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15.3 Systeme der Buchführung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 674 - 676

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_674

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
15 Organisation der Buchführung654 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 654 Status: Imprimatur 15.3 Systeme der Buchführung Ihrem Anwendungsgebiet entsprechend können kaufmännische und kameralistische Buchführungssysteme unterschieden werden. Die kaufmännische Buchführung kann als einfache und als doppelte, die Kameralistik als einfache oder als gehobene Buchführung betrieben werden. Die (einfache) Kameralistik ist keine kaufmännische Buchführung, da sie weder eine Inventur noch eine Bewertung des Vermögens kennt. Als eine auf Einnahmen und Ausgaben aufbauende Soll-Ist-Rechnung ist sie das am staatlichen Haushaltsplan orientierte Buchführungssystem von Behörden und öffentlichen Verwaltungen. Allerdings setzen sich in den letzten Jahren Gemeinde- und Landesverwaltungen für einen Systemwechsel in der Haushaltsrechnung zur grundsätzlich vorteilhafteren doppelten Buchführung ein. So wurden im November 2003 von den Innenministern der Bundesländer konkrete Leitlinien für die Umstellung der kommunalen Haushalte auf das System der doppelten Buchführung verabschiedet. Die Rechtsgrundlage für das haushaltswirtschaftliche Rechnungswesen der öffentlichen Verwaltungen bildet das Haushaltsrecht, insbesondere das Gesetz über die Grundsätze des Haushaltsrechts des Bundes und der Länder (Haushaltsgrundsätzegesetz HGrG), die Bundeshaushaltsordnung (BHO), die Landeshaushaltsordnungen (LHO) sowie die jeweiligen Gemeindeordnungen (GO), Gemeindehaushaltsverordnungen (GemHVO) und Gemeindekassenverordnungen (GemKVO). Um ein Mindestmaß an Einheitlichkeit zu gewährleisten, wurde das Haushaltsgrundsätzegesetz mit dem Gesetz zur Modernisierung des Haushaltsgrundsätzegesetzes (Haushaltsgrundsätzemodernisierungsgesetz – HGrGMoG) vom 31. 7. 2009 novelliert. Dieses Gesetz trat am 1. 1. 2010 in Kraft und eröffnet die Möglichkeit, statt einer kameralen Haushaltswirtschaft die Doppik einzuführen. Diese Reform sieht die Doppik als vollwertiges System zur Haushaltsführung vor. Der deutsche Gesetzgeber überlässt es nach § 1a HGrG jeweils der einzelnen Verwaltungseinheit, ob eine Anpassung an die Doppik erfolgt (vgl. Lehleiter/Riedl, Haushaltsgrundsätzemodernisierungsgesetz, S. 199). Für kaufmännische Zwecke ist die Kameralistik jedoch auch in ihrer gehobenen Form, die u. a. auch Vermögenskonten und Periodenabgrenzung kennt, zwar nicht zwingend unzulässig (§ 238 HGB), aber in der Praxis weitgehend ungeeignet, da ihr die zwingende Verbindung zwischen Vermögens- und Erfolgsrechnung fehlt. Auch für handelsgewerbliche Unternehmen des Bundes, der Länder und der Gemeinden hat sie durch verschiedene Eigenbetriebsgesetze an Bedeutung verloren, da diese ausschließlich die doppelte Buchführung vorsehen. Analoges gilt für forstwirtschaftliche Betriebe, deren kameralistische Tradition weitgehend durch die kaufmännische Rechnungslegung abgelöst wurde. Auch im Hochschulbereich wird in zunehmenden Maße auf kaufmännische Rechnungskonzepte auf der Basis der doppelten Buchführung übergegangen (Küpper, Hochschulrechnung, S. 348). Den folgenden Ausführungen liegt ausschließlich die kaufmännische Buchführung zugrunde. 15.3 Systeme der Buchführung 655 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 655 Status: Imprimatur 15.3.1 Die einfache Buchführung In der einfachen kaufmännischen Buchführung werden nur diejenigen Geschäftsvorfälle buchmäßig festgehalten, die aus Kontroll- und Inventargründen unbedingt benötigt werden. Dies sind die Kassenvorgänge und die Abrechnungen mit den Kunden und den Lieferanten. Im Gegensatz zur doppelten Buchführung erfasst sie nur Zahlungsvorgänge der Gegenwart und der Zukunft, aber keine innerbetrieblichen Leistungsvorgänge. Obwohl weitgehend auf die Erfassung von Zahlungsvorgängen beschränkt, unterscheidet die Aufzeichnung der Kreditgeschäfte die einfache Buchführung von der