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10.2 Buchungstechnik in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 394 - 403

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_394

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
10 Leasing374 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 374 Status: Imprimatur zahlung zu decken ist, auf die bis zu 90 v. H. des vom Leasinggeber erzielten Veräußerungserlöses angerechnet werden. Da auch bei diesem Vertrag zwar das Wertminderungsrisiko ausschließlich vom Leasingnehmer getragen wird, eine realisierte Wertsteigerung des Wirtschaftsguts dagegen in vollem Umfang dem Leasinggeber zugute kommt, ist der Leasinggeber nicht nur juristischer, sondern auch wirtschaftlicher Eigentümer des Leasinggegenstandes; die Bilanzierung erfolgt daher beim Leasinggeber. Zusammenfassend können die steuerrechtlichen Bilanzierungskriterien für Leasinggegenstände aus den Übersichten auf S. 372 f. entnommen werden. 10.2 Buchungstechnik Die buchtechnische Behandlung knüpft an die Zurechnungskriterien des wirtschaftlichen Eigentums an. Ist der Leasinggeber zur Bilanzierung des Leasinggegenstandes verpflichtet, so hat er das Wirtschaftsgut in seinen Anlagenkonten mit dessen Anschaffungs-/Herstellungskosten zu erfassen. Abnutzbare Gegenstände sind ab dem Zeitpunkt des Zugangs über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Sowohl bei abnutzbaren als auch bei nicht abnutzbaren Wirtschaftsgütern müssen ggf. außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen werden (vgl. HFA, Leasinggeber, S. 625). Nebenkosten des Leasinggegenstandes, wie z. B. Installationskosten beim Leasingnehmer, sind als Anschaffungskosten zu aktivieren, sofern sie dem Leasingobjekt direkt zurechenbar sind (vgl. Heitmüller/Hellen, Leasingsverhältnisse, Rn. 146 f.). Sofern bei der Herstellung oder dem Bezug des Vermögensgegenstandes Umsatzsteuer anfällt, kann der Leasinggeber, falls er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, diesen Betrag als Vorsteuer in Anrechnung bringen. Die zufließenden Leasingraten sind als Betriebseinnahmen erfolgswirksam zu verbuchen. Da bei der Bilanzierung des Leasinggegenstandes beim Leasinggeber die Nutzungsüberlassung eine umsatzsteuerbare sonstige Leistung (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 und § 3 Abs. 9 UStG) darstellt, sind die Leasingraten grundsätzlich der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Beim Leasing unbeweglicher Wirtschaftsgüter sind allerdings der Kauf und die Leasingraten umsatzsteuerbefreit (§ 4 Nr. 9a und 12 UStG). Um einen Ausschluss des Vorsteuerabzugs zu vermeiden, kann der Leasinggeber jedoch unter den Voraussetzungen des § 9 UStG auf die Steuerbefreiung verzichten. Der Leasingnehmer darf seinerseits die Leasingrate erfolgswirksam als abzugsfähige Betriebsausgabe (jedoch mit gewerbesteuerlicher Hinzurechnung im Rahmen des § 8 Nr. 1 lit. d und e GewStG, vgl. den vorausgehenden Abschnitt, S. 370) und die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer verbuchen. Damit werden folgende Buchungen ausgelöst (Schmorleiz, Bilanzierung, S. 395): – Beim Leasinggeber: a) Aktivierung des Leasingobjektes Anlagenkonto Vorsteuer an Bank oder Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 10.2 Buchungstechnik 375 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 375 Status: Imprimatur b) Vereinnahmung der Leasingraten Leasingforderungen oder Bank an Leasingmieterträge Mehrwertsteuer – Beim Leasingnehmer: Verbuchung der Leasingraten Leasingmietaufwendungen Vorsteuer an Leasingverbindlichkeiten oder Bank Im Falle degressiver Leasingraten ist zu klären, ob in den Raten Entgelte (Zinsanteile) für zukünftige Nutzungen enthalten sind. Dies ist bei fallenden Leasingraten insbesondere im Immobilienleasing zu unterstellen, bei dem üblicherweise von einer gleichbleibenden Nutzung des Grundstückes bzw. Gebäudes über die Vertragslaufzeit hinweg ausgegangen wird (vgl. BFH v. 12. 