Content

Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft in:

Reiner Clement, Wiltrud Terlau, Manfred Kiy

Angewandte Makroökonomie, page 193 - 229

Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen

5. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4480-3, ISBN online: 978-3-8006-4389-9, https://doi.org/10.15358/9783800643899_193

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 173 Kapitel 6 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft I G C Inhaltsübersicht 6.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 6.2 Konsumausgaben privater Haushalte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 6.2.1 Absolute und relative Einkommenshypothese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 6.2.2 Erwartungen, Vermögen und Sparen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 6.3 Investitionen privater Unternehmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 6.3.1 Zins und Erwartungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 6.3.2 Tobin-q und Aktienmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 6.4 Einbeziehung des Staates und Multiplikatorprozesse. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 6.4.1 Autonome Staatsausgaben und Staatseinnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 6.4.2 Einkommensabhängige Steuern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 6.5 Fallbeispiele zu Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 174 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik174 Lernzielorientierte Sachverhalte •• Der Gütermarkt erfasst das Angebot und die Nachfrage von Waren und Dienstleistungen. Angebot und Nachfrage werden durch die Entstehung und Verwendung des BIP erfasst. Das Wachstum des BIP im Zeitablauf unterliegt konjunkturellen Schwankungen. Als ursächlich werden die Entwicklungen der Verwendungskomponenten des BIP, also Privater Konsum, Staatsverbrauch, Investitionen und Exporte, angesehen. Die Schwankungen der Komponenten im Konjunkturverlauf sind unterschiedlich. Während der private Konsum und die Staatsnachfrage eher stabilisierend auf den Konjunkturzyklus wirken, zeigen Investitionen und Exporte eher verstärkende Wirkungen. •• Die Aufteilung des verfügbaren Einkommens auf Konsum und Sparen ist eine simultane mikroökonomische Entscheidung. Die gesamtwirtschaftlichen Konsumausgaben sind im Wesentlichen abhängig von Einkommen, Zins und Vermögenswerten. Je nach Gewichtung der Faktoren lassen sich unterschiedliche Konsumfunktionen formulieren. •• Die Investitionsentscheidung der Unternehmen basiert auf mikroökonomischen und betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene wird vor allem die Bedeutung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, des Zinses, der Erwartungen und der Aktienkurse diskutiert. •• Das Gütermarktgleichgewicht beschreibt die Identität von Einkommen und Ausgaben bzw. von Investitionen und Sparen. Die Störung eines Gütermarktgleichgewichts lässt sich im Rahmen der Multiplikatoranalyse beschreiben. Auf diese Weise lassen sich konjunkturelle Auf- und Abschwünge darstellen. •• Der Staat kann das Gütermarktgleichgewicht durch Staatsausgaben, Steuern und monetäre Transfers verändern und eine Wirtschaft stabilisieren. Staatsausgaben-, Steuer- und Transfermultiplikator weisen unterschiedliche Größenordnungen auf. •• Multiplikatoreffekte zeichnen nur ein vereinfachtes Bild der Realität. In der Praxis sind die Effekte keineswegs so groß, wie es einfache Zahlenbeispiele häufig nahe legen. Bei der Beurteilung der multiplikativen Auswirkungen von staatlichen Maßnahmen sind die konjunkturelle Ausgangslage, mögliche Inflationseffekte, die Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte und die Art der Finanzierung der Maßnahmen zu berücksichtigen. 6.1 Einführung Die Schwankungen der einzelnen Nachfragekomponenten und ihre Gewichte im Konjunkturzyklus sind unterschiedlich (Abb. 6.1): •• Ursächlich für die relative Stabilität der Privaten Konsumausgaben sind starre Konsumgewohnheiten oder soziale Sicherungssysteme, die im konjunkturellen Abschwung Einkommensverluste, z. B. durch Arbeitslosigkeit, teilweise abfedern. •• Die relative Stabilität der Staatsnachfrage erklärt sich zum Teil daraus, dass bei den Ausgaben im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung gesetzliche Verpflichtungen bestehen. Im Fall von Finanzierungslücken, die aus geringeren Steuereinnahmen resultieren, können diese durch Kreditaufnahme geschlossen werden. Darüber hinaus glättet der Staat im Rahmen seiner antizyklischen Finanzpolitik seine Ausgaben. Gemäß dieser Vorstellung sollen im Aufschwung Ausgaben zurückgefahren und im Abschwung erhöht werden (deficit spending). Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 175 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 175 •• Die Sachinvestitionen der Unternehmen werden stark von Ertrags- und Gewinnaussichten geprägt, die naturgemäß relativ stark schwanken. •• Schwankungen von Wechselkursen und der Auslandskonjunktur sowie veränderte Nachfragepräferenzen in anderen Ländern führen dazu, dass die Exportnachfrage relativ großen Veränderungen unterworfen ist (vgl. Kap. 21). Für eine detaillierte Analyse ist es wichtig zu wissen, von welchen Komponenten das BIP-Wachstum getragen wird. Dies lässt sich aus den Anteilen der Komponenten am BIP nicht unmittelbar erkennen. Dazu müssen wir die relativen Beiträge der Komponenten am BIP mit ihren Wachstumsraten multiplizieren (Abb. 6.2). Deutlich wird dann, ob das BIP z. B. vom Außenhandel oder vom privaten Konsum getragen wird. Dies liefert wichtige Anhaltspunkte für die Wirtschaftspolitik. Komponente Einflussgrößen (Beispiele) Schwankungen im Konjunkturzyklus Gewicht am BIP (Beispiele) Mrd. € in % Privater Konsum Einkommen, Zins, Vermögen, Sparneigung relativ stabil 1.200 60 Investitionen Erwartungen, Zinsen, Gewinnaussichten instabil 300 15 Staatlicher Konsum Steuereinnahmen, Finanzplanung relativ stabil 400 20 Außenbeitrag Weltkonjunktur, Wechselkurse, nicht-preisliche Faktoren instabil 100 5 Schwankungsintensität einzelner BIP-Komponenten Abb. 6.1: Einflussgrößen und Gewichte von Nachfragekomponenten des BIP BIP-Komponente Absolute Größen, prozentuale Anteile und Wachstumsraten der BIP-Komponenten Wachstumsbeiträge in %, Jahr 2011 (5) = (2) × (3) (1) absolut Mrd. €, Jahr 2010 (2) Anteil in %, Jahr 2010 (3) W-Rate in %, Jahr 2011 (4) Zuwachs Mrd. €, Jahr 2011 Privater Konsum 1.200 60,0 1,0 12 0,60 Staatlicher Konsum 400 20,0 –1,0 –4 –0,20 Investitionen 350 17,5 2,0 7 0,35 Außenbeitrag 50 2,5 10,0 5 0,25 BIP 2.000 100 20 1,00 Wachstumsbeitrag einzelner BIP-Komponenten Abb. 6.2: Wachstumsraten und Wachstumsbeiträge von BIP-Komponenten Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 176 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik176 Wir werden in diesem Kapitel die binnenwirtschaftlichen Komponenten des Gütermarktes betrachten und durch Verhaltenshypothesen konkretisieren. Die Beschränkung auf die binnenwirtschaftlichen Komponenten hat zwei Gründe: •• Zum einen bezieht sich die Nachfrage- und Finanzpolitik (vgl. Kap. 7) primär auf die Steuerung der binnenwirtschaftlichen Komponenten. Makroökonomische Instrumente sind vor allem die Staatsausgaben, Transfers und Steuern. •• Zum anderen erfordert die Einbeziehung der Exporte und Importe die Berücksichtigung von Wechselkurssystemen sowie von Mechanismen der internationalen Konjunkturübertragung. Wir werden diese Gesichtspunkte detailliert in Teil V betrachten. 6.2 Konsumausgaben privater Haushalte Die Konsumforschung geht davon aus, dass der gesamtwirtschaftliche Konsum im Wesentlichen eine Funktion des Einkommens, der Erwartungen, des Sparverhaltens und des Vermögensbestandes ist (Abb. 6.3). Umstritten zwischen Denkschulen ist die relative Bedeutung dieser Konsumdeterminanten. Die Gewichtung der Einflussfaktoren ist nicht nur von theoretischem Interesse. Sie ist aufgrund der unterstellten Verhaltensweisen der Konsumenten z. B. mitverantwortlich dafür, ob und in welchem Maße Steuersenkungen von den privaten Haushalten zum Konsum genutzt werden und dadurch die Konjunktur angeregt wird. Die Gewichtung der Einflussfaktoren zeigt sich in Form von Konsumfunktionen, die nachfolgend näher betrachtet werden. 6.2.1 Absolute und relative Einkommenshypothese Die absolute Einkommenshypothese haben wir bereits kennen gelernt (Kap. 3). Sie geht auf Arbeiten von John Maynard Keynes zurück. Als relevante Einkommensgrößen können das Volkseinkommen (Y) oder das verfügbare Einkommen der pivaten Haushalte (Yv) betrachtet werden: Einflussgrößen der Privaten Konsumausgaben Gegenwärtiges Einkommen Vermögen SparverhaltenErwartungen Einkommen mehrerer Perioden Absolute Einkommenshypothese Relative Einkommenshypothese Permanente Einkommenshypothese Lebenszyklushypothese kurzfristig langfristig Abb. 6.3: Bestimmungsgründe der Konsumausgaben privater Haushalte Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 177 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 177 C = Caut + c × Y (bzw. Yv) Die Hypothese unterstellt, dass die privaten Haushalte im Fall eines Einkommensrückgangs unmittelbar ihre Konsumausgaben senken. Reagieren die Unternehmen auf die reduzierte Konsumnachfrage mit einer Senkung ihrer Produktion, so führt dies zu einem weiteren Rückgang des Einkommens mit weiteren negativen Auswirkungen auf die Konsumnachfrage. Dieser Prozess kann sich – z. B. im Fall fehlender staatlicher Gegenmaßnahmen – fortsetzen und einen lang anhaltenden Abwärtstrend einleiten, der sich nur sukzessive abschwächt. In empirischen Analysen richtet sich das Interesse auf die zeitliche Stabilität der marginalen Konsumquote (c). Studien zeigen, dass die marginale Konsumquote im Vorfeld von konjunkturellen Abschwüngen geringer ausfällt als im längerfristigen Trend. Im umgekehrten Fall ist die marginale Sparquote höher. Vor und während konjunktureller Abschwünge halten sich die privaten Haushalte offenbar mit ihren Konsumausgaben zurück. Eine weitere Annahme der Hypothese ist, dass private Haushalte mit höherem Einkommen einen größeren Teil ihres Einkommens sparen, d. h. die durchschnittliche Konsumquote (C/Yv) sinkt und die durchschnittliche Sparquote (S/Yv) steigt. Dies macht es erforderlich, dass zur Erreichung eines Gleichgewichts auf dem Gütermarkt die Investitionen entsprechend zunehmen (S = I). Wäre dies nicht der Fall, weil es z. B. keine ausreichend profitablen Investitionsprojekte gibt, droht eine säkulare Stagna tion. Dieser Begriff bezeichnet eine chronische Unternachfrage nach Gütern, die zum einem Überhang des Sparens im Vergleich zu den Investitionen führt (S > I). Probleme können nur dann vermieden werden, wenn das Nachfragedefizit durch den Staat oder das Ausland ausgeglichen wird. Langzeituntersuchungen zeigen, dass zwar die kurzfristige marginale Konsumneigung sinkt, der Durchschnittskonsum vieler Volkswirtschaften jedoch relativ stabil ist und nicht systematisch mit steigendem Einkommen fällt (Abb. 6.4). Dieses in der Makro- ökonomie unter dem Begriff Konsumrätsel diskutierte Phänomen spricht dafür, dass nicht nur das laufende Einkommen, sondern auch zusätzliche Variable zur Erklärung Y C Die langfristige Konsumfunktion (konstante Konsumneigung C/Y) Die kurzfristige Konsumfunktion (fallende Konsumneigung C/Y) Unterschied zwischen lang- und kurzfristigem Konsum A B C D Konsumrätsel: Eine Erhöhung des Einkommens um AB erhöht kurzfristig den Konsum um BC aber langfristig um BD. Abb. 6.4: Konsumrätsel Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 178 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik178 der Konsumnachfrage herangezogen werden müssen (z. B. Einkommensentwicklung, Konsumgewohnheiten, Sparverhalten, Erwartungen der Wirtschaftssubjekte). Relative Einkommenshypothese Einen Ansatz zur Lösung des Konsumrätsels ist die relative Einkommenshypothese von James S. Duesenberry aus dem Jahre 1949. Die Hypothese unterstellt, dass ein Haushalt den höchstmöglich realisierbaren Lebensstandard anstrebt und diesen beibehalten will. Der Konsum hängt nicht nur von der absoluten Höhe des Einkommens ab, sondern von der relativen Stellung in der gesellschaftlichen Einkommenspyramide. Die obere Grenze einer sozialen Schicht, der sich ein privater Haushalt zugehörig fühlt, wird