Content

16.1 Einkreissysteme in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 754 - 755

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_754

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 734 Status: Imprimatur 16 Organisatorische Verbindung von Geschäftsund Betriebsbuchführung Die beiden unterschiedlichen Bereiche des laufenden betrieblichen Rechnungswesens, die Finanz- oder Geschäftsbuchführung einerseits und die Betriebsbuchführung (Kosten- und Leistungsrechnung) andererseits, erfordern eine bestimmte organisatorische Gestaltung, die den formalen Zusammenhang beider Bereiche regelt. Bereits die Kontenrahmendarstellung ließ deutlich werden, dass die praktische Bewältigung der betrieblichen Abrechnung in zwei Grundformen durchgeführt werden kann: Einmal können Geschäfts- und Betriebsbuchführung innerhalb eines einheitlichen Rechensystems (Einkreissystem) abgewickelt werden; andererseits kann die organisatorische Aufspaltung des betrieblichen Rechnungswesens auch in der Weise erfolgen, dass Geschäfts- und Betriebsbuchführung getrennt voneinander in jeweils selbständigen Rechenkreisen durchgeführt werden (Zweikreissystem). Unabhängig von der jeweiligen organisatorischen Handhabung ermöglichen heute moderne datenbankgestützte Buchführungssysteme eine zunehmend simultane und integrierte Betrachtung und Abwicklung von Finanz- und Geschäftsbuchführung, wie sie beispielsweise von der Siemens AG bereits Anfang der neunziger Jahre eingeführt wurde (vgl. hierzu Teil B, Abschn. 9.3, S. 1004 ff.). 16.1 Einkreissysteme Nach dem Einkreissystem aufgebaute Buchführungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Geschäfts- und Betriebsbuchführung in einem formal geschlossenen Abrechnungskreis durchführen und ein einheitliches, integriertes Kontensystem verwenden. Die Abrechnung erfolgt von Kontenklasse zu Kontenklasse fortschreitend; an die Geschäftsbuchführung schließt sich nahtlos die Betriebsbuchführung an. Der Erfolg einer Periode steht erst dann fest, wenn aus den Kosten der abgesetzten Produkte und den Umsatzerlösen (Umsatzkostenverfahren) oder aus den Kosten der Kostenträger und den Umsatzerlösen unter Berücksichtigung der Bestandsänderungen bei Halb- und Fertigfabrikaten (Gesamtkostenverfahren) das kalkulatorische Ergebnis (Betriebsergebnis) und als Differenz von neutralen Aufwendungen und neutralen Erträgen das neutrale Ergebnis ermittelt wurde. Für die kurzfristige Erfolgsrechnung bedeutet dies, dass zur Ermittlung des internen Ergebnisses der Abschluss der gesamten Buchführung notwendig ist. Im geschlossenen Abrechnungskreis werden sämtliche innerbetrieblichen und außerbetrieblichen Vorgänge zusammen abgerechnet. Einkreissysteme sind wegen ihrer Komplexität mit einer gewissen Schwerfälligkeit und Starrheit behaftet. Geschäftsbuchführung und Betriebsbuchführung 16.2 Zweikreissysteme 735 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 735 Status: Imprimatur bilden ein Ganzes; sie können nicht getrennt und unabhängig voneinander abgeschlossen werden. Trotz des Vorteils, dass beim Einkreissystem keine besondere Abstimmung mehr zwischen den Zahlen der Geschäftsbuchführung und der Betriebsbuchführung vorgenommen werden muss – der Buchungszusammenhang wird nicht unterbrochen –, findet dieses Verfahren in der Praxis nur in kleineren oder in durch das Fertigungsprogramm besonders begünstigten Betrieben (homogenes Produktionsprogramm) Anwendung. Eine wesentlich weitere Verbreitung lässt sich für eine Modifikation des Einkreissystems in Form des ergänzten Einkreissystems feststellen. Hierbei wird dem Bedürfnis nach größerer Beweglichkeit und schnellerer Anpassungsfähigkeit an sich ändernde betriebliche Strukturen Rechnung getragen. Auch diese Form des Einkreissystems ist durch ein einheitliches Kontensystem für die gesamte Buchführung gekennzeichnet, das sowohl die Konten der Geschäftsbuchführung als auch die für die Durchführung der Kosten- und Leistungsrechnung erforderlichen Konten umfasst. Die Konten der Betriebsbuchführung haben aber nur den Charakter von Sammelkonten, d. h. sie haben die für die Betriebsbuchführung notwendigen Daten aus der Geschäftsbuchführung abzusondern und summarisch zu erfassen. Das Kernstück der Abrechnung ist die Geschäftsbuchführung. Mit Ausnahme der Sammelkonten sind alle Konten der Betriebsbuchführung aus dieser Hauptbuchführung ausgegliedert und als selbständiger Rechnungskreis als Nebenbuchführung an die Geschäftsbuchführung angehängt. Die Betriebsbuchführung wird in dem angehängten Abrechnungssystem unter Übernahme der Ausgangswerte für die innerbetriebliche Abrechnung aus den Sammelkonten meist in statistisch-tabellarischer Form (Betriebsabrechnungsbogen) durchgeführt; diese Form der Buchführungsorganisation wird auch Einkreissystem mit ausgegliederter Kostenstellenrechnung genannt. Die hier gewonnenen Ergebnisse der Betriebsbuchführung können wieder in die Hauptbuchführung (Geschäftsbuchführung) zurückgeführt werden; häufig wird aber auf eine solche kontenmäßige Verzahnung zwischen den beiden Buchführungsbereichen verzichtet. Faktisch bilden sich dann zwei Abrechnungsbereiche, die getrennt abgeschlossen werden können. Die Realisierung des betrieblichen Rechnungswesens im ergänzten Einkreissystem ist weniger arbeitsaufwendig und besitzt insofern gewisse Vorzüge, erfordert aber wegen der zweigleisigen Durchführung und wegen der Durchbrechung des Buchungszusammenhangs eine Reihe von Kontrollen und Abstimmungen zwischen beiden Rechnungskreisen. 16.2 Zweikreissysteme Insbesondere der Wunsch nach einer stärker detaillierten und kurzfristig isoliert abschlussfähigen Betriebsbuchführung führte dazu, dass heute zumindest in größeren Unternehmungen die Zweikreissysteme überwiegen, was auch durch die Einführung des IKR begünstigt wurde. Die Zweikreissysteme führen die abrechnungstechnische Trennung zwischen Geschäfts- und Betriebsbuchführung in konsequenter Weise durch. Jeder Buch-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.