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6.7.1 Überblick in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 140 - 140

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_140

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 129 6.7 Zertifikate in der Praxis II: Das CO2-Handelssystem der EU 129 Kohle und Innovationen zu einer Verringerung der Grenzvermeidungskosten bei den meisten Anlagen. Zudem sanken die Transportkosten für Kohle, so dass sich die räumlichen Preisunterschiede für diesen fossilen Brennstoff, und damit die Heterogenität der Grenzvermeidungskosten reduzierte. Und schließlich begünstigten die hohen Preiserwartungen auch die Implementierung von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung.30 Abschließend lässt sich trotz aller Probleme in den konkreten Ausgestaltungen der einzelnen Programme ein positives Fazit ziehen.31 Die Kostenersparnis des Zertifikatesystems gegenüber einer (hypothetischen) Auflagenlösung wurde in zahlreichen Studien geschätzt und durchweg als deutlich ermittelt. In zwei aktuellen Literaturübersichten werden Bandbreiten von 15 % bis 90 %32 bzw. 43 % bis 55 %33 als plausibel angegeben. Diese Werte sind interessanterweise vergleichbar mit den Modellrechnungen des EWI für eine (potenzielle) Preislösung für SO2 in Westeuropa, die zu Kostensenkungen zwischen 36 % und 60 % kommen.34 6.7 Zertifikate in der Praxis II: Das CO2 Handelssystem der EU 6.7.1 Überblick Nachdem die USA die Vorreiterrolle bei SO2-Zertifikaten übernahmen, wurde ein Zertifikatehandel für CO2-Minderungen zuerst innerhalb der Europäischen Union eingeführt. Dabei weist CO2 gegenüber SO2 die Besonderheit auf, dass es ein globaler Schadstoff ist. So können die USA durch eine nationale Umweltgesetzgebung eine deutliche Minderung der einheimischen volkswirtschaftlichen Schäden durch SO2 erreichen. Bei CO2 ist dies nicht möglich, so dass ein nationaler Alleingang keine wesentliche Veränderung nach sich ziehen wird.35 Daher ist es erforderlich, dass sich zahlreiche Länder (im Idealfall alle Emittenten eines Schadstoffes) auf eine gemeinsame Umweltpolitik verständigen. Gelingt dies nicht, ist damit zu rechnen, dass sich die zuvor beschriebenen Effizienzvorteile von Zertifikaten nicht voll entfalten können. Bevor wir uns in Abschnitt 6.7.3 mit dem CO2-Zertifikatesystem der EU beschäftigen werden, diskutieren wir zuvor einige grundlegende Probleme, die sich aus dem internationalen Koordinationsbedarf ergeben. 6.7.2 Einige grundlegende Überlegungen Das Problem des globalen Schadstoffs CO2 (sowie der anderen Treibhausgase) wird seit nunmehr über 20 Jahren auf internationalen Umwelt- und Klimakonferenzen intensiv 30 Vgl. Carlson et al. (2000), S. 1319 ff. 31 Schmalensee/Stavins (2012), S. 10, stellen fest, dass es die Umweltpolitik selbst war, die durch ihre konfuse Politik einem an sich sehr effizienten Markt den „vorzeitigen Todesstoß“ verpasst hat. Etwaige Probleme wie der starke Preisverfall sind somit nicht dem Instrument selbst sondern dem Regulierer des Instruments anzulasten. 32 Schmalensee/Stavins (2012), S. 4. 33 Butraw/Szambelan (2009), S. 11. 34 Siehe Abschnitt 5.6. 35 Siehe dazu ausführlich unten Abschnitt 10.2.

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.