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9.3.5 Zusammenfassung in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 218 - 219

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_218

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 208 9 Umwelttechnischer Fortschritt (dynamische  Anreizwirkungen)208 dass das innovierende Unternehmen zwar die Innovationskosten alleine tragen muss, die In novationsnutzen sich aber gleichmäßig verteilen. Es verwundert nicht, dass es in diesem und ähnlich gelagerten Fällen dazu kommen kann, dass Innovationen überhaupt nicht durchgeführt werden.22 Wenn die spillover-Effekte Null sind, so sind wir wie erwähnt wieder in den Modelltypen aus den Abschnitten 9.3.2 und 9.3.3 angekommen, weil die Innovationen der verschiedenen Unternehmen ja dann unabhängig voneinander sind und die strategischen Effekte nur durch die Gütermarkt-Konkurrenz entstehen. Im Mengenwettbewerb kommt es dann zu Über- und im Preiswettbewerb zu Unterinvestitionen in F&E. Aus den Überlegungen zum Mengenwettbewerb in Abschnitt 9.3.2 ohne spillover-Effekte und den in novationsvermindernden Folgen von spillover-Effekten folgt, dass die Innovationsanreize im Mengenwettbewerb von der Höhe der spillover-Effekte bestimmt werden, weil es zwei gegenläufige Effekte gibt: auf der einen Seite besteht im Mengenwettbewerb ein Anreiz zur Überinvestition, um dadurch die Konkurrenten zur Wahl einer niedrigen Produkti onsmenge zu bewegen. Auf der anderen Seite bewirken die spillover-Effekte, dass andere Unternehmen durch die eigenen F&E-Ausgaben billiger produzieren können, was den In novationsanreiz vermindert. Je näher der spillover-Effekt bei Eins liegt, desto eher die Gefahr der Unterinvestition. Diese Überlegungen zeigen, dass es purer Zufall wäre, wenn sich die beiden gegenläufigen Effekte genau ausgleichen würden und es dadurch zur pareto-effi zienten Innovation käme. Im Allgemeinen kann also angenommen werden, dass der Staat die Wohlfahrt durch Innovationssteuern oder Innovationssubventionen erhöhen kann, sofern er über die Entscheidungssituationen der beteiligten Unternehmen halbwegs gut informiert ist. 9.3.5 Zusammenfassung Unsere kurze, selbstverständlich in jeder Hinsicht unvollständige und vereinfachende Übersicht über Innovationsanreize hat gezeigt, dass diese von zahlreichen Faktoren wie 1. dem genauen oligopolistischen Wettbewerb, 2. dem Vorliegen von tournament- vs. non-tournament-Wettbewerb auf dem Innovationsmarkt, 3. und der Höhe der spillover-Effekte abhängen und daher sensibel auf die jeweiligen Modellprämissen reagieren. Als einzige Schlussfolgerung lässt sich festhalten, dass im Allgemeinen damit gerechnet werden muss, dass die privaten Innovationsanreize in die eine oder andere Richtung von den pareto effizienten abweichen, so dass die soziale Wohlfahrt durch Steuern, Subventionen oder andere Maßnahmen erhöht werden kann. 22 Vgl. z.B. Mariotti (1992). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 209 9.4 Umwelttechnischer Fortschritt 209 9.4 Umwelttechnischer Fortschritt 9.4.1 Grundgedanken Die geschilderten allgemeinen Modellvarianten der industrieökonomischen Innovationsfor schung werden seit Anfang der neunziger Jahre auch auf Fragen des umwelttechnischen Fortschritts angewendet. Angesichts der im vorhergehenden Abschnitt 9.3.5 zusammen gefassten Abhängigkeiten der Ergebnisse von den jeweiligen Prämissen verwundert es nicht, dass Aussagen wie in Abschnitt 9.2 über die Vor- und Nachteile umweltpolitischer Instrumente unter dem Gesichtspunkt der dynamischen Anreizwirkung wesentlich schwie riger sind.23 Wir möchten im Folgenden mit dem Modell von Xepapadeas/Katsoulacos daher einen Ansatz schildern, der direkt an die Literaturrichtung anknüpft, die wir in Abschnitt 9.3.4.2 geschildert haben. Zuvor möchten wir aber noch einige Anmerkungen machen, die sich vor allem an Leser/innen richten, die sich darüber wundern, warum wir uns nur auf ein Modell beschränken. Bedenken Sie hierzu bitte, dass mit Abschnitt 10.4 zum Themenbereich ,,Öko-Dumping und strategische Handelspolitik“ sowie Kapitel 11 zur ,,Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung“ noch zwei weitere Stellen fol gen, in denen wir auf Innovationsanreize ausführlich zurückkommen. Dies bedeutet, dass wir uns in diesem Kapitel auf Fragestellungen beziehen, in denen strategische Außenhan delseffekte und die Probleme einer asymmetrischen Informationsverteilung ausgeschlossen sind. Was bedeutet dies? 1. Der Ausschluss strategischer Außenhandelseffekte bedeutet, dass die Umweltbehör de mit der nationalen Wohlfahrt auch die Gesamtwohlfahrt maximiert; 2. und der Ausschluss asymmetrischer Informationsverteilung impliziert, dass die Um weltbehörde diese maximale Wohlfahrt grundsätzlich – genau wie im statischen Kontext der Kapitel 3 bis 8 – mit jedem beliebigen umweltpolitischen Ins trument implementieren kann. Aus diesen Überlegungen folgt aber unmittelbar, dass ein Ranking der verschiedenen umweltpolitischen Instrumente nach ihren Innovationsanreizen mit Rationalverhalten der Umweltbehörde ohne strategische Handelspolitik und ohne asymmetrische Informations verteilung gar nicht möglich ist, weil alle Instrumente zum first best führen – so wie die Umweltbehörde mit verschiedenen Auflagen die jeweils optimalen Emissionshöhen imple mentieren kann, so kann sie auch die optimalen Innovationsstandards „verordnen“, sofern sie vollständig informiert ist. Wir werden das Problem der Innovationsanreize daher in den Kapiteln zur strategischen Handelspolitik und zur asymmetrischen Information er neut aufgreifen und beschränken uns hier aus den genannten Gründen auf ein Modell. 23 Für Überblicke vgl. z.B. Ecchia/Mariotti (1994), Carraro/Siniscalco (1993). Einen Vergleich von Abgaben und Zertifikaten unter etwas schwierigeren Bedingungen als denen in Abschnitt 9.2. liefert De nicolo (1999). Goulder/Mathai (2000) analysieren den Einfluss der Instrumente auf die Vermeidung von Treibhausgasen und Newell/Jaffe/Stavins (1999) analysieren empirisch die Auswirkungen von Energie preisen und Energieregulierungen auf die Innovationsanreize. Vgl. außerdem die Literaturhinweise zu verschiedenen Teilbereichen in Endres (2013), Teil IV.E.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.