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12.2 Abschreibung von Anlagen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 454 - 470

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_454

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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12 Anlagenwirtschaft434 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 434 Status: Imprimatur Verkauf unter Buchwert: 24 696 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens an 07 Technische Anlagen und Maschinen Verkauf über Buchwert: 24 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an 07 546 Technische Anlagen und Maschinen Erträge aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens 12.2 Abschreibung von Anlagen Abnutzbare Anlagegüter unterliegen der zeitlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwertung und sind deshalb durch regelmäßige, jährliche, planmäßige Abschreibungen zu mindern (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB). Darüber hinaus können bzw. müssen Werteinflussfaktoren auch durch außerplanmäßige Abschreibungen sowohl bei den abnutzbaren als auch bei den nicht abnutzbaren Anlagegütern berücksichtigt werden (§ 253 Abs. 3 Satz 3 und 4 HGB). Eine an der tatsächlichen Nutzungsabgabe orientierte Verteilung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten auf die einzelnen Perioden der Anlagennutzung kommt dabei im Allgemeinen wegen der sich ergebenden Zurechnungs- und Wertfindungsprobleme, aber auch aus damit zusammenhängenden Wirtschaftlichkeitserwägungen meist nicht in Betracht. Im Handels- und Steuerrecht kommen daher normierte Abschreibungsverfahren zur Anwendung, die die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten planmäßig auf die Perioden der Nutzungsdauer verteilen. Der zentralen Bedeutung wegen, die den Abschreibungen im Hinblick auf eine „richtige“ Aufwandsverrechnung innerhalb der Finanzbuchführung zukommt, werden im Folgenden Ursachen, Arten und Verfahren der Abschreibung in den wesentlichen Grundzügen dargestellt. Hinsichtlich der buchungsmäßigen Behandlung der Abschreibungen wird auf die entsprechenden Ausführungen in Teil A, Abschn. 13.2.1, S. 460 ff. verwiesen. 12.2.1 Abschreibungsursachen Das Problem der Abschreibung stellt sich insbesondere bei den abnutzbaren Anlagegütern, die nicht innerhalb einer Periode verbraucht und entsprechend als Aufwand verrechnet werden, sondern die über einen längeren Zeitraum (Nutzungsdauer) hinweg zur Durchführung der Produktion zur Verfügung stehen und so allmählich das in ihnen vorhandene Nutzungspotenzial abgeben. 12.2 Abschreibung von Anlagen 435 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 435 Status: Imprimatur Ein Periodenergebnis lässt sich daher nur ermitteln, wenn die Wertminderung der abnutzbaren Anlagegüter periodenweise festgestellt und als Aufwand verrechnet wird. Dabei sind folgende Ursachen der Wertminderung von Anlagegütern zu unterscheiden: (1) Verbrauchsbedingte (technische) Abschreibung durch Gebrauch im Produktionsprozess, natürlichen Verschleiß durch äußere Einflüsse und Katastrophenverschleiß, also durch eine mengenmäßige Verringerung des in einem Wirtschaftsgut enthaltenen Nutzungspotenzials. (2) Wirtschaftlich bedingte Abschreibung durch technischen Fortschritt, Nachfrageverschiebungen, als Folge einer Fehlinvestition, durch Sinken der Wiederbeschaffungskosten bzw. der Absatzpreise, also durch eine Minderung des wirtschaftlichen Wertes des Nutzungspotenzials, den ein Wirtschaftsgut repräsentiert. (3) Zeitlich bedingte Abschreibung, die eine volle Nutzung eines vorhandenen Nutzungspotenzials unmöglich macht, weil z. B. Mietverträge oder Konzessionen ablaufen. 12.2.2 Abschreibungsarten Nach dem jeweils zugrunde liegenden Unterscheidungsmerkmal lassen sich verschiedene Abschreibungsarten klassifizieren. Neben der Unterscheidung von bilanzieller und kalkulatorischer Abschreibung (vgl. Teil B, Abschn. 3.1.2.5.1, S. 813 ff.) sowie direkter und indirekter Abschreibung (vgl. Teil A, Abschn. 13.2.1, S. 460 ff.) wird hier insbesondere auf die Einteilung in planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen abgehoben. Einen Überblick über die verschiedenen Abschreibungsarten und die im Handelsund Steuerrecht vorgesehenen Abschreibungsmöglichkeiten gibt die Übersicht auf der folgenden Seite. Die planmäßigen Abschreibungen nach § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB finden im Steuerrecht ihr Äquivalent in den Absetzungen für Abnutzung (AfA) nach § 7 Abs. 1 Satz 1–4 EStG sowie in den Absetzungen für Substanzverringerung (AfS) nach § 7 Abs. 6 EStG. Der Begriff der planmäßigen Abschreibung stellt auf die Verwendung eines Abschreibungsplans ab, der die Anschaffungs- oder Herstellungskosten nach einer den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechenden Abschreibungsmethode auf die Geschäftsjahre verteilt, in denen der Gegenstand voraussichtlich genutzt werden kann (§ 253 Abs. 3 Satz 2 HGB). Der Abschreibungsplan muss damit Angaben enthalten über – die zu verteilenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten, – einen