Content

5.4 Pareto-Effizienz in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 87 - 88

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_87

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 75 5.4 Pareto-Effizienz 75 2 2 1 1 1 16 ( ) 0 5( ) 0 5 14 22 3 K V V = , = , = , (5.21) und 2 2 2 2 2 8 ( ) ( ) 7 11 3 K V V = = = , (5.22) Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten sind 1 1 2 2( ) ( ) ( ) 14 22 7 11 21 33K V K V K V= + = , + , = , (5.23) und liegen somit zwar nicht weltbewegend, aber auch nicht unerheblich unter den Kosten bei der Auflagenlösung, wo sie 24 betrugen. Abbildung 5.2 zeigt, dass der Grund für die gesunkenen Kosten wie erwähnt darin liegt, dass die Grenzkosten beider Unternehmen bei den jeweils unterschiedlichen Emissionen bzw. Schadstoffreduktionen nun miteinander identisch sind, so dass es keine Möglichkeit mehr gibt, durch einen Schad stofftransfer vom einen zum anderen Unternehmen volkswirtschaftliche Kosten einzusparen. Dabei sei noch einmal hervorgehoben, dass insgesamt die gleiche Schadstoffmenge re duziert wurde. Die Kostenersparnis folgt einfach aus dem volks- und betriebswirtschaftlich letztlich recht lapidaren Sachverhalt, dass eine kostenminimale Produktion homogener Güter voraussetzt, dass die Grenzkosten überall gleich sind. Dieser Sachverhalt gilt ganz unabhängig vom Umweltproblem und wurde hier lediglich auf dieses unter der Annahme angewandt, dass die Emissionen der beteiligten Unternehmen homogen und daher perfekt gegeneinander substituierbar sind.3 5.4 Pareto Effizienz Mit der Kosteneffizienz haben wir den entscheidenden Vorteil marktorientierter Instru mente gegenüber Auflagen bereits diskutiert. Darüber hinaus sind aber auch die Chancen zur Annäherung an eine pareto-effiziente Schadstoffvermeidung bei der Abgabenlösung größer als bei Auflagen. Die pareto-effiziente Schadstoffvermeidung liegt (völlig unab hängig vom verwendeten Instrument) im Schnittpunkt zwischen der aggregierten Grenzkostenfunktion der Schadstoffvermeidung und der aggregierten (erwarteten) Grenzschadensfunktion. Damit die Umweltbehörde ein Pareto-Optimum mit der Steuerlösung im plementieren kann, muss sie also die Grenzschadensfunktion und die aggregierte Grenzkostenfunktion der Schadstoffvermeidung kennen. Zu Ehren von A.C. Pigou, der sich schon in den zwanziger Jahren mit Abgabenlösungen zur Internalisierung externer Effekte be schäftigte, nennt man die pareto-effiziente Abgabe auch Pigou-Steuer. Bei der Grenzschadensfunktion wird es sich stets um einen (recht unpräzisen) Schätzwert handeln, weil darin zahlreiche, teilweise schwer monetarisierbare Faktoren wie die 3 Dies gilt beispielsweise für CO2-Emissionen. Wir werden in Abschnitt 5.6 sehen, dass die Argu mentation bei Schadstoffen wie SO2, bei denen auch die räumliche Verteilung eine Rolle spielt, etwas komplizierter ist. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 76 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)76 Kosten von Reparaturen (z.B. der Akropolis in Athen), die im Vergleich zu niedrigeren Emissionen höheren Kosten des Fischfangs, die Krankenhauskosten von Allergikern, die geringere Freude von Spaziergängern und anderes mehr enthalten sind. Dieses Problem der exakten Schätzung der Schadensfunktionen bzw. der Nutzen von Umweltschutzmaßnahmen4 stellt sich aber für alle umweltpolitischen Instrumente, so dass es für die Beurtei lung von Instrumenten nach dem Pareto-Kriterium nebensächlich ist. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: während bei der Auflagenlösung die Kenntnis der individuellen Kostenfunktionen der Schadstoffvermeidung schon für Kosteneffizienz – und damit auch für Pareto-Effizienz – erforderlich ist, genügt bei der Preislösung die Kenntnis der aggre gierten Grenzkostenfunktion. Dies ist durchaus ein wichtiger Vorteil, weil sich die aggre gierte Grenzkostenfunktion aus einer repräsentativen Stichprobe schätzen lässt, so dass die Informationskosten weit geringer als bei der Erhebung jeder einzelnen Kostenfunktion sind. Wir können daher festhalten, dass die Informationskosten zur Annäherung an das Pareto-Optimum bei der Preislösung geringer als bei der Auflagenlösung sind, weil nicht jede einzelne, sondern nur die aggregierte Grenzkostenfunktion der Schadstoffvermeidung bekannt sein muss. Dies ergänzt die Argumente für die Vorteilhaftigkeit von Preis- gegen über Auflagenlösungen, die unter dem Kriterium der Kosteneffizienz angeführt wurden. 5.5 Ökologische Treffsicherheit Wenn die Ordnungsstrafen bei der Missachtung von Auflagen hoch genug sind und wir vom Vollzugsdefizit einmal absehen, so besteht ein Vorteil der Auflagenlösung in der großen ökologischen Treffsicherheit, da die Umweltbehörde die Emissionen grundsätzlich an jeder Quelle genau bestimmen kann. Dies ist bei Preislösungen nicht der Fall, da sich die Unternehmen am Ausgleich von Abgabe und Grenzkosten orientieren und eine Fehleinschätzung der aggregierten Grenzkostenfunktion daher auch zu einer Abweichung der wirklichen von der erwarteten Umweltqualität führen wird. Die zur Einhaltung der gewünschten Umweltqualität erforderlichen Informationen sind bei der Preislösung also größer als bei ordnungsrechtlichen Strategien. Dieses Problem verschärft sich, wenn es nicht nur auf die Emissionen, sondern auch auf die Immissionen, also auf die lokale Verteilung der Schadstoffe ankommt. Durch Fehleinschätzungen der Grenzkostenfunktionen kann es dann nicht nur zu einer falschen Prognose über die gesamten Emissionen, sondern auch über die lokale Verteilung der Emissionen und Immissionen kommen. Eine erste Möglichkeit zur Erhöhung der ökologischen Treffsicherheit von Preislösungen ist, diese im Sinne eines Instrumenten-Mix in das ordnungsrechtliche Instrumentarium einzubetten, so dass jedes Unternehmen nur bis zu einem festgelegten Maximum emittieren darf. Damit wird aber der Ausgleich der Grenzkosten über alle Unterneh men hinweg verhindert, so dass Abstriche bei der Kosteneffizienz gemacht werden müs sen. Dieser in der Praxis dominierende Weg sollte also nur beschritten werden, wenn die Unsicherheit besonders groß ist oder bestimmte (lokale) Umweltqualitäten keines falls 4 Vgl. hierzu ausführlich Kapitel 12 sowie die dort angegebene Literatur.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.