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13.1 Die Behandlung von Wertdifferenzen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 478 - 480

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_478

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 458 Status: Imprimatur 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht Der zum Ende einer Geschäftsperiode zu erstellende Jahresabschluss ist aus dem Kontenabschluss der Buchführung durch Saldenbildung zu entwickeln. Bestands-, Erfolgs- und gemischte Konten übertragen ihre aus Aufrechnung der Kontenseiten resultierenden Salden auf das Schlussbilanz- bzw. Gewinn- und Verlustkonto und erfüllen damit die Aufgaben des Jahresabschlusses bezüglich der Vermögens- und Schuldenbestandsaufzeichnung zum Bilanzstichtag sowie dem Erfolgsausweis für die Abrechnungsperiode. Bevor jedoch die dem Kontenformalismus entsprechende Zusammenfassung der Einzelkonten zum Jahresabschluss erfolgen kann, sind Vorarbeiten zu leisten, die sowohl während des Geschäftsjahres nicht gebuchte als auch im Sinne der periodengerechten Gewinnermittlung nicht richtig gebuchte Leistungs- und Zahlungsvorgänge betreffen. Charakteristisch für diese den vorbereitenden Abschluss ausmachenden Buchungen ist ihr unternehmensinterner Bezug. Gegenstand des vorbereitenden Abschlusses ist die Berücksichtigung folgender Einzeltatbestände: • Ermittlung der Endbestände bei Bestands- und gemischten Konten durch Inventur und buchmäßige Erfassung von gegenüber den Buchbeständen auftretenden Mengen- und Wertdifferenzen. Wertminderungen, die sich als wertmäßige Abweichungen zwischen Kontenausweis und Stichtagsansatz aus technischen (Gebrauch), wirtschaftlichen (technischer Fortschritt, Wiederbeschaffungspreissenkungen) oder monetären (Beurteilung der Zahlungsfähigkeit) Gründen niederschlagen, sind durch Abschreibungen zu erfassen (Anlagen-, Vorrats-, Forderungsabschreibung). Werterhöhungen können unter Umständen zu Zuschreibungen führen; • Abgrenzung der einer Periode zugehörigen Leistungs- und Zahlungsvorgänge bei Vorliegen zeitlicher Diskrepanzen zwischen Zahlungsvorgang und Erfolgswirksamkeit durch Rechnungsabgrenzungsposten (erfolgsberichtigende Abgrenzung); • Abgrenzung zwischen leistungs-(betriebs-)bedingten und unternehmensbezogenen Vorgängen zum Zwecke eines differenzierten Ergebnisausweises (kalkulatorische Abgrenzung); • Antizipation künftiger Inanspruchnahmen durch Rückstellungen für Aufwendungen und/oder aufgrund von Verpflichtungen gegenüber Dritten. Rückstellungen stellen am Bilanzstichtag hinsichtlich Fälligkeit und/oder Betragsumfang nicht exakt bestimmbaren Aufwand dar, dessen wirtschaftliche Ursache jedoch in der laufenden Abrechnungsperiode (oder in früheren Perioden) liegt; 13.1 Die Behandlung von Wertdifferenzen 459 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 459 Status: Imprimatur • Ertragsteuerabgrenzung (Latente Steuern) bei vom Handelsbilanzgewinn abweichendem Steuerbilanzgewinn; • Korrektur von Erfolgskonten zur Abgrenzung von Betriebs- und Privatsphäre. Zu den vorbereitenden Abschlussbuchungen kann auch die Saldenübertragung von im Verlaufe der Geschäftsperiode auf besonderen Warenvorkonten gebuchten Warenpreiskorrekturen (Frachten, Rabatte, Skonti, Boni) auf das zuständige Warenkonto gerechnet werden. Ebenso ist dann auch der beim Nettoabschluss der Warenkonten erforderliche Übertrag des Wareneinsatzes als eine den Abschluss vorbereitende Buchung zu werten. 13.1 Die Behandlung von Wertdifferenzen Es ist Aufgabe der Inventur, mengen- und wertmäßige Differenzen zwischen durch körperliche Bestandsaufnahme festgestellten, tatsächlichen Beständen und den aus den Anlage- und Lagerkarteien oder sonstigen Buchführungsunterlagen entnommenen, buchmäßigen Endbeständen zum Bilanzstichtag aufzudecken (vgl. Teil A, Kap. 2, S. 42 ff.). Es entspricht den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung, nicht aufzuklärende Differenzbeträge beim Jahresabschluss auszubuchen. Das gilt uneingeschränkt für unbedeutende, nicht ins Gewicht fallende Differenzen, so z. B. bei kleineren Kassenfehlbeträgen oder bei geringfügigen Unstimmigkeiten zwischen Personenkontensaldenliste (Kontokorrentauszug) und Kreditoren- bzw. Debitorensachkonto (Geschäftsfreundekonten). In diesen Fällen erfolgt die Ausbuchung der Abweichung über ein Erfolgskonto entweder durch Lastschrift (sonstiger