bloßen Einnahmen-Ausgabenrechnung im steuerlichen Sinne. Gegen- über der doppelten Buchführung fehlt die Kontrollfunktion der Doppelbuchung und das nach sachlichen Kriterien geführte Hauptbuch. Die Hauptbücher sind damit nicht vergleichbar: Weder ein Bestands- noch ein Erfolgskontenabschluss ist aus dem Hauptbuch der einfachen Buchführung ableitbar. Die ausschließlich inventurmäßige Bestandsfeststellung lässt damit auch nur die (einfache) Erfolgsermittlung durch Reinvermögensvergleich zu. Die Bilanz ist nicht aus der Buchführung, sondern aus dem Inventar zu entwickeln; eine Gewinn- und Verlustrechnung kennt die einfache Buchführung mangels Erfolgskonten nicht. Nach § 242 Abs. 3 HGB besteht der Jahresabschluss für alle Kaufleute mindestens aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Da es bei der einfachen Buchführung keine Gewinn- und Verlustrechnung gibt, ist sie handelsrechtlich nicht zulässig und damit auch für Gewerbetreibende, die ihren Gewinn nach § 5 EStG ermitteln, wegen der Maßgeblichkeit der handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung für die steuerliche Gewinnermittlung (§ 5 Abs. 1 EStG) nicht anwendbar. 15.3.2 Die doppelte Buchführung (Doppik) Charakteristikum der doppelten Buchführung ist das geschlossene Kontensystem und der aus diesem entwickelte Kontenformalismus (ausführlich vgl. Teil A, Kap. 3, S. 74 ff.). Dieser wurde von Luca Pacioli als einem der ersten in seinem 1494 in Venedig erschienenen Werk: „Summa de Arithmetica Geome tria, Proportioni et Proportionalità“ dargestellt (ausführlicher dazu vgl. Schneider, Betriebswirtschaftslehre Bd. 4, S. 78 ff.). Im Einzelnen beinhaltet das System der doppelten Buchführung: – Erfassung aller das Betriebsvermögen berührenden Vorgänge (Geschäftsvorfälle) in zeitlicher und in sachlicher Ordnung; – Buchung auf Konto und Gegenkonto mit Soll- und Habenaufzeichnung desselben Betrages und damit ausgeprägter Kontrollfunktion; – Darstellung der Zahlungs- und Leistungsvorgänge auf Bestands- und Erfolgskonten mit einem getrennten, aus den Büchern zu entwickelnden Abschluss; 15 Organisation der Buchführung656 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 656 Status: Imprimatur – Zweifache (doppelte) Erfolgsermittlung sowohl aus der Sicht der Vermögensals auch der (Eigen-)Kapitalrechnung mit laufender Kontrollmöglichkeit hinsichtlich der Bestandsänderungen und der Erfolgsquellen. Die Bestandteile der Doppik entsprechen den in Abschnitt 15.2 dargestellten Bücherarten. Ihre Organisation im Einzelnen kann an verschiedenen Buchführungsformen, wie sie im folgenden Abschnitt 15.4 dargestellt sind, orientiert sein. 15.4 Formen der Buchführung Die Unterscheidung der Bücher nach ihrer äußeren Aufmachung führt zu verschiedenen Buchführungsformen. Dabei hat insbesondere die Zahl und die Stellung der Grundbücher zu teilweise nur im Detail sich unterscheidenden Formen der Buchführungsorganisation geführt. Die Anwendung einer bestimmten Buchführungsform ist regelmäßig eng verknüpft mit dem Einsatz einer bestimmten Technik (vgl. dazu im Einzelnen Teil A, Abschn. 15.5, S. 665 ff.). So kann die Übertragungsbuchführung als italienische, englische, deutsche, französische, amerikanische und kombinierte Form durchgeführt werden. Durchschreibetechnik und maschinelle Techniken sind als Offene-Posten- Buchhaltung, kontenlose Buchhaltung und Lose-Blatt-Buchhaltung denkbar. Sämtliche genannten Formen können als zweckmäßige Ausgestaltungen bestimmter Techniken aufgefasst werden (= Verfahrenszweckbuchführungen). Daneben sind Sonderformen, insbesondere die Geheimbuchführung und die Filialbuchführung, anwendbar. Buchführungsformen Verfahrenszweckformen Sonderformen Formen der Übertragungsbuchführung Formen der Durchschreibe- und maschinellen Technik Geheimbuchführung Filialbuchführung – italienische Methode – englische Methode – deutsche Methode – französische Methode – amerikanische Methode – kombinierte Methode – Offene-Posten- Buchführung – Kontenlose Buchführung – Lose-Blatt-Buchführung Formen der Finanzbuchführung

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.