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Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik in:

Reiner Clement, Wiltrud Terlau, Manfred Kiy

Angewandte Makroökonomie, page 469 - 485

Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen

5. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4480-3, ISBN online: 978-3-8006-4389-9, https://doi.org/10.15358/9783800643899_469

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Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 455 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik Kapitel 14 Zins Zeit Inhaltsübersicht 14.1 Immobilien- und Bankenkrise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 456 14.2 Rettungspakete. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 462 14.3 Unkonventionelle Geldpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465 14.4 Fallbeispiele zu Kapitel 14. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 456 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU456 Lernzielorientierte Sachverhalte •• Finanzkrisen (u. a. Währungs- und Bankenkrisen) können ernsthafte ökonomische Folgewirkungen auf die Realwirtschaft haben. Betroffene Länder brauchen Jahre, um die Folgen derartiger Krisen zu überwinden. •• In Industrieländern führen derartige Krisen zu geringeren Einbußen als in Entwicklungsländern. Weder reichen noch armen Staaten gelingt es jedoch, diese Einbußen innerhalb von zehn Jahren wieder auszugleichen. •• Auslöser der Finanzkrise 2008 war eine Immobilienkrise, die sich als Bankenkrise und realwirtschaftliche Krise ausgeweitet hat. •• Staatliche Rettungspakete können verwendet werden zum Aufkauf „fauler“ Wertpapiere, Auslagerung dieser Wertpapiere in eine sogenannte Bad Bank, zur Rekapitalisierung der Banken bis hin zur Verstaatlichung. •• Eine Nullzinspolitik ist nicht zwangsläufig geeignet, um die Wirtschaft zu stimulieren. Insbesondere am Rande einer Deflation ist eine solche Politik problematisch. •• Unkonventionelle Maßnahmen der mengenmäßigen Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbank betreffen die Umschichtung bzw. den Aufkauf von Vermögensanlagen oder die Stimulierung von Inflationserwartungen. •• Die unkonventionelle Geldpolitik bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Inflation und Deflation. In der Liquiditätsfalle und in einer Bilanz- Rezession kann diese Politik versagen. 14.1 Immobilien- und Bankenkrise Die Finanzkrise des Jahres 2007/2008 liefert aus makroökonomischer Sicht eine Reihe von Anschauungsmaterial zur Entstehung von krisenhaften Entwicklungen im Geldsektor, zur Verknüpfung von Geld- und Realwirtschaft und den Folgen für Beschäftigung und Wachstum. Zum realwirtschaftlichen Sektor einer Volkswirtschaft gehören Verbrauchsgüter ebenso wie Anlagegüter, d. h. Vermögenswerte in Form von Produktivkapital oder Immobilien. Der monetäre Sektor einer Volkswirtschaft ist dagegen derjenige Sektor, in dem Geldgeschäfte gemacht werden. Studien zeigen, dass Finanzkrisen (u. a. Währungs- und Bankenkrisen) ernsthafte ökonomische Folgewirkungen auf die Realwirtschaft haben. Die Auswirkungen derartiger Krisen lassen sich nur mittel- bis langfristig überwinden. In Industrieländern führen diese Krisen zu geringeren Einbußen als in Entwicklungsländern. Weder reichen noch armen Staaten gelingt es jedoch laut Studien, diese Einbußen innerhalb von zehn Jahren wieder auszugleichen. Betrachten wir dazu ein Zahlenbeispiel (Tab. 14.1). Ein Land habe im Jahr 2008 ein BIP von 1.000 Mrd. €. Bei einem jährlichen Wachstum von 3 % würde Jahr BIP ohne Finanzkrise, 3 % Wachstum p.a BIP mit Finanzkrise 3 % Wachstum p.a. BIP mit Finanzkrise, 4 % Wachstum p.a. 2008 1.000 1.000 1.000 2009 1.030 = 1.000 × 1,03 950 950 2010 1.061 = 1.000 × 1,032 978 = 950 × 1,03 988 = 950 × 1,04 … 2018 1.344 = 1.000 × 1,0310 1.240 = 950 × 1,039 1.352 = 950 × 1,049 Tab. 14.1: Realwirtschaftliche Folgen einer Finanzkrise (Zahlenbeispiel) Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 457 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 457 das BIP bis 2018 auf 1.344 Mrd. € steigen. Wenn nun das BIP im Jahr 2009 aufgrund einer Finanzkrise um 5 % schrumpft und nach einem Jahr dauerhaft wieder mit 3 % wächst, läge das BIP im Jahr 2018 nur bei 1.240 Mrd. €. Um den durch die Finanzkrise verursachten Wohlstandsverlust innerhalb von zehn Jahren aufzuholen, müsste die Wirtschaft nach der Krise jährlich um ca. 4 % statt um 3 % Prozent wachsen. Solch eine Aufholjagd findet in der Realität so gut wie nie statt. Immobilienkrise Die Finanzkrise 2008 hat ihre Ursprünge zu Beginn des Jahrzehnts. Seit dem Jahr 2001 und verstärkt nach dem 11. September hatte die US-Notenbank eine Politik der niedrigen Zinsen betrieben. Nach den Terroranschlägen sollte so die Wirtschaft belebt werden. Die Notenbank behielt ihre Niedrigzinspolitik auch bei, als es der Wirtschaft in den USA längst besser ging. Zwischen Anfang 2001 und Mitte 2003 sanken die Zinsen von 6,5 % auf 1 %. Erst Mitte 2004 begann die Notenbank, die Zinsen Schritt für Schritt zu erhöhen. Über Jahre hinweg war Geld also preiswert und eröffnete Spielraum für die Kreditvergabe von Banken vor allem zur Finanzierung von Immobilien. Auch politisch wurde die Steigerung der Eigenheimquote vor allem für Bezieher geringer Einkommen unterstützt. Die Nachfrage nach Häusern war größer als das Angebot. Zwischen 1998 bis 2005 stiegen die Immobilienpreise real um mehr als 30 % und erweckten nahezu den Eindruck des „kostenlosen Wohnens“. Betrachten wir ein Beispiel: Eine US-Bank verleiht 1 Mio. US-$ an drei Hauskäufer zu 6 % für 30 Jahre. Zins und Tilgung belaufen sich pro Jahr auf grob 70.000 US-$ (genau 72.648 US-$) und haben sich nach 30 Jahren kumuliert zu 2,1 Mio. US-$ (Abb. 14.1). Die Hauskäufer haben zwar nur geringes bzw. im Extrem gar kein Eigenkapital, erhalten jedoch einen Kredit. Sie werden sich vielleicht fragen, warum eine Bank in diesem Fall überhaupt einen Kredit vergibt. In Zeiten steigender Immobilienpreise kann die Bank im Prinzip nur gewinnen. Zahlt der Kreditnehmer seinen Kredit zurück, hat die Bank die oben genannten Einnahmen. Selbst bei Abzug der Inflation fallen bei einem realen Zins von z. B. 2 % nach 30 Jahren für die Bank noch akzeptable Gewinne an. Sollte der Wie die Finanzmärkte funktionieren Abb. 14.1: Aufbau eines Finanzmarktes (Beispiel) Quelle: Buchenberg, 2008 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 458 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU458 Kreditnehmer seine Schulden nicht zurückzahlen können, fällt die Immobilie an die Bank. Bei steigenden Preisen macht sie also auch in diesem Fall einen Gewinn. Die Bank kann die bestehenden Schuldverträge zudem weiterverkaufen. Die drei Käufer zahlen den Kaufpreis von 1 Mio. US-$ an die Bauträger und ziehen in die Häuser ein. Es kommt zu einem realen Impuls für die Bauwirtschaft. Auch die Hauskäufer sind risikobereit. Sie haben sich auf die Prognose verlassen, dass die Immobilienpreise weiter steigen und sie notfalls die Häuser mit Gewinn verkaufen können. Viele Banken haben die Kunden zudem mit niedrigen Anfangszinsen gelockt (aus Vereinfachungsgründen sehen wir im Beispiel von dieser variablen Verzinsung ab). Viele Hauskäufer unterschätzen die tatsächliche Belastung der Finanzierung. Selbst unser einfaches Beispiel macht deutlich, dass Käufer für ihren Hypothekenkredit im Zeitablauf deutlich mehr als die ursprüngliche Kreditsumme zurückzahlen müssen. Im vorliegenden Fall müssen Immobilien im Wert von 1 Mio. US-$ bei 6 % Zins im Laufe von 30 Jahren mit 2,1 Mio. US-$ bezahlt werden. Haben die Schuldner z. B. 1,5 Mio. US-$ zurückgezahlt und werden plötzlich zahlungsunfähig, verfügt die Bank neben dieser Geldsumme zusätzlich über die Immobilien. Die steigende Kreditgewährung der zum Teil riskanten Immobilienfinanzierungen hat ab 2006 US-Banken veranlasst, viele dieser Kreditforderungen in wertpapierähnliche, leicht übertragbare CDOs (collateralized debt obligations) oder ähnliche strukturierte Finanzierungsformen zu bündeln. Wegen des guten Ratings amerikanischer Geschäftsbanken durch externe Agenturen konnten diese Wertpapiere auch an europäische oder asiatische Banken verkauft werden. Damit wurde ein eigentlich rein amerikanisches Risiko internationalisiert. Zunächst wird der einzelne Immobilienkredit z. B. von einer Hypothekarbank ausgereicht und mit anderen Hypothekarkrediten gebündelt (originate and distribute model). Anschließend lassen sich die Pakete auf eine Zweckgesellschaft transferieren und in Form forderungsgesicherter Wertpapiere an andere Finanzmarktteilnehmer weiterverkaufen. Ein Charakteristikum der Forderungen ist, dass sie in einzelne Tranchen mit unterschiedlichen Ausfallwahrscheinlichkeiten und Bonität zerlegt werden (Überlaufprinzip). Erst wenn alle Ansprüche der sichersten Tranche befriedigt sind, wird die zweite Branche bedient, danach die dritte und danach die weiteren Tranchen. Indem der Verlust in verbrieften Hypothekenportfolios gemäß dem Wasserfall-Prinzip zunächst von den nachrangigen Tranchen absorbiert wird, ist es durch diese Art der Verbriefung möglich, aus einem Portfolio mäßiger Güter erstklassige ausfallsichere Wertpapiere zu generieren. Der Weiterverkauf der Kredite führt dazu, dass die Institute kein Interesse an der laufenden Überwachung der Engagements haben. Am Ende der Kette werden Hypotheken auch an bonitätsschwache Schuldner vergeben. Es tritt das aus der Mikroökonomie bekannte Phänomen des moral hazard auf, das auf eine asymmetrische Informationsverteilung der Beteiligten zurückzuführen ist. Die Bank gibt damit das Risiko von eher zweitklassigen (subprime) Krediten weiter. Sie verkauft die Kreditverträge im Wert von 2,1 Mio. US-$ für 1,5 Mio. US-$ an einen Investmentfonds. Sie selbst hat nur 1 Mio. US-$ ausgezahlt, verfügt aber nun über 1,5 Mio. US-$. Der Investmentfonds kann die CDOs an andere Fonds verkaufen und erhält dafür z. B. 1,6 Mio. US-$. Durch die Bündelung der Schuldverschreibungen ist nicht mehr transparent, welche Bonität die einzelnen Schuldverschreibungen tatsächlich besitzen. Die Marktteilnehmer müssen sich auf die Einstufung durch Ratingagenturen verlassen. Wir unterstellen, dass der Investmentfonds die CDOs in seinem Portfolio behält und jährliche Einnahmen von 70.000 US-$ von den Hauskäufern erhält. Für sie ist der Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 459 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 459 Wechsel des Eigentümers nicht von Bedeutung. Oft bleibt sogar das Einzahlungskonto für Zins und Tilgung gleich. Der Investmentfonds verfügt nun über Aktiva von 2,1 Mio. US-$ und fragt annahmegemäß bei B-Bank, welche Kredite für diese vermeintlichen Sicherheiten aufgenommen werden können. Gehen wir davon aus, dass der Investmentfonds zunächst 2  Mio. US-$ Kredit erhält, für die er Aktien kauft. Dadurch hat er zusammen mit den 2,1 Mio. US-$ aus den Schuldverschreibungen bereits 4,1 Mio. US-$ an Aktiva verbucht. Dieser Prozess kann sich fortsetzen. Wir unterstellen, dass der Investmentfonds sich auf diese Weise insgesamt mit 20 Mio. US-$ verschuldet. Er kauft z. B. Unternehmen, Aktien oder weitere CDOs. Die Aktienkurse steigen, der Investmentfonds erhält erstklassige Beurteilungen durch Ratingagenturen. Es ist reichlich Liquidität am Markt vorhanden. Die B-Bank will ihr Risiko diversifizieren. Sie teilt den Kreditvertrag mit dem Investmentfonds, schnürt ihn zu einem CDO und verkauft ihn an die A-Bank. Diese verbucht 10 Mio. US-$ an Aktiva in ihre Bilanz. Wäre der Prozess nun zu Ende, hätten alle Beteiligten profitiert: •• Die Käufer wohnen ohne Einsatz von viel Eigenkapital in ihren Häusern. •• Die A-Bank hat ihre Kreditforderungen mit Gewinn verkauft. •• Der angesehene Investmentfonds erhält 20 Mio. US-$, mit denen er viele Geschäfte tätigen kann. •• Die A- und B-Bank haben nur „erstklassige“ Schuldner. Durch die Verbriefung der Kredite, so dachte man lange Zeit, verteile sich das Risiko etwaiger Kreditausfälle auf zahlreiche Schultern und die geballte Kraft vieler Anleger könne die Last sicher tragen. Niemand wusste jedoch genau, welchen Anteil der zum Teil „faulen“ Kredite ein Investor über den Kauf von verbrieften Hypotheken erworben hatte. Zu kompliziert war die Struktur der Kreditpapiere. Die Immobilienblase platzte 2006. Nach Jahren ungebremsten Baubooms hatte das Angebot an Immobilien die Nachfrage überholt und die Häuserpreise gingen zurück. Die Sicherheiten für die Kredite (also die Immobilien selber) waren wesentlich weniger wert. Die Banken sorgten sich, sie könnten einmal verliehenes Geld nicht mehr zurückbekommen. Das Rating nahm stark ab. Da aber Kredite mit einem niedrigen Rating aufgrund der Ausfallrisiken zu höheren Zinsen führen, wurden von den Kreditnehmern höhere Raten verlangt. Dies