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11.6 Ausblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 302 - 304

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_302

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 293 11.6 Ausblick 293 Analog können wir auch wieder zeigen, dass die Anreizverträglichkeitsbedingung lediglich für den guten Typ bindend ist, während der schlechte Typ keinen Grund hat, sich für den guten Typ auszugeben. Denn wenn der schlechte Typ den Vertrag wählt, der für den guten Typ vorgesehen ist, so erhält er nur eine Subvention, die für den guten Tech nologieparameter konzipiert und daher für ihn zu gering ist. Bindend sind demnach die Ungleichungen (11.26) (Teilnahmebedingung für den schlechten Typ) und (11.27) (An reizverträglichkeitsbedingung für den guten Typ). Ganz analog erzielt der gute Typ also wieder eine Informationsrente, die den Principal – in unserem Fall also die wohlfahrtsmaximierende Umweltbehörde – dazu bringt, bei ihrem Vertragsangebot für den schlechten Typ vom Optimum, in dem die Grenzkosten der Innovation den eingesparten Grenzkosten der Emissionsvermeidung entsprechen, abzuweichen. Aus diesen Überlegungen ergeben sich folgende Resultate: • der schlechte Typ erzielt einen Gewinn von Null (die Teilnahmebedingung ist bindend erfüllt); • der gute Typ erzielt einen positiven Gewinn (die Teilnahmebedingung ist übererfüllt). Dies bedeutet, dass ein negativer Wohlfahrtseffekt dadurch entsteht, dass die Subventionen höher als erforderlich sind; • für den guten Typ kommt es zur kosteneffizienten Innovation, bei der die Grenz kosten der Innovation gerade den eingesparten Grenzkosten der Schadstoffverminderung entsprechen; • für den schlechten Typ kommt es zur Unter-Innovation, um die Imitation durch den guten Typ weniger reizvoll zu gestalten; • und somit ergibt sich im second best auf jeden Fall ein Wohlfahrtsverlust: beim guten Typ durch die zu hohe Subvention und beim schlechten Typ durch die fehlerhafte Innovation, wobei die marginalen erwarteten Wohlfahrtsverluste durch beide Ineffizienzen genau gleich sein müssen. 11.6 Ausblick Unsere kleine Auswahl der Untersuchung umweltpolitischer Instrumente bei asymmetri scher Informationsverteilung hat gezeigt, dass mit einer pareto-effizienten Internalisierung externer Effekte normalerweise nicht gerechnet werden kann. Es gibt allerdings „intelligente“ Vertragsgestaltungen, mit denen die schlechter informierte Partei (der Getreidebauer in Abschnitt 11.4 und die Umweltbehörde in Abschnitt 11.5) die wirklichen „Typen“ der Beteiligten in Erfahrung bringen kann. Dabei kommt es zu second best-Lösungen, so dass kein Grund zu der Annahme besteht, dass die Umweltbehörde ihren (schlechten) Informationsstand analog zu Abschnitt 11.3 einfach akzeptieren muss. In Abschnitt 11.2 haben wir mit unbekannten Typen (adverse selection) und unbeobachtbaren Aktionen (moral hazard) die beiden Hauptformen einer asymmetrischen Informationsverteilung unterschieden, uns anschließend aber ausschließlich dem Problem unbekannter Typen gewidmet. Dies liegt daran, dass es sich dabei um ein Kernproblem der Umweltpolitik handelt: in den meisten Fällen muss in der Tat davon ausgegangen werden, dass die Unternehmen ihre Vermeidungskosten besser kennen als Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 294 11 Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung294 die Umwelt behörde und darüber hinaus – dies wird im Modell von Carraro/Siniscalco (1992) schön deutlich – einen strategischen Anreiz zur Verzerrung ihrer Informationen haben. Selbst verständlich gibt es neben dem hier ausführlicher behandelten Aufsatz zahlreiche andere Arbeiten, die das Design von Umweltpolitik bei unvollständiger Information auf ande re Instrumente sowie die Wahl zwischen Instrumenten ausdehnen. Laffont/Tirole (1996) analysieren die Ausgestaltung von Zertifikaten bei unvollständiger Information über die Vermeidungskosten, Montero (2002) entwickelt ein in seinen Grundzügen vergleichbares Modell, welches er empirisch mit Daten für Chile testet, Emons/Sobel (1991) und Feess/Hege (2002) analysieren Haftungsregeln für multikausale Schäden mit unbekannten Ver meidungskosten und Boyer/Porrini (2004) vergleichen Haftungsregeln mit Auflagen. An thon/Thorsen (2004) untersuchen am Beispiel der Wiederaufforstung von Wäldern den ebenfalls realistischen Fall, dass die Nutzer von Umweltgütern besser über ihre Nutzen informiert sind als die Umweltbehörde, und Lewis (1996) betrachtet Situationen, in denen sich die asymmetrische Information auf Vermeidungskosten und Nutzen der Umweltqua lität bezieht. Das moral hazard-Problem scheint innerhalb der Umweltökonomie von nicht ganz so großer Bedeutung, weil Emissionen gemessen werden können und auch gemessen werden. Da die Messung von Emissionen allerdings Geld kostet und auch nicht immer perfekt ist, werden in der Literatur auch Situationen betrachtet, in denen die Umweltbehörde entweder nur die gesamten Emissionen (aber nicht die Emissionen jedes einzelnen Un ternehmens) beobachten kann oder die Umweltbehörde nur stochastische Informationen darüber erhält, welches Unternehmen welche Menge emittiert hat. Arbeiten in diese For schungsrichtung stammen beispielsweise von Franckx (2002), Alvarez/Camina (2008) und Feess/Hege (2003). Hiritart/Martimort (2006) kombinieren Überlegungen zu adverse selection mit moral hazard-Problemen. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 295 12 Kosten-Nutzen-Analyse 12.1 Überblick Alle Fragen der Umweltökonomie und -politik lassen sich grundsätzlich unter zwei große Themenbereiche fassen: Der erste Themenkomplex betrifft die Zielformulierung, d.h. die Frage, welche Umweltqualitätsstandards für welche Schadstoffe und welche Umweltme dien definiert werden sollen. Zweitens ist zu überlegen, welche umweltpolitischen Instru mente in welchen Bereichen besonders gut geeignet sind, um die festgelegten Umweltqua litäten mit möglichst niedrigen Kosten zu erreichen. Während wir uns in allen bisherigen Kapiteln ausführlich mit dem zweiten Gebiet beschäftigt haben, widmen wir uns nun der Frage, welche Hilfestellung die Ökonomie bei der Festlegung von Umweltqualitätsstan dards bieten kann. Theoretisch handelt es sich bei der „richtigen“ Festlegung von Umweltqualitätsstan dards um ein Teilgebiet der sog. Kosten-Nutzen-Analyse (KNA), die immer dann notwendig wird, wenn Marktpreise die relativen Knappheiten der Ressourcen gar nicht oder nur un zureichend widerspiegeln. Solange Marktpreise die Präferenzen der Wirtschaftssubjekte exakt ausdrücken, kann auf zusätzlich durchgeführte Kosten-Nutzen-Analysen verzichtet werden: Da die Konsumenten ihre Nachfrage bis zum Ausgleich von Grenznutzen und Preis ausdehnen und die Produzenten bis zum Ausgleich von Grenzkosten und Preis anbieten, sind im Gleichgewicht Grenzkosten und Grenznutzen identisch, so dass eine pareto-effiziente Allokation der Ressourcen erreicht wird. Dies setzt aber wie mehrfach erläutert die Existenz privater Güter voraus, so dass die Marktpreise beim Vorliegen ex terner Effekte oder öffentlicher Güter nicht alle mit der Produktion und dem Konsum der Güter verbundenen Kosten und Nutzen reflektieren. Es ist also präzise die Existenz externer Effekte und öffentlicher Güter, die Kosten-Nutzen-Analysen notwendig macht.1 Folgerichtig werden Kosten-Nutzen-Analysen vor allem bei der Planung öffentlicher Projekte angewandt, wenn beispielsweise darüber entschieden werden soll, ob eine Autobahn ausgebaut werden soll oder nicht. Während zumindest die Kosten des Autobahnbaus (wenn auch nicht alle damit verbundenen Folgekosten) halbwegs präzise eingeschätzt werden können, besteht die Schwierigkeit bei der Quantifizierung der Nutzen darin, dass keine Marktpreise für die Autobahnnutzung existieren. Sieht man einen Moment lang heroisch von den ökologischen Folgekosten der Straßenbenutzung ab, so wäre die Erhebung einer Autobahngebühr zumindest auf der kaum befahrenen Autobahn Regensburg-Passau nachts um 3 Uhr auch ineffizient – die Grenzkosten der Nutzung sind Null, so dass eine effiziente Allokation auch einen Preis von Null 1 Vgl. für einen umfassenden Überblick bspw. Hanusch (2011) und Worch (1996). Letztere Quelle enthält zudem Anwendungen auf den Bereich des Gewässerschutzes.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.