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5.12 Zusammenfassende Schlussfolgerungen in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 128 - 130

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_128

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 116 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)116 Dies bedeutet, dass ein sozialer Planer die Wohlfahrt maximieren kann, indem er die Pigou-Steuer t f = 1 mit einer Outputsubvention von 0,25 pro produzierter Einheit koppelt. Einschränkend muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass wir dabei un terstellt haben, dass Subventionszahlungen von einer Geldeinheit auch nur Kosten von einer Geldeinheit hervorrufen, so dass die Kosten des Staates genau den Einnahmen der Unternehmen entsprechen. Dies ist aber keineswegs zwingend, weil die Öffentliche Hand die Subventionen aus Steuereinnahmen bezahlen muss und die Steuererhebung möglicherweise Kosten verursacht (man nennt dies die „shadow costs of public funds“). Eine weiterführende Restriktion kann daher darin gesehen werden, dass die Subventionen die Steuereinnahmen nicht überschreiten dürfen. In unserem Beispiel mit einer Produktionsmenge von x = 0,25 und einer Subvention von s = 0,25 ist die Gesamtsubvention S 0 25 0 25 0 0625S s x= ⋅ = , ⋅ , = , . (5.56) Die gesamten Steuereinnahmen T sind (10 ) 1 (10 0 5) 0 25 2 375T t E t v x= ⋅ = ⋅ − ⋅ = ⋅ − , ⋅ , = , , (5.57) so dass auch diese Restriktion erfüllt ist und der Öffentlichen Hand trotz der Subven tion noch Gelder zur Senkung anderer Steuern verbleiben.75 5.12 Zusammenfassende Schlussfolgerungen In diesem Kapitel haben wir gezeigt, dass die Informationsanforderungen bei Preislösungen zur Erfüllung der zentralen umweltpolitischen Kriterien der Pareto-Effizienz und Kosteneffizienz wesentlich geringer sind als bei Auflagen. Für Pareto-Effizienz wird (zu mindest bei Schadstoffen, bei denen es nicht auf die räumliche Verteilung ankommt), le diglich die aggregierte Grenzkostenfunktion der Schadstoffverminderung, aber nicht jede einzelne Grenzkostenfunktion benötigt. Dies ist ein erheblicher Vorteil, weil die aggre gierte Grenzkostenfunktion aus repräsentativen Erhebungen geschätzt werden kann. Für Kosteneffizienz werden bei diesen Schadstoffen gar keine Informationen benötigt, weil die Unternehmen aus Eigeninteresse ihre jeweiligen Grenzkosten dem (für alle Unterneh men gleichen) Abgabensatz angleichen, so dass im Endeffekt auch die Grenzkosten aller Unternehmen miteinander identisch sind. Angesichts dieses zentralen Vorteils, der unter Verweis auf eine empirische Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts in Köln über die Europäische Luftreinhaltepolitik auch als praxisrelevant ausgewiesen werden konnte, stellt sich hauptsächlich noch die Frage, in welchem Ausmaß Preislösungen eingesetzt werden sollten. Dabei wurde darauf hinge wiesen, dass die Umweltbehörde über halbwegs brauchbare Kenntnisse der (aggregierten) Grenzkostenfunktion der Schadstoffvermeidung verfügen muss, wenn sie nicht entweder das Kriterium der ökologischen Treffsicherheit oder die Planungssicherheit der beteiligten Unternehmen gefährden will, was sich wiederum negativ auf 75 Bedenken Sie, dass das Geld nicht zum Umweltschutz eingesetzt werden sollte, weil die pareto effizienten Emissionen (bzw. die zugehörigen Vermeidungen) ja durch die Pigou-Steuer schon erreicht werden. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 117 5.12 Zusammenfassende Schlussfolgerungen 117 das Kriterium der dynami schen Anreizwirkung76 auswirkt. Daraus folgt, dass man Preislösungen nicht beliebig ausweiten sollte. Vielmehr sollte man sie unseres Erachtens auf Bereiche beschränken, in denen brauchbare Kenntnisse über die Vermeidungskosten der Unternehmen entweder vorliegen oder mit Kosten beschafft werden können, die sich im Vergleich zu den Ein sparpotentialen lohnen. Dies ist in zentralen Bereichen wie SO2 oder CO2 sicherlich der Fall, während man die massenhafte Einführung von Abgaben in dieser Hinsicht skeptisch beurteilen muss. In den genannten Bereichen SO2 oder CO2 ist dann allerdings abzu wägen, welche Vor- und Nachteile die zweite wichtige marktorientierte Lösung – die im nachfolgenden Kapitel besprochenen Zertifikate – gegenüber Preislösungen aufweisen. Bei der Auswahl der Gebiete für Preislösungen ist auch zu berücksichtigen, dass die Informationsanforderungen zur Gewährleistung der ökologischen Treffsicherheit – wie aus führlich erläutert – für unterschiedliche Schadstoffe unterschiedlich hoch sind: Während für globale Schadstoffe (CO2) die Kenntnis der aggregierten Grenzkostenfunktion und demnach eine Schätzung der repräsentativen Grenzkostenfunktion ausreicht, gilt dies bei spielsweise für SO2 nicht, da jede andere Verteilung der Grenzkostenfunktionen auch zu einer anderen Verteilung der Immissionen führt. Als Fazit können wir festhalten, dass der Einwand der gegenüber Auflagen geringeren ökologischen Treffsicherheit ernst zu nehmen, aber kein schlagendes Argument gegen die Verwendung von Preislösungen in wichtigen, ausgewählten Bereichen ist. Bezüglich der in Deutschland kontrovers diskutierten ökologischen Steuerreform sei en zusammenfassend nochmals drei Punkte hervorgehoben: • Erstens dürften die Vorteile unstrittig sein, die sich aus der Verbesserung der Allokation durch die Internalisierung ex terner Effekte bei gleichzeitiger Verminderung der Mehrbelastung durch andere Steuern ergeben. • Zweitens sollte bei der Erörterung der negativen Auswirkungen stets beachtet werden, inwiefern diese auf das spezifische Instrument der Öko-Steuer oder aber einfach auf die mit dem Umweltschutz zwangsläufig verbundenen Kosten der Schadstoffvermeidung zurückzuführen sind. Dies ist insbesondere in der für umweltpolitische Maßnahmen unvermeidlichen Diskussion um die internationale Konkurrenzfähigkeit beachtenswert. • Und drittens zeigen die vorliegenden Studien und praktischen Erfahrungen zur ökologischen Steuerreform in Deutsch land, dass die erreichte CO2-Reduktion relevant ist, dass die Beschäftigungseffekte eher positiv und die negativen Effekte für das Wirtschaftswachstum gering sein dürften. Insgesamt besteht daher unseres Erachtens kein Zweifel daran, dass Preislösungen ein sehr wichtiges Instrument zum Umweltschutz darstellen. 76 Vgl. zur dynamischen Anreizwirkung ausführlich Kapitel 9. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 119 6 Zertifikate 6.1 Grundgedanke und Überblick Der Grundgedanke von Zertifikaten bzw. Lizenzen besteht darin, die insgesamt zulässige Umweltbelastung für einen bestimmten Bereich – d.h. beispielsweise die insgesamt zulässigen Emissionen eines Luftschadstoffes in einer Region oder die Menge der Einweg flaschen, die in einem bestimmten Zeitraum insgesamt verkauft werden darf – festzulegen und auf handelbare Zertifikate aufzuteilen.1 Ein Zertifikat ist also eine Genehmigung für eine bestimmte Umweltbelastung, beispielsweise dafür, im Jahr 1994 30 Einwegflaschen zu verkaufen. Analog zu Preislösungen (Abgaben und Steuern) nennt man Zertifikate daher auch Mengenlösungen. Preis- und Mengenlösungen verhalten sich spiegelbildlich zueinander: Bei Preislösungen wird ein Schadstoffpreis vorgegeben, und es bleibt den Unternehmen überlassen, wie viel von dem „Produktionsfaktor Schadstoff“ sie zu diesem Preis nachfragen wollen (die Emission eines Schadstoffes kann ohne weiteres als Faktornachfrage interpretiert werden). Bei Zertifikaten wird die insgesamt zulässige Menge fixiert und aufgeteilt, während sich der Preis für den Produktionsfaktor auf dem Markt bildet. Im einen Fall wird der Preis, im anderen Fall die Menge (allerdings nicht – wie bei der Auflage – die Menge für jedes Unternehmen, sondern die Gesamtmenge) fixiert. Jedes beteiligte Unternehmen steht bei der Mengenlösung vor der Entscheidung, ob es Schadstoffe vermeiden oder lieber Zertifikate kaufen soll, deren Preis sich auf dem Markt für Zertifikate bildet. Wenn wir beispielsweise annehmen, dass der Preis für die Emission einer Einheit SO2 zehn Geldeinheiten beträgt und die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung zunehmen, dann wird jedes Unternehmen so lange Zertifikate kaufen, wie die Grenzkosten der Vermeidung noch über dem Zertifikatepreis von zehn Geldeinheiten liegen. Bei vollständiger Konkurrenz auf dem Zertifikatemarkt ergibt sich also genau das gleiche Ergebnis wie für Abgaben: Bei Abgaben entsprechen im Gewinnmaximum der Un ternehmen die Grenzkosten der Vermeidung dem von der Umweltbehörde vorgegebenen Abgabensatz, und bei der Zertifikatelösung dem auf dem Markt bestimmten Zertifikatepreis. Diese Spiegelbildlichkeit der Effizienzbedingungen von Preis- und Mengenlösungen ist auch ganz selbstverständlich, weil ja auf einer Nachfragefunktion (ob nach Emissionen oder nach den traditionellen Produktionsfaktoren wie Arbeit und Kapital) jedem Preis eindeutig eine Menge zugeordnet ist und umgekehrt. Wir stellen in Abschnitt 6.2 zunächst die beiden Extremformen der Erstausgabe von Zertifikaten dar, ehe wir in den nachfolgenden Abschnitten erneut unsere Kriterien zur Beurteilung umweltpolitischer Instrumente (Kosteneffizienz in Abschnitt 6.3, ökologi- 1 In der Bundesrepublik Deutschland hat vor allem Holger Bonus die Vorteile von Zertifikaten immer wieder hervorgehoben; vgl. schon Bonus (1982) sowie z.B. Bonus (1990). Zu den praktischen Einsatz möglichkeiten vgl. auch Kemper (1993), S. 208 ff. und Harrington/Morgenstern/ Sterner (2004).

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References

Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.