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1 Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 805 - 808

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_805

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 785 Status: Imprimatur Teil B Kosten- und Leistungsrechnung Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 787 Status: Imprimatur 1 Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung Die Kosten- und Leistungsrechnung – aus eher organisatorischer Sicht traditionell auch als Betriebsbuchführung gekennzeichnet – ist zentraler Bestandteil des internen Rechnungswesens und repräsentiert neben der Finanz- oder Geschäftsbuchführung den zweiten Zweig des betrieblichen Rechnungswesens (vgl. hierzu die Systematik im Einleitungsteil, Kap. 2, auf S. 10). Als Instrument der innerbetrieblichen Abrechnung hat sie die Aufgabe, den Einsatz der Produktionsfaktoren im betrieblichen Kombinationsprozess zu dokumentieren und den Werteverbrauch und Wertezuwachs zahlenmäßig abzubilden, der durch die betriebliche Leistungserstellung und Leistungsverwertung verursacht wird. Diese Abbildung der betrieblichen Wertschöpfung dient der Erfüllung folgender Aufgaben: 1. Die Kosten- und Leistungsrechnung soll durch ihre Informationen die Unternehmensleitung in die Lage versetzen, die unternehmerischen Prozesse zielentsprechend zu steuern. Hierzu bedarf es zunächst der Planung zukünftiger Entscheidungssituationen. Grundlage dieser unternehmerischen Planungs- und Entscheidungsaufgabe sind die in der Kosten- und Leistungsrechnung erfassten Informationen; diese soll mithin relevante Unterlagen bereitstellen, auf deren Basis Entscheidungen gefällt werden können. Aus der Fülle der Fragestellungen, die auf der Grundlage von Kostenrechnungsinformationen zu beantworten sind, seien beispielhaft folgende genannt: – im Beschaffungsbereich: Wahl zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug, zwischen verschiedenen Bezugsquellen oder Transportwegen, Ermittlung der optimalen Bestell- bzw. Lagermenge – im Produktionsbereich: Bestimmung des optimalen Produktionsprogrammes, des optimalen Produktionsverfahrens bzw. der optimalen Losgröße, Änderung des Beschäftigungsgrades durch zeitliche, intensitätsmäßige oder quantitative Anpassung – im Absatzbereich: Ermittlung von Einführungspreisen bzw. Preisuntergrenzen, Wahl zwischen verschiedenen Absatzwegen, Vertriebsmethoden und Werbemaßnahmen. Die traditionellen Verfahren der Kostenrechnung beschränken sich dabei in der Regel auf die Bereitstellung von Daten für kurzfristige Entscheidungen. Da einige der oben benannten Entscheidungsaufgaben aber naturgemäß langfristigen Charakter haben (z. B. die Festlegung des Produktionsprogrammes oder die Wahl zwischen Eigen- und Fremdfertigung), gewinnt die Bereitstellung von Informationen für strategische Entscheidungen durch die Kostenrechnung zunehmend an Bedeutung. 1 Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung788 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 788 Status: Imprimatur 2. Zur Lenkungs- und Steuerungsaufgabe der Unternehmensleitung gehört nicht nur die Planung zukünftiger Entscheidungssituationen, sondern auch die Kontrolle bereits laufender unternehmerischer Prozesse. Um nicht erwünschte unternehmensinterne Entwicklungen kurzfristig lenken bzw. auf nicht erwartete Umweltsituationen sachgerecht reagieren zu können, werden aktuelle und detaillierte Kontrollinformationen darüber benötigt, was in den verschiedenen Fertigungsstellen tatsächlich geschieht. Indem ständig Unterlagen bereitgestellt werden, aus denen sowohl die Kostenentstehung und Kostenhöhe als auch die betriebliche Wertschöpfung hervorgehen, wird eine Kontrolle der betrieblichen Gütererstellung ermöglicht, welche in erster Linie darauf abzielt, jede ineffiziente Verwendung von betrieblichen Ressourcen zu vermeiden. 