durch das höchste Vergangenheitseinkommen (Ymax) bestimmt: •• Steigt das aktuelle Einkommen über diesen Wert hinaus, brauchen die Wirtschaftssubjekte Zeit, um sich auf diese neue Einkommenssituation einzustellen. Die durchschnittliche Konsumquote wird zunächst sinken, da der Konsum hinter der Einkommensentwicklung zurückbleibt. •• Sinkt das Einkommen, beeinflusst die Relation zwischen aktuellem und bisher höchstem Einkommen die Höhe des Konsums. Die Haushalte werden nicht unmittelbar mit einer Reduktion ihrer Konsumausgaben reagieren (Sperrklinkeneffekt, ratchet effect), sondern weniger sparen. Sie haben sich an gewisse Konsumstandards der Vorperioden gewöhnt (habit persistance) und werden das Verhältnis zwischen Konsum und Einkommen kurzfristig erhöhen, so dass die durchschnittliche Konsumquote zunimmt. Es gibt damit Einkommenshöhen, bei denen der Haushalt in einen höheren oder niedrigeren Konsum wechselt. Diese Punkte können als Einklinkpunkte für ein neues Konsumniveau, bzw. als Ausklinkpunkte aus einem bisherigen Konsumniveau betrachtet werden. Längerfristig bleibt die durchschnittliche Konsumquote weitgehend konstant, da sich der Konsum der Einkommensentwicklung anpasst (Abb. 6.5). Formal gilt: Y C CH langfristig CH kurzfristig Sperrklinkeneffekt Y0 Y1Y2 A B C D E • Steigt das Einkommen im Aufschwung von Y0 auf Y1 , verharrt der Konsum in Punkt B. Bleibt das Einkommen auf dem Niveau Y1 , verschiebt sich der kurzfristige Konsum nach oben, so dass in Punkt C kurz- und langfristiger Konsum zusammenfallen. • Sinkt das Einkommen im Abschwung von Y0 auf Y2 , verharrt der Konsum in Punkt D. Die Haushalte senken ihren Konsum (noch) nicht auf das langfristige Niveau E ab. (Sperrklinke) Bedeutung von Konsumstandards Abb. 6.5: Relative Einkommenshypothese Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 179 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 179 max t t t Y C a Y b Y Y = × − × × Schlagwörter •• Konsumfunktion •• absolute Einkommenshypothese •• relative Einkommenshypothese •• Konsumrätsel •• säkulare Stagnation •• Sperrklinkeneffekt •• habit-persistance 6.2.2 Erwartungen, Vermögen und Sparen Ab Mitte der 50er Jahre arbeiteten zwei Ökonomen unabhängig voneinander an Erklärungsansätzen des Konsumrätsels, die u. a. die Rolle von Erwartungen und Sparentscheidungen für den Konsum berücksichtigen. Milton Friedman (Nobelpreis 1976) nannte seinen Ansatz Permanente Einkommenshypothese, um zu betonen, dass auch Erwartungen und nur dauerhafte Veränderungen des Einkommens eine Rolle spielen. Franco Modigliani wählte die Bezeichnung Lebenszyklus Hypothese des Konsums, die deutlich machen sollte, dass die gesamte Lebensdauer als Planungshorizont bei Konsumentscheidungen von Bedeutung ist. Er erhielt 1985 den Nobelpreis „für seine bahnbrechende Analyse über das Sparverhalten der Finanzmärkte“. Permanente Einkommenshypothese Die permanente Einkommenshypothese geht davon aus, dass die Wirtschaftssubjekte ihr Konsumverhalten nicht auf das laufende Einkommen, sondern auf längerfristig erhaltene bzw. erwartete Einkommensströme (Yp) beziehen. Angenommen wird die formale Beziehung: C = c × Yp. Die permanente Einkommenshypothese beruht auf folgenden Annahmen: •• Trennung des permanenten Einkommens in einen dauerhaften und in einen vorübergehenden Teil: Der permanente Teil ist jener Teil, von dem erwartet wird, dass er auch in Zukunft regelmäßig fließen wird, z. B. das Gehalt einer sicheren Beschäftigung. Ein vorübergehendes Einkommen resultiert z. B. aus Überstunden, die nicht regelmäßig anfallen. •• Der Konsum hängt vorrangig vom permanenten Einkommen ab. Vorübergehende Einkommen dienen der Konsumglättung und werden vorwiegend gespart. •• Die Höhe des als permanent bzw. dauerhaft eingestuften Einkommens ist u. a. von den Erwartungen der Konsumenten abhängig. Haben sie positive Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung, werden sie einen größeren Teil des Einkommens als dauerhaft empfinden und ihre Konsumausgaben steigern. Analoge Reaktionen werden mit umgekehrtem Vorzeichen bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Erwartungen eintreten. •• Das Einkommen wird umfassender interpretiert und enthält z. B. auch Zinszahlun gen aus Vermögenswerten. Betrachten wir dazu ein Beispiel: In Periode t0 erfolgt eine Einkommenserhöhung von 10.000 € auf 15.000 €, wovon 50 % zunächst als permanent und 50 % als vorübergehend betrachtet werden (Abb. 6.6). Liegt die marginale Konsumquote für die vorübergehende Einkommenserhöhung bei 0,4, steigt der Konsum in Periode t1 um 2.000 € (2.000/5.000 = 0,4). Wird die Einkommenssteigerung in Periode t2 hingegen vollständig als dauerhaft betrachtet, steigt das per- Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 180 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik180 manente Einkommen auf 15.000 € und der Konsum auf 12.000 €. Das Niveau entspricht der langfristigen marginalen Konsumquote von 0,8 (4.000/5.000 = 0,8). Lebenszyklushypothese Im Gegensatz zur permanenten Einkommenshypothese berücksichtigt die Lebenszyklushypothese von Franco Modigliani stärker die Rolle des Vermögens. Kernaussage der Hypothese ist, dass viele Menschen in ihrem Leben ein konstantes Konsumniveau anstreben. Bei steigendem Einkommen sparen sie vermehrt, um in Zeiten mit geringerem Einkommen (z. B. nach dem Berufsleben) in gewohnter Weise konsumieren zu können. Daraus zog er den Schluss, dass der Konsum in einer Gesellschaft in dem Maße steigt, wie die Menschen für die gesamte Länge ihres Lebens ein höheres Einkommen erwarten. Mit dieser These kann erklärt werden, dass der Konsum bei steigenden Einkommen in einer Volkswirtschaft nicht zurückgeht und sich keine Stagnation und Sättigung bemerkbar macht. Im Kern ist die Hypothese nicht nur eine Erklärung des Konsums, sondern auch eine Erklärung des Sparens. Die These geht u. a. davon aus, dass die Menschen während des Arbeitslebens für den Ruhestand sparen, d. h. Vermögen bilden, und nach dem Renteneintritt entsparen (Abb. 6.7). Der Konsum wird dadurch geglättet und verläuft während der Lebenszeit auf einem konstanten Niveau. In dieser Sicht ist die Lebenszyklushypothese u. a. mit folgenden Gegenargumenten konfrontiert worden: •• Das Einkommen verändert sich im Zeitablauf. Der Konsumbedarf wird z. B. durch Kinder verändert. •• Ältere Menschen konsumieren in der Regel nicht ihre gesamten Ersparnisse während des Lebens. Oft besteht der Wunsch, Kindern oder Enkeln ein Erbe zu hinterlassen. •• In der Praxis zeigen sich auch im Alter positive Sparquoten, d. h. ein Entsparen ist bei älteren Generationen nicht zu beobachten. Ausschlaggebend sind u. a. eine längere Lebenserwartung und die Unsicherheit über die Alterssicherung. Y Yp C = 0,8 Yp marginale Konsumquoten t0 10.000 10.000 8.000 t1 15.000 12.500 10.000 2.000 / 5.000 = 0,4 t2 15.000 15.000 12.000 4.000 / 5.000 = 0,8 • Kurzfristige marginale Konsumquote: BC/AB (0,4) • Langfristige marginale Konsumquote: BD/AB (0,8) Y (in Tsd.) C LangfristigeKonsumfunktion Kurzfristige Konsumfunktion 10 15 (in Tsd.) A B C D 8 12 10 Nur dauerhafte Veränderungen des Einkommens erhöhen langfristig den Konsum. Vorübergehende Einkommens- änderungen dienen vorrangig der Konsumglättung. Bedeutung dauerhafter und vorübergehender Einkommensänderungen Abb. 6.6: Permanente Einkommenshypothese Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 181 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 181 In der Praxis sind langfristige Berechnungen des Konsumverhaltens kompliziert. So müssen wir z. B. Annahmen über die Steigerung des jährlichen Einkommens, seine Besteuerung und die Verzinsung der Ersparnisse treffen. Ist der Realzins positiv, führt eine Einschränkung des aktuellen Konsums zu einem zukünftig höheren Konsum. Je höher der Realzins ist, desto größer sind die Anreiz zur Ersparnisbildung. Zu klären bleibt schließlich die Bildung anderer Vermögenswerte (z. B. Aktien, Immobilien) oder für Frauen der Tatbestand, dass sie im Fall der Kindererziehung ihre Berufstätigkeit unterbrechen. Tendenziell zeigen auf der Lebenszyklushypothese aufbauende Untersuchungen folgende Zusammenhänge: Veränderungen Auswirkungen auf den durchschnittlichen Lebenskonsum Anstieg der Finanz- und Immobilienpreise hoch Absenkung der Einkommen gering Absenkung der Rentenzahlungen gering Zukünftige Besteuerung der Rentenzahlungen gering Das Spar- und Konsumverhalten ist auch von gesellschaftlichen bzw. kulturellen Einflussgrößen bestimmt. So lag die Sparquote in Deutschland in den vergangenen Jahren bei rund 10 % des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte und somit im internationalen Vergleich auf einem relativ hohen Niveau. In den USA lag die Sparquote hingegen in den vergangenen Jahren oft nur zwischen 2 bis 4 %. Trotzdem sind die Zinseinkommen, die aus diesen Ersparnissen erzielt werden, pro Kopf in den USA deutlich höher. Ursächlich dafür ist vor allem die risikofreudigere Form des Sparens in den USA, insbesondere der Erwerb von Aktien durch private Haushalte. In Deutschland dominieren nach wie vor eher risikoärmere Anlageformen (Abb. 6.8). In anderen Modigliani, Franco 1918–2003 (USA) © Nobel Foundation Bedeutung der Lebenszeit für Konsum und Sparen Jahre Konsum Sparen Beispiel: heute: t ; Ruhestand: t + 40; Tod: t + 60 Einkommen pro Jahr: Y = 60.000 € Lebenseinkommen: YL = 40 × 60.000 € = 2.400.000 € Konsum pro Jahr: C = (1/60) × YL = (1/60) × 2.400.000 € = 40.000 € Spartätigkeit: S = 40 × (Y – C) = 40 × 20.000 € = 800.000 € Vermögen = 800.000 Entsparen € Y = 60.000 C = 40.000 t + 40 t + 60t Abb. 6.7: Lebenszyklushypothese Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 182 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik182 Ländern, z. B. Japan, reflektiert die relativ hohe Ersparnisbildung auch die engen Kre ditbeschränkungen für private Haushalte oder die Vorgabe eines hohen Eigenkapitalanteils durch die Banken (z. B. beim Kauf von Immobilien). Wenn Kreditrationierung besteht, werden die Konsumausgaben eher vom gegenwärtig verfügbaren Einkommen bestimmt. Häufig können viele Menschen keinen Kredit aufnehmen, obwohl sie ein höheres Einkommen in der Zukunft erwarten. Weitere Erklärungsfaktoren für das unterschiedliche Spar- und damit auch für das Konsumverhalten in Volkswirtschaften ist die Ausgestaltung der Sozialversicherungssysteme. Ein umlagefinanziertes Rentenversicherungssystem, bei dem der größte Teil der gegenwärtigen Einnahmen als Transfers zu den Rentnern fließt, kann die Notwendigkeit zur Kapitalbildung für die Alterssicherung reduzieren. Da die Bedeutung der privaten Altersvorsorge aufgrund der demographischen Entwicklung auch in Deutschland größer wird, dürften längerfristige Betrachtungen des Konsumverhaltens zukünftig an Bedeutung gewinnen. Schlagwörter •• Relative Einkommenshypothese •• kurzfristige, langfristige Konsumfunktion •• Permanente Einkommenshypothese •• Lebenszyklushypothese 6.3 Investitionen privater Unternehmen Anlageinvestitionen privater Unternehmen dienen zur langfristigen Nutzung dauerhafter Produktionsmittel. Dazu gehören Ausrüstungsinvestitionen (z. B. technische Anlagen, Maschinen, Fahrzeuge oder Betriebs- und Geschäftsausstattung) und Bauinvestitionen (z. B. Verwaltungsgebäude, Büros). Zumeist werden Anlageinvestitionen unterteilt in Ersatzinvestitionen und Erweiterungsinvestitionen, die der Vergrößerung und Verbesserung des Produktionsapparates dienen. Wir wollen uns nachfolgend auf die Ausrüstungsinvestitionen (im Weiteren vereinfacht „Investitionen“ genannt) Anlageform Beurteilungsformen Sicherheit Rentabilität Liquidität Sparkonto sehr hoch tendenziell steigend (nur hohe Renditen bei längerfristiger Anlage) bis zu 2.000 € monatlich, darüber hinaus mit dreimonatiger Kündigungsfrist Termingeld sehr hoch nach Ablauf der Laufzeit verfügbar (3–12 Monate) Sparbrief sehr hoch sehr gering, da eine vorzeitige Kündigung nicht möglich ist festverzinsliche Wertpapiere sehr hoch hoch, da vor Ablauf ein Verkauf an der Börse möglich ist Aktien gering, da Risiken der Kursentwicklung und des Dividenden- Ausfalls existieren schwankend; ein Verkauf ist jederzeit zum aktuellen Kurs möglich Anlageformen lassen sich nach verschiedenen Kriterien beurteilen Abb. 6.8: Kriterien zur Beurteilung von Sparformen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 