nach Außerbetriebsetzung evtl. noch erzielbaren Restverkaufserlös, – die voraussichtliche Nutzungsdauer des Gegenstandes und – die gewählte Abschreibungsmethode. Die Bedeutung des Abschreibungsplanes und der daraus zu entnehmenden Abschreibungsbeträge ergibt sich daraus, dass die periodischen Abschreibungen 12 Anlagenwirtschaft436 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 436 Status: Imprimatur einen wesentlichen Teil des Gesamtaufwandes einer Periode ausmachen und durch eine zu hohe oder zu niedrige Abschreibungsverrechnung die Höhe des Periodenerfolgs entscheidend beeinflusst werden kann. Um derartige Manipulationen weitgehend auszuschalten, wurden vor allem für steuerliche Zwecke Vorschriften erlassen, die die voraussichtliche Nutzungsdauer eines Anlagegegenstandes festlegen und über die Zulässigkeit verschiedener Abschreibungsverfahren befinden. Für die in der Steuerbilanz zulässige Nutzungsdauer hat die Finanzverwaltung Tabellenwerke (sog. AfA-Tabellen) entwickelt, in denen die „betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von Anlagegütern“ aufgrund von Erfahrungswerten und Schätzungen festgelegt ist. Eine Abweichung von der in den AfA-Tabellen vorgesehenen Nutzungsdauer ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich (z. B. beim Zwei-Schicht-Betrieb). Unterscheidungsmerkmal Abschreibungsart Verwendung in Geschäfts- oder Betriebsbuchführung – bilanzielle Abschreibung – kalkulatorische Abschreibung Buchungstechnik – direkte Abschreibung – indirekte Abschreibung Art des Werteverbrauchs Handelsrecht Steuerrecht – planmäßige Abschreibung § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB – außerplanmäßige Abschreibung § 253 Abs. 3 Satz 3 und 4 HGB – Absetzung für Abnutzung (AfA); § 7 Abs. 1 Satz 1–4 EStG – Absetzung für Substanzverringerung (AfS); § 7 Abs. 6 EStG – Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA); § 7 Abs. 1 Satz 7 EStG – Teilwertabschreibung; § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 EStG – Sonderabschreibungen • Sonderabschreibungen im engeren Sinne z. B. § 7g EStG und § 82 f. EStDV • erhöhte Absetzungen z. B. §§ 7c, 7d, 7h, 7i und 7k EStG Abschreibungsarten Treten Wertminderungen auf, die (beispielsweise bei Aufstellung des Abschreibungsplans) nicht vorhersehbar waren, wie z. B. infolge technischen Fortschritts oder eines Nachfragerückgangs, besteht, unabhängig davon, ob die Nutzung zeitlich begrenzt ist oder nicht, die Möglichkeit, außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen. Die Vornahme einer außerplanmäßigen Abschreibung ist gemäß § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB zwingend, sofern die Wertminderung von Dauer ist. Das vormalige umfassende Wahlrecht von Nicht-Kapitalgesellschaften zur 12.2 Abschreibung von Anlagen 437 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 437 Status: Imprimatur außerplanmäßigen Abschreibung bei nur vorübergehender Wertminderung wurde im Zuge des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes gestrichen. Nur für Gegenstände des Finanzanlagevermögens bestand (für alle Rechtsformen) und besteht gem. § 253 Abs. 3 Satz 4 HGB weiterhin auch bei einer nur vorübergehenden Wertminderung das Wahlrecht, eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen. Nach Durchführung einer außerplanmäßigen Abschreibung ist ein neuer Abschreibungsplan aufzustellen, der den Buchwert nach Vornahme der außerplanmäßigen Abschreibung auf die verbleibende Nutzungsdauer verteilt. Außerplanmäßige Abschreibungen finden im Steuerrecht Berücksichtigung in den Absetzungen für außergewöhnliche technische und wirtschaftliche Abnutzung (AfaA; § 7 Abs. 1 Satz 7 EStG) und in den sog. Teilwertabschreibungen (§ 6 Abs. 1 EStG). Teilwertabschreibungen können nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG dann vorgenommen werden, wenn der Teilwert aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger ist als der Buchwert nach Vornahme der planmäßigen Absetzungen für Abnutzung. Dabei geht die Finanzverwaltung davon aus, dass das steuerliche Wahlrecht des § 6 Abs. 1 EStG aufgrund des § 5 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 EStG unabhängig vom Handelsrecht ausgeübt werden kann (vgl. BMF-Schreiben v. 12. 3. 2010, BStBl. I 2010, S. 240). Damit wäre eine außerplanmäßige Abschreibung in der Handelsbilanz nicht zwingend durch eine Teilwertabschreibung in der Steuerbilanz nachzuvollziehen (diese Sichtweise ist allerdings umstritten; vgl. ebenso Herzig/Briesemeister, Maßgeblichkeit, S. 929 f., dieselben, Wahlrechtsvorbehalt, S. 918 f., Förschle/Usinger, Bilanzkommentar, § 243 HGB, Rn. 112; a. A. Anzinger/Schleiter, Maßgeblichkeitsgrundsatz, S. 398, Fischer/Kalina-Kerschbaum, Maßgeblichkeit, S. 400; vgl. auch zur Maßgeblichkeit Teil A, Abschn. 