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12.1 Gegenstand, Bewertung, Kauf, Abgang in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 448 - 454

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_448

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 428 Status: Imprimatur 12 Anlagenwirtschaft 12.1 Gegenstand, Bewertung, Kauf, Abgang Im Mittelpunkt der Anlagenwirtschaft steht das für die industrielle Leistungserstellung typische abnutzbare Anlagevermögen (z. B. Gebäude, Maschinen und maschinelle Anlagen, Werkzeuge, Fuhrpark). Es ist Teil des gesamten Anlagevermögens, das nach § 247 Abs. 2 HGB alle die Gegenstände umfasst, die am Abschlussstichtag bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb der Gesellschaft zu dienen. Die bedeutendsten Positionen des nicht abnutzbaren Anlagevermögens sind Grundstücke, Beteiligungen, bestimmte Wertpapiere (siehe hierzu insbesondere Teil A, Abschn. 7.1.5, S. 216 ff.) und langfristige Ausleihungen. Daneben hat durch den Wandel von einer produzierenden Industrie- hin zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft die Bedeutung von immateriellen Vermögensgegenständen in der Rechnungslegung zugenommen. Im Mittelpunkt dabei stehen gewerbliche Schutzrechte (z. B. Patente), ähnliche Rechte (z. B. Nutzungsrechte), Werte (z. B. Rezepte), Konzessionen (z. B. Verkehrskonzessionen) sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten. Zu den immateriellen Vermögensgegenständen gehört des Weiteren nach § 246 Abs. 1 S. 4 HGB der derivative Geschäfts- oder Firmenwert, welcher im Zuge des Bil- MoG zum Vermögensgegenstand „erhoben“ wurde (BT-Drs. 16/10067, S. 35, 42). Durch den innerhalb der EU am 1. 1. 2005 begonnenen Emissionshandel, sind gegebenenfalls handelbare Emissionsberechtigungen in der Bilanz zu berücksichtigen. Diese gehören sowohl handels- als auch steuerrechtlich ebenfalls zu den immateriellen Vermögensgegenständen (vgl. HFA, Emissionsberechtigungen (IDW RS HFA 15), Rn. 4 f., sowie BMF-Schreiben v. 6. 12. 2005, BStBl. I 2005, S. 1047, Rn. 8). Bei der Aktivierung des immateriellen Vermögens ist zwischen entgeltlich erworbenen und selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen zu unterscheiden. So sind entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände stets aktivierungspflichtig. Durch das BilMoG ist eine grundsätzliche Aktivierbarkeit auch des selbst erstellten immateriellen Anlagevermögens gegeben, so dass nach § 248 Abs. 2 S. 1 HGB ein Aktivierungswahlrecht besteht, sofern die allgemeinen Ansatzvoraussetzungen erfüllt sind. Bezogen auf selbst geschaffene immaterielle Werte bedeutet dies, dass eine Aktivierung möglich ist, wenn mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass ein immaterieller Vermögensgegenstand im Entstehen begriffen ist. Um ein aktivierungsfähiger Vermögensgegenstand im handelsrechtlichen Sinne zu sein, muss das selbst erstellte Objekt dazu einzeln verwertbar sein (vgl. BT- Drs. 16/10067, S. 50). Diese Aktivierungsvoraussetzung bestimmt zugleich den Aktivierungszeitpunkt. So ist eine Aktivierung von Entwicklungskosten bereits ab dem Zeitpunkt möglich, ab dem mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon 12.1 Gegenstand, Bewertung, Kauf, Abgang 429 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 429 Status: Imprimatur auszugehen ist, dass daraus ein Nutzen stiftender Gegenstand entsteht. Dabei ist die Aktivierung auf die Herstellungskosten der Entwicklung begrenzt, die ab diesem Zeitpunkt anfallen. Die rückwirkende Aktivierung bereits als Aufwand verbuchter Entwicklungsaufwendungen scheidet aus (vgl. Kahle/Haas, Herstellungskosten, S. 35 f.). Ein Bilanzierungsverbot sieht § 248 Abs. 2 S. 2 HGB explizit noch für selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens sowie für als nicht werthaltig erachtete Aufwendungen nach § 248 Abs. 1 HGB (z. B. Gründungskosten, Kosten der Eigenkapitalbeschaffung und Versicherungskosten) vor. Des Weiteren darf ein originärer Geschäfts- oder Firmenwert weiterhin nicht angesetzt werden. Nach alter Rechtslage vor Bil- MoG bestand gemäß § 248 Abs. 2 HGB a. F. ein generelles Aktivierungsverbot für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens. Die Bilanzierung immateriellen Anlagevermögens im Konzernabschluss war Gegenstand des DRS 12, der jedoch am 18.2.2010 aufgehoben wurde (vgl. Deutscher Standardisierungsrat (DSR), Immaterielle Vermögenswerte). Da durch das BilMoG keine Änderung des § 5 Abs. 2 EStG erfolgt ist, besteht steuerrechtlich weiterhin ein Aktivierungsverbot für nicht-entgeltlich erworbene Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Wertmaßstab für das nicht abnutzbare Anlagevermögen sind die jeweiligen Anschaffungs- oder Herstellungskosten (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB). Die Anschaffungskosten entsprechen nach § 255 Abs. 1 HGB den Aufwendungen, die erforderlich sind um ein Wirtschaftsgut zu erwerben und in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Beim Anlagevermögen setzen sie sich daher wie folgt zusammen: Anschaffungspreis + Anschaffungsnebenkosten ./. Anschaffungskostenminderungen + nachträgliche Anschaffungskosten = Anschaffungskosten Im Vergleich zum Umlaufvermögen (vgl. Teil A, Abschn. 11.2.1, S. 400 ff.) sind bei den Anschaffungskosten des Anlagevermögens damit zusätzlich die nachträglichen Anschaffungskosten zu berücksichtigen, die sich beispielsweise im Rahmen von Um- und Ausbauarbeiten (vgl. hierzu S. 432 f.) ergeben können. Analog zum Umlaufvermögen sind Anschaffungsnebenkosten zu berücksichtigen, welche anfallen, um das Objekt in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen (vgl. bspw. zu Anschaffungs(neben)kosten bei erworbener Software (HFA, Software, S. 473 ff.). Bezüglich der Ermittlung der Herstellungskosten des Anlagevermögens wird auf die beim Umlaufvermögen geschilderte Vorgehensweise verwiesen (vgl. Teil A, Abschn. 11.2.1, S. 400 ff.). Bei selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens stellen gemäß § 255 Abs. 2a HGB die Entwicklungskosten die Herstellungskosten des Vermögensgegenstandes i. S. d. § 255 Abs. 2 HGB dar. Diesbezüglich besteht nach § 248 Abs. 2 i. V. m. § 255 Abs. 2a HGB ein Aktivierungswahlrecht für die bei der Entwicklung anfallenden Aufwendungen. Problematisch stellt sich die Abgrenzung von Entwicklungs- und Forschungskosten dar. Da Forschungskosten nicht aktiviert 12 Anlagenwirtschaft430 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 430 Status: Imprimatur werden dürfen, gilt nach § 255 Abs. 2a Satz 4 HGB, dass eine Aktivierung von Entwicklungskosten ausgeschlossen ist, wenn Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden können. Forschung definiert der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang als eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Kenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten dabei grundsätzlich keine Aussagen getroffen werden können. Unter Entwicklung wird demgegenüber die Anwendung von Forschungsergebnissen oder auch anderem Wissen verstanden, mit dem Ziel der Neu- bzw. Weiterentwicklung von Verfahren oder Gütern mittels wesentlicher Veränderungen (§ 255 Abs. 2a HGB). Die Aktivierungsmöglichkeit von Entwicklungsaufwendungen ist hierbei unter dem Gesichtspunkt einer verbesserten Informationsbereitstellung durch den Jahresabschluss zu sehen. Hinsichtlich der Zahlungsbemessungsfunktion des Jahresabschlusses wird dem Gläubigerschutzgedanken dadurch noch Rechnung getragen, dass § 268 Abs. 8 HGB eine Ausschüttungssperre in Höhe der aktivierten Entwicklungsaufwendungen vorsieht. So dürfen Gewinne nur ausgeschüttet werden, soweit die nach der Ausschüttung frei verfügbaren Rücklagen zuzüglich eines Gewinnvortrags und abzüglich eines Verlustvortrags den insgesamt angesetzten Entwicklungsaufwendungen entsprechen. Der Hauptfachausschuss des IDW hat in IDW S 5 Grundsätze zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte niedergelegt. Gegenstand sind u. a. Bewertungsverfahren, für die marktpreisorientierte, kapitalwertorientierte oder kostenorientierte Ansätze in Frage kommen, sowie Besonderheiten bei der Bewertung von Marken (vgl. HFA, Bewertung immaterieller Vermögenswerte). Überlegungen zur Ergänzung des IDW S 5 betreffen Besonderheiten bei der Bewertung kundenorientierter immaterieller Werte. Deren Bedeutung liegt in der Möglichkeit eines leichteren Zugangs zu einem Kunden im Vergleich zu Wettbewerbern (z. B. Kundenliste). Der leichtere Zugang kann sich auch aus vertraglichen Lieferungsund Leistungsbeziehungen sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit weiterer zukünftiger Vertragsabschlüsse bzw. von Auftragsverlängerungen ergeben (vgl. den Entwurf zur Ergänzung des IDW S 5, HFA, Kundenorientierte immaterielle Vermögenswerte). Bei den Gegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist (abnutzbares Anlagevermögen), sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um planmäßige Abschreibungen zu vermindern (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB). Eine entsprechende Vorschrift sieht auch das Steuerrecht in § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG vor. Hinsichtlich der Verwendung von Abschreibungsverfahren ist zu fragen, ob die Ausübung von steuerlichen Bewertungswahlrechten unabhängig vom handelsrechtlichen Wertansatz erfolgen kann oder vielmehr daran gebunden ist, sofern der handelsrechtliche Wertansatz wenigstens steuerlich auch zulässig ist. Im BMF-Schreiben v. 12. 3. 2010 (BStBl. I 2010, S. 241) wird diesbezüglich von einer unabhängigen Wahl des steuerlichen Abschreibungsverfahrens ausgegangen (vgl. zur Maßgeblichkeit Teil A, Abschn. 1.2.2.1, S. 21). Sämtliche Gegenstände des beweglichen Anlagevermögens sind in ein Bestandsverzeichnis bzw. eine Anlagenkartei (vgl. Teil B, Abschn. 3.1.2.3, S. 808 ff.) 12.1 Gegenstand, Bewertung, Kauf, Abgang 431 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 431 Status: Imprimatur aufzunehmen (R 5.4 EStR). Eine Ausnahme hiervon bilden geringwertige Wirtschaftsgüter, Wirtschaftsgüter, die in einem Sammelposten erfasst werden, sowie Anlagegegenstände, die mit einem Festwert angesetzt werden (§ 6 Abs. 2 und 2a EStG i. V. m. R 5.4 Abs. 1 EStR). Geringwertige Wirtschaftsgüter sind abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die selbständig im Betrieb genutzt werden können und deren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer 410 € nicht übersteigen. Sie können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sofort voll als Betriebsausgabe abgezogen werden (§ 6 Abs. 2 EStG). Wahlweise, aber für das Wirtschaftsjahr nur alternativ zum Vorgehen nach § 6 Abs. 2 EStG, können solche Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer 150 €, aber nicht 1.000 € übersteigen, in einem Sammelposten zusammengefasst werden, der ab dem Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung über fünf Jahre linear abzuschreiben ist (§ 6 Abs. 2a EStG). Dabei ist weder die tatsächliche Nutzungsdauer noch die Veräußerung oder Wertminderung der einzelnen Wirtschaftsgüter zu berücksichtigen, so dass bei vorzeitigem Ausscheiden eines Wirtschaftsgutes aus dem Betriebsvermögen der Sammelposten nicht entsprechend vermindert werden darf. Dies gilt auch in dem Fall, dass die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter weniger als fünf Jahre beträgt (vgl. BMF vom 30. 