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9.4.1 Grundgedanken in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 219 - 220

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_219

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 209 9.4 Umwelttechnischer Fortschritt 209 9.4 Umwelttechnischer Fortschritt 9.4.1 Grundgedanken Die geschilderten allgemeinen Modellvarianten der industrieökonomischen Innovationsfor schung werden seit Anfang der neunziger Jahre auch auf Fragen des umwelttechnischen Fortschritts angewendet. Angesichts der im vorhergehenden Abschnitt 9.3.5 zusammen gefassten Abhängigkeiten der Ergebnisse von den jeweiligen Prämissen verwundert es nicht, dass Aussagen wie in Abschnitt 9.2 über die Vor- und Nachteile umweltpolitischer Instrumente unter dem Gesichtspunkt der dynamischen Anreizwirkung wesentlich schwie riger sind.23 Wir möchten im Folgenden mit dem Modell von Xepapadeas/Katsoulacos daher einen Ansatz schildern, der direkt an die Literaturrichtung anknüpft, die wir in Abschnitt 9.3.4.2 geschildert haben. Zuvor möchten wir aber noch einige Anmerkungen machen, die sich vor allem an Leser/innen richten, die sich darüber wundern, warum wir uns nur auf ein Modell beschränken. Bedenken Sie hierzu bitte, dass mit Abschnitt 10.4 zum Themenbereich ,,Öko-Dumping und strategische Handelspolitik“ sowie Kapitel 11 zur ,,Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung“ noch zwei weitere Stellen fol gen, in denen wir auf Innovationsanreize ausführlich zurückkommen. Dies bedeutet, dass wir uns in diesem Kapitel auf Fragestellungen beziehen, in denen strategische Außenhan delseffekte und die Probleme einer asymmetrischen Informationsverteilung ausgeschlossen sind. Was bedeutet dies? 1. Der Ausschluss strategischer Außenhandelseffekte bedeutet, dass die Umweltbehör de mit der nationalen Wohlfahrt auch die Gesamtwohlfahrt maximiert; 2. und der Ausschluss asymmetrischer Informationsverteilung impliziert, dass die Um weltbehörde diese maximale Wohlfahrt grundsätzlich – genau wie im statischen Kontext der Kapitel 3 bis 8 – mit jedem beliebigen umweltpolitischen Ins trument implementieren kann. Aus diesen Überlegungen folgt aber unmittelbar, dass ein Ranking der verschiedenen umweltpolitischen Instrumente nach ihren Innovationsanreizen mit Rationalverhalten der Umweltbehörde ohne strategische Handelspolitik und ohne asymmetrische Informations verteilung gar nicht möglich ist, weil alle Instrumente zum first best führen – so wie die Umweltbehörde mit verschiedenen Auflagen die jeweils optimalen Emissionshöhen imple mentieren kann, so kann sie auch die optimalen Innovationsstandards „verordnen“, sofern sie vollständig informiert ist. Wir werden das Problem der Innovationsanreize daher in den Kapiteln zur strategischen Handelspolitik und zur asymmetrischen Information er neut aufgreifen und beschränken uns hier aus den genannten Gründen auf ein Modell. 23 Für Überblicke vgl. z.B. Ecchia/Mariotti (1994), Carraro/Siniscalco (1993). Einen Vergleich von Abgaben und Zertifikaten unter etwas schwierigeren Bedingungen als denen in Abschnitt 9.2. liefert De nicolo (1999). Goulder/Mathai (2000) analysieren den Einfluss der Instrumente auf die Vermeidung von Treibhausgasen und Newell/Jaffe/Stavins (1999) analysieren empirisch die Auswirkungen von Energie preisen und Energieregulierungen auf die Innovationsanreize. Vgl. außerdem die Literaturhinweise zu verschiedenen Teilbereichen in Endres (2013), Teil IV.E. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 210 9 Umwelttechnischer Fortschritt (dynamische  Anreizwirkungen)210 9.4.2 Umwelttechnischer Fortschritt mit spillover-Effekten: Das Modell von Xepapadeas und Katsoulacos Trotz dieser relativierenden Überlegungen ist das im Folgenden informell vorgestellte Modell von Xepapadeas und Katsoulacos interessant,24 weil es 1. erstens die strategischen Interdependenzen, die sich im Innovationsverhalten durch den Gütermarkt und spillover-Effekte bei den Innovationen ergeben, deutlich zum Ausdruck bringt; 2. und zweitens zeigt, dass neben einer Emissionssteuer mit einer (positiven oder negativen) Innovationssubvention noch ein zweites Instrument zur Implementierung eines first best benötigt wird. Betrachtet wird ein Duopol, für das folgende Annahmen getroffen werden: 1. auf dem Gütermarkt besteht ein simultaner Mengenwettbewerb (Cournot-Nash- Wettbewerb); 2. die Duopolisten werden als vollständig identisch unterstellt, d.h. die Produkte sind homogen und die Kostenfunktionen gleich; 3. die Preis-Absatz-Funktion für die homogenen Produkte ist linear; 4. die Emissionen pro Produkteinheit (also die Emissionsintensität) hängen sowohl von der eigenen Umweltinnovation als auch von der Umweltinnovation des Konkurrenten ab. Auf diese Weise ergibt sich ein positiver spillover-Effekt q, der zwischen Null und Eins liegt. Für q = 0 sind die Innovationen unabhängig voneinander, während für q = 1 jedes Unternehmen die Innovation des anderen Unternehmens vollständig verwerten kann; 5. die Kosten der Innovation steigen progressiv (d.h. die Innovationsausgaben haben sinkende Grenzproduktivitäten); 6. und die Umweltbehörde hat als umweltpolitische Instrumente Emissionssteuern und Innovationssubventionen zur Verfügung. Das Spiel besteht nun aus drei Stufen: 1. in der ersten Stufe legt die Umweltbehörde den Emissionssteuersatz und die Innovationssubvention fest, 2. in der zweiten Stufe entscheiden die Unternehmen über die Höhe ihrer F&E Ausgaben, womit sie gleichzeitig die Emissionsintensität festlegen, 3. und in der dritten Stufe werden auf dem Gütermarkt in einem simultanen Mengenwettbewerb die Produktionsmengen bestimmt. Überlegen wir nun zunächst, wie wir methodisch an ein derartiges Spiel herangehen müssen. Offenbar handelt es sich um ein dynamisches Spiel bei symmetrischer Informati onsverteilung, so dass wir gemäß unserer Überlegung in Abschnitt 2.5 das 24 Siehe Xepapadeas/Katsoulacos (1996). Interessierte Leser/innen seien ferner beispielsweise auf die Arbeiten von Carraro/Topa (1994), Re quate (1993), Carraro/Siniscalco (1993), und Bial/ Innes (2002) verwiesen. Perkins/Neumayer (2004) zei gen, dass (Entwicklungs-)Länder, die Technologien später adaptieren, diese schneller verbreiten als dies in (Industrie-)Ländern der Fall ist, in denen die Technologien entwickelt werden. Einen sehr nützlichen Überblick über die Thematik liefern Löschel (2002) und Requate (2006).

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.