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9.1 Steueraufwand in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 375 - 381

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_375

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 355 Status: Imprimatur 9 Steuern und Zuwendungen 9.1 Steueraufwand Nach § 3 Abs. 1 AO sind Steuern Geldleistungen, die keine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen; sie werden von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft. Das Steuerkriterium „keine Gegenleistung für besondere Leistungen“ kann zur Abgrenzung der Steuern von anderen Abgaben, wie Gebühren oder Beiträgen, herangezogen werden: Bei Gebühren stehen sich Leistung und Gegenleistung unmittelbar gegenüber, während bei Beiträgen Leistung und Gegenleistung sachlich und zeitlich differieren. Die üblicherweise bei betrieblicher Betätigung zum Ansatz kommenden Steuern lassen sich unter dem Gesichtspunkt ihrer buchmäßigen und handelsbilanziellen Behandlung in Aufwand- und Privatsteuern sowie in durchlaufende Steuern einteilen. Aufwandsteuern sind durch den Betrieb veranlasst und wirken deshalb unmittelbar oder mittelbar erfolgsmindernd. Ihre buchtechnische Erfassung erfolgt daher auf spezifischen Steueraufwandskonten (Kontenklasse Großhandelskontenrahmen: 22; GKR: 46; IKR: 70, 77 u. 78; DATEV SKR 03: 2200–2289, 4300–4355, 4510 und DATEV SKR 04: 7600–7694, jeweils mit weiteren Einzelkonten). Zu den Aufwandsteuern, die den handelsrechtlichen Gewinn unmittelbar kürzen, zählen derzeit die – Körperschaftsteuer bei Kapitalgesellschaften, – Gewerbesteuer als Steuer auf den Gewerbeertrag, – Grundsteuer für betrieblich genutzte Grundstücke, – Kraftfahrzeugsteuer für betrieblich genutzte Kraftfahrzeuge, – Einfuhrzölle auf nicht aktivierungsfähige Wirtschaftsgüter, – verschiedene Verbrauchsteuern. Demgegenüber entfiel seit dem Erhebungszeitraum 1998 die bis dahin noch bestehende Steuer auf das Gewerbekapital (Gewerbekapitalsteuer). Ferner wird seit dem 1. 1. 1997 die Vermögensteuer bei Kapitalgesellschaften nicht mehr erhoben. Im Gegensatz zu den Aufwandsteuern stehen jene Steuern, die nicht sofort bei ihrer Bezahlung erfolgsmindernd wirken, sondern als Anschaffungsnebenkosten aktiviert werden. Buchtechnisch werden sie also auf den aktiven Bestandskonten erfasst und gelangen erst in den Folgeperioden durch planmäßige Abschreibung über die Nutzungsdauer bzw. durch außerplanmäßige 9 Steuern und Zuwendungen356 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 356 Status: Imprimatur Abschreibung (Grundstücke) zur Aufwandsverrechnung. Hierzu gehören gegenwärtig die – Grunderwerbsteuer für den Erwerb von Betriebsgrundstücken, wobei der Steuersatz des § 11 GrEStG i. H. v. 3,5 % auf Basis des Art. 105 Abs. 2a Satz 2 GG ab 1. 9. 2006 länderspezifisch abweichend hiervon gestaltet werden kann, – Umsatzsteuer, die nicht als Vorsteuer abziehbar ist (s. Teil A, Abschn. 4.4.2, S. 129 ff.) sowie – Einfuhrzölle bei aktivierungsfähigen Wirtschaftsgütern. Die Privatsteuern sind demgegenüber nicht betriebsbedingt; sie knüpfen an die persönliche Leistungsfähigkeit des Inhabers bzw. Gesellschafters an. Als personenbezogene Steuern sind sie demnach vollständig der privaten Sphäre zuzurechnen, so dass die buchtechnische Erfassung über das Privatkonto bzw. das Unterkonto Privatsteuern erfolgt. Die Privatsteuern lassen sich unterteilen in: – Einkommensteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag) und Kirchensteuer des Unternehmers, – Grundsteuer und Kraftfahrzeugsteuer, soweit sie privat genutzte Grundstücke und Kraftfahrzeuge betreffen. Die Vermögensteuer bei Personengesellschaften und Einzelfirmen wird ebenso wie bei Kapitalgesellschaften seit dem 1. 