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5.11.1 Der Grundgedanke: Die Berücksichtigung von Produktionsmengen in:

Eberhard Feess, Andreas Seeliger

Umweltökonomie und Umweltpolitik, page 120 - 122

4. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4668-5, ISBN online: 978-3-8006-4365-3, https://doi.org/10.15358/9783800643653_120

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Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 108 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)108 zu beheben, verschärft sich zudem auch noch die zuvor diskutierte Problematik mit der zu geringen Anreizwirkung der Ökosteuer selbst. Beide Instrumente (EEG und Ökosteuer) sollten getrennt voneinander betrachtet werden und eine sachfremde Verrechnung ist eher kontraproduktiv. 5.11 Preislösungen bei unvollständiger Konkurrenz 5.11.1 Der Grundgedanke: Die Berücksichtigung von Produktionsmengen Bei unseren bisherigen Überlegungen zu Auflagen und Preislösungen haben wir ausschließlich betrachtet, wie gewinnmaximierende Unternehmen bei der Wahl ihrer Emissionen auf umweltpolitische Instrumente reagieren. Auswirkungen auf die Produktionsmengen haben wir dabei vernachlässigt. Diese Vorgehensweise ist zwar geeignet, um die entscheidenden Eigenschaften der einzelnen Instrumente zu diskutieren, letztlich ist sie aber eine Vereinfachung, weil die mit Instrumenten verbundenen Kostenerhöhungen auch Auswirkungen auf die Produktionsmengen haben. Diesem Aspekt gehen wir im Folgenden nach. Zur Vergegenwärtigung des Problems müssen wir berücksichtigen, dass ein Unterneh men, das mit einer Abgabe konfrontiert wird, zwei Entscheidungen treffen muss. Im ersten Schritt entscheidet das Unternehmen über die Produktionstechnologie, d.h. beispielsweise darüber, wie viele neue Filter es einbaut. Im zweiten Schritt wird auf Grundlage dieser Technologie eine bestimmte Menge produziert und am Markt angeboten. Es ist klar, dass Abgaben beide Entscheidungen beeinflussen. Erstens liefert eine Erhöhung der Abgabe einen Anreiz, mit weniger Emissionen, und dafür beispielsweise mit mehr Arbeit oder schadstoffärmerem Kapital, zu produzieren. Zweitens erhöhen Abgaben aber auch die Produktionskosten, weil der Preis eines Produktionsfaktors steigt, was – Rationalverhalten vor Erhöhung des Preises vorausgesetzt – die Kosten erhöhen muss. Diese Kostener höhung führt dann zu einer Verminderung der (gewinnmaximalen) Produktionsmenge. Zur Vermeidung von Missverständnissen muss hervorgehoben werden, dass diese Verminderung grundsätzlich durchaus gewünscht wird – denn die Güterproduktion ist ja mit negativen externen Effekten verbunden und soll durch Emissionsabgaben gerade auf ihr Optimum reduziert werden. Es lässt sich daher auch leicht zeigen,67 dass die in Ab schnitt 5.4 hergeleitete Pigou-Steuer bei vollständiger Konkurrenz nicht nur zur Wahl der pareto-effizienten Emissionshöhe, sondern auch zur Wahl der pareto-effizienten Produkti onsmenge führt. Denn mit der pareto-effizienten Abgabe werden alle negativen externen Effekte vollständig internalisiert, was auch dann zu einem Optimum führen muss, wenn wir zusätzlich den Effekt auf die Produktionsmengen einbeziehen. Überlegen wir nun aber, ob dies auch bei unvollständiger Konkurrenz gilt. Das in jedem mikroökonomischen Lehrbuch hervorgehobene Problem unvollständiger Konkur renz ist, dass die gewinnmaximale Produktionsmenge der Unternehmen unter der paretoeffizienten Produktionsmenge liegt. Dies lässt sich besonders leicht für ein Monopol 67 Vgl. den folgenden Abschnitt 5.11.2. Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 109 5.11 Preislösungen bei unvollständiger Konkurrenz 109 de monstrieren. Da der Monopolist – im Unterschied zu den Unternehmen, die unter der Marktform vollständiger Konkurrenz produzieren – mit seiner Produktionsmenge auch den Preis beeinflussen kann, hat er einen Anreiz, die Produktionsmenge „zu verknappen“, um dadurch einen hohen Marktpreis zu erreichen. Die Produktionsmenge liegt also un ter der pareto-effizienten. Lassen Sie uns zur Verdeutlichung der Konsequenzen für die Bestimmung der wohlfahrtsoptimalen Emissionsabgabe einen Moment lang unterstellen, dass eine lineare und unveränderliche Beziehung zwischen Output und Emissionen be steht, weil keine schadstoffvermeidende Technologie existiert. Die einzige Möglichkeit zur Verminderung von Emissionen ist es dann, den Output zu reduzieren. Bei vollständiger Konkurrenz kann dies durch die Pigou-Steuer erreicht werden, weil der Output unter Be rücksichtigung des externen Effekts ohne Emissionsabgabe ja zu hoch ist. Im Monopol gibt es dagegen zwei gegenläufige Effekte: Auf der einen Seite ist die Produktionsmenge ohne Emissionsabgabe zu hoch, weil der Monopolist genau wie ein Unternehmen, das unter der Marktform vollständiger Konkurrenz produziert, nur seine gewöhnlichen Pro duktionskosten, aber nicht den negativen externen Effekt berücksichtigt. Auf der anderen Seite ist seine Produktionsmenge ohne negativen externen Effekt aber zu niedrig, weil im Monopol aus den oben geschilderten Gründen weniger als bei vollständiger Konkurrenz (und damit auch weniger als im Optimum) produziert wird. Auf der einen Seite produziert der Monopolist also aus den ganz gewöhnlichen, aus der Mikroökonomie bekannten, Gründen zu wenig. Auf