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Übungsbeispiel in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 944 - 946

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_944

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
5.2 Starre und flexible Normalkostenrechnung 925 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 925 Status: Imprimatur Übungsbeispiel: Der Betrieb des oben genannten Beispiels erwartet, dass sich die Monatsproduktion um 30 % gegenüber der Normalproduktion von 10.000 Stück erhöht. Die realisierte Istproduktion beläuft sich im Abrechnungszeitraum jedoch tatsächlich auf 12.800 Plastikeimer. Die fixen Fertigungsgemeinkosten betragen € 2.000. Die variablen Normalwerte aus dem vorangegangenen Beispiel werden auf Grund der erwarteten Auslastung aktualisiert und mit dem Faktor 1,3 und die variablen Istwerte mit dem Faktor 1,28 erweitert. Die Normalkostensätze sind mit der a) starren Normalkostenrechnung und b) flexiblen Normalkostenrechnung zu kalkulieren. c) Die Beschäftigungs-, Mengen- und Preisabweichungen sind zu ermitteln und graphisch darzustellen. Lösung: Normalkosten (bei einer Ausbringung von 13.000 Plastikeimern): Fertigungsmaterial 800 kg · 5 €/kg · 1,3 5.200 + Fertigungslöhne 500 Std. · 18 €/Std. · 1,3 11.700 + variable Fertigungsgemeinkosten 500 Std. · 2 €/Std. · 1,3 1.300 + fixe Fertigungsgemeinkosten 2.000 = gesamte Normalkosten 20.200 Istkosten (bei einer Ausbringung von 12.800 Plastikeimern): Fertigungsmaterial 820 kg · 5,20 €/kg · 1,28 5.457,92 + Fertigungslöhne 490 Std. · 18,50 €/Std. · 1,28 11.603,20 + variable Fertigungsgemeinkosten 490 Std. · 1,90 €/Std. · 1,28 1.191,68 + fixe Fertigungsgemeinkosten 2.000,–– = gesamte Istkosten 20.252,80 a) starre Normalkostenrechnung Normalkostensatz: 20.20013.000 = 1,55385 €/Plastikeimer Normalkostenfunktion: Kst = 1,55385 x gesamte verrechnete Normalkosten bei einer Produktion von 12.800: Kst = 1,55385 · 12.800 = 19.889,28 b) flexible Normalkostenrechnung variabler Normalkostensatz: 18.20013.000 = 1,4 €/Plastikeimer Normalkostenfunktion: Kfl = 2.000 + 1,4 x gesamte flexible Normalkosten bei einer Produktion von 12.800: Kfl = 2.000 + 1,4 · 12.800 = 19.920 c) Die Abweichungen ergeben sich wie folgt: – gesamte Abweichung: gesamte verrechnete Normalkosten (Kst) ./. gesamte Istkosten = gesamte Über-/Unterdeckung 19.889,28 ./. 20.252,80 = – 363,52 (Unterdeckung) 5 Normalkostenrechnung926 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 926 Status: Imprimatur – Beschäftigungsabweichung: Kst ./. Kfl = Beschäftigungsabweichung 19.889,28 ./. 19.920 = – 30,72 (Unterdeckung) – Verbrauchsabweichung: gesamte flexible Normalkosten (Kfl) ./. gesamte Istkosten = sonstige Über-/Unterdeckung 19.920 ./. 20.252,80 = – 332,80 (Unterdeckung) – Abweichung differenziert nach Menge und Preis: • Preisabweichung: Fertigungsmaterial 820 kg · 1,28 · (5 €/kg ./. 5,20 €/kg) = – 209,92 + Fertigungslöhne 490 Std. · 1,28 · (18 €/Std. ./. 18,50 €/Std.) = – 313,60 + variable Gemeinkosten 490 Std. · 1,28 · (2 €/Std. ./. 1,90 €/Std.) = 62,72 • Mengenabweichung: Fertigungsmaterial 5 €/kg · 1,28 · (800 kg ./. 820 kg) = – 128,–– + Fertigungslöhne 18 €/Std. · 1,28 · (500 Std. ./. 490 Std.) = 230,40 + variable Gemeinkosten 2 €/Std. · 1,28 · (500 Std. ./. 490 Std.) = 25,60 Verbrauchsabweichung = – 332,80 Da nur variable Größen in die Rechnung Eingang finden, entspricht die Summe aus Preis- und Mengenabweichung dem Betrag der Verbrauchsabweichung (332,80). Graphische Lösung: Eine Beurteilung der Zweckmäßigkeit der Normalkostenrechnung muss sich an den der Kosten- und Leistungsrechnung zugewiesenen Aufgaben (Planung, Kontrolle und Hilfsfunktion bei externer Rechnungslegung, s. Teil B, Kap. 1, S. 783 f.) orientieren: 5.2 Starre und flexible Normalkostenrechnung 927 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 927 Status: Imprimatur Die Normalkostenrechnung vermag den Abrechnungsprozess, insbesondere die innerbetriebliche Leistungsverrechnung sowie die Kostenträgerstückrechnung erheblich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Da die Wertansätze (Normalkosten) aber lediglich aus der Vergangenheit fortgeschrieben werden, besteht insbesondere bei der Kostenkontrolle die Gefahr, dass sich hinter den aus Vergangenheitswerten ermittelten Normalkosten Unwirtschaftlichkeiten verbergen und diese damit keinen geeigneten Maßstab zur Beurteilung der Kostenwirtschaftlichkeit abgeben. Bei Kenntnis von Beschäftigungsänderungen und deren Auswirkungen auf die Kostenentwicklung lässt die flexible Normalkostenrechnung allerdings einige, wenn auch vage, Rückschlüsse auf Ursachen von Unwirtschaftlichkeiten zu. Im Hinblick auf die Erfüllung unternehmerischer Planungsaufgaben führt die Normalkostenrechnung zu keiner Verbesserung gegenüber der Istkostenrechnung, da sie die betrieblichen Gegebenheiten der Vergangenheit lediglich fortschreibt und daher keine in der Zukunft liegenden Informationen über Kosten und Leistungen zur Verfügung stellen kann. Auf Grund der Notwendigkeit, im globalen Wettbewerb durch zukunftsorientierte, vorausschauende Planung zu bestehen (vgl. Teil B, Kap. 7, S. 937 ff.), ist die Weiterentwicklung der Normalkostenrechnung zur Plan- oder Zielkostenrechnung zwingend zu empfehlen. Die Herstellkosten auf Basis von Normalkosten können zur Bewertung des Vorratsvermögens in der Handelsbilanz nur dann herangezogen werden (Hilfsfunktion der Kostenrechnung), wenn zunächst – wie in der Istkostenrechnung – Korrekturen (Zusatzkosten, angemessene Teile der Verwaltungsgemeinkosten) vorgenommen werden und wenn folgende Bedingungen zutreffen (Adler/ Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, Anm. 226 zu § 255 HGB): – Der als Normalbeschäftigung festgelegte Beschäftigungsgrad entspricht vernünftigen kaufmännischen Überlegungen. – Die Normalkosten entsprechen mindestens den tatsächlichen Kosten. Ergänzende Literatur zu: 5 Normalkostenrechnung Freidank, Kostenrechnung, S. 198–203 Kilger/Pampel/Vikas, Flexible Plankostenrechnung, S. 47–50 Olfert, Kostenrechnung, S. 215–226 Rasche, Kostenrechnung, S. 44–47 Schildbach/Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 197–208 Wilkens, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 191–197; 252–256

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.