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7.5 Lebenszyklusrechnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 984 - 990

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_984

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
7.5 Lebenszyklusrechnung 965 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 965 Status: Imprimatur Ergänzende Literatur zu: 7.4 Zielkostenmangement (Target Costing) Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung, S. 541–581 Ebert, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 224–229 Ewert/Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 280–290 Freidank, Kostenrechnung, S. 385–422 Friedl/Hofmann/Pedell, Kostenrechnung, S. 485–524 Horváth/Niemand/Wolbold, Target Costing, S. 1–27 Horváth/Seidenschwarz, Taget Costing, S. 198–203 Horváth/Seidenschwarz, Zielkostenmanagement, S. 142–150 Schweitzer/Küpper, Kosten- und Erlösrechnung, S. 723–738 7.5 Lebenszyklusrechnung 7.5.1 Aufgaben und Ziele Auch die Lebenszyklusrechnung (Life Cycle Costing, Product Life Cycle Cost Management, Lebenszykluskostenrechnung) ist als ein Instrument des strategischen Kostenmanagements einzuordnen; mit ihr soll der periodenübergreifende Anfall von Kosten und Erlösen eines Produktes erfasst und gesteuert werden. Da die Kosten- und Leistungsrechnung grundsätzlich an der einzelnen Abrechnungsperiode orientiert ist, ergeben sich Probleme, wenn die in der Periode angefallenen Kosten in keinem ursächlichen Zusammenhang zu den produzierten bzw. abgesetzten Produkten stehen. Werden z. B. die Kosten des Forschungs- und Entwicklungsbereiches, aber auch im Vorhinein gewährte Subventionen oder Zuschüsse, die lange vor der Produktions- und Vermarktungsphase eines Produkts anfallen bzw. gewährt werden, entsprechend dem Kosten- bzw. Erlösanfall verrechnet, ist der Erfolgsausweis der Produktionsund Vermarktungsphase verzerrt. Um aber den Erfolg eines Produktes beurteilen zu können, um zu entscheiden wann ein Produkt auf den Markt zu bringen oder vom Markt zu nehmen und wie die langfristige Preispolitik zu gestalten ist, müssen alle produktbezogenen Kosten und Erlöse periodenübergreifend berücksichtigt werden. Dies gilt umso mehr, als die Produktlaufzeiten immer kürzer werden und die dem Absatz und der Produktion vorgelagerten Kosten steigen. Im Rahmen der Lebenszyklusrechnung werden daher alle einem Produkt oder einer Produktgruppe im Zeitablauf zuzurechnenden Kosten und Erlöse entsprechend ihres zeitlichen Anfalls erfasst. Auf dieser Datengrundlage kann dann die Wirkung von strategischen Entscheidungen antizipiert werden. Über die Erfassung hinaus dient die Lebenszyklusrechnung dem Erfolgsmanagement, indem durch die periodenübergreifende Betrachtungsweise mögliche Zusammenhänge zwischen den Kosten und Erlösen im Zeitablauf erkannt und erfolgssteigernd genutzt werden können. So zeigt eine Analyse aus dem Jahr 2004, dass der deutsche Maschinenbau im Service-Geschäft mit deutlich höheren Margen von 8 bis 18 % 7 Strategische Erweiterung der Kostenrechnung966 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 966 Status: Imprimatur Umsatzrendite auf EBIT-Basis gegenüber den knapp über 2 % im Neumaschinengeschäft rechnen kann, und demnach fast Dreiviertel aller Maschinenbauer 30 bis 50 % der möglichen Erträge durch Vernachlässigung des rentablen Folgegeschäfts verschenken (Oliver Wyman, Maschinenbau-Analyse, S. 