1.2.2.1, S. 27 f.). Nimmt der Steuerpflichtige allerdings in einem Wirtschaftsjahr eine Teilwertabschreibung vor und verzichtet in einem darauf folgenden Jahr auf den Nachweis der dauernden Wertminderung, ist zu prüfen, ob eine willkürliche Gestaltung vorliegt. Handelsrechtlich wird bei zeitlich begrenzt nutzbaren Vermögensgegenständen üblicherweise von einer dauernden Wertminderung ausgegangen, wenn der Stichtagswert voraussichtlich für mindestens die halbe Restnutzungsdauer oder die nächsten fünf Jahre unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt (vgl. Kozikowski/Roscher/Schramm, Bilanzkommentar, § 253 HGB, Rn. 315, Brösel/Olbrich, § 253 HGB, Rn. 600). Im Hinblick auf das steuerliche Wahlrecht zur Teilwertabschreibung nach § 6 Abs. 1 EStG ist nach dem BMF-Schreiben v. 25. 2. 2000 (BStBl. I 2000, S. 372) analog von einer voraussichtlich dauernden Wertminderung auszugehen, wenn der Wert des jeweiligen Wirtschaftsguts zum Bilanzstichtag mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt. Bei Vermögensgegenständen, deren Nutzung zeitlich nicht begrenzt ist, sind strengere Maßstäbe an die außerplanmäßige Abschreibung zu legen, da sich hier kein Ausgleich durch die Verrechnung planmäßiger Abschreibungen ergibt (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, § 253 HGB, Rn. 478). Der Betrachtungszeitraum sollte eher kurz bemessen werden; dies gilt auch bei begrenzt nutzbaren Vermögensgegenständen mit einer Restlaufzeit von mehr als zehn Jahren, bei denen die Dauerhaftigkeitsprüfung auf einen Zeitraum von maximal fünf Jahren ausgerichtet sein sollte (vgl. Brösel/Olbrich, § 253 HGB, Rn. 602). In Zweifelsfällen sollte stets von einer dauerhaften Wertmin- 12 Anlagenwirtschaft438 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 438 Status: Imprimatur derung ausgegangen werden (vgl. Kozikowski/Roscher/Schramm, Bilanzkommentar, § 253 HGB, Rn. 316). Steuerlich sollte bei der Beurteilung, ob die Gründe für eine niedrigere Bewertung voraussichtlich anhalten werden, auch eine übliche Bandbreite für Wertschwankungen beachtet werden (vgl. zur Frage der Dauerhaftigkeit BMF vom 25. 2. 2000, BStBl. I 2000, S. 373; allerdings zur Rolle von Wertschwankungen im Rahmen einer noch üblichen Bandbreite vgl. BMF vom 26. 3. 2009, BStBl. I 2009, S. 514 – vgl. hierzu auch Teil A, Abschn. 7.1.5, S. 216 –; zur Anwendbarkeit dieser Grundsätze bei Grundstücken vgl. BMF vom 11. 5. 2010, BStBl. I 2010, S. 4 (Rn. 10)). Darüber hinaus sind steuerlich Sonderabschreibungen möglich, welche aufgrund der Abschaffung des umgekehrten Maßgeblichkeitsprinzips durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz keine Rückwirkung auf die Handelsbilanz (mehr) entfalten. Wurde das Wahlrecht zur Vornahme einer Sonderabschreibung durch den Steuerpflichtigen ausgeübt, so legt das BMF-Schreiben vom 11. 2. 2009 nach dem BFH-Urteil vom 4. 6. 2008 (BStBl. II 2009, S. 187) fest, dass dieser verminderte Wertansatz als Wertobergrenze i. S. d. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG unbeschadet einer handelsrechtlichen Zuschreibung steuerlich fortzuführen ist. Dadurch sind die Einkommensteuerrichtlinien R 6.5 Abs. 2 S. 5 EStR (Zuschüsse für Anlagegüter), R 6.6 Abs. 3 Satz 4 EStR (Übertragung stiller Reserven bei Ersatzbeschaffung) und R 6 b.2 Abs. 1 Satz 2 EStR (Übertragung stiller Reserven), die eine entsprechende Zuschreibung in bestimmten Fällen in der steuerlichen Gewinnermittlung fordern, überholt. Auf die Bildung und Beibehaltung von Rücklagen hat dies jedoch keine Auswirkung, da die Bewertungsobergrenze des § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG hier nicht anzuwenden ist (vgl. BMF-Schreiben v. 11. 2. 2009, BStBl. I 2009, S. 397). Bei Sachanlagen hält der Hauptfachausschuss des IDW die separate planmäßige Abschreibung von wesentlichen Komponenten eines Vermögensgegenstandes, welche sich in ihren Nutzungsdauern unterscheiden, für handelsrechtlich zulässig (vgl. HFA, Komponentenweise planmäßige Abschreibung, S. 362 f.; befürwortend Hommel/Rößler, Komponentenansatz, S. 2529; Husemann, Komponenten, S. 512 ff.; a. A. Hüttche, Modernisierte Bilanzpolitik, S. 1350; Haaker, Komponentenansatz, S. 240). Damit sieht er ein handelsrechtliches Wahlrecht zur Anwendung des so genannten Komponentenansatzes (vgl. Hoffmann/Lüdenbach, Kommentar Bilanzierung, S. 546 f.) als gegeben an, welcher in den IFRS den Objektbezug planmäßiger Abschreibungen von Sachanlagen nach IAS 16.43 festlegt. Nach Ansicht des HFA führe die komponentenweise Abschreibung zu einer verursachungsgerechteren Periodisierung des Aufwandes. Der gesamte Betrag planmäßiger Abschreibungen für den Vermögensgegenstand ergibt sich dann als Summe der auf seine einzelnen Komponenten entfallenden planmä- ßigen Periodenabschreibungen. Den separaten Abgängen durch planmäßige Abschreibungen entspricht die Interpretation deren Ersatzes als zu aktivierende nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Bei der Feststellung einer voraussichtlich dauernden Wertminderung für Zwecke einer außerplanmäßigen Abschreibung ist allerdings auf den Vermögensgegenstand als Ganzes abzustellen (vgl. Teil A, Abschn. 12.3.2, S. 451 ff.). Der vom HFA vorgeschlagene Komponentenansatz unterscheidet sich von demjenigen nach IAS 16 (vgl. Teil A, 12.2 Abschreibung von Anlagen 439 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 439 Status: Imprimatur Abschn. 12.3.2, S. 454) insbesondere dadurch, dass die Komponenten physisch separierbar sein müssen; die getrennte Abschreibung von Großreparaturen o. Ä. soll danach nicht möglich sein. Die (wahlweise) Komponentenabschreibung weist im Rahmen des deutschen Bilanzrechts allerdings auch kritisch zu sehende Aspekte auf (bspw. hinsichtlich der Abgrenzung von Erhaltungs- und Herstellungsaufwand; vgl. hierzu ausführlich Herzig/Briesemeister/Joisten/Vossel, Component approach). 12.2.3 Abschreibungsverfahren Der Abschreibungsbetrag ergibt sich unabhängig vom zugrunde liegenden Verfahren durch Anwendung eines bestimmten Abschreibungssatzes auf die jeweilige Bemessungsgrundlage. Je nach Art und Höhe des Abschreibungssatzes ergeben sich verschiedene zeitliche Verläufe der Abschreibung, nach denen sich lineare, degressive, progressive sowie leistungsabhängige Abschreibungsverfahren unterscheiden lassen. Zum gesamten Abschreibungspotential gehören neben dem Anschaffungspreis abzüglich Anschaffungspreisminderungen auch die Anschaffungsnebenkosten wie Transport-, Verpackungs- und Montagekosten sowie andere bis zum Einsatz des Wirtschaftsguts anfallende Ausgaben, nicht jedoch die Umsatzsteuer (Ausnahme: Ein Vorsteuerbetrag, der nach § 15 UStG nicht abziehbar ist, gehört zu den abschreibungsfähigen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten; R 9b Abs. 1 EStR). Sofern nachträgliche Anschaffungskosten anfallen, sind diese ebenfalls dem jeweiligen Abschreibungspotential hinzuzurechnen. Andererseits bewirkt beispielsweise bei Schiffen der Schrottwert und bei Milchkühen der Schlachtwert eine Reduzierung des jeweiligen Abschreibungspotentials (7.3 EStH). Bei zwischenperiodischem Zugang und Abgang abnutzbarer Anlagegegenstände sind im Jahr des Zugangs nur die planmäßigen Abschreibungen zu verrechnen, die auf den Zeitraum zwischen Anschaffungs- oder Herstellungszeitpunkt und dem Bilanzstichtag entfallen. Handelsrechtlich allerdings kann bei beweglichen Anlagegütern die sog. Halbjahresregel zur Vereinfachung angewendet werden, wonach die Abschreibung bei Zugängen im 1. Halbjahr für das gesamte Jahr und bei Zugängen im 2. Halbjahr für ein halbes Jahr vorgenommen wird (vgl. Kozikowski/Roscher/Schramm, Bilanzkommentar, § 253, Rn. 276). Steuerlich ist dies nicht möglich; vielmehr ist die Absetzung für Abnutzung gemäß § 7 Abs. 1 Satz 4 EStG monatsbezogen vorzunehmen, wobei auf volle Monate aufgerundet werden kann. Einen Überblick über die nachfolgend beschriebenen Abschreibungsarten mit deren jeweiligen rechtlichen Grundlagen und formalen Ermittlungsmethoden bietet die Tabelle auf Seite 440 f. 12.2.3.1 Lineare Abschreibung Beim Verfahren der linearen Abschreibung werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten gleichmäßig über die Nutzungsdauer als Aufwand verteilt (Abschreibung in gleich bleibenden Jahresbeträgen). Der jährliche Abschrei- 12 A n lag en w irtsch aft 440 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 440 Statu s: Im prim atu r Abschreibungsverfahren Ermittlung analog der geometrisch-degressiven Methode. Der Abschreibungsverlauf wird nur umgedreht. Ermittlung analog der arithmetisch-degressiven Methode. Der Abschreibungsverlauf wird nur umgedreht. Abschreibungsbetrag Abschreibungsbetrag Degressionsbetrag Anschaffungsbzw. Herstellungskosten Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten Nach Leistung und Inanspruchnahme variabel progressivdegressiv Zeitabhängige Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten Der Abschreibungssatz qit wird festgesetzt bzw. bei der Gebäude- AfA ist der Abschreibungssatz in § 7 Abs. 5 EStG vorgegeben. Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten in arithmetischer Reihe fallend arithmetisch-degressiv digitalarithm.-degr. in Staffeln (zeitlichen Abschnitten) fallend gleich bleibend linear Abschreibungsbasis in fallenden Staffelsätzen in geometrischer Reihe fallend geometrischdegressiv Restbuchwert at = (Ro – Rn) qit, i = 1, …, zi t = 1, …, n. a1 = n · D at = at–1 – D t = 2, …, n. oder: at = (Ro – Rn) qi, t = 1, …, n. at = q · Rt–1 Abschreibungssatz in % Restbuchwert in arithmetischer Reihe steigend in geometrischer Reihe steigend arithmetischprogressiv geometrisch-progressiv at = (Ro – Rn) t = 1, …, n. Lt Lt n t = 1 ∑at = Ro – Rn n q = q = 100 1 –( (· · 100Ro – RnRo RnRon1n qt = t = 1, …, n. wenn Rn = 0 · 100 bt n (n +1) 2 D = – n Rn – Ro + a1 · n n (n +1) 2 D = D = an n (n +1) 2 at = at–1 – D, t = 2, …, n. a1 = + Ro – Rn n · D (n – 1) 2 Ro – Rn 12.2 A b sch reib u n g vo n A n lag en 441 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 441 Statu s: Im prim atu r Übersicht der Abschreibungsverfahren Abkürzungen: at = Abschreibungsbetrag im Jahr t bt = Verbleibende Nutzungsdauer vom Jahresanfang gerechnet Bw = Buchwert D = Degressionsbetrag i = Staffelindex Lt = Leistung bzw. Inanspruchnahme im Jahr t n = Nutzungsdauer in Jahren q = Abschreibungssatz Ro = Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten Rt–1 = Restbuchwert vom letzten Periodenende Rn = Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer bzw. Schrottwert t = Periodenindex z = Anzahl der Staffeln Abschreibungsverfahren Im Einkommensteuergesetz wird die progressive Abschreibung nicht erwähnt. Sie ist nur möglich, wenn der Verlauf der Leistung entspricht. § 7 Abs. 5 EStG Sonderregelung für Absetzungen bei Gebäuden. Bedingung: Bauherr oder Erwerb im Jahr der Fertigstellung. Seit 1. 