führte dazu, dass viele Hauskäufer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten. Immer mehr Immobilien wurden auf den Markt geschwemmt. Die Preise gerieten weiter unter Druck und die Sicherheiten wurden weiter abgewertet. Ende 2006 lag die Zahl der in Zwangsvollstreckung befindlichen Hypothekenkredite auf dem höchsten Stand seit fast 40 Jahren. Die Banken und Hypothekenfinanzierer verloren so viel Geld, dass ihre Existenz in Gefahr geriet. Die Kreditverbriefungen fielen drastisch im Wert. Weil so viele Anleger sie erworben hatten, gerieten auch international tätige Geldhäuser in den Strudel der Vermögensvernichtung. So wurde aus der Immobilien- und Bankenkrise eine internationale Wirtschaftskrise. Bankenkrise Die Konsequenzen der Immobilienkrise für das Bankensystem lassen sich im Rahmen einer vereinfachten Bilanz erklären (vgl. Tab. 14.2; in Anlehnung an Blanchard/Illing, 2009, Kap. 22): •• Die Bilanz zeigt auf der Aktivseite die Geschäftsaktivitäten einer Bank. Sie stellt Kredite zur Verfügung und hält Wertpapiere in Form von Unternehmens- und Staatsanleihen. Kredite und Wertpapiere werden in der Regel nach dem Risiko ihres Ausfalls gewichtet, so wie es Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer tun. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 460 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU460 Das Risiko, dass z. B. eine Staatsanleihe ausfällt, ist weniger wahrscheinlich, als dass z. B. ein Unternehmens- oder Konsumentenkredit nicht zurückgezahlt wird. Entsprechend diesen Wahrscheinlichkeiten werden die Aktiva bewertet. Die sich daraus ergebende Summe muss die Bank mit eigenem Kapital absichern. Eine Bank, die riskante Geschäfte tätigt, sollte also mehr Kapital vorhalten als eine Bank, die sichere Staatspapiere kauft. •• Die Passivseite gibt Auskunft über die Finanzierung der Geschäfte. Die Bank hat Sichtguthaben gegenüber Sparern und Verbindlichkeiten in Form von Schuldverschreibungen gegenüber anderen Banken oder privaten Unternehmen. Das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital wird als Eigenkapitalquote bezeichnet. Sie beträgt im Beispiel 10 % (20/200). Probleme ergeben sich, wenn Banken Kreditrisiken falsch eingeschätzt haben. Droht ein Ausfall der Kredite, dann sinkt der Wert der Aktiva. Je größer das Eigenkapital, desto größer die Verluste, die eine Bank bzw. das Bankensystem verkraften kann. Drohen in unserem Beispiel Kredite im Umfang von 20 auszufallen (also: 20 %), dann ist das Eigenkapital der Bank (20) aufgebraucht. In diesem Fall müssen auch Inhaber von Schuldverschreibungen der Bank bzw. Einleger mit Verlusten rechnen. Die Bank muss wahrscheinlich schließen oder wird von einer anderen Bank übernommen. Verluste der vom Staat garantierten Einlagen muss – falls vorhanden – die staatliche Einlagensicherung übernehmen. Die durch die Immobilienkrise des Jahres 2006 ausgelöste Finanzkrise 2007/2008 beruhte weniger auf dem Ausfall von direkten Krediten, sondern dem Verfall der Immobilienpreise. Angenommen, die Märkte rechnen damit, dass 20 % der verbrieften Hypothekenkredite (Wertpapiere) ausfallen. In diesem Fall wird der Kurs auf 80 % des Nennwertes (also: 80) sinken (Tab. 14.3). Der Wert der direkten Kredite beträgt hingegen weiterhin 100, weil sie an Kunden mit hoher Bonität ausgegeben worden sind. Der Wert der Aktiva sinkt also auf 180 und führt zu zwei Problemen: 1. Kapitalknappheit (Schuldenprobleme): Der Wert der verbliebenen Aktiva entspricht gerade den Verbindlichkeiten. Die Bank besitzt kein Eigenkapital mehr. Wenn wei- Tab. 14.2: Geschäftsbankbilanz Aktiva Passiva 1. Kreditvergabe 100 1. Einlagen 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 100 2. Schuldverschreibungen 30 3. Eigenkapital 20 200 200 Tab. 14.3: Verfall der Immobilienpreise und Geschäftsbankbilanz Aktiva Passiva 1. Kreditvergabe 100 1. Einlagen 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 80 2. Schuldverschreibungen 30 3. Eigenkapital 0 180 180 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 461 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 461 tere Kredite und Anleihen ausfallen bzw. Sparer ihre Einlagen abheben, ist die Bank technisch gesehen überschuldet. Die Bank könnte sich zwar bei anderen Banken refinanzieren, doch stehen diese gegebenenfalls vor dem gleichen Problem. Kredite sind dann oft nur kurzfristig und zu hohen Zinssätzen zu erhalten. Gelingt es nicht, zusätzliches Kapital zu erhalten, müssen verbliebene Aktiva verkauft werden. Wenn dies bei vielen Banken der Fall ist, sinken die Kurse weiter unter ihren Nennwert. Der Preisverfall lässt sich dann nicht mehr stoppen. Auch die Kreditvergabe wird eingestellt. Das Finanzsystem droht auszutrocknen. 2. Liquiditätsprobleme (bank runs): Eine Bank muss jederzeit liquide, d. h. in der Lage sein, ihre Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen (Tab. 14.4). Der Begriff Liquidität ist für Banken von besonderer Bedeutung. Aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten von Bankgeschäften (Einlagen bzw. Kreditaufnahme mit kurzem Horizont und Kreditvergabe mit langem Horizont) benötigt die Bank liquide Mittel. Für Banken drohen Liquiditätsprobleme, wenn langfristige Kreditvergaben (Aktivkäufe) nicht mehr durch kurzfristige Kredite finanziert werden können. Diese treten beispielsweise dann auf, wenn Anleger aufgrund mangelnden Vertrauens ihre Einlagen zurückziehen (im Beispiel von 150 auf 100). Das mangelnde Vertrauen kann darauf zurückzuführen sein, dass tatsächlich hohe Forderungsverluste auf der Aktivseite drohen. Im Fall von „Gerüchten“ über drohende Verluste werden Einlagen „sicherheitshalber“ abgezogen. Die Banken müssen dann Forderungen liquidieren (im Beispiel Rückgang der Kreditvergabe von 100 auf 50; „fire sales“). Die schnelle Veräußerung dieser Aktiva ist oft nur noch zu geringeren Preisen möglich, so dass im Zweifel nicht alle Einlagen zurückgezahlt werden können. Im Extrem kann es zu einer Bankenpanik kommen. Derartige bank runs sind vor allem ein Problem in Systemen mit partieller Reservehaltung. Da die Banken nur einen Teil ihrer Einlagen als Reserven halten, können sie in diesem Fall nicht alle Auszahlungswünsche der Einleger erfüllen, wenn diese gleichzeitig auftreten. Der Staat ist dann mehr oder minder gezwungen, einen Einlagensicherungsfonds zu bilden, wenn eine Bankenpanik vermieden werden soll. Problematisch ist, wenn Einleger unterstellen, dass alle Banken gleichermaßen von den genannten Problemen betroffen sind. Mangelndes Vertrauen der Einleger und die engen Interbank-Kreditbeziehungen greifen dann durch Einschränkung der Kreditvergabe (Kreditklemme, credit crunch) auf die Realwirtschaft über. Die Kreditvergabepolitik der Banken ist also eine wichtige Nahtstelle zur Realwirtschaft. Platzt eine zuvor gebildete Blase, wird die Kreditvergabe aufgrund der zuvor aufgehäuften Menge schlecht gesicherter Kredite gedrosselt. Dies bedingt sinkende Investitionen und Insolvenzen, die die Bonität der Schuldner verschlechtern und die Anzahl „notleidender Banken“ erhöhen. Diese drosseln ihr Kreditgeschäft noch weiter und schwächen nachfolgend die Wirtschaft. Die Kreditklemme wird ernst, wenn Banken die Refinanzierung am Geldmarkt schwer fällt. Normalerweise versorgen sich Banken über kurzfristige Kre- Tab. 14.4: Schulden- und Liquiditätsprobleme einer Geschäftsbank Aktiva Passiva 1. Kreditvergabe 50 1. Einlagen 100 2. Wertpapiere (Anleihen) 80 2. Schuldverschreibungen 30 3. Eigenkapital 0 130 130 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 462 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU462 dite im Interbankenhandel mit Liquidität, da ihre eigenen Gelder in längerfristigen Anlagen gebunden sind. Fällt diese Option weg, da die Geldmärkte wegen einer Kreditklemme unterversorgt sind, geraten die Institute in Zahlungsschwierigkeiten. Eine Herabstufung ihres Kreditratings ist die Folge, so dass die Beschaffung liquider Mittel noch schwieriger wird. Betroffen sind vor allem Banken, die keine Spareinlagen als Rückgriffmöglichkeit haben (z. B. Investmentbanken). Schlagwörter •• Immobilienkrise •• Bankenkrise •• Kapitalknappheit •• Bankenpanik, bank run •• Kreditklemme 14.2 Rettungspakete Banken haben eine systemische (d. h. eine umfassende, das Ganze betreffende) Funk tion, da sie die Gesamtwirtschaft mit Geld versorgen. Das Misstrauen unter den Banken und das fehlende Vertrauen der privaten Kapitalanleger in ihre Geldhäuser führen dazu, dass diejenigen, die noch über Liquidität verfügen, diese im Zweifel lieber unverzinst lassen als dass sie diese anderen gegen Zins überlassen. Damit ist das eigentliche „Schmiermittel der Wirtschaft“, die Geldversorgung, ins Stocken geraten. Wenn nun Banken die Insolvenz droht, dann hat dies sowohl Auswirkungen auf die Gläubiger wie auf die Schuldner einer Bank. Gläubiger sorgen sich um ihre Einlagen, Schuldner um den Fortbestand ihrer Kredite. Das heißt nicht, dass laufende Kredite sofort gekündigt werden, jedoch besteht die Gefahr, dass Darlehen nach Ablauf ihrer Zinsbindungsfrist nicht mehr verlängert werden. Damit stellte sich aus Sicht der Schuldner das Problem der Fortsetzung der bestehenden Finanzierung mit einem anderen Institut. Scheitert dieses Bemühen, so gerät der Schuldner selbst in eine Liquiditätskrise mit der Gefahr einer anschließenden Insolvenz. Auch an dieser Stelle pflanzen sich die geldwirtschaftlichen Probleme im realwirtschaftlichen Sektor fort. Zur Lösung bzw. Milderung der Finanz- bzw. Bankenkrise sind eine Reihe von Lösungsvorschlägen unterbreitet worden. Ausgangspunkt bildet das Basisszenario der Tabelle 14.3. Banken müssen die in ihren Bilanzen eingestellten Werte von Wertpapieren mindern, wenn sich keine Käufer finden lassen. Damit verlieren die Papiere ständig an Wert. In diesem Kontext werden die Begriffe Abschreibung und Wertberichtigung oft als Synonyme verwendet. Das sind sie jedoch nicht. Die Abschreibung beschreibt den endgültigen Verlust einer Forderung. Wenn eine Bank einem Unternehmen einen Kredit einräumt, das Unternehmen in Konkurs geht und der Kredit unwiederbringlich verloren ist, dann schreibt die Bank den Kredit ab. Zunächst kommt es jedoch sehr viel häufiger zu Wertberichtigungen. Hierbei handelt es sich nur um vorübergehende Wertverluste. Wenn die Preise (Kurse) für Produkte an Märkten für forderungsbesicherte Wertpapiere fallen, muss dieser Verlust nicht endgültig sein, denn es ist nicht auszuschließen, dass sich die Preise wieder erholen. Ob sich die Kurse erholen oder nicht, ist nicht mit Sicherheit vorhersagbar. In dem Basisszenario liegt der Marktwert der Wertpapiere bei 80 % des Nennwertes (Tab. 14.5). Sinkt der Kurs weiter auf 60 (Variante: „schlecht“), ist eine Umschuldung notwendig. Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, was zu einem Rückgang der langfristigen Schuldverschreibungen (auf 10) führt. Haben überstürzte Verkäufe Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 463 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 463 den Marktwert der Wertpapiere gedrückt und erholt sich dieser nach Beruhigung der Märkte, kann sich auch das Eigenkapital wieder erhöhen (Variante: „günstig“). Vorgeschlagen wird häufig ein Aufkauf von Wertpapieren durch den Staat. Im Extremfall kann der Staat oder eine so genannte Bad Bank den gesamten Bestand aufkaufen bzw. zumindest „faule Papiere“. Nehmen wir an, der Staat möchte 10 dafür einsetzen: •• Wenn ein Kauf von Wertpapieren erfolgt, findet eine Umwandlung der Anleihen in Barvermögen statt (Basisszenario). Der Staat kann z. B. bei einem Marktwert von 80 % Anleihen im Nennwert von 12,5 (=10/0,8) kaufen. Die Bank behält die restlichen Anleihen im Wert von 70 (Nennwert: 87,5; Tab. 14.6: Basisvariante). Verfällt der Kurs auf 60, dann haben die durch den Staat für 10 (des Basisszenarios) gekauften Anleihen nur noch einen Wert von 7,5. Die Bank hält die restlichen Anleihen im Wert von 52,5 (Variante „schlecht“). Erholt sich der Marktwert der Wertpapiere wieder auf den Nennwert von 100, erhöht sich der Wert der Wertpapiere bei der Bank von 70 auf 87,5 und beim Staat von 10 auf 12,5. Der Staat ist also potentiell an den Gewinnen beteiligt. Das Eigenkapital der Bank erhöht sich von 0 auf 17,5 (Variante: „günstig“). •• Der Staat kann für den Betrag 10 die Papiere zum Nennwert aufkaufen. Die Bank hält dann nur noch Anleihen im Nennwert von 90, die einen Marktwert von 72 (= 0,8 × 90) haben. Die Differenz zwischen Markt- und Nennwert der vom Staat gekauften Wertpapiere (10 – 8) erhöht die Eigenkapitalbasis der Bank um 2 (Tab. 14.7). Ein Vergleich mit Tabelle 14.6 macht deutlich, dass die Bank von dieser Variante profitiert, denn der Staat übernimmt einen höheren Teil des Ausfallrisikos. Fällt der Tab. 14.5: Szenarien zur Entwicklung von Marktwerten für Anleihen Aktivseite Passivseite Günstig Basis Schlecht Günstig Basis Schlecht 1. Kreditvergabe 100 100 100 1. Einlagen 150 150 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 100 80 60 2. Schuldverschreibungen 30 30 10 3. Eigenkapital 20 0 0 200 180 160 200 180 160 Tab. 14.6: Aufkauf der Anleihen zum Marktwert Aktiva Passiva Günstig Basis Schlecht Günstig Basis Schlecht 1. Kreditvergabe 100 100 100 1. Einlagen 150 150 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 87,5 70 52,5 2. Schuldverschreibungen 30 30 12,5 3. Barvermögen 10 10 10 3. Eigenkapital 17,5 0 0 197,5 180 162,5 197,5 180 162,5 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 464 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU464 Kurs auf 60, werden die Gläubiger begünstigt, da der Staat einen größeren Teil der Kursverluste trägt (Variante: „schlecht“). Bei einem Kursanstieg auf den Nennwert von 100 profitieren die Aktionäre der Bank. Das Eigenkapital beträgt wieder 20. Der Staat hat in diesem Fall keine Verluste erlitten, aber auch keine Gewinne erzielt (Variante: „günstig“). •• Der Staat kann der Bank zusätzliches Eigenkapital von 10 zuführen (Tab. 14.8). Fällt in der „schlechten“ Variante der Kurs der Wertpapiere auf 60, wird zunächst das neue Eigenkapital aufgebraucht. Die Gläubiger müssen „nur“ auf Forderungen im Wert von 10 verzichten. Erholt sich in einer „günstigen“ Variante der Kurs der Wertpapiere wieder auf den Nennwert, beträgt das gesamte Eigenkapital der Bank 30. Wenn die Zufuhr von Eigenkapital nicht ausreicht, um die Kreditvergabe wieder in Gang zu setzen, kann eine (Teil )Verstaatlichung erwogen werden. Dabei gibt es mehrere Schwierigkeiten. Die Bilanz einer Bank muss von „faulen“ Krediten bereinigt werden, die in eine Bad Bank ausgelagert werden könnten. Diese ist kein Kreditinstitut im eigentlichen Sinn, sondern eher eine Zweckgesellschaft. Sie kauft die „faulen“ Kredite notleidender Banken auf. Die zu sanierende Bank tritt dazu Kreditforderungen an die Bad Bank ab und erhält einen Kaufpreis, der dem Nominalwert der Kredite abzüglich der erwarteten Kreditausfälle entspricht. Das Risiko höherer Verluste bzw. die Chance geringerer Verluste trägt die Bad Bank. Die zu sanierende Bank ist von der Haftung Tab. 14.7: Aufkauf der Anleihen zum Nennwert Aktiva Passiva Günstig Basis Schlecht Günstig Basis Schlecht 1. Kreditvergabe 100 100 100 1. Einlagen 150 150 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 90 72 54 2. Schuldverschreibungen 30 30 14 3. Barvermögen 10 10 10 3. Eigenkapital 20 2 0 200 182 164 200 182 164 Tab. 14.8: Rekapitalisierung der Geschäftsbank durch staatliche Einlagen Aktiva Passiva Günstig Basis Schlecht Günstig Basis Schlecht 1. Kreditvergabe 100 100 100 1. Einlagen 150 150 150 2. Wertpapiere (Anleihen) 100 80 60 2. Schuldverschreibungen 30 30 20 3. Barvermögen 10 10 10 3. altes Eigenkapital 20 0 0 4. neues Eigenkapital 10 10 0 210 190 170 210 190 170 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 465 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 465 für diese Kreditforderungen befreit und muss dafür kein Eigenkapital vorhalten. Sie muss jedoch den Buchverlust in Höhe des Abschlags zahlen. Kann sie diesen nicht aus Eigenkapital aufbringen, ist die Bank „bankrott“ – es sei denn, die Bank erhält zusätzliches Kapital in Form von Eigenkapital. Auch die Bad Bank selbst benötigt von außen ausreichendes Kapital, um die Risiken tragen zu können. Dies kann technisch z. B. über Bürgschaften des Staates erfolgen. Längerfristig, darin ist sich die Mehrzahl der Fachleute einig, sind staatliche Rettungspakete allerdings nicht in der Lage, eine umfassende Systemkrise zu bewältigen. Erforderlich sind strukturelle Reformen. Dazu zählen •• eine funktionsfähige Bankenaufsicht, •• die Überprüfung der Anforderungen an die Kreditvergabe, •• eine höhere Eigenkapitalunterlegung, •• eine institutionelle Regelung der Kontrolle von Banken und Bankensystemen, •• die Überprüfung der Zulassung neuer Bankprodukte, •• ein umfassender Gläubigerschutz. Schlagwörter •• Rettungspakete •• Bad Bank •• Teilverstaatlichung 14.3 Unkonventionelle Geldpolitik In normalen Zeiten gilt die Geldpolitik der Zentralbank als mächtige Waffe. Schwächt sich die Konjunktur ab, weil die Wirtschaft in eine zyklische Krise geraten ist, senkt die Notenbank ihre Leitzinsen. Geben die Banken diesen Impuls weiter, lohnt es sich zu investieren und zu konsumieren, während das Sparen weniger attraktiv wird. Idealtypisch springt die Konjunktur wieder an. Nach diesem Muster sind die Notenbanken auch in der Finanzkrise verfahren. Sie haben ihre Leitzinsen Schritt für Schritt gesenkt. Die Grenze ist natürlicherweise erreicht, wenn die Leitzinsen auf Null sinken (Null zinspolitik). Leitzinsen von (nahe) Null bedeuten nicht automatisch, dass Kredite der Banken für Unternehmen und Verbraucher tatsächlich preiswerter werden. „Billiges Geld“ reicht nicht aus, Konsum und Investitionen zu stimulieren, wenn kein Vertrauen in die Wirksamkeit der Maßnahmen besteht. Auch Banken werden sich bei geringen Zinsen bzw. Nullzinsen kaum noch Kredite untereinander geben. Die Notenbank hätte damit eine erste Maßnahme gegen eine Wirtschaftskrise ausgeschöpft, ohne eine dauerhafte Wirkung zu erzielen. Quantitative Lockerung Ist der Spielraum für Zinssenkungen erschöpft und halten Rezession bzw. Deflation dennoch an, greifen Zentralbanken zu unkonventionellen Maßnahmen, die als men genmäßige bzw. quantitative Lockerung (quantity easing) bezeichnet werden. Der Notenbank stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, um die Wirtschaft bei einem Nullzins zu stimulieren. Neben der quasi Nullzinspolitik werden den Banken und sonstigen Finanzinstituten zusätzliche Zentralbankreserven (Basisgeld) durch die verstärkte Aufnahme von Wertpapieren zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, die Banken mit Geld zu versorgen um einerseits den beeinträchtigten Interbankenhandel zu fördern. Andererseits besteht die Hoffnung, dass die Geschäftsbanken die liquiden Mittel an Unternehmen, Staat und private Haushalte durch Kreditvergabe weiterreichen, so dass gleichzeitig die Konjunktur belebt wird (Tab. 14.11). Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 466 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU466 Hierbei stehen der Notenbank generell verschiedene Optionen in Abstufungen zur Verfügung: •• Aufkauf von Wertpapieren, beispielsweise langfristige Treasury-Wertpapiere, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und sonstige finanzielle Wertpapiere (einschl. Aktien) von Geschäftsbanken und anderen Finanzinstitutionen. •• Längere Laufzeiten der befristeten Offenmarktgeschäfte (abgeschwächtes quantity easing); beispielsweise hat die EZB am 21.12.2011 einen 3-Jahres-Tender angeboten. •• Geringere Anforderungen an die Sicherheiten bei befristeten Offenmarktgeschäften (quality easing). Die Notenbankbilanz wird mengenmäßig ausgeweitet und die Geldmärkte werden mit Basisgeld versorgt. Monetaristisch betrachtet, beinhaltet eine monetäre Expansion stets Inflationsrisiken. Wie bereits erwähnt, erhöht sich die Summe des Zentralbankgeldes direkt über höhere Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Die zirkulierende Geldmenge in der Wirtschaft wird jedoch nicht direkt beeinflusst (M1, M2, M3). Die entscheidende Bedingung dafür ist nicht, dass die Banken höhere Kontobestände bei der Notenbank unterhalten, sondern, dass die Banken mehr Kredite vergeben, d. h. Geldschöpfung betreiben. In einer Finanzkrise sind Geschäftsbanken in der Regel zurückhaltender, verfügbare Liquidität in zusätzliche Kreditvergabe umzusetzen. Angesichts der sinkenden Kapazitätsauslastung in der Wirtschaft sowie der gedämpften Konsum- und Investitionsnachfrage ist es daher möglich, dass die Expansion der monetären Basis verpufft. Da „normale“ Transmissionsmechanismen der Geldpolitik beeinträchtigt sind, führt eine größere monetäre Basis nicht zu einer Erhöhung der breiteren Geldmengenaggregate. In diesem Fall überwiegen also eher Deflations- als Inflationsrisiken. Die Notenbank kann versuchen, Inflationserwartungen zu stimulieren und eine managed inflation zu praktizieren. Dies führt dazu, dass bei geringen bzw. Nullzinsen die Realzinsen sinken bzw. sogar negativ werden. Sinkende Realzinsen haben vier Effekte: •• Investitionen, die vorher unprofitabel waren, rechnen sich. Je kurzfristiger eine Volkswirtschaft finanziert ist, desto größer ist der Effekt der Zinspolitik. •• Es verbilligen sich nicht nur die Raten für neue, sondern auch für bestehende Konsumkredite oder Hypotheken. Dadurch haben die Konsumenten mehr Geld für Ausgaben zur Verfügung. •• Sinkende Realzinsen stabilisieren oder stimulieren Aktien- und Immobilienmärkte. Dies erhöht das Vermögen der Privaten und kann zu Steigerungen der Ausgaben führen. •• Ein Inflationsprozess könnte zudem als einfacher Ausweg zur (staatlichen) Entschuldung betrachtet werden. Allerdings ist es schwierig, einen kontrollierten Inflationsprozess in Gang zu setzen, ohne dass die Geldpolitik an Glaubwürdigkeit verliert. Tab. 14.11: Mengenmäßige Ausweitung der Notenbankbilanz Aktiva Passiva Währungsreserven Bargeldumlauf Kredite an Geschäftsbanken Einlagen der Geschäftsbanken Wertpapiere zusätzliche Wertpapiere zusätzliche Einlagen der Geschäftsbanken Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 467 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 467 Fallbeispiel Japan Es ist keineswegs sichergestellt, dass die genannten Maßnahmen auch Erfolg versprechen. Betrachten wir dazu das Beispiel Japans. Als am japanischen Aktienmarkt der Nikkei-Index zum Jahreswechsel 1989/1990 mit fast 40.000 Punkten sein absolutes Hoch erreichte, war das Ende einer Phase massiver spekulativer Übertreibungen am Immobilien- und Aktienmarkt erreicht. Eine falsche Zinspolitik durch die japanische Notenbank und eine dadurch begünstigte viel zu lockere Vergabe von Krediten durch die großen Geschäftsbanken hatten in den Achtzigerjahren zu deutlichen Überinvestitionen in der Wirtschaft und am Immobilienmarkt geführt. Als die Notenbank die Zinsen anhob, um den ungezügelten Investitionsboom zu bremsen, brach das „Kartenhaus“ zusammen. Viele Banken gingen in Konkurs, weil sie „faule“ Kredite angehäuften hatten. Durch das Misstrauen auf dem Interbankenmarkt kam der Finanzmarkt zum Erliegen. Die japanische Notenbank hob den Zins zwischen 1989–1991 um 350 Basispunkte (= 3,5 Prozentpunkte) an, weil sie einen Anstieg der Inflation befürchtete. Ein Kursrutsch an dem Aktien- und Immobilienmarkt war die Folge. Die Bank of Japan unterstützte lediglich einige kleinere Banken und vermied es, „faule“ Kredite aufzukaufen. Die Banken blieben somit auf ihren Problemkrediten sitzen. Kreditabschreibungen führten zu einem Rückgang ihres Eigenkapitals und verminderten den Spielraum für die Vergabe neuer Kredite. Jeder Yen, der abgeschrieben werden musste, verringerte den Kreditspielraum um ein Mehrfaches. Das führte in der Folge dazu, dass die Wirtschaftstätigkeiten immer weiter zum Erliegen kamen. Der Kreditmarkt, Triebfeder des Wirtschaftskreislaufs, hörte praktisch auf zu existieren. Erst 1991, als sich die Krise der japanischen Ökonomie weiter zuspitzte, senkte die Notenbank den Leitzins Schritt für Schritt auf Null Prozent. Diese Politik kam zu spät und konnte den Wirtschaftskreislauf nicht neu beleben. Erst 1998 gründete die japanische Regierung einen Rettungsfonds, der von den Banken „faule“ Kredite aufkaufte. Für diesen Fonds und weitere Maßnahmen zur Stärkung des Bankeneigenkapitals wurden in der Folge rund 350 Milliarden Euro ausgegeben. Erst 2003 kam es zu einer Stabilisierung am Immobilienmarkt. Bis 2002 hat die Krise in Japan nach Schätzungen rund 25 % des BIP gekostet. Sieben Banken wurden verstaatlicht, 61 Finanzinstitute wurden geschlossen, 28 Banken fusionierten. Ökonomen sprechen von einem „verlorenen Jahrzehnt“. Warum hat die Geldpolitik nicht gewirkt? Die Situation in Japan in den 90er Jahren gilt neben der Weltwirtschaftskrise 1929 als Beleg für die durch Keynes eingeführte Liquiditätsfalle. Dieser Begriff bezeichnet einen Zustand, in dem die Geldnachfrage aufgrund des Spekulationsmotivs unendlich zinselastisch ist. Die Wirtschaftssubjekte schätzen den Zins so niedrig ein, dass hohe Kursverluste bei festverzinslichen Wertpapieren zu befürchten sind. Folglich ziehen sie die Geldhaltung vor. Fällt der Zins weiter, wird die Geldhaltung noch weiter steigen, bis im Extremfall keine Wertpapiere mehr gehalten werden (Abb. 14.2). Die Wirtschaftssubjekte rechnen damit, dass die Zinsen demnächst steigen und somit die Kurswerte fallen. Ihre Spekulationskasse ist „prall gefüllt“. Normalerweise sinkt der Zinssatz bei Ausweitung des Geldangebots durch die Zentralbank (z. B. durch Ankauf von Wertpapieren) und regt die zinsabhängige Investitionsgüternachfrage an. In der Liquiditätsfalle ist jedoch kein Vertrauen der Investoren in die Wirtschaft gegeben, so dass selbst bei einem Zinssatz von nahe Null keine zusätzlichen Investitionen stattfinden. Die Geldpolitik der Notenbank hat keine Auswirkungen auf den Output. Die Unternehmen investieren und die Verbraucher konsumieren nicht. Die Wachstumsrate des BIP und das Preisniveau sinken. Fällt die Inflationsrate unter null und verharrt dort, herrscht Deflation. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 468 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU468 Andere Autoren verweisen darauf, dass die japanische Wirtschaft nicht in einer normalen, d. h. zyklischen Rezession, sondern in einer Bilanz Rezession gesteckt hat. Diese liegt vor, wenn beispielsweise eine Vermögensblase geplatzt ist und große Vermögenswerte „praktisch über Nacht“ vernichtet werden. In diesem Fall kann die Wirtschaft nicht mit niedrigen Zinsen wieder zum Leben erweckt werden, da Unternehmen und Konsumenten überschuldet sind und versuchen, ihre Schulden zurückzuführen. Der Entschuldungsprozess kann auf verschiedenen Wegen erfolgen •• durch Einsammeln von neuem Eigenkapital, um so die Eigenkapital-Schulden- Relation zu verbessern, •• durch den Verkauf von Vermögensaktiva und Nutzung der Einnahmen zur Schuldentilgung oder •• durch Sparen, d. h. durch den Versuch, nicht das gesamte laufende Einkommen auszugeben. Das Problem besteht darin, dass dieser Entschuldungsprozess für einige Akteure funktionieren kann, nicht jedoch, wenn das Bankensystem oder der private Sektor insgesamt diese Strategie verfolgen. Es kommt dann zur Verschärfung der Situation und zum Gegenteil dessen, was ursprünglich angedacht war. Versuchen beispielsweise im Finanzsektor mehrere illiquide Banken, sich mit Notverkäufen von denselben Wertpapieren oder Aktien zu entschulden, dann werden die Preise dieser Aktiva stark fallen und die Erträge aus den Verkäufen so niedrig ausfallen, dass im Endeffekt eine Verschlechterung der Eigenkapital-Schulden-Relation droht. Zudem müssen alle anderen Finanzinstitute ebenfalls ihre Vermögensaktiva zu den erzielten niedrigeren Preisen neu bewerten, was auch ihr Eigenkapital in den Bilanzen schmelzen lässt. Ebenfalls der Versuch, durch eine restriktivere Kreditvergabe die Eigenkapitalquote zu erhöhen, führt nicht zum Erfolg, da der Wirtschaft die Finanzierungsmittel für Investitionen und Konsum fehlen. Der Wirtschaftsabschwung wird verlängert. Weitere Kreditausfälle und Abschreibungen drohen. Wenn die Geldpolitik wirkungslos ist Geldmenge Zins i Transaktionskasse Liegt der Nominalzins bei Null befindet sich die Ökonomie in der Liquiditätsfalle. Alle Wirtschaftssubjekte sind indifferent zwischen Geldnachfrage und Wertpapiernachfrage. Geldnachfrage Geldangebot Abb. 14.2: Geldpolitik in der Liquiditätsfalle Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 469 Kapitel 14: Finanzkrise, Rettungspakete und Geldpolitik 469 Ähnlich verhält es sich im nicht-finanziellen Sektor. Wenn eine große Zahl an Unternehmen gleichzeitig versucht, weniger auszugeben und Kosten zu senken, können in der Folge die Einnahmen sinken. Dies reduziert die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Schulden zu bedienen. Der zunehmende Druck auf die Güterpreise kann sogar zu einer Schuldendeflation führen. Für die privaten Haushalte ergibt sich ein vergleichbares Bild. Wenn sie z. B. mit steigenden Immobilienpreisen gerechnet und im Vertrauen darauf immer weniger gespart haben, müssen sie nun beim Verfall der Preise zwangsläufig mehr Sparen, wenn sie die Verschuldung zurückfahren wollen. Der dadurch sinkende Konsum wirkt sich negativ auf die Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung aus. In der Bilanzrezession wie auch in der Liquiditätsfalle versagen die Instrumente der Notenbank. Das Marktversagen kann man nur noch mit fiskalpolitischen Mitteln bekämpfen. Schlagwörter •• Nullzinspolitik •• quantitative Lockerung •• Deflation •• managed inflation •• Liquiditätsfalle •• Bilanz-Rezession 14.4 Fallbeispiele zu Kapitel 14 Lösungs- und Bearbeitungshinweise sowie alle Abbildungen dieses Kapitels finden Sie unter: www.vahlen.de Fallbeispiel 14.1: Finanzkrise (+) 1) In einer Zeitungsmeldung können Sie lesen, dass die Immobilienkrise bei Banken zu Schulden- bzw. Liquiditätsproblemen führt. Erläutern Sie diesen Sachverhalt. 2) Erläutern Sie ausgehend von einer Geschäftsbankenbilanz Lösungsvorschläge zur Überwindung der Finanzkrise. Aktiva Passiva 1. Kreditvergabe 1. Einlagen 2. Wertpapiere 2. Schuldverschreibungen 3. Eigenkapital Fallbeispiel 14.2: Unkonventionelle Geldpolitik: Nullzins und quantitative Lockerung (+) 1) Der Taylor Zins ist wie folgt konkretisiert: it = 2 + πt + 0,5 × (πt – 2) + 0,5 × yt Wirtschaftsforschungsinstitute haben für das Jahr 2009 folgende Daten vorgelegt: Wachstumsrate der Geldmenge M3 10 % Inflationsrate 0 % Arbeitslosenquote 10 % Outputlücke (y) – 6 % Haushaltsdefizit in % des BIPnominal – 3 % Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 470 Teil III Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU470 a) Wie hoch wäre der mit der Taylor-Regel vereinbare Leitzins im Jahr 2009? Interpretieren Sie das Ergebnis. b) Nehmen Sie an, die EZB betreibt eine Null-Zins Politik. Wie beurteilen Sie die realwirtschaftlichen Folgen, wenn die Inflationsrate im Jahr 2009 einen Wert von Minus 2 % erreicht? c) Der Ökonom Paul Krugman hat der EZB vorgeschlagen, die Leitzinsen bei Null zu belassen, selbst wenn der Anstieg der Geldmenge zu einer Inflationsrate von 3 % führt. Wie lässt sich diese Auffassung interpretieren? 2) Beschreiben Sie den Hintergrund, die Vorgehensweise und die Probleme einer Geldpolitik der „quantitativen Lockerung“. Fallbeispiel 14.3: Liquiditätsfalle und Versagen der Geldpolitik (++) 1) Die Situation in Japan in den 90er Jahren gilt als Lehrbuchbeispiel für eine Liquiditätsfalle. Was verstehen Sie unter einer Liquiditätsfalle? 2) Die Situation in Japan in den 90er Jahren wird mit einer Bilanz-Rezession beschrieben. a) Was verstehen Sie unter einer Bilanz-Rezession? b) Erläutern Sie, warum eine Geldpolitik in einer Bilanz-Rezession versagen kann. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 471 Teil IV Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Beschäftigung