8. 1982, DB 1982, S. 2383 ff.). Im Umfang der Differenz zwischen tatsächlichem Zinsanteil der Leasingrate und dem über die Laufzeit gemittelten Zinsbetrag ist in den ersten Jahren ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden und später wieder aufzulösen. In jüngerer Rechtsprechung relativiert der BFH allerdings diesen von ihm entwickelten Grundsatz und lässt für das Mobilienleasing durchaus die Möglichkeit einer vollständigen Aufwandsverrechung im Zeitablauf sinkender Leasingraten zu (vgl. BFH v. 28. 2. 2001, DB 2001, S. 1457 f.). Dies ist dann zulässig, wenn der degressive Verlauf der Nutzungsentgelte dem tatsächlichen, durch technische oder wirtschaftliche Veralterung bedingten Nutzungsverlauf entspricht. Erfolgt die Zurechnung des Leasingobjektes dagegen beim Leasingnehmer, so ist der Kauf oder die Herstellung des Wirtschaftsgutes wie im vorhergehenden Fall zu verbuchen. Insbesondere erfolgt dessen Aktivierung zu Anschaffungs-/ Herstellungskosten (BMF v. 19. 4. 1971, BStBl. I 1971, S. 265; im Schrifttum wird auch ein Ansatz in Höhe des Barwertes der zukünftigen Leasingraten gefordert, vgl. Wehrheim, Leasingverträge, S. 1104). Da der Vermögensgegenstand jedoch wegen des zugrunde liegenden kaufähnlichen Leasingvertrages zum wirtschaftlichen Eigentum des Leasingnehmers zählt, wird die Aktivierung beim Leasinggeber wie bei einer Ware im Umlaufvermögen vorgenommen. Die Lieferung und Übergabe des Leasinggegenstandes erfordert eine Umbuchung aus dem Bestandskonto des Umlaufvermögens in ein (Leasing-)Kaufpreisforderungskonto. Beim Leasingnehmer sind in gleicher Höhe eine (Leasing-) Kaufpreisverbindlichkeit sowie die Zuführung des Leasinggegenstandes zum Anlagevermögen einzubuchen. Zugleich löst dieser Vorgang eine Umsatzsteuerpflicht aus. Da die Finanzbehörde (Abschn. 25 Abs. 4 UStR) grundsätzlich eine Trennung des Leasingvertrages in eine umsatzsteuerbare Lieferung und ein umsatzsteuerfreies Kreditgeschäft nicht zulässt, das Leasinggeschäft mithin als einheitlichen Vorgang wertet, sind die gesamte Summe der Leasingraten während der Laufzeit des Leasingvertrages und bei Optionsverträgen auch der vereinbarte Kaufpreis bzw. die Summe der vereinbarten Anschlussmieten der Umsatzsteuer zu unterwerfen (vgl. auch BFH v. 1. 10. 1970, BStBl. II 1971, 10 Leasing376 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 376 Status: Imprimatur S. 34). Im Falle der Nichtausübung der Option ist die Umsatzsteuer entsprechend zu berichtigen (§ 17 UStG; vgl. auch Heyd/Rick, Buchen, L 70). Würde die Kreditgewährung beim Leasing demgegenüber als gesonderte umsatzsteuerliche Leistung kenntlich gemacht (Abschn. 