1. 1985 nicht mehr zulässig. Zulässigkeit 1. Steuerrecht 2. Handelsrecht Graphische Darstellung des Abschreibungsverlaufs Nach Leistung und Inanspruchnahme § 7 Abs. 1 Satz 6 EStG Zulässig nur für bewegliche abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Bedingungen: 1. Das Verfahren muss wirtschaftlich begründet sein. 2. Der Umfang der Leistung muss nachgewiesen werden. progressivdegressiv Zeitabhängige Abschreibungsverfahren sind zulässig, sofern sie den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entsprechen. arithmetisch-degressivlinear in fallenden Staffelsätzen geometrischdegressiv arithmetischprogressiv geometrisch-progressiv § 7 Abs. 1 EStG Zulässig für alle abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. § 7 Abs. 2 EStG Zulässig nur für bewegliche abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Bedingungen: Für im Zeitraum vom 1.1.2001 bis 31.12.2005 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: Für im Zeitraum vom 1.1.2006 bis 31.12.2007 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: Für im Zeitraum vom 1.1.2009 bis 31.12.2010 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: Für nach dem 31.12.2010 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter nicht mehr zulässig. q ≤ { 200%n 20% für n ≤ 10 für n > 10 q ≤ { 300%n 30% für n ≤ 10 für n > 10 q ≤ { 250%n 25% für n ≤ 10 für n > 10 12 Anlagenwirtschaft442 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 442 Status: Imprimatur bungsbetrag wird durch Division der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten durch die Jahre der voraussichtlichen Nutzung ermittelt. Beispiel: Anschaffungskosten 70.000, Nutzungsdauer 7 Jahre Abschreibungsbetrag = 70.000 7 = 10.000 Periodenende Abschreibungsbetrag Restbuchwert 1 2 3 4 5 6 7 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 00.000 Die durch die lineare Abschreibung bewirkte gleichmäßige Aufwandsbelastung der einzelnen Perioden der Nutzungsdauer setzt voraus, dass die Gebrauchsfähigkeit einer Anlage bis zum Ende der Nutzungsdauer in etwa gleich bleibt und die Anlage dann aus dem Betrieb ausscheidet. Besonders in den ersten Perioden der Nutzungsdauer auftretende wirtschaftliche Risiken, die vor allem eine starke Verminderung des Marktpreises einer Anlage bewirken können, vermag das Verfahren der linearen Abschreibung nicht zu berücksichtigen. Das Verfahren ist handels- und steuerrechtlich zulässig und als Normalfall der Abschreibung zu betrachten. 12.2.3.2 Degressive Abschreibung Das Verfahren der degressiven Abschreibung (Abschreibung in fallenden Jahresbeträgen) tritt in drei Ausprägungen auf: – geometrisch-degressive Abschreibung – arithmetisch-degressive Abschreibung – Abschreibung in fallenden Staffelsätzen Allen drei Verfahren ist gemeinsam, dass sie in den ersten Nutzungsjahren eines Anlagegegenstandes höhere Aufwandsbeträge verrechnen als in späteren Jahren. Damit entspricht die degressive Abschreibung der Erkenntnis, dass wirtschaftliche Risiken vor allem in den ersten Jahren zu einer höheren Wertminderung von Anlagen führen. Ebenso kann man die degressive Abschreibung durch die Überlegung rechtfertigen, dass zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit einer Anlage mit fortschreitender Nutzungsdauer steigende Reparaturaufwendungen notwendig werden, die zusammen mit dem degressiven Abschreibungsaufwand den Gesamtaufwand gleichmäßig auf alle Perioden der Nutzungsdauer verteilen. (1)  Bei der geometrisch-degressiven Abschreibung wird der jährliche Abschreibungsbetrag durch die Anwendung eines festen Prozentsatzes (des Abschreibungsprozentsatzes) auf den jeweiligen Restbuchwert vom Ende des 12.2 Abschreibung von Anlagen 443 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 443 Status: Imprimatur vergangenen Jahres errechnet. Sie wird daher auch als Restwert- oder Buchwertabschreibung bezeichnet. Sofern der Restbuchwert (Rn) am Ende der Nutzungsdauer (n) bekannt ist, lässt sich der Abschreibungsprozentsatz (q) nach folgender Formel ermitteln:   ⎯⎯ q = 100 ( 1 – n√ RnRo ) Ro = Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten Die geometrisch-degressive Abschreibung ist handelsrechtlich zulässig, soweit nicht gegen die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung verstoßen wird. Steuerrechtlich wurde dieses häufig konjunkturpolitisch genutzte Verfahren, das nur für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anwendbar war, für ab dem 1. 1. 2008 neu angeschaffte oder hergestellte Güter abgeschafft (Unternehmensteuerreformgesetz 2008 vom 14. 8. 2007, BGBl. I 2007, S. 1912). Durch das „Gesetz zur Umsetzung steuerrechtlicher Regelungen des Maßnahmenpakets ,Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung‘“ vom 21. 2. 2008 (BGBl. I 2008, S. 2896 ff.) wurde allerdings wieder eine begrenzte Anwendung der degressiven Abschreibungsmethode für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31. 