1. 1997 nicht mehr erhoben. Durchlaufende Steuern wirken weder für das Unternehmen noch für den Inhaber bzw. Gesellschafter erfolgsbelastend. Sie werden durch das Unternehmen für andere Steuerpflichtige einbehalten und sodann an das Finanzamt abgeführt. Da das Unternehmen allerdings für die richtige Einbehaltung der Steuern haftet, ist auch ihre gesonderte buchtechnische Erfassung unerlässlich. Als durchlaufende Steuern sind grundsätzlich zu behandeln: – einbehaltene Lohn- und Kirchensteuer der Arbeitnehmer sowie Solidaritätszuschlag (s. Teil A, Kap. 8, S. 317 ff.) und – Umsatzsteuer (s. Teil A, Abschn. 4.4, S. 124 ff.). Da mit dem handelsrechtlichen Jahresabschluss letztlich auch das Ziel verfolgt wird, den verteilungsfähigen Gewinn zu ermitteln, sind grundsätzlich alle von der Unternehmung als Steuerschuldner zu entrichtenden Steuern zu erfassen und in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen (Zur weiteren steuerlichen Behandlung auf der Ebene der Anteilseigner von Kapitalgesellschaften, speziell zum so genannten Teileinkünfteverfahren respektive zur Abgeltungsteuer vgl. Teil A, Abschn. 7.1.3.2, S. 213 f., 215 f., sowie Abschn. 14.3.1.2, S. 624 ff.). Die vollständige Erfassung der endgültig zu erhebenden Steuer führt jedoch zwangsläufig zu abrechnungstechnischen Problemen, wenn die Steuerlast und/ oder deren Fälligkeit bei der Erstellung des Jahresabschlusses noch nicht feststeht. In diesen Fällen ist eine Rückstellung zu bilden (z. B. Rückstellungsbildung für eine zu erwartende Steuernachveranlagung anlässlich einer steuerlichen Betriebsprüfung [Betriebsprüfungsrisiko] oder Gewerbesteuerrückstellung; zur Bildung und Auflösung von Rückstellungen vgl. Teil A, Abschn. 13.7.1., S. 512 ff.). In der Steuerbilanz sind Steuerrückstellungen allerdings auf den Bereich der als Betriebsausgabe abzugsfähigen Steuern eingeschränkt: Dazu gehören ledig- 9.1 Steueraufwand 357 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 357 Status: Imprimatur lich die Grundsteuer sowie eine Reihe von Verbrauchsteuern, nicht jedoch die Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer. Trotz des seit dem 1. 1. 2008 geltenden Abzugsverbots der Gewerbesteuer als Betriebsausgabe ist die handelsrechtlich zu bildende Gewerbesteuerrückstellung aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG) auch in der Steuerbilanz anzusetzen (Verfügung der OFD Rheinland v. 5. 5. 2009, BB 2009, S. 1292). In der Handelsbilanz von Kapitalgesellschaften ist auch die voraussichtlich geschuldete Körperschaftsteuer in den Steuerrückstellungen zu erfassen (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 266 HGB, Rn. 206). Auszuweisen ist nach § 275 Abs. 2 Nr. 18 und 19 bzw. Abs. 3 Nr. 17 und 18 HGB die gesamte Steuerbelastung der Periode, differenziert nach den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (Nr. 18 bzw. 17) und nach den sonstigen Steuern (Nr. 19 bzw. 18). Eine Spezifizierung der einzelnen Bestandteile verlangt das Gesetz jedoch nicht; es genügt der Ausweis der beiden Summen. Demzufolge sind nur die Einkommen- und (anderen) Ertragsteuern in einem gesonderten Posten auszuweisen. Darüber hinaus erfordert § 285 Nr. 6 HGB, dass Kapitalgesellschaften diese Steuern auf das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und auf das außerordentliche Ergebnis aufteilen. Der Ausweis der gewinnabhängigen Steuern erweist sich jedoch bei