Content

2.1 Kosten und Leistungen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 808 - 810

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_808

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 789 Status: Imprimatur 2 Definitorische Grundlagen 2.1 Kosten und Leistungen Die Begriffe Kosten und Leistung sind im Rahmen des betrieblichen Rechnungswesens als negative und positive Erfolgskomponenten der Kosten- und Leistungsrechnung zu verstehen. Die Kosten stehen dabei für den Verbrauch, die Leistungen für die Entstehung von Wirtschaftsgütern. In der Betriebswirtschaftslehre werden vor allem zwei Kostenbegriffe unterschieden: der pagatorische und der wertmäßige Kostenbegriff. Pagatorische Kos ten werden ausschließlich aus den Auszahlungen, d. h. aus den historischen Anschaffungskosten, abgeleitet (Koch, Kostenrechnung, S. 14) und sind daher rein zahlungs- und damit beschaffungsmarktorientiert. Unter wertmäßigen Kosten versteht man den bewerteten Verbrauch an Gütern und (Dienst-)Leistungen (allgemein: Produktionsfaktoren) zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Produkte und zur Aufrechterhaltung der hierfür notwendigen Betriebsbereitschaft. Der wertmäßige Kostenbegriff ist damit leistungsorientiert. Eine adäquate Definition des Terminus Kosten ist daran auszurichten, inwieweit ihr Einbezug in die Betriebsbuchhaltung der Aufgabenstellung dieses Rechnungszweiges gerecht wird. Der wertmäßige Kostenbegriff ist daher, wie bereits Schmalenbach (Kostenrechnung, S. 5) betont hat, „nicht souverän; er ist ein Begriff, der die Verfolgung gewisser Zwecke erleichtern soll, und hat sich diesen Zwecken unterzuordnen“. Kosten sind als jene relevanten negativen Zielbeiträge zu betrachten, die Grundlage für die dispositiven Aufgaben Entscheidung und Kontrolle sein können. Da der wertmäßige Kostenbegriff umfassender konzipiert ist, eignet er sich für die oben genannten Zwecke der Kosten- und Leistungsrechnung besser als der pagatorische und wird deshalb hier zugrunde gelegt. Die wertmäßige Kostenkonzeption, die im Wesentlichen von Schmalenbach (Kostenrechnung, S. 6) geprägt worden ist, geht zur Herleitung der Kosten vom Mengengerüst aus, das aus Verbrauchsmengen bzw. -zeiten besteht und mit den zugehörigen Wertansätzen zu bewerten ist. Diese Wertansätze stimmen zwar oft mit den historischen Anschaffungskosten überein (in diesem Fall besteht praktisch kein Unterschied zwischen wertmäßigen und pagatorischen Kosten), es können jedoch, je nach Rechnungszweck, auch andere Wertansätze herangezogen werden. Insbesondere knappe Produktionsfaktoren werden mit so genannten Opportunitätskosten bewertet, die den Nutzenentgang (Gewinneinbuße) messen, der entsteht, wenn Produktionsfaktoren einer bestimmten Verwendung zugeführt und gleichzeitig einer anderen Verwendung entzogen werden (z. B. kalkulatorische Zinsen, kalkulatorischer Unternehmerlohn). Durch den Ansatz derartiger Opportunitätskosten wird der Kostenbegriff kontroll- und entscheidungsorientiert (Adam, Kostenbewertung, S. 30 f.); er löst sich damit aber von den historischen Anschaffungsauszahlungen. 2 Definitorische Grundlagen790 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 790 Status: Imprimatur Der Kostenbegriff in der hier vertretenen wertmäßigen Fassung ist durch drei Merkmale bestimmt: – Güter- bzw. Leistungsverbrauch – Bezug auf die erstellten bzw. abgesetzten Produkte – Bewertung. Wesentliches Bestimmungsmerkmal der Kosten ist zum einen der Verbrauch von Gütern und Diensten. Ein solcher Güter- und Leistungsverbrauch kann dadurch bewirkt werden, dass Sach- oder Dienstleistungen direkt und vollkommen in das Produkt eingehen (Verbrauchsgüter) oder dass Güter über einen längeren Zeitraum Nutzungen abgeben (Gebrauchsgüter) und damit mittelbar der Produktion dienen. Das Merkmal des Bezuges auf die erstellten und abgesetzten Produkte (Leis tungsbezogenheit) grenzt den Güter- und Leistungsverzehr weiter ab. Nur die Sach- und Dienstleistungen können Kostencharakter haben, bei denen eine zumindest mittelbare Beziehung zur betrieblichen Endleistung festzustellen ist. Der Kostencharakter von Faktorleistungen