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7.1 Rahmenbedingungen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 956 - 957

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_956

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 937 Status: Imprimatur 7 Strategische Erweiterung der Kostenrechnung 7.1 Rahmenbedingungen Viele Entscheidungen, die auf Grund von Informationen aus der Kostenrechnung getroffen werden, haben strategischen Charakter, da sie auf die grundsätzliche Ausrichtung des Unternehmens einwirken und folglich regelmäßig langfristige Auswirkungen zeitigen. Dazu gehören u. a. Festlegungen des Produktionsprogramms und der Preisstrategie sowie Entscheidungen bezüglich der Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen oder Maßnahmen vertikaler Integration. Die Kostenrechnung hat somit im Rahmen ihrer unternehmerischen Planungs- und Entscheidungsaufgabe auch Informationen bereitzustellen, die der konkreten Ausgestaltung der Unternehmensstrategie dienen. Daraus resultieren modifizierte Anforderungen an das Informationssystem „Kosten- und Erlösrechnung“ (Bea/Haas, Strategisches Management, S. 346; Wöhe/Döring, Einführung, S. 1007–1010). Die strategischen Rahmenbedingungen der Unternehmen unterliegen einem beständigen strukturellen Wandel, der insbesondere die Wettbewerbssituation und die technologische Entwicklung betrifft. So ist der Wettbewerb in vielen Branchen heute durch die zunehmende Globalisierung und eine sich beschleunigende Marktsättigung gekennzeichnet. Dies führt zu einer stärker werdenden Konkurrenz, die die Unternehmen dazu zwingt, sich rasch durch Produktentwicklungen bzw. -modifikationen an Änderungen des Nachfragerverhaltens anzupassen. Der Wettbewerb ist somit durch kürzere Produktlebenszyklen und einen zunehmend härter werdenden Preiskampf geprägt. Ebenso dynamisch entwickelt sich die in den Unternehmen eingesetzte Technologie: Neuerungen, wie Werkstoffinnovationen, Biotechnologie oder Mikroelektronik, ermöglichen zwar einerseits die Erschließung neuer Märkte, tragen andererseits aber auf Grund der äußerst schnellen Entwicklung das Risiko eines raschen Preisverfalls in sich. Vor diesem Hintergrund erscheint ein strategischer Ansatz zwingend, nach dem nicht die anfallenden Kosten den Preis bestimmen, sondern der erzielbare Preis die Kosten. Zudem bringt der Einsatz neuer Fertigungstechnologien einen deutlich gestiegenen Anteil der Gemeinkosten an den Gesamtkosten mit sich. Dies liegt wesentlich daran, dass die Erstellung von Ausbringungsgütern (direkte Leistungen) heute eine Vielzahl von Vorleistungen (indirekte Leistungen) erforderlich macht. Diese „indirekten“ Leistungsbereiche, wie vorbereitende, planende und überwachende Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung, Logistik, Produktionsplanung und -steuerung, Qualitätssicherung, Umweltschutz etc. haben im Vergleich zur eigentlichen Produktionsaufgabe überproportional an Bedeutung gewonnen (vgl. auch Freidank, Kostenrechnung, S. 367 f.). 7 Strategische Erweiterung der Kostenrechnung938 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 938 Status: Imprimatur Dieser Strukturwandel führt zu veränderten Anforderungen des Unternehmensumfeldes, denen die traditionellen Verfahren der Kostenrechnung nicht uneingeschränkt genügen. Die zunehmende Kritik bezieht sich zum einen und insbesondere auf die vornehmlich periodenbezogene Orientierung der Kostenrechnung, die insoweit die Beantwortung strategischer Fragestellungen erschwert. Aus dieser Überbewertung der eher kurzfristigen Ergebnisgrö- ßen durch die traditionelle Kosten- und Leistungsrechnung, zieht dann auch ein Managementkonzept, wie das der Balanced Scorecard, Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zur Effizienzverbesserung gerade auch im operativen Bereich, indem eine betont strategische Orientierung der internen Geschäftsprozessperspektive gefördert wird (Kaplan/Norton, Balanced Scorecard, 1996; „The balanced scorecard is a model of business performance evaluation that balances measures of financial performance, internal operations, innovation and learning, and customer satisfaction“: Hilton, Managerial Accounting, S. 9 und S. 425–431). Zum anderen ist die detaillierte Beschäftigung mit der Planung und Kontrolle der Einzelkosten angesichts gestiegener Gemeinkosten wenig realitätsgerecht: So sind mittlerweile zur Schlüsselung der Gemeinkosten vielfach Zuschlagssätze von mehreren hundert Prozent auf die Lohneinzelkosten erforderlich, was zu unzulässigen Verzerrungen der Ergebnisse führt (Coenenberg/ Fischer/Günther, Kostenrechnung, S. 146 f.). Da zur Steuerung des Unternehmens im globalen Wettbewerb eine effiziente Kostenrechnung unerlässlich ist, bedarf es neuer Ansätze, die diese veränderten Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die generelle Zielrichtung ist dabei auf Konzepte des Kostenmanagements gerichtet. 7.2 Neuorientierung der Kostenrechnung Die Kostenrechnung als entscheidungsvorbereitendes Instrument der Unternehmensführung hat sich nicht nur den veränderten Rahmenbedingungen des Unternehmensumfeldes zu stellen. Vielmehr muss die Implementierung einer strategisch orientierten Kostenrechnung auch im Einklang mit der grundlegenden Wettbewerbsstrategie erfolgen. Häufig wird in diesem Zusammenhang zwischen zwei Grundsatzstrategien unterschieden (Porter, Wettbewerbsvorteile, S. 37 ff.): Kostenführerschaft und Differenzierung. Die Festlegung der Strategie kann dabei nicht auf der Gesamtunternehmensebene erfolgen, sondern muss für jeden Geschäftsbereich einzeln erarbeitet werden. Während die Strategie der Kostenführerschaft das Ziel verfolgt, als kostengünstigster Hersteller ein Produkt anzubieten, das sehr ähnliche Leistungsmerkmale wie die Konkurrenzprodukte aufweist, beinhaltet die Strategie der Differenzierung das Ziel, sich durch die Schaffung eines zusätzlichen Kundennutzens von den Konkurrenten abzuheben, umso einen höheren Preis beim Abnehmer durchsetzen zu können. Dabei erhöhen Leistungen wie Ersatzteilhaltung, kurze Lieferfristen etc. den Umfang des Gemeinkostenbereichs und verstärken die bereits oben angesprochene Problematik der unzureichen-

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.