Content

4.1 Grundgedanke und Überblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 69 - 70

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_69

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 57 4 Auflagen 4.1 Grundgedanke und Überblick Unter Auflagen versteht man die Vorgabe bestimmter Normen, deren Nicht-Einhaltung zu Zahlungen an die Öffentliche Hand führt. Auflagen sind also dem Ordnungsrecht zu zurechnen und treten in der Umweltpolitik aller Länder in vielen Varianten auf. Auflagen finden sich beispielsweise in der Luftreinhaltung und dem Gewässerschutz, wo es einerseits Emissions- und andererseits Immissionsbeschränkungen gibt.1 Unter Emissionen versteht man die Schadstoffbelastungen an der Quelle, d.h. also beispielsweise den an einem bestimmten Schornstein gemessenen SO2-Ausstoß. Entsprechend legen Emissionsbeschränkungen den maximal zulässigen SO2-Ausstoß des Schornsteins, gemessen z.B. pro m3 Abluft oder pro Zeiteinheit fest. Im Unterschied dazu versteht man unter Immissionen die Schadstoffbelastungen im Raum, also z.B. die in der Wiesbadener Innenstadt gemessene SO2-Belastung. Letztlich entscheidend für die Lebensqualität sind selbstverständlich die Immissionen, so dass es auch dafür Grenzwerte gibt. So gilt etwa in Hessen seit einigen Jahren Tempo 100 auf Autobahnen, sofern die Ozonbelastung einen bestimmten Wert übersteigt. Neben solchen Emissions- und Immissionsbeschränkungen gibt es im Bereich von Auf lagen auch Produktstandards wie die Festlegung von Belastungsgrenzen in Lebensmitteln. Verbote von Produkten oder Produktionsprozessen können wir ökonomisch einfach als Spezialfall der Auflagenpolitik interpretieren, bei der das zulässige Niveau bei Null fest gelegt wird. Ein naheliegender Vorteil der Auflagenpolitik kann darin gesehen werden, dass diese bei einer hohen Kontrolldichte und hohen Strafzahlungen bei Missachtung der Standard seinen großen Anreiz zur Einhaltung dieser bieten, und daher eine große ökologische Treffsicherheit aufweisen. Darüber hinaus stellen Auflagen in der Regel recht einfach zu erfassende und leicht umzusetzende Konstrukte dar, die sich nicht zuletzt deshalb nach wie vor großer Beliebtheit bei Umweltpolitikern erfreuen. So sind zahlreiche neu eingeführte und diskutierte Umweltinstrumente nach wie vor auflagenbasiert, wie bspw. das Verbot von Glühlampen in der EU, die Einführung von sogenannten Umweltzonen in zahlreichen deutschen Städten oder die anhaltende Diskussion über das Verbot neuer Technologien in der Erdgasförderung („Fracking“) zeigen. Als Nachteil wird sich dagegen erweisen, dass die Auflagenpolitik im Vergleich zu anderen Instrumenten zu überhöhten Kosten führt, sofern die Umweltbehörde nicht vollständig informiert ist oder die Auflagen aus anderen Gründen nicht perfekt an die individuellen Kostensituationen einzelner Unternehmen angepasst werden können. 1 Vgl. für Analysen von Auflagen ausführlicher z.B. Gawel/Hansmeyer (1995) und Gawel (1996). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 58 4 Auflagen58 In Abschnitt 4.2 stellen wir zunächst ein einfaches ökonomisches Modell dar, auf dessen Grundlage wir in den nachfolgenden Abschnitten mit der Pareto-Effizienz (Abschnitt 4.3), der ökologischen Treffsicherheit (Abschnitt 4.4) und der Kosteneffizienz (Abschnitt 4.5) die zentralen Kriterien zur Beurteilung der Auflagenpolitik untersuchen. In Abschnitt 4.6 skizzieren wir mit der deutschen Luftreinhaltepolitik eine typische Auflagenpolitik aus der Praxis, ehe wir in Abschnitt 4.7 einige zusammenfassende Schlussfolgerungen ziehen. 4.2 Grundmodell der ökonomischen Analyse Zur formalen Erläuterung der Auflagenlösung definieren wir Ui(Ei) als den Nutzen des Unternehmens i durch die Schadstoffemission. Diesen Nutzen können wir als eingesparte Kosten der Schadstoffverminderung interpretieren, weil der Nutzen von Emissionen für Unternehmen gerade dadurch entsteht, dass die Produktionskosten mit Emissionen niedriger sind als ohne. Weiterhin nehmen wir an, dass das Unternehmen beim Fehlen jeder umweltpolitischen Regulierung maxiE emittiert. Die maximalen Emissionen max iE beschreiben damit die betriebswirtschaftlich optimale Technik beim Fehlen umweltpolitischer Eingriffe. Die Einführung einer solchen Emissionsgrenze ist sinnvoll, weil der be triebswirtschaftliche Grenznutzen einer zusätzlich emittierten Einheit irgendwann nicht mehr positiv sein wird – andernfalls würden Unternehmen beim Fehlen umweltpolitischer Instrumente unendlich viel emittieren, was keine besonders realistische Annahme wäre. Mit iE + bezeichnen wir die von der Umweltbehörde genehmigten Emissionen, deren Überschreitung die Ordnungsstrafe Z nach sich zieht. In der Praxis müssen wir davon ausgehen, dass die Ordnungsstrafe Z umso größer wird, je drastischer die Missachtung des Standards iE + ist. Da dies aber für die Untersuchung der Anreizwirkungen der Auflage nebensächlich ist, unterstellen wir vereinfachend, dass Z unabhängig vom Ausmaß der Überschreitung immer dann anfällt, wenn das Unternehmen die zu lässige  Höchstgrenze nicht einhält (also über f hinaus emittiert und dies festgestellt wird). In der Praxis wird oft das sog. Vollzugsdefizit beklagt, worunter verstanden wird, dass die Umweltbehörden angesichts einer hohen Auflagendichte überlastet sind und des halb keineswegs alle Überschreitungen feststellen können. Diesem Sachverhalt tragen wir Rechnung, indem wir bei Nicht-Einhaltung von iE + eine „Entdeckungswahrscheinlichkeit“ p(Ei) einführen. Dabei nehmen wir plausiblerweise an, dass p umso größer ist, je höher das Ausmaß der Überschreitung ist. Unter diesen Umständen weist die Zielfunktion G des Unternehmens offenbar eine Sprungstelle in iE + auf und kann folgendermaßen geschrieben werden: ( ) für alle ( ) ( ) ( ) für alle i i i i i i i i i i i U E E E G E U E p E Z E E + + ≤ = − > (4.1) Der erste Teil von (4.1) zeigt, dass das Unternehmen für alle Emissionen unter dem genehmigten Niveau keine erwarteten Zahlungen hat und sein Gesamtnutzen daher dem Nutzen der Emissionen selbst entspricht. Wird dieses Niveau dagegen überschritten

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.