Unternehmen, die nicht der Körperschaftsteuerpflicht unterliegen, als außerordentlich problematisch: Die Berechnung der Einkommensteuer knüpft an die persönliche und soziale Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen an; ein gesonderter Ausweis dieser Steuern in einem publizitätspflichtigen Jahresabschluss würde die persönlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen offen legen. Der Gesetzgeber lässt deshalb den Steuerausweis unter den sonstigen Aufwendungen zu (§ 5 Abs. 5 Satz 2 PublG). Rechtskräftig veranlagte, aber noch nicht abgeführte Steuern sind in der Bilanz als sonstige Verbindlichkeiten auszuweisen. Dementsprechend werden Steuererstattungsansprüche für die laufende Periode als sonstiger Vermögensgegenstand ausgewiesen. Dagegen werden Rückerstattungen für frühere Perioden als Korrektur zu den Steueraufwendungen (§ 275 Abs. 2 Nr. 18 bzw. 19 bzw. Abs. 3 Nr. 17 bzw. 18 HGB) erfolgswirksam erfasst. Ausnahmsweise dürfen Erstattungsansprüche für frühere Jahre auch mit Nachforderungen für frühere Jahre verrechnet werden; das gilt auch für nicht mehr benötigte Steuerrückstellungen, sofern sie für die gleiche Steuerart gebildet wurden. Die Notwendigkeit, Steuerrückerstattungen in der Gewinn- und Verlustrechnung als Korrektur zu den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag bzw. zu den sonstigen Steuern zu behandeln, ergibt sich aus der Tatsache, dass § 275 HGB keine Position „Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen“ kennt. In Frage käme zwar eine Subsumierung von Erträgen aus der Auflösung von Steuerrückstellungen und von Steuerrückerstattungen unter den sonstigen betrieblichen Erträgen, allerdings kann dieser Weg deshalb nicht beschritten werden, weil die Steuerbelastung zusammengefasst sowohl für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit als auch für das außerordentliche Ergebnis auszuweisen ist. Ein Ausweis als sonstiger betrieblicher Ertrag würde aber steuerliche Tatbestände in jedem Fall zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zählen. Es 9 Steuern und Zuwendungen358 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 358 Status: Imprimatur bleibt nur die Möglichkeit, Erträge aus der Auflösung von Steuerrückstellungen und Steuerrückerstattungen als Korrekturen zu den Steueraufwendungen anzusehen. Dieser Behandlung steht auch nicht das Saldierungsverbot aus § 246 Abs. 2 HGB entgegen, da § 275 HGB den Terminus Steuern verwendet und damit nicht nur Steueraufwendungen, sondern auch -erträge umfasst (Walz, Rechnungslegung, B 338, Tz. 50–53). Gleichwohl erscheint aus internen Gründen eine buchhalterische Trennung der periodenbezogenen Steuern von den periodenfremden Teilen sinnvoll, um ein periodengerechtes Betriebsergebnis ermitteln zu können. Steuererstattungsansprüche bzw. Steuerverbindlichkeiten können sich für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie land- und forstwirtschaftliche Betriebe zudem aus verfahrensrechtlichen Aspekten der Umsetzung der Öko- Steuer ergeben. Unter der Öko-Steuer ist die Einführung einer Strom- sowie die Erhöhung der Mineralölsteuer durch das Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform vom 24. 3. 1999 (BGBl. I 1999, S. 378) zu verstehen, dessen Zwecksetzung in der Verteuerung des Energieverbrauches zugunsten einer Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung bestand (vgl. zum Folgenden Birgel, Öko-Steuer, S. 848–856). Das in diesem Zusammenhang geschaffene Stromsteuergesetz (StromStG) wurde durch das Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform vom 16. 