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13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 512 - 517

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_512

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht492 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 492 Status: Imprimatur Um das Ziel der möglichst hohen Rücklagenbildung durchzusetzen, verzichtet der Vorstand auf eine Auflösung der Wertaufholungsrücklage. Ergänzende Literatur zu: 13.3 Die Verbuchung von Zuschreibungen (Wertaufholungen) Baetge/Kirsch/Thiele, Bilanzen, S. 272 f. Federmann, Bilanzierung, S. 500–507 Hall, van/Kessler, Anlagevermögen, S. 211–213 Harms/Marx, Fälle, S. 133–138 Kessler, Umlaufvermögen, S. 256 Küting/Haeger, Steuerreformgesetz, S. 591–601 Zündorf, § 253 HGB, Rn. 721–830 13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS Die Methode zur Bemessung der planmäßigen Abschreibungen (depreciation) von Sachanlagen nach den IFRS ist so zu wählen, dass sie den erwarteten Verlauf des Nutzenverbrauchs am besten widerspiegelt (IAS 16.60). Damit liegt ein Methodenwahlrecht grundsätzlich nicht vor. Ohne insofern aber eine bestimmte Methode vorzuschreiben, werden die lineare Abschreibung (straight-line method), die (geometrisch-)degressive Abschreibung (diminishing balance method) sowie die Leistungsabschreibung (units of production method) als mögliche Methoden ausdrücklich genannt (IAS 16.62). Die gewählte Methode ist grundsätzlich stetig anzuwenden (IAS 16.62; beachte auch zur Stetigkeit IAS 8.13). Falls die Unternehmung aufgrund einer Neueinschätzung des Verlaufes des Nutzenabbaus eine signifikante Änderung gegenüber dem bisher unterstellten Verlauf erkennt, hat sie eine entsprechende Anpassung vorzunehmen, welche als Schätzungsänderung nach IAS 8 zu behandeln ist – dies entfaltet nur Wirkung für die laufende und zukünftige Perioden und zieht darüber hinaus Ausweispflichten gemäß IAS 8.36 ff. nach sich. Die Abschreibungsdauer richtet sich grundsätzlich nach der Nutzbarkeit des Vermögenswertes im Unternehmen. Insofern ist die betriebliche voraussichtliche Nutzungsdauer (useful life, IAS 16.6) zugrunde zu legen (IAS 16.50), welche von der wirtschaftlichen Nutzungsdauer im Sinne einer Nutzungsfähigkeit des Objektes an sich – also ggf. auch durch andere Unternehmen – abweichen kann (vgl. auch Teil A, Abschn. 10.3, S. 385 ff.). Sowohl Abschreibungsmethode, Abschreibungsdauer als auch Abschreibungsvolumen sind jährlich zu überprüfen (IAS 16.51, 16.61). Bei Sachanlagen ist die Abschreibung einzelner Komponenten nach IAS 16.43-46 eventuell separat vorzunehmen (vgl. Teil A, Abschn. 12.3.2, S. 454 ff.), wenn diese einen bedeutsamen Anteil am gesamten Anschaffungs- oder Herstellungswert ausmachen und keine Abschreibungsidentität bezüglich Nutzungsdauer und Abschreibungsmethode zwischen den Komponenten besteht. Der Zweck einer komponentenweisen Abschreibung ist eine differenzierte Nachbildung des „tatsächlichen“ Nutzenabbaus, der sich in der Abschreibung widerspiegeln soll. Dazu ist es angezeigt, im Zugangszeitpunkt eine Zuordnung der gesamten Anschaffungs- oder Herstellungskosten 13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS 493 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 493 Status: Imprimatur auf die Komponenten vorzunehmen. Erlaubt ist eine zusammengefasste Abschreibung nicht bedeutsamer Teile (IAS 16.46), wobei eine freiwillige Separierung unbedeutender Teile