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3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen bei externen Effekten in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 62 - 69

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_62

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 49 3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen 49 Wir haben nun genügend Vorarbeiten geleistet, um uns der Untersuchung der einzelnen Instrumente zuwenden zu können. Dabei analysieren wir die Instrumente grundsätzlich separat voneinander, d.h. wir gehen davon aus, dass jeweils nur ein Instrument zur Internalisierung externer Effekte existiert. An einigen Stellen werden wir allerdings erläutern, welche Unterschiede sich durch die gleichzeitige Verwendung verschiedener Instrumente ergeben können. Den folgenden Abschnitt haben wir als „Exkurs“ gekennzeichnet, weil er im Unterschied zu den bisherigen Überlegungen für ein Verständnis der folgenden Kapitel nicht unbedingt erforderlich ist. Es geht in erster Linie darum, die Interpretation von Emissionen als gewöhnlichen Produktionsfaktor zu verdeutlichen, die erforderlichen Voraussetzungen für die Bestimmung des Optimums klarer zu machen, den Zusammenhang zwischen Emissionen und Umweltqualität explizit zu modellieren sowie die Bedeutung von Schattenpreisen und Opportunitätskosten genauer zu explizieren. All dies ist allein schon deshalb notwendig, um dem falschen Eindruck entgegenzuwirken, die Ergebnisse seien nur auf allzu primitive Modellannahmen zurückzuführen. Formal weniger interessierte Leser/innen, denen außerdem alle verwendeten Grundkonzepte bisher klar sind, können den Abschnitt (zunächst) überschlagen. 3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen bei externen Effekten Wir wollen die Effizienzbedingungen bei externen Effekten nun in einem allgemeineren Modell herleiten. Dabei interpretieren wir Emissionen (wieder) als ganz gewöhnlichen Produktionsfaktor, dessen Einsatz den Output erhöht. Denn genau die damit verbundene Kostenverminderung ist ja der Nutzen der Emissionen. Dies bedeutet letztlich, dass in der Produktionsfunktion die Faktoren Arbeit, Kapital und Emissionen gegeneinander substituiert werden können. Diesen Aspekt wollen wir bei einer etwas genaueren Herleitung der Effizienzbedingungen bei externen Effekten nun explizit berücksichtigen. Produziert werde ein Konsumgut C, dessen Menge gemäß der Produktionsfunktion (3.26) eine Funktion der zur Produktion eingesetzten Arbeit Ac, der Emissionen E und der Umweltverschmutzung Q sei: ( )cC C A E Q= ; ; (3.26) Der Behandlung der Emissionen als gewöhnlichen Produktionsfaktor liegt also der Sachverhalt zu Grunde, dass mit steigenden Emissionen ceteris paribus eine größere Menge produziert werden kann. Dies besagt nichts anderes, als dass die Vermeidung von Emissionen Kosten verursacht. Die darüber hinausgehende Berücksichtigung der Umweltbelastung Q in der Produktionsfunktion besagt, dass sich eine verschlechterte Umweltqualität negativ auf die Produktion auswirkt. Solche negativen Produktionsexternalitäten können beispielsweise dadurch auftreten, dass das im Produktionsprozess verwendete Wasser zu nächst gereinigt werden muss, dass die Forstwirtschaft aufgrund des Waldsterbens einen schlechteren Baumbestand zur Verfügung hat, oder die Nordseefischer nun die dreifache Zeit benötigen, um schmackhafte und gesundheitlich Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 50 3 Theorie externer Effekte50 unbedenkliche Fische zu fangen. Somit gehen wir davon aus, dass sich die eingesetzte Arbeitsmenge17 und die Emissionen positiv und die Umweltverschmutzung negativ auf die Produktion des Konsumgutes auswirken: 0 c C A ∂ > ∂ (3.27) 0 C E ∂ > ∂ (3.28) 0 C Q ∂ < ∂ (3.29) Da wir gemäß der üblichen produktionstechnischen Annahme sinkende partielle Grenzproduktivitäten sowie progressiv steigende Auswirkungen der Umweltbelastung unterstellen, gelten: 2 2 0 ( )c C A ∂ < ∂ (3.30) 2 2 0 C E ∂ < ∂ (3.31) 2 2 0 C Q ∂ < ∂ (3.32) Offensichtlich müssen wir nun berücksichtigen, dass die Umweltverschmutzung Q ihrerseits von den Emissionen E abhängt. Dazu betrachten wir die Umweltverschmutzung als Funktion der Arbeit Aq und der Emissionen E, die – beispielsweise von der Öffentlichen Hand oder von freiwilligen Helfern – zur Vermeidung oder Beseitigung der Umweltbelastung aufgewendet wird: ( )qQ Q E A= , (3.33) Für zahlreiche Schadstoffe kann angenommen werden, dass die Umweltbelastung eine progressiv steigende Funktion der Emissionen ist. Die Grenzproduktivität der Arbeit zur Verminderung der Umweltverschmutzung wird gemäß den gängigen Annahmen als positiv und sinkend unterstellt: 0 q Q A ∂ < ∂ (3.34) 2 2 0 ( )q Q A ∂ > ∂ (3.35) 0 Q E ∂ > ∂ (3.36) 17 Man könnte auch allgemein n Produktionsfaktoren berücksichtigen, ohne dass sich die wesentlichen Ergebnisse ändern würden. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 51 3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen 51 2 2 0 Q E ∂ > ∂ (3.37) Die Nutzenfunktion kann auf unterschiedliche, letztlich aber äquivalente Arten berücksichtigt werden. Eine erste und verbreitete Methode besteht darin, soziale Wohlfahrtsfunktionen zu formulieren, die eine bestimmte Gewichtung individueller Nutzenindizes enthalten. Dies haben wir in den vorhergehenden Abschnitten von Kapitel 3 gemacht, indem wir einfach unterstellt haben, dass die Emissionen Schäden erzeugen, die mit negativem Vorzeichen in die soziale Wohlfahrtsfunktion eingehen. Alternativ dazu kann man sich zweitens auf individuelle Nutzenfunktionen beschränken und das Optimum bestimmen, indem der Nutzenindex eines Wirtschaftssubjektes unter Konstanz der Nutzenindizes aller anderen Betroffenen maximiert wird. Die dritte, nun gewählte Methode besteht darin, einen repräsentativen Konsumenten zu unterstellen, dessen Nutzenindex von der Menge des Konsumgutes C und der Umweltverschmutzung Q abhängt: ( )U U C Q= ; (3.38) Ein wichtiger Unterschied zu der Vorgehensweise in den vorhergehenden Abschnitten ist also, dass wir nicht nur die Emissionen, sondern auch die Produktionsmenge und den Zusammenhang zwischen beiden explizit in das Modell aufnehmen. Der Grenznutzen des Konsums sei wie gewohnt positiv und sinkend, während sich die Umweltbelastung mit steigendem Verschmutzungsgrad immer stärker auf die Wohlfahrt auswirkt: 0 U C ∂ > ∂ (3.39) 2 2 0 U C ∂ < ∂ (3.40) 0 U Q ∂ > ∂ (3.41) 2 2 0 U Q ∂ < ∂ (3.42) Schließlich wird angenommen, dass die insgesamt verfügbare Arbeits- bzw. Ressourcenmenge exogen gegeben sei:18 c qA A A= + (3.43) Die Aufgabe besteht nun in der Bestimmung der Bedingungen, die ein Pareto Optimum beschreiben. Dazu muss die Nutzenindexfunktion (3.38) unter Beachtung der Restriktionen (3.26), (3.33) und (3.43) maximiert werden. Von den einfachsten Lagrangerechnungen unterscheidet sich das Modell dadurch, dass mehrere Nebenbedingungen vorliegen. Grundsätzlich ändert sich aber nichts, so dass wir als Lagrangeansatz Gleichung (3.44) erhalten: 18 Andernfalls müssten wir in die Nutzenfunktion auch Freizeit aufnehmen, um das Arbeitsangebot ebenfalls zu endogenisieren. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 52 3 Theorie externer Effekte52 ( ) ( ( ) ) ( ( ) ) ( ) c c q q a c q L U C Q C A Q E C Q E A Q A A A = ; + λ ; ; − + λ , − + λ − − (3.44) Zur Interpretation von Gleichung (3.44) sei daran erinnert, dass l in der Lagrangefunktion die Veränderung der Zielfunktion bei einer marginalen Änderung der Res triktion angibt. Da wir hier mehrere Nebenbedingungen berücksichtigen müssen, haben wir verschiedene Lagrangemultiplikatoren, die zur Unterscheidung mit den Buchstaben der Nebenbedingungen indiziert werden, auf die sie sich beziehen. lc ist demnach die Nutzen erhöhung bei einer marginalen Erhöhung der Konsumgütermenge und somit der Grenznutzen des Konsums. Analog sind lq der (negative) Grenznutzen der Umweltbelastung und la der Grenznutzen der Arbeit. Da im Gleichgewicht der Grenznutzen jedes Gutes seinem Preis (bzw. seinen Opportunitätskosten)19 entspricht, werden die verschiedenen Lagrangemultiplikatoren auch als Schattenpreise bezeichnet. Unter einem Schattenpreis versteht man den Preis eines Gutes im Pareto-Optimum. Zur Bestimmung des Optimums müssen die partiellen Ableitungen der Lagrangefunktion nach den Unbekannten C, Q, Ac, Aq, E, lc, lq und la gebildet und gleich Null gesetzt werden, was zu den Bedingungen erster Ordnung führt:20 0c L U C C ∂ ∂ = −λ = ∂ ∂ (3.45) c U C ∂ ⇒ = λ ∂ (3.46) 0q c L U C Q Q Q ∂ ∂ ∂ = −λ + λ = ∂ ∂ ∂ (3.47) c q U C Q Q ∂ ∂ ⇒ +λ = λ ∂ ∂ (3.48) 0c a c c L C A A ∂ ∂ = λ −λ = ∂ ∂ (3.49) c a c C A ∂ ⇒ λ = λ ∂ (3.50) 0q a q q L Q A A ∂ ∂ = λ −λ = ∂ ∂ (3.51) q a q Q A ∂ ⇒ λ = λ ∂ (3.52) 19 Exakterweise müssten wir stets vom Verhältnis der Grenznutzen und vom Verhältnis der Preise sprechen. 20 Auf die explizite Aufführung der Ableitungen nach l wird verzichtet, da sich wieder die Restriktionen (3.26), (3.33) und (3.43) ergeben. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 53 3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen 53 0c q L C Q E E E ∂ ∂ ∂ = λ + λ = ∂ ∂ ∂ (3.53) c q C Q E E ∂ ∂ ⇒ λ = −λ ∂ ∂ (3.54) Schauen wir uns nun zunächst die Optimalitätsbedingungen (3.46) bis (3.54) genau er an: Gleichung (3.46) drückt aus, dass der Schattenpreis des Konsumgutes lc seinem Grenznutzen U C∂ / ∂ entspricht. U Q∂ / ∂ in Gleichung (3.48) ist die (negative) Auswirkung einer marginalen Änderung der Umweltverschmutzung auf den Nutzenindex unseres repräsentativen Konsumenten und drückt somit die negative Konsumexternalität aus. lc ist der Schattenpreis bzw. der Grenznutzen des Konsums und C Q∂ / ∂ die (negative) Auswirkung einer marginalen Änderung der Umweltbelastung auf den Konsum; c C Qλ ⋅∂ / ∂ ist somit der negative Grenznutzen der Umweltbelastung in der Konsumgüterproduktion. c qU Q C Q∂ / ∂ + λ ⋅∂ / ∂ = λ drückt also aus, dass der Schattenpreis bzw. der (negative) Grenznutzen der Umweltverschmutzung lq von zwei Komponenten bestimmt wird: Erstens von der Konsumexternalität U Q∂ / ∂ und zweitens von der Produktionsexternalität .c C Qλ ⋅∂ / ∂ Aus didaktischen Gründen ist es sinnvoll, die Betrachtung der Gleichungen (3.50) und (3.52) einen Moment zurückzustellen und zunächst (3.54) zu betrachten. In Gleichung (3.54) ist lc der Schattenpreis bzw. der Grenznutzen des Konsums und C E∂ / ∂ die Grenzproduktivität der Emissionen; c C Eλ ⋅∂ / ∂ ist der Grenznutzen der Emissionen in der Konsumgüterproduktion. lq ist der Schattenpreis bzw. der (negative) Grenznutzen der Umweltverschmutzung und Q E∂ / ∂ die Änderung der Umweltbelastung bei einer marginalen Emissionsänderung; q Q Eλ ⋅∂ / ∂ ist demnach der Grenznutzen der Emis sionen hinsichtlich der Umweltbelastung. Gleichung (3.54) zeigt somit, dass der (positive) Grenznutzen der Emissionen in der Konsumgüterproduktion im Gleichgewicht dem (negativen) Grenznutzen der Emis sionen entspricht, der durch die Verschlechterung der Umweltqualität entsteht.21 In Gleichung (3.50) ist lc der Schattenpreis bzw. der Grenznutzen des Konsum gutes und cC A∂ / ∂ die Grenzproduktivität der Arbeit in der Konsumgüterproduktion; c cC Aλ ⋅∂ / ∂ ist demnach der Grenznutzen der Arbeit in der Konsumgüterproduktion. Dieser muss gemäß Gleichung (3.50) dem Schattenpreis der Arbeit la entsprechen. Analog ist lq der (negative) Schattenpreis bzw. der (negative) Grenznutzen der Umweltverschmutzung und qQ A∂ / ∂ die Grenzproduktivität der Arbeit in der Reduktion der Umweltbelastung; q qQ Aλ ⋅∂ / ∂ ist somit der Grenznutzen der Arbeit in der Verringerung der Umweltbelastung. Dieser ist gemäß Gleichung (3.52) gleich dem Schattenpreis der Arbeit la. Dividiert man (3.50) und (3.52), so folgen 1 c c q q C A Q A ∂ λ ∂ = ∂ λ ∂ (3.55) 21 Das Minuszeichen erklärt sich daraus, dass Q Eqλ ⋅∂ / ∂ negativ ist. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 54 3 Theorie externer Effekte54 c q c q C Q A A ∂ ∂ λ = λ . ∂ ∂ (3.56) Gleichung (3.56) zeigt, dass der Grenznutzen der Arbeit in beiden Verwendungsmöglichkeiten – d.h. in der Konsumgüterproduktion und bei der Verringerung der Umweltverschmutzung – gleich sein muss.22 Zur Bestimmung des Schattenpreises der Emissionen gehen wir von Gleichung (3.53) in der Schreibweise (3.57) aus: q c C Q E E λ∂ ∂ = − ∂ λ ∂ (3.57) Setzt man für den Schattenpreis der Umweltverschmutzung (lq) Gleichung (3.48) und für den Schattenpreis des Konsums dessen Grenznutzen aus Gleichung (3.46) ein, so folgt U Q U C Q C Q E C Q E UE C ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ − + ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂= ∂∂ ∂ (3.58) U C U Q U C Q C E Q E C Q E ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ = − + . ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ (3.59) Gleichung (3.59) ist letztlich nichts anderes als eine andere Schreibweise von Gleichung (3.58), in der die Schattenpreise der Umweltverschmutzung bzw. des Konsums durch die entsprechenden Grenznutzen ersetzt wurden. Ferner steht auf der linken Seite der Gleichung nun nicht mehr nur die Auswirkung einer marginalen Änderung der Emissionen auf die Konsumgüterproduktion ( ),C E∂ / ∂ sondern der Grenznutzen der Emissionen in der Produktion ( ),C E U C∂ / ∂ ⋅∂ / ∂ der sich aus C E∂ / ∂ und dem Grenznutzen des Konsums ( )U C∂ / ∂ zusammensetzt. Auf der rechten Seite gibt der erste Summand die Grenzschädigung der Emissionen an, die dadurch entsteht, dass sich die Wirtschaftssubjekte direkt durch die Verschlechterung der Umweltqualität gestört fühlen.23 Die Grenzschädigung durch die Konsumexternalität setzt sich zusammen aus der Auswirkung der marginalen Emissionsänderung auf die Umweltbelastung ( )Q E∂ / ∂ und der Auswirkung der marginalen Umweltbelastung auf den Nutzenindex ( ).U Q∂ / ∂ Der zweite Summand auf der rechten Seite von Gleichung (3.59) ist die Grenzschädigung der Emissionen durch die Reduktion der Produktion, die durch die Verschlechterung der Umweltqualität hervorgerufen wird. Dieser Summand ergibt sich aus den Auswirkungen der marginalen Emissionsänderung auf die Umweltverschmutzung ( ),Q E∂ / ∂ den Auswirkungen der marginalen Veränderung der Umweltbelastung auf die Konsumgüterproduktion ( )C Q∂ / ∂ sowie der dadurch hervorgerufenen Änderung 22 Hätten wir die Arbeitsmenge nicht exogen sondern in Form einer Nutzenfunktion mit den Argumenten Konsum und Freizeit vorgegeben, so würde sich als zusätzliches Resultat ergeben, dass der Grenznutzen der Freizeit dem Grenznutzen der durch Arbeit ermöglichten marginalen Konsumsteigerung bzw. dem Grenznutzen der durch Arbeit ermöglichten marginalen Verbesserung der Umweltqualität entspricht. 23 Das Minuszeichen ergibt sich daraus, dass U Q∂ / ∂ negativ ist. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 55 3.7 Exkurs: Eine formalere Darstellung der Effizienzbedingungen 55 des Nutzenindexes ( )U C∂ / ∂ . Demnach gibt der erste Summand auf der rechten Seite das Ausmaß der Konsum- und der zweite das Ausmaß der Produktionsexternalität an; beide zusammen messen die gesamte Grenzschädigung der Emissionen. Gleichung (3.59) zeigt somit, dass der Grenznutzen der Emissionen im Pareto-Optimum der Grenzschädigung entsprechen muss, die sich aus der Konsum- und der Produktionsexternalität zusammensetzt. Da gewinnmaximierende Unternehmen ihre Faktorkombination und