betrieblicher Aufwand, eingetretene Wagnisse) oder durch Gutschrift (sonstiger betrieblicher Ertrag), wodurch sich der Gewinn durch diese Ausgleichsbuchungen entsprechend erniedrigt oder erhöht. Allerdings muss durch Kollationierung sichergestellt sein, dass es sich nur um kleine Differenzen und nicht etwa um den Rest einer größeren Differenzenkette oder um zusammenhängende, größere Unstimmigkeiten handelt, die sich möglicherweise gegenseitig wieder aufheben. Führt die Inventur dagegen zu größeren Differenzbeträgen, dann ist zumindest aus steuerlicher Sicht eine andere Beurteilung angezeigt: Eine erfolgswirksame Ausbuchung kommt nur dann in Betracht, wenn diese zugleich den steuerrechtlichen Grundsätzen für eine ergänzende Ergebnisschätzung entspricht (BFH v. 13. 10. 1976, BStBl. II 1977, S. 260 f.). Im bezeichneten, inzwischen allerdings deutlich zurückliegenden Urteil des BFH kam dieser für den zu beurteilenden Einzelfall zum Ergebnis, dass eine zum Jahresabschluss anfallende Kreditorenberichtigung in Höhe von 2.373,45 DM (= 1.213,53 €) nicht als geringfügig anzusehen ist und folglich auch nicht mit gewinnmindernder Wirkung über das Aufwands- oder Wareneinkaufskonto vorgenommen werden kann. Anzuwenden sind dann vielmehr die für eine schätzungsweise Berichtigung des 13 Vorbereitender Abschluss und Abschlussübersicht460 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.11 Seite 460 Status: Imprimatur Ergebnisses maßgeblichen steuerrechtlichen Grundsätze (§ 162 Abs. 1 AO; R 5.2 Abs. 2 EStR; vgl. Teil A, Abschn. 1.3, S. 38 ff.). Da die ergänzende Teilschätzung alle Umstände zu berücksichtigen hat, die für die Schätzung von Bedeutung sind, kommt es für die Behandlung des Differenzbetrages wesentlich auf die Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Hergangs, also auf den der Wirklichkeit am nächsten kommenden Sachverhalt, an. Die schätzungsweise Berichtigung kann sich deshalb sowohl zugunsten wie zuungunsten des Steuerpflichtigen auswirken. Damit hängt es nicht zuletzt vom Gesamtzustand einer Buchführung selbst ab, ob aus dem Inventurergebnis angezeigte und ins Gewicht fallende Differenzbeträge zum Bilanzstichtag erfolgswirksame oder erfolgsneutrale Buchungskorrekturen auslösen. 13.2 Die Verbuchung der Abschreibungen Wertmäßige Differenzen zwischen Buchbestands- und Inventurwerten am Bilanzstichtag aus technischen (Gebrauch), wirtschaftlichen (technischer Fortschritt, Wiederbeschaffungspreissenkungen) oder monetären (Beurteilung der Zahlungsfähigkeit) Gründen sind durch Abschreibungen zu erfassen; diese sind zum Jahresabschluss vor allem beim Anlage- und Vorratsvermögen sowie bei den Forderungen vorzunehmen. Dies schließt auch einen im Rahmen eines Erwerbsvorganges entstandenen derivativen Geschäfts- oder Firmenwert ein, der nach § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand zu betrachten ist. Damit unterliegt er einer planmäßigen Abschreibung gemäß § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB, wobei eine 5 Jahre übersteigende Nutzungsdauer im Anhang zu rechtfertigen ist (§ 285 Nr. 13 HGB). Darüber hinaus ist grundsätzlich ein außerplanmäßiger Abschreibungsbedarf nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB zu prüfen. Steuerlich erfolgt die planmäßige Abschreibung des Geschäfts- oder Firmenwertes über einen Zeitraum von 15 Jahren (§ 7 Abs. 1 Satz 3 EStG). 13.2.1 Abschreibungen auf Anlagen Zu den Anlagen eines Betriebes gehören Vermögensgegenstände dann, wenn sie am Abschlussstichtag dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen und ihre Nutzungsdauer damit bestimmungsgemäß über eine Abrechnungsperiode hinausreicht (§ 247 Abs. 2 HGB). Hierzu gehören sowohl der Abnutzung grundsätzlich nicht unterworfene (Grund und Boden, Finanzanlagen) als auch abnutzbare Wirtschaftsgüter (Gebäude, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Fahrzeuge, Patente, Konzessionen). Abnutzbare Anlagegüter unterliegen der zeitlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwertung und sind deshalb durch regelmäßige, jährliche, planmäßige Abschreibungen zu mindern (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB); diese Abschreibungen sind auch in Verlustjahren zwingend vorzunehmen. Darüber hinaus können bzw. müssen Werteinflussfaktoren auch durch außerplanmäßige Abschreibungen sowohl bei den abnutzbaren als auch

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.