183 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 183 konzentrieren. Sie haben eine zentrale Bedeutung für Konjunktur, Beschäftigung und Wachstum. Ziel ist es, den Kapitalstock einer Volkswirtschaft auf ein höheres Niveau zu heben (Kapazitätseffekte) und Kapital zu ersetzen, das durch physische Abnutzung verloren gegangen ist. Davon zu trennen, sind die Einkommenseffekte der Investitionen (Abb. 6.9). Jedoch spielen diese im Kontext der Konjunkturerklärung eine Rolle. Die Schwankungen der Investitionstätigkeit haben produktionstheoretische Hintergründe bzw. beruhen auf dem Unterschied von absoluten und relativen Veränderungen. Nehmen wir an, dass eine zusätzliche private Nachfrage nach PKW (= Konsum) die Erweiterung der Produktionskapazitäten (= Investition) notwendig macht, da die Kapazitäten ausgelastet sind. Diese Erweiterung der Produktionskapazitäten ist wertmäßig höher als die zusätzliche Konsumgüternachfrage. Ursächlich dafür ist die Unteilbarkeit von Produktionsanlagen. Im Beispiel der Abb. 6.10 kann mit einem Kapitalstock (K) von 300 Mio. € im Jahr 2009 eine private PKW-Nachfrage (C) von 100 Mio. € befriedigt werden, d. h. das Verhältnis beträgt 3 zu 1. In jedem Jahr fallen Ersatzinvestitionen (I) von 10 % des Kapitalstocks, d. h. in Höhe von 30 Mio. €, an: (1) I = 0,1 × K Wenn die Konsumnachfrage im Jahr 2010 bei ausgelasteten Kapazitäten um 10 % auf 110 Mio. € wächst, muss der Kapitalstock um 30 Mio. € steigen (Kapazitätseffekt): (2) Kt+1 – Kt = 3 × (Ct – Ct-1) , bezogen auf unser Zahlenbeispiel: 30 = 3 × (110 – 100) Formal läuft diese Betrachtung auf das Akzelerationsprinzip hinaus. Der Akzelerator (lat. Beschleuniger) ist eine Kennziffer, die ausdrückt, in welchem Maße eine Verände rung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zu einem bestimmten Investitionsvolumen führt. Der neue Kapitalstock ergibt sich bezogen auf unser Zahlenbeispiel als: 330 = 300 + 30. Unterschied zwischen Kapazitäts- und Einkommenseffekt Investitionen schaffen neue Kapazitäten (Potenzialwachstum, Angebotsseite) Kapazitätseffekt Zusätzliche Investitionen schaffen Einkommen, die in Nachfrage umgesetzt werden (Potenzialauslastung nimmt zu) Einkommenseffekt • Ein Gleichgewicht zwischen Kapazitäts- und Einkommenseffekt ist zufällig und instabil. • Eine Unterauslastung der Kapazitäten senkt die Investitionsbereitschaft. • Eine Überauslastung der Kapazitäten erhöht die Investitionsbereitschaft. Abb. 6.9: Kapazitäts- und Einkommenseffekte von Investitionen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 184 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik184 Die Bruttoinvestitionen sind somit im Jahr 2010 einmalig auf 60 Mio. €, d. h. um 100 % (!) gewachsen. Nach Anpassung an das neue Niveau im Jahr 2011 fallen die Bruttoinvestitionen hingegen um 27 Mio. € auf 33 Mio. € zurück, d. h. sie sinken um 45 %. Es wird also eine große (prozentuale) Instabilität der Investitionen sichtbar. Die Investitionsentscheidungen von Unternehmen können auf verschiedene Motive zurückgeführt werden (Abb. 6.11). Je nach Zielrichtung lassen sich Rationalisierungs , Erweiterungs oder Modernisierungsmotive unterscheiden, die zum Teil eng miteinander verflochten sind. Eine Erweiterung der Kapazitäten ist nicht zwangsläufig mit der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze verbunden, wenn die Investitionen auch Rationalisierungseffekte mit sich bringen. Sachinvestitionen stehen darüber hinaus immer in Konkurrenz zu alternativen Anlageformen des vorhandenen Kapitals, d. h. zu Finanz oder Portfolioinvestitionen. Statt in die Erweiterung der eigenen Kapazitäten zu investieren, kann beispielsweise der Erwerb von Beteiligungen bereits vorhandener Unternehmen erwogen werden. Gesamtwirtschaftlich entspricht dies einem Vermögenstausch und keiner Investition. Zusammenfassend liefern empirische Untersuchungen zu den Einflussgrößen der Investitionsnachfrage zwar kein eindeutig quantifizierbares Bild, die Wirkungsrichtung der wesentlichen Bestimmungsfaktoren ist jedoch eindeutig. Private Sachinvestitionen steigen, wenn: •• der langfristige (Kapitalmarkt-)Zins sinkt, •• die interne Rendite der Investition steigt, •• die Konsumnachfrage steigt, •• die Absatzerwartungen steigen, •• die Gewinnerwartungen steigen, •• die Arbeitskosten, Steuern oder sonstigen Kosten sinken. Wir werden nachfolgend einige Bestimmungsfaktoren detaillierter betrachten. 30 100 2009 2010 2011 C Investitionen absolut 060 100 –45 Mrd. € 110 Jahr C Kapitalstock Ersatzinvestitionen Zusätzliche Investitionen Investitionen Insgesamt Absolute Veränderung Prozentuale Veränderung 2009 100 300 30 – 30 – – 2010 110 330 30 30 60 +30 +100 2011 110 330 33 – 33 –27 –45 Investitionen in % % Absolute und prozentuale Schwankungen der privaten Investitionen Abb. 6.10: Instabilität von Investitionen und Akzelerationsprinzip Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 185 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 185 Schlagwörter •• Ausrüstungsinvestitionen •• Akzelerationsprinzip •• Akzelerator •• Rationalisierungsinvestitionen •• Erweiterungsinvestitionen •• Modernisierungsinvestitionen •• Finanzinvestitionen •• Portfolioinvestitionen •• Sachinvestitionen 6.3.1 Zins und Erwartungen Die Investitionsentscheidung ist eine einzelwirtschaftliche und zukunftsbezogene Entscheidung. Ein Unternehmen wird den erwarteten Gegenwartswert der Investition mit den Kosten der Investition vergleichen. Übersteigt der Gegenwartswert die Kosten, wird die Investition durchgeführt. Ansonsten würde statt der Sachinvestition z. B. eine Finanzinvestition durchgeführt. Diese Grundidee der Investitionsentscheidung kann anhand verschiedener finanzmathematischer Verfahren präzisiert werden. Wir wählen ein einfaches Beispiel und verfolgen die Investitionsentscheidung Schritt für Schritt. Dazu unterstellen wir, dass der Kreditzins, der bei Aufnahme eines Kredits fällig wird, mit dem Anlagezins, den wir bei einer Finanzinvestition erzielen können, identisch ist. Wir können dann vereinfacht vom Kapitalmarktzins sprechen. Berechnung des Gegenwartswertes einer Investition Nehmen wir an, ein Unternehmen plant im Jahr 2007 eine Anlageinvestition in Höhe von 1 Mio. €. Da die Umsetzung der Investitionsentscheidung eine gewisse Zeit dauert, unterstellen wir, dass die Anlage erst im Jahr 2008 eingesetzt werden kann. Zu berücksichtigen bleibt, dass die Anlage in jedem Jahr einen Teil ihrer Funktionstüchtigkeit einbüßt. Der Verschleißprozess kann sich in einer abnehmenden Leistungsfähigkeit der Anlagen zeigen, was bei ausreichender Nachfrage und unveränderten Absatzpreisen zu sinkenden Erlösen führt. Zudem kann er zu höheren Wartungs- und Reparaturauszahlungen führen. Wir gehen davon aus, dass der Verschleißprozess im Jahr 2009 einsetzt Arten Erweiterung Rationalisierung Modernisierung Einkommen steigt steigt steigt Kapazität Kapitalstockwächst Arbeitsproduktivität steigt Kapitalproduktivität steigt Beschäftigung Größeres Angebotan Arbeitsplätzen Gleiche Zahl bei größerem Output Größeres Angebot an Arbeitsplätzen Ursachen Nachfrage-induziert Kosteninduziert Wettbewerbsinduziert, Staatliche Vorschriften Motive Gewinnsteigerung, Konkurrenzdruck,Anstieg der Nachfrage Ursachen und Motive der privaten Investitionen Abb. 6.11: Investitionsmotive und -formen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 186 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik186 und jährlich 10 % beträgt. Es wird erwartet, dass die erworbene Anlage ab dem Jahr 2008 einen Rückfluss (cash flow) von 450.000 € erwirtschaftet. Dieser Rückfluss muss abdiskontiert werden, da eine Zahlung in der Zukunft einen geringeren Gegenwartswert aufweist als eine identische Zahlung heute. Als Zinssatz wählen wir den Kapitalmarktzins, da der Investor seine Sachinvestition mit einer alternativen Finanzinvestition vergleicht bzw. verzinste Kredite aufnehmen muss. In der Praxis kommt oft noch eine Risikoprämie hinzu, da die erwarteten Erträge nicht mit Sicherheit vorhersagbar sind. Folgende Begriffe sind zu unterscheiden: •• Barwert (Gegenwartswert) ist ein auf den Anfangszeitpunkt abgezinster Ertrag (Einzahlung). •• Ertragswert ist die Summe der abgezinsten Einzahlungen. •• Kapitalwert ist die Summe der abgezinsten Einzahlungen abzüglich der Anschaffungsauszahlungen (Anschaffungskosten der Investition). Wir unterstellen einen Kapitalmarktzins von 5 %. Nun können wir für den Betrachtungshorizont, der hier bis zum Jahr 2010 reichen soll, den Kapitalwert unserer Investitionsentscheidung berechnen. In unserem Beispiel ist dieser Wert positiv, so dass die Investition rentabel ist (Abb. 6.12). Ist der Kapitalwert Null, steht die Investitionsentscheidung auf der Kippe. Die Zinshöhe, für die dieser Fall eintritt, wird als Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals oder als interner Zinsfuß (r) bezeichnet. Wir können sagen, dass ein Investitionsobjekt nur dann durchgeführt wird, wenn der interne Zinssatz (die Rendite) größer ist als der herrschende Kapitalmarktzins (im Beispiel 5 %). Die Investitionsnachfrage hängt positiv vom Gegenwartswert erwarteter zukünftiger Gewinne ab. Diese Investitionsnachfrage ist umso höher, •• je niedriger der Kapitalmarktzins ist (als Kreditzins, da geringere Kosten anfallen; als Anlagezins, da Sachinvestitionen relativ rentabler werden), •• je höher die erwarteten Rückflüsse aus dem Investitionsprojekt sind. –1.000 2007 Barwert 2008 2009 2010 + 450 + 450+ 450 (1/1,05)1 (1/1,05)2 × (1 – 0,1) (1/1,05)3 × (1 – 0,1)2 + 428,57 Barwert + 367,35 Barwert + 314,87 Ertragswert + 1.110,79 Anschaffungsauszahlungen –1.000 Kapitalwert + 110,79 Investitionsprojekt ist vorteilhaft, d.h. • Kapitalwert > 0 • interner Zins > Marktzins Vorteilhaftigkeit eines Investitionsprojektes Abschreibungen Marktzins Abb. 6.12: Kapitalwert eines Investitionsprojektes Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 187 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 187 Zins und makroökonomische Investitionsfunktion Wir können aus den bisherigen Überlegungen schließen, dass Investitionsprojekte dann durchgeführt werden, wenn ihr interner Zins über dem Kapitalmarktzins (i) liegt. Diesen Gedanken können wir jedoch nicht einfach auf die makroökonomische Ebene übertragen. Wenn wir feststellen, dass sich ein Investitionsprojekt rechnet, dann wäre es auf den ersten Blick naheliegend, dieses Investitionsprojekt mehrfach durchzuführen. Die Nachfrage nach Investitionen müsste also sehr hoch sein sowie sich nur ein einziges Projekt als rentabel herausstellt. Diesem Gedanken steht die abnehmende Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals gegenüber: •• Investitionen gleicher Art führen zur Produktion gleichartiger Güter. Das steigende Angebot dieser Güter lässt den Preis fallen, so dass die erwarteten Gewinne sinken. Wenn also ständig mehr Automobilunternehmen entstehen, dann werden auch mehr Autos produziert. Das erhöhte Angebot drückt die Preise, die erwarteten Gewinne sinken. •• Werden mehr Investitionen gleicher Art vorgenommen, dann steigt mit der Nachfrage nach den Investitionsgütern deren Preis. Die Anschaffungskosten der Investitionen würden also zunehmen. •• Mit dem Umfang der Investitionen steigt das Risiko sowohl für den Investor als auch für die Kapitalgeber. Banken werden in der Regel höhere Risikozuschläge verlangen. Die potentiellen Investitionsprojekte einer Volkswirtschaft haben daher in der Regel einen unterschiedlichen internen Zins. Wenn wir diese Projekte nach der Höhe ihres internen Zinses ordnen, können wir das Ausmaß der gesamtwirtschaftlichen Investitionsnachfrage ermitteln. Projekte, deren interner Zins über dem Marktzins liegt, versprechen Gewinn und führen zu einer Nachfrage nach Investitionsgütern (Abb. 6.13). Rentabel sind Projekte, deren interner Zins über dem Marktzins liegt. Das trifft für die Projekte P1, P2 und P3 zu. Eine Senkung des Marktzinses führt dazu, dass auch bisher unrentable Projekte durchgeführt werden. Marktzins (i), interner Zins Investitionen P1 P2 P3 P4 P5 P6 Marktzins interner Zins Durchgeführte Projekte Unrentable Projekte Zusammenhang zwischen Marktzins und interner Rendite eines Investitionsprojektes Abb. 6.13: Marktzins und Investitionstätigkeit Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 