7). Ein typischer Trade-off besteht zudem zwischen den Kosten für Forschung und Entwicklung und den späteren Produktions-, Betriebs- und Folgekosten: So soll ein Dollar Kostenerhöhung in der Produktplanung, Produktentwicklung und Konstruktion acht bis zehn Dollar an Produktions- und Vertriebskosten sparen helfen (Shields/Young, Product Life Cycle Costs, S. 39). Darüber hinaus kann eine qualitativ höherwertigere und oftmals auch teurere Auslegung eines Produktes helfen, spätere Gewährleistungs- und Entsorgungskosten zu vermeiden bzw. zu sparen (Rückle/Klein, Product-Life-Cycle-Cost-Management, S. 348; Abbildung in Anlehnung an Günther/Kriegbaum, Life Cycle Costing, S. 904): Die Lebenszyklusrechnung ergänzt insofern das Konzept des Zielkostenmanagements, da es nicht nur darum geht die vom Markt her zulässigen Kosten zu ermitteln und Maßnahmen zu ihrer Erreichung einzuleiten, sondern vielmehr darum mittels einer mehrperiodischen Betrachtung die Kosten und Erlöse zu optimieren. 7.5.2 Kosten und Erlöse im Produktlebenszyklus Damit die Lebenszyklusrechnung ihre Aufgaben erfüllen kann, muss der zeitliche Rahmen der Kosten- und Erlöserfassung zweckmäßig abgesteckt werden. Ziel ist es, die mit einem Produkt verbundenen Erfolgswirkungen möglichst umfassend abbilden zu können. Unter einem Lebenszyklus ist ein schematisierter Verlauf der Phasen, die ein Objekt während seiner Lebenszeit durchläuft, zu erhöhte Anfangskosten erhöhte Betriebskosten geringere Anfangskosten geringere Folgekosten erhöhte Folgekosten geringere Betriebskosten Kosten Zeit Trade-offs Trade-offs zwischen Anfangs-, Betriebs- und Folgekosten 7.5 Lebenszyklusrechnung 967 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 967 Status: Imprimatur verstehen. Entsprechend kennzeichnen den Produktlebenszyklus die typischen Entwicklungsphasen, die ein Produkt während seiner Lebenszeit durchläuft. Diese Phasen dienen der Lebenszyklusrechnung als Anknüpfungspunkte der Kosten-/Erlöserfassung, -strukturierung und -steuerung. Wie die nachstehende Abbildung veranschaulicht, kann der Produktlebenszyklus in drei große Teilzyklen unterteilt werden (in Anlehnung an Back/Hock, Produktlebenszyklusorientierte Ergebnisrechnung, S. 706; vgl. auch: Pfohl, Lebenszyklusrechnung, S. 30): Die Marktphase beschreibt der sog. Marktzyklus, der in die Einführungs-, Wachstums-, Reife- und Degenerationsphase unterteilt wird und die typische Entwicklung des Absatzes eines Produktes beschreibt. In der Markt- wie auch in der Produktionsphase fällt aber nur ein Teil der Kosten und Erlöse an, die einem Produkt verursachungsgerecht zuzurechnen sind. Insbesondere für Zwecke der Lebenszyklusrechnung zu berücksichtigen sind aber die der eigentlichen Produktions- und Marktphase vorgelagerten und zunehmend wichtiger werdenden Kosten, die durch den Entstehungszyklus modellhaft beschrieben werden können. Die mit dem Angebot bzw. Verkauf eines Produktes verbundenen Folgewirkungen – z. B. Garantieleistungen u. a. im Maschinen- und Anlagenbau – werden im Nachsorgezyklus berücksichtigt (zum Einsatz der Lebenszyklusrechnung als Informationsinstrument für das Garantiemanagement vgl. ausführlich: Baumeister, Lebenszykluskosten, S. 39 ff.). In Abhängigkeit von der Produktart sind die als Folge des Verkaufes sich ergebenden Kosten und Erlöse unter Umständen von entscheidender Bedeutung (z. B. Verkauf von Mobiltelefonen mit anschließenden Telefongebühren). Die Erweiterung der Betrachtung um den Entstehungs- und Nachsorgezyklus macht es erforderlich neben den Kosten bzw. Erlösen der Marktphase in – Vorlaufkosten (Vorlauferlöse) und – Nachlaufkosten (Nachlauferlöse) zu unterscheiden. Unter den Vorlauf- oder auch Vorleistungskosten sind alle Kosten zu verstehen, die vor der eigentlichen Marktphase anfallen. Dies sind Forschungs- und Entwicklungskosten, Kosten zum Aufbau bzw. der Konstruktion von Produkti- U m fe ld an al ys e, Id ee n su ch e A lt er n at iv en su ch e Fo rs ch u n g u n d E n tw ic kl u n g Pr o d u kt io n u n d A b sa tz M ar kt ei n fü h ru n g M ar kt d u rc h d ri n g u n g M ar kt sä tt ig u n g M ar kt d eg en er at io n G ar an ti e W ar tu n g , R ep ar at u r En ts o rg u n g Entstehungszyklus Marktzyklus Nachsorgezyklus Schematische Darstellung des Produktlebenszyklus 7 Strategische Erweiterung der Kostenrechnung968 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 968 Status: Imprimatur onsanlagen, Kosten der Marktforschung, Markterschließung und des Aufbaus von Vertriebskanälen. Vorlauferlöse sind bspw. bereits vor Markteinführung gewährte Subventionen. Die Nachlaufkosten (Folgekosten) umfassen die nach dem Absatz anfallenden Kosten wie Wartungs-, Reparatur- und Garantiekosten, Schadensersatzleistungen und eventuelle Kosten auf Grund von Entsorgungsleistungen. In Abhängigkeit der jeweiligen Absatzkonditionen ist es denkbar, dass Teile der Nachlaufkosten auf die Abnehmer überwälzt werden können und damit aus Sicht des Produzenten Nachlauferlöse darstellen. Wird das Modell des Produktlebenszyklusses hinsichtlich des Bezugsobjektes dergestalt konkretisiert, bietet es eine Grundlage zur Prognose der lebenszyklusbezogenen Kosten und Erlöse. Durch laufende Beobachtung und Sammlung von Erfahrungsdaten kann versucht werden, typische Verlaufsmuster, die als Basis zukünftiger Planungen genutzt werden können, zu identifizieren (Back-Hock, Produktlebenszyklusorientierte Ergebnisrechnung, S. 708). Die Literatur zeigt eine Vielzahl differenzierter Produktlebenszyklusmodelle, die sich in Abhängigkeit des konkret gewählten Bezugsobjektes, des Detaillierungsgrades und der Interessenposition unterscheiden (vgl. hierzu Zehbold, Lebenszykluskostenrechnung, S. 16 ff.; Pfohl, Lebenszyklusrechnung, S. 117–122). 7.5.3 Ausgestaltung der Lebenszyklusrechnung Im Rahmen der periodischen Erfolgsermittlung werden Kosten und Erlöse grundsätzlich in der Periode ihres Anfalls verrechnet. Ein möglicher Ansatz der Lebenszyklusrechnung kann nun darin bestehen durch umfassende Aktivierung von Vorlauf- bzw. Passivierung von Nachlaufkosten Verzerrungen der Erfolgsermittlung zu vermeiden. Eine derartige Verrechnung von Vorund Nachlaufkosten wirft allerdings eine Vielzahl von Problemen auf (Ewert/ Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 294–296): – Vor- und Nachlaufkosten fallen oftmals nicht produktspezifisch sondern als Gemeinkosten an. – Ein verursachungsgerechtes Zurückverfolgen sämtlicher Kosten auf die jeweiligen Produkte ist aus praktischen Gründen nicht möglich. – Zur korrekten Verteilung müsste die Zurechnungsbasis (zukünftig produzierte Stückzahl, Umsatz etc.) bekannt sein oder zumindest geschätzt werden können. – In vielen Fällen ist nicht einschätzbar, welche Erfolgsquote den Vorlaufkosten beschieden ist, so dass eine Zurechnung auf spätere Produkte schwerlich