29a Abs. 2, 3 UStR), so stellte das Entgelt für die Kreditgewährung eine Gegenleistung für die gemäß § 4 Nr. 8 UStG steuerfreie sonstige Leistung dar. Eine Umsatzsteuerschuld entstünde insoweit nicht (Optionsmöglichkeit). Eine Steuerbefreiung entsprechend der Befreiung von Umsätzen, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen (§ 4 Nr. 9a UStG), kommt nach Auffassung der Finanzverwaltung bei der Zurechnung des Leasinggegenstandes zum Leasingnehmer nicht in Betracht. Die Umsatzsteuer wird dem Leasingnehmer unabhängig von der Höhe der Leasingraten sofort in Rechnung gestellt, da die Vereinnahmung der Leasingrate selbst keine Umsatzsteuerpflicht nach sich zieht. Die Mehrwertsteuerforderung ist daher auf einem gesonderten Konto zu erfassen. Werden bei einem Leasingvertrag, der umsatzsteuerlich eine als sonstige Leistung zu klassifizierende Nutzungsüberlassung beinhaltet, die Leasingbedingungen während der Vertragslaufzeit so geändert, dass das wirtschaftliche Eigentum am Leasinggegenstand vom Leasinggeber auf den Leasingnehmer übergeht, wird aus der sonstigen Leistung eine Lieferung. Demgegenüber kann aus einer Lieferung nur dann eine sonstige Leistung werden, wenn die Lieferung rückabgewickelt wird, wobei nach § 17 Abs. 2 Nr. 3 i. V. m. Abs. 1 UStG Mehrwertund Vorsteuer zu korrigieren sind. Sowohl bei der vertragsgemäßen Rückgabe des Leasinggegenstandes als auch bei vorzeitiger Beendigung von Leasingverträgen ist bei Zahlungen, die der Leasingnehmer dann an den Leasinggeber zu leisten hat, unabhängig davon, wem der Leasinggegenstand zugerechnet wurde, zwischen steuerbaren Umsätzen und nicht steuerbarem Schadensersatz zu unterscheiden (s. OFD Hamburg v. 13. 9. 1991, DB 1991, S. 2363 ff.; zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Ausgleichsansprüchen nach Beendigung von Leasingverhältnissen vgl. BMF-Schreiben v. 22. 5. 2008, BStBl. I 2008, S. 632). Da die vereinnahmten Leasingraten zum Teil zur Tilgung und damit erfolgsneutralen Verringerung der noch ausstehenden Kaufpreisforderungen bzw. -verbindlichkeiten herangezogen werden, ist eine Aufspaltung der Rate in einen erfolgsneutralen Tilgungsanteil und in einen erfolgswirksamen Zins- und Kostenanteil notwendig. Der gesamte, einheitlich zu ermittelnde Zins- und Kostenanteil ergibt sich aus der Differenz zwischen der Summe der Leasingraten und den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Leasinggebers. Bei der Aufteilung dieser Differenz auf die jährlichen Zins- und Kostenanteile ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei einer konstanten Rate der laufenden Tilgung wegen der Zinsanteil ständig sinkt. Zur Errechnung des Zinsanteils ist damit ein allgemeiner Zinssatz ungeeignet. Die jährliche Aufteilung hat vielmehr mit Hilfe finanzmathematischer Methoden, der Barwertvergleichsoder der Zinsstaffelmethode, zu erfolgen (BMF v. 13. 12. 1973, DB 1973, S. 2485). Die folgende Darstellung der Methoden basiert auf einer vollständigen Tilgung der Verbindlichkeit über die Leasingraten. Nach der Barwertvergleichsmethode wird zunächst der Zinssatz zur Ermittlung des Zinsanteils über die interne Zinsfußmethode ermittelt: 10.2 Buchungstechnik 377 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 377 Status: Imprimatur (1) LR · – A0 = 0 · (1 + )n p 100 p 100 (1 + )n – 1 p 100 wobei LR = jährliche Leasingrate A0 = Anschaffungskosten des Leasingobjektes n = Grundmietzeit in Jahren p = Zinssatz p. a. Mit Hilfe dieses Zinssatzes kann anschließend der Barwert (BW) der noch ausstehenden Leasingraten errechnet werden: (2) BWt = LR · für t = 1, …, n · (1 + )n-t p 100 p 100 (1 + )n-t – 1 p 100 Der Tilgungsanteil entspricht der Differenz der aufeinander folgenden Barwerte. Durch Verminderung der Leasingrate um den Tilgungsanteil lässt sich der Zins- und Kostenanteil bestimmen. Die hier dargestellte Barwertvergleichsmethode führt zum selben Ergebnis wie die Anwendung der Effektivzinsmethode bei gegebenen Anschaffungskosten und konstanten zukünftigen Zahlungen ohne Restwert (vgl. zur Effektivzinsmethode Teil A, Abschn. 7.3.1, S. 301 ff.). Die Zinsstaffelmethode stellt gegenüber der Barwertvergleichsmethode eine Vereinfachung bei der Berechnung des jährlichen Zins- und Kostenanteils dar. Sie teilt die gesamte Leasingrate dergestalt auf, dass – ähnlich der digitalen Abschreibung (s. Teil A, Abschn. 12.2.3.2, S. 446 f.) – der Zins- und Kostenanteil jährlich um einen konstanten Betrag verringert wird: (3) ZKt ZKt · [(n – 1) + 1] (1 + n) n 2 = = Zins- und Kostenanteil der Leasing-Raten im Zeitpunkt t ∈{1, …, w} t = Periode bzw. Jahresziffer (n – t) = Anzahl der restlichen Leasing-Raten aus Sicht von t = 1, …, n = Summe der Zins- und Kostenanteile aller Leasing-Raten für t = 1, …, n ZKk n k=1 ∑ ZKk n k=1 ∑ = Summe der Jahresziffern = n k=1 ∑ k n k=1 ∑ k 10 Leasing378 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 378 Status: Imprimatur Beispiel: (Falterbaum/Bolk/Reiß/Kirchner, Buchführung, S. 634 f.) Die Anschaffungskosten eines Leasingobjektes betragen für den Leasinggeber 60.000. Die Grundmietzeit beträgt 6 Jahre. Die jährlichen Leasingraten betragen 15.000. Summe der Leasingraten (6 Raten à 15.000) 90.000 Tilgungsanteil (Anschaffungskosten) . /. 60.000 Gesamter Zins- und Kostenanteil 30.000 Als Zinssatz zur Anwendung der Barwertvergleichsmethode ergibt sich aus Gleichung (1) p = 12,978 %. Die 6-jährige Grundmietzeit ergibt bei der Zinsstaffelmethode eine Summe aller Jahresziffern von 6 + 5 + 4 + 3 + 2 + 1 = 21. Hieraus resultiert ein Zins- und Kostenanteil gemäß Gleichung (3): für die erste Leasingrate: 6 21 · 30.000 = 8.571,43 für die zweite Leasingrate: 5 21 · 30.000 = 7.142,86 für die dritte Leasingrate: 4 21 · 30.000 = 5.714,29 usw. Die folgende Tabelle verdeutlicht die unterschiedlichen Belastungen der Perioden bei alternativer Anwendung der Verteilungsmethoden: Barwertvergleichsmethode Zinsstaffelmethode Jahr Leasing- Raten Barwerte Tilgungsanteile Zins- und Kostenanteile Zins- und Kostenanteile Tilgungsanteile 0 1 2 3 4 5 6 – 15.000,– 15.000,– 15.000,– 15.000,– 15.000,– 15.000,– 60.000,–– 52.786,80 44.637,47 35.430,52 25.028,70 13.276,92 0 – 7.213,20 8.149,33 9.206,95 10.401,82 11.751,78 13.276,92 – 7.786,80 6.850,67 5.793,05 4.598,18 3.248,22 1.723,08 – 8.571,43 7.142,86 5.714,29 4.285,71 2.857,14 1.428,57 – 6.428,57 7.857,14 9.285,71 10.714,29 12.142,86 13.571,43 90.000,– – 60.000,– 30.000,– 30.000,– 60.000,– Die erfolgsneutralen Tilgungsanteile sind beim Leasinggeber bei der ausstehenden (Leasing-)Kaufpreisforderung und beim Leasingnehmer bei der korrespondierenden (Leasing-)Kaufpreisverbindlichkeit zu verbuchen. Die Zins- und Kostenanteile werden dagegen erfolgswirksam als Leasingmietertrag bzw. Leasingmietaufwand erfasst. Damit ergeben sich folgende Buchungssätze (Schmorleiz, Bilanzierung, S. 395): – Beim Leasinggeber: a) Vorläufige Aktivierung des Leasingobjektes Anlagenkonto (Umlaufvermögen) Vorsteuer an Bank oder Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 10.2 Buchungstechnik 379 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 379 Status: Imprimatur b) Übergabe des Leasingobjektes Kaufpreisforderungen Mehrwertsteuerforderungen an Mehrwertsteuer Anlagenkonto (Umlaufvermögen) c) Vereinnahmung der Leasingrate Leasingforderungen oder Bank an Kaufpreisforderungen Leasingmieterträge – Beim Leasingnehmer: a) Aktivierung des Leasingobjektes nach Übergabe Anlagenkonto Vorsteuer an Kaufpreisverbindlichkeiten Mehrwertsteuerverbindlichkeiten b) Verbuchung der Leasingrate Kaufpreisverbindlichkeiten Leasingmietaufwendungen an Leasingverbindlichkeiten oder Bank Vorgeschlagen wird auch eine Bilanzierung des ausstehenden Zins- und Kostenanteils. Der Leasinggeber würde dann eine entsprechende Forderung gegen den Leasingnehmer sowie einen Passiven Rechnungsabgrenzungsposten bilden; der Leasingnehmer würde eine Verbindlichkeit gegen den Leasinggeber einbuchen, der die Bildung eines Aktiven Rechnungsabgrenzungspostens gegenüberstünde. Mit Zahlung bzw. Erhalt der Leasingraten sind dann die Verbindlichkeit bzw. die Forderung abzubauen und die Rechnungsabgrenzungsposten erfolgswirksam aufzulösen (vgl. hierzu Heyd/Rick, Buchen, L 70). Unterstellt man, dass das Leasingobjekt beim Leasinggeber fremdfinanziert ist, sei es durch unmittelbare Kreditaufnahme oder deshalb, weil die für die Anschaffung verwendeten Mittel nicht zur Fremdkapitaltilgung herangezogen wurden, so entsteht bzw. besteht eine Schuld, deren Zinsen bei der Ermittlung des Gewerbeertrages des Leasinggebers in Höhe von 25 % hinzuzurechnen sind (§ 8 Nr. 1 lit. a GewStG). Dadurch dass der Zinsanteil in den Leasingraten (20 % bzw. 50 % der Raten nach § 8 Nr. 1 lit. d, e GewStG) beim Leasingnehmer gewerbesteuerlich hinzugerechnet wird, ohne dass dem eine Kürzung seitens des Leasinggebers gegenüberstünde, ist die Leasing-Konstruktion wirtschaftlich betrachtet mit einer höheren Gewerbesteuer belastet als dies bei einem fremdfinanzierten Kauf des Leasingobjektes durch den Nutzer der Fall wäre. Dieser Problematik wurde im Zuge des Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher EU-Vorgaben sowie zur Änderung steuerlicher Vorschriften vom 8. 4. 2010 (BGBl. I 2010, S. 392) durch die Einfügung des § 19 Abs. 4 GewStDV zumindest zum Teil Rechnung getragen. Dieser befreit Finanzdienstleistungsinstitute i. S. v. § 1 Abs. 1a KWG, die seit dem Inkrafttreten des Jahressteuergesetzes 2009 am 25. 12. 2008 auch Leasinggesellschaften umfassen, die Finanzierungsleasinggeschäfte betreiben (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 10 KWG), rückwirkend zum 1. 1. 2008 10 Leasing380 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 380 Status: Imprimatur von der Hinzurechnungspflicht des § 8 Nr. 1 lit. a GewStG (Schuldzinsen), sofern die entsprechenden Entgelte unmittelbar auf Finanzdienstleistungen im Sinne des § 1 Abs. 1a Satz 2 KWG entfallen, also tatsächlich der Finanzierung des Leasinggegenstandes im Rahmen eines Finanzierungsleasing dienen. Ab dem Erhebungszeitpunkt 2011 tritt die Gewerbesteuerbefreiung nur dann ein, wenn das Finanzdienstleistungsinstitut mindestens 50 % seiner Umsätze aus dem Finanzdienstleistungsgeschäft generiert (§ 19 Abs. 4 Satz 2 GewStDV). In Bezug auf Operating-Leasingverhältnisse bleibt die Problematik der doppelten gewerbesteuerlichen Hinzurechnung zum einen beim Leasinggeber und zum anderen beim Leasingnehmer bestehen. Durch das am 25. 12. 2008 in Kraft getretene Jahressteuergesetz 2009 zählt neben dem Finanzierungsleasing auch das Factoring zu den erlaubnispflichtigen Finanzdienstleistungen i. S. d. § 1 Abs. 1a KWG (vgl. § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9, 10 KWG). Unternehmen, die eines dieser beiden Geschäfte betreiben, gelten demnach als Finanzdienstleistungsinstitute i. S. d. § 1 Abs. 1 KWG und sind damit nach § 340 Abs. 4 Satz 1 HGB verpflichtet, einen Jahres- und Konzernabschluss nach den für diese Institute geltenden Vorschriften der §§ 340 ff. HGB i. V. m. der RechKredV und der Prüfungsberichtsverordnung (PrüfbV) aufzustellen, sofern sie nicht nach § 2 Abs. 6 KWG hiervon befreit sind. Darüber hinaus haben Factoring- und (Finanzierungs-) Leasingunternehmen nach § 14 Abs. 1 KWG quartalsweise, jeweils zum 15. der Monate Januar, April, Juli und Oktober, Millionenkreditmeldungen an die Deutsche Bundesbank abzugeben. Durch § 2 Abs. 7 KWG sind Unternehmen dieser Art jedoch von zahlreichen weiteren aufsichtspflichtigen Regelungen und Anforderungen befreit. Zudem gilt demnach auch für Factoringunternehmen die Befreiung der Hinzurechnungspflicht von Schuldzinsen zum Gewerbebetrag nach § 8 Nr. 1 lit. a GewStG durch § 19 Abs. 4 GewStDV. Übungsbeispiel (Kontenbezeichnungen entsprechend Industriekontenrahmen, vgl. Anhang A.4, S. 1312–1317): 1) Ein Leasinggeber erwirbt am Ende der Periode 10 ein Leasingobjekt im Wert von 10.000. Zu Beginn der Periode 11 vermietet er den Gegenstand an einen Leasingnehmer für ein jährliches Entgelt von 2.500. Das Leasingobjekt hat eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 5 Jahren und wird linear abgeschrieben. Im Leasingvertrag zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer wurde eine Mietzeit von 3 Jahren festgelegt, ohne anschließende Kauf- oder Verlängerungsoption. Die Leasingraten sind vom Leasingnehmer für jede Periode im Voraus zu leisten. 2) Der Leasinggeber erwirbt am Jahresanfang eine Maschine für 50.000, die er sofort für 12.000/Jahr an einen Leasingnehmer vermietet. Die Maschine hat eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 10 Jahren und wird linear abgeschrieben. Dem Leasingnehmer wurde vertraglich eingeräumt, den Leasinggegenstand nach 5 Jahren Grundmietzeit für 22.000 erwerben zu können. 3) Der Leasinggeber kauft eine Maschine im Wert von 100.000 (ohne USt) und vermietet sie an den Leasingnehmer. Das Leasingobjekt hat eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 5 Jahren und ist linear abzuschreiben. Vertraglich wird vereinbart, dass der Leasinggeber die Maschine nach 3 Jahren veräu- ßert. Eventuelle Mehrerlöse werden 50 : 50 geteilt. Die jährliche Leasingrate beträgt 30.000 + USt. Der Leasinggegenstand verursacht beim Leasinggeber 10.2 Buchungstechnik 381 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 381 Status: Imprimatur Gesamtkosten in Höhe von 130.000. Nach 3 Jahren veräußert der Leasinggeber die Maschine für 55.000 (inkl. USt) an einen Dritten. Lösung: Buchungssätze 1) Die Grundmietzeit entspricht 60 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Die Zurechnung und die damit verbundene Aktivierung des Leasinggegenstandes erfolgen beim Leasinggeber. – Leasinggeber Ende 10: 07 260 Technische Anlagen und Maschinen anrechenbare Vorsteuer 10.000 1.000 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 11.000 Beginn 11: 24 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 2.750 an 5401 480 Leasingmieterträge Mehrwertsteuer 2.500 250 – Leasingnehmer Beginn 11: 711 260 Leasingmietaufwendungen anrechenbare Vorsteuer 2.500 250 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 2.750 2) Da der Restbuchwert der Maschine nach 5 Jahren (25.000) größer als der vorgesehene Kaufpreis (22.000) ist, wird der Leasinggegenstand beim Leasingnehmer aktiviert. (Verbuchung mit Anschaffungs-/Herstellungskosten.) – Leasinggeber 