9. 2010, DB 2010, S. 2253 (Rn. 15)). Der Sammelposten erhöht sich durch nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern i. S. d. § 6 Abs. 2a EStG. Fallen diese bereits im Wirtschaftsjahr der Investition an, so dass die Summe der Gesamtkosten die Betragsgrenze von 1.000 € in diesem Wirtschaftsjahr übersteigt, so ist das Wirtschaftsgut nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG allerdings einzeln zu bewerten. Anschaffungs- oder Herstellungskosten von nicht selbständig nutzbaren Wirtschaftsgütern sind grundsätzlich nicht im Sammelposten zu erfassen, es sei denn, es handelt sich hierbei um nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten von in der Sammelposition zu erfassenden Wirtschaftsgütern (BMF vom 30. 9. 2010, DB 2010, S. 2252 f. (Rn. 10 und 11)). Wird ein Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG gebildet, können lediglich Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bis zu 150 € (netto) sofort abgeschrieben werden. Das BMF-Schreiben vom 30. 9. 2010 (DB 2010, S. 2252 (Rn. 6)) stellt klar, dass es sich bei der Bildung eines Sammelpostens um ein wirtschaftsjahrbezogenes Wahlrecht handelt. So kann dieses Wahlrecht nach § 6 Abs. 2a Satz 5 EStG nur einheitlich für alle Wirtschaftsgüter des Wirtschaftsjahres mit Aufwendungen von mehr als 150 € und nicht mehr als 1.000 € in Anspruch genommen werden (Hoffmann/Lüdenbach, Kommentar Bilanzierung, S. 553 f.). Sofern nicht aus der Buchführung ersichtlich, müssen allerdings Wirtschaftsgüter über einem Betrag von 150 € (netto) in ein laufend zu führendes Verzeichnis (Gruppen- oder Sammelkarte) aufgenommen werden (§ 6 Abs. 2 und 2a EStG). Mit einem Festwert werden bewegliche Anlagegegenstände angesetzt, die die Voraussetzungen des § 240 Abs. 3 HGB (vgl. Teil A, Abschn. 11.2.2.2, S. 409 f.) erfüllen. Diese müssen ebenfalls nicht individuell registriert werden (R 5.4 Abs. 1 EStR). Handelsrechtlich sind diese Vereinfachungen nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit nachzuvollziehen. Nach Auffassung des Hauptfachausschusses des IDW steht der Bildung eines Sammelpostens auch in der Handelsbilanz 12 Anlagenwirtschaft432 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 432 Status: Imprimatur nichts entgegen, da die damit verbundene Durchbrechung des Einzelbewertungsgrundsatzes nach § 252 Abs. 2 HGB unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten akzeptabel erscheint. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Regelung im EStG zur Auflösung des Sammelpostens zu einer Überbewertung führen kann (bei Wesentlichkeit des Postens ist deshalb ggf. eine Verkürzung der Abschreibungsdauer in Betracht zu ziehen, vgl. HFA, Geringwertige Wirtschaftsgüter, S. 506; Kozikowski/Roscher/Schramm, Bilanzkommentar, § 253 HGB, Rn. 275). In der Gesetzesbegründung zum BilMoG wird ebenfalls von einer zulässigen Vereinfachung im Rahmen des § 252 Abs. 2 HGB ausgegangen (vgl. BT-Drs. 16/10067, S. 38). Beim Kauf (Zugang) von Anlagegütern wie beispielsweise technischen Anlagen und Maschinen lautet der Standardbuchungssatz (kreditierte Geschäftsvorfälle unterstellt, ohne Umsatzsteuer) bei Anwendung des Industrie-Kontenrahmens (Näheres hierzu Teil A, Abschn. 