Produktionsmenge an den Marktpreisen orientieren, übersteigt die Grenzschädigung der Emissionen ohne Internalisierung externer Effekte deren Grenznutzen. Da Marktpreise ohne Internalisierung externer Effekte demnach nicht dafür sorgen können, dass Gleichung (3.59) erfüllt wird, muss den Emissionen ein Preis zugeordnet werden, der ihrem Schattenpreis le und somit ihrem Grenznutzen (linke Seite von Gleichung (3.59)) bzw. ihrer Grenzschädigung entspricht: e C U U Q U C Q E C Q E C Q E ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ λ = = − + ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ (3.60) Wir werden später sehen, dass der Grundgedanke von Abgaben- und Zertifikatelösungen gerade darin besteht, diesen Schattenpreis durch direkte Vorgabe eines Preises (im Falle der Abgabenlösung) oder durch die Vorgabe einer zulässigen Gesamtemissionsmenge herbeizuführen und dadurch – im theoretischen Idealfall – das Optimum zu implementieren. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 57 4 Auflagen 4.1 Grundgedanke und Überblick Unter Auflagen versteht man die Vorgabe bestimmter Normen, deren Nicht-Einhaltung zu Zahlungen an die Öffentliche Hand führt. Auflagen sind also dem Ordnungsrecht zu zurechnen und treten in der Umweltpolitik aller Länder in vielen Varianten auf. Auflagen finden sich beispielsweise in der Luftreinhaltung und dem Gewässerschutz, wo es einerseits Emissions- und andererseits Immissionsbeschränkungen gibt.1 Unter Emissionen versteht man die Schadstoffbelastungen an der Quelle, d.h. also beispielsweise den an einem bestimmten Schornstein gemessenen SO2-Ausstoß. Entsprechend legen Emissionsbeschränkungen den maximal zulässigen SO2-Ausstoß des Schornsteins, gemessen z.B. pro m3 Abluft oder pro Zeiteinheit fest. Im Unterschied dazu versteht man unter Immissionen die Schadstoffbelastungen im Raum, also z.B. die in der Wiesbadener Innenstadt gemessene SO2-Belastung. Letztlich entscheidend für die Lebensqualität sind selbstverständlich die Immissionen, so dass es auch dafür Grenzwerte gibt. So gilt etwa in Hessen seit einigen Jahren Tempo 100 auf Autobahnen, sofern die Ozonbelastung einen bestimmten Wert übersteigt. Neben solchen Emissions- und Immissionsbeschränkungen gibt es im Bereich von Auf lagen auch Produktstandards wie die Festlegung von Belastungsgrenzen in Lebensmitteln. Verbote von Produkten oder Produktionsprozessen können wir ökonomisch einfach als Spezialfall der Auflagenpolitik interpretieren, bei der das zulässige Niveau bei Null fest gelegt wird. Ein naheliegender Vorteil der Auflagenpolitik kann darin gesehen werden, dass diese bei einer hohen Kontrolldichte und hohen Strafzahlungen bei Missachtung der Standard seinen großen Anreiz zur Einhaltung dieser bieten, und daher eine große ökologische Treffsicherheit aufweisen. Darüber hinaus stellen Auflagen in der Regel recht einfach zu erfassende und leicht umzusetzende Konstrukte dar, die sich nicht zuletzt deshalb nach wie vor großer Beliebtheit bei Umweltpolitikern erfreuen. So sind zahlreiche neu eingeführte und diskutierte Umweltinstrumente nach wie vor auflagenbasiert, wie bspw. das Verbot von Glühlampen in der EU, die Einführung von sogenannten Umweltzonen in zahlreichen deutschen Städten oder die anhaltende Diskussion über das Verbot neuer Technologien in der Erdgasförderung („Fracking“) zeigen. Als Nachteil wird sich dagegen erweisen, dass die Auflagenpolitik im Vergleich zu anderen Instrumenten zu überhöhten Kosten führt, sofern die Umweltbehörde nicht vollständig informiert ist oder die Auflagen aus anderen Gründen nicht perfekt an die individuellen Kostensituationen einzelner Unternehmen angepasst werden können. 1 Vgl. für Analysen von Auflagen ausführlicher z.B. Gawel/Hansmeyer (1995) und Gawel (1996).

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.