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References

Zusammenfassung

Makroökonomische Ereignisse

wie die Schuldenkrise, Rezession, Arbeitslosigkeit und Inflation haben nicht nur gesamtwirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch vielfältige Berührungspunkte zum täglichen Leben. Diese Ereignisse sind häufig komplex und für den Einzelnen nicht immer leicht zu durchschauen.

Um Studierende auf die globalen Herausforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt vorzubereiten ist in diesem Lehrbuch explizit auch das Thema der nachhaltigen Entwicklung integriert. Außerdem werden die großen Themen der Makroökonomie teilweise gebündelt behandelt, um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gebieten transparenter zu gestalten. Dies hat für Studierende und Lehrende u.a. den Vorteil, dass eine modulare Verwendung möglich ist. Die Schwerpunkte:

– Drei Ebenen der Makroökonomie (empirisch, theoretisch und wirtschaftspolitisch)

– Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik

– Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU

– Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Beschäftigung

– Außenhandel, Devisenmarkt und offene Volkswirtschaft

– Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie.

Zur Neuauflage

Das Buch wurde vollständig überarbeitet und in eine modulare Struktur überführt, aber die Grundkonzeption des Buches wurde beibehalten. Das Buch ist bewusst als Lernbuch konzipiert, das sich zum Einsatz an Hochschulen und Akademien eignet. Mit der Integration von selbständig zu bearbeitenden Fallbeispielen wird u.a. das Konzept der Bachelor- und Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen berücksichtigt, die stärker als bisher an Praxisbeispielen orientierte Lehr- und Lernformen fördern wollen.

Die Autoren

Prof. Dr. Reiner Clement, Prof. Dr. Wiltrud Terlau, Sankt Augustin/Rheinbach, und Prof. Dr. Manfred Kiy, Köln.

Angewandte Makroökonomie

für Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien.