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2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 814 - 817

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_814

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung 795 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 795 Status: Imprimatur Gesamter Ertrag Zweckertrag Neutraler Ertrag Als Betriebsertrag verrechneter Zweck ertrag Nicht als Be triebs ertrag ver rechneter Zweckertrag Grundbetriebsertrag Andersbetriebs ertrag* Zusatzbe triebsertrag Kalkulatorischer Betriebsertrag Gesamtbetriebsertrag ( leistung) * Der Andersbetriebsertrag kann größer oder kleiner als der nicht als Betriebsertrag verrech nete Zweckertrag sein. Abgrenzung von Ertrag und Betriebsertrag 2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung 2.3.1 Kostenrechnungssysteme Zur Erfüllung der vielfältigen Aufgaben der Kostenrechnung als innerbetriebliches Kontroll- und Lenkungsinstrument (s. Teil B, Kap. 1, S. 787 f.) sind eine Reihe spezifischer Abrechnungsverfahren mit jeweils sich unterscheidender inhaltlicher Ausgestaltung der Grundelemente (Kostenarten-, Kostenstellen-, Kostenträgerrechnung) jeder Kostenrechnung entwickelt worden. Kostenrech nungssysteme bestimmen folglich den jeweiligen Abrechnungsgang programmatisch mit entsprechender Konsequenz bezüglich Eignung und Qualität der damit erzielten Kontroll- und Vorgabeinformationen. Kostenrechnungssysteme lassen sich grundsätzlich nach den beiden Merkmalen: Charakter oder auch Zeitbezug der Kosten sowie Verrechnungs- bzw. Sachumfang der Kosten differenzieren (vgl. Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, S. 61). 1) Nach dem Zeitbezug kann unterschieden werden, ob tatsächlich angefallene Kosten, durchschnittliche Kosten vergangener Perioden oder prognostizierte Kosten künftiger Perioden verrechnet werden. Entsprechend diesem unterschiedlichen Kostenansatz sind – Istkostenrechnungssysteme – Normalkostenrechnungssysteme und – Plankostenrechnungssysteme zu unterscheiden. 2) Nach dem Sachumfang ist zu differenzieren, ob sämtliche oder nur ein Teil der Kosten verrechnet werden. Danach lassen sich – Vollkostenrechnungen und – Teilkostenrechnungen unterscheiden. 2 Definitorische Grundlagen796 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 796 Status: Imprimatur Aus der Kombination der beiden Kriterien „Zeitbezug“ und „Sachumfang“ können daher grundsätzlich sechs verschiedene Kostenrechnungssysteme abgeleitet werden, wobei das primär systembildende Element im Merkmal des Kostenverrechnungsumfangs zu erkennen ist (Ebert, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 131): Zeitbezug Sach umfang vergangenheits orientiert durchschnitts orientiert zukunfts orientiert Vollkosten Ist Vollkosten rechnung Normal Vollkosten rechnung Plan Vollkosten rechnung Teilkosten Ist Teilkosten rechnung Normal Teilkosten rechnung Plan Teilkosten rechnung Kostenrechnungssysteme Über die oben genannte grundlegende Systematik hinaus sind noch weitere Mischformen denkbar. So können z. B. Einzelkosten als Istkosten bzw. Plankosten und Gemeinkosten als Normalkosten verrechnet werden. Um jedoch die folgende Darstellung der kombinativ möglichen Kostenrechnungssysteme in überschaubaren Grenzen zu halten und um Wiederholungen zu vermeiden, wird zunächst die Form der Istkostenrechnung ausführlich als Vollkostenrechnung (Teil B, Kap. 3, S. 799 ff.) und dann als Teilkostenrechnung (Teil B, Kap. 4, S. 891 ff.) behandelt. Normalkostenrechnung (Teil B, Kap. 5, S. 920 ff.) und Plankostenrechnung (Teil B, Kap. 6, S.928 ff.) erlauben dann die Konzentration ausschließlich auf die über das Problem des Verrechnungsumfanges hinausgehenden Fragestellungen. 2.3.2 Abrechnungsweg der Kosten Unabhängig von der Art des Kostenrechnungssystems kann hinsichtlich des prozessualen Abrechnungsweges der Kosten eine Gliederung der Kostenrechnung in folgende drei Teilbereiche vorgenommen werden (in der Stufenfolge davon abweichend: Friedl/Hofmann/Pedell, Kostenrechnung, S. 71, 115, 159): (1) In der Kostenartenrechnung werden alle während der Abrechnungsperiode im Betrieb anfallenden Kosten erfasst und gegliedert. Es erfolgt eine Aufsplitterung der Kosten in solche, die der betrieblichen Endleistung direkt zurechenbar sind (Einzelkosten) und in die nicht direkt zurechenbaren Kosten (Gemeinkos ten). (2) Darauf aufbauend werden in der Kostenstellenrechnung die Gemeinkosten auf die Orte ihres Entstehens (Kostenstellen) verteilt. Die Kostenstellenrechnung verfolgt dabei einen doppelten Zweck: Einmal dient sie der Überwachung der Kostenstellen, andererseits ermöglicht sie eine indirekte Verrechnung der Gemeinkosten auf die betrieblichen Leistungen. (3) Die Kostenträgerrechnung gliedert sich in zwei Teilbereiche: In der Kos tenträgerstückrechnung (Kalkulation) werden die Gesamtkosten der betrieblichen Leistung ermittelt. Die Einzelkosten werden aus der Kostenartenrechnung 2.3 Formale Struktur der Kostenrechnung 797 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 797 Status: Imprimatur übernommen, die Gemeinkosten über die Kostenstellenrechnung den einzelnen Produkten zugerechnet. Die Kostenträgerzeitrechnung (Betriebsergebnisrechnung) ermittelt den betrieblichen Periodenerfolg. Die Perioden, in denen Kostenträgerzeitrechnungen durchgeführt werden, sind regelmäßig kürzer als die Abschlussintervalle im externen Rechnungswesen. Man bezeichnet die Kostenträgerzeitrechnung deshalb auch als kurzfristige Erfolgsrechnung. Im Ablaufdiagramm lassen sich die Teilgebiete (Sektoren) der Kosten- und Leistungsrechnung wie folgt anordnen: Die ausführliche Darstellung der einzelnen Teilbereiche der Kostenrechnung erfolgt zweckmäßigerweise im Weiteren primär im System der Vollkostenrechnung (Teil B, Kap. 3 S. 799 ff.). Eine effizient strukturierte Kostenrechnung muss zur Erfüllung der von ihr erwarteten Planungs- und Kontrollaufgaben zugleich mehrere Eigenschaften aufweisen, die situationsbedingt nicht zwingend kompatibel sind: Sie hat Informationen zu liefern, die sowohl aktuell und umfassend als auch richtig und flexibel sind. Diese Eigenschaften lassen sich angesichts der Vielzahl der zu erfassenden und zu verrechnenden Daten gewöhnlich nur dann realistisch umsetzen, wenn die Kosten- und Leistungsrechnung EDV-gestützt durchgeführt wird. Selbst mittlere und kleine Betriebe sind infolge der Komplexität der diesbezüglichen Anforderungen i. d. R. gezwungen, dafür Methoden und Instrumente der EDV einzusetzen. Organisatorisch lässt sich die Kosten und Leistungsrechnung mit EDV ebenso wie die Finanzbuchführung ausgestalten (s. Teil A, Abschn. 15.5.5, S. 669 ff.). Besonderheiten treten nur dahingehend auf, dass die Kosten- und Leistungsrechnung im Gegensatz zur Finanzbuchführung nicht extern orientiert und daher nicht durch gesetzliche Buchführungsnormen kodifiziert und weitgehend standardisiert ist. Infolgedessen erfordert der Einsatz der EDV in der Kosten- und Leistungsrechnung eine ungleich höhere Flexibilität der eingesetzten Software als in der Finanzbuchführung. Denn nur durch benutzerspezifische Modifika- Input Grundkosten (aus der Gesch.buchführg.) Kostenträgerstückrechng. (Kalkulation) Kostenträgerzeitrechng. Stückkosten der erzeugten Güter Erfolg der Periode Kostenartenrechng. (Erfassung d. Kosten) Kostenstellenrechng. (Verteilung der Kosten Kostenträgerrechng. Kalk. Kosten OutputKosten- und Leistungsrechnung Sektoren der Kosten- und Leistungsrechnung 2 Definitorische Grundlagen798 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 798 Status: Imprimatur tionsmöglichkeiten kann der Notwendigkeit betriebsindividueller Ausgestaltungen entsprochen werden. Mit Hilfe von Datenbanksystemen besteht zudem die Möglichkeit, die Kosten- und Leistungsrechnung mit der Finanzbuchführung in ein einheitliches System (Einkreissystem, s. Teil A, Abschn. 16.1, S. 734 f.) zu integrieren. Ergänzende Literatur zu: 2 Definitorische Grundlagen Adam, Kostenbewertung, S. 13–53 Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, S. 8–27; S. 60–62 Ebert, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 125–131 Friedl, Kostenrechnung, S. 23–42 Friedl/Hofmann/Pedell, Kostenrechnung, S. 36–62 Haberstock/Breithecker, Kostenrechnung I, S. 15–29 Huch, Kostenrechnung, S. 21–30 Kilger, Kostenrechnung, S. 19–34 Mellerowicz, Kostenrechnung II, 1, S. 43–53 Menrad, Kosten und Leistung, Sp. 2280–2290 Menrad, Rechnungswesen, S. 48–53 Nowak, Kostenrechnungssysteme, S. 15–30 Rehkugler, Kostenbegriffe, Sp. 2320–2329 Schirmmeister, Betriebsbuchhaltung, Sp. 153–163 Schweitzer/Küpper, Kosten- und Erlösrechnung, S. 11–26; 68–76 Weber/Rogler, Rechnungswesen, Bd. 2, S. 26–42

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.