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III. Klassifikation der Ursachen von Inflation in:

Gerhard Mussel, Jürgen Pätzold

Grundfragen der Wirtschaftspolitik, page 121 - 122

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4261-8, ISBN online: 978-3-8006-4374-5, https://doi.org/10.15358/9783800643745_132

Bibliographic information
III. Klassifikation der Ursachen von Inflation 121 Mussel/Pätzold – Grundfragen der Wirtschaftspolitik, 8. Auflage – Verlag: Vahlen Herstellung: Frau Deuringer – Status: Imprimatur – Ausgabedatum: 16.01.2012, 11:17 Werte von über zwanzig Prozent. Inzwischen erfolgte jedoch eine Angleichung der Inflationsraten in den neuen und alten Bundesländern; verschiedentlich lag der Anstieg der Verbraucherpreise in Ostdeutschland sogar leicht unter der Inflationsrate in Westdeutschland. Die anfänglich sehr hohen Preissteigerungsraten in den neuen Bundesländern sind zum Teil im Zusammenhang mit der Ausstattung der ehemaligen DDR mit D-Mark zu sehen. Zum 1. Juli 1991 tauschte die Deutsche Bundesbank auf Veranlassung der Bundesregierung die bis dahin gültigen Bestände an Ost- Mark gegen D-Mark aus. Die D-Mark-Menge wurde dabei an der geschätzten Wirtschaftskraft der DDR bemessen. Im Nachhinein zeigte sich jedoch, dass die Einschätzung zu hoch ausfiel. Dadurch entstand ein Geldmengenüberhang, die Geldmenge war zu groß im Vergleich zur Gütermenge. Dieses Missverhältnis bildete eine wesentliche Ursache für die Inflation zu Beginn der neunziger Jahre. Zu Preissteigerungen hat allerdings vor allem auch die Freigabe der ehedem gebundenen Preise, insbesondere für Wohnungsmieten, geführt. Damit sind bereits Fragen nach den Ursachen von Inflation angesprochen worden. Auf dieses Thema wird im Folgenden genauer eingegangen. III. Klassifikation der Ursachen von Inflation Inflation äußert sich in einem Anstieg des Preisniveaus. Ungeachtet der Frage, welches Güterbündel als Bemessungsgröße dient, kommt es in der Volkswirtschaft prinzipiell immer dann zu Steigerungen des Preisniveaus, wenn die Marktkräfte dies bedingen. Dahinter stehen die Nachfrage und das Angebot. III. Klassifikation der Ursachen von Inflation Quelle: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank. Ab 1991 Gesamtdeutschland. 2011 und 2012 Prognose Bundesbank, Monatsbericht 7/2011 Abb. D.8: Inflation in der Bundesrepublik Deutschland D. Preisniveaustabilität122 Mussel/Pätzold – Grundfragen der Wirtschaftspolitik, 8. Auflage – Verlag: Vahlen Herstellung: Frau Deuringer – Status: Imprimatur – Ausgabedatum: 16.01.2012, 11:17 Folglich sind die Käufer bzw. die Verkäufer als gesellschaftliche Gruppen für Preissteigerungen verantwortlich. Liegen die Gründe für die Erhöhung des Preisniveaus auf der Seite der Käufer, so spricht man von Nachfrageinflation. Dagegen handelt es sich um eine Angebotsinflation falls die Preissteigerungen durch die Verkäufer verursacht werden. Diese Einteilung der Inflationsursachen mag zwar einleuchtend klingen, ist aber gleichwohl in gewissem Sinne vordergründig. Denn Inflation ist letztlich immer ein monetäres Phänomen. Sie kann auf Dauer nur zustande kommen, wenn ein Geldmengenüberhang existiert. In einer wachsenden Wirtschaft muss hierzu – bei gegebener Umlaufgeschwindigkeit des Geldes – die Geldmenge stärker ansteigen als die Gütermenge. Die Durchsetzung von Preisniveausteigerungen ist auf den Märkten nur möglich, wenn mehr Geld bereit steht, um die höheren Preise bezahlen zu können. Man nennt dies die ,,monetäre Alimentierung“ der Inflation. Insoweit ist also jede Inflation eine Geldmengeninflation. Diese Geldmengeninflation wird üblicherweise als „Quantitätstheorie des Geldes“ bezeichnet. Wie die historischen Erfahrungen zeigen, gingen bislang große Inflationen immer mit einem zu starken Wachstum der Geldmenge einher. Denkbar sind jedoch auch Preisniveausteigerungen, obwohl sich Geldmenge und Gütermenge im Gleichklang bewegen. In diesem Fall muss logischerweise die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunehmen. Diese Ursache mündet in den folgenden Ausführungen jedoch nicht in einen eigenen Inflationstypus ein, sondern wird der Geldmengeninflation zugeordnet. Ausgehend von dieser ersten Einteilung der Inflationsursachen (siehe auch Abbildung D.9) werden nun die verschiedenen Inflationstypen genauer vorgestellt sowie Bekämpfungsmöglichkeiten aufgezeigt. Abb. D.9: Ursachen der Inflation

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References

Zusammenfassung

Wirtschaftspolitik verständlich erklärt.

"Wer eine kompakte und verständliche Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht, ist mit diesem schon seit langem erfolgreichen und weitverbreiteten Lehrbuch bestens bedient."

in: Studium 90/2012

Alles zur Wirtschaftspolitik

Dieses Lehrbuch befasst sich mit den Grundfragen und den aktuellen, zentralen Aufgabenfeldern der Wirtschaftspolitik: Sicherung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts und Gewährleistung einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung. Die Neuauflage geht jetzt noch ausführlicher auf die Problematik des demografischen Wandels sowie die Eurokrise ein.

"Wer immer eine gelungene Einführung in die Wirtschaftspolitik sucht - ob Studierende der Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium bzw. Teilnehmer vergleichbarer Aus- und Fortbildungsstätten oder am Wirtschaftsgeschehen interessierte Praktiker - wird von diesem Lehrbuch nicht enttäuscht werden."

in: www.rezensionen.ch 15.5.12

Autoren

Prof. Dr. Gerhard Mussel unterrichtet Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg Stuttgart.

Prof. Dr. Jürgen Pätzold ist Honorarprofessor an der Universität Hohenheim.