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6.2 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 950 - 952

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_950

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
6.2 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis 931 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 931 Status: Imprimatur Da der zukünftige Beschäftigungsgrad weitgehend unsicher ist, beziehen sich Ist- und Plankosten in aller Regel auf verschiedene Bezugsgrößen (BI = 300; Bp = 400). Ferner verhalten sich die geplanten Vollkosten zu der Bezugsgröße (Fertigungsstunden) nicht proportional, da die fixen Kostenbestandteile sich nicht proportional zur Beschäftigung verändern. Somit ist weder eine exakte Kontrolle der Kostenwirtschaftlichkeit noch eine genaue Analyse der Abweichungsursachen möglich. Nur in dem unwahrscheinlichen Fall, dass sich eine Istbeschäftigung in der geplanten Höhe ergibt, sind Ist- und Plankosten vergleichbar. 6.2 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis Die in der starren Plankostenrechnung ermittelte Kostenabweichung KI – Kp ist für Kontrollzwecke wenig informativ, da nicht differenziert werden kann, in welchem Umfang Beschäftigungsschwankungen (Beschäftigungsabweichungen) und/oder Abweichungen von der optimalen Faktorkombination (Verbrauchsabweichungen) dafür ursächlich sind. Voraussetzung für derartige Kontrollmaßnahmen ist eine Kostenplanung, die nach fixen und proportionalen (variablen) Bestandteilen der Plankosten trennt (flexible Plankostenrechnung). Die proportionalen Plankosten müssen dazu für jede Abrechnungsperiode an die jeweilige Istbeschäftigung angepasst, d. h. nicht nur für einen, sondern für verschiedene Beschäftigungsgrade vorgegeben werden. Damit erhält man die sog. Sollkosten bei Istbeschäftigung, die man auch als die von der Planbeschäftigung auf die Istbeschäftigung umgerechneten Plankosten bezeichnen kann. Die Sollkosten werden folgendermaßen ermittelt: Sollkosten = fixe Plankosten + proportionale Plankosten · Istbeschäftigung Planbeschäftigung oder Sollkosten = fixe Plankosten + variabler Plankostensatz · Istbeschäftigung Die Ermittlung der Sollkosten kann auch mit Hilfe der Variatorenrechnung erfolgen: Durch einen Variator wird die prozentuale Veränderung der Sollkosten angegeben, wenn die Beschäftigung um 10 % variiert. Ein Variator von 5 besagt also, dass bei einer zehnprozentigen Beschäftigungsänderung die Sollkosten um 5 % fallen bzw. steigen. Damit ergibt sich die Sollkostenkurve in der graphischen Darstellung als eine Gerade, die die Ordinate auf der Höhe der Fixkosten schneidet und in Höhe der proportionalen Kosten je Leistungseinheit ansteigt. Die Sollkostenkurve gibt an, wie hoch für unterschiedliche Beschäftigungsgrade die Plankosten bei wirtschaftlichem Kostengütereinsatz sein sollen. Beispiel: Auf Grundlage der Zahlen des voranstehenden Beispiels sind die Sollkosten Ks für eine Istbeschäftigung von 300 Std./Abrechnungszeitraum zu berechnen. Die fixen Kosten betragen 2.880 €, während beschäftigungsabhängige Kosten in Höhe von 16,80 €/Std. geplant sind. Die Sollkostenkurve ist graphisch darzustellen. verr 6 Plankostenrechnung932 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 932 Status: Imprimatur Lösung: Sollkosten = 2.880 € + 6.720 € · 300 Std.400 Std. = 2.880 € + 16,80 €/Std. · = 7.920 € 300 Std. Graphische Lösung: Die Abweichungsanalyse bei flexibler Plankostenrechnung zeigt, inwieweit die Mengenabweichung zum einen auf die Änderung der Beschäftigung (Beschäftigungsabweichung) und zum anderen auf Unwirtschaftlichkeiten beim Faktoreinsatz (Verbrauchsabweichung) zurückzuführen ist. Die Beschäftigungsabweichung ergibt sich als Differenz aus Sollkosten (Ks = 7.920) und verrechneten Plankosten der Istbeschäftigung (Kp  = 7.200) und zeigt, inwieweit ein nicht geplanter Beschäftigungsgrad eine andere Verrechnung der Fixkosten erforderlich macht. Nur bei Übereinstimmung von Plan- und Istbeschäftigung ist die durch die verrechneten Plankosten ursprünglich vorgenommene Verteilung der Fixkosten auf die Leistungseinheiten zutreffend; bei abnehmender Beschäftigung bleiben die verrechneten Fixkosten je Leistungseinheit hinter den tatsächlich von einer Leistungseinheit zu tragenden Fixkosten zurück: Es ergibt sich eine Kostenunterdeckung. Bei einer die Planbeschäftigung übersteigenden Istbeschäftigung ergibt sich entsprechend eine Kostenüberdeckung. Die Fixkosten lassen sich je nach Beschäftigungsgrad in Nutzkosten und Leerkosten untergliedern. Sofern Ist- und Planbeschäftigung übereinstimmen, verr 6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis 933 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 933 Status: Imprimatur entsprechen die Fixkosten in voller Höhe den Nutzkosten. Mit abnehmender Beschäftigung fallen in Höhe der Beschäftigungsabweichung Leerkosten an, da sich die Fixkosten nicht proportional zur Bezugsgröße verändern. Die Verbrauchsabweichung ergibt sich als Differenz von Istkosten (Istmengen  · Planverrechnungspreise) und Sollkosten bei Istbeschäftigung und ist Ausdruck des mengenmäßigen Mehr- oder Minderverbrauchs an Gütern und damit ein Indikator für Kostenwirtschaftlichkeit. Die Vorteile einer flexiblen Plankostenrechnung liegen vor allem darin, dass mit ihr eine aussagefähige Abweichungsanalyse bei jedem beliebigen Beschäftigungsgrad möglich ist; es kann stets eine nach Kostenarten und Kostenstellen differenzierte Kostenkontrolle durchgeführt werden. Durch die Aufstellung der Sollkostenkurve können für alle Beschäftigungsgrade die Kostenabweichungen erfasst und in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichungen differenziert werden. Der Nachteil der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis liegt demgegenüber primär darin, dass sie relevante Informationen für Entscheidungen im dispositiven Bereich nicht zu liefern vermag, d. h. sie ist für die unternehmerische Planung nur beschränkt verwendbar. Die Ursache hierfür ist vor allem darin zu sehen, dass sie eine Vollkostenrechnung ist und daher im Prinzip sämtliche Schwächen eines Kostenrechnungssystems auf Vollkostenbasis aufweist, wobei als Hauptgrund die weitgehend willkürliche Proportionalisierung der Fixkosten hervorzuheben ist. Die flexible Plankostenrechnung berücksichtigt darüber hinaus i. d. R. in der Sollkostenkurve nur eine einzige Variable, den Beschäftigungsgrad. Werden weitere Kostenbestimmungsfaktoren, wie z. B. Einsatzabweichungen des Materials, Programmänderungen etc., als Kostenvariablen miteinbezogen, spricht man von einer teil-flexiblen bzw. voll-flexiblen Plankostenrechnung. 6.3 Flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis (Grenzplankostenrechnung) Die kritischen Einwände gegen ein auf Vollkosten basierendes Rechnungssystem, insbesondere dessen geringe Eignung für dispositive Zwecke, führten zur Konzipierung einer flexiblen Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis, für die sich der Begriff Grenzplankostenrechnung durchgesetzt hat. Diese wird in einer 2009 publizierten Studie als das am weitesten verbreitete Kostenrechnungssystem bei den 243 befragten größten deutschen Unternehmen identifiziert. Als Grund dafür werden die hier in besonderem Maße als erfüllt angesehenen, wesentlichen Rechnungszwecke angegeben: Effiziente Kostenkontrolle, kurzfristige Entscheidungsunterstützung sowie erwartete Prognose- bzw. Planungsprozessgenauigkeit (Friedl/Frömberg/Hammer/Küpper/Pedell, Stand und Perspektiven, S. 112). Die Grenzplankostenrechnung entspricht weitgehend der Deckungsbeitragsrechnung mit Planwerten (s. Teil B, Kap. 4, S. 891 ff.); sie lässt sich jedoch nicht nur für die Kostenträgerrechnung, sondern für beliebige Entscheidungssituationen

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.