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13.7 Zusammenfassung in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 350 - 352

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_350

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 342 13 Ressourcenökonomie342 Gleichgewicht entsprechen sich dabei die Grenzkosten der Ausweitung der Fördermenge aus bestehenden Feldern sowie aus noch nicht entwickelten Feldern und die Grenzkosten der Exploration (also der Suche nach neuen Feldern). Diese als Wiederbeschaffungskosten bezeichnete Größe bestimmt in den neueren ressourcenökonomischen Ansätzen den Preis der Ressource anstelle der ursprünglichen Hotelling-Knappheitsrente.24 Analog ist zu bedenken, dass durch technischen Fortschritt Vorkommen den Ressourcenbestand erweitern können, die aktuell noch unbekannt sind oder zumindest bei gegebener Technologie nicht effizient förderbar sind.25 Das Zusammenspiel von technischem Fortschritt und Preisanstieg der Ressource spiegelt sich auch in einer weiteren wichtigen Modellerweiterung wieder, mit der Hotellings‘ Ansatz der Realität angenähert werden kann: der Backstop-Technologie.26 Hierbei wird die Substitutionsmöglichkeit der Ressource in die Betrachtung eingezogen. In der Modelllogik bedeutet dies, dass der Preispfad irgendwann nicht mehr weiter steigt, sondern konstant bleibt. Dies liegt daran, dass es sich ab einem gewissen Preisniveau lohnt, auf die Ressource zu verzichten und sie gegen eine Alternative auszutauschen. In der Praxis stellen sich allerdings die Probleme, dass die Substitutionsbeziehungen nicht immer eindeutig sind, die Kosten bzw. Preise der Alternativen (noch) nicht vollständig bekannt sind und der Zeitpunkt der Zurverfügungstehung der Backstop-Technologie ebenfalls häufig nur geschätzt werden kann. Für eine Ressource können zudem zahlreiche Substitute existieren, die schrittweise als Alternativen in Betracht kommen. So wurde mit steigendem Ölpreis in den 1970er Jahren das Öl zunächst aus der Stromerzeugung verdrängt, seit den 1980er Jahren folgte der Heizsektor. Im Verkehrsbereich ist der Anteil der Erdölprodukte jedoch ungebrochen hoch, was schließen lässt, dass die Substitutionsbeziehungen sehr divers sind. Zudem können die Austauschphasen auch mehrere Jahrzehnte dauern. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei betont, dass die genannten Punkte keine Fundamentalkritik des Hotelling-Modells sind, sondern vielmehr zeigen, in welche Richtungen der Ansatz weiter entwickelt wurde und weiter entwickelt werden sollte, um das Verständnis realer Entwicklungen zu verbessern.27 13.7 Zusammenfassung Die abgeleiteten Ergebnisse können wir folgendermaßen zusammenfassen: 1. Die Bedingungen für einen wohlfahrtsoptimalen Abbau natürlicher Ressourcen unterscheiden sich von den Bedingungen der gewöhnlichen Güterallokation dadurch, dass zusätzlich zu den Produktions- bzw. Abbaukosten die intertemporale Knapp heit 24 Vgl. hierfür vor allem Adelman (1990). 25 Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür sind die kanadischen Ölsande, die noch in den 1990er Jahren überhaupt nicht als offizielle Reserven eingestuft wurden, aktuell aber bereits 10 % der Welterdölreserven ausmachen. Ursachen hierfür war ein Zusammenspiel aus technologischen Weiterentwicklungen und dem seit Ende 1997 kontinuierlich steigenden Ölpreis. 26 Vgl. hierfür ausführlich Ströbele (1987). 27 Einen kurzen Überblick über die zentralen Annahmen und wirtschaftspolitischen Aussagen der beiden wichtigsten Denkschulen (den zuvor angesprochenen „Geologen“ und den u.a. von Adelman maßgeblich beeinflussten sog. „Ökonomen“) gibt Seeliger (2006), S. 5–8. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 343 13.7 Zusammenfassung 343 berücksichtigt werden muss. Diese intertemporale Knappheit drückt sich im Schattenpreis bzw. den Opportunitätskosten λaus. Die Effizienzbedingung besagt dann, dass die diskontierte Differenz aus Grenznutzen und Grenzkosten in allen Perioden gleich sein muss. 2. Diese grundlegende Effizienzbedingung, die unter Vernachlässigung der Kosten als Hotelling-Regel bezeichnet wird, wird nicht nur durch einen fiktiven sozialen Planer, sondern auch durch die Marktform vollständiger Konkurrenz erreicht. Man spricht deshalb auch davon, dass die optimale Abbaugeschwindigkeit durch vollständige Konkurrenz dezentralisiert werden kann. 3. Monopolistische Ressourcenbesitzer bauen die Ressource langsamer ab, weil sie in jeder Periode berücksichtigen, dass ihre Angebotserhöhung eine Preisverminderung bewirkt. Man kann deshalb das Monopol als „Freund des Umweltschützers“ bezeichnen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass das Monopol nicht zum Optimum führt, sondern der Abbau gemessen am Optimum zu langsam ist. Man könnte argumentieren, dass in aller Regel beim Abbau und Konsum der Ressource negative externe Effekte anfallen, so dass dem dann – gemessen am Optimum – zu schnellen Ressourcenabbau durch unvollständige Konkurrenz entgegengewirkt werden kann. Es ist jedoch stets besser, negative externe Effekte zu internalisieren, als darauf zu hoffen, dass das eine Marktversagen (negative externe Effekte) durch das andere Marktversagen (unvollständige Konkurrenz) ausgeglichen wird. 4. Wie mehrfach erwähnt, führt die Marktform vollständiger Konkurrenz ohne weitere Regelungen nur dann zum optimalen Ressourcenabbau, wenn keine negativen externen Effekte vorliegen. Da dies aber in aller Regel der Fall ist, gelten für die Ressourcenökonomie die in den vorhergehenden Kapiteln angestellten Überlegungen weiterhin. Da dies der (neoklassischen) Ressourcenökonomie selbstverständlich bewusst ist und in zahlreichen Modellen behandelt wird, wäre es nicht berechtigt, dieser einen naiven Glauben an die Marktkräfte zu unterstellen. Allerdings bleibt das ethische Problem einer Diskontierung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen, deren Berechtigung nur von Modell zu Modell und von Gebiet zu Gebiet diskutiert werden kann.28 5. Der Hotelling-Ansatz ist aufgrund seiner teils restriktiven Annahmen für die meisten praktischen ressourcenökonomischen Probleme nicht unmittelbar anwendbar. Allerdings bildet er die Basis für zahlreiche praxisorientierte Weiterentwicklungen, mit denen ein Bezug zu aktuellen Fragestellungen (bspw. Ölpreisprognosen) hergestellt werden kann. 28 Vgl. Ströbele (1992). Eine häufig diskutierte „Gegenvariante“ ist das Rawls-Kriterium: dieses besagt, dass die Gesamtwohlfahrt nur so hoch sein kann wie die Wohlfahrt der Generation mit dem niedrigsten Nutzen, so dass es sich also um einen streng egalitären Ansatz handelt. Analog zur gewöhnlichen Wohl fahrtsmaximierung ohne Diskontierung führt das Rawls-Kriterium aber zu Schwierigkeiten, wenn ein unendlicher Zeithorizont unterstellt wird. Für eine ausführliche Diskussion ethischer Fragen im Kontext der Ressourcenökonomie sei auf Buchholz (1984) und Hampicke (1992) verwiesen. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 344 13 Ressourcenökonomie344 13.8 Exkurs: Eine etwas formalere Darstellung des Grundproblems: Die optimale Kontrolltheorie In den bisherigen Abschnitten gingen wir davon aus, dass das Optimierungsproblem des sozialen Planers bzw. der privaten Ressourcenbesitzer diskret dargestellt werden kann. In der ökonomischen Theorie wird die Aufgabe des optimalen Abbaus natürlicher Ressourcen dagegen immer stetig formuliert. Das dabei verwendete Konzept wollen wir im Folgenden für einfache Fälle erneuerbarer und nicht-erneuerbarer Ressourcen darstellen, weil erst dieses den Zugang zu der elaborierteren Theorie natürlicher Ressourcen ermög licht. Dabei gehen wir in den Abschnitten 13.8.1 und 13.8.2 vereinfachend davon aus, dass keine Abbaukosten existieren, weil wir ja schon in Abschnitt 13.4 gezeigt haben, dass die Einführung von Kosten das Problem im Kern unverändert lässt. Die anderen, in den vorhergehenden Abschnitten dargestellten Fälle (Abbaukosten und monopolistischer Ressourcenbesitzer) können analog behandelt werden. 13.8.1 Das Grundmodell nicht-erneuerbarer Ressourcen Wir betrachten zunächst den Fall nicht-erneuerbarer Ressourcen und gehen dabei von ei nem privaten Ressourcenbesitzer aus, der seinen Bestand im endlichen Zeitraum T konsu mieren möchte. In der stetigen Formulierung wird die Zielfunktion dann durch Gleichung (13.29) ausgedrückt: 0 ( ) ( ) T t it u y U y dt e = ∫ (13.29) Diese in der Volkswirtschaftslehre allgemein und in der Ressourcenökonomie speziell übliche Darstellung einer intertemporalen Zielfunktion gemäß (13.29) ist für betriebswirtschaftliche Leser/innen etwas ungewohnt, weist bei komplizierteren Problemen aber einige Vorteile in der Handhabung auf. Die gewöhnliche betriebswirtschaftliche Darstel lung, beispielsweise bei einer intertemporalen Gewinnmaximierung, wäre 0 ( ) ( ) . (1 ) T t t u y u y dt r = +∫ (13.30) Der entscheidende Unterschied in der Darstellung ist die unterschiedliche Interpretati on von i und r: Während r ein Periodenzinssatz ist, ist i ein infinitesimal kleiner Zinssatz, der zu jedem Zeitpunkt anfällt. In einem diskreten Modell könnten wir i beispielsweise als Zinsen interpretieren, die jeden Tag anfallen, während r am Ende eines Jahres gezahlt wird. Dabei lassen sich die beiden Darstellungen (13.29) und (13.30) allerdings ineinander überführen, weil es selbstverständlich stets einen stetigen Zinssatz i gibt, der zum gleichen Kapital am Ende eines Jahres führt wie ein einmalig anfallender Zinssatz r (schließlich haben die Banken zahlreiche Möglichkeiten, um potentielle Kreditnehmer zu verwirren, ohne das Ergebnis wirklich zu verändern). Aufgrund der Eigenschaften der Zahl e besteht folgender Zusammenhang zwischen i und r:29 29 Leser/innen, die sich der Eigenschaft von e nicht (mehr) vollends bewusst sind, können ihre Erinne rung besonders gut bei Chiang/Wainwright (2005) auffrischen.

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.