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5.4 Grundsätze für eine Investitions-Controlling-Konzeption zur Entscheidungsvorbereitung in:

Thomas Reichmann

Controlling mit Kennzahlen, page 298 - 300

Die systemgestützte Controlling-Konzeption mit Analyse- und Reportinginstrumenten

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3800-0, ISBN online: 978-3-8006-4375-2, https://doi.org/10.15358/9783800643752_298

Series: Controlling Competence

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5.4 Grundsätze für eine Investitions-Conbtrolling-Konzeption 287 diten nach Investitionsart, z. B. unterschieden nach Rationalisierungsinvestitionen, Erweiterungsinvestitionen, Neuinvestitionen, zu differenzieren. 5.4 Grundsätze für eine Investitions-Controlling- Konzeption zur Entscheidungsvorbereitung Die Vorschläge für entscheidungszweckentsprechende Investitionsplanungen lassen sich in folgenden Grundsätzen für eine Investitions-Controlling-Konzeption zur Entscheidungsvorbereitung zusammenfassen:54 Bei gegebener Aufgabenstellung muss die Alternativensuche grundsätzlich breit angelegt sein; hierzu sind ggf. Kreativitätstechniken und Teamarbeit im Sinne der Wertanalyse-Arbeitsmethodik anzuwenden. Zur Investitionsbeurteilung können unter Umständen auch statische Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung verwendet werden; sie müssen dazu „dynamisiert“ werden, damit sie die durchschnittlichen erfolgsmäßigen Konsequenzen über die gesamte Lebensdauer des Investitionsprojektes erfassen. Grundsätzlich sind dynamische Verfahren der Wirtschaftlichkeitsrechnung vorzuziehen. Bei Verwendung der statischen Rentabilität oder der (dynamischen) Internen- Zinsfuß-Methode sind deren spezifische Anwendungsbegrenzungen zu beachten. Grundsätzlich sind alle Investitionsrechnungen unter Berücksichtigung der Ertragsteuerwirkung durchzuführen; der Kalkulationszinsfuß ist steuermodifiziert festzulegen. Eine gesonderte Risikobeurteilung ist vorzunehmen, die Anwendungsbegrenzungen des statischen und dynamischen Amortisationsvergleichs sind zu beachten. Die Güte einer Entscheidungsempfehlung hängt nicht nur von dem „richtigen“ Verfahren der Investitionsrechnung ab, sondern auch von der Güte der erfassten Daten. Für bestimmte Datenarten sind die Ermittlungsgrundsätze, für andere Normdaten vorzugeben. Diese Grundsätze sind in den Investitionsrechnungsrichtlinien und damit in den Investitionsanträgen zu berücksichtigen. Für die Ausgestaltung der Investitionsanträge ist u. a. zu beachten: Es sind i. d. R. mehrere Entscheidungskriterien zur umfassenden Beurteilung von Investitionsmöglichkeiten heranzuziehen; sie sind im Sinne einer Informationsverdichtung auf der ersten Seite des Informationsantrages zusammenzufassen, ggf. auch grafisch darzustellen. Führen unterschiedliche Entscheidungskriterien zu unterschiedlichen Ergebnissen der Rangfolge bzw. der Vorteilhaftigkeit, ist die Entscheidungsempfehlung zu begründen. Die der Rechnung zugrunde gelegten Prämissen und Annahmen sind vorab zu dokumentieren. 54 Die Beachtung der Grundsätze seitens der Investitionen beantragenden Fachabteilungen ist durch das Investitions-Controlling laufend sicherzustellen. 288 5. Kapitel: Das Investitions-Controlling Die Berechnungen der einzelnen Entscheidungskriterien sind nochmals mit ihren Prämissen und Annahmen im Einzelnen zu erläutern. Die wichtigsten entscheidungsrelevanten Daten, Prämissen und Rechenergebnisse lassen sich in der in Abb. 140 dargestellten verdichteten Form zusammenstellen. Das Zahlenbeispiel des diskutierten Investitionsprojektes I (Fräszentrum) sowie des Projektes II (Handoberfräsen) wird an dieser Stelle wieder aufgenommen. Wirtschaftlichkeitskennzahlen Risikokennzahlen I - C I - C Kapitalwert Investitionsprojekt I Kapitalwert Investitionsprojekt II I - C Pay-Off- Periode der Differenzinvestition -2,76 Mio € -5,37 Mio € I - C Interner Zinsfuß der Differenzinv n 20 Monate I - C Auftragsreichweite I - C I - C 75 % estitio Maschinenstundensatz Investitions- Maschinenstundensatz Investitions- 24 Monate I - C Kapitalwert Max Investitionsprojekt I - C Kapitalwert Max Investitionsprojekt -2,82 Mio € -5,69 Mio € 122,- 142,- 2010 2017 226,- 299,- 2010 2017 Prämissen - Kalkulationszinssatz (vor Steuern): 10 % - Preissteuerungsrate: 6 % - Lohnsteigerungsrate (netto): 6 % (max: 8 %) - Überstundenzuschlagssatz: 25 % - Sozialkostenzuschlagssatz: 72 % - Vorraussichtliche Nutzungsdauer: 8 Jahre - Abschreibungsdauer: 2010-2017 - Abschreibungen auf Basis Anschaffungskosten Berechnung mit Kostensteuern mit und ohne Ertragssteuern- - Ertragssteuersatz: 62 % - Ab Zeitpunkt ohne feste Aufträge (2015) Durchschnitts- Planauftragsauslastung von 320 Stunden pro Monat (Investitionsprojekt I) angenommen - Investitionsprojekt I ( Fräszentrum im 2 – Schichtbetrieb) - Investitionsprojekt II (Handoberfräsen im 1 – Schichtbetrieb) - Leistungsverhältnis im Fräszentrum zu Handoberfräsen 5:1 Planauftragsauslastung (durchschn. Std./Monat) 2010: 263 2011: 334 2012: 441 2013: 490 2014: 474 2015: 320 2016: 320 2017: 320 projekt I projekt II I II Abb. 140: Investitions-Controlling-Kennzahlen und Prämissenstruktur 5.5 Konzepte zur Investitionskontrolle 289 5.5 Konzepte zur Investitionskontrolle Nachdem wir die Aufgaben des Investitions-Controllings in der Kontrollphase bereits festgelegt haben, sind im Folgenden zielorientierte Kontrollinstrumente darzustellen. Das jeweilige Konzept der Investitionsnachrechnung zur Wirtschaftlichkeitskontrolle hängt von dem angewandten Verfahren der Investitionsplanungsrechnung ab. Eine Gesamtkontrolle ist so zu konzipieren, dass die jeweils zugrunde gelegten Entscheidungskriterien, wie z. B. Kapitalwert, interner Zinsfuß, dynamische Pay-Off-Dauer oder Kosten, Maschinenstundensätze, Gewinne, Rentabilitäten als Objektergebnisse während der gesamten Nutzungsdauer laufend kontrolliert werden. Hierzu wäre es erforderlich, die in den Wirtschaftlichkeitsvergleich einbezogenen Soll-Daten den jeweiligen Ist-Daten gegenüberzustellen und eine Abweichungsanalyse durchzuführen. Hieraus werden sich zunächst revidierte Solldaten für die restliche Lebensdauer des Objektes ergeben. Anstelle der recht aufwendigen Gesamtkontrolle kann eine laufende Teilkontrolle anhand einzelner kritischer Variablen sinnvoll sein. Welche Eckdaten jeweils für den Erfolg eines bestimmten Investitionsobjektes kritisch sind, hängt von den Gegebenheiten ab. Als Kontrollgrößen können die in Abb. 141 zusammengestellten Kennzahlen, wie etwa interner Zinsfuß, Kapitalwert, Maschinenstundensätze, Pay-Off-Periode, Auslastungsgrade, Umsatzerlöse/-einzahlungen, Lohnkosten/-auszahlungen, Materialkosten/auszahlungen, sonstige laufende Kosten/Auszahlungen verwendet werden. Die Kontrolle der Ist-Werte führt zu einer Revision der Soll-Daten für die restliche Lebensdauer eines Objektes, so dass jeweils Ist-, Soll- und revidierte Soll-Daten zur Beurteilung zur Verfügung stehen. Bei nicht mehr zulässigen Entscheidungskriterien aus der Nachrechnung sind ggf. Anpassungsmaßnahmen zu einer Gegensteuerung, z. B. in Form von Rationalisierungs- und Erweiterungs-Investitionen oder von Stilllegungsentscheidungen, von Investitions-Controlling-Stellen anzuregen. Das größte Problem bei der Investitionsnachrechnung besteht in der Beschaffung der notwendigen Daten. Denn in vielen Fällen ist nicht sichergestellt, dass alle Einzeldaten, die in die Investitionsrechnung eingehen, insbesondere die laufenden Kosten/Auszahlungen für die Investitionsnachrechnung, objektbezogen zur Verfügung stehen. Dies kann nur dadurch erreicht werden, dass man die Investitionsnachrechnung in die Kostenund Leistungsrechnung eines Betriebes integriert. Dazu ist es notwendig, dass für die einzelnen Objekte, zumindestens für alle größeren Objekte, in den jeweiligen Bereichen gesonderte Vorkostenstellen gebildet werden. Eine solche Vorkostenstellenbildung nach Investitionsprojekten kann – eine entsprechende investitionsobjektbezogene Kostenartenerfassung unterstellt – die notwendigen Daten für die Investitionskontrollrechnung liefern.

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Zusammenfassung

Das Standardwerk für Wissenschaft und Controllingpraxis.

Transparenz und nachhaltiges Handeln werden immer mehr als Erfolgsfaktoren anerkannt. Übertragen auf die Aufgaben des Controllings wird Transparenz mit den Instrumenten des Rechnungswesens und den Analyseinstrumenten des Controllings geschaffen. Nachhaltigkeit bedeutet, belastbare Informationen für die strategische Ausrichtung des Unternehmens zur Verfügung zu stellen. Dieses Standardwerk weist nunmehr bereits in der 8. Auflage den Weg zu einer systemgestützten Controlling-Konzeption und gibt – State of the Art – konkrete Empfehlungen für den Aufbau einer unternehmensbezogenen Controlling-Applikation mit Kennzahlen und Analyseinstrumenten. Es liefert sowohl wertvolle, praxiserprobte Anregungen als auch fundiertes, theoriegestütztes Wissen bei der Implementierung des Controllings im Unternehmen:

- Kennzahlen und Kennzahlensysteme, systemgestützte Controlling-Konzeption

- Kosten- und Erfolgs-Controlling, Konjunktur und Fixkostenmanagement

- Finanz- und Investitions-Controlling, Rating-Check

- Beschaffungs-, Produktions- und Logistik-Controlling

- Marketing-Controlling, DV-gestütztes Controlling

- Strategisches Controlling und internationales Standort-Controlling

- Risikomanagement und Risiko-Controlling, BCR-Card

- Corporate Governance und Controlling, wertorientiertes Konzern-Controlling

Der Autor

Prof. Dr. Thomas Reichmann ist Direktor in einem internationalen Beratungsunternehmen. Er hat in seiner langjährigen Beratungspraxis internationale Unternehmen in den Bereichen Performance-, Prozess- und Kostenmanagement beraten, darunter eine Vielzahl börsennotierter Unternehmen.