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Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung in:

Reiner Clement, Wiltrud Terlau, Manfred Kiy

Angewandte Makroökonomie, page 740 - 763

Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen

5. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4480-3, ISBN online: 978-3-8006-4389-9, https://doi.org/10.15358/9783800643899_740

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Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 735 Kapitel 24 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung Umwelt Nachhaltigkeit Ökonomische Dimension Ökologische Dimension Politische Dimension Soziale Dimension § §§ § Inhaltsübersicht 24.1 Ausgestaltung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 736 24.1.1 Dimensionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 739 24.1.2 Zeitpfade. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 742 24.2 Managementregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 748 24.2.1 Schwache Nachhaltigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 748 24.2.2 Starke Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 754 24.3 Fallbeispiele zu Kapitel 24 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 756 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 736 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie736 Lernzielorientierte Sachverhalte •• Die Ökonomie hat sich in der Vergangenheit bereits intensiv mit den Fol gen des Bevölkerungswachstums und der Endlichkeit von Ressourcen be schäftigt. Viele Prognosen vernachlässigen jedoch Faktoren des technischen Fortschritts, Substitutionseffekte zwischen Faktoren, die Preisbildung auf Faktormärkten und auch die Möglichkeiten des selbstbestimmten Handelns von Menschen, die zur Beschränkung des Konsums oder anderen Produk tionsmustern führen können. •• Die „traditionellen“ Säulen der nachhaltigen Entwicklung (Ökonomie, Öko logie, Soziales) werden häufig um politische, technologische und kulturelle Ebenen sowie auch um einen internationalen Kontext ergänzt. Zu betonen bleibt vor allem die integrative Sichtweise der verschiedenen Dimensionen. •• In der Nachhaltigkeitskonzeption hat die Zukunft, dargestellt durch die Diskontrate, einen großen Stellenwert. Eine zu hohe Zeitpräferenz, also ein zu hoher Wert der Gegenwart gegenüber der Zukunft, widerspricht dem Ziel der Generationengerechtigkeit. Es gilt also bereits in der Gegenwart mit Blick auf zukünftige Generationen ökologisch sowie sozial zu wirtschaften und entsprechend politisch umzusetzen. •• Das Nachhaltigkeitskapital besteht aus der Summe der ökonomischen, öko logischen und sozialen Kapitalstöcke. Diese von der Weltbank vorgenomme ne Trennung von Vermögensarten führt zu der Frage, ob und inwieweit die Substitution zwischen verschiedenen Vermögensarten überhaupt möglich ist und zulässig sein soll. Ergebnis sind Managementregeln der schwachen bzw. starken Nachhaltigkeit. •• Die schwache Nachhaltigkeit stützt sich auf die Theorie erschöpfbarer Roh stoffe und auf einige in diesem Kontext entwickelte Regeln. Das zugrunde liegende Axiom ist die Maximierung des intergenerationellen Nutzenni veaus bzw. die Verstetigung des intergenerationellen Verbrauchsniveaus pro Kopf der jeweiligen Bevölkerung. •• Das Konzept der starken Nachhaltigkeit basiert unter anderem auf natur wissenschaftlichen Erkenntnissen und geht davon aus, dass sich ökologische Kapitalgüter nur begrenzt durch andere Kapitalgüter substituieren lassen. Die daraus abgeleiteten Managementregeln beziehen sich auf die Bewirt schaftung von erschöpfbaren natürlichen Ressourcen, regenerativen natür lichen Ressourcen und Depositionsleistungen der Umwelt. 24.1 Ausgestaltung Das „Nachhaltigkeitsproblem“ – zunächst verstanden als Problem, das durch übermä- ßigen Ressourcenverbrauch verursacht wird – ist auch in ökonomischen Ansätzen nicht neu. Beispielhaft sei auf Malthus (1798) und Jevons (1865) verwiesen. Malthus kommt in seinen Arbeiten, vereinfacht dargestellt, zu dem Ergebnis, dass das Bevölkerungswachstum geometrisch (1, 2, 4, 8, …), die Produktion von Lebensmitteln jedoch nur arithmetisch (1, 2, 3, 4, …) wächst (Abb. 24.1). Es ist nahe liegend, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt die Versorgung von Menschen nicht mehr möglich ist. Die Ursache für das Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage liegt vor allem im Ertragsgesetz begründet. Da der Produktionsfaktor Boden konstant ist, nimmt das Grenzprodukt der Landarbeit mit zunehmender Bevölkerungszahl ab. Malthus geht davon aus, dass als Folgen Hungerkatastrophen, Seuchen oder soziale Unruhen auftreten. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 737 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 737 Dieses pessimistische Szenario ist nicht eingetreten. Insbesondere die Kapitalintensivierung der Landwirtschaft und der technische Fortschritt sind verantwortlich dafür, dass der Pro-Kopf-Konsum auch bei stetig gewachsener Bevölkerung nicht sinken muss. Im Gegenteil, auch eine wachsende Bevölkerung kann einen konstanten bzw. sogar steigenden Pro-Kopf-Konsum aufweisen, wenn die Kapitalakkumulation und der technische Fortschritt die abnehmende Grenzproduktivität des Bodens kompensieren können. Der Faktor „Boden“ lässt sich also durch andere Produktionsfaktoren (hier: Kapital, technischer Fortschritt) substituieren. Die tatsächliche Entwicklung scheint Malthus in der Tat zu widerlegen. Zur Zeit Malthus betrug die Weltbevölkerung etwa 1 Mrd. Menschen, heute sind es ca. 7 Mrd. Im Jahr 1900 konnte ein Bauer etwa drei Menschen ernähren. Im Jahr 1950 waren es bereits zehn Menschen und heute sind es dank „grüner Revolution“ rund einhundertfünfzig Menschen. Global betrachtet, bestehen allerdings in der Ernährung große Diskrepanzen zwischen Volkswirtschaften. Jevons stellte in seinem Buch „The Coal Question“ am Beispiel der Kohle zum ersten Mal die Frage nach der Nachhaltigkeit einer ständig wachsenden Nutzung von Energieträgern. Das Jevons-Paradoxon beschreibt die Beobachtung, dass der technologische Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffs erlaubt, nicht zu einer Senkung, sondern zu einer verstärkten Nutzung dieses Rohstoffs (hier Kohle) führt. So benötigte die Dampfmaschine von James Watt im Vergleich zu den Vorgängertechnologien viel weniger Kohle und konnte damit kostengünstiger produzieren. In der Folge stieg Englands Verbrauch an Kohle jedoch drastisch an. Aus ökonomischer Sicht ist dieses Paradoxon gut erklärbar. Durch die Kostensenkung konnten sich deutlich mehr Unternehmen den Betrieb einer Dampfmaschine leisten. Der verminderte Einsatz von Kohle zum Betrieb der Dampfmaschine machte diese zu einer bezahlbaren Ressource und führte zur raschen Verbreitung der Technologie. Diese Verbreitung führte zu einem Umkehreffekt in der Nutzung einer eigentlich energiesparenden Technologie. Es wurde nicht weniger, sondern mehr Kohle benötigt. Die britischen Kohleminen mussten ihre Förderkapazitäten erhöhen, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können. Agrarproduktion umgerechnet in eine Bevölkerungszahl (Subsistenzminimum) Wachstum Bevölkerung, Agrarproduktion Zeit „kritische Bevölkerungsgröße“ mit rückläufigem pro-Kopf-Konsum Wenn die Bevölkerung zu schnell wächst Abb. 24.1: Bevölkerungsentwicklung und „Gesetz von Malthus“ Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 738 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie738 Dieser Effekt wird heute als Rebound-Effekt diskutiert und lässt sich bei vielen Gütern beobachten. Einflussfaktoren der produktbezogenen Energienachfrage sind u. a. die Preiselastizität der Nachfrage und der Sättigungsgrad. Beispielhaft sei auf den Markt für Klimaanlagen verwiesen (Abb. 24.2). Eine technische Effizienzsteigerung führt zwar zu einer Reduktion der Energiekosten für den Betrieb von Klimaanlagen (E-Effekt), in der Folge jedoch auch zu einer (eventuell überproportionalen) Ausweitung der Nachfrage (N-Effekt) nach Klimaanlagen, so dass insgesamt der Energieverbrauch steigt (vgl. Bruckner, 2008). Das Jevons-Paradoxon gilt als Vorläufer der heutigen Debatte um mögliche globale Auswirkungen des Fördermaximums von erschöpfbaren Ressourcen. Nach seiner Auffassung sollte die Preissenkung und zunehmende Nutzung des Energieträgers Kohle zu einem rapiden Rückgang der Kohlevorräte führen. Auch diese These hat sich nicht erfüllt. Nach Berechnungen reichen die Kohlevorräte bei heutigen Verbrauchsraten noch für mindestens 200 Jahre. Kohle ist