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5.2 Grundmodell der ökonomischen Analyse in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 82 - 84

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_82

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 70 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)70 In Abschnitt 5.7 greifen wir mit der Abwasserabgabe in der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Praxisvariante von Abgaben auf, die häufig zu einer Skepsis von Unternehmensvertretern gegenüber Abgabenlösungen geführt hat. Daran anschließend diskutieren wir in Abschnitt 5.8 die Unterschiede zwischen Abgaben - und Steuerlösungen, ehe wir uns in Abschnitt 5.9 mit eingebildeten und mit wirklichen Problemen von Preislösungen auseinandersetzen. Dies erleichtert uns erheblich die Dar stellung und Beurteilung der ökologischen Steuerreform in Deutschland in Abschnitt 5.10. In den mehr theoretisch orientierten Abschnitten 5.2 bis 5.5 werden wir davon ausge hen, dass die von Abgaben und Steuern betroffenen Unternehmen unter der Marktform vollständiger Konkurrenz produzieren. Die Marktform spielt zur Beurteilung umweltpolitischer Instrumente keine Rolle, sofern wir uns ausschließlich auf die Emissionshöhen pro Outputeinheit beschränken und den Output selbst (d.h. die Produktionsmenge der Un ternehmen) als gegeben betrachten. Eine solche Sichtweise ist aber letztlich nicht korrekt, weil beispielsweise Abgaben auch eine Erhöhung der Produktionskosten implizieren, die zu einer Verminderung der Produktionsmengen führen. Bei unvollständiger Konkurrenz besteht das Problem darin, dass die Produktionsmengen gemessen am Optimum ohnehin schon zu niedrig sind, weil beispielsweise ein Monopolist eine Menge unter derjenigen produziert, die sich bei vollständiger Konkurrenz einstellen würde. Wenn unter diesen Umständen „eigentlich“ effiziente Abgaben erhoben werden, so kann die damit verbun dene weitere Verringerung der Produktionsmenge auch zu einer Verringerung der sozia len Wohlfahrt führen. Wir werden daher in Abschnitt 5.11 das Problem unvollständiger Konkurrenz besprechen, ehe wir in Abschnitt 5.12 einige zusammenfassende Schlussfol gerungen ziehen. 5.2 Grundmodell der ökonomischen Analyse Wir betrachten wieder ein beliebiges Unternehmen i, dessen Nutzen aus den Emissionen Ei Ui(Ei) sei. Das Prinzip der Preislösung besteht nun darin, für jede emittierte Einheit Ei einen bestimmten Abgaben- bzw. Steuersatz 2 t zu erheben. Dies bedeutet, dass die Zielfunktion jedes Unternehmens bei der Entscheidung über die Emissionshöhe ( ) ( )i i i i iG E U E t E= − ⋅ (5.1) lautet. Das Unternehmen maximiert also die Differenz zwischen dem Nutzen und den Kosten der Emissionen, die durch das Produkt aus Steuerzahlung pro Einheit und emittierten Einheiten entstehen. Als Bedingung erster Ordnung ergibt sich 0i i i i G U t E E ∂ ∂ = − = ∂ ∂ (5.2) bzw. i i U t E ∂ = . ∂ (5.3) 2 Solange es uns nur um die Anreizwirkung von Preislösungen zur Internalisierung externer Effek te geht, verwenden wir die Begriffe Abgaben und Steuern synonym. Auf den Unterschied gehen wir ausführlich bei der Diskussion einer ökologischen Steuerreform in Abschnitt 5.10 ein. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 71 5.2 Grundmodell der ökonomischen Analyse 71 Gleichung (5.3) drückt aus, dass ein gewinnmaximierendes Unternehmen bei der Preislösung solange Schadstoffe emittiert, bis der (sinkende) Grenznutzen der Emissionen dem (konstanten) Steuersatz t entspricht. Dies verdeutlicht Abbildung 5.1. Links vom Schnittpunkt ist der Grenznutzen der Emissionen noch größer als die Abga be, rechts gilt das Gegenteil. Das Gewinnmaximum muss also im Schnittpunkt zwischen der Grenznutzenfunktion mit dem Steuersatz liegen. Wie gewohnt können wir diesen Zusammenhang statt über die Grenznutzen der Emissionen auch über die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung fassen. In dieser Ausdrucksweise minimiert das Unternehmen seine umweltbezogenen Gesamtkosten Ci, die sich aus den Kosten der Schadstoffvermeidung und der Steuerzahlung gemäß Gleichung (5.4) er geben: ( ) ( )i i i i iC V K V t E= + ⋅ (5.4) Da die emittierten Einheiten die Differenz aus den maximalen Emissionen maxiE und den vermiedenen Einheiten Vi sind, folgt ( ) ( ) ( )maxi i i i i iC V K V t E V= + − (5.5) mit der Bedingung erster Ordnung 0i i i i C K t V V ∂ ∂ = − = ∂ ∂ (5.6) bzw. Abbildung 5.1: Das Entscheidungsverhalten bei Preislösungen ∂Ui ∂Ei E+i Ei tv ∂Ui ∂Ei Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 72 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)72 i i K t V ∂ = . ∂ (5.7) Das Unternehmen vermeidet die Schadstoffe also so lange, bis die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung dem Abgaben- bzw. Steuersatz t entsprechen. 5.3 Kosteneffizienz Auf Grundlage dieser Überlegungen wollen wir uns mit der Kosteneffizienz nun direkt dem Kriterium zuwenden, das für den Vergleich marktorientierter Instrumente mit Auflagen entscheidend ist. Bei der Analyse von Auflagen haben wir hergeleitet, dass eine Internalisierung externer Effekte genau dann kosteneffizient erfolgt, wenn jedes Unternehmen so lange Schadstoffe vermeidet, bis die Grenzkosten der Vermeidung (bzw. die Grenznutzen der Emissionen) für alle Unternehmen gleich sind. Diese Bedingung ist für Auflagen normalerweise verletzt, weil dies eine perfekte, in der Realität nicht erreichbare und mit der dynamischen Anreizwirkung unverträgliche Differenzierung von Standards erfordern würde. Eine einfache Überlegung zeigt nun, dass mit Abgaben das Kriterium der Kosteneffizienz automatisch erreicht wird. Die Herleitung der gewinnmaximalen Schadstoffreduktion führte für ein beliebiges Unternehmen i zu der Bedingung /i iK V∂ ∂ = t. Da dies bei gleichem Steuersatz für alle Unternehmen gilt, ergibt sich unmittelbar 1 2 1 2 n n KK K t V V V ∂∂ ∂ = = = = . ∂ ∂ ∂ (5.8) Preislösungen ermöglichen also für jede beliebige, exogen vorgegebene Umweltqualität eine kosteneffiziente Internalisierung externer Effekte. Dies liegt daran, dass alle Unter nehmen ihre Emissionen solange vermindern, bis die Grenzkosten der Schadstoffvermei dung dem Steuersatz entsprechen. Wenn der Steuersatz für alle Unternehmen identisch ist, müssen demnach im Ergebnis auch die Grenzkosten der Vermeidung für alle Unternehmen identisch sein – wie unterschiedlich die Grenzkostenfunktionen der Schadstoffvermeidung auch sein mögen. Wir wollen die gegenüber Auflagen bestehenden Kostensenkungspotentiale anhand eines Beispiels mit zwei Unternehmen illustrieren. Die Grenzkostenfunktionen der Schadstoffvermeidung seien 1 1 1 K V V ∂ = ∂ (5.9) und 2 2 2 2 , K V V ∂ = ∂ (5.10) so dass die variablen Gesamtkostenfunktionen der beiden Unternehmen als Integrale unter den Grenzkostenfunktionen

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.