hängt mithin vom jeweiligen Leistungsprogramm des Betriebs ab. Nur unter diesem Aspekt kann entschieden werden, ob Faktorleistungen als Kosten zu behandeln sind oder wegen „Betriebsfremdheit“ nicht kostenwirksam werden können. Es ist dabei nicht wesensnotwendig, dass eine direkte und unmittelbare Beziehung zwischen Güter- und Leistungsverbrauch einerseits und Leistungsprogramm andererseits besteht (Kostenverursachungsprinzip), sondern es genügt vielmehr, wenn eine indirekte Beziehung in dem Sinne besteht, dass eine Leistungserstellung und der jeweilige Verbrauch an Produktionsfaktoren auf dieselbe Entscheidung zurückgeführt werden können (Identitätsprinzip, s. Teil B, Abschn. 3.1.1, S. 800). Der leistungsbezogene Güterverbrauch muss schließlich bewertet werden. An die Erfassung des Mengengerüsts der Kosten schließt sich die Zuordnung der Preise an. Aus dem Produkt: mengenmäßiger Verzehr × Kostenpreis ergibt sich der Kostenwert. Über die Bewertung wird der mengenmäßige Güter- und Leistungsverbrauch durch den Ausdruck in Geldgrößen in eine einheitliche Dimension transformiert. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die verschiedenen Gütermengen überhaupt miteinander verglichen und verrechnet werden können. Der Bewertung fällt zusätzlich die Funktion der ökonomischen Gewichtung zu. Die gesamten Kosten (K) setzen sich aus der Summe der einzelnen Kostenwerte zusammen. Formelmäßig sind die gesamten Kosten wie folgt definiert: K = ∑ri · qi n i = 1 mit i = Art des eingesetzten Produktionsfaktors ri = Einsatzmenge des Produktionsfaktors i qi = Preis je Einheit des Produktionsfaktors i. Im Gegensatz zum Kostenbegriff ist der Begriff der Leistung in der Literatur nicht eindeutig definiert. Man kann den Terminus Leistung so interpretieren, dass jedes Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit, das sich als Objekt der Zurech- 2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen 791 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 791 Status: Imprimatur nung von Kosten eignet, als Leistung zu betrachten ist (Plinke, Leistungs- und Erlösrechnung, Sp. 2563). Diese weite Begriffsfassung ist aber für die hier verfolgten Zwecke nur bedingt geeignet; als Leistung oder Betriebsertrag soll deshalb im Folgenden der Wert des Zugangs an Gütern, Dienstleistungen und Geld auf Grund der betrieblichen Tätigkeit während einer Periode verstanden werden (s. Teil B, Kap. 8, S. 981 ff.). 2.2 Rechnungstechnische Abgrenzungen Die im Rechnungswesen einer Unternehmung geldmäßig erfassten Güter- und Leistungsströme bewirken eine Veränderung der in einem Unternehmen gehaltenen Bestände. Je nachdem, auf welcher Rechnungsebene Bestandsänderungen hervorgerufen werden, ist zwischen Auszahlung, Einzahlung, Ausgabe, Einnahme, Aufwand, Ertrag, Kosten und Betriebsertrag (Leistung) zu unterscheiden. Eine übersichtliche Darstellung einschließlich der aus Zustrom und Abstrom resultierenden Bestandsveränderungen zeigt die folgende Matrix der Rechnungsebenen und Rechnungsgrößen (vgl. Krümmel, Finanzplanung, S. 226; vgl. hierzu auch die Ausführungen im Einleitungsteil, Kap. 1, S. 3 ff.). Rechnungsebene Bestände und ihre Komponenten Zustrom Abstrom Bestandsver änderungen U n te rn eh m en se b en e Zahlungs mittel ebene Kassenbestand + jederzeit verfügba re Bankguthaben = Zahlungsmittel bestand Einzahlung Auszahlung Zahlungs mittel bestands veränderung Geldvermö gensebene Zahlungsmittelbe stand + alle übrigen Forderungen ./. Verbindlichkeiten = Geldvermögen Einnahme Ausgabe Geldvermö gensänderung Reinvermö gensebene Geldvermögen + Sachvermögen = Reinvermögen Ertrag Aufwand Reinvermö gensänderung (Gewinn/ Verlust) Betriebs ebene Betriebsnotwendiges (kalkulatorisches) Vermögen Betriebs ertrag (Leistung) Kosten Betriebserfolg Matrix der Rechnungsebenen und Rechnungsgrößen Auszahlung (Einzahlung): Abfluss (Zufluss) liquider Mittel aus dem (in den) Unternehmensbereich in die (aus der) wirtschaftliche(n) Umwelt. Ausgabe (Einnahme): Auszahlungen (Einzahlungen) + Zugang (Abgang) an Verbindlichkeiten + Abgang (Zugang) an Forderungen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.