikationsreifen, zusammenfassenden Bericht, der die Projektergebnisse, die darauf basierenden Schlussfolgerungen und die sozio-ökonomischen Auswirkungen darstellt. • Einen Bericht, der die gesellschaftlichen Implikationen zusammenfasst sowie Maßnahmen zur Einbeziehung weiterer Akteure und zur Nutzung und Verbreitung der Projektergebnisse darstellt. Ferner ist ein abschließender Verwendungsnachweis über die erhaltenen Fördermittel bei der Kommission einzureichen, der von dieser geprüft wird. 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 209 Forschungsförderung durch die DFG Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht sich seit Jahren der Förderung der Grundlagenforschung verpflichtet (DFG 1992, S. 73; DFG 2006c; S. 37). Ferner sieht sie ihren Schwerpunkt in der Förderung der universitären Forschung und hat dort auch den Schwerpunkt ihrer Förderungen. Seit Jahren fließen ca. 89 Prozent des Bewilligungsvolumens der DFG an Hochschulen und dort insbesondere an Universitäten (ebd.). Mit einem Fördervolumen von über 1,3 Mrd. Euro im Jahr 2006 (DFG 2007, S. 170) ist die DFG die größte nichtstaatliche Forschungsförderungseinrichtung in Deutschland. Das Spektrum ihrer Fördermaßnahmen umfasst unter anderem Einzelförderungen von Forschungsprojekten, Forschungssemester, Kolloquien, Maßnahmen der Nachwuchsförderung, Sonderforschungsbereiche (SFB), DFG-Forschungszentrenund Graduiertenkollegs.14 Darüber hinaus fördert die DFG Forschergruppen und Schwerpunktprogramme und fördert im Rahmen der 2005 von Bund und Ländern beschlossenen Exzellenzinitiative Graduiertenschulen, Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung und Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung. Weniger öffentlichkeitswirksam, aber für den Arbeitsalltag in Hochschulen mindestens genauso relevant sind die Förderungen der DFG im Bereich der wissenschaftlichen Infrastruktur. Hier finanziert sie zum einen Großgeräte im Bereich der Forschung und Informationstechnik und unterstützt Entwicklungen bei wissenschaftlichen Literaturversorgungs- und Informationssystemen (DFG 2007, S. 79 ff.). Neben größeren Projekten zur Erschließung wissenschaftlicher Literatur zeichnet sie damit auch für viele der Arbeitsplatz- Rechner verantwortlich, die in Hochschulen eingesetzt werden. Auch wenn die Vielzahl der von der DFG geförderten Programme nur wenig generelle Aussagen über den Auswahlprozess und die angelegten Kriterien zulässt, lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten des Auswahlprozesses feststellen: Die eingereichten Projektanträge werden von zwei unabhängig von einander urteilenden Gutachtern bewertet und entweder zur Annahme oder Ablehnung empfohlen. Auf der Basis dieser Gutachten wird durch die Geschäftsstelle der DFG ein Entscheidungsvorschlag erstellt, der dann mit den eingereichten Antragsunterlagen und den Gutachten an die Fachkollegien (gewählte Gremien der DFG) übersandt wird, die dann die Förderentscheidung vorbereiten. Die Kriterien bei der Begutachtung berücksichtigen unter anderem folgende Aspekte: • Qualität des Vorhabens und Qualifikation des Antragsstellers • Arbeitsmöglichkeiten und wissenschaftliches Umfeld • Ziele und Arbeitsprogramm. 14 Vgl. DFG 2007, S. 132 ff., vgl. http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/index.html. 210 3. Management organisatorischer Kernprozesse Wird ein Antrag bewilligt, so ist neben eventuellen Zwischenberichten ein Abschlussbericht zu erstellen, der neben einer Zusammenfassung der Ergebnisse des Projektes auch Angaben über auf dem Projekt basierende Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften enthält. Außerdem sind Verwendungsnachweise über die bewilligten Mittel einzureichen.15 Forschungsförderung durch Stiftungen Die Anzahl der in Deutschland tätigen Stiftungen geht in die tausende.16 Viele von ihnen unterstützen auf Antrag Forschungsvorhaben in bestimmten Themenbereichen oder beteiligen sich an Förderprogrammen. Für die Recherche nach einer Stiftung als potenziellem Förderer für ein Forschungsvorhaben bieten sich insbesondere zwei Organisationen