188 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik188 Bei der großen Zahl potentieller Investitionsprojekte in einer Volkswirtschaft verschwimmen die Stufen zwischen den einzelnen Projekten und die Treppenkurve der Grenzleistungsfähigkeit wird zu einer glatten Nachfragefunktion nach Investitionen (Abb. 6.14). Im Falle einer linearen Investitionsfunktion könnte der Zusammenhang zwischen Zins und Investitionen wie folgt aussehen: I = Iaut – a × i, z. B.: I = 600 – 2.000 × i Die Größe Iaut stellt alle anderen Einflüsse neben dem Zins dar (z. B. Investitionen, die unabhängig vom Zins aus strategischen Gründen durchgeführt werden). Die Größe a ist die Zinsempfindlichkeit der Investition. Sie ist lageunabhängig und sagt aus, um welchen Betrag sich die Investitionen bei einer Zinsänderung um 1 %-Punkt verändern. Die Reaktion der Investitionsnachfrage auf Zinsänderungen wird durch die Zinselas tizität E(I) gemessen. Sie ist definiert als Verhältnis der relativen Investitionsänderung (DI/I) zur relativen Zinsänderung (Di/i). Betrachten wir ein Zahlenbeispiel mit einem Ausgangswert von i = 0,1 (10 %) und einem Investitionsvolumen von 400 Mrd. € im Jahr 2009. Sie können erkennen, dass die Reaktion der Investitionsnachfrage je nach Zinsempfindlichkeit und Zinselastizität sehr unterschiedlich ausfällt (Tab. 6.1). Der Einfluss von Zinsänderungen ist bei Investitionsvorhaben unterschiedlich. Die Zinselastizität von Investitionen wird abnehmen, wenn der Zins bereits auf ein niedrigeres Niveau gesunken ist. Betrachten wir dazu das Beispiel der Investitionsfunktion: I = 1.000 – 6.000 × i. Bei einem Zinssatz von i = 0,1 (10 %) war die Zinselastizität 1,5. Es lag also eine hohe Zinselastizität vor (elastisches Verhalten). Bei einem Zinssatz von i = 0,06 (6 %) beträgt die Elastizität nur noch 0,5625 (= –(–6.000) × (0,06/640)). Die Zinselastizität deutet auf ein eher unelastisches Verhalten hin. Interessant ist der Fall, wenn der Reaktionskoeffizient a verschwindet oder nahe bei Null liegt. Diese Situation entspricht einer vollkommen zinsunelastischen Investitionsnachfrage. Unternehmen führen trotz Zinssenkungen i I 10% 8% 400 440 I Geringe Zinselastizität Zinselastizität = Null (Investitionsfalle) Reaktion der Investitionsgüternachfrage auf Veränderungen des Zinssatzes in Abhängigkeit von der Zinselastizität i 400 520 I 400 i Hohe Zinselastizität Abb. 6.14: Makroökonomische Investitionsfunktion Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 189 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 189 keine Investitionen durch. Dafür können z. B. pessimistische Absatzerwartungen verantwortlich sein. Diese Situation wird als Investitionsfalle bezeichnet (Abb. 6.14). Erwartungen Empirische Studien zeigen, dass konjunkturelle Schwankungen der Investitionstätigkeit oft mit pessimistischen oder optimistischen Erwartungen der Investoren hinsichtlich des Absatzes der produzierten Güter verbunden sind. Verändert sich die Erwartungshaltung, kommt es zu einer Verlagerung der Investitionsfunktion. Eine Verbesserung der Zukunftserwartungen führt zu einer Rechtsverlagerung der Investitionsfunktion (Abb. 6.15). Waren zuvor zusätzliche Investitionen nur bei sinkenden Zinsen möglich, werden nun selbst bei gleichbleibenden Zinsen zusätzliche Investitionen durchgeführt. Ursächlich können steigende Absatzpreise bzw. -mengen oder sinkende Kosten sein. Auch ein Stimmungswechsel der Unternehmen kann die Investitionsfunktion verschieben. Tab. 6.1: Zinselastizität Investitionsfunktion I = 600 – 2.000 × i I = 1.000 – 6.000 × i I = 400 – 0 × i Investitionen 2009 400 Mrd. € 400 Mrd. € 400 Mrd. € Zinsempfindlichkeit: –dI/di –2.000 –6.000 0 Zinselastizität: E(I)= – dI/di × i/I –(–2.000) × (0,1/400) = 0,5 –(–6.000) × (0,1/400) = 1,5 0 Veränderung der Investitionen bei einer Zinssenkung auf 8 % im Jahr 2010. I = 600 – 2.000 × 0,08 = 440 bzw. dI = 0,5 × 80 = 40 I = 1.000 – 6.000 × 0,08 = 520 bzw. dI = 1,5 × 80 = 120 I = 400 bzw. dI = 0 Investitionen 2010 440 Mrd. € 520 Mrd. € 400 Mrd. € Interpretation geringe Zinselastizität hohe Zinselastizität Investitionsfalle i I 10% 8% 450 460 470 Gewinne erwartet = Erlöse erwartet – Kosten erwartet Absatzpreise × Absatzmengen Löhne, Steuern/Abgaben,Fremdkapitalzinsen Erwartete Gewinne steigen c.p., wenn • Absatzpreise steigen • Absatzmengen steigen • Kosten sinken In diesen Fällen verschiebt sich die Investitionsfunktion nach rechts. Abb. 6.15: Zukunftserwartungen und Investitionsfunktion Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 190 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik190 Nicht hinreichend erforscht ist, wie ein solcher Stimmungswechsel verursacht wird. Angeführt werden exogene Faktoren (z. B. im politischen Umfeld) oder endogene Übertragungsmechanismen zwischen den Wirtschaftssubjekten. Bekannt ist beispielsweise das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prognose, wenn in der Erwartung eines wirtschaftlichen Aufschwungs die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben steigern und die Unternehmen verstärkt investieren. Schlagwörter •• Gegenwartswert •• Ertragswert •• Kapitalwert •• interner Zinsfuß •• Grenzleistungsfähigkeit •• Zinsempfindlichkeit •• Zinselastizität •• Investitionsfalle 6.3.2 Tobin-q und Aktienmarkt Der Nobelpreisträger James Tobin entwickelte zu Beginn der 60er Jahre einen allgemeinen Erklärungsansatz für Investitionen in Sachkapital (Unternehmen, Immobilien). Er erhielt den Nobelpreis „für seine Analyse der Finanzmärkte und deren Auswirkungen auf Ausgabenbeschlüsse und damit auf Beschäftigung, Produktion und Preisentwicklung“. Die Grundidee ist bestechend einfach. Will ein Investor zusätzliches Realkapital (z. B. ein Unternehmen oder eine Immobilie) in sein Portfolio aufnehmen, so kann er einerseits durch Investitionen (durch Neuerrichtung bzw. Neubau) ein neues Kapitalgut erstellen, oder aber ein bereits bestehendes Kapitalgut (Unternehmen oder eine Bestandsimmobilie) kaufen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist nur die erstgenannte Alternative eine Investition und eine Ausweitung des Kapitalstocks. Beim Erwerb aus dem Bestand wechselt hingegen bereits bestehendes Kapital den Eigentümer. Wir wollen die nachfolgende Betrachtung auf Unternehmenswerte beschränken, da Immobilien einige Besonderheiten aufweisen, die sich aus den Eigenschaften dieses Gutes ergeben (Langlebigkeit, relativ geringer Wechsel des Besitzes, Abhängigkeit des Wertes von der Lage). Die Überlegung von Tobin lässt sich durch eine Verhältniszahl ausweisen, die als Tobin q (übersetzt Marktwert-Buchwert-Verhältnis) bekannt ist. Das Tobin-q ist ein Maß für den Investitionsanreiz, denn es spiegelt sowohl die erwartete Rentabilität einer Investition als auch die Kosten der Kreditaufnahme und die Kapitalkosten wider (Abb. 6.16): Marktwert des Sachkapitals      Wiederbeschaffungswert des Sachkapitals q= Der Zähler gibt den Wert des Kapitals wieder, so wie er z. B. auf dem Aktienmarkt eingeschätzt wird. Der Nenner beschreibt, welchen Betrag ein Investor aufwenden müsste, um den Kapitalbestand heute zu kaufen. Für die Investitionsentscheidung gilt die Regel, dass neu produzierte Sachgüter dann nachgefragt werden, wenn Sie weniger kosten als bereits existierende Güter. Nehmen wir an, dass die Investition eines Unternehmens in Höhe von 100 Mio. € den Marktwert auf 120 Mio. € ansteigen lässt. In diesem Fall ist das Tobin-q mit 1,2 größer als Eins. Wenn q größer als 1 ist, bedeutet dies folgendes: •• Die Finanzmärkte schätzen das Gewinnpotential des eingesetzten Kapitals relativ hoch ein. •• Volkswirtschaftlich ist eine Ausweitung der Produktionskapazitäten zu erwarten. •• Einzelwirtschaftlich ist mit einem Markteintritt neuer Unternehmen zu rechnen, da Gewinnaussichten bestehen. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 191 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 191 Liegt das Tobin-q unterhalb von Eins, wäre es z. B. günstiger, Ausrüstungsgüter zum Wiederbeschaffungswert zu verkaufen. Kein Investor wäre zudem bereit, ein „Unternehmen auf der grünen Wiese“ zu gründen. Stattdessen ist es günstiger, existierende Unternehmen zu kaufen oder sich daran zu beteiligen. Tobins Investitionsfunktion und Konjunkturschwankungen Wenn es um die Frage geht, ob sich eine unternehmerische Kapazitätserweiterung lohnt, muss eine Grenzbetrachtung angestellt werden. Es geht also formal nicht um ein durchschnittliches Tobin-q, sondern um das marginale Tobin q. Sind die zusätzlichen Erträge einer Einheit des neuen Kapitals (Grenzproduktivität des Kapitals, (GPK)) gleich dem Preis des Investitionsgutes (pK), dann gilt für das Tobin-q: Marktwert einer zusätzlichen Einheit des Sachkapitals     Wiederbeschaffungswert einer zusätzlichen Einheit des Sachkapitals q= + =  / (1 )     K GPK r p Ein Unternehmen wird solange investieren, wie die zukünftigen Erträge die Investitionskosten übersteigen: GPK / (1 + r) > pK . Zur Erklärung konjunktureller Schwankungen nehmen wir an, es kommt zu einem deutlichen Anstieg der Kurse börsennotierter Unternehmen. Folge ist ein Anstieg des Tobin-q von Punkt A nach B (Abb. 6.17), der bei konstanten Zinsen und Kapitalkosten zunächst einen Anreiz zur Erweiterung des Kapitalstocks setzt. Die Investitionen führen zu einem zeitlich versetzten Kapitalaufbau von (I/K)0 auf (I/K)1 und zu einer Steigerung der Investitionsquote. Mit steigendem Kapitalstock geht das Tobin-q zurück (Punkt C). Bei einer zu hohen Investitionsquote kann das Tobin-q sogar unter 1 sinken (Punkt D) bis wieder der Ausgangspunkt erreicht ist (Punkt A). Tobin q I (q) Neue Unternehmen werden in den Markteintreten, die volkswirtschaftlichen Kapazitäten wachsen Keine Neugründungen, vor allem Kauf bestehender Unternehmen > 1 < 1 1 Tobin, James 1918–2001 (USA) © Nobel Foundation Zusätzliche Investitionen tätigen oder bestehende Unternehmen kaufen ? Abb. 6.16: Tobin-q Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 192 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik192 Analysen kommen zu prozyklischen Zusammenhängen zwischen der Entwicklung des Tobin-q und der Investitionstätigkeit. Das Tobin-q läuft der Investitionsentwicklung in der Regel mit geringer Zeitverzögerung voraus und wird durch ähnliche Faktoren beeinflusst (Tab. 6.2). Beispielsweise reagieren beide Größen auf eine erwartete Veränderung von Gewinnen und Zinssätzen. Es ist daher nahe liegend, dass das Tobin-q auch im Rahmen der Übertragung der Geldpolitik auf reale Größen eine Rolle spielt (vgl. dazu Kap. 13). Schlagwörter •• Aktienmarkt •• Tobin-q •• Grenzproduktivität des Kapitals Gegenwartswert, GPK q = 1 q > 1 GPK0 Investitionsquote(I/K)0 (I/K)1 GPK1 A B C D Tobin q im Konjunkturzyklus Abb. 6.17: Tobin-q und Konjunkturzyklus Tab. 6.2: Einflussgrößen des Tobin-q Einflussgrößen Tobin-q und Investitionen Begründung Zinsrückgang Steigen Der Marktwert steigt, da die zukünftigen Gewinne mit einem geringeren Faktor abdiskontiert werden müssen. steigende Aktienkurse Steigen Der Marktwert des Unternehmens steigt in Relation zu den Wiederbeschaffungskosten. Senkung der Körperschaftsteuer Steigen Höhere erwartete Gewinne für die Kapitaleigentümer. Produktivitätsanstieg Steigen Höhere zukünftige Einkommen erhöhen den Marktwert. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 193 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 193 6.4 Einbeziehung des Staates und Multiplikatorprozesse Staatliche Aktivitäten beeinflussen in vielfältiger Weise die ökonomischen Entscheidungen der privaten Haushalte bzw. Unternehmen und nachfolgend die konjunkturelle Entwicklung. Dazu zählen z. B. die Erhebung von Steuern und Sozialbeiträgen, die Zahlung von Subventionen an Unternehmen und Transfers an private Haushalte sowie der staatliche Kauf von Gütern. Um die Darstellung einfach zu halten, werden nachfolgend nur ausgewählte staatliche Aktivitäten berücksichtigt. Wir unterstellen für unsere Modellvolkswirtschaft, dass folgende Größen autonom gegeben sind: •• private Investitionen (Iaut), •• staatliche Ausgaben für die Produktion öffentlicher Güter (Gaut), •• staatliche Transfers an die privaten Haushalte (Traut), •• staatliche Finanzierung der Ausgaben durch einkommensunabhängige (autonome) Steuern (Taut), die ausschließlich bei den privaten Haushalten erhoben werden. Zur Beschreibung des Konsums der privaten Haushalte wählen wir die absolute Ein kommenshypothese: Caut + c × Yv. Das Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte unter Berücksichtigung von Transfers und Steuern ergibt sich als: Yv = Y + Traut – Taut . Die Differenz aus Staatsausgaben und Staatseinnahmen ergibt das staatliche Budgetsal do oder die negative bzw. positive staatliche Ersparnis. Wir betrachten dazu nachfolgend ein algebraisches Beispiel einer geschlossenen Volkswirtschaft (ohne Ausland). Gegeben sind folgende Größen (in Mrd. €): •• autonome private Konsumausgaben Caut = 20 •• autonome private Investitionen Iaut = 300 •• staatliche Ausgaben für öffentliche Güter Gaut = 300 •• autonome Transfers Traut = 200 •• autonome Steuern Taut = 400 •• marginale Konsumquote c = 0,8 Die Verwendung des BIP erhält man somit als: Y = 20 + 0,8 × (Y + 200 – 400) + 300 + 300 Das Gleichgewichtseinkommen der Volkswirtschaft ergibt sich als: 1 0,8 Y = (20 300 300) (200 400) 5 620 4 ( 200) 2.300 Mrd. € 1 0,8 1 0,8 × + + + × − = × + × − = − − Die Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt ergibt sich durch die Identität von Investitionen und Ersparnissen (I = S): SH = –Caut + s × Yv = – Caut + s × (Y + Traut – Taut) = –20 + 0,2 × (2.300 + 200 – 400) = 400 Mrd. € Zu berücksichtigen bleibt die staatliche Ersparnis als Differenz zwischen Steuereinnahmen und Staatsausgaben. Im vorliegenden Fall: SSt = Taut – (Traut + Gaut) = 400 – (200 + 300) = –100 Mrd. € Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis beläuft sich auf 300 Mrd. € und entspricht den Investitionsausgaben. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 194 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik194 6.4.1 Autonome Staatsausgaben und Staatseinnahmen Wir wollen nun das Gleichgewicht „stören“ und Anpassungsprozesse betrachten. Angenommen sei, dass der Staat seine Ausgaben gegenüber der Ausgangsperiode dauerhaft um 50 Mrd. € auf 350 Mrd. € erhöht, d. h. DG = 50 Mrd. €. Die Auswirkungen auf das BIP (Y) lassen sich ermitteln, indem wir die zusätzlichen Investitionen zum Ausgangswert hinzuaddieren (Abb. 6.18): = × + + + + × − − − = × + × − = 1 0,8 (20 300 300 ) (200 400) 1 0,8 1 0,8 5 670 4 ( 200) 2.550 Mrd. € Y 50 Das BIP hat sich gegenüber dem Ausgangsgleichgewicht um 250 Mrd. € erhöht. Auch bei diesem neuen Gleichgewichtseinkommen entsprechen die privaten Investitionen (300 Mrd. €) dem gesamten Sparen (SH+SST). Die private und staatliche Ersparnis betragen: SH = –20 + 0,2 × (2.550 + 200 – 400) = 450 Mrd. € SSt = 400 – (200 + 300 + 50) = –150 Mrd. € Sie werden sich fragen, warum das BIP um 250 Mrd. € gewachsen ist, obwohl sich die Investitionen nur um 50 Mrd. € erhöht haben. Diese Frage wird im Rahmen der Multiplikatoranalyse beantwortet (Box 6.1). Box 6.1: Prinzip der Multiplikatoranalyse (1) Y = Caut + c × (Y + Traut – Taut) + Iaut + Gaut, aufgelöst nach Y (2) = × + + + × − − −aut aut aut aut aut 1 c Y (C I G ) (Tr T ) 1 c 1 c Verändert man die Staatsausgaben um ∆G, so ergibt sich: (3) ∆Y = 1/(1 – c) × ∆G Hintergrund: Die Größe 1/(1–c) wird als Multiplikator bezeichnet. Dieser Faktor gibt an, in welchem Umfang sich ein ursprünglicher wirtschaftlicher Impuls (unabhängige Vari able) auf eine zu erklärende Größe (abhängige Variable) auswirkt. Der Multiplikator in unserem Beispiel beträgt 5. Da wir die Staatsausgaben verändern, können wir vom Staatsausgabenmultiplikator sprechen: 250 = 1/(1 – 0,8) × 50. Würden wir hingegen die privaten Investitionen verändern, sprechen wir vom Investiti onsmultiplikator. Der Multiplikator gibt an, um welchen Faktor sich das BIP verändert, wenn die autonomen Ausgaben um eine bestimmte Größenordnung variieren. Der Multiplikator ist umso höher, je größer die marginale Konsumneigung (c) und/oder je größer die Veränderung der autonomen Nachfragegröße (Primäreffekt) ist. Multiplikator- versus Strohfeuereffekte Zur ökonomischen Interpretation lässt sich das oben genannte Beispiel in eine tabellarische Form bringen. Die zusätzlichen Investitionen lassen das BIP in Periode 1 um den gleichen Betrag (50 Mrd. €) steigen. Zusätzliche Aufträge in der Investitionsgüterindustrie versprechen höhere Gewinne und lassen in der Folge zusätzliche Einkommen der Beschäftigten und gegebenenfalls die Neueinstellung von Arbeitskräften zu. Da die Investitionen erst umgesetzt werden müssen, reagiert das Konsumverhalten der Privaten Haushalte auf den Einkommensanstieg annahmegemäß mit einer Zeitverzö gerung (Yvt-1) von einer Periode. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 195 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 195 Die Erhöhung der Umsätze führt in der Konsumgüterindustrie zu steigender Produktion, zu steigenden Einkommen und gegebenenfalls zur Neueinstellung von Arbeitskräften. Die Sequenz aus Steigerung von Produktion, Einkommen und Nachfrage läuft streng genommen „unendlich“ lang, jedoch werden die Wirkungen immer geringer. Insgesamt steigt das BIP gegenüber dem Ausgangsniveau um 250 Mrd. € auf 2.550 Mrd. €. Jahr Y C = 20 + 0,8 × Yvt-1 Iaut Gaut ∆I ∆C ∆Y 0 2.300 – 300 300 – – – 1 2.350 1.700 350 300 50 – 50 2 2.390 1.740 350 300 50 40 90 3 2.322 1.772 350 300 50 32 122 4 2.347,6 1.797,6 350 300 50 25,6 147,6 5 2.368,1 1.818,1 350 300 50 20,5 168,1 ∞ 2.550 1.900 350 300 50 200 250 Ursächlich für die im Zeitablauf geringeren Multiplikatoreffekte ist, dass die marginale Konsumquote kleiner als Eins ist, d. h. die aus der Einkommenserhöhung resultierende Nachfrage ist stets kleiner als die Einkommenserhöhung selbst. Ein Teil der Einkommenserhöhung wird in der Regel gespart und versickert somit im Einkommenskreislauf. Aufgrund der abnehmenden Wirkungen sind daher für konjunkturpolitische Analysen nur die ersten Perioden von Interesse. Bisher wurde unterstellt, dass es sich um dauerhafte Investitionserhöhungen handelt und die Investitionen längerfristig auf einem höheren Niveau verharren. Nachfolgend C, I, G C + I + G C + I + G + ∆G Einkommen = Ausgaben 2.300 2.550 Y 250 = 1/(1 – 0,8) × 50 2.550 2.300 Autonome Investitionen Autonome Staatsausgaben Caut Investitionen und Staatsausgaben sind hier unabhängig vom Einkommen, also autonom. Der Konsum steigt mit dem Einkommen, jedoch unterproportional (c < 1). Gaut Iaut Einkommen-Ausgaben Modell Abb. 6.18: Multiplikatorprozess Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 196 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik196 wird hingegen eine Situation betrachtet, in der die Investitionserhöhung nur einmalig erfolgt und das Investitionsvolumen wieder auf das ursprüngliche Niveau zurückfällt. Die Konsequenzen lassen sich anhand des obigen Fallbeispiels deutlich machen und wiederum in Tabellenform nachvollziehen: Jahr Y C = 20 + 0,8 × Yvt–1 Iaut Gaut ∆I ∆C ∆Y 0 2.300 – 300 300 – – – 1 2.350 1.700 350 300 50 – 50 2 2.340 1.740 300 300 – 40 40 3 2.332 1.732 300 300 – 32 32 4 2.325,6 1.726,6 300 300 – 25,6 25,6 5 2.320,5 1.720,6 300 300 – 20,5 20,5 ∞ 2.300 1.700 300 300 – – – Eine einmalige Investitionserhöhung hat keine langfristigen Auswirkungen auf das BIP bzw. Volkseinkommen. Durch einen einmaligen Investitionsimpuls entstehen zwar in den Folgeperioden positiv induzierte Konsumeffekte, die Effekte werden jedoch immer geringer und die Nachfragegrößen erreichen im Zeitablauf die Ausgangswerte des BIP bzw. des Volkseinkommens. Einmalige Investitionserhöhungen führen nur zu Strohfeuereffekten, die konjunkturell betrachtet keine signifikante Bedeutung haben (Abb. 6.19). ∆ Y 250 200 150 100 50 0 Autonomer Nachfrageimpuls ∆ C ∆ G oder ∆ I ∆ Y 50 40 30 20 10 0 Strohfeuereffekte Multiplikatoreffekte Perioden Perioden 1 2 3 4 5 ∞ 1 2 3 4 5 ∞ Bedeutung einmaliger und dauerhafter Veränderungen Abb. 6.19: Multiplikator- und Strohfeuereffekte Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 197 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 197 Praxisbeispiel zum Multiplikatorprozess Die Multiplikatoranalyse führt oft zu Verständnisproblemen, da nicht unmittelbar deutlich wird, warum das BIP um ein Mehrfaches der Nachfragesteigerung zunimmt. Nehmen wir an, dass der Staat Investitionen tätigt, um einen neuen Flughafen zu bauen (Tab. 6.5). In der Praxis werden derartige Effekte durch Arbeitsstätten-Befragungen und Input- Output-Tabellen erfasst, die die Vorleistungsverflechtungen zwischen den Unternehmen berücksichtigen. Die ermittelten Multiplikatoren schwanken in Untersuchungen zwischen 1,5 bis 2, d. h. zu einem investierten Euro kommen weitere 1,5 bis 2 Euro hinzu, die in der Folge auch zu einer höheren Beschäftigung führen können. Wir gehen hier nicht auf die methodischen Details solcher Berechnungen ein, wollen aber einige grundsätzliche Probleme der Multiplikatoranalyse aufzeigen. Positiv sind zunächst die Investitionen in den Flughafen und gegebenenfalls auch die angrenzende Infrastruktur (z. B. öffentlicher Nahverkehr, Autobahnen) zu beurteilen. Diese Investitionen erstrecken sich über mehrere Jahre und verteilen sich auf verschiedene Größen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die Art der Finanzierung (privat, öffentlich) spielt zumindest für die Größenordnung der Multiplikatoreffekte keine Rolle. Im Kontext der Finanzpolitik ist jedoch zu klären, ob und inwieweit private Nachfrage bei einer Kreditfinanzierung und dadurch ausgelöste Zinserhöhungen verdrängt wird („crowding out“). Über die Richtigkeit dieser Effekte besteht kaum ein Zweifel, aber es sind Einschränkungen zu berücksichtigen (Abb. 6.20): •• Sind die am Ausbau bzw. Neubau eines Flughafens beteiligten Branchen bereits ausgelastet, sind höhere Preise zu erwarten. Die Beurteilung von Multiplikatoreffekten muss also die Auslastung der Kapazitäten und Preiseffekte berücksichtigen. •• Neben dem direkten Effekt des zusätzlichen Konsums kommen indirekte Effekte durch Einkommenszahlungen z. B. an zusätzlich eingestellte Beschäftigte hinzu, die wiederum einen Teil des Einkommens konsumieren. Hier ist zu beachten, dass ein Teil des zusätzlichen Einkommens durch Steuerzahlungen und Abgaben versickert. Darüber hinaus existieren viele Beschäftigungsverhältnisse nur während des Baus. •• Immer dann, wenn ausländische Anbieter an der Auftragsvergabe beteiligt sind, profitieren nicht inländische, sondern ausländische Unternehmen. Auch ein Teil des entstandenen Einkommens versickert durch den Konsum ausländischer Güter. Ziehen wir eine Zwischenbilanz zur Wirksamkeit von Multiplikatoreffekten. Eine dauerhafte Änderung z. B. der Staatsausgaben erhöht das gesamtwirtschaftlichen Einkommen. Dabei nimmt der Zuwachs ab, da die Wirtschaftssubjekte sparen, Steuern abführen und Importe tätigen. Zu berücksichtigen bleiben zudem Kapazitäts- und Tab. 6.5: Praxisbeispiel zum Multiplikatorprozess direkte Effekte Anstoß der ökonomischen Wirkungskette durch ökonomische Aktivitäten auf dem Flughafen indirekte Effekte zusätzliche Produktion, Beschäftigung und Einkommen, resultierend aus der Auftragsvergabe an Zulieferer induzierte Effekte zusätzliche Produktion, Beschäftigung und Einkommen, resultierend aus der • Konsumnachfrage aus dem Erwerbseinkommen der Beschäftigten auf dem Flughafen • Konsumnachfrage aus dem Erwerbseinkommen der Beschäftigten im Umland und der Zulieferer Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 198 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik198 Preiseffekte sowie der Sachverhalt, dass zusätzliche Investitionen finanziert werden müssen. Multiplikatoren anderer staatlicher Aktivitäten Ausgehend von unserer Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt lassen sich die Auswirkungen einer dauerhaften Variation anderer staatlicher Aktivitäten ableiten: ( ) ( ) 1 1aut aut aut aut aut c c Y C I G Tr T c c = × + + + × − − − Transfers an die privaten Haushalte führen zu einer Erhöhung der verfügbaren Einkommen. Der Transferausgabenmultiplikator hat ein positives Vorzeichen, d. h. Erhöhungen von Transferzahlungen erhöhen das Volkseinkommen: 1 1 aut Y Tr c ∆ = ×∆ − Der Steuermultiplikator hat ein negatives Vorzeichen, d. h. Erhöhungen der autonomen Steuern senken das Volkseinkommen und umgekehrt. 