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11.1 Beschaffung, Verbrauch, Bestandsveränderungen und Verkauf in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 415 - 419

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_415

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 395 Status: Imprimatur 11 Materialwirtschaft Bisher wurde davon ausgegangen, dass das betrachtete Unternehmen ein Handelsunternehmen ist, obwohl die Ausführungen im Grundsatz auch für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen gelten. Kennzeichnend für Industrieunternehmen sind darüber hinaus jedoch Besonderheiten im Bereich der Material- und der Anlagenwirtschaft. Beide tangieren den Jahresabschluss und sind deshalb den diesen vorbereitenden Tätigkeiten voranzustellen. Zum Bereich der Materialwirtschaft sind unter dem hier verfolgten Zweck sämtliche Vorgänge zu rechnen, die im Zusammenhang stehen mit: (1) Beschaffung und Verbrauch von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Bestandsveränderungen und Verkauf von Erzeugnissen und (2) Bewertung von Beständen und Verbrauch von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie von Halb- und Fertigfabrikaten. 11.1 Beschaffung, Verbrauch, Bestandsveränderungen und Verkauf Industriebetriebe sind wie Handelsbetriebe auf zwei Seiten mit den Realgütermärkten verbunden: Sie beziehen von Beschaffungsmärkten Waren bzw. Einsatzgüter und setzen auf Absatzmärkten die Waren bzw. die gefertigten Erzeugnisse ab. Während Handelsbetriebe die eingekauften Waren ohne jede Änderung bzw. ohne wesentliche Änderung weiterverkaufen, vollziehen Industrieunternehmen eine Transformation der eingekauften Einsatzgüter (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) in verkaufsfertige Erzeugnisse. Dieser wesentliche Unterschied von Handels- und Industriebetrieb lässt sich schematisch wie folgt darstellen: Handelsbetrieb Wareneinkauf Transformationsprozess Industriebetrieb Materialverbrauch Leistungserstellung Warenverkauf Beschaffungsmärkte Beschaffungsmärkte Absatzmärkte Absatzmärkte Verkauf von Fertigerzeugnissen Kauf von Einsatzgütern Prozessuale Unterschiede von Handels- und Industriebetrieb 11 Materialwirtschaft396 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 396 Status: Imprimatur Während Handelsbetriebe sämtliche umsatzbezogenen Transaktionen einheitlich durch das Warenkonto bzw. die Wareneinkaufs- und Warenverkaufskonten erfassen können (vgl. Teil A, Kap. 4, S. 120 ff.), sind im Industriebetrieb gesonderte Konten für die Werkstoffbeschaffung, den Materialverbrauch, die Leistungserstellung und den Fertigerzeugnisverkauf zu schaffen. (1) Beschaffungsvorgänge (Werkstoffeinkauf) schlagen sich im Rechnungswesen der Industrieunternehmen im Allgemeinen durch folgenden Buchungsfall nieder (Kontenbezeichnung hier und im Folgenden entspricht dem Industrie-Kontenrahmen; Näheres hierzu in Teil A, Abschn. 15.6.3.3, S. 728 f. u. Anhang A.4, S. 1316 ff.): 20 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (2) Absatzvorgänge (Fertigerzeugnisverkauf) werden dagegen grundsätzlich durch folgenden Buchungssatz erfasst: 24 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an 50 Umsatzerlöse Erfolgen Beschaffung und Absatz nicht kreditweise, sondern gegen Barzahlung, so tritt an die Stelle der Konten 44 bzw. 24 ein Zahlungsmittelkonto der Gruppe 28. Unberücksichtigt blieb bei den vorstehenden Buchungssätzen auch die durch Warenbewegungen ausgelöste Umsatzsteuer sowie die in Verbindung mit Beschaffungs- und Absatzvorgängen anfallenden Aufwandsberichtigungen bzw. Erlösschmälerungen. Die hierzu typischen Geschäftsvorfälle sind in dem Übungsbeispiel am Schluss dieses Abschnitts zusammengestellt. Bezüglich inhaltlicher und rechnungstechnischer Einzelheiten wird auf Teil A, Abschnitt 4.4 und 4.5 (S. 124 ff.), verwiesen. (3) Finden die beschafften Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Produktionsprozess Verwendung, verursachen sie in dem Ausmaß, in dem sie in der Fertigung verbraucht werden, Aufwand. Hinsichtlich des Materialverbrauchs muss daher eine Umbuchung der hierfür erforderlichen Aufwendungen von den Bestandskonten der Kontenklasse 2 auf die Erfolgskonten der Kontenklasse 6 erfolgen. Der Buchungssatz für den Materialverbrauch lautet daher grundsätzlich: 60 Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an 20 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Die Art der Aufwandsermittlung kann dabei auf zweierlei Arten erfolgen: (a) Jede Materialentnahme während des Jahres führt sofort zu einer Umbuchung in der Geschäftsbuchführung, d. h. der oben genannte Buchungsfall ist bei jedem Materialeinsatz während der Geschäftsperiode erneut zu erfassen. Dies setzt voraus, dass der Buchhaltungsabteilung innerhalb des Unternehmens der Materialverbrauch durch entsprechende Materialentnahmescheine angezeigt wird (s. Skontrationsmethode Teil B, Abschn. 3.1.2.1, S. 804 ff.). Am Jahresende lässt sich der Materialbestand buchmäßig errechnen und muss dann nur mit dem durch körperliche Bestandsaufnahme (Inventur) tatsächlich festgestellten Bestand verglichen werden. Zur 11.1 Beschaffung, Verbrauch, Bestandsveränderungen und Verkauf 397 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 397 Status: Imprimatur Prüfung der Inventur von Vorräten hat der Hauptfachausschuss des IDW den Prüfungsstandard IDW PS 301 herausgebracht (vgl. HFA, Prüfung der Vorratsinventur; zur Inventur vgl. Teil A, Kap. 2, S. 42 ff.). Liegen keine au- ßergewöhnlichen Umstände vor (z. B. Erfassungsfehler, Warenschwund, Diebstahl usw.), so müssen Buchbestand und tatsächlich festgestellter Bestand der Höhe nach übereinstimmen. Auf den Erfolgs- und Bestandskonten schlägt sich diese Aufwandsermittlungsart wie folgt nieder: (b) Besonders in der Praxis der Klein- und Mittelbetriebe ist auch die Vorgehensweise verbreitet, die Werkstoffbezüge während der Periode auf den Bestandskonten der Kontenklasse 2 zu buchen und den Materialverbrauch buchmäßig nicht sofort zu erfassen. Erst zum Bilanzstichtag wird dann der Bestand durch Inventur ermittelt und der Materialverbrauch als Differenz zwischen dem Anfangsbestand und den Zugängen einerseits und dem Endbestand andererseits errechnet: Werkstoffbestand am Anfang der Periode + Werkstoffbezüge während der Periode – Werkstoffbestand am Ende der Periode = Materialverbrauch während der Periode Erst nach Vorliegen des Inventurergebnisses kann der Verbrauch dann auf die Konten der Klasse 6 umgebucht werden. Der gesamte Materialverbrauch der Geschäftsperiode wird daher nur einmal summarisch durch oben genannten Buchungssatz erfasst. Auf den Aufwands- und Bestandskonten schlägt sich dies wie folgt nieder: Anfangsbestand Entnahme 1 20 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 60 Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Zugänge Materialverbrauch der Periode Entnahme 2 . . . . . . Entnahme n → → → → → . . → → Endbestand Verbrauch 1 Verbrauch 2 . . . . . . Verbrauch n Sofortige Erfassung des Materialverbrauchs (Skontration) 11 Materialwirtschaft398 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 398 Status: Imprimatur Eine Bestandsminderung, die auf außergewöhnliche Umstände (z. B. Diebstahl) zurückzuführen ist, kann bei dieser Vorgehensweise jedoch nicht festgestellt werden. (4) Im Zusammenhang mit dem Materialverbrauch erfolgt im betrieblichen Transformationsprozess i. d. R. eine Leistungserstellung (Herstellung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen), die durch eine entsprechende Ertragsverrechnung zu erfassen ist. Dabei treten abrechnungstechnische Probleme auf, wenn zwischen Produktion und Absatz kein Gleichlauf gegeben ist. Das trifft für die Fälle zu, in denen entweder die Produktion einer Periode nicht vollständig abgesetzt werden kann und folglich teilweise auf Lager genommen werden muss, oder die in einer Periode abgesetzten Güter aus der Produktion vergangener Perioden stammen. Derartige temporäre Verschiebungen zwischen Produktion und Absatz führen zu Mehrungen oder Minderungen des Bestands an Erzeugnissen. Die Erzeugnisbestände werden in der Geschäftsbuchführung in der Kontenklasse 2 ausgewiesen. Treten Bestandsveränderungen ein, so sind diese mit entsprechender Gegenbuchung in der Kontenklasse 5 zu erfassen. Für den Fall der Bestandserhöhung lautet der Buchungssatz: 21/22 Erzeugnisse an 52 Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen Bei Bestandsabnahme wird die Verbuchung entsprechend umgekehrt vorgenommen. Der Ausweis der Bestandserhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen im Haben der Konten der Klasse 5 bewirkt, dass den Gesamtaufwendungen der Periode in Klasse 6 und 7 die zugehörigen Erträge der Periode in Form der Umsatzerlöse und der Bestandserhöhungen gegenübergestellt werden können. Entsprechend stellt die Verbuchung von Bestandsminderungen im Soll der Konten aus Klasse 5 sicher, dass den Umsatzerlösen der Periode die Aufwendungen aus Vorleistungen gegenüberstehen, die zu ihrer Erzielung in der gleichen und den vorhergehenden Perioden notwendig gewesen sind. Anfangsbestand Entbestand lt. Inventur 20 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 60 Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Zugänge Materialverbrauch der Periode Saldo = Entnahmen der Periode Verbrauch der Periode→ Erfassung des Materialverbrauchs durch die Inventurmethode 11.2 Bestands- und Verbrauchsbewertung 399 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 399 Status: Imprimatur Die Auswirkungen dieser Buchungen auf die Vermögensgegenstände bzw. Schulden und den Erfolg bzw. das Eigenkapital lassen sich zusammenfassend wie folgt darstellen (vgl. Weller/Fischer, Bestandsveränderungen, S. 230): Vermögensgegenstände bzw. Schulden Erfolg bzw. Eigenkapital Bestandserhöhung in 01: 1. Buchung während des Geschäftsjahres – (z. B. Bank) –  (Aufwand, z. B. Löhne, RHB-Stoffe) 2. Korrekturbuchung zum 31. 12. 01 + (fertige Erzeugnisse) +  (Aufwandsminderung durch Bestandserhöhung der fertigen Erzeugnisse) In Periode 01 wurde mehr produziert als abgesetzt, weshalb sich der Lagerbestand erhöht. Der Periodenerfolg wird dadurch aber nicht beeinflusst. Bestandsabnahme in 02: 1. Buchung während des Geschäftsjahres + (z. B. Bank) +  (Erträge durch Umsatzerlöse) 2. Korrekturbuchung zum 31. 12. 02 – (fertige Erzeugnisse) –  (Aufwandsvermehrung durch Bestandsabnahme der fertigen Erzeugnisse) In Periode 02 wurde mehr abgesetzt als produziert, so dass der Lagerbestand nun erfolgswirksam abgebaut wird. 11.2 Bestands- und Verbrauchsbewertung Probleme bei der Bewertung von Beständen und Verbrauch entstehen sowohl bei den fremdbeschafften Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen als auch bei den im Betrieb erstellten oder bearbeiteten fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Schwierigkeiten treten insbesondere dann auf, wenn gleichartige Stoffe oder Gegenstände in der Abrechnungsperiode zu verschiedenen Preisen beschafft oder mit unterschiedlichen Werten angesetzt wurden und diese in der Rechnungsperiode nicht restlos verbraucht wurden.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.