an: • Der Bundesverband deutscher Stiftungen Auf seiner Homepage (http://www.stiftungen.org/index.php) bietet der in Berlin beheimatete Verband die Möglichkeit einer thematisch und regional eingegrenzten Suche nach Stiftungen in seiner Datenbank. Zurückgegeben werden Angaben über den Sitz, die Homepage und die Aufgabengabengebiete der Stiftung sowie der Satzungszweck und eventuelle Einschränkungen regionaler oder sachlicher Art bei der Förderung. • Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft Der Stifterverband erlaubt auf seiner Homepage (http://www.stifterverband.de) unter dem Menupunkt Stiftungen die Suche nach fördernden Stiftungen unter Angabe des Themengebiets und der Art der Förderung. Die Abfrage liefert dann Angaben über das Vermögen und das jährliche Fördervolumen der Stiftungen, die inhaltliche Ausrichtung der Fördertätigkeiten sowie Hinweise zur Antragstellung. Ferner wird auf den Internetseiten des Bundesforschungsministeriums (http:// www.foerderinfo.bmbf.de/) unter Forschungsfördernde Einrichtungen auf die bundesweit tätigen Stiftungen im Bereich der Forschungsförderung verwiesen: die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Volkswagenstiftung oder die Hans- Böckler-Stiftung. Weitergehende Informationen über aktuelle Förderprogramme und Förderungsmöglichkeiten finden sich dann auf den Homepages der Stiftungen. 15 Über die Anforderungen an die Abschlussberichte sowie über die anderen Stationen des Begutachtungs- und Förderungsverfahrens informiert eine Vielzahl von Merkblättern, die auf dem Server der DFG (http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/formulare/index.html) erhältlich sind. Informationen über bereits bewilligte Projekte können online in einer eigenen Förderdatenbank der Deutschen Forschungsgemeinschaft (http://gepris.dfg.de/gepris/) recherchiert werden. 16 Eine Abfrage im Stiftungsverzeichnis des Bundesverbandes deutscher Stiftungen (http://www.stiftungen.org/index.php) ergab im August 2007 über 4600 dort eingetragene Stiftungen mit eigener Homepage. 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 211 Forschungsförderung durch Unternehmen Die spezifischen mit der Forschungsförderung durch Unternehmen verbundenen Chancen und Risiken wurden bereits weiter oben angesprochen (Abs. 2.2.4.2). Die Kooperationsmöglichkeiten mit der regionalen Wirtschaft können sich durch persönliche Kontakte ergeben oder systematisch durch Abteilungen der Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen, die sich mit der Vernetzung mit der Wirtschaft beschäftigen aufgebaut werden. Ferner bieten in vielen Regionen die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern unter den Stichworten Wissens- oder Technologietransfer Anlaufstellen oder sogar Datenbanken für Unternehmen an, die an Kooperationen mit der Wissenschaft interessiert sind. Zusätzlich zu diesen zwangsläufig regional sehr unterschiedlichen Kooperationsoptionen gibt es mit der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) (http://www.aif.de/) einen Ansprechpartner, der Nachfrage insbesondere von Klein und mittelständischen Unternehmen bündelt und als institutioneller Nachfrager angewandter Forschung und Entwicklung auftritt. Die AiF ist Projektträger für Maßnahmen des Bundeswirtschaftsministeriums unter anderem in den Bereichen der industriellen Gemeinschaftsförderung und der Förderung der Forschung an Fachhochschulen. Angesichts der strikten Anwendungsorientierung werden in den meisten Förderprogrammen vornehmlich ingenieur- und wirtschaftswissenschaftliche Themen gefördert. 3.3.5. Antragsstellung Vor der Begutachtung eines Drittmittelprojektes steht seine Beantragung. Für die großen Fördereinrichtungen (Bundesministerien, EU-Forschungsrahmenprogramm und DFG) sind im Folgenden ein paar Hinweise zu den formalen Aspekten der Antragsgestaltung aufgeführt. 