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9.5 Zusammenfassende Schlussfolgerungen in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 222 - 223

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_222

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 212 9 Umwelttechnischer Fortschritt (dynamische  Anreizwirkungen)212 über wiegt. Je größer der spillover-Effekt q wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die wohlfahrtsoptimale Innovationssubvention positiv ist. Daraus folgt als interessanter Nebeneffekt des Modells unmittelbar, dass die Innovation zur Verminderung der Emissionsintensität besteuert werden muss, sofern jedes Unternehmen eine Innovation tätigt, die überhaupt keine Auswirkungen auf die Emissionsintensität anderer Unternehmen hat, d.h. sofern es sich um eine Innovation handelt, die lediglich das eigene Unternehmen betrifft!26 Dies folgt einfach aus dem überhöhten In novationsanreiz bei strategischen Substituten und wird nicht dadurch entkräftet, dass es sich um Innovationen handelt, die den negativen externen Effekt durch Emissionen redu zieren – denn die Auswirkungen externer Effekte sollte man nicht über die Subventionie rung oder Besteuerung von Innovationen, sondern über Emissionsabgaben internalisieren. Das Modell bringt die strategischen Effekte von Investitionen in den umwelttechnischen Fortschritt daher schön zum Ausdruck. 9.5 Zusammenfassende Schlussfolgerungen In diesem Kapitel haben wir die statische Perspektive der Kapitel  3 bis 8 verlassen und unsere Überlegungen auf Anreize zu umwelttechnischem Fortschritt („dynamische An reizwirkung“) ausgedehnt. In Abschnitt 9.2 haben wir zunächst eine einfache grafische Analyse vorgenommen, die zeigt, dass sich die Vorteile marktorientierter Instrumente im einfachsten Fall auf Innovationsanreize übertragen lassen. Dabei wurde allerdings von vollständiger Konkurrenz und vollständiger Information ausgegangen. Um die Fragestel lung weiter voran zu treiben, haben wir dann in Abschnitt 9.3 einige Kernpunkte der all gemeinen industrieökonomischen Modellierung des Innovationsverhaltens erläutert. Dabei zeigte sich, dass die privaten Innovationsanreize sowohl nach oben als auch nach unten von den sozial effizienten abweichen können und die soziale Wohlfahrt daher oft durch regulierende Maßnahmen erhöht werden kann. Ohne Patentierungsmöglichkeiten konn ten zwei strategische Effekte unterschieden werden, die in unterschiedliche Richtungen wirken: 1. die Möglichkeit, andere Unternehmen durch eigene Kostenverminderungen zu einer Reduzierung ihrer Produktionsmengen zu bewegen (strategische Substitute) führt zu einem Anreiz zur Überinvestition; 2. spillover-Effekte führen ebenso wie das Vorliegen strategischer Komplemente zu einem Anreiz zur Unterinvestition; so dass die Regulierungsbehörde entweder subventionieren oder besteuern muss. Genau diese Überlegungen haben wir schließlich in Abschnitt 9.4 aufgegriffen, indem wir gezeigt haben, dass beim Vorliegen von spillover-Effekten bei umweltbezogenen (d.h. emissionsreduzierenden) Innovationen neben einer Emissionssteuer auch eine Innovati onssteuer erforderlich ist, die je nach Höhe der spillover-Effekte positiv oder negativ sein kann. 26 Bedenken Sie, dass der eine strategische Effekt (nämlich der spillover-Effekt) dann verschwindet. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 213 10 Internationale Aspekte des Umweltproblems 10.1 Überblick In einigen der vorhergehenden Kapitel wurde die internationale Dimension des Umweltproblems bereits explizit angesprochen. So wurde in Abschnitt 5.6 erläutert, dass gerade bei grenzüberschreitenden Schadstoffen wie SO2 der Übergang von Auflagen zu Abgaben angesichts stark unterschiedlicher Vermeidungskosten erhebliche Kostensenkungen ermöglicht. Dabei wurden bereits zwei Kernprobleme der internationalen Umweltpolitik erwähnt: Erstens ist es für jedes Land rational, lediglich die Schadstoffimmissionen im Inland zu berücksichtigen, so dass bei grenzüberschreitenden Schadstoffen nicht die gesamte Schädlichkeit der Emissionen einbezogen wird (ein Teil der Emissionen wandert bei grenzüberschreitenden Schadstoffen ja definitionsgemäß ins Ausland). Zweitens können von einer internationalen Koordination zwar alle beteiligten Nationen profitieren, doch ist die Aufteilung der Verhandlungsgewinne theoretisch beliebig. Es muss daher stets damit gerechnet werden, dass effiziente Lösungen durch Verteilungskämpfe blockiert werden. So wurde beispielsweise der Hauptteil der Weltenergiekonferenz in Berlin 1995 damit verbracht, einen für alle teilnehmenden Nationen akzeptablen Kompromiss über Abstimmungsregeln zu finden. Wenn man die internationale Dimension der Umweltproblematik anspricht, so lassen sich unseres Erachtens zwei Kerngebiete analytisch unterscheiden: • der erste Problemkreis betrifft direkt den grenzüberschreitenden oder globalen Charakter von Umweltproblemen und die Schwierigkeiten, gemeinsame Strategien zur Vermeidung der Schadstoffbelastung zu finden. Diesem Gebiet sind die Abschnit te 10.2 und 10.3 gewidmet: In Abschnitt 10.2 erläutern wir zunächst die optimale internationale Differenzierung von Umweltstandards unter der Prämisse, dass auf allen Märkten vollständige Konkurrenz besteht. Die durchaus realitätsferne Annah me vollständiger Konkurrenz treffen wir, weil wir die Konsequenzen, die sich aus dem grenzüberschreitenden und globalen Charakter von Umweltproblemen erge ben, zunächst ohne „Komplikationen“ durch unvollständige Gütermärkte darstellen wollen. Dabei beschränken wir uns weitgehend auf intuitive Erläuterungen und reduzieren formale Überlegungen auf ein Minimum.1 In Abschnitt 10.3 konkretisieren wir die internationalen Koordinationsprobleme bei globalen Umweltproblemen anhand der 1 Formal interessierte Leser/innen seien auf Abschnitt 10.5 verwiesen, der die Effizienzbedingungen (und das im Mittelpunkt unserer inhaltlichen Überlegungen stehende Koordinationsproblem) bei grenz überschreitenden Schadstoffen in formal anspruchsvollerer Weise herleitet. Da rein nationale sowie globale Umweltprobleme als Spezialfälle des Problems grenzüberschreitender Schadstoffe aufgefasst werden kön nen, ist der als „Exkurs“ gekennzeichnete Abschnitt 10.5 in dieser Hinsicht erschöpfend. Leider ist der Abschnitt nicht nur in dieser Hinsicht erschöpfend, was der Grund dafür ist, dass wir ihn als „Exkurs“ gekennzeichnet haben.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.