trotz neu entdeckter Vorkommen in vielen Volkswirtschaften kein essentieller Energieträger mehr. Technologischer Fortschritt, erhöhte Effizienz in der Energienutzung und die Substitution von Kohle z. B. durch regenerative Energieträger zeigen, dass statische Berechnungen zur Reichweite von Ressourcenvorräten nicht immer zutreffen. Dieser Einwand wird auch gegenüber ähnlichen Prognosen des Berichts „Limits to Growth“ an den Club of Rome erhoben. So kamen Meadows et. al. (1972) zu dem Schluss, dass z. B. die Rohstoffvorräte für die Aluminiumproduktion nur noch 31 Jahre reichen würden. Damit wären diese Vorräte bereits im Jahr 2003 erschöpft gewesen. Auch bezogen auf Erdöl und Erdgas zeigt die tatsächliche Entwicklung, dass die Möglichkeiten der Wissenschaft und des technologischen Fortschritts bei Berechnungen auf Basis vorhandener Reserven nicht genü- Effizienz steigt Ressourcenverbrauch sinkt/steigt Preissenkung Konsum/ Nachfrage steigt Rebound- Effekt – – + + Beispiel: Klimaanlage Energiekosten Nachfrage Nneu Nalt EaltEneu E-Effekt N-Effekt N-Effekt > E-Effekt Kompensation von Effizienzvorteilen Abb. 24.2: Jevons-Paradoxon und Rebound-Effekt Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 739 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 739 gend berücksichtigt wurden. Die These, dass die Endlichkeit der Ressourcenbestände immer weiter steigende Rohstoffpreise nach sich zieht, lässt sich nicht in allen Fällen bestätigen. Häufig sind zwar in der Tat nominale Preissteigerungen zu beobachten. Entscheidend sind jedoch nicht die nominalen, sondern die relativen Preisverhältnisse zwischen den Produktionsfaktoren. Vor allem im Vergleich zum Faktor Arbeit sind die Preise vieler Rohstoffe in der Vergangenheit nicht gestiegen, sondern gefallen. Viele Prognosen zur Endlichkeit von Ressourcen vernachlässigen also offensichtlich Faktoren des technischen Fortschritts, Substitutionseffekte zwischen Faktoren, die Preisbildung auf Faktormärkten und auch die Möglichkeiten des selbstbestimmten Handelns von Menschen, die zur Beschränkung des Konsums oder anderen Produktionsbedingungen führen können. Schlagwörter •• Bevölkerungswachstum •• Gesetz von Malthus •• Jevons Paradoxon •• Rebound Effekt 24.1.1 Dimensionen Die Arbeiten von Malthus, Jevons und Meadows – um nur einige Autoren zu nennen – haben zu einem Perspektivenwechsel beigetragen, der im Konzept der nachhaltigen Entwicklung seinen wichtigsten Vertreter findet. Als Ursprung des Nachhaltigkeitsbegriffs findet sich häufig die 1713 verfasste Abhandlung „Sylvicultura oeconomica“ (von Carlowitz), die in einer Zeit extrem rückläufiger Waldbestände eine nachhaltige Bewirtschaftungsweise des Waldes fordert, die auf dauerhaften Holzertrag abzielt: „Man soll keine alte Kleider wegwerffen / bis man neue hat / also soll man den Vorrath an ausgewachsenen Holtz nicht eher abtreiben / bis man siehet / dass dagegen gnugsamer Wiederwachs vorhanden.“ Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff des nachhaltigen Ertrages in die englischsprachige Literatur übernommen (sustainable yield). Dazu wurde das Konzept um ökologische und ästhetische Funktionen des Waldes erweitert. In der Folge wurde der Begriff Nachhaltigkeit auf verschiedene Themengebiete ausgeweitet und durch die Brundtland-Kommission (World Commission on Environment and Development, WCED, 1987, S. 43) wie folgt beschrieben: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ Aus dieser Begriffsdefinition lassen sich mehrere Aspekte ableiten: •• Dauerhaftigkeit meint ein langfristiges Entwicklungskonzept. Zu berücksichtigen ist in diesem Kontext, dass sich Präferenzen der Menschen im Zeitablauf ändern können. •• Bedürfnisse (needs) sind aus Sicht der Brundtland-Kommission vor allem Grundbedürfnisse, die das Existenzminimum beschreiben (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Arbeit). Allerdings sind die Bedürfnisse kulturell verschieden und erfordern die Entwicklung von Vorstellungen, die mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar sind. •• Angesprochen wird das Verhältnis von intra- und intergenerativer Gerechtigkeit. Es wird ein Ausgleich sowohl innerhalb der gegenwärtigen Generation wie auch zwischen dem Wohlergehen der heutigen Generation und den zukünftigen Generationen gesucht. Dieser Ausgleich bezieht sich auf „needs“ (Bedürfnisse) nicht auf „wants“ (Wünsche/Ansprüche). Den zukünftigen Generationen wird eine Eigenverantwortung zugesprochen („ability to meet”). Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 740 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie740 Aus diesem Begriffsverständnis wurde in den letzten Jahrzehnten ein durchaus globales Politikziel zur Trendwende im Ressourcenverbrauch, der Umweltnutzung, den Produktionsmustern der weltweiten Arbeitsteilung sowie im Konsumverhalten abgeleitet. Die einzelnen Ziele dieser Konzeption sind •• eine Befriedigung von Grundbedürfnissen der Gegenwart, •• das Erreichen eines Wohlstandsniveaus jenseits nur materieller Werte, •• ein sozialer Ausgleich und die Schaffung gleicher Entwicklungsmöglichkeiten auch im internationalen Kontext, •• die Sicherung und Bewahrung natürlicher Lebensbedingungen für zukünftige Generationen. Aus diesen Zielen sind drei Dimensionen ableitbar, die die engere Konzeption der Nachhaltigkeit bilden: •• Die ökonomische Nachhaltigkeit stellt die Forderung auf, die Wirtschaft so zu organisieren, dass sie dauerhaft eine tragfähige Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung bietet. Von besonderer Bedeutung ist der Schutz wirtschaftlicher Ressourcen vor Ausbeutung. •• Die ökologische Nachhaltigkeit umschreibt das primäre Ziel, Natur und Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dieses Ziel umfasst vor allem den Erhalt der Artenvielfalt, die Pflege von Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen Gestalt und den schonenden Umgang mit der natürlichen Umgebung. •• Die soziale Nachhaltigkeit fordert vor allem die Sicherung der Grundbedürfnisse, die Armutsbekämpfung, Chancengleichheit und gerechten Zugang zu Ressourcen. In einer weiten Betrachtung sind auch Menschenrechte, Arbeitsrechte und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung einbezogen. Das traditionelle Modell der Nachhaltigkeit verlangt von den Akteuren die wechselseitige Akzeptanz der jeweiligen Interessen. Dadurch rücken politisch-institutionelle Verfahren in den Vordergrund, die einen konsensorientierten und möglichst partizipativen Ausgleich der divergierenden Interessen ermöglichen. Die traditionellen Säulen der nachhaltigen Entwicklung werden daher um die Ebene der politischen Umsetzung ergänzt (Abb. 24.3). Das Konzept der Nachhaltigkeit wird häufig kritisiert, da es nur schwer operationalisierbar erscheint. Kritiker bemängeln, dass ein „Wunschzetteldenken“ vorherrscht, in das jeder Akteur seine Anliegen einträgt. Ergebnis ist eine Komplexität, die die Akteure und auch das arbeitsteilige politische System in der Umsetzung überfordert. In der Tat ist diese Kritik nicht unberechtigt. So lässt sich z. B. der nachhaltige Konsum definieren als „der Ver- bzw. Gebrauch von Gütern, der die Bedürfnisse der Konsumenten erfüllt, Umwelt und Ressourcen schont und sowohl sozialverträglich als auch ökonomisch tragfähig ist.“ In dieser Form weist der nachhaltige Konsum einen hohen Abstraktionsgrad auf. Heruntergebrochen zeigt sich, dass viele Handlungsfelder angesprochen werden (Abb. 24.4). Viele Konsumenten fühlen sich überfordert. Eine Vielzahl von Organisationen gibt daher Hilfestellung bei der Entscheidung für den Konsum nachhaltiger Güter. Zu betonen bleibt vor allem die integrative Sichtweise der verschiedenen Dimensionen. Sie stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind miteinander verzahnt. Beispielsweise ist die Sicherung der Biodiversität zwar ein vorrangig ökologisches Thema, allerdings spielen auch hier Konsum- und Produktionsmuster, rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Wertvorstellungen eine wichtige Rolle. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 741 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 741 Schlagwörter •• Nachhaltigkeit •• ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit •• Dimensionen der Nachhaltigkeit •• integrative Sicht von Nachhaltig keit Nachhaltigkeit ökonomische Dimension ökologische Dimension politische Dimension soziale Dimension § §§ § Dimensionen der Nachhaltigkeit Abb. 24.3: Dimensionen der Nachhaltigkeit Anwendungsbeispiel: nachhaltiger Konsum ökologische Dimensionökonomische Dimension politische Dimensionsoziale Dimension • Konsum-, Sparen • Wohnen/Haushalt • Freizeit • Mobilität • Heizen, Stromverbrauch • Baustoffe • PKW-, Reiseverkehr • nachhaltige Geldanlage • Landwirtschaft • Artenschutz, biologische Vielfalt • regenerative Energien • Verbraucherschutz • Bauverordnungen • Verkehrs-, Energiepolitik Komplexität der Nachhaltigkeit Abb. 24.4: Integrative Sicht von Nachhaltigkeit am Beispiel des Konsums Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 742 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie742 24.1.2 Zeitpfade Aus ökonomischer Sicht dient wirtschaftliches Handeln, das heißt das Handeln mit knappen Mitteln, der Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen. Durch den Konsum von materiellen und immateriellen Gütern werden ein bestimmtes Maß an individueller, subjektiv empfundener Bedürfnisbefriedigung und ein bestimmter Nutzen erreicht. Nutzen ist nicht kardinal messbar, kann aber in eine ordinale Reihenfolge gebracht werden. Aus gesellschaftlicher Sicht müssen individuelle Nutzen anschließend zu einer intertemporalen gesellschaftlichen Wohlfahrtsfunktion zusammengefasst und unter bestimmten Nebenbedingungen maximiert werden. Wenn wir annehmen, dass eine solche Vorgehensweise grundsätzlich möglich ist, können wir verschiedene Entwicklungspfade über Generationen betrachten. Wir unterstellen dabei aus Vereinfachungsgründen lineare und keine exponentiellen Entwicklungspfade, da letztere in der Regel nicht mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar erscheinen (Abb. 24.5). Ein oft verwendetes Konzept beschreibt im Kontext der nachhaltigen Entwicklung einen nicht-abnehmenden Nutzen (U) über die Zeit, z. B. gemessen als Konsum Pro-Kopf: •• Entwicklung U(1), die z. B. durch eine Übernutzung von Umweltressourcen ausgelöst wird, erscheint nicht nachhaltig. •• Entwicklungspfad U(2) erscheint ebenfalls nicht nachhaltig, da es einen Zeitraum gibt, in der der gesellschaftliche Nutzen rückläufig ist und anschließend stagniert. In einer längerfristigen Betrachtung hingegen ist der Nutzen aber gestiegen. •• Entwicklungspfad U(3) erscheint langfristig den höchsten Nutzen zu stiften. Fraglich ist aber, ob und wie die Interessen zukünftiger Generationen in die Gegenwart eingebracht werden können. Welcher der Entwicklungspfade vorzuziehen ist, hängt von der Summe der diskontierten Nutzen über die Zeit, d. h. der Fläche unter dem jeweiligen Pfad ab. Maßgeblich sind damit vor allem der Zeithorizont der Betrachtung und die Diskontrate, mit der zukünftige Nutzen abgezinst wird. Eine Situation gilt aus ökonomischer Sicht als vorteilhaft, wenn der abdiskontierte Gegenwartswert positiv ist (Tab. 24.1). Zeit gesellschaftlicher Nutzen 1. Generation 2. Generation 3. Generation U(1) U(2) U(3) Welche Entwicklung bringt den höchsten Nutzen? Abb. 24.5: Entwicklungspfade einer Gesellschaft Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 743 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 743 Je nach Diskontrate kann sich ein Entwicklungspfad gegenwärtig als optimal herausstellen, der jedoch aus intergenerativer Sicht zur Überlastung der Umwelt und zu einer Benachteiligung zukünftiger Generationen führt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Zukunft in der Nachhaltigkeitskonzeption einen großen Stellenwert einnimmt. Eine zu hohe Zeitpräferenz, also ein zu hoher Wert der Gegenwart gegenüber der Zukunft, widerspricht dem Ziel der Generationengerechtigkeit. Nachhaltiges Wirtschaften macht es bereits in der Gegenwart erforderlich, dass ökologische und soziale Aspekte in ökonomische Konzepte einbezogen werden. Ausgangspunkt kann eine erweiterte Betrachtung von Kapitalgütern sein. Unterschieden werden der natürliche Kapitalstock (ökologisches System), der ökonomische Kapitalstock sowie das soziale Kapital einer Gesellschaft (Abb. 24.6). Das Nachhaltigkeitskapital besteht aus der Summe der Kapitalstöcke. Diese Trennung von Vermögensarten führt zu den Fragen •• ob und inwieweit die Substitution zwischen verschiedenen Vermögensarten überhaupt möglich ist und zulässig sein soll, •• wie die einzelnen Vermögensarten zu bewerten sind. In diesem Kontext finden sich die Konzepte der schwachen und starken Nachhaltigkeit. Das Konzept der schwachen Nachhaltigkeit geht davon aus, dass die Summe aller Tab. 24.1: Gegenwartswert von Kosten und Nutzen in der Zeit t0 t1 t2 t3 ∑ Kosten (–) –1.000 Nutzen (+) 200 300 700 Gegenwartswert: Zins von 5 % –1.000 200/1,051 300/1,052 700/1,053 67,3 Gegenwartswert: Zins von 10 % –1.000 200/1,11 300/1,12 700/1,13 –44,3 ökologische Nachhaltigkeit Erhaltung des ökologischen Systems als natürlichen Kapitalstock soziale Nachhaltigkeit Erhaltung und Entwicklung des sozialen Kapitals einer Gesellschaft ökonomische Nachhaltigkeit Erhaltung und Entwicklung des von Menschen gebildeten Kapitalstocks Kapital der Menschheit Abb. 24.6: Kapitalgüter und Nachhaltigkeit Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 744 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie744 Vermögensarten im Zeitverlauf nicht abnehmen soll. Eine Substitution zwischen Vermögensarten ist zulässig und kann vorgenommen werden (Tab. 24.2). So kann z. B. das Erdöl als Bestandteil des Naturkapitals aufgebraucht werden, wenn es durch technologischen Fortschritt ersetzt werden kann (z. B. Entwicklung neuer Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie). Im Konzept schwacher Nachhaltigkeit wird ferner angenommen, dass es in der Regel möglich ist, nachteilig betroffene Personen oder Generationen zu entschädigen. Diese Kompensationsmöglichkeit spielt u. a. in der Kosten-Nutzen-Analyse eine zentrale Rolle. Welchen Wert zukünftige Kosten und Nutzen in der Gegenwart haben, hängt von der Wahl der Diskontrate ab. Probleme der Diskontierungstechnik entstehen somit zwangsläufig dann, wenn sich Kosten, z. B. der Naturzerstörung, nicht oder nur schwer messen lassen. Sie werden dann nur unvollständig in Nutzenkalküle einbezogen und im Zweifel vollständig ausgeblendet. Wie soll z. B. der Verlust an Artenvielfalt bewertet werden? Die verschiedenen Kapitalbestände der Gesellschaft werden in der schwachen Nachhaltigkeitskonzeption sozusagen unter einer Portfolio-Perspektive betrachtet. Dabei ist das Naturkapital im Portfolio der Gesellschaft nur eine von mehreren Positionen, die zum menschlichen Wohlergehen beitragen. Im Hinblick auf die Maximierung des gesellschaftlichen Nutzens ist es zulässig, Verschiebungen im Portfolio vorzunehmen. Die Konzeption unterstellt einen gewissen Optimismus in der Substitutionsmöglichkeit der Kapitalbestände. Vertreter dieser Konzeption vertrauen im Wesentlichen auf die Funktionsfähigkeit von marktwirtschaftlichen Mechanismen. Steigen die Preise als Folge der Verknappung einer Ressource beginnt ein Suchprozess nach Substituten. Grundlegend ist die Annahme, dass diese Suche in der Regel erfolgreich sein wird. Ist dies der Fall, wird eine neue Technologie im Zeitablauf konkurrenzfähig, setzt sich durch und verbreitet sich. Knappheit kann demnach zumindest dauerhaft nicht auftreten. Entscheidende Größe im Konzept der schwachen Nachhaltigkeit ist die Substitutionselastizität. Diese Größe zeigt das Ausmaß der Substitutionsmöglichkeit von Naturdurch reproduzierbares Kapital. Je höher der Wert der Substitutionselastizität (σ) ist, umso leichter können die Kategorien gegeneinander ausgetauscht werden (Tab. 24.3). Eine vollkommene Substituierbarkeit von Natur- durch reproduzierbares Kapital erscheint nahezu unmöglich. Entscheidend ist daher die Messung der Substitutionselastizität der unterschiedlichen Arten von Naturkapitalbeständen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich kleinere Einbußen an Naturkapital leichter substituieren lassen als komplette und irreversible Verluste. Hinsichtlich der intergenerativen Gerechtigkeit wird unterstellt, dass zukünftige „Verlierer“ an Naturkapital z. B. durch verbesserte Produktion von Gütern sozusagen entschädigt werden können. Tab. 24.2: Substitutionsmöglichkeiten im Konzept schwacher Nachhaltigkeit Kapital Reproduzierbar Austauschbar Sachkapital ja ja soziales Kapital (Humankapital) ja ja Naturkapital nein ja, partiell Gesamtkapitalbestand konstant Entschädigung zukünftiger Generationen für Schäden möglich Diskontierung zukünftiger Ereignisse zur Ermittlung von Kosten und Nutzen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 745 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 745 Damit wird implizit unterstellt, dass zukünftige