3.3.5.1. Projekte der Bundesministerien Die Bundesministerien nutzen zur Antragsstellung das elektronische Antragssystem easy17. Dieses besteht aus einem Programm, das auf dem PC des Antragsstellers installiert werden muss und in dem dann die Antragsformulare ausgefüllt werden. Das Programm unterstützt den Antragssteller bei der Berechnung der Finanzierung und führt Vollständigkeits- und Plausibilitätsprüfungen durch. Auf der Homepage von easy finden sich in einem virtuellen Formularschrank weitere relevante Informationen und Merkblätter zur An- 17 Die Abkürzung steht für: Elektronisches Antrags- bzw. Angebots-System, vgl. http:/ /www.kp.dlr.de/profi/easy/. 212 3. Management organisatorischer Kernprozesse tragsstellung, wie Richtlinien und Nebenbestimmungen sowie Musterverträge und Muster für Verwendungsnachweise.18 3.3.5.2. DFG-Anträge Aus der Vielzahl der unterschiedlichen Förderprogramme der DFG wird im Folgenden mit der Sachbeihilfe für Drittmittelprojekte eine typisches Programm herausgegriffen.19 Antragsberechtigt ist jeder promovierte Wissenschaftler, der an einer Forschungseinrichtung in Deutschland tätig ist. Für unbefristet Beschäftigte an au- ßeruniversitären Forschungseinrichtungen gelten dabei zum Teil besondere Regelungen. Mit der Ausnahme von Schwerpunktprogrammen, bei denen in der Regel bestimmte Antragstermine festgesetzt sind, ist eine Antragsstellung jederzeit möglich, wenn das Projekt noch nicht begonnen hat. Auch hier sind, wie bei Projekten die vom Bund gefördert werden, detaillierte Angaben über den Finanzbedarf des Projektes zu machen. Darüber hinaus erwartet die DFG noch ausführliche Informationen über das wissenschaftliche und infrastrukturelle Umfeld des Antragsstellers (z.B.: Zusammensetzung der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe, Forschungskooperationen, apparative Ausstattung vor Ort). Besonderen Wert legt die DFG auf eine ausführliche Beschreibung des Arbeitsprogramms. Diese sollte circa die Hälfte des etwa 20 Seiten langen Antrags umfassen und schlüssig nachweisen, warum welche Mittel wofür beantragt wurden. Zusätzlich legt die DFG fest, dass ein Antragsteller mit der Einreichung verpflichtet ist, die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis einzuhalten, die eventuell bewilligten Mittel entsprechend des Bewilligungsbescheids und der Richtlinien der DFG für die Projektverwirklichung zu verwenden und zu der DFG entsprechend dem Bewilligungsbescheid über den Fortgang des Projektes zu berichten und Verwendungsnachweise vorzulegen. Insbesondere bei der Verletzung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist ein umfangreicher Sanktionskatalog vorgesehen, der von einer schriftlichen Rüge über den befristeten Ausschluss von der Antragsberechtigung bei der DFG bis hin zur Rückforderung der Fördermittel reicht. 18 Die „Richtlinien für Zuwendungsanträge auf Ausgabenbasis (AZA)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF-Vordr. 0027/03.07_1Online verfügbar unter: http://www.kp.dlr.de/profi/easy/bmbf/pdf/0027.pdf, Download: 13.8. 2007. 19 Hinweise zur Antragsstellung in diesem Programm, wie auch zu allen anderen der DFG finden sich auf der Homepage der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter: http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/formulare/index.html. Das im Merkblatt für Anträge auf Sachbeihilfen mit dem Leitfaden für die Antragsstellung (DFG-Vordruck 1.02 – 4/07 – II 3) ist verfügbar unter: http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/formulare/download/1_02.pdf, Download: 18.8. 2007. 3.3. Forschungsfinanzierung, -förderung und -management 213 3.3.5.3. EU-Anträge Die Stellung eines Forschungsförderantrags im Rahmen eines EU-Programms erfordert weitergehende Voraussetzungen als die Formulierung eines vergleichbaren Antrags an eine nationale Fördereinrichtung. Ein Hauptgrund hierfür liegt in der notwendigen internationalen Kooperation. Nicht zuletzt deshalb ist rund um die EU-Forschungsförderung ein Netz aus Beratungs- und Informationsstellen entstanden, das die Antragssteller auf dem Weg bis zur Antragseinreichung begleiten soll: • EU-Büro des Bundesforschungsministeriums20 Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat ein EU-Büro eingerichtet, das als allgemeine Anlaufstelle für übergreifende Informationen und