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6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis (Grenzplankostenrechnung) in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 952 - 954

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_952

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis 933 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 933 Status: Imprimatur entsprechen die Fixkosten in voller Höhe den Nutzkosten. Mit abnehmender Beschäftigung fallen in Höhe der Beschäftigungsabweichung Leerkosten an, da sich die Fixkosten nicht proportional zur Bezugsgröße verändern. Die Verbrauchsabweichung ergibt sich als Differenz von Istkosten (Istmengen  · Planverrechnungspreise) und Sollkosten bei Istbeschäftigung und ist Ausdruck des mengenmäßigen Mehr- oder Minderverbrauchs an Gütern und damit ein Indikator für Kostenwirtschaftlichkeit. Die Vorteile einer flexiblen Plankostenrechnung liegen vor allem darin, dass mit ihr eine aussagefähige Abweichungsanalyse bei jedem beliebigen Beschäftigungsgrad möglich ist; es kann stets eine nach Kostenarten und Kostenstellen differenzierte Kostenkontrolle durchgeführt werden. Durch die Aufstellung der Sollkostenkurve können für alle Beschäftigungsgrade die Kostenabweichungen erfasst und in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichungen differenziert werden. Der Nachteil der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis liegt demgegenüber primär darin, dass sie relevante Informationen für Entscheidungen im dispositiven Bereich nicht zu liefern vermag, d. h. sie ist für die unternehmerische Planung nur beschränkt verwendbar. Die Ursache hierfür ist vor allem darin zu sehen, dass sie eine Vollkostenrechnung ist und daher im Prinzip sämtliche Schwächen eines Kostenrechnungssystems auf Vollkostenbasis aufweist, wobei als Hauptgrund die weitgehend willkürliche Proportionalisierung der Fixkosten hervorzuheben ist. Die flexible Plankostenrechnung berücksichtigt darüber hinaus i. d. R. in der Sollkostenkurve nur eine einzige Variable, den Beschäftigungsgrad. Werden weitere Kostenbestimmungsfaktoren, wie z. B. Einsatzabweichungen des Materials, Programmänderungen etc., als Kostenvariablen miteinbezogen, spricht man von einer teil-flexiblen bzw. voll-flexiblen Plankostenrechnung. 6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis (Grenzplankostenrechnung) Die kritischen Einwände gegen ein auf Vollkosten basierendes Rechnungssystem, insbesondere dessen geringe Eignung für dispositive Zwecke, führten zur Konzipierung einer flexiblen Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis, für die sich der Begriff Grenzplankostenrechnung durchgesetzt hat. Diese wird in einer 2009 publizierten Studie als das am weitesten verbreitete Kostenrechnungssystem bei den 243 befragten größten deutschen Unternehmen identifiziert. Als Grund dafür werden die hier in besonderem Maße als erfüllt angesehenen, wesentlichen Rechnungszwecke angegeben: Effiziente Kostenkontrolle, kurzfristige Entscheidungsunterstützung sowie erwartete Prognose- bzw. Planungsprozessgenauigkeit (Friedl/Frömberg/Hammer/Küpper/Pedell, Stand und Perspektiven, S. 112). Die Grenzplankostenrechnung entspricht weitgehend der Deckungsbeitragsrechnung mit Planwerten (s. Teil B, Kap. 4, S. 891 ff.); sie lässt sich jedoch nicht nur für die Kostenträgerrechnung, sondern für beliebige Entscheidungssituationen 6 Plankostenrechnung934 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 934 Status: Imprimatur (z. B. make-or-buy-Entscheidungen) verwenden. Ebenso wie in der Deckungsbeitragsrechnung auf der Grundlage von Istkosten wird bei der Grenzplankostenrechnung durch die strikte Trennung in fixe und variable Kostenbestandteile eine Verteilung der fixen Kosten auf die einzelnen Kostenstellen nicht mehr erforderlich, insbesondere unterbleibt die Weiterverrechnung auf die einzelnen Kostenträger. Die Verbuchung der Fixkosten einer Abrechnungsperiode erfolgt direkt auf das Betriebsergebniskonto, womit auf eine Proportionalisierung und Verrechnung verzichtet werden kann. Dem Fixkostenblock sind daher alle beschäftigungsunabhängigen Kosten zuzuordnen, wohingegen alle von Beschäftigungsschwankungen abhängige Kosten als variable Kostenbestandteile anzusehen sind. Werden sämtliche beschäftigungsabhängige Kosten korrekt erfasst, so entspricht der Kostenzuwachs aus der Produktion einer zusätzlichen Einheit eines Erzeugnisses den Grenzkosten dieses Produktes, für die aus Praktikabilitätsgründen regelmäßig die Annahme der Linearität geltend gemacht wird. Entstehen bei Anwendung der Grenzplankostenrechnung Kostenabweichungen, können diese nicht aus unterschiedlichen Beschäftigungsgraden resultieren, da die fixen Kosten en bloc periodenweise verrechnet werden und nur für die variablen Kosten Planwerte angesetzt sind. Damit stimmen die verrechneten Plankosten und die Sollkosten der Istbeschäftigung jeweils überein, lediglich Abweichungen zwischen Istkosten und Sollkosten bei Istbeschäftigung können auftreten. Beispiel: Auf Grundlage der Zahlen der vorangegangenen Beispiele sind die Sollkosten zu berechnen. Die Sollkostenkurve ist graphisch darzustellen. Lösung: Sollkosten = proportionale Plankosten · Istbeschäftigung Planbeschäftigung = 6.720 € · 300 Std.400 Std. = 5.040 € oder Sollkosten = variabler Plankostensatz · Istbeschäftigung = 16,80 €/Std. · 300 Std. = 5.040 € Der Fixkostenblock von 2.880 € wird nicht verrechnet. 6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis 935 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 935 Status: Imprimatur Graphische Lösung: Übungsbeispiel: Ein Unternehmen hatte für die vergangene Abrechnungsperiode eine Beschäftigung von 1.200 Stunden, Kosten von 15,12 € pro Fertigungsstunde und Fixkosten in Höhe von 3.456 € geplant. Am Ende der Periode wird festgestellt, dass 1.000 Fertigungsstunden angefallen sind und die Istkosten 20.000 € betragen. a) Ermitteln Sie den Plankostensatz, die verrechneten Plankosten und die Kostenabweichung für den Fall einer starren Plankostenrechnung. b) Führen Sie eine Abweichungsanalyse mittels einer flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis durch. Bestimmen Sie Nutz- und Leerkosten. c) Wie verändert sich die Abweichungsanalyse im Vergleich zu b), wenn eine Grenzplankostenrechnung durchgeführt wird? Lösung: a) Plankosten: 3.456 € + (15,12 €/Std. × 1.200 Std.) = 21.600 € Plankostensatz: 21.600 €/1.200 Std. = 18 €/Std. Verrechnete Plankosten: 18 €/Std. × 1.000 Std. = 18.000 € Kostenabweichung: 20.000 € – 18.000 € = 2.000 € b) Sollkosten: 3.456 € + (15,12 €/Std. × 1.000 Std.) = 18.576 € Beschäftigungsabweichung: 18.576 € – 18.000 € = 576 € Verbrauchsabweichung: 20.000 € – l8.576 € = 1.424 € Nutzkosten: 3.456 €/1.200 Std. × 1.000 Std. = 2.880 € Leerkosten: 3.456 € – 2.880 € = 576 € c) Im Rahmen der Grenzplankostenrechnung werden nur die variablen Plankosten berücksichtigt; Soll- und verrechnete Plankosten fallen zusammen. Die Abweichung zwischen Ist- und Sollkosten basiert damit ausschließlich auf der Verbrauchsabweichung (siehe Aufgabenteil b).

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.