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9.3 Zuwendungen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 382 - 385

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_382

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
9 Steuern und Zuwendungen362 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 362 Status: Imprimatur ist (vgl. IAS 12.46). Der Ausweis der tatsächlich zu zahlenden bzw. der empfangenen Steuerzahlungen erfolgt regelmäßig als Steueraufwand bzw. Steuerertrag innerhalb des Periodenerfolgs. Von der allgemeinen Ausweispflicht im Periodenerfolg ausgenommen sind Steuern aus Geschäftsvorfällen und Ereignissen, die im sonstigen Ergebnis (Other Comprehensive Income als Teil des Gesamterfolges) oder direkt im Eigenkapital verbucht und damit (perioden-) erfolgsneutral behandelt werden (vgl. IAS 12.58, 61A). Die Verbuchung dieser Steuerzahlungen orientiert sich an der bilanziellen Abbildung der zugehörigen Geschäftsvorfälle. Muss im Falle von Dividendenzahlungen an Anteilseigner ein Teil der Dividende im Namen der Eigentümer als Quellensteuer direkt an die Steuerbehörde abgeführt werden, ist dieser Betrag nach IAS 12.65A direkt mit dem Eigenkapital als Teil der Dividenden zu verrechnen. Der Steuerbetrag, welcher aufgegebenen Geschäftsbereichen zuzuweisen ist, ist separat anzugeben (IAS 12.81(h), IFRS 5.33). 9.3 Zuwendungen Im Rahmen staatlicher Förderungsprogramme gewährt die öffentliche Hand Subventionen; das sind direkte Geldleistungen (= Ausgaben) des Staates (Finanzhilfen) oder steuerliche Vergünstigungen (= staatliche Mindereinnahmen). Mit Subventionen werden vielfältige Zwecke verfolgt: Sie dienen beispielsweise dem Schutz der Unternehmen vor in- und ausländischer Konkurrenz, der finanziellen Stärkung von Betrieben bei schwacher Konjunktur bzw. im wirtschaftlichen Strukturwandel, der Anregung bestimmter Unternehmensentscheidungen, dem Ausgleich regionaler Standortnachteile oder der Sicherung einer ausreichenden Selbstversorgung bei wichtigen Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Neben dem Unternehmenssektor fließen Subventionen besonders auch dem Wohnungsbau, der Landwirtschaft und in Form der Sparförderung den privaten Haushalten zu. Im Einzelnen können Subventionen in Steuererleichterungen, Zuwendungen, Zuschüssen, Zulagen, Prämien oder Beihilfen bestehen. Während die Bilanzierung von Steuererleichterungen, wie z. B. Sonderabschreibungen oder rückzahlbare Zuwendungen, keiner buchtechnischen Sonderbehandlung bedarf, da sie abrechnungstechnisch wie andere Abschreibungen oder Verbindlichkeiten behandelt werden (vgl. Teil A, Abschn. 13.2, S. 460 ff., sowie Abschn. 13.8, S. 548 ff.), erfordert die Gruppe der nicht oder nur bedingt rückzahlbaren Zuwendungen die Beachtung buchtechnischer Besonderheiten. Unter dem Oberbegriff finanzielle Zuwendungen lässt sich diese Gruppe wie in der nachfolgenden Abbildung wiedergegeben systematisieren. Zuschüsse, z. B. zur Förderung von Investitionen, sind grundsätzlich steuerpflichtig. Dem Bilanzierenden eröffnet sich deshalb in der Steuerbilanz ein Ansatzwahlrecht (R 6.5 Abs. 2 EStR). Zum einen kann die Investition mit den vollen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten aktiviert und der Zuschuss sofort als steuerpflichtige Einnahme verbucht werden, zum anderen ist aber auch eine unmittelbare Minderung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten um den Zuschuss und somit eine Nettoaktivierung möglich. Im zweiten Fall 9.3 Zuwendungen 363 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 363 Status: Imprimatur führt die zunächst erfolgsneutrale Vereinnahmung erst über das verringerte Abschreibungspotential des begünstigten Wirtschaftsgutes zur sukzessiven Erfolgswirksamkeit. Handelsrechtlich erscheint dagegen ein solches Wahlrecht zwischen einer sofortigen erfolgswirksamen Behandlung und einer Minderung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten nicht in jedem Fall korrekt. Für die Zwecke der Handelsbilanz bedarf es vielmehr einer Differenzierung der Zuschüsse hinsichtlich der angestrebten Wirkung. Gemäß diesem Kriterium kann zwischen Zuschüssen unterschieden werden, bei denen eine Gegenleistung des Empfängers gegenüber dem Geber oder einem Dritten erforderlich ist, und Zuschüssen, die zum Zwecke der allgemeinen Wirtschaftsförderung ohne Gegenleistungsverpflichtung gewährt werden. Bei Gegenleistungen, die während der Nutzungsdauer einer geförderten Investition erbracht werden, wird die Bildung eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens notwendig, da eine Einnahme vorliegt, die Ertrag für eine – im weiten Sinne verstanden – bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag darstellt. Zuschüsse dagegen, die der allgemeinen Förderung der Wirtschaft dienen und deshalb keine Gegenleistungsverpflichtung begründen, sind erfolgsneutral von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzusetzen oder erfolgswirksam zu behandeln, d. h. der Gewinn im Jahre der Zuschussgewährung erhöht sich um den entsprechenden Betrag. Besteht also keine Gegenleistungsverpflichtung, entspricht die handelsrechtliche Behandlung der steuerrechtlichen. Dabei ist zu beachten, dass Voraussetzung einer steuerlich erfolgsneutralen Vereinnahmung die gleiche Behandlung im handelsrechtlichen Jahresabschluss ist (R 6.5 Abs. 2 EStR). Die Sachverhalte sollen am folgenden Beispiel veranschaulicht werden. Beispiel: Kauf einer Maschine für 100.000 € unter Gewährung eines staatlichen Zuschusses von 10 % der Anschaffungskosten. Buchungssätze: Kauf der Maschine, Vereinnahmung des Zuschusses Maschine 100.000 an Bank 100.000 Bank 10.000 an Zuschüsse 10.000 Verwendung des Zuschusses a) steuerlich: – sofortige erfolgswirksame Vereinnahmung des Zuschusses Zuschüsse 10.000 an Erträge aus Zuschüssen 10.000 Finanzielle Zuwendungen nicht rückzahlbar Zuschüsse (steuerpflichtig) Zulagen (steuerfrei) bedingt rückzahlbar Systematisierung finanzieller Zuwendungen 9 Steuern und Zuwendungen364 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 364 Status: Imprimatur – erfolgsneutrale Vereinnahmung durch Anschaffungskostenminderung Zuschüsse 10.000 an Maschinen 10.000 b) handelsrechtlich: – mit Gegenleistungsverpflichtung Zuschüsse 10.000 an Passive RAP 10.000 – ohne Gegenleistungsverpflichtung Zuschüsse 10.000 an Erträge aus Zuschüssen 10.000 oder Zuschüsse 10.000 an Maschinen 10.000 Die Führung eines speziellen Zuschusskontos ist aus Nachweisgründen (Art der Zulagenverwendung, Zuwendungsbedingungen) erforderlich. Werden Zuschüsse nicht unmittelbar ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung zugeführt, dann dürfen die Zuschussbeträge vorübergehend in eine steuerfreie Zuschussrücklage (R 6.5 Abs. 4 EStR) eingestellt werden (im Einzelnen Teil A, Abschn. 13.7.3, S. 529 ff.). Zulagen, wie z. B. nach dem Investitionszulagengesetz 2010 (InvZulG 2010) für Investitionen in den neuen Bundesländern (Fördergebiet, ab 1999 nur einschließlich des Ostteils von Berlin, zuvor inkl. ganz Berlin) gehören dagegen nicht zu den einkommensteuerlichen Einkünften (§ 13 InvZulG 2010); sie werden handelsrechtlich zum Zeitpunkt der Vereinnahmung erfolgswirksam erfasst, so dass eine Erhöhung des Jahresüberschusses eintritt. Handelt es sich dabei um eine Zulage, auf die ein Rechtsanspruch besteht, ist es möglich, die Zulage bereits vor der Bewilligung oder der Vereinnahmung erfolgswirksam anzusetzen. Da es sich um steuerfreie Zuwendungen handelt, erfolgt im Rahmen der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens eine Korrektur des handelsrechtlichen Jahresüberschusses durch Subtraktion des Zulagenbetrages. Zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Zuschüssen vgl. Teil A, Abschn. 4.4.1, S. 124. Beispiel: Aufgrund von durchgeführten begünstigten Investitionen in Sachsen (Teil des Fördergebietes) stellt das Unternehmen am Ende des Jahres einen Antrag auf eine steuerfreie Zulage in Höhe von 5.000. Buchungssätze: Forderungen 5.000 an Zulagen 5.000 Zulagen 5.000 an Erträge aus Zulagen 5.000 Die steuerliche Vereinnahmung bedingt rückzahlbarer finanzieller Zuwendungen erfordert keine andere buchtechnische Handhabung als bei nicht rückzahlbaren Zuwendungen. Besonderheiten treten erst dann in Erscheinung, wenn die Bedingungen erfüllt werden, an die die Rückzahlung der Zuwendung geknüpft ist. Fällt z. B. ein Sanierungszuschuss mit Wiedererlangung der Ertragsfähigkeit in Abhängigkeit vom erzielten Gewinn weg, so ist der Rückzahlungsverpflichtung durch die Einbuchung einer Verbindlichkeit Rechnung zu tragen. Ist die Rückzahlbarkeit einer Zuwendung, z. B. für Erstinvestitionen, von den Erfol- 9.3 Zuwendungen 365 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 365 Status: Imprimatur gen des geförderten Projekts abhängig, so sind in Abhängigkeit der erwarteten Erlöse Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten (Rückzahlungen) zu bilden oder bei bereits realisierten Erlösen die feststehenden Verbindlichkeiten zu passivieren. Ergänzende Literatur zu: 9 Steuern und Zuwendungen Bornhofen/Bornhofen, Buchführung, S. 371–377 Budde, § 275 HGB, Rn. 91–99 Heinhold, Buchführung, S. 181–190 Hofbauer, Zulagen und Zuschüsse, S. 653–661 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, S. 220–223 Schiederer/Loidl, Buchführung, S. 153–158 Schöttler/Spulak, Rechnungswesen, S. 175–177

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.