3. Neben den beiden Hauptaufgaben Planung und Kontrolle hat die Kostenund Leistungsrechnung eine unterstützende Funktion (Hilfsfunktion) bei der Erfassung und Bewertung von Informationen für andere Zweige des Rechnungswesens. So sind z. B. die Wertansätze für die mit Herstellungskosten zu bilanzierenden Bestände an Halb- und Fertigfabrikaten sowie der sonstigen aktivierungspflichtigen Eigenleistungen in der Kostenrechnung zu ermitteln und in die Geschäftsbuchführung zu übernehmen. Darüber hinaus kann die Kosten- und Leistungsrechnung auch Informationen für externe Dokumentationszwecke liefern (z. B. Selbstkostenermittlung im Rahmen der LSP, Kosten- bzw. Wirtschaftlichkeitsinformationen bei Beantragung eines Kredits etc.). Die Kostenrechnung dient diesen Aufgaben dadurch, dass sie das tatsächliche Geschehen im Unternehmen zahlenmäßig abbildet. Dazu werden sämtliche effektiven Istkosten, gegliedert nach ihrer Art (Kostenartenrechnung), dem Ort ihrer Entstehung (Kostenstellenrechnung) oder der sie verursachenden Leistung (Kostenträgerrechnung) ermittelt und den gemäß der unternehmerischen Zielsetzung entwickelten Vorstellungen über erwartete Sollkosten (Plankostenrechnung) gegenübergestellt. Zur kurzfristigen Planung und Kontrolle des unternehmerischen Erfolgs kann die Kostenträgerzeitrechnung oder die kurzfristige Erfolgsrechnung, die den Erfolg als bewertete Leistung abzüglich Kosten eines Betriebes ausweist, herangezogen werden. Ergänzende Literatur zu: 1 Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, S. 21–23 Ewert/Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 5–14 Friedl, Kostenrechnung, S. 9–23 Götze, Kostenrechnung und Kostenmanagement, S. 9–12 Haberstock/Breithecker, Kostenrechnung I, S. 3–5 Schildbach/Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 13–18 Troßmann, Internes Rechnungswesen, S. 101–109 Wöhe/Döring, Einführung, S. 921–924 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 789 Status: Imprimatur 2 Definitorische Grundlagen 2.1 Kosten und Leistungen Die Begriffe Kosten und Leistung sind im Rahmen des betrieblichen Rechnungswesens als negative und positive Erfolgskomponenten der Kosten- und Leistungsrechnung zu verstehen. Die Kosten stehen dabei für den Verbrauch, die Leistungen für die Entstehung von Wirtschaftsgütern. In der Betriebswirtschaftslehre werden vor allem zwei Kostenbegriffe unterschieden: der pagatorische und der wertmäßige Kostenbegriff. Pagatorische Kos ten werden ausschließlich aus den Auszahlungen, d. h. aus den historischen Anschaffungskosten, abgeleitet (Koch, Kostenrechnung, S. 14) und sind daher rein zahlungs- und damit beschaffungsmarktorientiert. Unter wertmäßigen Kosten versteht man den bewerteten Verbrauch an Gütern und (Dienst-)Leistungen (allgemein: Produktionsfaktoren) zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Produkte und zur Aufrechterhaltung der hierfür notwendigen Betriebsbereitschaft. Der wertmäßige Kostenbegriff ist damit leistungsorientiert. Eine adäquate Definition des Terminus Kosten ist daran auszurichten, inwieweit ihr Einbezug in die Betriebsbuchhaltung der Aufgabenstellung dieses Rechnungszweiges gerecht wird. Der wertmäßige Kostenbegriff ist daher, wie bereits Schmalenbach (Kostenrechnung, S. 5) betont hat, „nicht souverän; er ist ein Begriff, der die Verfolgung gewisser Zwecke erleichtern soll, und hat sich diesen Zwecken unterzuordnen“. Kosten sind als jene relevanten negativen Zielbeiträge zu betrachten, die Grundlage für die dispositiven Aufgaben Entscheidung und Kontrolle sein können. Da der wertmäßige Kostenbegriff umfassender konzipiert ist, eignet er sich für die oben genannten Zwecke der Kosten- und Leistungsrechnung besser als der pagatorische und wird deshalb hier zugrunde gelegt. Die wertmäßige Kostenkonzeption, die im Wesentlichen von Schmalenbach (Kostenrechnung, S. 6) geprägt worden ist, geht zur Herleitung der Kosten vom Mengengerüst aus, das aus Verbrauchsmengen bzw. -zeiten besteht und mit den zugehörigen Wertansätzen zu bewerten ist. Diese Wertansätze stimmen zwar oft mit den historischen Anschaffungskosten überein (in diesem Fall besteht praktisch kein Unterschied zwischen wertmäßigen und pagatorischen Kosten), es können jedoch, je nach Rechnungszweck, auch andere Wertansätze herangezogen werden. Insbesondere knappe Produktionsfaktoren werden mit so genannten Opportunitätskosten bewertet, die den Nutzenentgang (Gewinneinbuße) messen, der entsteht, wenn Produktionsfaktoren einer bestimmten Verwendung zugeführt und gleichzeitig einer anderen Verwendung entzogen werden (z. B. kalkulatorische Zinsen, kalkulatorischer Unternehmerlohn). Durch den Ansatz derartiger Opportunitätskosten wird der Kostenbegriff kontroll- und entscheidungsorientiert (Adam, Kostenbewertung, S. 30 f.); er löst sich damit aber von den historischen Anschaffungsauszahlungen.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.