15.6.3.3, S. 728 f., und Anhang A.4, S. 1316 ff.) wie folgt: Kauf: 07 Technische Anlagen und Maschinen an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Die im Laufe des Geschäftsjahres erfolgten mengenmäßigen Zunahmen der im Unternehmen befindlichen Gegenstände des Anlagevermögens sind daher als Zugang zu buchen. Dies kann bei Gebäuden unter Umständen auch für Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwendungen zutreffen, sofern diese als Herstellungskosten zu qualifizieren sind. Die hierfür maßgeblichen Kriterien sind nach den Urteilen und der Grundsatzentscheidung des BFH vom 9. 5. 1995 (BFH v. 9. 5. 1995, BStBl. II 1996, S. 628, 630, 632 und 637) die Tatbestandsmerkmale Gebäudeerweiterung und die wesentliche Verbesserung des Gebäudes über den ursprünglichen Zustand hinaus. Eine Verbesserung ist dann als wesentlich anzusehen, wenn der Gebrauchswert des Gebäudes im Ganzen – nach objektiven Maßstäben – über eine zeitgemäße, substanzerhaltende Erneuerung hinaus erhöht wird. Bei Zweifeln hinsichtlich der Erfüllung dieser Voraussetzung sind die Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwendungen aus steuerlicher Sicht als Erhaltungsaufwand zu betrachten. Als solcher sind nämlich Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwendungen zu betrachten, die über eine zeitgemäße substanzerhaltende Erneuerung nicht hinausgehen. Dies gilt nur dann nicht, wenn diese mit anderen, über eine zeitgemäße substanzerhaltende Erneuerung hinausgehenden Maßnahmen in einem engen räumlichen, zeitlichen und sachlichen Zusammenhang stehen. Das bedeutet, dass Aufwendungen für ein Bündel von Einzelmaßnahmen gegebenenfalls insgesamt als Herstellungskosten zu beurteilen sind, wenn die Arbeiten in den genannten Zusammenhängen stehen und so in ihrer Gesamtheit eine einheitliche Baumaßnahme bilden. Das Bundesministerium der Finanzen sieht den sachlichen Zusammenhang dann als gegeben, wenn die einzelnen Maßnahmen, die sich auch über mehrere Jahre erstrecken können, bautechnisch ineinander greifen. Dies liegt vor, wenn die Erhaltungsarbeiten die Vorbedingung für die Schaffung des 12.1 Gegenstand, Bewertung, Kauf, Abgang 433 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 433 Status: Imprimatur betriebsbereiten Zustandes oder für die Herstellungsarbeiten darstellen oder auch wenn die Erhaltungsarbeiten ihrerseits durch Maßnahmen zur Schaffung des betriebsbereiten Zustandes oder durch Herstellungsarbeiten veranlasst worden sind (vgl. BMF-Schreiben v. 18. 7. 2003, BStBl. I 2003, S. 386). Sind alle diese Voraussetzungen erfüllt, so können Instandsetzungs- und Modernisierungsaufwendungen als nachträgliche Herstellungskosten qualifiziert werden; sie sind dann als Zugang für das betroffene Gebäude zu verbuchen. Allerdings gehören Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden, wenn diese ohne die Umsatzsteuer 15 Prozent der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen, nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG grundsätzlich zu den Herstellungskosten eines Gebäudes (anschaffungsnahe Herstellungskosten). Dazu ist es nicht notwendig, dass die Baumaßnahmen bis zum Ende des Dreijahreszeitraums bereits abgeschlossen, abgerechnet oder bezahlt wurden. In diesem Fall sind die Aufwendungen insoweit als Herstellungskosten zu berücksichtigen, als sie auf innerhalb des Dreijahreszeitraums getätigte Leistungen entfallen. Für die nach Beendigung der Dreijahresfrist noch getätigten Leistungen dieser Baumaßnahme ist anhand der oben beschriebenen Voraussetzungen zu prüfen, ob die Maßnahmen Herstellungskosten i. S. d. BMF-Schreibens vom 18. 7. 2003 (vgl. BMF-Schreiben v. 18. 7. 2003, BStBl. I 2003, S. 386) darstellen (vgl. BayLfSt v. 6. 8. 2010, DB 2010, S. 1729). Allgemein ist die Abgrenzung zwischen Herstellungskosten und nicht aktivierungsfähigen Erhaltungsaufwendungen nach Maßgabe des § 255 Abs. 1 und 2 HGB vorzunehmen. So sind Herstellungskosten als Aufwendungen definiert, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands anfallen, den Vermögensgegenstand in seiner Substanz vermehren oder ihn über seinen ursprünglichen Zustand hinaus wesentlich verbessern. Nicht von dieser Legaldefinition erfasste Aufwendungen sind keine Herstellungskosten i. S. des HGB und somit unmittelbar als Erhaltungsaufwand erfolgswirksam zu erfassen (vgl. zur Abgrenzung bspw. auch Herzig/Briesemeister/Joisten/Vossel, Component approach, S. 566). Beim Verkauf (Abgang) von Anlagegütern lautet der Standardbuchungssatz bei einem Verkauf zum Buchwert auf Ziel ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer unter Anwendung des Industrie-Kontenrahmens (vgl. Teil A, Abschn. 15.6.3.3, S. 728 f., und Anhang A.4, S. 1316 ff.) wie folgt: Verkauf: 24 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an 07 Technische Anlagen und Maschinen Wird die betreffende Anlage unter dem Buchwert, der sich aus der Anwendung des gewählten Abschreibungsverfahrens auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten ergibt, verkauft, so entsteht ein sonstiger betrieblicher Aufwand, umgekehrt bei Verkauf über dem Buchwert ein sonstiger betrieblicher Ertrag: 12 Anlagenwirtschaft434 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 434 Status: Imprimatur Verkauf unter Buchwert: 24 696 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens an 07 Technische Anlagen und Maschinen Verkauf über Buchwert: 24 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an 07 546 Technische Anlagen und Maschinen Erträge aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens 12.2 Abschreibung von Anlagen Abnutzbare Anlagegüter unterliegen der zeitlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwertung und sind deshalb durch regelmäßige, jährliche, planmäßige Abschreibungen zu mindern (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB). Darüber hinaus können bzw. müssen Werteinflussfaktoren auch durch außerplanmäßige Abschreibungen sowohl bei den abnutzbaren als auch bei den nicht abnutzbaren Anlagegütern berücksichtigt werden (§ 253 Abs. 3 Satz 3 und 4 HGB). Eine an der tatsächlichen Nutzungsabgabe orientierte Verteilung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten auf die einzelnen Perioden der Anlagennutzung kommt dabei im Allgemeinen wegen der sich ergebenden Zurechnungs- und Wertfindungsprobleme, aber auch aus damit zusammenhängenden Wirtschaftlichkeitserwägungen meist nicht in Betracht. Im Handels- und Steuerrecht kommen daher normierte Abschreibungsverfahren zur Anwendung, die die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten planmäßig auf die Perioden der Nutzungsdauer verteilen. Der zentralen Bedeutung wegen, die den Abschreibungen im Hinblick auf eine „richtige“ Aufwandsverrechnung innerhalb der Finanzbuchführung zukommt, werden im Folgenden Ursachen, Arten und Verfahren der Abschreibung in den wesentlichen Grundzügen dargestellt. Hinsichtlich der buchungsmäßigen Behandlung der Abschreibungen wird auf die entsprechenden Ausführungen in Teil A, Abschn. 13.2.1, S. 460 ff. verwiesen. 12.2.1 Abschreibungsursachen Das Problem der Abschreibung stellt sich insbesondere bei den abnutzbaren Anlagegütern, die nicht innerhalb einer Periode verbraucht und entsprechend als Aufwand verrechnet werden, sondern die über einen längeren Zeitraum (Nutzungsdauer) hinweg zur Durchführung der Produktion zur Verfügung stehen und so allmählich das in ihnen vorhandene Nutzungspotenzial abgeben.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.