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6.3 Kosteneffizienz in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 132 - 133

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_132

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 121 6.3 Kosteneffizienz 121 sie den höchsten Nutzen stiften. Der Nachteil des Auktionsverfahrens ist aber, dass die Unternehmen mit einem einmaligen und möglicherweise unerwarteten Kostenschub konfrontiert werden, der dazu führen kann, dass bisher konkurrenzfähige Unternehmen im (internationalen) Wettbewerb nicht mehr bestehen können. Wegen der Schwächen beider Verfahren muss man in der Praxis bei der Erstausgabe Kompromisse schließen, auf die wir bei der Skizze der beiden Praxisbeispiele in den Abschnitten 6.6 und 6.7 zurückkommen. 6.3 Kosteneffizienz Ebenso wie Abgaben ermöglichen auch Zertifikate völlig unabhängig von der Kenntnis der (aggregierten) Kostenfunktion der Schadstoffvermeidung eine kosteneffiziente Inter nalisierung externer Effekte. Um dies formal zu demonstrieren, verwenden wir wieder folgende Bezeichnungen: 1. Ei als Emission des Unternehmens i; 2. maxiE als die gewinnmaximale Emission des Unternehmens i beim Fehlen umweltpolitischer Maßnahmen; 3. Vi = max iE – Ei als Schadstoffreduktion des Unternehmens i; 4. Ki(Vi) als zugehörige Vermeidungskosten des Unternehmens i; 5. sowie pz als Zertifikatepreis. Die Zielsetzung jedes Unternehmens ist die Minimierung der umweltbezogenen Gesamtkosten Ci. Diese Gesamtkosten sind die Summe aus den Vermeidungskosten Ki(Vi) und den Kosten, die durch den Kauf von Zertifikaten entstehen. Da für jede emittierte Einheit Zertifikate gekauft werden müssen, sind die Kosten für Zertifikate pzEi. Daraus folgt für jedes Unternehmen i ( ) .i i i z iC K V p E= + (6.1) Als Nebenbedingung muss jedes Unternehmen beachten, dass die vermiedenen Einheiten die Differenz aus den maximalen Emissionen maxiE und den Restemissionen Ei sind: max i i iV E E= − (6.2) Wenn wir (6.2) in (6.1) einsetzen, so ergibt sich ( ) ( )maxi i i z i iC K V p E V= + − . (6.3) Als Bedingung erster Ordnung für die Schadstoffreduktion Vi folgt i z i K p V ∂ = , ∂ (6.4) d.h. die Grenzkosten der Schadstoffreduktion entsprechen im Gewinnmaximum des Un ternehmens genau dem Zertifikatepreis. Damit sorgt eine Zertifikatelösung wie höchsten Gebots bezahlen muss. Es ist dann eine dominante Strategie, in Höhe der wirklichen Zahlungsbereitschaft zu bieten. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 122 6 Zertifikate122 die Abgabenlösung dafür, dass die Schadstoffe dort vermieden werden, wo dies mit den geringsten Kosten möglich ist. Denn da alle Unternehmen gemäß des Ausgleiches von Grenzkosten und Zertifikatepreis Schadstoffe vermeiden und der Zertifikatepreis für alle Unternehmen gleich ist, sind im Endeffekt die Grenzvermeidungskosten aller Unternehmen gleich – und dies war gerade die Bedingung für eine kostenminimale Schadstoffvermeidung. Zertifikate genügen also ebenso wie Abgaben dem Kriterium der Kosteneffizienz. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei hervorgehoben, dass dieses Ergebnis auch dann gilt, wenn die Unternehmen schon im Besitz von Zertifikaten sind und deshalb nicht für alle emittierten Einheiten Zertifikate zukaufen müssen. Denn für das Gewinnmaximierungskalkül der Unternehmen ist es gleichgültig, ob ein Zertifikat gekauft werden muss oder ob darauf verzichtet wird, ein Zertifikat zu verkaufen: Im zweiten Fall entstehen Opportunitätskosten durch den entgangenen Erlös, die genauso berücksichtigt werden müssen wie der Kaufpreis. 6.4 Ökologische Treffsicherheit Hinsichtlich der ökologischen Treffsicherheit liegt die Zertifikatelösung verständlicherweise zwischen der Auflagen- und der Abgabenlösung. Sofern es nicht auf die räumliche Verteilung der Schadstoffe ankommt, erfüllt die Zertifikatelösung das Kriterium ebenso wie die Auflagenlösung perfekt. Dies ist klar, weil die Unternehmen insgesamt nur so viele Schadstoffe emittieren dürfen wie die Umweltbehörde vorgibt. Die Summe der Emissio nen steht bei entsprechenden Kontrollmechanismen also ebenso fest wie bei Auflagen – der Unterschied ist allerdings, dass die Verteilung der Emissionen auf die einzelnen Un ternehmen diesen selbst überlassen bleibt und demnach auch die regionalen Immissionen nicht feststehen. Dies führt zu Komplikationen, wenn es auch auf die regionale Verteilung der Schadstoffe ankommt. In diesem Fall muss die Umweltbehörde also wieder die indi viduellen Grenzkostenfunktionen der Schadstoffvermeidung kennen, um die Immissionen genau prognostizieren zu können. Diese Überlegung legt nahe, dass Zertifikate vor allem dann eine geeignete Alternative zu Preislösungen sind, wenn es auf die räumliche Vertei lung der Schadstoffe nicht ankommt. Es überrascht daher nicht, dass die Mehrzahl der Umweltökonomen Zertifikate zur Verminderung der CO2-Emissionen favorisiert, wobei aus Gründen der Kosteneffizienz eine weltweite Regelung der Idealfall wäre. Wir können festhalten, dass Zertifikate besonders dann geeignet sind, wenn sowohl die Kosteneffizienz als auch die ökologische Treffsicherheit eine wichtige Rolle spielen. Die Kosteneffizienz schließt Auflagen als geeignete Instrumente aus, während die geringe ökologische Treffsicherheit Abgaben problematisch erscheinen lässt.3 3 Zur Vermeidung von Missverständnissen hinsichtlich der ökologischen Treffsicherheit sei hinzugefügt, dass die Zertifikatelösung einer kontinuierlichen Verbesserung der Umweltqualität nicht zuwiderläuft, da die Zertifikate im Zeitablauf abgewertet werden können. Dies bedeutet, dass im gesamten Unternehmens sektor immer weniger emittiert werden darf.

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.