Fragen zum Forschungsrahmenprogramm der EU dient. Es betreibt zahlreiche Nationale Kontaktstellen zu den Querschnittbereichen des Forschungsrahmenprogramms und das Deutsche Portal zum 7. Forschungsrahmenprogramm21. • Nationale Kontaktstellen (NKS) zum Forschungsrahmenprogramm Die NKS22 dienen als Ansprechpartner für Antragsteller im Rahmen des EU- Forschungsrahmensprogramms. Sie informieren über übergreifende Fragen wie rechtliche und finanzielle Aspekte, helfen bei der Suche nach Projektpartnern und informieren über die einzelnen Teilbereiche der spezifischen Programme. Zusätzlich sind sie in der Lage „die Texte der Europäischen Kommission vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Erfahrung zu interpretieren“ (BMBF 2007b, S. 12) und „können wichtige und oft entscheidende Hinweise zur Optimierung der einzureichenden Texte geben“ (ebd.). • EU-Referent/innen23 Die EU-Referenten sind Ansprechpartner für Fragen zur EU-Forschungsförderung, die in Hochschulen und Forschungseinrichtungen angesiedelt sind. Ihre Stärke liegt in der Kenntnis des Förderspektrums der EU und der administrativen Vorgänge (BMBF 2007b, S. 13). Daher und aufgrund ihrer räumlichen Nähe zu den Antragsstellern werden sie als ideale Ansprechpartner für erste Projektideen gesehen (ebd.). Ein interner Austausch der Eu-Referenten findet in dem „Bundesweiten Arbeitskreis der EU-Referenten an Hochschulen in Deutschland – BAK“ statt. Das Bundesforschungsministerium hat zum 7. Forschungsrahmenprogramm einen Leitfaden zur Antragstellung aufgelegt (BMBF 2007b). Wenn die grundsätzliche Frage, ob im Rahmen des EU-Förderprogramms bzw. einer spezifischen Ausschreibung ein Projekt beantragt werden soll, positiv beantwortet wurde empfiehlt der Leitfaden, folgende Schritte und Aspekte bei der Antragstellung zu beachten (ebd., S. 19 ff.): 20 Vgl. http://www.eubuero.de/. 21 Vgl. http://www.forschungsrahmenprogramm.de/. 22 Vgl. http://www.forschungsrahmenprogramm.de/nks.htm. 23 Vgl. http://www.ruhr-uni-bochum.de/bak/. 214 3. Management organisatorischer Kernprozesse Ein ,Kernteam‘, das zumindest in der Antragsphase die Leitung des Verfahrens übernimmt, sollte bereits in der Phase der Ideenentwicklung für ein Forschungsprojekt Kontakt mit einem EU-Referenten oder einer Nationalen Kontaktstelle aufnehmen, um dort in der Konkretisierung der Projektidee und der eventuellen weiteren Suche nach Kooperationspartnern Unterstützung zu suchen. Zur Vorabinformation über die maßgeblichen Ausschreibungstexte und -anforderungen können die in dem Internetportal zum Forschungsrahmenprogramm veröffentlichten Merkblätter, Mustervereinbarungen und die Arbeitsberichte zu den jeweiligen Ausschreibungen genutzt werden. Letztere stellen die Grundlage der endgültigen Ausschreibungstexte dar. Bei EU-Projekten können – auch innerhalb einer Ausschreibung – unterschiedliche Antragsverfahren Anwendung finden: Einstufige Verfahren, in denen der vollständige Antrag zur Einreichungsfrist an die Kommission übermittelt sein muss; zweistufige Verfahren, in denen zunächst ein (in seinem Umfang festgelegter) Kurzantrag eingereicht wird, auf dessen Basis dann entschieden wird, ob der Antragsteller zur Einreichung eines vollständigen Antrags aufgefordert wird und offene Aufrufe, die mit mehreren Einreichungsfristen arbeiten. Der Antrag selbst muss, neben formalen Informationen über die Projektpartner und -kosten, die wissenschaftliche bzw. technologische Exzellenz des Projektvorhabens, seine Implementation und seinen sozio-ökonomischen Impact schildern. Er wird durch mehrere Gutachter evaluiert. Unabhängig von der Annahme oder Ablehnung des Antrags werden die Antragsteller über die Ergebnisse der Evaluierung informiert und erhalten die Kommentare der Gutachter. Die Antragseinreichung geschieht elektronisch über das internetbasierte „Electronic Proposal Submission System“ (EPSS). Generell gilt, dass sich ein Förderungsantrag sehr genau an die Vorgaben des jeweiligen Ausschreibungstexts halten sollte, sowohl was die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen, als auch was die formale Gestaltung angeht (BMBF 2007b, S. 30 f.). Eine Besonderheit bei EU-Anträgen ist die Präsentation des antragstellenden Forschungskonsortiums. Diese sollte sich auf die für das Projekt relevanten Erfahrungen und bisherigen Aktivitäten der Konsortiumsmitglieder beschränken. Ein weiterer Aspekt ist, dass, obwohl die Anträge formalrechtlich in jeder der Amtssprachen der EU eingereicht werden können, sie immer in Englisch verfasst sein sollten. Schließlich spielt die Zusammensetzung und die Organisation des Forschungskonsortiums in mehrfacher Hinsicht eine ausschlaggebende Rolle: Bei der Beurteilung des Antrags wird nicht nur auf die Exzellenz der einzelnen Konsortiumsmitglieder geachtet, sondern auch darauf, ob das Team insgesamt synergetisch und ausgewogen erscheint. Im Binnenverhältnis ist die Organisation – im Sinne der Organisation der internen Abläufe und Kommunikationsflüsse und im Sinne der formalen Regelung der wechselseitigen Beziehungen – ein ausschlaggebender Faktor für die fristgemäße Gestaltung aussagekräftiger und erfolgsträchtiger Anträge (ebd., S. 28 f.) – und selbstverständlich für die erfolgreiche Projektdurchführung. 3.4. Management von Außenbeziehungen 215 3.4. Management von Außenbeziehungen Das Management der Außenbeziehungen einer Wissenschafts- oder Bildungseinrichtung umfasst im Prinzip die Beziehungen zu allen externen Stakeholdern der Organisation (vgl. Abs. 2.2.4). Die folgenden Darstellungen konzentrieren sich weitgehend auf die Abnehmer der Leistungen, die die Organisation erstellt. Ferner liegt der Fokus auf Bildungsorganisationen bzw. den Bereichen einer Organisation, die Bildungsangebote bereitstellen. Der Grund hierfür liegt vornehmlich darin, dass mit Ausnahme einiger kommerzieller Forschungseinrichtungen eine regelrechte Vermarktung von wissenschaftlichen Dienstleistungen in Deutschland eher selten ist. Es gibt zwar eine gewisse Anzahl von privaten Forschungseinrichtungen, die sich ausschließlich oder primär durch Auftragsforschung finanzieren sowie eine Reihe von Einrichtungen, die durch Interessenverbände oder Parteien getragen werden.24 Allerdings zeigt ein Blick auf die Selbstdarstellungen dieser Einrichtungen, dass die meisten sich vornehmlich als wissenschaftliche Einrichtungen begreifen, die eher ihre Forschungsergebnisse darstellen, als Angebote für potenzielle Kunden zu formulieren. An Hochschulen werden immer häufiger spezielle Forschungs- oder Wissenstransferstellen eingerichtet, die unter anderem der Vermarktung des wissenschaftlichen Know-how und der Vermittlung wissenschaftlicher Expertise an externe Interessenten vornehmlich aus der Wirtschaft dienen. Bei der Ausgestaltung dieser Stellen reicht das Spektrum von der Nennung von Ansprechpartnern, die Interessenten an Wissenschaftler weitervermitteln bis zu Online-Datenbanken, in denen Interessenten direkt nach den passenden Forschern für ihr Anliegen suchen können. Regelrechte Dienstleistungsangebote sucht man allerdings auch hier in der Regel vergeblich. Anders ist die Situation beispielsweise in den USA. Dort stellen private Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel die vornehmlich in der Politikberatung engagierten Think Tanks (Abelson 2002; Gehlen 2005), neben ihren Forschungsergebnissen auch ihre Angebote bzw. ihr Dienstleistungsspektrum für potenzielle Kunden vor. So differenziert etwa die Rand Corporation (http:// www.rand.org/), einer der ältesten und bekanntesten Think Tanks in ihren Angeboten für potenzielle Kunden zwischen staatlichen Kunden, Unternehmenskunden und Einzelpersonen bzw. Stiftungen, wobei sie letztere vornehmlich auf die Möglichkeiten hinweist, die Arbeit der Rand Corporation durch Spenden zu unterstützen. 24 Für den Bereich der vornehmlich in der Politikberatung aktiven Think Tanks bietet das Think Tank Directory (http://www.thinktankdirectory.org/) einen Überblick. Eine allgemeine – aber nicht vollständige – Auflistung der Forschungseinrichtungen in Deutschland findet sich in dem open directory project (http://www.dmoz.org/World/ Deutsch/Wissenschaft/Forschungseinrichtungen/).

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References

Zusammenfassung

Den Wandel begleiten

Neu im Bildungsmanagement

Die Beschäftigten in Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen sind gegenwärtig mit erheblichen Veränderungen konfrontiert. Der Wandel von bürokratischen Strukturen hin zu modernen unternehmerisch handelnden Bildungseinrichtungen vollzieht sich in einem Umfeld, das durch einen sich verschärfenden Wettbewerb gekennzeichnet ist. Dabei nimmt der Einfluss externer Interessengruppen zu und die öffentliche Aufmerksamkeit, was das Leistungsvermögen und den Umgang mit der neu gewonnenen Autonomie anbelangt, wächst. Von den Beschäftigten wird in Zukunft verlangt, erfolgreiche Bildungsangebote zu entwickeln mit dem Ziel, dass sich die Einrichtungen langfristig am Markt positionieren können. Dieses Buch soll einen Beitrag dazu leisten, die Arbeit in Bildungsorganisationen professionalisieren zu helfen. Studierenden und Praktiker auf dem tertiären und quartären Bildungsbereich werden Managementansätze und -konzepte vorgestellt, die ihnen bei der Entwicklung und Vermarktung von Angeboten Unterstützung leisten.

- Rahmenbedingungen des Bildungs- und Wissenschaftsmanagements

- Steuerungs- und Managementsysteme

- Management organisatorischer Kernprozesse

- Qualitätsmanagement und Evaluation

- Management organisatorischer Veränderungen

- Personalmanagement

Die Autorin

Prof. Dr. Anke Hanft ist Leiterin des Arbeitsbereichs Weiterbildung und Bildungsmanagement an der Fakultät Bildungs- und Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg. Sie ist Herausgeberin der Zeitschrift "Hochschulmanagement" und Vorsitzende der internationalen Steuerungsgruppe der Österreichischen Qualitätssicherungsagentur (AQA).