12. 1999 (BGBl. I 1999, S. 2432) weitergeführt und durch die Verordnung zur Durchführung des Stromsteuergesetzes (StromStV) vom 31. 5. 2000 (BGBl. I 2000, S. 794) ergänzt. Um die Wettbewerbsfähigkeit der gewerblichen Wirtschaft durch eine Verteuerung des Energieverbrauches nicht unverhältnismäßig zu belasten, wurden Möglichkeiten zur Steuerbefreiung bzw. Steuerermäßigung für das produzierende Gewerbe und die Land- und Forstwirtschaft geschaffen. Hierzu gehört ein ermäßigter Stromsteuersatz für Verbrauchsmengen oberhalb einer – gewerbliche von privaten Verbrauchern trennenden – Sockelverbrauchsmenge. Wird dem Stromversorger ein beim Hauptzollamt zu beantragender Erlaubnisschein zum Bezug von steuerbegünstigtem Strom vorgelegt, so stellt der Versorger dem Gewerbebetrieb unmittelbar nur den ermäßigten Strompreis in Rechnung. In Höhe der dadurch bis zur Sockelverbrauchsmenge zu niedrig bemessenen Stromsteuer entsteht eine Steuerschuld. Ein Erstattungsanspruch kann daraus entstehen, dass der Gewerbebetrieb die Vergütung bzw. Erstattung der Steuer beantragt, die auf zu betrieblichen Zwecken entnommenen Strom entrichtet wurde (§ 10 StromStG). Erstattet bzw. vergütet wird allerdings nur das Maximum aus 90 % der gezahlten Steuer und 90 % des Betrags, um den die Steuer den Unterschiedsbetrag zwischen dem Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung bei einem unterstellten Beitragssatz von 20,3 % (26 % in der knappschaftlichen Rentenversicherung) und einem unterstellten Beitragssatz von 19,5 % (25,9 % in der knappschaftlichen Rentenversicherung) übersteigt. Dies gilt allerdings lediglich für gezahlte Beträge, die den Sockelbetrag von 1.000 € pro Kalenderjahr übersteigen (vgl. § 10 Abs. 1, 2 StromStG). Darüber hinaus kann die gezahlte Steuer auf verschiedene Energieerzeugnisse (z. B. Mineralöl, Erdgas, Kohle) unter den im Energiesteuergesetz (EnergieStG) näher geregelten Umständen ebenfalls auf Antrag vergütet werden. Energiesteuern sind als Verbrauchsteuern grundsätzlich unter den sonstigen Steuern (§ 275 Abs. 2 Nr. 19 bzw. Abs. 3 Nr. 18 HGB) auszuweisen. Ist aus dem 9.1 Steueraufwand 359 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 359 Status: Imprimatur Rechnungsbetrag die Energiesteuer nicht zu ersehen und kann sie auch mit angemessenem Aufwand nicht ermittelt werden, kann von einer Abspaltung des Steuerbetrages vom zugrunde liegenden Energieaufwand abgesehen werden, sofern dies den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. Zustehende Erstattungsansprüche sind als sonstige Forderungen zu aktivieren; ihre Gegenbuchung erfolgt im Haben des Kontos, das mit den gezahlten Steuern belastet worden ist. Säumnis- oder Verspätungszuschläge (§§ 152, 240 AO) dürfen steuerrechtlich nicht als Betriebsausgabe angesetzt werden (H 12.4 EStH). Gleiches gilt für steuerliche Bußgelder (§§ 377 ff. AO) und Steuerstrafen (§§ 385 ff. AO; vgl. § 12 Nr. 4 EStG, R 4.13 EStR). Sie sind bei Einzelunternehmen auf dem Privatkonto zu erfassen (§ 4 Abs. 5 Nr. 8 EStG). Handelsrechtlich sind Säumnis- und Verspätungszuschläge als den Zinsen ähnliche Aufwendungen, Steuerstrafen und Bußgelder hingegen als sonstige betriebliche Aufwendungen zu betrachten (vgl. Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung, § 275 HGB, Rn. 186, 200). Weitere steuerliche Aufwands- oder Ertragsverbuchungen können sich aus dem Ansatz latenter Steuern ergeben, welche nach dem durch das BilMoG in das deutsche Handelsrecht eingeführten Temporary-Konzept zur Antizipation zukünftiger steuerlicher Be- und Entlastungen aus (Wert-)Ansatzdifferenzen zwischen Steuer- und Handelsbilanz anzusetzen sind respektive angesetzt werden dürfen. Da das Problem der Ertragsteuerabgrenzung in engem Zusammenhang mit der Vorbereitung des Abschlusses steht, wird hier auf die entsprechenden Ausführungen in Teil A, Abschn. 13.9 (S. 551 ff.) verwiesen. Übungsbeispiel: Die folgenden Geschäftsvorfälle sind unter Heranziehung des Großhandelskontenrahmens (s. Anhang A.2, S. 1308–1311) zu kontieren: 1) Laufende Grundsteuer von 250 für ein Betriebsgrundstück wurde durch LZB- Anweisung bezahlt. 2) An die Stadtkasse wurde Gewerbesteuer in Höhe von 12.000 überwiesen. Zu einem Teilbetrag von 4.500 stellte diese Steuerzahlung eine Nachzahlung auf die Steuerschuld des Vorjahres dar, für die unter Konto: 07 220 Gewerbesteuerrückstellung 4.000 ausgewiesen sind. 7.500 waren zur Abdeckung der Gewerbesteuervorauszahlungen für das laufende Jahr bestimmt. 3) Am Ende des Monats wurde das Mehrwert- und Vorsteuerkonto abgeglichen und die anstehende Zahllast an das Finanzamt überwiesen. Auf den Konten waren folgende Salden ausgewiesen: Soll Haben 141 Vorsteuer 2.500 181 Mehrwertsteuer 4.750 Die Abgleichung soll auf dem Konto: 183 Umsatzsteuerverrechnung durchgeführt werden. 4) Die Steuernachzahlung für den geschäftsführenden Gesellschafter wurde durch Scheck über 2.400 beglichen. 5) Die Lohn- und Kirchensteuerabzüge sowie einbehaltener Solidaritätszuschlag von 8.750 (insgesamt verbucht auf Konto: 191 Verbindlichkeiten aus Steuern) wurde über LZB dem Finanzamt überwiesen. 9 Steuern und Zuwendungen360 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 360 Status: Imprimatur 6) Ein Grundstück, auf dem ein Erweiterungsbau erstellt werden soll, ist mit folgenden Daten angeschafft worden: Banküberweisung an Verkäufer 40.000 Übernahme des Hypothekenkredits 40.000 Grunderwerbsteuer (dem Finanzamt überwiesen) 2.800 Anschaffungskosten 82.800 7) Für den Lastkraftwagen wurde die Kraftfahrzeugsteuer in Höhe von 1.000 überwiesen. 8) Für die zu erwartende Gewerbesteuerabschlusszahlung des laufenden Jahres soll eine Rückstellung in Höhe von 3.500 gebildet werden. 9) Bei sonstigen Betriebssteuern sind noch 500 rückständig. 10) Das Unternehmen erhält eine Steuerrückerstattung von 2.000 auf sein LZB- Konto. Davon entfallen 500 auf die in der letzten Periode geleistete Steuerzahlung und 1.500 betreffen die laufende Periode (Die Rückerstattung für die laufende Periode wurde bereits als kurzfristige Forderung buchtechnisch erfasst.). 11) Beim Kauf von Wertpapieren im Werte von 10.000 sind von der Bank 50 als Provision berechnet worden. Lösung: Buchungssätze 1) 423 Grundsteuer 250 an 1310 LZB-Guthaben 250 2) 07220 421 Gewerbesteuerrückstellung Gewerbesteuer 4.000 8.000 an 131 Guthaben bei Kreditinstituten 12.000 3) 183 Umsatzsteuerverrechnung 2.500 an 141 Vorsteuer 2.500 181 Mehrwertsteuer 4.750 an 183 Umsatzsteuerverrechnung 4.750 183 Umsatzsteuerverrechnung 2.250 an 131 Guthaben bei Kreditinstituten 2.250 4) 161 Privat Geschäftsführer 2.400 an 131 Guthaben bei Kreditinstituten 2.400 5) 191 Verbindlichkeiten aus Steuern 8.750 an 1310 LZB-Guthaben 8.750 6) 021 Unbebaute Grundstücke 82.800 an 131 0822 Guthaben bei Kreditinstituten Hypotheken 42.800 40.000 7) 422 Kraftfahrzeugsteuer 1.000 an 131 Guthaben bei Kreditinstituten 1.000 8) 421 Gewerbesteuer 3.500 an 07220 Gewerbesteuerrückstellung 3.500 9) 424 Sonstige Betriebssteuern 500 an 19 Noch abzuführende Abgaben (sonstige Verbindlichkeiten) 500 10) 1310 LZB-Guthaben 2.000 an 42 113 Steuern Sonstige kurzfristige Forderungen 500 1.500 11) 045 Wertpapiere 10.050 an 131 Guthaben bei Kreditinstituten 10.050 361 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 361 Status: Imprimatur 9.2 Bestehende Steuerschulden u. Steuererstattungs ansprüche nach den IFRS 9.2 Bestehende Steuerschulden und Steuererstattungsansprüche nach den IFRS Aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips (§ 5 Abs. 1 EStG) orientieren sich die steuerlichen Ansatz- und Bewertungsvorschriften an den handelsrechtlichen GoB und damit an der handelsrechtlichen Bilanzierung. Dem HGB-Einzelabschluss kommt demnach neben der Dokumentations-, Informations- und Kapitalerhaltungsfunktion auch eine Zahlungsbemessungsfunktion zu, welche neben der Zahlungsbemessung (z. B. Dividenden) auch die Bereitstellung einer Grundlage für die Steuerbemessung beinhaltet (Rückle, Anlegerinformation, S. 279 f.). Demgegenüber besteht das Hauptziel der Rechnungslegung nach den IFRS in der Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen (decision usefulness) über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des bilanzierenden Unternehmens. IFRS-Abschlüsse dienen somit nicht der Steuerbemessung. Die Bilanzierung von Ertragsteuern wird innerhalb der IFRS im IAS 12 („Income Taxes“, „Ertragsteuern“) geregelt. Gegenstand des IAS 12 sind neben tatsächlichen Steuerverpflichtungen bzw. -erstattungsansprüchen auch latente Steuerbeträge (vgl. hierzu Teil A, Abschn. 13.9.2, S. 566 ff.). Als Ertragsteuern i. S. d. IAS 12 gelten alle in- und ausländischen Steuern auf Basis des zu versteuernden Ergebnisses (vgl. IAS 12.2). Für die nach IFRS bilanzierenden deutschen Unternehmen sind dies die in Teil A, Abschn. 9.1, S. 355 angeführten Aufwandsteuern. Auch Quellensteuern, die aufgrund von Ausschüttungen an das bilanzierende Unternehmen seitens eines Tochterunternehmens, assoziierten Unternehmens oder eines Gemeinschaftsunternehmens geschuldet werden, zählen nach IAS 12.2 zu den Ertragsteuern. Prinzipiell mindern die vom Unternehmen zu entrichtenden Ertragsteuerzahlungen für laufende oder vergangene Perioden als Steueraufwand den Periodenerfolg (IAS 12.58; vgl. zu Periodenerfolgs- und Gesamterfolgsrechnung Teil A, Abschn. 3.8, S. 114 ff.). In Höhe der nicht entrichteten tatsächlichen Ertragsteuern für laufende oder vergangene Geschäftsjahre ist eine (Steuer-)Schuld gegenüber der entsprechenden Steuerbehörde zu passivieren. Übersteigt der in der aktuellen oder früheren Periode(n) gezahlte Betrag den für diese Periode(n) tatsächlich geschuldeten Betrag oder wird ein steuerlicher Verlust zu einem Verlustrücktrag genutzt, so ist der Unterschiedsbetrag grundsätzlich als Vermögenswert (Forderung) zu aktivieren (vgl. IAS 12.12 f.; Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Rechnungslegung, S. 222). Eine Saldierung von tatsächlichen Steuerschulden und Steuererstattungsansprüchen ist nach IAS 12.71 nur dann vorzunehmen, wenn das bilanzierende Unternehmen einen Rechtsanspruch zur Verrechnung hat und beabsichtigt, entweder den Ausgleich auf Nettobasis durchzuführen oder den betroffenen Vermögenswert und die korrespondierende Verbindlichkeit zeitgleich abzulösen. Die Bewertung der tatsächlichen Ertragsteuerschulden und Ertragsteueransprüche erfolgt mit dem Betrag, in dessen Höhe eine Zahlung an bzw. seitens der entsprechenden Steuerbehörde erwartet wird, wobei auf die zum Zeitpunkt des Abschlussstichtags oder allgemein für den relevanten Besteuerungszeitpunkt ggf. schon legislativ verabschiedeten nationalen Steuervorschriften abzustellen

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.