Generationen mit einer solchen Kompensation einverstanden sind, auch wenn über ihre Präferenzen nur Annahmen getroffen werden können. Das Konzept der starken Nachhaltigkeit geht davon aus, dass keine einzelnen Vermögensarten im Zeitverlauf abnehmen sollen (Tab. 24.4). Vor allem aus Sicht der intergenerativen Gerechtigkeit wird gefordert, dass die Bestände der verschiedenen Kapitalgüter unabhängig voneinander in biologischen bzw. physikalischen Maßstäben erhalten bleiben. Mehrere Begründungen lassen sich anführen: •• Die drei „klassischen“ Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Soziales) stehen nicht nebeneinander, sondern in einem systemischen Verhältnis. Die Gesellschaft ist eingebettet in die übergeordnete Ökologie (Natur) und die Ökonomie wiederum ist ein Teil der Gesellschaft. •• Natürliches Kapital und reproduzierbares Kapital (z. B. Sachkapital) stehen in Produktions- und Konsumprozessen nicht in einem substitutiven, sondern in einem komplementären Verhältnis zueinander. Beispielsweise sind Fischerboote ohne Fische nutzlos. Entnahmen aus dem natürlichen Kapitalstock sind also essentiell. •• Natürliches Kapital hat einen hohen und schützenswerten Eigenwert (rights in nature). Das bedeutet im Extremfall, dass nicht-erneuerbare Ressourcen (z. B. Erdöl) nur bedingt zu nutzen sind. Ihre Nutzung hat sich zudem vollständig in die natürlichen Kreisläufe einzugliedern. Die Konzeption der starken Nachhaltigkeit ist der ökologisch geprägten Sichtweise zuzuordnen. Das ökonomische System ist nur ein Teilsystem der umfassenden Ökosphäre und hinsichtlich der Ressourcenverfügbarkeit von ihr abhängig. Das Konzept der starken Nachhaltigkeit fragt folgerichtig nach den Grenzen der Inanspruchnahme der Ökosphäre durch das ökonomische System. Da aus dieser Sicht bereits gegenwärtig eine Verknappung von Teilen des Naturkapitals erkennbar ist, wird das Naturkapital und nicht das reproduzierbare Sachkapital der limitierende Faktor. Eine kritische Größe des Naturkapitals darf nicht überschritten werden (Abb. 24.7). Tab. 24.3: Substitutionselastizität von Naturkapital und reproduzierbarem Kapital Substitutionselastizität Implikationen σ > 1 Die natürliche Ressource kann gut substituiert werden. σ = 1 Die natürlichen Ressourcen können substituiert werden. Alle Produktionsfaktoren sind jedoch notwendig für die Produk tion. 0 < σ < 1 Die natürlichen Ressourcen können schlecht substituiert werden. σ = 0 Natur und reproduzierbares Kapital stellen perfekte Komple mente dar und können nicht substituiert werden. Tab. 24.4: Substitutionsmöglichkeiten im Konzept starker Nachhaltigkeit Kapital Reproduzierbar Austauschbar Sachkapital ja ja soziales Kapital (Humankapital) ja ja (kritisches) Naturkapital nein nein kein Absinken des (kritischen) Naturkapitals Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 746 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie746 In diesem Konzept sind die Funktionen des natürlichen Kapitals und hier vor allem die Regenerationsfähigkeit des ökologischen Systems durch andere Kapitalarten – wenn überhaupt – nur innerhalb gewisser Grenzen austauschbar. Eine zunehmende Substitution von Naturgütern durch reproduzierbares Kapital kann das ökologische System irreversibel zerstören. Das Konzept der starken Nachhaltigkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass das als kritisch identifizierte Naturkapital nicht substituiert werden darf. Dazu zählen z. B. die Biodiversität, Ökosysteme, lebensunterstützende Funktionen (z. B. UV-Schutz durch die Ozonschicht und Treibhauseffekt) sowie der Bestand an regenerierbaren Ressourcen und an nutzbarem Boden. Die Konzepte der schwachen und starken Nachhaltigkeit sind in Reinform nur schwer umsetzbar. Beim Ansatz der schwachen Nachhaltigkeit, der von der Substituierbarkeit von Kapitalgütern ausgeht, ergeben sich vor allem folgende Probleme: •• Die technischen Möglichkeiten des Recyclings sind begrenzt. Einmal verwendete Ressourcen können nicht wieder vollständig in den Herstellungskreislauf einfließen. •• Die Natur weist biochemische Prozesse wie z. B. die Photosynthese auf, die nicht zu reproduzieren sind. Es ist damit nicht möglich für alle natürlichen Ressourcen ein künstliches Substitut zu erstellen. Die Position der starken Nachhaltigkeit kommt zu der Empfehlung, dass natürliche Ressourcen, die nicht ersetzt werden können auch nicht verbraucht werden dürfen. Sie wären unwiederbringlich für zukünftige Generationen verloren. Damit sind deutliche Einschränkungen hinsichtlich der Nutzbarkeit verbunden. Die Beurteilung von Ländern mit Blick auf ihren Nachhaltigkeitszustand, die Wahl von Nachhaltigkeitsindikatoren und die Beurteilung der gewählten politische Strategien fallen je nach der Wahl des Konzeptes unterschiedlich aus. Dies liegt primär auch an den unterschiedlichen Betrachtungsweisen: reproduzierbares Kapital Naturkapital kritisches Niveau Kapital reproduzierbar austauschbar Sachkapital ja ja soziales Kapital (Humankapital) ja ja (kritisches) Naturkapital nein nein kein Absinken des (kritischen) Naturkapitals Naturkapital als limitierender Faktor Abb. 24.7: „Kritische“ Nachhaltigkeit Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 747 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 747 •• Das Konzept der schwachen Nachhaltigkeit betrachtet primär ökonomische Größen bzw. führt Kosten-Nutzen-Analysen durch. •• Das Konzept der starken Nachhaltigkeit thematisiert in erster Linie physische Grö- ßen (z. B. die Zerstörung und den Verbrauch von Naturkapital). Der Hauptunterschied zwischen beiden Konzeptionen liegt in der Beurteilung der Substitutionsmöglichkeiten von Naturkapital. Im Konzept der starken Nachhaltigkeit soll Naturkapital über die Zeit hinweg konstant gehalten werden. Im Gegensatz dazu kann im Konzept schwacher Nachhaltigkeit Natur- durch Sachkapital prinzipiell substituiert werden. In diesem Konzept kommt es nur darauf an, dass der Durchschnittsnutzen bzw. die durchschnittliche Wohlfahrt von Menschen dauerhaft erhalten wird. Obwohl sich die zwei angesprochenen Konzepte gegensätzlich präsentieren, sind durchaus Mittelwege im Sinne einer ausgewogenen Nachhaltigkeit möglich (Abb. 24.8). In einer solchen vermittelnden Perspektive ist die Substitution von natürlichen Ressourcen durch künstliche Ressourcen zulässig, sofern die ursprünglichen Funktionen erhalten bleiben, d. h. wenn das Substitut die Funktionsweise der Ursprungsressource aufweist. Sollte eine Austauschbarkeit nicht möglich sein, müssen diese erhalten bleiben (z. B. Atemluft oder Trinkwasser) und z. B. Grenzwerte vorgegeben werden. Schlagwörter •• schwache Nachhaltigkeit •• starke Nachhaltigkeit •• ausgewogene Nachhaltigkeit •• Substitutionselastizität Ausprägung Weltbild Zielbeziehung Akteure (Beispiele) schwache Nachhaltigkeit Wachstumsoptimismus, Substituierbarkeit von Kapitalgütern Zielharmonie zwischen den Dimensionen der Nachhaltigkeit neoklassische Ökonomie, neoliberale Realpolitik, Wirtschaft starke Nachhaltigkeit Wachstumspessimismus, Komplementarität von Kapitalgütern, Naturkapital als limitierender Faktor Zielkonflikte möglich, vor allem bezogen auf die Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen ökologische Ökonomie, Naturwissenschaftler ausgewogene Nachhaltigkeit Wachstumsoptimierung, bedingte Substituierbarkeit von Kapitalgütern Auflösung von Zielkonflikten durch Kompromisslösungen (qualitative Wende) internationale Organisationen, Politik Unterschiedliches Verständnis von Nachhaltigkeit Abb. 24.8: Konzeptionen der Nachhaltigkeit Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 748 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie748 24.2 Managementregeln Einige Autoren stellen konkrete Handlungsanweisungen im Sinne von Managementregeln auf, die sie aus den verschiedenen Interpretationen des Nachhaltigkeitsbegriffs entwickeln. Sie unterscheiden sich in ihrem Umfang, Detaillierungsgrad und in der Formulierung. Die nachfolgenden Ausführungen geben dazu einen Überblick. 