möglich ist. Es bestehen daher eine Reihe verschiedener Ansätze zur praktischen Ausgestaltung einer Lebenszyklusrechnung. Einfache Varianten beschränken sich hierbei auf die kumulative Gegenüberstellung von tatsächlichem Kosten- und Erlösanfall (vgl. z. B. Ewert/Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 292 ff.). Um zusätzliche Erkenntnisse über die Amortisation von Vor- und Nachlaufkosten zu gewinnen, werden demgegenüber produktlebenszyklusbezogene und periodische Erfolgsrechnungen bzw. Deckungsbeitragsrechnungen kombiniert, 7.5 Lebenszyklusrechnung 969 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 969 Status: Imprimatur Beispiel einer Lebenszyklusrechnung 7 Strategische Erweiterung der Kostenrechnung970 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 970 Status: Imprimatur wie dies schematisch mit der Abbildung auf S. 969 gezeigt ist (Zehbold, Lebenszykluskostenrechnung, S. 196). Ausgehend von der kumulativen Erfassung der im Produktlebenszyklus anfallenden Kosten und Erlöse (oberer Teil der Abbildung) gliedert sich die Rechnung in zwei weitere Teile: Im mittleren Teil der Abbildung werden die sich in jeder Phase des Produktlebenszyklus ergebenden periodenbezogenen Deckungsbeiträge dargestellt, die anzeigen, wie die periodischen Fixkosten durch die Produkterlöse abgedeckt werden. Eingebunden wird die periodische Deckungsbeitragsrechnung in eine totalperiodenbezogene Betrachtung (unterer Teil der Abbildung) des gesamten Produktebenszyklusses. Hierbei kann mittels der kumulierten periodischen Deckungsbeiträge errechnet werden, ob und zu welchem Zeitpunkt während der Produktions- und Vermarktungsphase eine Amortisation der Vor- und Nachlaufkosten erfolgt. Generell stellt sich allerdings die Frage, wie eine auf Kosten und Leistungen basierende Rechnung über einen mehrperiodischen Zeitraum zu rechtfertigen ist. Indem Kosten und Erlöse gemäß ihres zeitlichen Anfalls verrechnet werden, ist prinzipiell der Übergang zur Investitionsrechnung gegeben. So finden sich aucheine ganze Reihe von Ansätzen, die eine Lebenszyklusrechnung investitionstheoretisch fundieren (Troßmann, Investition, S. 549 ff.). Die Ergebnisse der dargestellten Lebenszyklusrechnung müssen insoweit aus entscheidungstheoretischer Sicht relativiert werden. Allerdings sind in der Praxis vielfach die für eine investitionstheoretisch anspruchsvoll ausgestaltete Rechnung notwendigen Daten nicht vorhanden. Würde die hier dargestellte Variante einer Lebenszyklusrechnung zudem als einfache modifizierte statische Amortisationsrechnung ausgestaltet, so kann zusätzlich zumindest eine Grobabschätzung des Risikos erfolgen. Methodisch zeigt sich die Lebenszyklusrechnung somit als Symbiose aus Deckungsbeitragsrechnung und Investitionsrechnung – sie erweitert das Konzept der Deckungsbeitragsrechnung auf Produktions- und Absatzprozesse, die sich über mehrere Perioden erstrecken. Bei Vorliegen stückorientierter Entscheidungen stimmt der Anwendungsbereich einer Lebenszyklusrechnung folglich grundsätzlich mit dem der Deckungsbeitragsrechnung überein (Troßmann, Lebenszyklusrechnungen, S. 71). Ergänzende Literatur zu: 7.5 Lebenszyklusrechnung Baumeister, Lebenszykluskosten, S. 39–52 Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung, S. 583–609 Ewert/Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 291–303 Götze, Kostenrechnung, S. 299–322 Horváth, Controlling, S. 473–478 Pfohl, Lebenszyklusrechnung, S. 18–30 und S. 81–115 Riezler, Produktlebenszykluskostenmanagement, S. 207–223 Schweitzer/Küpper, Kosten- und Erlösrechnung, S. 217–232 Troßmann, Investition, S. 542–557 Troßmann, Lebenszyklusrechnungen, S. 51–73 Zehbold, Lebenszykluskostenrechnung, S. 153–183 und S. 184–220 7.6 Umweltorientierte Kostenrechnung 971 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 971 Status: Imprimatur 7.6 Umweltorientierte Kostenrechnung 7.6.1 Grundlagen und Kostenbegriff Die im Rahmen des betrieblichen Umweltmanagements zu lösenden Aufgaben der Planung, Durchführung und Kontrolle umweltrelevanter Aktivitäten erfordern ein problemadäquates internes Rechnungssystem, das eine quantitative Bewertung von Umweltwirkungen ermöglicht. Entsprechende umweltorientierte Kostenrechnungssysteme müssen die Kosten zur Verhinderung, Reduzierung oder Beseitigung von Umweltbelastungen abbilden und damit sowohl Daten für eine zukunftsorientierte Planung und Kalkulation als auch für eine vergangenheitsorientierte Kontrolle bereitstellen. Seit Anfang der neunziger Jahre werden integrierte Konzepte der umweltorientierten Kostenrechnung entwickelt und diskutiert, die auf eine Erweiterung bestehender Kostenrechnungssysteme abzielen. Für die verstärkte Auseinandersetzung mit Fragen der Berücksichtigung von Umweltschutzkosten lassen sich folgende Gründe nennen (Fichter/Loew/Seidel, Umweltkostenrechnung, S. 1): (1) das gestiegene Umweltbewusstsein und damit verbunden der kontinuierliche Anstieg der betrieblichen Umweltschutzkosten seit den 70er Jahren, (2) der steigende Wettbewerbs- und Kostendruck auf Grund von Internationalisierung und Globalisierung in den 90er Jahren, (3) die in empirischen Untersuchungen belegte Erfahrung, dass die Analyse betrieblicher Prozesse aus ökologischer Sicht zugleich den Vorteil der Kosten einsparung auf Grund einer effizienteren Ressourcennutzung bietet (Höppner/Sietz/Seuring, Effizienz, S. 39). Grundlage einer umweltorientierten Kostenrechnung ist die Messung der Umweltbelastung durch die Unternehmung, welche durch die Nutzung natürlicher Ressourcen als Inputfaktoren für die Gütererstellung und durch die Inanspruchnahme der natürlichen Umwelt als Aufnahmemedium für Rückstände aus dem betrieblichen Transformationsprozess entsteht. Prinzipiell ist die natürliche Umwelt als knapper Produktionsfaktor anzusehen, weshalb der sachzielorientierte Verbrauch natürlicher Ressourcen im Mengengerüst der Kostenrechnung abzubilden ist. Gelingt zusätzlich die Festlegung des Wertgerüsts, so ist eine Abbildung aller Kosten der Umweltinanspruchnahme im internen Rechnungswesen auf der Grundlage des wertmäßigen Kostenbegriffs unproblematisch (Piro, Umweltkostenrechnung, S. 13). Die Bewertung ist allerdings dann häufig nicht unmittelbar möglich, wenn der einzelwirtschaftlich verursachte Verbrauch natürlicher Ressourcen nicht vollständig von dem einzelnen Wirtschaftssubjekt getragen werden muss, stattdessen Umweltbelastungen auch auf die Gesellschaft übergewälzt werden. Dies macht aus betrieblicher Sicht eine Unterscheidung zwischen internalisierten Kosten und externen Kosten notwendig, wie sie in der Abbildung auf S. 972 systematisch dargestellt ist (in Anlehnung an: Kloock, Umweltkostenrechnungen, S. 183). Internalisierte Umweltschutzkosten bilden die tatsächlichen Kosten-

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.