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8.6.1 Überblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 186 - 187

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_186

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 176 8 Umwelthaftung176 i i i i U p s x x ∂ ∂ = ⋅ , ∂ ∂∗ ∗ (8.19) so dass die Wahrscheinlichkeitshaftung also dazu führt, dass sich jedes Unternehmen für die pareto-effizienten Emissionen fix entscheidet. Wodurch kommt dieses erfreuliche Ergebnis von der ökonomischen Logik her zustan de? Der entscheidende Punkt ist, dass die Wahrscheinlichkeiten dafür, dass der Schaden durch andere Unternehmen oder neutrale Faktoren erzeugt wurde, aus dem Entscheidungskalkül des Unternehmens i verschwindet (in Gleichung (8.18) sieht man deutlich, wie sich ( )i i ki p x q+∑ herauskürzt): Je höher beispielsweise qk, • desto höher ist zwar die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt ein Schaden eintritt und das Unternehmen i haften muss, • desto niedriger ist aber auch die Haftungshöhe, weil die bedingte Wahrscheinlichkeit der Schadensverursachung sinkt. Diese beiden Effekte gleichen sich genau aus, so dass im Entscheidungskalkül des Unternehmens die ursprüngliche Wahrscheinlichkeit ( )i ip x und demnach der selbst erzeugte Schadenserwartungswert ( )i ip x s⋅ auftaucht. Unter juristischen Gesichtspunkten wird die Wahrscheinlichkeitshaftung aber nach wie vor abgelehnt, was auch daran liegen mag, dass der Grundsatz „im Zweifelsfall für den Angeklagten“ aus dem Straf- ins Zivilrecht übertragen wird und es für das Strafrecht in der Tat etwas seltsam anmutet, jemanden für zwei Jahre einzusperren, weil er mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 % einen Mord begangen hat. Ökonomisch weist die Proportionalhaftung dagegen so große Vorteile auf, dass wir deren Einführung gemeinsam mit anderen Umwelt- und Rechts- ökonomen befürworten:28 Der Knackpunkt ist, dass die Proportionalhaftung auch dann zur Wahl der pareto-effizienten Emissionen führt, wenn die Umweltbehörde keinerlei Informationen über die Vermeidungskosten der beteiligten Unternehmen hat. Es wird nochmals hervor gehoben, dass dies ein ernstzunehmender Vorteil der Gefährdungshaftung gegenüber allen anderen umweltpolitischen Instrumenten ist, weil beispielsweise die Abgaben- und Zer tifikatelösungen bei Unkenntnis über die Vermeidungskosten zwar (im Unterschied zu Auflagen und der Verschuldenshaftung) immer noch kosteneffizient sind, aber nicht mehr zum Pareto-Optimum führen. 8.6 Das Problem der Multikausalität 8.6.1 Überblick Trotz der Unaufklärbarkeit der Verursachung haben wir im letzten Abschnitt weiterhin angenommen, dass die Umweltschäden nur durch das Verhalten eines Schädigers hervor gerufen werden. Dies ist im Umweltbereich aber sehr häufig nicht der Fall: Oft ist es erst das komplexe Zusammenwirken der Emissionen aus zahlreichen Quellen, das zum Scha den führt. Dabei sind ganz unterschiedliche Konstellationen denkbar: So kann 28 Vgl. vor allem Schwarze (1996), der die Proportionalhaftung auch unter ergänzenden Aspekten wie Transaktionskostengesichtspunkten analysiert. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 177 8.6 Das Problem der Multikausalität 177 es sein, dass erst „der letzte Tropfen“ das Fass zum Überlaufen bringt und zum Schaden führt, oder aber auch, dass einige Emissionen den Schaden gar nicht mehr erhöht haben, weil beispielsweise der See schon umgekippt ist. Ferner können die Emissionen einen Scha den additiv, multiplikativ oder in komplizierten, darüber hinaus keineswegs bekannten mathematischen Formen erzeugen. Angesichts der zahlreichen möglichen Fälle verwundert es nicht, dass die Haftungs situation im Umwelthaftungsgesetz bei solchen sog. multikausalen Schadensbildern alles andere als geklärt ist. Sowohl unter Transaktionskosten- als auch unter juristischen Ge sichtspunkten kann man dabei aber festhalten, dass die Durchsetzung von Schadenersatzforderungen um so unwahrscheinlicher wird, je größer die Anzahl der Beteiligten ist (beispielsweise hat der Bundesgerichtshof Schadenersatzzahlungen wegen des Waldsterbens verneint) und je komplizierter und ungeklärter die kausalen Zusammenhänge sind. Eindeutige Aussagen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber kaum möglich. Wir wollen uns daher an dieser Stelle nicht weiter mit der Situation im UHG auseinandersetzen, weil dies der Spezialliteratur vorbehalten bleiben muss. Stattdessen wollen wir untersuchen, ob der am Ende von Abschnitt 8.5.3 erneut hervorgehobene Vorteil der Gefährdungshaftung auch bei Multikausalität aufrechterhalten werden kann. Diesen Vorteil der Gefährdungshaftung haben wir als Dezentralisierungsfunktion bezeichnet und darin gesehen, dass die Umweltbehörde keinerlei Informationen über die Vermeidungs kosten der Unternehmen benötigt, da das verursachende Unternehmen den Schaden ja unabhängig vom Verhalten bezahlen muss. Unsere Überlegungen werden zeigen, dass die Gefährdungshaftung bei mehreren Beteiligten ihre Dezentralisierungsfunktion bedauer licherweise nicht wahrnehmen kann (Abschnitt 8.6.2). Anschließend zeigen wir, wie die Verschuldenshaftung und vergleichbare Haftungsregeln bei vollständiger Information auch bei Multikausalität eine pareto-effiziente Internalisierung externer Effekte ermöglichen. 8.6.2 Dezentralisierung bei Multikausalität? Wir wollen nun erläutern, warum eine dezentrale Haftungsregel, die zum Pareto-Optimum führt, bei Multikausalität nicht existiert. Dazu stellen wir uns eine recht einfache Situation mit nur zwei Unternehmen vor, in der der Schadenserwartungswert S durch 2 2 2 1 2 1 2 1 2( ) 2S x x x x x x= + = + + (8.20) gegeben ist. Dabei unterstellen wir die günstigste Situation, dass alle Beteiligten tatsächlich wissen, dass der Schadenserwartungswert durch (8.20) gegeben ist. Es besteht also keinerlei Unkenntnis über die Schadenszusammenhänge, wie wir dies etwa bei alternativer Kausalität angenommen haben. Gleichung (8.20) beschreibt eine denkbar einfache, aber multikausale Schadensfunktion, weil der Schadensteil 2x1x2 von beiden Unternehmen ge meinsam erzeugt wird. Wenn wir ein Optimum auch ohne Kenntnis der Vermeidungskosten implementieren wollen, so müssen wir den entstandenen Schaden auf die Unternehmen aufteilen, ohne dabei ihre Vermeidungskosten zu berücksichtigen. Wie soll diese Aufteilung aussehen, um ein Optimum zu ermöglichen? Wenn wir annehmen, dass beide Unternehmen gleichviel emittieren, dann scheint eine gute Möglichkeit darin zu bestehen, jedem

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.