24.2.1 Schwache Nachhaltigkeit Das Konzept der schwachen Nachhaltigkeit stützt sich u. a. auf die Theorie erschöpflicher Rohstoffe und auf einige in diesem Kontext entwickelte Regeln. Das zugrunde liegende Axiom ist die Maximierung des intergenerativen Nutzenniveaus bzw. die Verstetigung des intergenerativen Verbrauchsniveaus pro Kopf der jeweiligen Bevölkerung. Basis der weltweiten Energieversorgung sind (immer noch) die fossilen Energieressourcen. Sie sind endlich und werden irgendwann erschöpft sein: •• Ressourcen sind Vorkommen, die nachgewiesen sind, aber noch nicht wirtschaftlich zu fördern sind bzw. Vorkommen, die noch nicht sicher nachgewiesen sind, die aber aufgrund geologischer Untersuchungen erwartet werden. •• Reserven sind sicher nachgewiesene und mit bekannter Technologie wirtschaftlich förderbare Vorkommen. •• Die statische Reichweite bezeichnet den Quotienten aus Reserven und aktueller Jahresförderung. Das McKelvey-Diagramm ist eine hilfreiche Darstellungsform der aktuellen und potentiellen Reserven an Rohstoffen (Abb. 24.9). Wann die potentiellen Reserven erschöpft sind, hängt von vielen Einflussfaktoren (z. B. jährliche Fördermenge, weitere Erschlie- ßungen) ab. Entsprechend schwierig sind exakte Prognosen. Bei endlichen Ressourcen wie nicht-erneuerbaren Energieträgern stellt sich das Problem, dass der Verbrauch der heutigen Generation den Verbrauch zukünftiger Generationen einschränkt. Vor diesem Hintergrund sind Regeln und normative Vorstellungen über die Abbaurate sinnvoll. Hotelling hat bereits 1931 ein Konzept erschöpfbarer Ressourcen vorgelegt, nach dem ein funktionierender Markt den Preis der jeweiligen Ressource vor der Erschöpfung so ansteigen lässt, dass rechtzeitig Substitute entwickelt werden. Die Hotelling-Regel geht von folgenden Annahmen aus: •• Der Ressourcenbestand (in t = 0) ist fest vorgegeben und bekannt. •• Es erfolgt eine Preisbildung in der Marktform vollständiger Konkurrenz. •• Die Eigentumsrechte sind wohldefiniert. •• Der Ressourcenbestand ist homogen, d. h. alle Anbieter extrahieren mit denselben (konstanten) Grenzkosten. Die Ressourcenbesitzer stehen vor folgenden Alternativen: •• Ressourcenextraktion und Anlage des Gewinns am Kapitalmarkt zum Marktzins (i), •• Belassen der Ressource im Boden. Wir betrachten aus Vereinfachungsgründen nur die Perioden 0 und 1 sowie die Nutzerkosten UC (utility costs). Als Beispiel wählen wir die Förderung von Erdöl. Die Extraktionskosten betragen der Einfachheit halber Null, der Ausgangspreis beträgt 30 US-$ je Barrel Erdöl und der Marktzins liegt bei 10 %. In diesem Fall kommt die Regel zu folgender Empfehlung: Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 749 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 749 •• UC1 = 33 US-$/Barrel è Indifferenz: Wenn der Ölpreis abzüglich der Förderkosten und der Marktzins im gleichen Ausmaß steigen, spielt es keine Rolle, ob das Öl im Boden verbleibt oder gefördert wird. •• UC1 > 33 US-$/Barrel è Die Ressource wird nicht gefördert: Das Öl sollte im Boden belassen werden, wenn wir davon ausgehen, dass der Ölpreis abzüglich der Förderkosten schneller steigt als der Marktzins. •• UC1 < 33 US-$/Barrel è Die Ressource wird gefördert: Das Öl sollte gefördert und verkauft werden, wenn wir erwarten, dass der Ölpreis abzüglich der Förderkosten langsamer steigt als der Marktzins. Hotelling-Regel: Wachstumsrate der Ressourcen-Rente gleich Zinssatz. Der Wert einer Ressource im Boden verzinst sich damit also wie Geld auf der Bank. Wenn die Erdölpreise schneller steigen als der Marktzins, lohnt es sich abzuwarten, um in der Zukunft einen höheren Erlös zu erzielen (vgl. Pindyck/Rubinfeld, 2009, Kap. 15). Steigt der Ölpreis abzüglich der Produktionskosten langsamer als der Marktzins, werden die Produzenten versuchen, die gesamte Ölmenge zu verkaufen. Die Folge wären sinkende Preise (Abb. 24.10). Die Preise erschöpfbarer Ressourcen müssen einen Ertrag erzielen, der dem Ertrag von Vermögenswerten entspricht. Der Preis des Erdöls abzüglich der Grenzkosten der Produktion (p – GK) steigt wie der Marktzins (Teil a, Abb. 24.10). Mit steigenden Preisen geht die Nachfrage nach erschöpfbaren Ressourcen zurück (Teil b, Abb. 24.10). Dieser Prozess setzt sich fort bis zu dem Zeitpunkt, an dem das gesamte Öl verbraucht und der Preis so hoch ist, dass die Nachfrage auf den Wert Null sinkt (pT). Der Preisanstieg einer endlichen Ressource hat verschiedene Konsequenzen: •• Die Förderung wird interessanter, d. h. es wird bis zu höheren Grenzkosten abgebaut. •• Die Entdeckung unbekannter Bestände wird lohnender. •• Es lohnt sich für die Nachfrager einer Ressource, diese durch andere Inputfaktoren zu ersetzen und effizientere Technologien (sog. Backstop Technologien) zu installieren. w irt sc ha ftl ic h ge w in nb ar ni ch t w irt sc ha ftl ic h ge w in nb ar Reserven Ressourcen Reserven und Ressourcen Abb. 24.9: McKelvey Diagramm Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 750 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie750 Die Hotelling-Regel ist aufgrund ihrer Annahmen umstritten: •• Das Modell setzt einen vollkommenen Markt voraus. In der Realität gibt es aufgrund der Verteilung von Vorkommen hingegen häufig andere Marktformen. Hotelling bezieht den Fall des Monopols mit ein und kommt zu dem Ergebnis, dass sich durch Monopole die Nutzung und Zeitdauer der Ressourcen verlängern kann. •• Es wird unterstellt, dass es auf den Rohstoffmärkten kein spekulatives Verhalten gibt. •• Die zufällige Verteilung von Rohstoffen wird als exogen gesehen. Häufig werden durch den Marktmechanismus die Länder benachteiligt, die bestimmte Rohstoffe besonders benötigen. •• Die Regel betrachtet nur „tote“ Ressourcen wie z. B. Mineralien oder Erdöl. Es gibt aber dynamische Systeme (z. B. das Meer) oder Teile von ökologischen Systemen (z. B. der Tropenwald) mit Einfluss auf andere Bereiche. Es ist nicht sicher vorhersagbar, welche Abbaumenge tolerierbar ist, denn aufgrund der ökologischen Vernetzung sind Maßzahlen schwierig zu benennen. •• Der Ressourcenbestand ist zwar relativ genau bestimmbar, aber nicht die Dauer, wie lange die Ressourcen letztendlich reichen. Der Einfluss neuer Technologien und von Recyclingmöglichkeiten wird vernachlässigt. Aufbauend auf der Hotelling-Regel entwickelte Hartwick 1977 eine Regel zur effizienten Ressourcennutzung. Nachhaltig ist nach dieser Regel ein Ressourcenpfad, wenn die Gesellschaft die erschöpfbare Ressource im Sinne der Hotelling-Regel effizient abbaut und die entsprechende Knappheitsrente vollständig in reproduzierbares Kapital investiert. Eine nachhaltige Entwicklung ist damit nach der Hartwick-Regel wie folgt gekennzeichnet: Der Dauerhaftigkeitsindikator (Z) ist positiv, wenn die Ersparnisse (S) der Summe aus den Abschreibungen auf Realkapital (α × R) und natürlichem Kapital (α × N) entsprechen. Formal gilt: Z > 0, wenn: S/Y > (α × R + α × N) / Y Zeit Preis Menge Preis GK GK Grenzkosten der Ölförderung p0 p – GK p0 Nachfrage x0t Grenzkosten der Ölförderung Teil a) Teil b) pTpT Preiskalkül bei der Produktion erschöpfbarer Ressourcen Abb. 24.10: Preisbildung einer erschöpflichen Ressource Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 751 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 751 Beispielsweise wären Nordesse-Anrainerstaaten bei Befolgung dieser Regel aufgefordert, die Einnahmen aus der Rohöl- und Erdgasförderung nicht in die Finanzierung sozialer Sicherungssysteme zu leiten (konsumtive Verwendung), sondern Investitionen vorzunehmen (z. B. in die Entwicklung regenerativer Energien). Nachhaltigkeit erscheint damit als nicht-abnehmende Wohlfahrt im Zeitablauf. Zur Erhaltung eines konstanten Konsums während der Zeit des Abbaus von Ressourcen muss so viel Finanzkapital angespart werden, dass zum Zeitpunkt der Erschöpfung der Ressource ein Betrag in Höhe des Barwertes der Überschüsse zur Verfügung steht. In diesem Fall kann dauerhaft in Höhe des Zinssatzes dieses Kapitals konsumiert werden. Die Befolgung dieser Regel führt zu einer gleichmäßigen Verteilung der Konsummöglichkeiten über die Zeit, d. h. zu einem konstanten Pro-Kopf-Konsum (Abb. 24.11). Sie kann durch die Theorie der Gerechtigkeit von Rawls begründet werden. Danach wird jener Konsumpfad gesucht, für den das Konsumniveau der am schlechtesten gestellten Generation maximiert wird. Jede Generation muss so viel sparen, dass ihre Kinder trotz der zu erwartenden Verknappung von Ressourcen gleich viel konsumieren können. Die Hartwick-Regel basiert auf der Substituierbarkeit von Naturkapital und reproduzierbarem Kapital, wie sie durch die schwache Konzeption der Nachhaltigkeit unterstellt wird. Bei Existenz von technologischem Fortschritt ist die Regel gegebenenfalls zu streng, da ein Abbau des Kapitalstocks durch steigende Effizienz zu kompensieren ist. Bei einem starken Bevölkerungswachstum ist die Regel aber gegebenenfalls zu schwach, um einen konstanten pro-Kopf-Konsum sicherstellen zu können. Die Hartwick-Regel als Beitrag zur schwachen Nachhaltigkeit lässt sich verknüpfen mit dem Konzept der Genuine Savings („echte Ersparnisse“), das eine korrigierte monetäre Entwicklung einer Volkswirtschaft abbildet (Abb. 24.12). Diese geht wie die Hartwick-Regel von der Substituierbarkeit des natürlichen Kapitals durch Sach- und Humankapital aus, um für die zukünftige Wohlfahrt zumindest den Gesamtkapitalstock eines Landes konstant zu halten. Gemäß der Hartwick-Regel kann also der Verlust von Naturkapital durch einen Zuwachs an reproduzierbarem Kapital kompensiert werden. Die genuine savings der Weltbank beschreiben eine Art erweiterte volkswirtschaftliche Nettosparquote. Hierfür werden von der Bruttoersparnis die Abschreibungen auf Konsum Konsumpfad Zeit Konsum der Rente aus dem angesparten KapitalAufbau Kapitalstock Abbau Ressorcen, Konsum heute Erschöpfung der Ressource Optimaler Konsumpfad der Ressourcennutzung Abb. 24.11: Konstanter Konsumpfad der Hartwick-Regel Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 752 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie752 bestehendes Kapital sowie die Kosten der Umweltverschmutzung und des Verlusts von Ressourcen abgezogen und die Ausgaben für Bildung hinzugerechnet. Die so berechnete Nettoersparnis wird ins Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen gesetzt. Sind die „echten Ersparnisse“ negativ, deutet dies darauf hin, dass der Kapitalstock einer Volkswirtschaft als Summe aus Sach-, Natur- und Humankapital schrumpft und somit nicht nachhaltig gewirtschaftet wird. Sind die echten Ersparnisse positiv und liegt deren Wachstumsrate unter einem festgelegten Diskontsatz, dann steigen sowohl Nutzen als auch Wohlfahrt mit der Zeit. Die genuine savings liegen für eine Vielzahl von Ländern vor und ihre Berechnung ermöglicht eine komparative Betrachtung. Berechnungen zeigen, dass viele Länder ihre Wohlfahrt im Zeitablauf erhöht haben. Untersuchungen kommen auch zu dem Ergebnis, dass viele Rohstoffländer die Hartwick-Regel verletzen. Die Förderung und der Verkauf einer erschöpfbaren Ressource entsprechen einer Senkung des Gesamtvermögens, solange die Hartwick-Regel missachtet wird, also der Erlös nicht vollständig in Umwelt-, Human-, Finanz- oder Sachkapital reinvestiert wird. Die oft negative genuine Sparquote erklärt wesentlich das oft zu beobachtende Phänomen des unterdurchschnittlichen Wachstums der Rohstoffländer im internationalen Ländervergleich, d. h. den sogenannten „Ressourcenfluch“. Der Begriff beschreibt das scheinbare Paradoxon, dass das Wirtschaftswachstum in Ländern, die über ein hohes Maß an mineralischen und fossilen Rohstoffen verfügen und diese exportieren, häufig geringer ist als in rohstoffarmen Ländern. Der „Ressourcenfluch“ ist dabei vor allem im Fehlverhalten der Marktteilnehmer begründet. Hinzu kommen vielfach Bürgerkriege, bewaffnete Konflikte und ein hohes Ausmaß an Korruption. Allerdings gibt es auch methodische Probleme: •• Vor allem die Bewertung des Naturkapitals bereitet größere Probleme, da keine Marktpreise vorhanden sind. Selbst wenn dies der Fall wäre, spiegeln sie nicht zwangsläufig die eigentlichen Knappheiten wider. Auch die Umweltverschmutzung wird nur begrenzt berücksichtigt (in der Regel werden nur CO2-Emissionen betrachtet). Das Konzept ist zudem nur produktions- und nicht konsumorientiert. Außerdem wird nur ein Zeitpunkt betrachtet. Das Konzept der schwachen Nachhaltigkeit erfordert jedoch einen durchgehend nicht abnehmenden Pro-Kopf-Konsum. Bruttoersparnisse – Abschreibungen auf Realkapital = Nettoersparnisse + Bildungsausgaben Humankapital – Ressourcenabbau Abschreibungen auf Naturkapital – Umweltschäden durch Schadstoffe = genuine savings Bilanzierung der „echten“ Ersparnisbildung Abb. 24.12: Konzept der Genuine Savings (echte Ersparnisse) Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 753 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 753 •• Viele Industriestaaten erscheinen aufgrund ihrer Spar- und Investitionspolitik nachhaltig. Eine grundsätzliche Kritik an diesem Entwicklungsmodell scheint daher aus Sicht des Konzepts der schwachen Nachhaltigkeit nicht angebracht zu sein. Dieses aus Sicht der Industrieländer erfreuliche Ergebnis überrascht nicht, da der Abbau von Naturkapital dort nur eine geringe Rolle spielt. Viele Industrieländer nutzen die natürlichen Ressourcen anderer Länder, was durch den Ansatz nicht erfasst wird. Länder, die z. B. die eigenen Wälder schützen und die Einfuhr von tropischen Hölzern aus anderen Staaten bevorzugen, erscheinen ebenfalls als nachhaltig. •• Länder mit einer geringen Sparquote weisen einen geringen Nachhaltigkeitswert auf. Länder mit hohen Sparquoten und einer geringen Entwertung des Naturkapitals erscheinen hingegen als nachhaltig. Allerdings kann dies daran liegen, dass vom Naturkapital „nicht mehr viel übrig geblieben ist“. Das Konzept berücksichtigt keine historische Entwicklung von Beständen, sondern nur noch das, was an Naturkapital in der Gegenwart vorhanden ist. Historische Verbräuche werden nicht berücksichtigt. Ursächlich ist die Annahme der Substitution, dass Geldkapital Naturkapital ersetzen kann und bei entsprechenden Sparraten ein solches Land nachhaltig gewirtschaftet hat bzw. wirtschaftet. •• Es wird unterstellt, dass der Bestand an Naturkapital durch technischen Fortschritt und Bildung von reproduzierbarem Kapital substituiert werden kann. Ein in der Literatur häufig herangezogenes Beispiel ist die Pazifikinsel Nauru. Um 1900 wurde auf dem Zentral-Plateau der bis dahin fast völlig isolierten Insel eines der weltweit größten Phosphat-Vorkommen erschlossen. Bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1968 wurden über 34  Mio. Tonnen Phosphat abgetragen. Zum Ende des 20. Jahrhunderts waren die Vorräte weithin erschöpft. Im Jahr 2002 wurde die Produktion ganz eingestellt. Der Abbau hat 80  Prozent des Insellandes ökologisch zerstört. Bis 1920 floss von den Erträgen aus dem Phosphatvorkommen kaum etwas an die Insulaner zurück. Auch danach zahlten die ausländischen Bergbaufirmen lediglich ihre Produktionskosten. 1993 wurde eine australische Bergbaufirma zur Zahlung von 14 Mio. US-Dollar für verursachte Umweltschäden verurteilt, ein Jahr später wurde im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung eine einmalige Zahlung von 107 Mio. US-Dollar und die Einrichtung eines Treuhandfonds vereinbart, der ein Volumen von 1 Mrd. US-Dollar aufweist. Dieser sogar in der Verfassung von Nauru verankerte Fonds kommt vor allem den Einwohnern und der Infrastruktur zugute. Nach Beendigung des Phosphatabbaus ist in der Berechnung der genuine savings die Entwertung des Naturkapitals auf Null gesunken. Auch der Phosphatabbau als einziger Industriebereich der Insel ist stillgelegt, so dass auch die Abschreibungen auf das Sachkapital Null betragen. Berücksichtigt wird in der Berechnung allerdings der Rückfluss aus der Verzinsung des Treuhandkapitals sowie deren Aufteilung auf Ersparnis, Reinvestition und Konsum. Dies führt dazu, dass der gegenwärtige Zustand als nachhaltig ausgewiesen wird. Der ökologische Raubbau hat der Insel zwar einen Wohlstandsgewinn beschert, allerdings besteht dieser nur aus Geldkapital. Sachkapital ist nach der Einstellung des Phosphatabbaus nicht mehr in das Land geflossen. Kritiker weisen darauf hin, dass eine solche Substitution von Natur- durch Wirtschaftskapital nur möglich ist, wenn es die Ausnahme bleibt. Schlagwörter •• Ressourcen, Reserven •• McKelvey Diagramm •• Hotelling Regel •• Hartwick Regel •• genuine savings Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 754 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie754 24.2.2 Starke Nachhaltigkeit Es bestehen aus Sicht von Vertretern der starken Nachhaltigkeit grundlegende Zweifel, ob natürliche Ressourcen dauerhaft durch reproduzierbares Kapital ersetzbar sind. Sie weisen darauf hin, dass eine steigende Verfügbarkeit von Gütern die Menschen nicht für eine sinkende Umweltqualität kompensieren kann. Das Konzept der starken Nachhaltigkeit betrachtet die Natur als ein geschlossenes, nicht materiell wachsendes System. Die Ökonomie ist ein Subsystem der Natur. Die Natur wird stark durch menschliche Aktivitäten beeinflusst und teilweise auch irreversibel beeinträchtigt. Von Menschen entwickelte Technologien und Güter können hingegen häufig nicht ohne Natur bzw. natürliche Ressourcen entwickelt und produziert werden. Es wird ein hierarchisches Verhältnis der Kapitalgüter unterstellt, das sich an folgendem Beispiel verdeutlichen lässt: Wenn die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital optimal für ein Sägewerk eingesetzt werden, welchen Wert hat dies ohne Wald? Umgekehrt hat ein Wald mit seinen Funktionen immer einen hohen Wert. Das Gleiche gilt für die Umweltmedien Boden, Luft, Wasser und viele andere Ressourcen. Die Natur darf damit nicht nach ökonomischen Interessen (um-)gestaltet werden, sondern die Ökonomie muss den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit angepasst werden. Unsicherheiten über die Entwicklung von Ressourcenbeständen und kritische Schwellenwerte lassen Managementregeln in den Vordergrund treten, die sich am Konzept der starken Nachhaltigkeit orientieren (Abb. 24.13). Sie beziehen sich auf die Bewirtschaftung von erschöpfbaren natürlichen Ressourcen und regenerativen natürlichen Ressourcen sowie auf Depositionsleistungen der Umwelt. Die Auslagerung von Schadstoffen bzw. Stoffeinträge in die Umwelt sollen höchstens der Assimilationsfähigkeit entsprechen, so dass keine Gefährdung ihrer Funktionen eintritt. Zur konkreten Umsetzung werden kritische Einstiegsraten (critical loads) und kritische Schwellenwerte (critical levels) vorgeschlagen. Nach dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, dem Massen- und Energieerhaltungsgesetz, determiniert die Form der Nutzung natürlicher Ressourcen auch die Höhe der Stoffeinträge in das ökologische System. 1) Auslagerung von Schadstoffen (Deposition) in die Umwelt 2) Nutzung von erneuerbaren Ressourcen (Extraktion) 2) Abbaurate < natürliche Regenerationsrate 1) Emissionen < Assimilationskapazität der Ökosysteme 3) Nutzung von nicht-erneuerbaren Ressourcen (Extraktion) 3) Verbrauch innerhalb des Zuwachses an erneuerbaren Ressourcen Managementregeln zur Bewahrung des Naturkapitals Abb. 24.13: Managementregeln der starken Nachhaltigkeit Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 755 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 755 Für regenerative Ressourcen soll die Abbaurate nicht deren Regenerationsrate überschreiten (Abb. 24.14). Diese Regel soll der Forderung nach Aufrechterhaltung der ökologischen Leistungsfähigkeit des Naturkapitals entsprechen. Offen bleibt, auf welchem Niveau die regenerativen Ressourcen bewirtschaftet werden sollen. Hier sind viele Lösungen möglich, die unterschiedliche Folgen für die Systemstabilität aufweisen. Zu berücksichtigen sind vor allem Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ökosystemen. Eine isolierte Betrachtung greift daher zu kurz. Nicht-regenerative, erschöpfbare Ressourcen sollen nur in dem Umfang genutzt werden, in dem ein physisch und auch funktionell gleichwertiger Ersatz in Form von regenerativen Ressourcen oder eine höhere Produktivität in der Nutzung natürlicher Ressourcen gewährleistet ist. Ein Teil des Ertrages aus erschöpfbaren Ressourcen kann konsumiert werden, ein anderer Teil ist jedoch in den Anbau regenerativer Ressourcen zu investieren. Auf diese Weise kann schrittweise ein Übergang des Konsums nicht-regenerativer zu regenerativen Ressourcen gewährleistet werden. Gleichzeitig werden die Bestände nicht-regenerativer Ressourcen (z. B. fossil genutzte Energie, Material, Fläche) geschont. Die Bereitstellung von Energiedienstleistungen soll zu möglichst geringen gesamtwirtschaftlichen Kosten (private und externe Kosten) erfolgen. Durch die Wahl entsprechender institutioneller Managementregeln lassen sich bestehende Märkte verändern und neue Märkte entwickeln. Es kommt gleichsam zu einem Experimentierfeld, auf dem unterschiedlich ökonomische Instrumente zur Erreichung der gesetzten Ziele eingesetzt werden (z. B. Preise für Emissionen, Einspeisevergütungen, Vorschriften für Energieeinsparung und Wärmedämmung). Anwendungsbeispiel ist die Förderung der Nutzung regenerativer Energieträger nach der Energiewende in Deutschland. Schlagwörter •• Managementregeln für starke Nachhaltigkeit •• regenerative Ressourcen •• erschöpfbare Ressourcen Wichtig: Die Regel gibt keine Auskunft darüber, wie hoch der Bestand sein soll. RegenerationsfunktionRegenerationsrate Ressourcenbestand Abbaurate und Regenerationsrate Abb. 24.14: Managementregel für regenerative Ressourcen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 756 Teil VI Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie756 24.3 Fallbeispiele zu Kapitel 24 Lösungs- und Bearbeitungshinweise sowie alle Abbildungen dieses Kapitels finden Sie unter: www.vahlen.de Fallbeispiel 24.1: Bevölkerungswachstum und Ressourcenverbrauch (++) 1) Erläutern Sie die grundlegende Aussage des Gesetzes von Malthus bezüglich Bevölkerungswachstum und natürlichen Umweltbedingungen (hier: Nahrungsmittelproduktion). 2) Mit seiner „Wachstumsfunktion“ N = N0 × 1,0302t gelang es Malthus, das Bevölkerungswachstum in den USA für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gut zu beschreiben: Jahr 1790 1800 1810 1820 1830 1840 1850 1860 N (in Mio.) N0 = 3,9 5,3 7,2 9,6 12,9 17,1 23,2 31,4 a) Vergleichen Sie die Angaben aus Volkszählungen mit den „theoretischen“ Werten der Wachstumsfunktion. b) Aus späteren Volkszählungen sind folgende Anzahlen bekannt: Jahr 1880 1900 1930 1970 N (in Mio.) 50,2 76,0 123,2 203,2 Überprüfen Sie, ob die Wachstumsfunktion noch sinnvoll ist und begründen Sie mögliche Abweichungen. 3) Betrachten Sie die Bevölkerung eines Landes, die zu Beginn eines bestimmten Jahres aus 1 Million Personen besteht und jährlich um 3 % wächst. Zum gleichen Zeitpunkt sind Nahrungsmittel für 2 Millionen Personen verfügbar, wobei die Produktion der Nahrungsmittel für jährlich 100.000 Personen gesteigert werden könnte. Untersuchen Sie diese Entwicklung (mithilfe einer Tabellenkalkulation). In welchem Jahr übersteigt die Anzahl der Personen die zur Verfügung stehenden Mittel? Fallbeispiel 24.2: Rebound-Effekt (+) 1) Was besagt der Rebound-Effekt? 2) Die Vertreter der nachhaltigen Ökonomie vertreten die Auffassung, dass nicht das Effizienzprinzip, sondern nur das Suffizienz-Prinzip den Rebound-Effekt überwinden kann. Wie lässt sich diese Aussage begründen? Fallbeispiel 24.3: Entwicklungspfade (0) 1) Welchen Entwicklungspfad würden Sie bei den nachfolgenden Alternativen vorziehen? t0 t1 t2 t3 Kosten (–) –1.000 Nutzen (+) 200 300 700 Gegenwartswert: Zins von 5 % Gegenwartswert: Zins von 10 % 2) Mit welchem grundlegenden Problem ist eine derartige Betrachtung verbunden? Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 757 Kapitel 24: Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung 757 Fallbeispiel 24.4: Abbaurate von Ressourcen und Hotelling-Regel (+) 1) Unterscheiden Sie die Begriffe Reserven, regenerative und nicht-regenerative Ressourcen. Warum sind im Fall von endlichen Ressourcen Regeln zur Abbaurate sinnvoll? 2) Nehmen Sie an, der Ausgangspreis je Barrel Rohöl liegt bei 50 US-$. Der Marktzins beträgt 10 %. Erläutern Sie das Entscheidungskalkül eines Abbauunternehmens im Fall des Wettbewerbs. Aus Vereinfachungsgründen betragen die Extraktionskosten Null. 3) Welche Kritik lässt sich gegen die Hotelling-Regel vorbringen? Fallbeispiel 24.5: Schwache Nachhaltigkeit (+) 1) Erläutern Sie die Grundaussage des Konzepts der schwachen Nachhaltigkeit. 2) Stellen Sie den Zusammenhang zwischen der Hartwick-Regel und dem Konzept der schwachen Nachhaltigkeit dar. Fallbeispiel 24.6: Starke Nachhaltigkeit (0) 1) Erläutern Sie die Grundannahme des Konzepts der starken Nachhaltigkeit. 2) Stellen Sie wichtige Managementregeln des Konzepts der starken Nachhaltigkeit dar. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 759 Kapitel 25 Kapitel 25: Operationalisierung der nachhaltigen Entwicklung 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1 … 8 7 6 5 4 3 2 1 0 Durchschnittlicher globaler Hektar h o h e m en sch lich e En tw icklu n g Nachhaltige Entwicklung Verbrauch globale Hektar pro Kopf Inhaltsübersicht 25.1 Rahmen für Indikatoren der nachhaltigen Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 760 25.1.1 Lebensqualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 762 25.1.2 Wohlstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 764 25.2 Indikatoren zur Messung der nachhaltigen Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . 770 25.3 Wege zur nachhaltigen Entwicklung – Ein  Orientierungsrahmen . . . . . . . . . . 778 25.3.1 Nachhaltigkeit und Entwicklungspfade von Volkswirtschaften . . . . . . . . . 779 25.3.2 Zielkonflikte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 782 25.3.3 Nachhaltige Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 785 25.4 Fallbeispiele zu Kapitel 25 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 788

