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III. Klassifikation der Ursachen von Stagnation in:

Gerhard Mussel, Jürgen Pätzold

Grundfragen der Wirtschaftspolitik, page 179 - 179

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4261-8, ISBN online: 978-3-8006-4374-5, https://doi.org/10.15358/9783800643745_190

Bibliographic information
III. Klassifikation der Ursachen von Stagnation 179 Mussel/Pätzold – Grundfragen der Wirtschaftspolitik, 8. Auflage – Verlag: Vahlen Herstellung: Frau Deuringer – Status: Imprimatur – Ausgabedatum: 16.01.2012, 11:17 erfassen. Das vom Rat vorgeschlagene System repräsentiert die drei Kernfragen der Wohlfahrt, nämlich Wirtschaftsleistung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit recht ausgewogen. Der Ansatz erkennt an, dass materieller Wohlstand weiterhin unabdingbare Voraussetzung für sinnvolle Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ist, dass das Leben aber zugleich mehr zu bieten hat als materiellen Wohlstand. Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden arbeitet seit Anfang der neunziger Jahre an einer sog. Umweltökonomischen Gesamtrechnung (UGR). Sie enthält neben einem umweltökonomischen Berichtsystem die Bewertung relevanter ökologischer Aspekte wie Umweltbelastung oder Ressourcenverzehr. Ziel ist es, eine laufende Umweltberichterstattung zu erhalten. Die Berechnung eines ,,Öko-Inlandsprodukts“ ist allerdings wegen der damit verbundenen methodischen Probleme nicht geplant. Die UGR erweitert den Begriff des Kapitalvermögens um das Naturvermögen; im Unterschied zum Kapitalvermögen wird in der UGR das Naturvermögen allerdings nicht in Geldwerten erfasst, sondern nur in physischen Größen gemessen. Aus den Rechnungen der UGR ergeben sich statistische Informationen über die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt. Es handelt sich hierbei um ein ,,Satellitensystem“ zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Auf den traditionellen Inlandsproduktindikator kann vorerst – schon aus Gründen des internationalen Vergleichs – nicht verzichtet werden. III. Klassifikation der Ursachen von Stagnation Unter Stagnation versteht man allgemein einen Stillstand in der Entwicklung einer Größe. Wirtschaftliche Stagnation bedeutet eine länger anhaltende Wachstumsstockung. Ein kurzfristiger Einbruch beim Wirtschaftswachstum wird dagegen als Rezession bezeichnet. In der wirtschaftspolitischen Diskussion spricht man allerdings häufig auch dann von Stagnation, wenn sich die Zuwachsraten im Trend immer mehr verlangsamen und schließlich gegen Null konvergieren. In diesem Sinne wurde in der Bundesrepublik vor allem seit Mitte der siebziger bis Anfang der achtziger Jahre ein Stagnationsprozess diagnostiziert. Die trendmäßige Verringerung der Wachstumsraten des realen Inlandsprodukts ging gleichzeitig mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit einher. Das Wachstum des Inlandsprodukts war offensichtlich nicht mehr ausreichend, um alle Arbeitswilligen zu beschäftigen. Es wurde jedoch schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass die trendmäßige Verringerung von Wachstumsraten ein nahezu ,,natürlicher“ Vorgang ist. ,,Unnatürlich“ wäre es, wenn auf Dauer konstante Raten zu verzeichnen wären; das hiermit zwangsläufig verbundene exponentielle Wachstum war auch in der Bundesrepublik Deutschland nicht zu beobachten; im Trend haben sich die Wachstumsraten des realen Inlandsprodukts gegenüber den fünfziger und sechziger Jahren deutlich verringert (siehe auch Abbildung E.5). III. Klassifikation der Ursachen von Stagnation

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References

Zusammenfassung

Wirtschaftspolitik verständlich erklärt.

"Wer eine kompakte und verständliche Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht, ist mit diesem schon seit langem erfolgreichen und weitverbreiteten Lehrbuch bestens bedient."

in: Studium 90/2012

Alles zur Wirtschaftspolitik

Dieses Lehrbuch befasst sich mit den Grundfragen und den aktuellen, zentralen Aufgabenfeldern der Wirtschaftspolitik: Sicherung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts und Gewährleistung einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung. Die Neuauflage geht jetzt noch ausführlicher auf die Problematik des demografischen Wandels sowie die Eurokrise ein.

"Wer immer eine gelungene Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht - ob Studierende der Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium bzw. Teilnehmer vergleichbarer Aus- und Fortbildungsstätten oder am Wirtschaftsgeschehen interessierte Praktiker - wird von diesem Lehrbuch nicht enttäuscht werden."

in: www.rezensionen.ch 15.5.12

Autoren

Prof. Dr. Gerhard Mussel unterrichtet Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg Stuttgart.

Prof. Dr. Jürgen Pätzold ist Honorarprofessor an der Universität Hohenheim.