12. 2008 und vor dem 1. 1. 2011 angeschafft oder hergestellt worden sind, ermöglicht. Gemäß §§ 7 Abs. 2, 52 Abs. 21a EStG ergeben sich daraus für nach dem 1. 1. 2001 angeschaffte oder hergestellte Altbestände jeweils die folgenden Abschreibungssätze nach der degressiven Methode: Für im Zeitraum vom 1. 1. 2001 bis 31. 12. 2005 (bzw. vor dem 1. 1. 2008 mit Ausnahme des nachfolgend beschriebenen Zeitraums) angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter gilt: 1. Der Abschreibungsprozentsatz darf das Zweifache des bei linearer Abschreibung in Betracht kommenden Satzes (laut AfA-Tabelle) nicht übersteigen. 2. Unabhängig von 1. darf der Abschreibungsprozentsatz nicht mehr als 20 % betragen. Für im Zeitraum vom 1. 1. 2006 bis 31. 12. 2007 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter gilt folgende Sonderregelung: 1. Der Abschreibungsprozentsatz darf das Dreifache des bei linearer Abschreibung in Betracht kommenden Satzes (laut AfA-Tabelle) nicht übersteigen. 2. Unabhängig von 1. darf der Abschreibungsprozentsatz nicht mehr als 30 % betragen. Für im Zeitraum vom 1. 1. 2009 bis 31. 12. 2010 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter gilt: 1. Der Abschreibungsprozentsatz darf das Zweieinhalbfache des bei linearer Abschreibung in Betracht kommenden Satzes (laut AfA-Tabelle) nicht übersteigen. 2. Unabhängig von 1. darf der Abschreibungsprozentsatz nicht mehr als 25 % betragen. 12 Anlagenwirtschaft444 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 444 Status: Imprimatur Bei formaler Darstellung ergeben sich für den steuerrechtlich zulässigen Abschreibungsprozentsatz je nach Fallunterscheidung folgende Relationen: Für im Zeitraum vom 1. 1. 2001 bis 31. 12. 2005 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: q ≤ { 20 % für n ≤ 10200 % n für n > 10 Für im Zeitraum vom 1. 1. 2006 bis 31. 12. 2007 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: q ≤ { 30 % für n ≤ 10300 % n für n > 10 Für im Zeitraum vom 1. 1. 2009 bis 31. 12. 2010 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter: q ≤ { 25 % für n ≤ 10250 % n für n > 10 Beispiel: Anschaffungskosten 70.000, Nutzungsdauer 7 Jahre, Abschreibungsprozentsatz 20 % Periodenende Abschreibungsbetrag Restbuchwert 1 2 3 4 5 6 7 14.000 11.200 8.960 07.168 05.734 04.588 03.670 56.000 44.800 35.840 28.672 22.938 18.350 14.680 Wie das Beispiel zeigt, führt die geometrisch-degressive Abschreibung steuerlich zu einem Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer, der umso höher ist, je niedriger der Abschreibungsprozentsatz und je kürzer die Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes ist. Der Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer ist in der letzten Periode zusätzlich als Aufwand zu verbuchen. Es erweist sich daher in Bezug auf die bis 31. 12. 2010 angeschafften oder hergestellten Altbestände als zweckmäßig, dann von der geometrisch-degressiven auf die lineare Abschreibung überzugehen, wenn der Abschreibungsbetrag bei degressiver Abschreibung geringer ist als der Betrag, der sich bei linearer Verteilung des Restbuchwertes auf die Restnutzungsdauer ergeben würde. 12.2 Abschreibung von Anlagen 445 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 445 Status: Imprimatur Beispiel (unter Verwendung der obigen Daten): Periodenende Abschreibungsbetrag Restbuchwert geom.-degr. linear* 1 2 3 4 5 6 7 14.000 11.200 8.960 7.168 5.734 4.588 3.670 10.000 9.333 8.960 8.960 8.960 8.960 8.960 56.000 44.800 35.840 26.880 17.920 8.960 0 * jeweils vom Restbuchwert Da sich am Ende der Periode 3 erst eine Indifferenzsituation zur linearen Abschreibung ergibt, erfolgt hier noch kein Wechsel der Abschreibungsmethode, da dieser zu diesem Zeitpunkt noch keinen Vorteil bringt, aber die Gefahr birgt, dass die mit ihm verbundenen relativ höheren Abschreibungen im Folgejahr dann zu diesem Zeitpunkt z. B. aus bilanzpolitischen Gründen nicht mehr erwünscht sind. Über den Wechsel des Abschreibungsverfahrens wird daher erst in der Periode entschieden, in der die lineare Abschreibung zu einem höheren Abschreibungsbetrag führen würde als die bislang zur Anwendung kommende geometrisch-degressive Abschreibung. Graphisch lässt sich die Entwicklung der Abschreibungsbeträge und damit der Zeitpunkt des Übergangs von der degressiven zur linearen Abschreibung aus der nachfolgenden Abbildung ablesen. Entwicklung des Abschreibungsbetrags beim Übergang von der geometrischdegressiven zur linearen Abschreibung 12 Anlagenwirtschaft446 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 446 Status: Imprimatur Bei periodischer Abschreibung kann die Übergangsperiode Ü, in der zum letzten Mal geometrisch-degressiv abgeschrieben wird, wie folgt ermittelt werden: Ü ist der kleinste ganzzahlige Wert m, der die Bedingung erfüllt: Ü =  min m { m > n – 100q } Der Wechsel von der geometrisch-degressiven Abschreibung zur linearen Abschreibung ist handels- und steuerrechtlich zulässig. Umgekehrt wird dies steuerrechtlich jedoch ausgeschlossen, ebenso ein Wechsel zwischen den verschiedenen degressiven Abschreibungsverfahren (§ 7 Abs. 