zulässig ist (IAS 16.47). Der Komponentenansatz wird i. d. R. zu einer Beschleunigung des Abschreibungsverlaufs sowie einer „schnelleren“ Aktivierung bei Ersatzbeschaffungen führen. Die Abgrenzung von Komponenten ist mit Ermessensspielräumen verbunden. Beispiel: Anfang 01 wird ein Gebäude, dessen gesamte Nutzungsdauer mit 60 Jahren angenommen wird, für 600.000 € erworben. Es ist damit zu rechnen ist, dass während der Nutzungsdauer das Dach einmal, die Heizungsanlage zweimal und die Fenster dreimal auszutauschen sind. Da die Werte der Komponenten bedeutsam sind, ist insoweit eine separate Abschreibung vorzunehmen. Die Anschaffungskosten von 600.000 € werden folgendermaßen auf die Komponenten verteilt: Mauerwerk 50 % (300.000 €, Nutzungsdauer 60 Jahre), Dach 25 % (150.000 €, Nutzungsdauer 30 Jahre), Heizungsanlage 10 % (60.000 €, Nutzungsdauer 20 Jahre) und Fenster 15 % (90.000 €, 15 Jahre). Für das erste Jahr ergibt sich bei linearer Abschreibung eine planmäßige Gesamtabschreibung über 19.000 €, welche sich aus folgenden Teilbeträgen zusammensetzt: Mauerwerk 5.000 €, Dach 5.000 €, Heizungsanlage 3.000 € und Fenster 6.000 €. Am Ende des Jahres 01 weist das Gebäude aufgrund planmäßiger Abschreibung noch einen Buchwert von 581.000 € auf. Bei immateriellen Vermögenswerten kommt eine planmäßige Abschreibung nur in Betracht, wenn die Vermögenswerte eine bestimmte Nutzungsdauer (finite useful life) aufweisen (bspw. Entwicklungskosten für ein Medikament mit Nutzungsmöglichkeit über Patentschutzzeitraum). Insofern ist vor Abschreibungsbeginn, welcher grundsätzlich durch die Betriebsbereitschaft für die vorgesehene Verwendung bestimmt wird (IAS 38.97), zu entscheiden, ob der immaterielle Vermögenswert von bestimmter oder unbestimmter Nutzungsdauer ist. Der Begriff der unbestimmten Nutzungsdauer meint hierbei, dass deren Ende nicht absehbar respektive bestimmbar ist, auch wenn grundsätzlich von ihrer Endlichkeit auszugehen ist (IAS 38.88). Die Abschreibungsmethode soll auch bei diesen Vermögenswerten so gewählt werden, dass der erwartete Verlauf des Nutzenverbrauchs am besten erfasst wird (IAS 38.97), wobei neben den vorgenannten Methoden (linear, geometrisch-degressiv, leistungsabhängig, IAS 38.98) die lineare Abschreibung explizit für den Fall vorgesehen wird, dass der Verlauf des Nutzenabbaus nicht verlässlich nachgebildet werden kann (IAS 38.97). Ist ein Vermögenswert aufgrund der Werte der materiellen Bestandteile insgesamt als entsprechend materiell einzustufen, kann die getrennte Behandlung einer bedeutsamen immateriellen Komponente gemäß dem Komponentenansatz in Betracht kommen (Scheinpflug, IFRS-Bilanzkommentar, § 4, Rn. 10). Die IFRS for SME verlangen eine planmäßige Abschreibung bei sämtlichen immateriellen Vermögenswerten, d. h. auch bei solchen mit unbestimmter Nutzungsdauer; kann die Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden, erfolgt die Abschreibung über einen Zeitraum von 10 Jahren (IFRS for SME 18.19 f.). Hinsichtlich Notwendigkeit und Höhe außerplanmäßiger Abschreibungen ist im Rahmen der IFRS grundsätzlich auf IAS 36 („Wertminderung von Vermögenswerten“, „Impairment of Assets“) zurückzugreifen. Ausnahmen von der Anwendung des Standards bestimmt IAS 36.2. Danach gelten die eigenständi- 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht494 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 494 Status: Imprimatur gen Regelungen anderer Standards für Vorratsvermögen (IAS 2), Fertigungsaufträge (IAS 11), aktivische latente Steuern (IAS 12), finanzielle Vermögenswerte im Anwendungsbereich des IFRS 9 bzw. des IAS 39, als Finanzanlagen gehaltene Immobilien (IAS 40), welche zum Fair Value bewertet werden, sowie bestimmte Aktiva bei Versicherungsverträgen (IFRS 4), in Gestalt biologischer Vermögenswerte (IAS 41), im Zusammenhang mit Pensionsverpflichtungen (IAS 19) sowie bei solchen, welche ggf. im Rahmen einer Veräußerungsgruppe als zur Veräußerung verfügbar gehalten werden (IFRS 5). Im Umkehrschluss liegt der wesentliche Anwendungsbereich des IAS 36 somit bei Sachanlagen (IAS 16) und immateriellen Vermögenswerten (IAS 38; vgl. ergänzend Hoffmann, IFRS-Kommentar, § 11, Rn. 4, Bartels/Jonas, IFRS-Kommentar, § 27, Rn. 4). Ziel des IAS 36 ist es, durch geeignete Verfahrensabläufe die Werthaltigkeit einer Vermögensposition sicherzustellen (IAS 36.1). Vorgesehen ist hierfür ein Niederstwertvergleich. Allerdings bezieht das Vorgehen durchaus Kosten-Nutzenund Wesentlichkeitsüberlegungen mit ein. So hat das Unternehmen anstelle eines sämtliche Vermögenswerte umfassenden Niederstvergleichs an jedem Bilanzstichtag zunächst zu überprüfen, ob Anzeichen für eine Wertminderung vorliegen (Indikatortest, IAS 36.9). Falls solche Anzeichen vorliegen, ist für die betroffenen Positionen ein rechnerischer Wertminderungs- oder Impairmenttest durchzuführen. Lediglich bei immateriellen Vermögenswerten, deren Nutzungsdauer unbestimmt ist oder welche noch nicht nutzungsbereit sind, sowie bei Geschäfts- oder Firmenwerten (Goodwills) ist unabhängig davon, ob Anzeichen für eine Wertminderung vorliegen oder nicht, jährlich ein rechnerischer Impairmenttest durchzuführen (IAS 36.10). Der Test kann am Jahresende oder auch unterjährig durchgeführt werden, sofern er auch in den nachfolgenden Perioden zum selben Zeitpunkt im Jahr, in diesem Sinne stetig, durchgeführt wird. Dabei können unterschiedliche immaterielle Vermögenswerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten getestet werden. Erfolgt der Impairmenttest unterjährig, so ist die Position am Abschlussstichtag in den Indikatortest einzubeziehen (vgl. Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, S. 288). Bei Sachanlagen und sonstigen immateriellen Vermögenswerten wird grundsätzlich zum Abschlussstichtag ein Indikatortest vorgenommen. Ein rechnerischer Impairmenttest erfolgt nur, wenn eine positive Indikation für eine Wertminderung ermittelt wird. Als Indikatoren für eine mögliche Wertminderung zählt IAS 36.12 (nicht abschließend, vgl. IAS 36.13) verschiedene informationelle Hinweise auf, welche unternehmensexterner (bspw. wesentlicher Rückgang des Marktwertes eines Vermögenswertes) oder unternehmensinterner Natur sind (bspw. Anzeichen einer Überalterung oder eines physischen Schadens des Vermögenswertes). Im Rahmen des rechnerischen Impairmenttests wird der Buchwert des Vermögenswertes einem Referenzwert in Gestalt des sog. erzielbaren Betrages (recoverable amount) gegenübergestellt. Dabei wird auf den Vermögenswert in seiner Gesamtheit abgestellt, auch wenn sich dessen fortgeführte Anschaffungs- oder Herstellungskosten aus komponentenbezogenen planmäßigen Abschreibungsbeträgen entwickeln. Sinkt der erzielbare Betrag unter den Buchwert, ist unabhängig von der voraussichtlichen Dauer der Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung auf den erzielbaren Betrag vorzunehmen. Der erzielbare 13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS 495 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 495 Status: Imprimatur Betrag entspricht nach IAS 36.18 dem höheren Wert aus dem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten (fair value less costs to sell) und dem Nutzungswert (value in use). Der erstgenannte Wertmaßstab stellt auf eine unternehmensexterne Verwertung des Vermögenswertes, der zweite Wertmaßstab auf den Nutzen aus einer unternehmensinternen Verwendung ab. Durch die Maximumbedingung soll die bestmögliche Verwendung des Vermögenswerts durch das Unternehmen unterstellt werden. Bei der Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes abzüglich Veräußerungskosten (fair value less costs to sell) ist nach IAS 36.25 ff. zunächst ein ggf. bereits abgeschlossener und bindender Verkaufsvertrag zugrunde zu legen – unter Berücksichtigung zusätzlicher Kosten, die dem Verkauf zurechenbar sind. Liegt ein solcher nicht vor, so ist der Preis des Vermögenswertes auf einem aktiven Markt heranzuziehen. Sind auch hierfür die Voraussetzungen nicht erfüllt, ist auf Basis der besten verfügbaren Information ein hypothetischer Veräußerungspreis im Rahmen einer Transaktion zwischen sachverständigen und vertragswilligen Geschäftspartnern zugrunde zu legen (IAS 36.27); die Situation eines Notverkaufs ist nur zu unterstellen, wenn das Management unmittelbar zum Verkauf gezwungen ist. Somit wird i. d. R. ein Bewertungsmodell heranzuziehen sein, mit dem der hypothetische Veräußerungspreis zu ermitteln ist. Zu berücksichtigen sind ggf. Transaktionen über ähnliche Vermögenswerte aus der jüngeren Vergangenheit. Auch bei den beiden letztgenannten Ermittlungsmethoden erfolgt ein Abzug der direkt zurechenbaren Verkaufskosten. Der Nutzungswert (value in use) wird als Barwert der zukünftigen Cashflows berechnet, welche sich aus der internen Nutzung und einer etwaigen späteren Veräußerung ergeben. IAS 36.30 legt Komponenten fest, welche zwingend bei der Wertermittlung zu berücksichtigen sind (Detailanweisungen zur Cashflow-Ermittlung finden sich in IAS 36.33-54 sowie Regelungen zum Diskontierungszinssatz in IAS 36.55-57). Dabei wird klargestellt, dass auch eine Bepreisung des mit dem Vermögenswert verbundenen Risikos zu erfolgen hat. Für die Ermittlung des Nutzungswertes wird zweckmäßigerweise auf Verfahren der Unternehmensbewertung zurückzugreifen sein (vgl. zur Auseinandersetzung mit den Vorgaben des IAS 36.30 ff. Ballwieser, IFRS-Rechnungslegung, S. 182 ff.). IAS 36 sieht auch eine vereinfachte Bestimmung des erzielbaren Betrags vor. So entspricht nach IAS 36.20 der recoverable amount dem value in use, wenn der fair value less costs to sell nicht zuverlässig bestimmbar ist. Nach IAS 36.21 kann der fair value less costs to sell als recoverable amount angesehen werden, wenn von vorneherein anzunehmen ist, dass der value in use den fair value less costs to sell nicht materiell bedeutsam übersteigen wird – bspw. weil in naher Zukunft ein Verkauf geplant ist, so dass die bis dorthin im Unternehmenskontext anfallenden Cashflows unbedeutend sind. Falls die Indikation auf die Wertminderung eines Vermögenswertes vorliegt, ist der erzielbare Betrag grundsätzlich bezogen auf diesen einzelnen Vermögenswert zu bestimmen. Ist dies jedoch nicht möglich, so ist der erzielbare Betrag der zahlungsmittelgenerierenden Einheit (ZGE) bzw. cash generating unit (CGU), zu der der Vermögenswert gehört, zu ermitteln (IAS 36.66). Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit ist dabei definiert als kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten, für die Zahlungsflüsse bestimmt werden können, die 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht496 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 496 Status: Imprimatur weitgehend unabhängig von den Zahlungsflüssen anderer Vermögenswerte sind (IAS 36.6, 36.68). Es wird dann der Impairmenttest für die ZGE vorgenommen; entsprechend ist auch der Wertminderungsbedarf eines der ZGE zugeordneten derivativen Geschäfts- oder Firmenwertes zu ermitteln. Dabei wird der Buchwert der ZGE, der sich als Summe der Buchwerte der zusammengefassten Vermögenswerte (ggf. inklusive eines Goodwill) ergibt, mit dem erzielbaren Betrag der ZGE verglichen. Letzterer ist entsprechend den für einzelne Vermögenswerte relevanten Vorschriften zu ermitteln (IAS 36.74). Liegt der erzielbare Betrag einer ZGE unter ihrem Buchwert, dann ist zunächst ein zugeordneter Geschäfts- oder Firmenwert (goodwill) abzuschreiben (IAS 36.104(a)). Ein danach noch verbleibender Wertminderungsaufwand ist auf die einzelnen Vermögenswerte gemäß ihren Buchwertanteilen zu verteilen (IAS 36.104(b)). Für jeden Vermögenswert ist dabei eine Untergrenze zu beachten, die sich aus dem Maximum von beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten (fair value less costs to sell), Nutzungswert (value in use), sofern diese bestimmbar sind, und null ergibt (IAS 36.105). Falls im Rahmen der Wertminderung die Untergrenze für einen Vermögenswert greift, so ist der auf diesen nicht verteilbare Verlust anteilig den anderen Vermögenswerten zuzuordnen. Problembehaftet ist die Zuordnung zu einer ZGE zum einen bei einem erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert und zum anderen bei Vermögenswerten, welche von mehreren ZGE genutzt werden (corporate assets, gemeinschaftliche Vermögenswerte), wie bspw. das Gebäude einer übergeordneten Verwaltung (IAS 36.100). IAS 36.80 ff. enthalten Vorgaben, wie ein erworbener Goodwill zur Bemessung eines Wertminderungsbedarfs den einzelnen ZGE oder Gruppen von ZGE zuzuordnen ist, welche von den Synergien aus dem zugrunde liegenden Erwerbsvorgang profitieren (Goodwill-Allokation; genauer bspw. in Hoffmann, IFRS-Kommentar, § 11, Rn. 50 ff.; zur Diskussion einer Goodwillreallokation bei Restrukturierungen vgl. Hermens/Klein, Goodwill). Hiervon können sowohl über den Erwerbsvorgang neu hinzugekommene als auch im Unternehmen bereits vorhandene ZGE betroffen sein. Die Buchwerte der gemeinschaftlichen Vermögenswerte lassen sich nur durch eine Schlüsselung auf die jeweiligen ZGE verteilen. Im Rahmen der Ermittlung des Wertminderungsbedarfes sind in eine ZGE alle gemeinschaftlichen Vermögenswerte (anteilig) einzubeziehen, die ihr auf vernünftiger und stetiger Basis zugerechnet werden können (IAS 36.102). Die Anwendung der Impairment-Vorschriften ist mit nicht unbeachtlichen Ermessensspielräumen verbunden, wie bspw. bei der Abgrenzung der ZGE, der Zuordnung a priori nicht zugehöriger Vermögenswerte zu einer ZGE oder bei der Bestimmung des erzielbaren Betrages. Die IFRS for SME weichen im vorliegenden Kontext von den Full IFRS ab, indem sie auch eine planmäßige Abschreibung des Goodwill, bei nicht verlässlich zu schätzender Nutzungsdauer über 10 Jahre, vorsehen (IFRS for SME 19.23). Für zuvor außerplanmäßig abgeschriebene Vermögenswerte ist an jedem Bilanzstichtag ein Zuschreibungsbedarf zu ermitteln (IAS 36.110; Ausnahme für abgeschriebenen Goodwill). Hierfür ist zunächst – analog zum Vorgehen zur Feststellung einer Wertminderung – zu prüfen, ob eine Indikation für eine Werterholung vorliegt. Weitgehend vergleichbar mit den Kriterien des IAS 36.12 führt 13.5 Der Anlagespiegel 497 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 497 Status: Imprimatur IAS 36.111 nun in umgekehrter Richtung Indikatoren für eine Werterholung an, welche an unternehmensexternen und an unternehmensinternen Informationen anknüpfen. Liegen entsprechende Hinweise für eine Werterholung vor, so ist der erzielbare Betrag des betroffenen Vermögenswertes zu ermitteln und dem durch außerplanmäßige Abschreibung verminderten Buchwert gegenüberzustellen. Übersteigt der erzielbare Betrag diesen Buchwert, ist zwingend eine Zuschreibung vorzunehmen (Zuschreibungspflicht). Allerdings stellt der Buchwert, der anzusetzen wäre, wenn es keine außerplanmäßige Abschreibung gegeben hätte, die Zuschreibungsobergrenze dar. Im Falle des Anschaffungskostenmodells ist somit maximal eine Zuschreibung auf die fortgeführten historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten möglich (IAS 36.117 f.). Daher ist es notwendig, diese fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten in einer Nebenbuchhaltung mitzuführen. Die Verbuchung der Wertminderung und der Werterhöhung hat im Anschaffungskostenmodell grundsätzlich erfolgswirksam über die Periodenerfolgsrechnung zu erfolgen (IAS 36.119). Differenzierter stellt sich die Behandlung von Wertminderungen und -erhöhungen im Neubewertungsmodell dar (vgl. Teil A, Abschn. 12.3.2, S. 453 ff.). Bei einem Goodwill ist eine Zuschreibung grundsätzlich ausgeschlossen (IAS 36.124), so dass von einem Impairmentonly approach gesprochen werden kann (vgl. bspw. Bieg/Hossfeld/Kußmaul/Waschbusch, Rechnungslegung, S. 507, Hoffmann, IFRS-Kommentar, § 11, Rn. 69). Ergänzende Literatur zu: 13.4 Abschreibungen und Zuschreibungen nach den IFRS Adler/Düring/Schmaltz, International, Abschnitt 8 und 9. Bartels/Jonas, IFRS-Bilanzkommentar, Wertminderung und Wertaufholung, § 27 Hoffmann, IFRS-Kommentar, Wertaufholung, § 11, S. 411–486 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, S. 286–305 Scheinpflug, IFRS-Bilanzkommentar, Immaterielle Vermögenswerte, § 4 13.5 Der Anlagespiegel Kapitalgesellschaften haben gemäß § 268 Abs. 2 HGB die Entwicklung der einzelnen Positionen des Anlagevermögens in der Bilanz oder im Anhang darzustellen. Dies geschieht im sog. Anlagespiegel bzw. Anlagengitter. Ausgehend von den ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Anlagegüter werden zunächst Zu- und Abgänge erfasst; hierauf folgen Umbuchungen, mit deren Hilfe Positionsveränderungen innerhalb des Anlagengitters berücksichtigt werden. Anschließend kommen die Zuschreibungen des Geschäftsjahres und die Abschreibungen in ihrer gesamten Höhe, d. h. die kumulierten Abschreibungen, zum Ausweis. Als Ergebnis leitet sich durch horizontale Addition der Buchwert der Periode ab, der um die Angaben des Vorjahres zu erweitern ist. Darüber hinaus müssen die Abschreibungen des Geschäftsjahres entweder in der Bilanz bei der betreffenden Position oder gesondert im Anhang ausgewiesen werden (§ 268 Abs. 2 Satz 3 HGB). Damit ergibt sich folgendes Schema für die Gliederung des Anlagespiegels:

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.