1 aut c Y T c ∆ = − ×∆ − Die Berücksichtigung staatlicher Aktivitäten in makroökonomische Modelle hat also sowohl positive als auch negative Effekte auf das gesamtwirtschaftliche Gleichgewichtseinkommen: Staatliche Aktivität ∆Gaut ∆Taut ∆Traut Erhöhung BIP steigt BIP sinkt BIP steigt Senkung BIP sinkt BIP steigt BIP sinkt Auftragsvergabe an Unternehmen Konsumnachfrage aus Einkommen der in den Unternehmen Beschäftigten Anstoßeffekte (Primäreffekte) zusätzliche Produktion zusätzliches Einkommen zusätzlicher Konsum zusätzliche Produktion von Vorleistungen zusätzliches Einkommen zusätzlicher Konsum Produktion, Einkommen, Konsum Multiplikatoreffekte (Sekundäreffekte) Gesamteffekte zusätzliche Beschäftigung Einschränkungen Finanzierung Kapazitäten, Preise Sparen, Steuern, Abgaben Import von Waren und Dienstleistungen Keine dauerhaften Impulse, Strohfeuereffekte Verlauf und Einschränkungen von Multiplikatoreffekten Abb. 6.20: Multiplikatoreffekte und ihre Einschränkungen am Beispiel des Flughafenbaus Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 199 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 199 Staatsausgaben und Transfers wirken stimulierend auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, während die Erhebung von Steuern dämpfend auf den Einkommenskreislauf wirkt. Der konjunkturelle Einfluss des Staatsbudgets ist abhängig vom Nettoeffekt der genannten Größen. Die Variation von Staatsausgaben hat größere Effekte als eine Variation der Transfers und Steuern, da diese erst nach Maßgabe der marginalen Konsumquote ihren Einfluss auf den Wirtschaftskreislauf ausüben. Die unterschiedlichen Multiplikatoren spiegeln diesen Sachverhalt wieder. Schlagwörter •• Staatsausgabenmultiplikator •• Investitionsmultiplikator •• Steuermultiplikator •• Transfermultiplikator •• Multiplikatoreffekt •• Strohfeuereffekte 6.4.2 Einkommensabhängige Steuern Wir wollen die Analyse realitätsnäher ausgestalten und eine einkommensabhängige Steuer berücksichtigen. Im Fall eines linearen Einkommensteuertarifs bewegen sich die Steuereinnahmen (T) proportional zur Entwicklung des Volkseinkommens bzw. des BIP (Y), formal: T = t × Y, mit 0 < t < 1. Der marginale Steuersatz (t) gibt an, um welchen Betrag die Steuereinnahmen steigen, wenn sich das Volkseinkommen um eine Einheit erhöht. Wenn der Satz z. B. bei 0,25 liegt, dann wären im Fall von Einkommensveränderungen 25 % als Steuer abzuführen. Einkommensabhängige Steuer und Gütermarktgleichgewicht Die Einführung einer proportionalen Steuer wirkt wie eine Verringerung der marginalen Konsumquote, d. h. die Steuerfunktion dreht sich im Punkt des autonomen Konsums nach unten und verringert den Multiplikator (vgl. Box 6.2). Wir betrachten dazu ein algebraisches Beispiel mit folgenden Größen (in Mrd. €): •• autonome private Konsumausgaben Caut = 20 •• autonome private Investitionen Iaut = 300 •• Staatliche Ausgaben für Güter Gaut = 400 •• marginaler Steuersatz t = 0,25 •• marginale Konsumquote c = 0,8 Bezogen auf das Zahlenbeispiel erhält man die Verwendungsseite des BIP: Y = 20 + 0,8 × (Y – 0,25 × Y) + 300 + 400 Das Gleichgewichtseinkommen der Volkswirtschaft ergibt sich als: ( ) 1 (20 300 400) 2,5 720 1.800 Mrd. € 1 0,8 1 0,25 Y = × + + = × = − × − Die Einführung einkommensabhängiger Steuern hat sowohl die effektive marginale Konsumquote (ceff) als auch die effektive marginale Sparquote (seff) der privaten Haushalte verringert: ceff = 0,8 × (1 – 0,25) = 0,6 und seff = 0,2 × (1 – 0,25) = 0,15. Zusammen mit der marginalen Steuerquote (0,25) ergänzen sie sich zu Eins. Der Multiplikator fällt dementsprechend geringer aus (2,5 statt 5). Auch in diesem Fall ist die Identität von Investitionen und Sparen gewährleistet. Das Sparen der privaten Haushalte (SH) ergibt sich aus der Konsumfunktion: SH = –20 + 0,2 × (1 – 0,25) × 1.800 = 250 Mrd. € Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 200 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik200 Zu berücksichtigen bleibt das staatliche Sparen (SSt), das sich als Differenz zwischen Steuereinnahmen (T = t × Y) und staatlichen Ausgaben (Gaut) ergibt: SSt = (0,25 × 1.800) – 400 = 50 Mrd. € Die Gesamtersparnis beträgt 300 Mrd. € und entspricht den privaten Investitionen. Box 6.2: Einkommensabhängige Steuer – Auswirkungen im Wirtschaftskreislauf (1) CH = Caut + c × Yv (2) Yv = Y – T (3) T = t × Y (4) CH = Caut + c × (Y – t × Y) = Caut + c × (1 – t) × Y Das Gleichgewichtseinkommen ergibt sich als: (5) Y = (Caut + c × (1 – t) × Y) + Iaut + Gaut aufgelöst nach Y: (6) = × + + − × − aut aut aut 1 Y (C I G ) (1 c (1 t)) Ausgehend von diesem Ausgangsgleichgewicht lassen sich die Auswirkungen einer Veränderung der autonomen Nachfragegrößen auf das BIP analysieren. Sie ergeben sich aus Gleichung (6) nach den sich jeweils verändernden Variablen als: (7) ∆ = ×∆ ∆ ∆ − × − aut aut aut 1 Y C ,oder I ,oder G 1 c (1 t) Hintergrund: Die Einführung einer einkommensabhängigen Steuer reduziert die Multiplikatorwirkungen. Die effektive marginale Konsum- und Sparquote sowie die Steuerquote addieren sich zu Eins. Es bleibt zu berücksichtigen, in welchem Ausmaß der Staat die Steuereinnahmen einkommenswirksam wiederverwendet. Multiplikator bei einkommensabhängigen Steuern Will der Staat z. B. das BIP auf 2.000 Mrd. € erhöhen, dann kann er die öffentlichen Investitionen (DGaut) nach Maßgabe des Multiplikators erhöhen (Abb. 6.22): ( ) 1 200 Mrd. € = 80 Mrd. € 1 0,8 1 0,25 × − × − Aus formaler Sicht gibt es hinsichtlich der multiplikativen Auswirkungen von öffentli chen und privaten Investitionen auf das BIP keine Unterschiede. Zu bedenken ist jedoch, dass öffentliche Investitionen überwiegend Bauinvestitionen sind. Staatliche Investitionen verfolgen zudem Ziele, die beispielsweise soziale oder regionale Gesichtspunkte berücksichtigen, während privaten Sachinvestitionen in der Regel Gewinn- bzw. Ertragsziele zugrunde liegen. Insofern sind strukturelle Unterschiede zu beachten. Dennoch könnte eine private Nachfragelücke durch staatliche Investitionen (z. B. Infrastrukturprogramme) geschlossen werden. Auch eine Senkung des Steuertarifs (t) hat positive Auswirkungen auf das BIP. So steigt in unserem Beispiel das BIP von 1.800 auf 2.000, wenn der Steuertarif von 0,25 auf 0,2 verringert wird. Graphisch dreht sich die Konsumfunktion nach oben (Abb. 6.21). 1 (20 300 400) 2.000 Mrd. € 1 0,8 (1 0,2) Y = × + + = − × − Im Rahmen weitergehender Überlegungen lassen sich die Auswirkungen eines Steuersystems betrachten, dass sich aus autonomen und einkommensabhängigen Steu- Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 201 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 201 ern zusammensetzt. Dies macht es möglich, z. B. Umschichtungen zwischen diesen Steuerkategorien zu analysieren, z. B. ein größeres Gewicht von Gütersteuern und ein geringeres Gewicht von Einkommensteuern. Grenzen der Multiplikatoranalyse Die Multiplikatoranalyse vermittelt ein Bild der Machbarkeit staatlicher Wirtschaftssteuerung und weist einen geradlinigen Weg aus der Rezession. Der Staat entwickelt Nachfrage, senkt die Steuern und/oder erhöht die Transfers. Auch die Größenordnung eines Multiplikators lässt sich relativ einfach grob überschlagen. Sie könnten also den Eindruck gewinnen, dass ein Taschenrechner ausreicht, um eine Rezession zu überwinden. So einfach ist es aber nicht, denn in der Praxis sind eine Reihe von Hindernissen zu berücksichtigen, die einer Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage durch staatliche Maßnahmen entgegenstehen: •• Eine Stimulierung der Nachfrage über Multiplikatoreffekte hilft nur, wenn die Wirtschaft sich in einer konjunkturellen Rezession befindet. Im Fall von Wachstumsschwächen und strukturellen Problemen sind die Effekte gering, da die Angebotsseite völlig ausgeblendet wird. Auch müssen inflationäre Impulse berücksichtigt werden, die durch eine Stimulierung der Nachfrage auftreten können. Reale Effekte fallen dann geringer aus. •• Zu berücksichtigen sind die allokativen Wirkungen der Staatsausgaben. Die Analyse differenziert nicht nach der Art der Staatsausgaben und ihren Folgewirkungen. Ein ausgegebener Euro ist ein Euro, vollkommen gleichgültig, ob er in ein sinnvolles Projekt investiert wird oder in nutzlosen Projekten verpufft. Es besteht die Gefahr, dass Verschwendung als beschäftigungsfördernd und ein sparsamer Umgang mit öffentlichen Mitteln als beschäftigungshemmend betrachtet wird. •• Auch wenn das Problem tatsächlich in unzureichender gesamtwirtschaftlicher Nachfrage besteht, müssen z. B. Verzögerungen bei der politischen Durchsetzung Y Aggregierte Nachfrage Einkommen = Ausgaben Wirtschaftswachstum und Fiskalpolitik Erhöhung der Staatsausgaben Verringerung des Steuertarifs und Zunahme des privaten Konsums Y Aggregierte Nachfrage Einkommen = Ausgaben 1.800 2.0001.800 2.000 Abb. 6.21: Stabilisierung der Konjunktur durch staatliche Maßnahmen Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 202 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik202 und praktischen Umsetzung betrachtet werden. Zu fragen ist, ob ein derartiges Programm in einer hochgradig in die internationale Arbeitsteilung eingebundenen Wirtschaft überhaupt Erfolg verspricht. •• Letztendlich müssen wir auch die Frage nach der Finanzierung des Programms beantworten. Vor allem im Fall der Kreditfinanzierung sind negative Effekte zu erwarten, die positive Effekte mehr als ausgleichen können. Wir werden auf diese Probleme bei der Diskussion der Finanzpolitik zurückkommen (vgl. Kap. 7). Schlagwörter •• linearer Steuertarif •• marginale Steuerquote 6.5 Fallbeispiele zu Kapitel 6 Lösungs- und Bearbeitungshinweise sowie alle Abbildungen dieses Kapitels finden Sie unter: www.vahlen.de Fallbeispiel 6.1: Konjunkturelle Bedeutung der BIP-Komponenten (++) 1) Das Statistische Bundesamt hat die nachfolgenden Zahlen vorgelegt. Ermitteln Sie die Wachstumsbeiträge der einzelnen BIP-Komponenten sowie die daraus resultierende Wachstumsrate des realen BIP im Jahr 2007. BIP- Komponente Absolute Größen, prozentuale Anteile und Wachstumsraten der BIP-Komponenten Wachstumsbeiträge in %, Jahr 2007 (5) = (2) × (3) (1) absolut, Mrd. € Jahr 2006 (2) Anteil am BIP in %, Jahr 2006 (3) Wachstumsrate in %, Jahr 2007 (4) Wachstum absolut, Mrd. € C 1.500 2,0 I 500 –1,0 G 400 2,0 (Ex – Im) 100 5,0 Summe 2.500 100 % 2) Beschreiben und begründen Sie das unterschiedliche Ausmaß von Schwankungen der einzelnen Nachfrageaggregate im Konjunkturverlauf. Nachfragekomponente Schwankungsintensität Ursachen Privater Konsum Investitionen Staatsnachfrage Exporte Fallbeispiel 6.2: Absolute Einkommenshypothese (+) In einer Ökonomie gelte eine keynesianische Konsumfunktion. Zur Ableitung der Konsumfunktion stehen folgende Daten zur Verfügung, die Aufteilungen der monatlichen Einkommen auf Konsum und Ersparnis für drei bekannte, aber nun verarmte Fußballspieler zeigen. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 203 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 203 1) Berechnen Sie für die Ökonomie die Konsumfunktion. Michael B. Lukas P. Bastian S. Einkommen 1.000 3.000 6.000 Konsum 1.200 2.600 4.700 Ersparnis –200 400 1.300 autonomer Konsum marginale Konsumquote durchschnittliche Konsumquote 2) Können Sie im vorliegenden Fall das fundamentale psychologische Gesetz erkennen, das in der keynesianischen Konsumfunktion unterstellt wird? 3) Wie plausibel ist die vorliegende Konsumfunktion für Michael B.? Fallbeispiel 6.3: Relative Einkommenshypothese (+) (Quelle: Pfahler/Thuy, 1998, S. 59 ff.). 1) In einer Volkswirtschaft gilt folgende relative Einkommenshypothese: C = 1,25 × Yvt – 0,3 × (Yvt/Yvmax) × Yvt Die Regierung plant im Jahre 2004 eine Senkung der Einkommensteuer (TEV) von 50 % auf 40 %. Das gesamtwirtschaftliche Einkommen in allen Perioden liegt bei 1.000 Mrd. €. Berechnen Sie die durchschnittliche Konsumquote in den Folgejahren und stellen Sie das Ergebnis grafisch dar: Jahr TEV-Satz C Yv C/Yv 2003 50 % 2004 40 % 2005 40 % 2) Welche Ergebnisse ergeben sich unter sonst gleichen Bedingungen, wenn die Konsumfunktion durch folgende absolute Einkommenshypothese gegeben ist: C = 50 + 0,85 × Yv. Stellen Sie das Ergebnis wiederum grafisch dar. Jahr TEV-Satz C Yv C/Yv 2003 50 % 2004 40 % 2005 40 % Fallbeispiel 6.4: Permanente Einkommenshypothese (+) Jemand bildet seinen aktuellen Konsum auf der Basis folgender Einkommenshypothese: Ct = 0,8 × YP Das permanente Einkommen ist das arithmetische Mittel der laufenden und der vorherigen Periode. 