22 260 Fertige Erzeugnisse, Waren anrechenbare Vorsteuer 50.000 5.000 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 55.000 242 243 Kaufpreisforderungen Mehrwertsteuerforderungen aus Leasinggeschäften 50.000 8.200 an 22 480 Fertige Erzeugnisse, Waren Mehrwertsteuer 50.000 8.200 Die Mehrwertsteuerforderungen berechnen sich dabei wie folgt: Summe der Leasingraten während der 5 Jahre Grundmietzeit (5 × 12.000) 60.000 + Kaufpreis nach 5 Jahren 22.000 Umsatzsteuerbemessungsgrundlage 82.000 Umsatzsteuer (10 %) 8.200 10 Leasing382 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 382 Status: Imprimatur Die Aufspaltung der Forderung aus Lieferungen und Leistungen in einen Tilgungsanteil und einen Zins- und Kostenanteil wird nach der Zinsstaffelmethode vorgenommen: Ermittlung des Zins- und Kostenanteils: 5 Raten à 12.000 60.000 . /. Anschaffungskosten (Tilgungsanteil) 50.000 Zins- und Kostenanteil 10.000 Summe der Jahresziffern: 5 + 4 + 3 + 2 + 1 = 15 Perioden relativer Zins- u. Kostenanteil am Finanzierungsanteil absoluter Zins- u. Kostenanteil am Finanzierungsanteil Tilgungsanteil jährliche Leasingrate 1 2 · · · 5 5/15 4/15 · · · 1/15 3.333,34 2.666,67 · · · 666,66 8.666,66 9.333,33 · · · 11.333,34 12.000,— 12.000,–– · · · 12.000,–– 15/15 10.000,–– 50.000,–– 60.000,–– Buchung am Ende des ersten Jahres: 244 Leasingratenforderungen 12.000 an 242 5401 Kaufpreisforderungen Leasingmieterträge 8.666,66 3.333,34 – Leasingnehmer 07 260 Technische Anlagen und Maschinen anrechenbare Vorsteuer 50.000 8.200 an 4402 4403 Kaufpreisverbindlichkeiten Mehrwertsteuerverbindlichkeiten aus Leasinggeschäften 50.000 8.200 Buchung am Ende des ersten Jahres: 4402 711 Kaufpreisverbindlichkeiten Leasingmietaufwendungen 8.666,66 3.333,34 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 12.000 3) Oben genannter Leasingtyp ist ein Non-Pay-Out-Vertrag. Da der Leasinggeber mehr als 25 % eines eventuellen Mehrerlöses beim Verkauf des Leasinggegenstandes erhält, ist er wirtschaftlicher Eigentümer. 10.3 Leasing nach den IFRS 383 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 383 Status: Imprimatur Periode 1: – Leasinggeber 07 260 Technische Anlagen und Maschinen anrechenbare Vorsteuer 100.000 10.000 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 110.000 244 Leasingratenforderungen 33.000 an 5401 480 Leasingmieterträge Mehrwertsteuer 30.000 3.000 – Leasingnehmer 711 260 Leasingmietaufwendungen anrechenbare Vorsteuer 30.000 3.000 an 44 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 33.000 Periode 3: – Ermittlung des Mehrerlöses: Verkaufserlös (netto) 50.000 . /.  Restamortisation Gesamtkosten von Leasinggeber 130.000 . /.  . /. in der Grundmietzeit erhaltene Leasingraten 90.000 40.000 Mehrerlös 10.000 – Leasinggeber 280 Guthaben bei Kreditinstituten 55.000 an 07 546 480 Technische Anlagen und Maschinen Erträge aus dem Abgang von Vermögensgegenständen Mehrwertsteuer 40.000 10.000 5.000 Ausbuchung des Leasingnehmeranteils am Mehrerlös: 546 480 Erträge aus dem Abgang von Vermögensgegenständen Mehrwertsteuer 5.000 500 an 280 Guthaben bei Kreditinstituten 5.500 – Leasingnehmer 280 Guthaben bei Kreditinstituten 5.500 an 543 480 andere sonstige betriebliche Erträge Mehrwertsteuer 5.000 500 10.3 Leasing nach den IFRS Im Gegensatz zu dem sich am Steuerrecht orientierenden HGB existieren im Regelwerk der IFRS umfassende Vorschriften zur bilanziellen Behandlung von

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.