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10.5.1 Einführung in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 269 - 270

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_269

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 259 10.5 Eine formalere Darstellung grenzüber schreitender Umweltprobleme 259 flikte zwischen einem (auf kurz fristige Gewinnmaximierung bedachten) Management und den Firmeneignern92 sowie Dilemmasituationen, die beispielsweise auf technologischen spill-overs und Lernkurvenef fekten beruhen.93 Insgesamt scheint uns aber der Versuch, eine strenge Umweltpolitik statt mit Umweltentlastungen auch mit Vorteilen für die Wettbewerbsfähigkeit begründen zu wollen, nicht sonderlich tragfähig zu sein. 10.5 Exkurs: Eine formalere Darstellung grenzüber schreitender Umweltprobleme94 10.5.1 Einführung In Abschnitt 10.2 haben wir die pareto-effizienten Umweltbelastungen unter unterschiedli chen Nebenbedingungen (nationale, grenzüberschreitende und globale Umweltprobleme) in einem sehr einfachen Modell dargestellt, in dem wir unter anderem direkt von den Nutzen der Emissionen ausgegangen sind. Die dort formulierten Ergebnisse wollen wir nun in einem etwas allgemeineren Modell herleiten, indem wir die Rolle der Emissionen im Produktionsprozess unter expliziter Berücksichtigung anderer Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) untersuchen. Formal weniger interessierte Leser/innen können den Abschnitt auslassen, da die hinter den Resultaten stehende Intuition bereits in Abschnitt 10.2 erläutert wurde. Das Modell wird daher nur für solche Leser/innen aufgenommen, die der teilweise etwas flapsigen Modellierung in Abschnitt 10.2 skeptisch gegenüberstehen. Wir verwenden ein Modell mit grenzüberschreitenden Schadstoffen, da sich die Ergebnisse für nationale und globale Schadstoffe als Spezialfälle davon darstellen lassen. Das in Abschnitt 10.2 skizzierte Grundproblem grenzüberschreitender Schadstoffe ist, dass nationale Festlegungen der Emissionen lediglich zu suboptimalen Lösungen führen, so dass eine internationale Koordination der Umweltpolitik nötig ist. Bei vollständiger Information lassen sich pareto-effiziente Emissionen grundsätzlich durch jedes beliebige umweltpolitische Instrument implementieren, sofern den unterschiedlichen nationalen Ge gebenheiten entsprechend Rechnung getragen wird. Wir betrachten als umweltpolitisches Instrument Emissionssteuern, möchten aber hervorheben, dass dies grundsätzlich beliebig ist. Wir interpretieren die Ergebnisse jeweils über die Steuersätze, da sich gemäß des Ausgleiches von Steuersatz und Grenzkosten der Schadstoffvermeidung jedem Steuersatz eindeutige Emissionshöhen zuordnen lassen. Wir gehen folgendermaßen vor: Nach Einführung der Modellannahmen in Abschnitt 10.5.2 bestimmen wir in Abschnitt 10.5.3 die Emissionssteuersätze, die sich bei der Maxi mierung der nationalen Wohlfahrtsfunktionen ergeben (Nash-Gleichgewicht). Diese sind gemäß den Überlegungen aus Abschnitt 10.2 zu niedrig, weil jedes Land ausschließlich die Emissionen berücksichtigt, die im Inland verbleiben. Anschließend ermitteln wir in 10.5.4 die Steuersätze, die sich aus der Maximierung der internationalen 92 Siehe beispielsweise Schmutzler (2001) und Ambec/Barla (2002). 93 Siehe hierzu beispielsweise Feess/Taistra (2000), Feess/Mühlheußer (2002) und Hamilton/ Requate (2001). 94 Vgl. für ähnliche Überlegungen schon Siebert (1996). 10.5 Eine formalere Darstellung grenzüber schreitender Umweltprobleme Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 260 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems260 Wohlfahrt ergeben. Es ist intuitiv einsichtig, dass diese über den nicht-kooperativen Steuersätzen liegen, weil alle Konsequenzen der Emissionen betrachtet werden. Bedenken Sie bitte, dass dieses Modell gegenüber den Erläuterungen des vorhergehenden Abschnitts insofern ein Rückschritt ist, als wir nun wieder von der Annahme vollständiger Konkurrenz ausgehen. 10.5.2 Modellannahmen, Gewinn- und Nutzenmaximierung Die Annahmen über Produktions-, Nutzen- und Schadstofffunktionen entsprechen denen, die bei der Integration externer Effekte in die traditionelle Außenhandelstheorie sehr häufig verwendet werden. Wir betrachten n Länder, die ihre jeweiligen Outputs mit Hilfe von Arbeit und Kapital erzeugen können. Emissionen modellieren wir als Kuppel produkte (d.h. als unerwünschte Nebenprodukte) des Outputs, die durch Arbeits- und Kapitaleinsatz vermindert werden können. Im Einzelnen treffen wir folgende Annahmen: 1. Die Produktion des Gutes i in Land j nennen wir yij. yij ist eine Funktion des Arbeitseinsatzes Aij1 und des Kapitaleinsatzes Kij1. Dabei stehen die ersten beiden Indizes für die Ware i und das Land j, während der Index 1 allgemein einen Einsatz eines Faktors in der Produktion bezeichnet (der Index 2 wird später für die Verminderung von Emissionen verwendet). Die Produktionsfunktion genügt den üblichen Anforderungen: 1 1( ) mitij ij ij ijy y A K= , (10.51) 2 2 2 2 1 1 1 1 0 0 0 0 ( ) ( ) ij ij ij ij ij ij ij ij y y y y A K A K ∂ ∂ ∂ ∂ > ; > ; ≤ ; ≤ ∂ ∂ ∂ ∂ (10.52) 2. Wie erwähnt betrachten wir Emissionen als Kuppelprodukte des Outputs, die durch den Einsatz von Arbeit und Kapital in einer Vermeidungstechnologie vermindert werden können. Produktionsfaktoren, die zur Emissionsvermeidung eingesetzt werden, versehen wir mit dem dritten Index „2“, um sie gegenüber dem Einsatz zur Erhöhung der Produktion abzugrenzen. Wir treffen die übliche Annahme, dass die Emissionen im Output linear oder überproportional steigen. Die Grenzproduktivitäten von Arbeit und Kapital bei der Emissionsverminderung sind positiv und nicht-steigend: 2 2 1 1( ( )) mitij ij ij ij ij ij ijE E A K y A K= ; ; ; 2 2 0 0 0 undij ij ij ij ij ij E E E A K y ∂ ∂ ∂ < ; < ; > ∂ ∂ ∂ 2 2 2 2 2 2 2 2 0 0 0 ( ) ( ) ( ) ij ij ij ij ij ij E E E A K y ∂ ∂ ∂ > ; > ; ≥ ∂ ∂ ∂ (10.53) Ferner wird definiertj ij i E E= .∑ (10.54)

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.