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IV. Friktionelle und saisonale Arbeitslosigkeit: Ursachen und Bekämpfungsmöglichkeiten in:

Gerhard Mussel, Jürgen Pätzold

Grundfragen der Wirtschaftspolitik, page 40 - 40

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4261-8, ISBN online: 978-3-8006-4374-5, https://doi.org/10.15358/9783800643745_51

Bibliographic information
C. Hoher Beschäftigungsstand40 Mussel/Pätzold – Grundfragen der Wirtschaftspolitik, 8. Auflage – Verlag: Vahlen Herstellung: Frau Deuringer – Status: Imprimatur – Ausgabedatum: 16.01.2012, 11:17 sachengerechte Ansätze zur Bekämpfung der jeweiligen Art von Arbeitslosigkeit sowie dabei auftretende Probleme diskutiert. IV. Friktionelle und saisonale Arbeitslosigkeit: Ursachen und Bekämpfungsmöglichkeiten Die friktionelle sowie die saisonale Arbeitslosigkeit zählen nicht zu den zentralen Sorgenkindern der Vollbeschäftigungspolitik. Es handelt sich hierbei um eine Art ,,Sockelarbeitslosigkeit“. Sie kann auch in Zeiten guter Konjunktur- und Wachstumsentwicklung regelmäßig nicht unter einen gewissen „Bodensatz“ gedrückt werden. Selbst in den besten konjunkturellen Zeiten (wie beispielsweise 1970) meldeten sich etwa 150.000 Personen als arbeitslos. Schätzungen gehen davon aus, dass ein „Bodensatz“ von etwa 250.000 Personen kaum unterschritten werden kann. Friktionelle Arbeitslosigkeit wird auch als ,,Sucharbeitslosigkeit“ bezeichnet. Sie ist kurzfristiger Natur und tritt auf, wenn Arbeitskräfte entlassen werden und infolge von Suchprozessen bis zum Antritt der neuen Stelle für eine gewisse Zeit nicht beschäftigt sind. Das Auftreten dieser Form von Arbeitslosigkeit ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass in Deutschland pro Jahr ca. 9 Mio. Beschäftigungsverhältnisse begonnen bzw. beendet werden. Nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit gilt jede Arbeitslosigkeit, die nicht länger als drei Monate gedauert hat, als Sucharbeitslosigkeit. Das erforderliche Arbeitsplatzangebot ist vorhanden, allerdings kennt die arbeitslose Person die offene Stelle noch nicht bzw. wählt unter den alternativen Angeboten aus. Durch Verbesserungen des Stelleninformations- und -vermittlungssystems (z. B. durch computergestützte Stellenvermittlungen) kann diese Arbeitslosigkeit verringert werden. Friktionelle Arbeitslosigkeit ist in gewisser Weise sogar als erwünscht anzusehen, denn sie ist Ausdruck des wachstumsfördernden Arbeitsplatzwechsels – weg von den unproduktiveren Arbeitsplätzen, hin zu den produktiveren Unternehmen bzw. Branchen. Zur Verbesserung der Vermittlungseffizienz wurden in Deutschland auch private Arbeitsvermittler zugelassen. Saisonale Arbeitslosigkeit ist die Folge jahreszeitlicher Schwankungen. Sie tritt sowohl auf der Angebotsseite, d. h. bei der Produktion (insbesondere Bauund Forstwirtschaft) als auch auf der Nachfrageseite (Touristikgewerbe, Weihnachts- und Ostergeschäft) auf. Eine ursachengerechte Bekämpfung dieser Art von Arbeitslosigkeit ist naturgemäß kaum möglich. Hierzu müssten ja die Saisoneinflüsse beseitigt werden. Daher muss saisonale Arbeitslosigkeit weitgehend hingenommen werden wie ,,der Hagel, der die Ernte vernichtet“. Eine begrenzte Abhilfemaßnahme stellt die sog. produktive Winterbauförderung dar; hierdurch soll die Beschäftigung an Baustellen auch im Winter aufrechterhalten werden. IV. Friktionelle und saisonale Arbeitslosigkeit

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References

Zusammenfassung

Wirtschaftspolitik verständlich erklärt.

"Wer eine kompakte und verständliche Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht, ist mit diesem schon seit langem erfolgreichen und weitverbreiteten Lehrbuch bestens bedient."

in: Studium 90/2012

Alles zur Wirtschaftspolitik

Dieses Lehrbuch befasst sich mit den Grundfragen und den aktuellen, zentralen Aufgabenfeldern der Wirtschaftspolitik: Sicherung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts und Gewährleistung einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung. Die Neuauflage geht jetzt noch ausführlicher auf die Problematik des demografischen Wandels sowie die Eurokrise ein.

"Wer immer eine gelungene Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht - ob Studierende der Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium bzw. Teilnehmer vergleichbarer Aus- und Fortbildungsstätten oder am Wirtschaftsgeschehen interessierte Praktiker - wird von diesem Lehrbuch nicht enttäuscht werden."

in: www.rezensionen.ch 15.5.12

Autoren

Prof. Dr. Gerhard Mussel unterrichtet Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg Stuttgart.

Prof. Dr. Jürgen Pätzold ist Honorarprofessor an der Universität Hohenheim.