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10.4.4 Umwelt, oligopolistische Weltmärkte und strategische Handelspolitik: Grundlegende Ergebnisse in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 250 - 260

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_250

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 240 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems240 Ausgehend von dieser Subvention können wir die uns interessierenden Größen ausrechnen, wobei wir feststellen, dass • die inländische Produzentenrente und die inländische Wohlfahrt steigen; • die ausländische Produzentenrente sinkt; • die ausländische Konsumentenrente steigt; • und die Weltwohlfahrt steigt. In unserem Fall nimmt nicht nur die Weltwohlfahrt, sondern sogar die Wohlfahrt im Ausland (also in beiden Ländern) zu, weil der Verlust an Produzentenrente durch den Zuwachs an Konsumentenrente überkompensiert wird. Nun beruht das hier skizzierte Beispiel natürlich auf recht speziellen Annahmen, wie einer linearen Preis-Absatz-Funktion, homogenen Produkten und nur zwei Unternehmen. Die Ergebnisse können sich bei komplizierteren Annahmen durchaus ändern – so kann beispielsweise die für das Inland optimale Subvention sogar negativ sein, wenn die Anzahl inländischer Unternehmen, die ins Ausland exportieren, sehr groß ist. Dann führt die Kostenerhöhung nämlich zu einer Mengenverknappung, was zwar die ausländische Konsumentenrente reduziert, die inländischen Gewinne aber erhöht. Der entscheidende Punkt aber ist, dass protektionistische Maßnahmen aller Art in Oligopolmodellen zumindest individuell (also vom Standpunkt des durchführenden Landes) rational sind und teilweise sogar die Weltwohlfahrt erhöhen. Der Übergang von vollständiger Konkurrenz zur realistischeren Annahme oligopolistischer Märkte führt daher zu Resultaten, die die Kluft zwischen Theorie und Praxis vermindern – und daher die Relevanz der theoretischen Modelle erheblich erhöhen. 10.4.4 Umwelt, oligopolistische Weltmärkte und strategische Handelspolitik: Grundlegende Ergebnisse Im vergangenen Abschnitt haben wir deutlich gemacht, dass sich protektionistische Maß nahmen wie Exportsubventionen für das durchführende Land auf oligopolistischen Märk ten lohnen, weil dadurch Gewinne vom Aus- ins Inland transferiert werden können. Der Grundgedanke von Öko-Dumping besteht nun einfach darin, dieses Prinzip von Export subventionen auf niedrige Umweltstandards zu übertragen. Denn der Verzicht auf eine vollständige Internalisierung externer Effekte ist nichts anderes als eine indirekte Subven tionierung der betreffenden Produktionsprozesse, die daher auch entsprechende Auswir kungen hat. Dieser Grundgedanke des Zusammenhangs von Umwelt und strategischer Handels politik wird in der Literatur vor allem bezugnehmend auf das Instrument von Abgaben untersucht, so dass wir uns in diesem Abschnitt auf Abgaben beschränken wollen.65 Der interessante Punkt ist dabei, dass die Höhe der Emissionsabgabe bei rationalen Ländern von zahlreichen Nebenbedingungen abhängt, die von Modell zu Modell variieren und in erster Linie • die Art des oligopolistischen Wettbewerbs, • den Charakter der betrachteten Schadstoffe (grenzüberschreitende vs. nichtgrenzüberschreitende Schadstoffe), 65 Im nachfolgenden Abschnitt gehen wir auch auf unterschiedliche Typen von Standards ein. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 241 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 241 • die Frage, ob der Export in Drittländer oder zwischen den beteiligten Ländern selbst stattfindet, umfasst. Die wichtigste Zielsetzung dieses Abschnitts besteht daher darin, die unterschiedlichen Einflussfaktoren zu systematisieren und die Resultate in den verschiedenen Modellen dadurch verständlich zu machen. Anknüpfend an die erste umfassende Abhandlung von Scott Barrett (1991) arbei ten die Modelle fast alle mit einer ähnlichen Struktur, die durch folgende Modellstufen gekennzeichnet ist:66 • auf der ersten Stufe entscheiden die beteiligten Umweltbehörden über ihre umweltpolitische Strategie. Da wir uns in diesem Abschnitt wie erwähnt auf Abgaben beschränken, bedeutet dies, dass die Umweltbehörden ihre Abgabensätze (möglicherweise als Funktion der beobachteten Gesamtemissionen) festlegen; • auf der zweiten Stufe entscheiden die beteiligten Unternehmen in den verschiedenen Ländern (es handelt sich fast immer um 2-Länder-Modelle) unter Kenntnis der umweltpolitischen Instrumente aus der ersten Stufe über ihre Emissionsintensitäten, d.h. über die Emissionen pro Einheit Output. Dabei werden die umweltbezogenen Stückkosten minimiert, so dass es bei gegebenem Steuersatz t zu dem bekannten Ergebnis kommt, dass der Steuersatz t den Grenzkosten der Schadstoffverminderung entsprechen muss; • und schließlich kommt es auf der dritten Stufe zum oligopolistischen Wettbewerb auf Gütermärkten, wobei dieser Wettbewerb entweder als Preiswettbewerb (Bertrand) oder als Mengenwettbewerb (Cournot) ausgestaltet wird. Zusammenfassend handelt es sich also um dreistufige Spiele bei vollständiger Information,67 so dass als spieltheoretisches Lösungskonzept das teilspielperfekte Gleichgewicht verwendet werden muss. Konkret bedeutet dies, dass zunächst der Gütermarkt - Wettbewerb auf der letzten Stufe des Gesamtspiels betrachtet werden muss. Bedenken Sie nochmals, warum diese Methode der Rückwärtsinduktion erforderlich ist: Wenn bei spielsweise die Umweltbehörde auf der ersten Stufe über ihre Emissionssteuer entscheidet, so muss sie dabei berücksichtigen, welche Auswirkungen diese Steuern auf die interna tionale Wettbewerbssituation der Unternehmen des betreffenden Landes haben. Sie muss sich also fragen, welche Marktanteile (und welche Gewinne) die Unternehmen des Landes bei bestimmten Kosten (und genau diese hängen von den Emissionssteuern ab) erzielen kann. Geneigte Leser/innen werden sich nun schon denken, dass es neben dem „eigentli chen“ umweltpolitischen Ziel einer pareto-effizienten Internalisierung externer Effekte in den betrachteten Modellen auch eine Vielzahl strategischer Anreize gibt, die dazu führen können, dass die Umweltbelastungen nicht auf ihr Optimum reduziert werden. Der erste Effekt besteht unabhängig von der Berücksichtigung der Außenhandelseffekte darin, dass wir es mit unvollständiger Konkurrenz zu tun haben und daher die in Abschnitt 5.11 dar gestellten Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen. Denn bei unvollständiger 66 Wir beziehen uns vor allem auf die Aufsätze von Barrett (1994b), Conrad (1996b), Conrad (1996a), Carraro/Soubeyran (1996) und Ulph (1994), die den Stand der Forschung recht gut reflektieren. Für gelungene Überblicke vgl. Rundshagen (2004), Althammer/Buchholz (2001) sowie auch Ködding (1996). 67 Zur unvollständigen Information vgl. Kapitel 11. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 242 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems242 Kon kurrenz liegt die gewinnmaximale Produktionsmenge unter der pareto-effizienten, so dass eine „eigentlich“ optimale Steuer (d.h. präziser gesprochen: Die Pigou-Steuer, bei der die Grenzschäden der Emissionen den Grenzkosten der Schadstoffverminderung entsprechen) zu einer weiteren Verminderung der Produktionsmengen führt und daher suboptimal ist. Dieser Effekt unvollständiger Konkurrenz liefert einen Anreiz, die Steuer unterhalb der Pigou-Steuer festzulegen. Ein zweiter Anreiz besteht darin, internationale Gewinne aus oligopolistischen Märkten ins Inland umzuleiten, indem durch geringe Emissionssteuern die Kosten der Unternehmen (gemessen an einer vollständigen Internalisierung externer Effekte) „künstlich“ verringert werden. Obwohl somit insgesamt starke Anreize zu einer geringen Emissionssteuer (Öko-Dumping) bestehen, gibt es interessanterweise auch Ein flussfaktoren, die gegenteilige Anreize implizieren. Wir wollen im Folgenden in Tabellenform die verschiedenen Anreize systematisieren und anschließend erläutern, um Ihnen die unterschiedlichen Ergebnisse in der Literatur deutlich machen zu können. Dies wird zeigen, dass eine theoretische Beurteilung des Pro blems des Öko-Dumping schwierig ist, weil die Resultate von den jeweils unterstellten Nebenbedingungen abhängen. Zur Beurteilung der Ergebnisse benötigen wir verständli cherweise einen Maßstab, den wir in der Pigou-Steuer finden: Wir wissen, dass der pareto- effiziente Emissionssteuersatz bei vollständiger Konkurrenz dort liegt, wo die Grenzkosten der Schadstoffverminderung den Grenznutzen entsprechen. Wenn wir dies als Norm ver wenden, können wir angeben, welche Effekte unvollständiger internationaler Märkte zu einer Abweichung nach oben und nach unten von der Pigou- Steuer führen. Dabei gehen wir in unserer Abbildung die einzelnen Einflussfaktoren durch und stellen Anreize, die zu einer Abweichung nach oben (unten) von der Pigou- Steuer führen, durch ↑ (↓) Pfeile dar. Ein Pfeil nach oben bedeutet also, dass es einen Anreiz gibt, die Umweltqualität durch eine zu hohe Steuer zu stark zu verbessern, während ein Pfeil nach unten das Gegenteil (und somit Öko-Dumping) signalisiert. Abbildung 10.2 zeigt die wichtigsten Modelltypen, Einflussfaktoren und Resultate, die wir im Folgenden erläutern. Im oberen Teil von Abbildung 10.2 gehen wir davon aus, dass jede der beiden Umweltbehörden (wir betrachten ein internationales Duopol) ausschließlich die soziale Wohlfahrt im Inland maximieren möchte, so dass wir von einer nicht-kooperativen Umweltpolitik sprechen. Wir beginnen unsere Erläuterung mit dem linken Teil der Tabelle, in dem die beiden über ihre Umweltpolitik entscheidenden Länder die Güter in ein Drittland expor tieren. Es gibt keine Produktion für den inländischen Konsum, d.h. die gesamte Produk tion ist annahmegemäß für den Export in ein Drittland bestimmt. Wir betrachten also quasi die beiden aktiven Länder A und B und ein passives Land C, in das die Güter exportiert werden. In der ersten Zeile unterstellen wir einen simultanen Mengenwettbe werb (also einen Cournot-Wettbewerb) und untersuchen die verschiedenen Effekte, die sich im teilspielperfekten Gleichgewicht bei der Festlegung der Emissionssteuern durch die beteiligten Länder ergeben. Links oben ist somit der „klassische Fall“ der Analyse von Umwelt und strategischer Handelspolitik dargestellt, der schon von Barrett (1991) untersucht wurde und sich durch folgende Annahmen auszeichnet: • Eine nicht-kooperative Umweltpolitik, bei der jedes Land durch Festlegung der Emissionssteuern die nationale Wohlfahrt maximieren möchte; • den Export in unbeteiligte Drittländer; • sowie ein internationales Duopol, das in einem Mengenwettbewerb konkurriert. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 243 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 243 Lassen Sie uns nun durchgehen, wodurch es zu einem Emissionssteuersatz kommen kann, der von der Pigou-Steuer abweicht. Folgende Effekte sind zu berücksichtigen: • Das Vorliegen unvollständiger Konkurrenz führt dazu, dass auf dem Markt im Dritt land positive Gewinne gemacht werden. Jede Umweltbehörde weiß, dass der Markt anteil eines inländischen Unternehmens ceteris paribus umso größer ist, je geringer die Stückkosten sind. Die Stückkosten hängen aber unter anderem von der Emis sionssteuer ab, da bei einer Erhöhung der Emissionssteuer entweder mehr Steuern gezahlt werden müssen oder die Kosten der Schadstoffverminderung wegen der grö ßeren Emissionsreduktion zunehmen. Das Vorliegen unvollständiger Konkurrenz lie fert demnach einen Anreiz zur Verminderung des Emissionssteuersatzes. Bei dieser Betrachtung des von uns als „Effekt der unvollständigen Konkurrenz“ bezeichneten Anreizes gehen wir gedanklich stets davon aus, dass der Emissionssteuersatz des anderen Landes gegeben ist, um den Effekt von dem gleich zu besprechenden strategischen Effekt zu trennen;68 • aus der Untersuchung strategischer Anreize im Oligopol in Abschnitt 9.3.3 kennen Sie die für die ökonomische Untersuchung oligopolistischer Märkte zentrale Unterscheidung strategischer Substitute und strategischer Komplemente. Zur Erinnerung: Bei einem Mengenwettbewerb sind die Entscheidungsvariablen (also die Produktionsmengen) strategische Substitute, worunter verstanden wird, dass das Land B eine Produktionserhöhung im Land A im Nash-Gleich gewicht mit einer Produktionssenkung beantwortet. Die Kunst für Land A besteht also (für B gilt natürlich das gleiche) darin, glaubhaft zu signalisieren, dass das eigene Unternehmen eine große Menge anbieten wird. Denn dann bietet das Unternehmen aus Land B ceteris pari bus eine kleinere Menge an, wodurch der Preis steigt, was sich wiederum günstig auf den Gewinn des Unternehmens in Land A auswirkt. Dies liefert einen strategischen Anreiz für eine niedrige Emissionssteuer, weil dadurch die Kosten für Unternehmen A sinken und Unternehmen B im Nash-Gleichgewicht daher weniger produziert, was günstig für A ist. Also führt der strategische Effekt im Cournot-Wettbewerb ceteris paribus zu einer Verminderung der Emissionssteuer; • bei grenzüberschreitenden Schadstoffen muss im Pareto-Optimum der Emissionssteuersatz nicht nur die Umweltqualität im Inland, sondern auch die Auswirkungen der Emissionen im Rest der Welt berücksichtigen. Da eine Umweltbehörde, die die nationale Wohlfahrt maximiert, definitionsgemäß auch nur die nationale Umweltqualität berücksichtigt, führen grenzüberschreitende Schadstoffe zu einer weiteren Abweichung des Emissionssteuersatzes von der Pigou-Steuer nach unten. Dabei betrachten wir vereinfachend nur Schadstoffe, die entweder im Land A oder im Land B niedergehen, d.h. wir schließen Schadstoffe aus, die zu Immissionen im importierenden Drittland C oder in gänzlich unbeteiligten Ländern werden. Es ist aber klar, dass solche Immissionen zu einer weiteren Abweichung vom pareto-effizienten Emissionssteuersatz nach unten führen; 68 Zugegebenermaßen ist diese Trennung im Nash-Gleichgewicht methodisch nicht zulässig, so dass der „Effekt der unvollständigen Konkurrenz“ erst beim Ex- und Import in die betrachteten Länder selbst (also bei Berücksichtigung der Konsumentenrente) wirklich Sinn macht. Aus Gründen der Systematik trennen wir die Effekte aber schon hier. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 244 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems244 • da alle betrachteten Effekte zu einer Verminderung des Emissionssteuersatzes (gemessen an unserer Norm des Ausgleiches von Grenzschäden und Grenznutzen der Emissionen) führen, ergibt sich im Ergebnis ein eindeutig zu geringer Emissionssteuersatz. Der betrachtete „klassische“ Modelltyp eines Mengenwettbewerbs mit Export in Drittländer ist also hervorragend dazu geeignet, um das Grundproblem des Öko-Dumping bei einer nicht-kooperativen Umweltpolitik zu verdeutlichen. Bedenken Sie nochmals, warum wir das Konzept teilspielperfekter Gleichgewichte ver wenden müssen, um die geschilderten Resultate formal korrekt herleiten zu können. Alle hier beschriebenen Effekte finden erst auf der dritten Spielstufe statt, weil es sich um Effekte handelt, die das Verhalten von Unternehmen auf oligopolistischen Gütermärkten betreffen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Emissionssteuersätze aber schon längst gegeben. Wenn wir dennoch aus dem Gütermarktverhalten Aussagen über die Emissionssteuersät ze ableiten wollen, so müssen wir berücksichtigen, dass die Umweltbehörde in der ersten Spielstufe das Verhalten der Unternehmen auf den nachfolgenden Stufen korrekt antizi piert – und genau dies wird durch die Methode der Rückwärtsinduktion gewährleistet, die bei endlichen Spielen mit vollständiger Information mit teilspielperfekten Gleichgewichten identisch ist. Wir bleiben nun zunächst in der gleichen Zeile und nehmen als einzige Abwandlung an, dass der Export nicht in ein Drittland, sondern in die beteiligten Länder selbst stattfindet. Dies bedeutet, dass Land A einen Teil seiner Produktion nach B und Land B einen Teil seiner Produktion nach A exportiert. Dies führt gegenüber dem zuerst betrachteten Szenario zu folgenden Änderungen: • Beim Effekt durch die unvollständige Konkurrenz müssen wir nun zusätzlich berücksichtigen, dass die dadurch hervorgerufene Produktionssenkung zu einer zu geringen Produktionsmenge im Inland führt, so dass die Summe aus Konsumentenrente und Produzentenrente im Ausgangszustand zu gering ist. Der Verlust an Konsumentenrente wird nun also ins Kalkül einbezogen, was bei einer ausschließlichen Produktion für den Export nicht der Fall war. Es gibt also genau den Grund zur Verringerung des Emissionssteuersatzes, den wir bereits in Abschnitt 5.11 erläu tert haben – und der erst dann transparent wird, wenn man die Auswirkungen umweltpolitischer Maßnahmen auf die Produktionsmengen mitberücksichtigt. Die unvollständige Konkurrenz induziert also auch in dieser Modellvariante eine (im Vergleich zur Modellvariante zuvor sogar größere) Abweichung des Emissionssteuersatzes nach unten; • hinsichtlich des durch strategische Substitute hervorgerufenen strategischen Effekts ändert sich grundsätzlich nichts. Auch bezüglich dieses Kriteriums ist der Anreiz zur Verminderung des Emissionssteuersatzes allerdings noch größer als zuvor. Wird nämlich nun eine (hohe) Emissionssteuer erhoben, so schwächt dies nicht nur die Position des eigenen Unternehmens auf dem Markt des Drittlandes (bzw. auf dem Exportmarkt), sondern auch auf dem heimischen Markt. Man kann daher gedanklich strategische Effekte auf dem Markt im Land A (heimischer Markt) und auf dem Markt im Land B unterscheiden, die beide Anreize liefern, den Emissionssteuersatz zu vermindern, um dadurch die Position des inländischen Unternehmens auf den beiden Märkten zu verbessern;69 69 Vgl. hierzu Conrad (1996b). V ahlen – A llg. R eihe – Feess/S eeliger, U m w eltökonom ie und U nw eltpolitik, 4. A ufl. H erstellung: F rau D euringer Stand: 18.09.2013 Status: Im prim atur S eite 245 10.4 Ö ko-D um ping und strategische H andelspolitik 245 Abbildung 10.2: Strategische Einflussfaktoren bei der Festlegung von Emissionssteuern Nicht-kooperative Umweltpolitik Export in Drittländer Im- und Export in die betrachteten Länder Unvollständige Konkurrenz Strategischer Effekt Grenzüberschreitender Effekt Gesamteffekt Unvollständige Konkurrenz Strategischer Effekt Grenzüberschreitender Effekt Gesamteffekt Mengen- Wettbewerb ↓ ↓ ↓ ↓ ↓ ↓ ↓ ↓ Preis- Wettbewerb ↓ ↑ ↓ ? ↓ ↑ ↓ ? Kooperative Umweltpolitik Export in Drittländer Im- und Export in die betrachteten Länder Unvollständige Konkurrenz Strategischer Effekt Grenzüberschreitender Effekt Gesamteffekt Unvollständige Konkurrenz Strategischer Effekt Grenzüberschreitender Effekt Gesamteffekt Mengen- Wettbewerb ↑ – – ↑ ↓ – – ↓ Preis- Wettbewerb ↑ – – ↑ ↓ – – ↓ Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 246 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems246 • da sich bezüglich des grenzüberschreitenden Effekts nichts ändert, kommen wir auch beim Ex- und Import in die beteiligten Länder selbst zu dem Resultat, dass die Umweltbehörden in beiden Ländern starke Anreize zur Emissionssteuersenkung und somit zum Öko-Dumping haben. Wir kommen nun zur zweiten Zeile von Abbildung  10.2 und wenden uns demnach dem Preiswettbewerb zu. Dabei diskutieren wir beide Fälle (also den Export in Drittländer und den Ex- und Import in die beteiligten Länder selbst) gemeinsam, weil wir die we sentlichen Unterschiede schon beim Mengenwettbewerb verdeutlicht haben. Hinsichtlich der (nicht-strategischen) Effekte unvollständiger Konkurrenz ändert sich im Kern nichts: sofern die Güter nicht vollständig homogen sind,70 sind gemessen am Pareto-Optimum die Produktionsmengen weiterhin zu niedrig, was zu positiven Gewinnen führt, die im Falle der Produktion für Drittländer ins Inland umgelenkt werden sollen. Bei der Pro duktion für die betreffenden Länder selbst muss wieder der Konsumentenrenten-Effekt einbezogen werden, so dass die gesamte Produktionsmenge des jeweiligen Unternehmens durch niedrigere Steuern erhöht wird. Der zentrale Unterschied vom Preis- zum zuvor behandelten Mengenwettbewerb be steht nun aber darin, dass Preise als Aktionsparameter keine strategischen Substitute, sondern strategische Komplemente sind. Wie in Abschnitt 9.3.3 erläutert, bedeutet dies, dass eine Preissenkung von Unternehmen A im Nash-Gleichgewicht auf der dritten Stufe des Spiels ebenfalls zu einer Preissenkung des Unternehmens B führt, weil dieses Angst hat, andernfalls zu hohe Umsatzeinbußen zu erleiden. Allgemein gesprochen bedeutet dies, dass ein aggressiveres Verhalten des Unternehmens A (einen niedrigen Preis kann man als aggressive Marketingstrategie interpretieren) auch das Unternehmen B aggres siver macht, was sich ceteris paribus ungünstig für Unternehmen A auswirkt. Wenn sich das eigene aggressive Verhalten aber über die dadurch hervorgerufene Steigerung der Aggressivität des Konkurrenten letztlich ungünstig auswirkt, so liefert dies einen Anreiz zu friedfertigem Verhalten, d.h. zu einem eher hohen Preis. Dieser eher hohe Preis kann aber genau durch eine hohe Emissionssteuer induziert werden, weil hohe Kosten ja „glaubhaft signalisieren“, dass man wirklich einen hohen Preis nehmen wird. Der Konkurrent kann daher ohne Angst vor starken Umsatzeinbußen ebenfalls einen hohen Preis nehmen, was man genau erreichen möchte. Da es sich beim Preiswettbewerb um strategische Komple mente handelt, ist der strategische Anreiz in den zweiten Spalten demnach umgekehrt als beim Mengenwettbewerb: Die Umweltbehörden haben einen Grund zur Erhöhung der Emissionssteuern. Lassen Sie uns die Kausalkette für diesen Punkt nochmals zusammen fassen, um Ihnen die zentrale Bedeutung des Unterschiedes zwischen dem Preis- und dem Mengenwettbewerb deutlich zu machen: • Hohe Emissionssteuersätze im Land A führen zu hohen Kosten des Unternehmens im Land A; • hohe Kosten des Unternehmens im Land A führen zu hohen Preisen des Unternehmens A; 70 Bei vollständig homogenen Gütern und konstanten Grenzkosten ergeben sich selbst im Duopol Ge winne von Null (vgl. ausführlich oben, Abschnitt 2.4.3.4), so dass wir von der ökonomischen Logik her zur vollständigen Konkurrenz zurückgekehrt sind und sich keine strategischen Effekte ergeben. Da sich au ßerhalb konstanter Grenzkosten im Preiswettbewerb formale Komplikationen einstellen, gehen wir beim Preiswettbewerb stets von heterogenen Produkten aus. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 247 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 247 • da Unternehmen B dies weiß, erhöht auch B im Nash-Gleichgewicht seinen Preis, was genau der Definition strategischer Komplemente entspricht und auch intuitiv einsichtig ist: Denn wenn Mercedes seinen Preis (stark) erhöht und BMW dies weiß, so steigt auch der gewinnmaximale Preis von BMW; • und diese durch die hohen Emissionssteuersätze im Land A indirekt hervorgerufene Preissteigerung des Unternehmens B liefert einen Anreiz für eine hohe Emissionssteuer; • da dies für beide Länder gilt, geht der strategische Effekt in die andere Richtung als beim Mengenwettbewerb. Im Unterschied zum Mengenwettbewerb haben wir demnach gegenläufige Effekte, so dass eindeutige Aussagen, ob der Emissionssteuersatz über oder unter der Pigou-Steuer liegt, nicht mehr möglich sind. Wenn wir allerdings grenzüberschreitende Schadstoffe aus schließen und somit den Effekt in der dritten Spalte vernachlässigen, so können wir für den Fall eines Exports in Drittländer eindeutige Aussagen treffen. In diesem Fall nämlich überwiegt der strategische Effekt in der zweiten Spalte stets den Effekt der unvollständi gen Konkurrenz in der ersten Spalte, so dass es zu einem zu hohen Emissionssteuersatz und demnach zum Gegenteil von Öko-Dumping kommt. Dies liegt daran, dass bei einer ausschließlichen Produktion für Drittländer die Konsumentenrente bei der Maximierung der nationalen Wohlfahrt keine Rolle spielt, weil sie in Drittländern anfällt. Wenn man aber nur die Produzentenrente berücksichtigt, so ist der durch strategische Komplemente hervorgerufene Effekt stets größer, weil man davon ausgehen muss, dass der eigene Emis sionssteuersatz im teilspielperfekten Gleichgewicht auch den Emissionssteuersatz und die Produktionsmengen im anderen Land beeinflusst. Betrachten wir dagegen die Situation im rechten Teil der Abbildung (Produktion für die betreffenden Länder selbst), so ist eine solche Aussage nicht möglich, weil der Verlust an Konsumentenrente im Inland, der bei unvollständiger Konkurrenz besteht, durch hohe Emissionssteuern noch erhöht wird, so dass der Anreiz für niedrige Steuern recht groß ist. Bei der Betrachtung einer nicht-kooperativen Umweltpolitik können wir also festhalten, dass • es beim Mengenwettbewerb eindeutig starke Anreize zum Öko-Dumping gibt; • während der Gesamteffekt beim Preiswettbewerb wegen des Vorliegens strategischer Komplemente unklar ist. Conrad71 gewichtet die verschiedenen Effekte und zeigt dadurch, unter welchen Umständen beim Preiswettbewerb mit einem zu hohen bzw. zu niedrigen Emissionssteuersatz gerechnet werden muss. Dabei möchten wir in Erinnerung an Abschnitt 5.11 allerdings noch hinzufügen, dass wir als Instrument ausschließlich Emissionssteuern betrachtet haben und demnach die Möglichkeit einer Instrumentenkombination nicht berücksichtigen. Andernfalls wäre es möglich, durch Outputsubventionen die internationalen Gewinne ins Inland zu transfe rieren und gleichzeitig die Umweltqualität durch höhere Emissionssteuern zu verbessern. Als nächstes betrachten wir nun die gleichen Fälle für eine kooperative Umweltpolitik, worunter wir verstehen, dass die beiden Länder A und B die soziale Wohlfahrt in beiden 71 Vgl. Conrad (1996a). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 248 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems248 Ländern gemeinsam maximieren. Beachten Sie bitte, dass dies nicht definitionsgemäß mit der Maximierung der Weltwohlfahrt identisch ist, weil wir die Konsumenten im Land C nicht berücksichtigen. Wenn wir außerdem grenzüberschreitende Schadstoffe in Länder außer A und B berücksichtigen würden, so käme es zu weiteren Abweichungen zwischen der Maximierung der gemeinsamen Wohlfahrt in A und B und der Weltwohlfahrt. Beden ken Sie ferner, dass eine Betrachtung der Maximierung der Weltwohlfahrt nicht besonders spannend wäre, weil wir dann gedanklich wieder beim Fall mit nur einem Land angelangt wären (das dann nur etwas größer wäre). Die Ableitung der Ergebnisse ist im Falle der kooperativen Umweltpolitik einfacher, weil die durch strategische Substitute (Mengenwettbewerb) bzw. durch strategische Kom plemente (Preiswettbewerb) hervorgerufenen Effekte in der zweiten Spalte verschwinden. Denn diese Effekte beruhten darauf, Nachfrage von den Konkurrenten abzuziehen und ins Inland umzuleiten, was bei der Maximierung einer gemeinsamen Zielfunktion ein unsinni ges Unterfangen wäre. Das gleiche gilt für grenzüberschreitende Umwelteffekte, sofern wir davon ausgehen, dass alle Immissionen in den beiden Ländern verbleiben, deren Zielfunk tion maximiert wird. Dann fallen alle Umwelteffekte bei den Betroffenen an, so dass es keine strategischen Effekte zur Verminderung des pareto-effizienten Emissionssteuersatzes durch grenzüberschreitende Schadstoffe gibt. Somit bleibt nur noch die unvollständige Konkurrenz, die zu einer Erhöhung oder einer Verminderung des Emissionssteuersatzes gegenüber der Pigou-Steuer führen kann. Dabei spielt es keine (entscheidende) Rolle, ob wir einen Mengen- oder einen Preiswettbewerb betrachten, weil die strategischen Effekte der zweiten Spalte bei einer kooperativen Umweltpolitik wie erwähnt verschwinden. Der kritische Aspekt ist vielmehr, ob die Produktion ausschließlich für ein Drittland oder für die betrachteten Länder selbst stattfindet: • Beim Export in Drittländer geht es für die Länder A und B darum, ihren gemeinsamen Gewinn auf dem Markt des Drittlandes zu erhöhen. Nun ist der Gewinn aber definitionsgemäß beim Monopolpreis bzw. bei der Monopolmenge maximal, während im Nash-Gleichgewicht des Duopols insgesamt geringere Gewinne gemacht werden. Dies gilt sowohl für den Mengen- als auch für den Preiswettbewerb: Im Cournot-Gleichgewicht des Mengenwettbewerbs liegt die gemeinsame Produktionsmenge ebenso über der Monopolmenge wie im Bertrand-Gleichgewicht des Preiswettbewerbs der Preis unter dem Monopolpreis liegt. Die beiden Länder müssen also versuchen, ihre Unternehmen dazu zu bewegen, näher an die Monopollösung heranzurücken. Dies erreichen sie durch eine Kostenerhöhung, die sie wiederum durch eine Erhöhung des Emissionssteuersatzes (verglichen mit der Pigou-Steuer) herbeiführen. Denn je höher die Kosten, desto höher die Preise bzw. desto geringer die Produktionsmengen. Leser/innen mögen nun einwenden, dass die Gewinne der beiden Unternehmen durch die Kostenerhöhung aber trotzdem sinken, auch wenn sie näher an die Monopollösung heranrücken. Dies ist unter plausiblen Annahmen über die Nachfragefunktion durchaus richtig, aber die Kostensteigerung der Unternehmen besteht nur in einer Steuer- bzw. Transferzahlung an die Öffentliche Hand, deren Einnahmen in der zu maximierenden Zielfunktion ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Die Emissionssteuer ist daher gesamtwirtschaftlich gesehen kein wirklicher Kostenfaktor, sondern eine Umverteilung von den Unternehmen an den Staat. Wir können demnach festhalten, dass es bei der kooperativen Umweltpolitik Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 249 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 249 im Falle des Exports in Drittländer zu einer zu hohen Emissionssteuer kommt, um den (gemeinsamen) Markt stärker zu monopolisieren und die Gewinne dadurch zu erhöhen. Der Knackpunkt ist, dass der damit verbundene Verlust an Konsumentenrente nicht berücksichtigt wird, weil dieser in einem Drittland anfällt; • wenn für die beiden Märkte in den beteiligten Ländern selbst produziert wird, muss auch die Konsumentenrente berücksichtigt werden, weil der Nutzen der Konsumenten nun in die Zielfunktion eingeht. Dies bedeutet, dass die Zielsetzung nun nicht mehr in einer Monopolisierung der Märkte, sondern im Gegenteil darin bestehen muss, näher an das Ergebnis Preis = Grenzkosten heranzurücken, das sich bei vollständiger Konkurrenz einstellen würde. Dies führt zwar zu einer Verminderung der Unternehmensgewinne, die aber bekanntlich durch die Zunahme der Konsumentenrente überkompensiert wird.72 Ganz analog zu Abschnitt 5.11 über die Auswirkungen unvollständiger Konkurrenz liefert dies einen Anreiz zur Reduktion des Emissionssteuersatzes, um der zu geringen Produktionsmenge entgegenzuwirken. Bedenken Sie auch hier wieder, dass dies nur zu einem second best führen kann, weil die Emissionen gemessen am Pareto-Optimum zu hoch sind. Ein first best wäre erreichbar, wenn der Staat den Output subventionieren und gleichzeitig die Emissionen höher besteuern würde. Zusammenfassend können wir also sagen, dass die umweltökonomische Forschung der neunziger Jahre über die strategischen Effekte, die sich von international unvollständiger Konkurrenz auf Emissionssteuern ergeben, unter der Annahme gegebener Vermeidungs technologien zu folgenden Ergebnissen geführt hat: • Bei nicht-kooperativer Umweltpolitik gibt es im Mengenwettbewerb sowohl bei der Produktion für Drittländer als auch bei der Produktion für die beteiligten Länder selbst starke Anreize zur Setzung einer niedrigen Emissionssteuer (Öko-Dumping); • bei nicht-kooperativer Umweltpolitik und Preiswettbewerb sind die Ergebnisse nicht eindeutig. Lediglich bei der ausschließlichen Produktion für Drittländer und der Vernachlässigung grenzüberschreitender Schadstoffe kommt man zu dem eindeutigen Ergebnis eines überhöhten Emissionssteuersatzes; • bei kooperativer Umweltpolitik kommt es sowohl beim Mengen- als auch beim Preis wettbewerb zu überhöhten Emissionssteuern, wenn lediglich für Drittländer produ ziert wird; • und bei kooperativer Umweltpolitik kommt es sowohl beim Mengen- als auch beim Preiswettbewerb zu zu niedrigen Emissionssteuern, wenn lediglich für die Märkte der betrachteten Länder selbst produziert wird. Überflüssig zu erwähnen, dass sich damit ein sehr viel komplexeres und interessanteres Bild als auf Grundlage der traditionellen Außenhandelstheorie ergibt. 72 Es ist ja genau das Problem unvollständiger Konkurrenz, dass die Summe aus Konsumentenund Produzentenrente geringer ist als bei vollständiger Konkurrenz, weil gemessen am Pareto- Optimum zu wenig produziert wird. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 250 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems250 10.4.5 Einige Modellerweiterungen zum Öko-Dumping in oligo polistischen Weltmärkten Wir wollen nun kurz einige weitere Modelle anreißen, um die Intuition für die Abhängigkeit der Resultate von den jeweiligen Annahmen weiter zu schärfen. 10.4.5.1 Auflagen in oligopolistischen Weltmärkten Die gerade geschilderten Grundgedanken und Ergebnisse wurden von Barrett73 von Emis sionssteuern auf Auflagen übertragen. Im Unterschied zu den beschriebenen Modellen handelt es sich um kein dreistufiges, sondern lediglich um ein zweistufiges Spiel, weil die Unternehmen bei Auflagen nicht mehr selbst über ihre Emissionsintensität entscheiden müssen – diese wird durch die Auflagenpolitik ja gerade administriert. In der ersten Spiel stufe entscheiden die beiden Umweltbehörden in den Ländern A und B über die Höhe der Auflagen und in der zweiten Spielstufe kommt es zu einem Gütermarktwettbewerb. Betrachtet wird ausschließlich die Situation, in der die betreffenden Länder A und B für den Konsum in einem Drittland C produzieren. Die von Barrett untersuchte Frage lautet, ob die Umweltbehörde unter Berücksichtigung international unvollständiger Konkurrenz einen Anreiz hat, die Auflage oberhalb oder unterhalb des Ausgleiches von Grenznutzen und Grenzkosten der Schadstoffverminderung zu setzen. Im ersten Fall kann man von einem (gemessen am unbeschränkten Pareto-Optimum) zu harten und im zweiten Fall von einem zu niedrigen Standard sprechen. Das zentrale Ergebnis lautet, dass sich die Überlegungen zu Emissionssteuern recht umstandslos auf Auflagen übertragen lassen. Erneut hängen die strategischen Anreize da von ab, ob man einen Mengenwettbewerb (strategische Substitute) oder einen Preiswett bewerb (strategische Komplemente) betrachtet. Für den Mengenwettbewerb gilt folgende Kausalkette: • Eine niedrige Auflage im Land A reduziert die Produktionskosten des Unternehmens A; • dies führt ceteris paribus zu einer Mengenerhöhung und einer Gewinnsteigerung von Unternehmen A; • da die Produktionsmengen strategische Substitute sind, reduziert das Unternehmen B aus Angst vor einem zu niedrigen Marktpreis ceteris paribus seine Produktionsmenge, wenn A seine Produktionsmenge erhöht; • dies ist günstig für A und liefert der Umweltbehörde in Land A einen Anreiz für eine zu weiche Auflage; • da die gleiche Argumentation spiegelbildlich für Land B gilt, kommt es in beiden Ländern zu zu niedrigen Auflagen. Dieses Resultat für den Mengenwettbewerb entspricht genau dem, was wir auch aus der Analyse von Emissionssteuern kennen. Interessant ist, dass Barrett auch die Situati on untersucht, in der international kein Duopol, sondern ein weiteres Oligopol vorliegt. Dies kann die Resultate nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ändern. Stellen Sie sich dazu den Fall vor, in dem auf dem Markt des Drittlandes nur ein ausländisches 73 Vgl. Barrett (1994b).

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.