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9.3.1 Überblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 210 - 211

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_210

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 200 9 Umwelttechnischer Fortschritt (dynamische  Anreizwirkungen)200 würden. Insgesamt sind die Emissionen zu hoch, weil keinerlei Anpassung an die nach unten ver schobene aggregierte Grenzkostenfunktion erfolgt. Interessanterweise ist aber im Unter schied zu Abgaben (eindeutig zu hohe Innovationsanreize) und Zertifikaten (eindeutig zu niedrige Innovationsanreize) nicht klar, ob sich zu hohe oder zu niedrige Innovationsanreize ergeben. Offensichtlich gilt für das letzte innovierende Unternehmen mit der Indifferenz bedin gung 0 0( ) ( )N N I N xK e K e F− = , (9.27) während unsere bekannte Bedingung für ex-ante Effizienz ( ) ( ) ( ) ( )f f f f fN I N N I I xS E e e K e K e F′ − + − = (9.28) lautet. Vergleicht man die Bedingungen, so erkennt man gegenläufige Effekte: Auf der einen Seite ist die Kostenersparnis (und damit auch der Innovationsanreiz) zu gering, weil erneut die nicht-vermiedenen Emissionen keine Kosten verursachen. Im privaten Kalkül fehlt also die Berücksichtigung der Grenzschäden ( ) ( )f f fN IS E e e′ − . Auf der anderen Seite ist aber 0 0( ) ( )N N I NK e K e− größer als ( ) ( ) f f N N I IK e K e− : Angesichts der fehlenden Anpassung der Umweltpolitik dürfen die Unternehmen unabhängig davon ob sie innovieren oder nicht weiterhin das Ausgangsniveau 0Ne emittieren, während sie bei ex-post Effizienz ohne Innovation mehr ( 0fN Ne e> ) und mit Innovation weniger ( 0fI Ne e< ) emittieren dürfen, so dass die Kostendifferenz ohne Anpassung größer ist. Da nicht klar ist, welcher Effekt dominiert, können Auflagen zu hohe oder zu niedrige Innovationsanreize liefern. Zusammenfassend kommen wir somit zu dem Resultat, dass ohne ex-post effiziente Anpassung alle Instrumente zu unterschiedlichen Resultaten führen. Alle sind ineffizient, und welche Ineffizienzen überwiegen kann ohne genauere (und damit angreifbare) Mo dellspezifikationen nicht gesagt werden. 9.3 Einige Grundgedanken der Innovationstheorie 9.3.1 Überblick Wie in Abschnitt 9.1 ausführlich erläutert, sind die modernen spieltheoretischen Arbeiten zum umwelttechnischen Fortschritt ohne die Grundlagen der allgemeinen Innovationstheorie kaum verständlich. Wir erläutern daher im Folgenden weitgehend unformal einige besonders wichtige Standardresultate der industrieökonomischen Behandlung des Innovationsproblems.8 Wir beginnen in Abschnitt 9.3.2 mit einer einfachen Darstellung der Innovationsanreize im Monopol und bei vollständiger Konkurrenz, mit denen deutlich wird, dass diese (selbst bei vollständiger Konkurrenz) unter durchaus plausiblen Bedin gungen vom sozialen Optimum abweichen. Besondere Bedeutung hat in unserem Zusam menhang Abschnitt 9.3.3, in dem wir skizzieren, warum die spezifische Form des oligo polistischen Güterwettbewerbs (Preis- vs. Mengenwettbewerb) das Innovationsverhalten nachdrücklich beeinflusst. Dabei handelt es sich um Überlegungen, die 8 Vgl. zum Folgenden z.B. Moro (1993). Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 201 9.3 Einige Grundgedanken der Innovationstheorie 201 sich recht nahtlos auf das Umweltproblem übertragen lassen. Schließlich gehen wir in Abschnitt 9.3.4 auf die Bedeutung des Patentschutzes und von spillover-Effekten ein, auf die wir ebenfalls in Abschnitt 9.4 über umwelttechnischen Fortschritt zurückkommen. 9.3.2 Innovationsanreize im Monopol und bei vollständiger Kon kurrenz 9.3.2.1 Überblick Da die Theorie über umwelttechnische Innovationen recht eng an die allgemeine Theorie anknüpft, skizzieren wir in diesem Abschnitt die einfachsten theoretischen Überlegungen, mit denen überprüft wird, welche Innovationsanreize sich im Monopol und bei vollstän diger Konkurrenz im Vergleich zum Wohlfahrtsoptimum ergeben.9 Wir nehmen an, dass die Grenzkosten zur Produktion der Ware y für alle Einheiten konstant sind und c betragen. Allerdings ist c nicht gegeben, sondern eine Funktion der Innovation I, die Kosten von I verursacht.10 Für die Innovationskosten gilt also ( )K I I= . (9.29) Diese Annahme vereinfacht lediglich die Schreibweise und ist für die Ergebnisse nicht substantiell. Wir gehen nun in folgenden Schritten vor: Zunächst leiten wir ab, wie hoch die Innovation I sein muss, damit die soziale Wohlfahrtsfunktion maximiert wird. Anschließend überprüfen wir den Innovationsanreiz im Monopol und schließlich den bei vollständiger Konkurrenz. 9.3.2.2 Die pareto-effiziente Innovationshöhe Wenn wir die Grenznutzen- bzw. Nachfragefunktion als p(y) bezeichnen, so lautet die soziale Wohlfahrtsfunktion bei konstanten Grenzkosten c 0 ( ) ( ) ( ) y W y I p y dy c I y I, = − ⋅ − .∫ (9.30) In der sozialen Wohlfahrtsfunktion werden vom Gesamtnutzen (dem Integral unter der Nachfragefunktion) die variablen Kosten (c(I) · y) und die Innovationskosten (K(I)=I) abgezogen. Im Pareto-Optimum sind zwei Größen zu beachten: Einerseits muss bei gegebener Innovation I (und damit gegebenen Grenzkosten c(I)) die richtige Produktionsmenge fy erzeugt werden; andererseits muss – gegeben diese jeweils richtige Produktionsmenge fy – die pareto-effiziente Innovationshöhe I f gewählt werden. Als Bedingungen erster Ordnung ergeben sich ( ) ( ) 0f W p y c I y ∂ = − = ∂ (9.31) bzw. 1 0f W c y I I ∂ ∂ = − − = . ∂ ∂ (9.32) 9 Vgl. zum Folgenden ausführlicher z.B. Tirole (2006), Kapitel 10. 10 Wir nehmen an, dass die Grenzkosten degressiv in I sinken.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.