3 EStG). (2) Bei der arithmetisch-degressiven Abschreibung vermindern sich die jährlichen Abschreibungsbeträge jeweils um den gleichen Betrag, den sog. Degressions- bzw. Differenzbetrag (D). Dieser lässt sich, sofern der Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer und die erste Abschreibungsquote bekannt sind, aus der Formel D = Rn – Ro + a1 · n = 2 · (Rn – Ro + a1 · n) n (n + 1) – n 2 – n n (n – 1) Rn = Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer Ro = Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten a1 = Abschreibungsbetrag in der ersten Periode n = Nutzungsdauer in Jahren ermitteln. Im Unterschied zur geometrisch-degressiven Abschreibung kann hier auf den Restbuchwert null abgeschrieben werden. Beispiel: Restbuchwert am Ende der Nutzungsdauer 0, Anschaffungskosten 70.000, Abschreibungsbetrag in der ersten Periode 16.000, Nutzungsdauer 7 Jahre D = 2 · (0 – 70.000 + 16.000 · 7) 7 (7 – 1)   = 2.000 Periodenende Abschreibungsbetrag Restbuchwert 1 2 3 4 5 6 7 16.000 14.000 12.000 10.000 08.000 06.000 04.000 54.000 40.000 28.000 18.000 10.000 04.000 00.000 Erfolgt die arithmetisch-degressive Abschreibung in der Form, dass der Degressionsbetrag mit der Abschreibungsrate im letzten Jahr identisch ist, so spricht man von digitaler Abschreibung. Der Degressionsbetrag wird in diesem Fall dadurch ermittelt, dass der abzuschreibende Betrag durch die Summe der Jahresziffern dividiert wird: D = Ro – Rn = 2 (Ro – Rn) n i Σ i i=1 i n (n + 1) 12.2 Abschreibung von Anlagen 447 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 447 Status: Imprimatur Der Abschreibungsbetrag lässt sich durch Multiplikation des Degressionsbetrags mit den Jahresziffern in umgekehrter Reihenfolge (= verbleibende Nutzungsdauer vom Jahresanfang gerechnet) berechnen. Die jährlichen Abschreibungssätze ergeben sich aus dem Quotienten von dem jeweiligen Abschreibungsbetrag und den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten. Beispiel: Anschaffungskosten 70.000, Nutzungsdauer 7 Jahre Degressionsbetrag =  70.000 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 =  2 · 70 000 7 · (7 + 1)  = 2.500 Periodenende Abschreibungssatz in % Abschreibungsbetrag Restbuchwert 1 2 3 4 5 6 7 25,00 21,43 17,86 14,29 10,71 07,14 03,57 17.500 15.000 12.500 10.000 07.500 05.000 02.500 52.500 37.500 25.000 15.000 07.500 02.500 00.000 (3) Bei der Abschreibung mit fallenden Staffelsätzen wird die Gesamtnutzungsdauer in einzelne Zeitabschnitte unterteilt, denen abnehmende Abschreibungssätze zugeordnet werden. Der Abschreibungsbetrag der einzelnen Perioden einer Staffel wird somit anhand des gleichen Prozentsatzes, der sich auf die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bezieht, ermittelt. Beispiel: Gem. § 7 Abs. 5 EStG ergeben sich bei der Abschreibung von im Inland gelegenen Gebäuden, die zum Betriebsvermögen gehören, nicht Wohnzwecken dienen und für die der Antrag auf Baugenehmigung zwischen dem 31. 3. 1985 und dem 1. 1. 1994 gestellt wurde, folgende Staffeln: Staffel Perioden Abschreibungssatz in % 1 2 3 1– 4 5– 7 8–25 10,0 05,0 02,5 Für Gebäude, die die genannten Bedingungen nicht erfüllen und für die der Bauantrag vor dem 1. 1. 1995 gestellt wurde, sind folgende Staffeln vorgesehen: Staffel Perioden Abschreibungssatz in % 1 2 3 1– 8 9–14 15–50 5 2,5 1,25 Wurde für letztere Gebäude der Bauantrag jedoch nach dem 28. Februar 1989 und vor dem 1. 1. 1996 gestellt (oder wurden sie über einen obligatorischen Vertrag in diesem Zeiteraum angeschafft), sind, soweit die Gebäude Wohnzwecken dienen, folgende Staffeln anwendbar: 12 Anlagenwirtschaft448 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 448 Status: Imprimatur Staffel Perioden Abschreibungssatz in % 1 2 3 4 1– 4 5–10 11–16 17–40 7,52 52,5 22,5 1,25 Soweit bei derartigen Wohngebäuden der Bauantrag nach dem 31. 12. 1995, aber vor dem 1. 1. 2004 gestellt wurde (respektive ein entsprechender obligatorischer Vertrag zur Anschaffung geschlossen wurde), ergeben sich folgende reduzierten Staffelwerte: Staffel Perioden Abschreibungssatz in % 1 2 3 1– 8 9–14 15–50 5,52 2,52 1,25 Soweit bei derartigen Gebäuden der Bauantrag nach dem 31. 12. 2003 und vor dem 1. 1. 2006 gestellt wurde (bzw. ein entsprechender obligatorischer Anschaffungsvertrag geschlossen wurde), ergeben sich die folgenden reduzierten Staffelwerte: Staffel Perioden Abschreibungssatz in % 1 2 3 1–10 11–18 19–50 4,52 2,52 1,25 Handelsrechtlich zulässig sind die arithmetisch-degressive Abschreibung und die Abschreibung in fallenden Staffelsätzen, wenn sie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen; steuerrechtlich ist die arithmetischdegressive Abschreibung seit dem Veranlagungszeitraum 1985 nicht mehr zulässig, die Abschreibung in fallenden Staffelsätzen ist hingegen bei Gebäuden unter den genannten Bedingungen anwendbar. 