1) Angenommen, das verfügbare Einkommen sei gleich 5.000 € in den Jahren 2006 und 2007. Wie groß ist der Konsum im Jahr 2007? 2) Ermitteln Sie die kurzfristige marginale Konsumquote für das Jahr 2007. 3) Im Jahr 2008 steigt das verfügbare Einkommen auf 6.000 €, wovon die Hälfte zunächst als vorübergehend betrachtet wird. Ab 2009 bleibt das Einkommen auf diesem Niveau. Wie verhält sich der Konsum in den Jahren 2008 und 2009 sowie in allen Folgejahren? Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 204 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik204 Fallbeispiel 6.5: Konsumfunktionen im Vergleich (++) (Quelle: Pfahler/Thuy, 1998, S. 59 ff.) Folgende Konsumfunktionen sind bekannt: • Keynes C = 10 + 0,8 × Y • Duesenberry C = 1,25 × Yt – 0,3 × (Yt/Ymax) × Yt • Friedman C = 0,9 × Yp 1) Das gesamtwirtschaftliche Einkommen soll sich von November (YNov = 100 Mrd. €) auf Dezember (YDez) aufgrund von Überstunden im Vorweihnachtsgeschäft und des 13. Monatsgehalts um 100 % erhöhen. Die Konsumgüternachfrage im Oktober (YOkt) betrug 90 Mrd. €. Berechnen Sie für die o.g. Konsumfunktionen folgende Werte: Konsumfunktion CNov C/YNov CDez C/YDez Keynes Duesenberry Friedman 2) Ermitteln Sie für die einzelnen Konsumfunktionen folgende Werte: Konsumfunktion ∆C von Nov. auf Dez. ∆(C/Y) von Nov. auf Dez. Keynes Duesenberry Friedman Fallbeispiel 6.6: Lebenszyklushypothese (+) Sie sind heute 25 Jahre alt und schließen Ihr Studium erfolgreich ab. In den nächsten 40 Jahren verdienen Sie durchschnittlich 50.000 € pro Jahr. Danach leben Sie noch 20 Jahre. 1) Ermitteln Sie das Einkommen pro Jahr für Ihre ausstehende Lebenszeit. Wie hoch ist das Vermögen, das Sie im Laufe Ihres Arbeitslebens ansparen? 2) Welche Auswirkungen auf den Lebenskonsum und die Vermögensbildung hat eine Besteuerung von 20 % Ihres Einkommens? 3) Nehmen Sie an, Sie bekommen von Ihrer Erbtante zum Abschluss des Studiums vorzeitig ein Finanzvermögen von 100.000 € geschenkt. Welche Auswirkungen hat diese Erbschaft auf den Lebenskonsum? Gehen Sie von den Ausgangsdaten aus. 4) Nehmen Sie an, Sie erhalten im Ruhestand eine Rente von 60 % des letzten Einkommens ausgezahlt. Welche Auswirkungen hat die Rentenzahlung auf den Lebenskonsum? Gehen Sie wiederum von den Ausgangsdaten aus. 5) Welchen Einschränkungen sind derart langfristige Betrachtungen unterworfen? Fallbeispiel 6.7: Investitionskategorien und -motive (+) 1) Erklären Sie die Begriffe: Netto-, Erweiterungs-, Rationalisierungs-, Ersatz-, Finanzinvestitionen. 2) Welche Faktoren haben Einfluss auf die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen, die Bauinvestitionen der privaten Haushalte und die öffentlichen Investitionen? 3) Ein Unternehmen, das Bauprodukte herstellt, verfügt im Jahr 2009 über einen vollausgelasteten Maschinenpark im Wert von 1 Mio. €. Die periodischen Abschreibungen (Ersatzinvestitionen) betragen 10 %. Im Jahr 2010 steigt die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens um 10 %, im Jahr 2010 bleibt sie gegenüber dem Vorjahr konstant. Vervollständigen Sie folgende Tabelle! Was lässt sich erkennen? Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 205 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 205 Jahr Wert des Maschinenparks Nachfrageveränderung in % Investitionen, absolut Veränderung der Investitionen in % 2009 1 Mio. 2010 2011 Fallbeispiel 6.8: Gegenwartswert von Investitionen (++) (Quelle: in Anlehnung an Forster/Klüh/ Sauer, 2005, S. 319 f.) Ein Unternehmen möchte im Jahr 2007 in die Erweiterung seiner Anlagen investieren. Die Maschine kann im Jahr 2008 eingesetzt werden und büßt im Jahr 2009 erstmals an Funktionsfähigkeit ein. Der Anschaffungspreis beträgt 18 Mio. €. Periode 2007 2008 2009 2010 Kauf 18 Mio. – – – Abschreibungsrate – – 10 % 10 % Erwarteter Zins – 4 % 5 % 6 % Erwarteter Gewinn – 5 Mio. 8 Mio. 10 Mio. 1) Berechnen Sie den Gegenwartswert der erwarteten Gewinne und beurteilen Sie, ob die Investition vorgenommen werden sollte. 2) Beurteilen Sie die Investitionsentscheidung im Fall folgender Rahmendaten: a) Die erwarteten Zinsen im Jahr 2009 steigen auf 7 % und im Jahr 2010 auf 9 %. b) Die Zinsen bleiben auf dem ursprünglichen Niveau. Die Abschreibungsrate steigt auf 12 %. c) Der Zins bleibt in allen Perioden bei 4 %, der erwartete Gewinn liegt bei 8 Mio. € und die Abschreibungsrate beträgt 12 %. Fallbeispiel 6.9: Interner Zins, Marktzins und makroökonomische Investitionsfunktion (+) Eine Volkswirtschaft bestehe aus drei Unternehmen. Jedes der Unternehmen plane ein Investitionsprojekt. Für diese Investitionen seien die Anschaffungskosten und die erwarteten jährlichen Nettoerträge bekannt: Größe I1 I2 I3 Anschaffungsauszahlungen (K) 80.000 120.000 100.000 Nettoerträge (R) 8.000 6.000 7.000 Die ökonomische Lebensdauer der Investitionsprojekte sei näherungsweise unendlich. Der Ertragswert (E) einer Investition lässt sich dann vereinfacht berechnen als Quotient der Nettoerträge und des Marktzinssatzes. 1) Wie groß sind die Ertragswerte der drei Investitionsprojekte, wenn der Marktzins i = 8 % beträgt und die Unternehmen das Investitionsrisiko vernachlässigen? 2) Welche Investitionen werden bei diesem Marktzins realisiert? Wie groß ist das volkswirtschaftliche Investitionsvolumen? 3) Was verstehen Sie unter dem internen Zinsfuß eines Investitionsprojekts? Wie groß sind die volkswirtschaftlichen Investitionsausgaben, wenn der Marktzins i = 7 % beträgt? 4) Wie ändern sich die Investitionsausgaben, wenn der Marktzinssatz auf i = 6 % bzw. auf i = 4 % fällt? 5) Stellen Sie die Investitionsfunktion dieser Volkswirtschaft grafisch dar. Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 206 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik206 Fallbeispiel 6.10: Makroökonomische Investitionsfunktion (+) Die Investitionsfunktion in einer Volkswirtschaft ist gegeben durch: I = 150 – 1.000 × i 1) Stellen Sie die Investitionsfunktion grafisch dar und erläutern Sie ihre Eigenschaften. 2) Wie hoch sind die Investitionen bei einem Zinssatz von 5 %? Wie groß sind die Zinsempfindlichkeit und die Zinselastizität der Investitionsnachfrage? 3) Wie ändert sich die Investitionsnachfrage, wenn der Zinssatz auf i = 4 % sinkt oder auf i = 6 % steigt? 4) Wie ändert sich die Lage der Investitionsfunktion, wenn die autonomen Investitionsausgaben aufgrund positiver Zukunftserwartungen um 50 steigen? 5) Welche Überlegungen sind in der Praxis bei der Ermittlung der Zinselastizität zu beachten? Wie verläuft die Investitionsfunktion bei völlig zinsunelastischer Investitionsnachfrage? Interpretieren Sie das Ergebnis. Fallbeispiel 6.11: Aktienmarkt und Tobin-q (0) 1) Wie ist das Tobin-q zusammengesetzt? Wie lässt sich mit diesem Ansatz ein negativer Zusammenhang zwischen Zins und Investitionstätigkeit begründen? 2) Die Aktie eines Unternehmens stand am Jahresende bei 47 €. Insgesamt waren 172 Mio. Aktien des Unternehmens im Umlauf. Der Wiederbeschaffungswert des Unternehmens lag bei 10 Mrd. €. Beurteilen Sie, ob das Unternehmen Investitionen vornehmen soll. 3) Angenommen, in einem Land geht das Tobin-q unter den Wert Eins zurück. Welche Ursachen und Folgen könnte diese Entwicklung haben? Fallbeispiel 6.12: Gütermarktgleichgewicht im Einkommen-Ausgaben-Modell (++) 1) Gegeben ist folgendes Modell: • C = Caut + c × Y • I = Iaut • Y = C + S Vervollständigen Sie nachfolgende Tabelle. Spezifizieren Sie die lineare Konsumfunktion. Hinweis: Nur eine Periode zeigt ein Modellgleichgewicht; d. h. in vier der fünf Situationen befindet sich die Wirtschaft nicht im Gleichgewicht. Periode Y C S I c C/Y 0 1.000 1.000 150 0,75 1 50 150 2 1.300 150 3 1.600 150 4 1.600 150 2) Stellen Sie das Ergebnis im nachfolgenden Diagramm graphisch dar! Wie hoch ist das Gleichgewichtseinkommen? Welche Periode(n) entspricht bzw. entsprechen einer inflatorischen Lücke? Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 207 Kapitel 6: Gütermarkt: Die Binnenwirtschaft 207 3) Um wie viel müssten die Investitionen steigen, damit sich das Einkommen auf 2.000 erhöht? Unter welchem Begriff ist diese Überlegung bekannt? Ist bei diesem Einkommen ein Gütermarktgleichgewicht gegeben? Fallbeispiel 6.13: Staat als exogener Schock (+) 1) Berechnen Sie das Gleichgewichtseinkommen einer Volkswirtschaft, die nur durch folgende Gleichungen bestimmt wird: C = 50 + 0,8 × Y und Iaut = 450 2) Ergänzen Sie das Modell durch Einführung eines Staates, der Konsumausgaben und öffentliche Investitionen (= G, Government) in Höhe von 300 Mrd. € tätigt. 3) Der Staat finanziert seine Ausgaben durch Erhebung einer autonomen Steuer in Höhe von ebenfalls 300 Mrd. €. Wie verändert sich das Ergebnis im Vergleich zu a) bzw. b)? 4) Der Staat zahlt Transfers in Höhe von 100 Mrd. € an die privaten Haushalte. Ermitteln Sie das neue Gleichgewichtseinkommen. Gilt in dieser Situation die Gleichgewichtsbedingung I = S? Fallbeispiel 6.14: Staatsausgabenmultiplikator bei autonomen Steuern (+) Die Konsumfunktion ist gegeben durch C = 200 + 0,75 × (Y – T). Die geplanten Investitionen, die Staatsausgaben und die autonomen Steuern betragen jeweils 100. 1) Wie groß ist das gleichgewichtige Einkommensniveau? 2) Wie groß ist das neue Gleichgewichtseinkommen, wenn der Staat seine Ausgaben aufgrund öffentlicher Investitionen auf 125 erhöht? 3) Wie verändert sich das Gleichgewichtseinkommen, wenn die privaten Investitionen aufgrund optimistischer Zukunftserwartungen ebenfalls um ein Viertel zunehmen? Vergleichen Sie das Ergebnis mit 2). Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 208 Teil II Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik208 Fallbeispiel 6.15: Multiplikator bei einkommensabhängigen Steuern (+) Gegeben sind folgende Größen: • C = 200 + 0,8 × Yv • Yv = Y – T • T = 0,25 × Y • Iaut = 100 • Gaut = 100 1) Ermitteln Sie das Gleichgewichtseinkommen. 2) Ermitteln Sie den numerischen Wert des Investitionsmultiplikators. 3) Wie verändert sich das BIP bei einer dauerhaften Investitionserhöhung um 50 Mrd. €? 4) Wie verändert sich der Multiplikator, wenn die marginale Steuerquote auf 20 % gesenkt wird? Berechnen Sie den konkreten Wert. Fallbeispiel 6.16: Strohfeuereffekte und Grenzen der Multiplikatoranalyse (+) 1) Im Jahr 2006 stellt der Staat für die Weltmeisterschaft 2006 einmalig 10 Mrd. € bereit, um die Fußballstadien zu modernisieren. Fachleute erwarten dadurch einen Anstieg des BIP in den Folgejahren um ca. 30 Mrd. €. Wie beurteilen Sie diese Erwartung? Würde sich an Ihrer Beurteilung etwas verändern, wenn die Investitionen privat finanziert würden? 2) Mit welchen Instrumenten kann der Staat im Rahmen der Multiplikatoranalyse grundsätzlich positiv auf das BIP einwirken? 3) Wo sehen Sie grundsätzliche Probleme bei der Ableitung von Multiplikatoreffekten? Vahlens Handbücher Clement/Terlau/Kiy – Angewandte Makroökonomie (5. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 01.02.2013 Status: Imprimatur Seite 209 Kapitel 7 Kapitel 7: Stabilisierungsaufgabe des Staates BIP Wachstumstrend Konjunkturzyklus Zeit Zeit Budget – + 0 Einnahmen + Ausgaben – Einnahmen – Ausgaben + Inhaltsübersicht 7.1 Aufgaben und Grundsatzpositionen der Finanzpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210 7.1.1 Haushaltsausgleich und passive Stabilisierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 7.1.2 Antizyklische Ausrichtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 7.1.3 Diskretionäre und regelgebundene Finanzpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222 7.2 Einnahmen- und Steuerpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 7.2.1 Steuerarten und -tarife . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 7.2.2 Einkommensteuermodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 7.2.3 Makroökonomische Wirkungsketten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234 7.3 Ausgabenpolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239 7.3.1 Steuerfinanzierte Konjunkturprogramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 7.3.2 Kreditfinanzierte Konjunkturprogramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244 7.3.3 Budgetdefizit und Geldschöpfung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 7.4 Fallbeispiele zu Kapitel 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Makroökonomische Ereignisse

wie die Schuldenkrise, Rezession, Arbeitslosigkeit und Inflation haben nicht nur gesamtwirtschaftliche Konsequenzen, sondern auch vielfältige Berührungspunkte zum täglichen Leben. Diese Ereignisse sind häufig komplex und für den Einzelnen nicht immer leicht zu durchschauen.

Um Studierende auf die globalen Herausforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt vorzubereiten ist in diesem Lehrbuch explizit auch das Thema der nachhaltigen Entwicklung integriert. Außerdem werden die großen Themen der Makroökonomie teilweise gebündelt behandelt, um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gebieten transparenter zu gestalten. Dies hat für Studierende und Lehrende u.a. den Vorteil, dass eine modulare Verwendung möglich ist. Die Schwerpunkte:

– Drei Ebenen der Makroökonomie (empirisch, theoretisch und wirtschaftspolitisch)

– Konjunktur, Gütermarkt und Finanzpolitik

– Inflation, Geldmarkt und Geldpolitik in der EWU

– Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Beschäftigung

– Außenhandel, Devisenmarkt und offene Volkswirtschaft

– Nachhaltige Entwicklung und Makroökonomie.

Zur Neuauflage

Das Buch wurde vollständig überarbeitet und in eine modulare Struktur überführt, aber die Grundkonzeption des Buches wurde beibehalten. Das Buch ist bewusst als Lernbuch konzipiert, das sich zum Einsatz an Hochschulen und Akademien eignet. Mit der Integration von selbständig zu bearbeitenden Fallbeispielen wird u.a. das Konzept der Bachelor- und Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen berücksichtigt, die stärker als bisher an Praxisbeispielen orientierte Lehr- und Lernformen fördern wollen.

Die Autoren

Prof. Dr. Reiner Clement, Prof. Dr. Wiltrud Terlau, Sankt Augustin/Rheinbach, und Prof. Dr. Manfred Kiy, Köln.

Angewandte Makroökonomie

für Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien.