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5.1 Normalisierte Verrechnungssätze in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 939 - 941

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_939

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 920 Status: Imprimatur 5 Normalkostenrechnung Charakteristisch für die bisher beschriebenen Kostenrechnungssysteme ist, dass sie die tatsächlich in einer vergangenen Rechnungsperiode angefallenen Kosten der Abrechnung zu Grunde legen. Diese Kostenrechnungssysteme werden deshalb unter dem Begriff Istkostenrechnung zusammengefasst (vgl. Teil B, Abschn. 2.3.1, S. 795 f.). Der Nachteil dieser Istkostenrechnungssysteme ist darin zu sehen, dass jede zufällige Änderung der Kosteneinflussfaktoren (Faktorpreise, Verbrauchsmengen, Beschäftigung) voll auf die Kostenhöhe durchschlägt und dadurch den Aussagewert der Abrechnung für spezifische Zwecke in Frage stellt: Die Schwankungen der Kosteneinflussfaktoren führen dazu, dass sich für das gleiche Produkt in verschiedenen Perioden unterschiedliche Herstell- oder Selbstkosten ergeben können und die Kalkulation jeweils umgestellt werden muss. Weiterhin ist eine vergleichende Auswertung des Zahlenmaterials und somit eine wirksame Kostenkontrolle erschwert. Dispositive Entscheidungen auf der Grundlage sich ständig ändernder Istkosten werfen zudem weitere Probleme auf. Die Istkostenrechnung ist ein recht aufwendiges und zeitintensives Abrechnungssystem. Die Normalkostenrechnung dient als Ergänzung der Istkostenrechnung der Vereinfachung des Abrechnungsprozesses, um damit bereits während der laufenden Abrechnungsperiode jederzeit Informationen als Grundlage für Planungs- und Kontrollaufgaben liefern zu können. Das Ziel, die aufwendige Istkostenrechnung zu vereinfachen, wird erreicht, indem in der Normalkostenrechnung statt effektiver Istkostenwerte feste, normalisierte Verrechnungssätze (Normalkosten) eingeführt werden. Dadurch werden die vielfältigen Beschäftigungs- und Preisschwankungen, die jeweils Einfluss auf die Kostenhöhe haben, eliminiert und die Abrechnung somit verstetigt. Da Normalkosten bereits zu Beginn der jeweils laufenden Abrechnungsperiode ermittelt und für den gesamten Zeitraum konstant gehalten werden, erlauben sie die jederzeitige Durchführung innerbetrieblicher Leistungsverrechnung und Kalkulation. 5.1 Normalisierte Verrechnungssätze Als Normalkosten werden standardisierte (genormte) Kosten bezeichnet, die als Durchschnittswerte aus einer größeren Zahl von Istkostenwerten vergangener Abrechnungszeiträume ermittelt werden. Häufig werden bei der Durchschnittsbildung außergewöhnliche Kostensprünge (Ausreißer) eliminiert, um die (Normal-)Kosten zu ermitteln, die durch einen „normalen“, d. h. durchschnittlichen Produktionsablauf verursacht werden. Sofern im Wege der Normalkostener- 5.1 Normalisierte Verrechnungssätze 921 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 921 Status: Imprimatur mittlung (Durchschnittsbildung) künftig erwartete Änderungen der Kosteneinflussgrößen nicht berücksichtigt werden, spricht man von statischen Mittelwerten. Teilweise werden die Normalkosten dahingehend korrigiert, dass kurzfristig eingetretene oder sich auf Dauer abzeichnende Veränderungen der Kosteneinflussfaktoren (z. B. Tariflohnerhöhungen) in die Berechnung miteinbezogen werden (aktualisierte Mittelwerte). In der Regel werden diese Korrekturen nicht im Wege der prospektiven Berechnung ermittelt, sondern es sind vielmehr aus der Vergangenheit gezielt solche Abrechnungszeiträume auszuwählen, die für die Ermittlung aktualisierter Mittelwerte als weitgehend repräsentativ gelten (z. B. Unter- oder Überbeschäftigungsperioden). Werden dagegen Planelemente, d. h. zukünftig erwartete Kosteneinflüsse bewusst in die Korrektur der Mittelwerte miteinbezogen, erfolgt eine Annäherung der Normalkostenrechnung an die Plankostenrechnung (s. Teil B, Kap. 6, S. 928 ff.). Die Ermittlung der Normalkosten für die Zwecke innerbetrieblicher Leistungsverrechnung (Sekundärkostenrechnung, s. Teil B, Abschn. 3.2.4, S. 836 ff.) richtet sich an spezifischen Schlüsselgrößen (Bezugsgrundlagen der Kostenverteilung) aus. Dazu wird aus den in einem bestimmten Abrechnungszeitraum t verbrauchten Leistungseinheiten LE (z. B. Kilowattstunden, Arbeitsstunden) für jede Kostenstelle ein statistischer Mittelwert Ø LE gebildet: Ø LEj = ∑ LEtj n t = 1 mit j = 1, …, mn LE = Leistungseinheiten (z. B. Arbeitsstunden) n = Anzahl der Abrechnungsperioden (z. B. Monat) m = Anzahl der Kostenstellen Analog werden Durchschnittswerte der gesamten Istkosten ∅ K (Einzel- und Gemeinkosten) des entsprechenden vergangenen Abrechnungszeitraumes t je Kostenstelle j berechnet: Ø Kj = ∑ Ktj n t = 1 mit j = 1, …, mn K = Gesamtkosten Den gesuchten festen Verrechnungssatz erhält man dann durch Division der beiden durchschnittlichen Größen ∅ K und ∅ LE entsprechend dem folgenden Quotienten: fester Verrechnungssatz = Ø Kj Ø LEj mit j = 1, …, m Dieser feste Verrechnungssatz entspricht den Normalkosten pro Leistungseinheit einer Kostenstelle, mit dem die erbrachten innerbetrieblichen Leistungen bewertet werden können. Müssen in der Istkostenrechnung am Ende der Abrechnungsperiode aufwendige Gleichungssysteme zur Ermittlung der Verrechnungssätze herangezogen werden (s. Teil B, Abschn. 3.2.4.1, S. 839 ff.), so sind in der Normalkostenrechnung sukzessiv sofort bei jeder innerbetrieblichen Lieferung oder Leistung die angefallenen Kosten mit Hilfe obiger Verrech- 5 Normalkostenrechnung922 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 922 Status: Imprimatur nungssätze festzustellen. Verbraucht eine Kostenstelle z. B. 10.000 kWh Strom, so kann diese Leistung der Hilfskostenstelle Stromerzeugung sofort mit Hilfe des festen Normalkostensatzes bewertet und abgerechnet werden (vgl. Teil B, Abschn. 3.2.4.4, S. 859 f.). Auch in der Kostenträgerstückrechnung (s. Teil B, Abschn. 3.3.1, S. 870 ff.) können feste Verrechnungssätze nach obigem Schema ermittelt und zur Vereinfachung des Abrechnungsprozesses eingesetzt werden. Da erst nach Abschluss einer Rechnungsperiode die insgesamt angefallenen Istkosten sowie die hergestellten Gütermengen bekannt sind, ist eine Durchführung der Kalkulation im System der Istkostenrechnung erst am jeweiligen Periodenende möglich. Die Einführung normalisierter Verrechnungssätze erlaubt dagegen schon während des Abrechnungszeitraumes eine Kostenträgerstückrechnung. Dazu werden normalisierte Zuschlagssätze aus den in der Vergangenheit durchschnittlich realisierten Gemein- und Einzelkosten der Hauptkostenstellen abgeleitet und unter Verwendung der Zuschlagskalkulation (s. Teil B, Abschn. 3.3.1.2, S. 877 ff.) zur Ermittlung der Selbstkosten verschiedener Kostenträger herangezogen. 5.2 Starre und flexible Normalkostenrechnung Die Normalkostenrechnung wird, wie oben gezeigt, dadurch vollzogen, dass im Mengengerüst mit Normalmengen, im Preisgerüst mit festen Verrechnungspreisen bei den Einzelkosten und mit Normalkostenzuschlägen für die Gemeinkosten gearbeitet wird. Im Regelfall werden zwischen den verrechneten Normalkosten und den dann in der betreffenden Periode tatsächlich entstandenen Istkosten Abweichungen auftreten. Sind die Istkosten höher als die verrechneten Normalkosten, so tritt eine Kostenunterdeckung auf; umgekehrt liegt eine Kostenüberdeckung vor, wenn die Normalkosten die effektiv entstandenen (Ist-)Kosten übersteigen. Eine Übereinstimmung der Beträge der Normalkostenrechnung mit denen der Istkostenrechnung kommt nur dann zustande, wenn die normalisierten Werte den Istgrößen entsprechen bzw. wenn Über- und Unterdeckungen sich gerade ausgleichen. Kostenunter- und -überdeckungen werden rechentechnisch direkt auf das Betriebsergebniskonto übernommen, bedürfen aber einer besonderen Ursachenanalyse. Diese kann sich grundsätzlich auf zwei Bereiche erstrecken: • auf die Preisabweichung als Differenz zwischen den verrechneten Preisen (Normalpreisen) und den Istpreisen der Kostengüter: Preisabweichung: (Istmenge × Verrechnungspreis) ./. (Istmenge × Istpreis) = Istmenge × (Verrechnungspreis ./. Istpreis) • auf die Mengenabweichung als Unterschied zwischen den durchschnittlichen Mengen der abgelaufenen Perioden (Normalmengen) und den tatsächlich verbrauchten Mengen. Wertmäßig ausgedrückt:

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.