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References

Zusammenfassung

Makroökonomische Ereignisse

wie die Schuldenkrise, Rezession, Arbeitslosigkeit und Inflation haben nicht nur gesamtwirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch vielfältige Berührungspunkte zum täglichen Leben. Diese Ereignisse sind häufig komplex und für den Einzelnen nicht immer leicht zu durchschauen.

Um Studierende auf die globalen Herausforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt vorzubereiten ist in diesem Lehrbuch explizit auch das Thema der nachhaltigen Entwicklung integriert. Außerdem werden die großen Themen der Makroökonomie teilweise gebündelt behandelt, um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gebieten transparenter zu gestalten. Dies hat für Studierende und Lehrende u.a. den Vorteil, dass eine modulare Verwendung möglich ist. Die Schwerpunkte:

– Drei Ebenen der Makroökonomie (empirisch, theoretisch und wirtschaftspolitisch)

– Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik

– Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU

– Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Beschäftigung

– Außenhandel, Devisenmarkt und offene Volkswirtschaft

– Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie.

Zur Neuauflage

Das Buch wurde vollständig überarbeitet und in eine modulare Struktur überführt, aber die Grundkonzeption des Buches wurde beibehalten. Das Buch ist bewusst als Lernbuch konzipiert, das sich zum Einsatz an Hochschulen und Akademien eignet. Mit der Integration von selbständig zu bearbeitenden Fallbeispielen wird u.a. das Konzept der Bachelor- und Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen berücksichtigt, die stärker als bisher an Praxisbeispielen orientierte Lehr- und Lernformen fördern wollen.

Die Autoren

Prof. Dr. Reiner Clement, Prof. Dr. Wiltrud Terlau, Sankt Augustin/Rheinbach, und Prof. Dr. Manfred Kiy, Köln.

Angewandte Makroökonomie

für Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien.