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10.4.3 Grundlagen der strategischen Handelspolitik in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 245 - 250

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_245

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 235 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 235 menfassend kann man sagen, dass das GATT weder bezüglich Prozess-, noch bezüglich Produktstandards eine Vereinheit lichung anstrebt, so dass besonders umweltbewusste Länder einerseits die Möglichkeit haben, umweltbezogene Vorreiterrollen einzunehmen, die auch importierte Produkte um fassen. Andererseits haben sie keine Möglichkeit, sich gegen Importe aus Ländern mit niedrigen Umweltstandards zur Wehr zu setzen, sofern diese sich nicht in den Produkten niederschlagen. 10.4.3 Grundlagen der strategischen Handelspolitik 10.4.3.1 Fragestellung Das umweltbezogene Ursprungslandprinzip im GATT berücksichtigt konsequent den mehrfach erläuterten Sachverhalt, dass die pareto-effizienten Umweltstandards aufgrund unterschiedlicher nationaler Ausgangsbedingungen ebenfalls unterschiedlich sind und da her auch keine Rechtfertigung für protektionistische Maßnahmen bieten.60 Die entschei dende Frage ist allerdings, unter welchen Umständen damit gerechnet werden kann, dass die einzelnen Nationalstaaten tatsächlich die pareto-effizienten Umweltstandards wählen. Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, dann verliert das Ursprungslandprinzip zumindest viel von seiner theoretischen Überzeugungskraft. Zumindest unter theoretischen Gesichtspunkten lassen sich zwei Einwände gegen das Ursprungslandprinzip trennen: Der erste Einwand betrifft die Existenz grenzüberschreitender und globaler Schadstoffe. Wenn die Emissionen nicht vollständig im Inland ver bleiben, so zeigen theoretische Überlegungen ebenso wie praktische Erfahrungen, dass keinesfalls damit gerechnet werden kann, dass die einzelnen Länder die paretoeffizienten Umweltstandards wählen: Bei einer nicht-koopera tiven Umweltpolitik wird lediglich der Teil der Emissionen berücksichtigt, der im Inland bleibt, so dass Umweltstandards fest gesetzt werden, bei denen die (internationalen) Grenzschäden über den marginalen Ver meidungskosten liegen. Es ist für Länder mit einer kooperativen Umweltpolitik dann schwer einzusehen, warum inländische Unternehmen unter der Konkurrenz von Import substituten leiden sollen, deren Erzeugung aufgrund der Schadstoffdiffusion gleichzeitig die inländische Umweltqualität verschlechtert. Dieser Sachverhalt ist schon lange unstrittig, so dass innerhalb des GATT die Akzeptanz von Vereinbarungen zur Lösung globaler Umweltprobleme auch dann weitgehend unstrittig ist, wenn diese mit diskriminierenden Handelsmaßnahmen einhergehen. Beispielhaft dafür ist das bereits erwähnte Montrea ler Protokoll zur FCKW-Verminderung, das unter anderem auch handelsbeschränkende Maßnahmen gegenüber Ländern enthält, die das Protokoll nicht unterzeichnet haben. Ar tikel III und XX GATT geben Umweltschutzmaßnahmen schon jetzt Vorrang vor GATT -Verpflichtungen. Wir wollen nun aber die Möglichkeit grenzüberschreitender und globaler Schadstoffe vernachlässigen und uns dem zweiten Einwand gegen das Ursprungslandprinzip zuwen den, der auf der Existenz unvollständiger Weltmärkte beruht. Wie bereits einleitend zu Kapitel 10 erwähnt, zeigt die traditionelle Außenhandelstheorie, dass jedes Land seine nationale Wohlfahrt unter Ausschluss grenzüberschreitender und globaler 60 Vgl. hierzu aus der Fülle der Literatur z.B. Petersmann (1992), Kulessa (1992) und Langhammer (1994) sowie Panozzi/Arnold/Cottier (2010), die auch einige aktuelle Fallbeispiel darstellen. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 236 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems236 Umweltproble me maximiert, wenn die Umweltstandards im Ausgleich von Grenzschaden und Grenz kosten der Schadstoffvermeidung festgelegt werden. Die Probleme ineffizienter Nash -Gleichgewichte stellen sich nicht, weil Öko-Dumping nicht nur die internationale, sondern auch die nationale Wohlfahrt reduzieren würde. Dieses „schöne“ Resultat stellt sich aber nur dann ein, wenn vollständige Konkurrenz vorliegt, womit in der Realität nur in den seltensten Fällen gerechnet werden kann. Diesen Sachverhalt wollen wir im vorliegenden Abschnitt 10.4.3 verdeutlichen, um damit die Diskussion des Zusammenhangs zwischen dem Umweltproblem, unvollständiger Konkurrenz und dem Anreiz zum Öko-Dumping in den nachfolgenden Abschnitten vorzubereiten. Im folgenden Unterabschnitt 10.4.3.2 skizzieren wir am Beispiel einer Exportsubventi on zunächst kurz, warum sich protektionistische Maßnahmen auch für das durchführende Land selbst nicht lohnen, sofern auf den betreffenden Märkten vollständige Konkurrenz besteht. Daran anschließend gehen wir etwas ausführlicher auf die strategische Handelspo litik ein, indem wir zeigen, dass auf oligopolistischen Weltmärkten Exportsubventionen die Wohlfahrt des protektionistischen Landes unter durchaus plausiblen Bedingungen erhöhen können (Abschnitt 10.4.3.3). Damit bereiten wir direkt die nachfolgenden Aus führungen vor. 10.4.3.2 Protektionistische Maßnahmen bei vollständiger Konkurrenz Das zentrale Ergebnis der traditionellen Außenhandelstheorie ist, dass protektionistische Maßnahmen wie Exportsubventionen (bei Importzöllen verschärft sich das Ergebnis noch) nicht nur die Weltwohlfahrt, sondern auch die Wohlfahrt in dem Land selbst redu zieren, das die protektionistische Maßnahme durchführt. Dieses Ergebnis folgt direkt aus den Annahmen der traditionellen (realen) Außenhandelstheorie, deren wichtigste voll ständige Konkurrenz, nicht-steigende Skalenerträge und die Gültigkeit des Theorems der komparativen Kosten sind.61 Betrachten wir zur Illustration ein Land, das die Wettbe werbsposition eines Industriezweiges beispielsweise durch Exportsubventionen verbessern möchte. Wir nehmen an, dass im Ausgangszustand ein inländisches Unternehmen unter der Bedingung eines gegebenen Weltmarktpreises p = 20 auf einem ausländischen Markt jede beliebige Menge (dies entspricht der Annahme vollständiger Konkurrenz) verkaufen kann. Die variablen Kosten des Unternehmens seien Kv = 5x 2, so dass die Gewinnfunktion mit Kf als Fixkosten bei einem Preis von 20 Geldeinheiten je Produkteinheit 220 5 fG x x K= − − (10.29) lautet. Gewinnmaximierung erfordert, dass die erste Ableitung gleich Null ist: 20 10 0 G x x ∂ = − = ∂ (10.30) Das Unternehmen verkauft auf dem Weltmarkt demnach 2 Einheiten und erzielt einen Deckungsbeitrag62 von 61 Vgl. hierzu z.B. Siebert (1996) oder, grundlegend und ausführlich, Krugman/Obstfeld/ Melitz (2011), v.a. Teil I. 62 Dieser muss im langfristigen Gleichgewicht den Fixkosten entsprechen, da bei vollständiger Konkur renz kein Gewinn gemacht wird. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 237 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 237 220 2 5 2 20D = ⋅ − ⋅ = . (10.31) Nehmen wir nun an, dass der Staat die Wettbewerbsposition des Unternehmens durch eine Exportsubvention von 10 Geldeinheiten pro Produkteinheit verbessern möchte. Die Gewinnfunktion des Unternehmens lautet dann 220 5 10 fG x x x K= − + − (10.32) mit 20 10 10 0 G x x ∂ = − + = . ∂ (10.33) Als gewinnmaximale Menge ergibt sich x = 3 und als Deckungsbeitrag 220 3 5 3 10 45D = ⋅ − ⋅ ⋅ = . (10.34) Gleichzeitig entstehen dem Staat aber Subventionskosten von 3 × 10 = 30, so dass die Erhöhung des Deckungsbeitrags um 25 (von 20 auf 45) mit Kosten der Öffentlichen Hand in Höhe von 30 erkauft wird.63 Dieses kleine „Modell“ illustriert also den Sachverhalt, dass Exportsubventionen die inländische Wohlfahrt vermindern, sofern das inländische Unter nehmen mit sinkenden Skalenerträgen in einem Weltmarkt mit vollständiger Konkurrenz produziert. Der Bezug zu unserer Fragestellung des Öko-Dumping wird unmittelbar deutlich, wenn man bedenkt, dass sich der Verzicht auf eine vollständige Internalisierung externer Effekte einfach als indirekte Subvention interpretieren lässt: Denn genau wie eine Subvention ist eine Nicht-Internalisierung externer Effekte dadurch gekennzeichnet, dass die Unternehmen nur einen Teil der volkswirtschaftlichen Produktionskosten selbst tragen. Würden die Prämissen der traditionellen Außenhandelstheorie zutreffen, so würde der Verzicht auf eine Internalisierung externer Effekte also ebenso wie andere protektionistische Maßnahmen wie Importzölle und Exportsubventionen systematisch nicht nur die Weltwohlfahrt, sondern auch die inländische Wohlfahrt reduzieren. Man könnte demnach damit rechnen, dass Staaten, die die inländische Wohlfahrt maximieren, die pareto-effizienten Umweltstandards wählen, sofern wir grenzüberschreitende oder globale Emissionen ausklammern. Das Problem ist aber, dass die Annahmen nicht-steigender Skalenerträge und vollständiger Konkurrenz in offensichtlichem Gegensatz zu den Gegebenheiten auf globalen Märkten stehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich daher sukzessive ein neuer Zweig der Außenhandelstheorie herausgebildet, der die Auswirkungen der Instrumente der strategischen Handelspolitik (z.B. Importzölle, Exportsubventionen und Mengenbeschränkungen) unter den Annahmen eines oligopolistischen Wettbewerbs und/oder steigender Skalenerträge untersucht. Einige in unserem Zusammenhang wichtige Punkte der Theorie der strategischen Handelspolitik wollen wir nun erläutern. 63 Dabei sind Verzerrungen, die durch die Finanzierung der Subvention entstehen, noch nicht mitge rechnet. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 238 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems238 10.4.3.3 Protektionistische Maßnahmen in oligopolistischen Märkten Wie erwähnt ist der Grundgedanke der Theorie der strategischen Handelspolitik recht einfach: Wenn in oligopolistischen Weltmärkten im Unterschied zu den unrealistischen Annahmen der traditionellen Außenhandelstheorie positive Gewinne gemacht werden, so ist es reizvoll, einen Teil dieser Gewinne auf inländische Unternehmen umzulenken, indem deren Wettbewerbsposition durch protektionistische Maßnahmen verbessert wird. Diesen Gedanken möchten wir im Folgenden durch ein Rechenbeispiel erläutern. Wir betrachten ein denkbar einfaches homogenes Duopol und nehmen an, dass ein inländisches Unterneh men I und ein ausländisches Unternehmen A beide ausschließlich für den ausländischen Markt A produzieren (die Ergebnisse ändern sich in diesem einfachsten Grundmodell qualitativ nicht, wenn sich die beiden Länder wechselseitig beliefern). Es gelte die lineare Preis-Absatz-Funktion ( )I Ap a y y= − + . (10.35) Beide Unternehmen haben konstante Grenzkosten c, so dass die Gewinnfunktionen ( )I I I I A IG ay y y y cy= − + − (10.36) bzw. ( )A A A I A AG ay y y y cy= − + − (10.37) lauten. Wir unterstellen einen simultanen, einstufigen Mengenwettbewerb. Ganz analog zu Abschnitt 2.4.3 bestimmen wir das Cournot-Nash-Gleichgewicht, indem wir die Gewinnfunktionen partiell nach den eigenen Mengen ableiten und das entstehende System mit zwei Gleichungen und zwei Unbekannten auflösen. Es ergeben sich als Preis (p), An gebotsmengen (yI bzw. yA), zugehörige Gewinne (GI bzw. GA), Konsumentenrente im Land A (KR), Produzentenrente weltweit (GI + GA) und Wohlfahrt (W) 2 3 a c p + = (10.38) 3I A a c y y − = = (10.39) 2( ) 9I A a c G G − = = (10.40) 22( ) 9 a c KR − = (10.41) 22( ) 9I A a c PR G G − = + = (10.42) 24( ) 9 a c W KR PR − = + = . (10.43) Nehmen wir nun an, dass das Inland eine Exportsubvention e pro produzierter Ein heit leistet, um die Chancen des inländischen Unternehmens zu erhöhen. Da die Gewinne positiv sind, wirkt sich die Exportsubvention (im Unterschied zur Situation bei voll- Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 239 10.4 Öko-Dumping und strategische Handelspolitik 239 ständiger Konkurrenz) günstig für das Inland aus. Die Gewinnfunktion des inländischen Unternehmens lautet nun ( )I I I I A I IG ay y y y cy ey= − + − + . (10.44) Die inländische Wohlfahrt entspricht nun allerdings nicht mehr der Produzentenrente des Inlands (also GI) allein, weil ja auch die Kosten des Staates berücksichtigt werden müssen. Also ist die inländische Wohlfahrt ( )I I I I A IW ay y y y cy= − + − . (10.45) Die inländische Wohlfahrt entspricht dem Gewinn des Unternehmens, vermindert um die Exportsubventionen (da diese den Kosten des Staates entsprechen und sich in der Wohlfahrtsbetrachtung saldieren). Wir können ein zweistufiges Spiel mit folgender An ordnung betrachten: 1. Auf der zweiten Stufe findet zwischen dem inländischen Unternehmen I und dem ausländischen Unternehmen A ein Cournot-Wettbewerb statt, wobei die Gewinnfunktion des inländischen Unternehmens nun durch (10.44) gegeben ist. Dieser Cournot-Wettbewerb führt im Cournot-Nash-Gleichgewicht zu den Angebotsmengen64 2 3 e I a c e y − + = (10.46) und 3 e A a c e y − − = . (10.47) Der Vergleich mit den vorhergehenden Mengen zeigt das (selbstverständliche) Ergebnis, dass die vom inländischen (ausländischen) Unternehmen angebotene Menge zunimmt (abnimmt), wenn die Subventionen steigen. Die Gesamtmenge nimmt eindeutig zu. Der Preis beträgt 2 3 e a c ep + − = . (10.48) und liegt damit unter dem Preis ohne Subventionen, weil sich die Kosten eines Unternehmens reduziert haben. 2. Auf der ersten Spielstufe nehmen wir an, dass das Inland unter Kenntnis des Cournot- Nash-Gleichgewichts der zweiten Stufe über die Subvention entscheidet, die die durch (10.45) gegebene inländische Wohlfahrt maximiert. Dazu müssen wir nur die durch (10.46) und (10.47) gegebenen Mengen in (10.45) einsetzen und (10.45) über die Subvention e maximieren. Es ergibt sich 4 0 9 IW a c e e ∂ − − = = ⇒ ∂ (10.49) 4 a c e − = . (10.50) 64 Die hochgestellten Indizes „e“ drücken aus, dass wir ein Spiel mit Exportsubventionen betrachten. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 240 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems240 Ausgehend von dieser Subvention können wir die uns interessierenden Größen ausrechnen, wobei wir feststellen, dass • die inländische Produzentenrente und die inländische Wohlfahrt steigen; • die ausländische Produzentenrente sinkt; • die ausländische Konsumentenrente steigt; • und die Weltwohlfahrt steigt. In unserem Fall nimmt nicht nur die Weltwohlfahrt, sondern sogar die Wohlfahrt im Ausland (also in beiden Ländern) zu, weil der Verlust an Produzentenrente durch den Zuwachs an Konsumentenrente überkompensiert wird. Nun beruht das hier skizzierte Beispiel natürlich auf recht speziellen Annahmen, wie einer linearen Preis-Absatz-Funktion, homogenen Produkten und nur zwei Unternehmen. Die Ergebnisse können sich bei komplizierteren Annahmen durchaus ändern – so kann beispielsweise die für das Inland optimale Subvention sogar negativ sein, wenn die Anzahl inländischer Unternehmen, die ins Ausland exportieren, sehr groß ist. Dann führt die Kostenerhöhung nämlich zu einer Mengenverknappung, was zwar die ausländische Konsumentenrente reduziert, die inländischen Gewinne aber erhöht. Der entscheidende Punkt aber ist, dass protektionistische Maßnahmen aller Art in Oligopolmodellen zumindest individuell (also vom Standpunkt des durchführenden Landes) rational sind und teilweise sogar die Weltwohlfahrt erhöhen. Der Übergang von vollständiger Konkurrenz zur realistischeren Annahme oligopolistischer Märkte führt daher zu Resultaten, die die Kluft zwischen Theorie und Praxis vermindern – und daher die Relevanz der theoretischen Modelle erheblich erhöhen. 10.4.4 Umwelt, oligopolistische Weltmärkte und strategische Handelspolitik: Grundlegende Ergebnisse Im vergangenen Abschnitt haben wir deutlich gemacht, dass sich protektionistische Maß nahmen wie Exportsubventionen für das durchführende Land auf oligopolistischen Märk ten lohnen, weil dadurch Gewinne vom Aus- ins Inland transferiert werden können. Der Grundgedanke von Öko-Dumping besteht nun einfach darin, dieses Prinzip von Export subventionen auf niedrige Umweltstandards zu übertragen. Denn der Verzicht auf eine vollständige Internalisierung externer Effekte ist nichts anderes als eine indirekte Subven tionierung der betreffenden Produktionsprozesse, die daher auch entsprechende Auswir kungen hat. Dieser Grundgedanke des Zusammenhangs von Umwelt und strategischer Handels politik wird in der Literatur vor allem bezugnehmend auf das Instrument von Abgaben untersucht, so dass wir uns in diesem Abschnitt auf Abgaben beschränken wollen.65 Der interessante Punkt ist dabei, dass die Höhe der Emissionsabgabe bei rationalen Ländern von zahlreichen Nebenbedingungen abhängt, die von Modell zu Modell variieren und in erster Linie • die Art des oligopolistischen Wettbewerbs, • den Charakter der betrachteten Schadstoffe (grenzüberschreitende vs. nichtgrenzüberschreitende Schadstoffe), 65 Im nachfolgenden Abschnitt gehen wir auch auf unterschiedliche Typen von Standards ein.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.