12.2.3.3 Progressive Abschreibung Bei progressiver Abschreibung (Abschreibung mit zunehmenden Jahresbeträgen) wird zu Beginn der Nutzung weniger Abschreibungsaufwand verrechnet als am Ende. Es sind arithmetisch-progressive und geometrisch-progressive sowie unregelmäßig-progressive Abschreibungsverläufe denkbar. Die progressive Abschreibung findet in der Geschäftsbuchführung nur in Ausnahmefällen Anwendung, insbesondere bei Anlagen, die eine gewisse Anlaufzeit benötigen (z. B. Obstplantagen, Verkehrsbetriebe). Die Ermittlung des Abschreibungsbzw. Progressionsbetrags erfolgt analog zur geometrisch-degressiven bzw. arithmetisch-degressiven Abschreibung, wobei dann lediglich der zeitliche Abschreibungsverlauf umgekehrt werden muss. Soweit nicht gegen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung verstoßen wird, ist die progressive Abschreibung handelsrechtlich zulässig. Im Steuerrecht ist die progressive Abschreibung nicht vorgesehen; auf eine mögliche Ausnahme wird im nächsten Abschnitt eingegangen. 12.2 Abschreibung von Anlagen 449 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 449 Status: Imprimatur 12.2.3.4 Abschreibung nach Leistung und Inanspruchnahme Im Gegensatz zu den bisher dargestellten Abschreibungsverfahren, die den Abschreibungsaufwand unter zeitlichen Aspekten verteilen, geht die Abschreibung nach Leistung und Inanspruchnahme (Leistungsabschreibung) vom Gesamtleistungs- bzw. Gesamtnutzungspotenzial einer Anlage aus (z. B. Maschinenstunden, die eine Maschine maximal leisten kann; Gesamtfahrleistung eines Fahrzeugs). Vorzug des Verfahrens ist, dass der Aufwand entsprechend der Beschäftigung und damit nach der tatsächlichen Inanspruchnahme einer Anlage verrechnet wird. Auf der anderen Seite können der natürliche Zeitverschleiß und wirtschaftlich begründete Wertminderungen ebenso wenig Berücksichtigung finden wie ein gegen Ende der Nutzungsmöglichkeiten eventuell ansteigender Reparaturaufwand. Zur Berechnung der Jahresabschreibung wird bei diesem Verfahren zunächst der auf eine Leistungseinheit entfallende Abschreibungsbetrag dadurch ermittelt, dass die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten durch die geschätzte Gesamtleistung dividiert werden. Durch Multiplikation des so ermittelten Satzes mit der auf das Jahr jeweils entfallenden Leistungsabgabe ergibt sich der jährliche Abschreibungsbetrag. Dieses Abschreibungsverfahren ist in der Handelsbilanz zulässig, soweit es den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. In der Steuerbilanz ist die Übernahme der Leistungsabschreibung unter zwei Bedingungen gestattet (§ 7 Abs. 1 Satz 6 EStG i. V. m. R 7.4 Abs. 5 Satz 2 und 3 EStR): (1) Die Leistungsabschreibung muss sich wirtschaftlich begründen lassen (z. B. bei erheblichen Schwankungen in der Leistungsabgabe). (2) Der jährliche Umfang der Leistungsabgabe muss nachweisbar sein (z. B. durch Kilometerzähler bei Kfz). Über die Leistungsabschreibung kann es damit zur Verrechnung progressiver Abschreibungsbeträge in der Steuerbilanz kommen, wenn die tatsächliche Inanspruchnahme im Zeitablauf zunimmt und in ihrer Höhe nachweisbar ist. Beispiel: Anschaffungskosten eines Lkw 70.000 €, Gesamtleistung 100.000 km, Nutzungsdauer 7 Jahre Abschreibungsbetrag (in €) je Leistungseinheit (LE) = 70.000 € 100.000 LE = 0,7 €/LE Periodenende Jahresleistung Abschreibungsbetrag Restbuchwert 1 2 3 4 5 6 7 10.000 05.000 15.000 20.000 30.000 10.000 10.000 7.000 3.500 10.500 14.000 21.000 7.000 7.000 63.000 59.500 49.000 35.000 14.000 7.000 0 Zusammenfassend können die Restbuchwerte des Anlagegegenstandes des durchgängigen Beispiels bei Anwendung linearer, geometrisch-degressiver, 12 Anlagenwirtschaft450 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 450 Status: Imprimatur arithmetisch-progressiver sowie leistungsbedingter Abschreibung folgendermaßen graphisch skizziert werden: 12.3 Sachanlagen und immaterielles Vermögen nach den IFRS 12.3.1 Anwendungsbereich der IAS 16 und IAS 38 sowie Ansatz der Vermögenswerte Die Bilanzierung des Sachanlagevermögens richtet sich grundsätzlich nach IAS 16 („Property, Plant and Equipment“, „Sachanlagen“). Sachanlagen umfassen materielle Vermögenswerte, die für Zwecke der Herstellung oder der Lieferung von Gütern und Dienstleistungen, zur Vermietung an Dritte oder für Verwaltungszwecke gehalten und erwartungsgemäß länger als eine Periode genutzt werden (IAS 16.6). Ein Vermögenswert ist in Höhe seiner Anschaffungsoder Herstellungskosten anzusetzen, sofern diese verlässlich bestimmbar sind und ein zukünftiger Nutzenzufluss aus dem Vermögenswert wahrscheinlich ist. Vom Anwendungsbereich des IAS 16 sind allerdings diverse Sachverhalte ausgenommen, welche im Rahmen anderer Standards als leges speciales behandelt werden. Dies betrifft z. B. Sachanlagen, die zur Veräußerung gehalten werden und deren bilanzielle Behandlung sich nach IFRS 5 richtet. Eine weitere Ausnahme bilden als Finanzinvestitionen zur Erzielung von Wertsteigerungen und/ oder Mieteinkünften gehaltene Immobilien (Anlageimmobilien nach IAS 40); vom Unternehmen selbst genutzte Immobilien, was auch die Vermietung an Beschäftigte einschließen kann (IAS 40.8), fallen hingegen in den Anwendungsbereich des IAS 16. Des Weiteren ist für die Bilanzierung von Sachanlagen aus Graphische Darstellung der Abschreibungsverläufe des Übungsbeispiels

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.