der anderen Seite produziert er aber auch zu viel, weil er den negativen externen Effekt nicht berücksichtigt. Stellen Sie sich nun den Extremfall vor, in dem sich die beiden gegenläufigen Effekte genau ausgleichen – dann produziert der Monopolist exakt die wohlfahrtsoptimale Menge, weil sich die beiden „Störungen“ gegeneinander kürzen. Die pareto-effiziente Emissionsabgabe ist dann Null, weil wir uns schon im Optimum befinden. Auch jenseits dieses Extremfalles liegt die wohlfahrtsoptimale Abgabe für einen Monopolisten unterhalb der in Abschnitt 5.4 hergeleiteten Pigou-Steuer, weil die geringere Produktionsmenge des Monopolisten einbezogen werden muss. Dies gilt grundsätzlich (wenn auch in abgeschwächter Form) nicht nur im Monopol, sondern auch in allen anderen Formen unvollständiger Konkurrenz, bei denen die Unternehmen ihre Produktion schon einstellen, bevor der Grenznutzen der Konsumenten den Grenzkosten der Produktion entspricht. Aufmerksame Leser/innen werden sich erinnern, dass wir unsere Argumentation gerade unter der restriktiven Annahme geführt haben, dass ein konstantes, unveränderliches Verhältnis zwischen Output und Emissionen besteht. Man spricht dann auch davon, dass die Emissionsintensität (diese misst den Quotienten aus Emissionen und Produktionsmen ge) konstant ist. Im Allgemeinen müssen wir aber davon ausgehen, dass Emissionen nicht nur durch eine Verminderung der Produktionsmenge, sondern auch durch die Wahl einer umweltfreundlicheren Technologie vermindert werden können. Sofern die Umweltbehörde dann mit der Emissionsabgabe nur ein umweltpolitisches Instrument zur Verfügung hat, wird die Argumentation zwar etwas komplizierter, sie bleibt aber im Kern erhalten: weil die Umweltbehörde bei der Maximierung der sozialen Wohlfahrt auch den Produkti onsmengeneffekt berücksichtigen muss, ist die wohlfahrtsmaximale Emissionsabgabe bei unvollständiger Konkurrenz geringer als bei vollständiger Konkurrenz. Allerdings ergibt sich dann (im Unterschied zur vollständigen Konkurrenz) kein Pareto-Optimum ( first best) mehr, sondern lediglich ein second Vahlen – Allg. Reihe – Feess/Seeliger, Umweltökonomie und Unweltpolitik, 4. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.09.2013 Status: Imprimatur Seite 110 5 Steuern und Abgaben (Preislösungen)110 best. Dies liegt daran, dass sich bei Erreichen der pareto-effizienten Emissionsintensität eine zu geringe Produktionsmenge ergibt, wäh rend bei Erreichen der pareto-effizienten Produktionsmenge die Emissionsintensität zu hoch ist. Die Umweltbehörde muss also zwischen diesen beiden Ineffizienzen abwägen, so dass sie keinen optimalen, sondern nur noch einen „zweitbesten“ Zustand (second best) erreichen kann. Diese Überlegungen gelten unter der Annahme, dass nur ein Instrument (hier eine Abgabe) zur Verfügung steht. Die Umweltbehörde kann dagegen ein Pareto-Optimum erreichen, wenn sie neben einer Emissionsabgabe auch noch eine Output-Subvention ein führt. Diese Output-Subventionen für Monopole wurden außerhalb des Umweltproblems schon oft diskutiert, weil jede Subvention die gewinnmaximale Produktionsmenge erhöht und die Behörde daher bei vollständiger Information auf diese Art ein Optimum herbei führen kann. Allerdings scheint dies aus zwei Gründen nicht besonders realistisch: erstens scheitert eine Subventionierung von Monopolisten schon an politischem Widerstand und zweitens ist die Behörde im Allgemeinen nicht vollständig informiert, so dass sich gra vierende Anreizprobleme ergeben würden (jedes Unternehmen hätte einen Anreiz, eine ohne Subventionen zu geringe Produktionsmenge zu signalisieren, um so in den Genuss von Subventionen zu kommen). Daher scheint die Annahme gerechtfertigt, dass die Umweltbehörde bei der Internalisierung externer Effekte durch Preislösungen ausschließlich auf das Instrument einer Emissionsabgabe zurückgreift, so dass nur noch ein second best erreicht werden kann. 5.11.2 Ein ökonomisches Grundmodell 5.11.2.1 Grundlagen des Modells Wir wollen die geschilderten Probleme nun in einem etwas formaleren Modell erläutern, wobei wir uns auf die Marktformen vollständiger Konkurrenz und des Monopols beschrän ken. Für das Oligopol ergeben sich im Grunde die gleichen Schlussfolgerungen wie für das Monopol, allerdings in abgeschwächter Form, weil die Produktionsmengen mit wachsender Anzahl der Marktteilnehmer immer näher an das Pareto-Optimum rücken. Ferner ist zu bedenken, dass die Ergebnisse im Oligopol auch stark von der Art der Wettbewerbsform (beispielsweise Preis- oder Mengenwettbewerb) und dem Ausmaß der Heterogenität der Produkte abhängt, so dass sich dort mittlerweile eine eigenständige Forschung etabliert hat.68 Wir erläutern wie erwähnt ausschließlich den Monopolfall und wählen dazu ein Beispiel mit möglichst einfachen Funktionsverläufen, da dadurch die Kernaussagen am leichtesten nachvollzogen werden können. Wir werden allerdings feststellen, dass die Zusammenhänge trotzdem relativ komplex werden. Im Einzelnen treffen wir folgende Annahmen: 1. Die Preis-Absatz-Funktion ist linear und lautet p = 10 – x. (5.24) 2. Die Kosten des Produzenten steigen linear in der Produktionsmenge, so dass wir von konstanten Grenzkosten hinsichtlich der Produktionsmenge ausgehen. Zur Be- 68 Siehe hierzu beispielsweise Gersbach/Requate (2004).

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Zusammenfassung

Umweltökonomie – neue Aspekte

Die rasanten Entwicklungen in der Umweltpolitik in den vergangenen Jahren führten zu umfangreichen Anpassungen in diesem beliebten Lehrbuch, die insbesondere die anwendungsorientierten Abschnitte betreffen. Hier wurden vor allem die Kapitel über die Umweltinstrumente (Auflagen, Steuern, Zertifikate), die Kosten-Nutzen-Analyse sowie die internationalen Umweltaspekte (bspw. Klimakonferenzen) grundlegend aktualisiert. Darüber hinaus enthält das Kapitel zur Ressourcenökonomie nun ebenfalls eine anwendungsbezogene Diskussion.

Umweltökonomie – die Schwerpunkte

- Spieltheoretische Grundlagen

- Theorie externer Effekte

- Auflagen

- Steuern und Abgaben

- Zertifikate

- Verhandlungslösungen

- Umwelthaftung

- Umwelttechnischer Fortschritt

- Internationale Aspekte des Umweltproblems

- Umweltpolitik bei asymmetrischer Informationsverteilung

- Kosten-Nutzen-Analyse

- Ressourcenökonomie

Zielgruppe

Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Hochschulen sowie interessierte Praktiker in Wirtschaft, Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Eberhard Feess ist seit 2008 Professor für Managerial Economics an der Frankfurt School of Finance and Management. Zuvor hatte er Lehrstühle an der EBS, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Andreas Seeliger lehrt seit 2011 Volks- und Energiewirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Zuvor war er bei Frontier Economics, der Trianel European Energy Trading sowie dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt.